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Full text of "Die Laute der Appenzeller Mundarten"

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in  2010  with  funding  from 

University  of  Toronto 


http://www.archive.org/details/dielautederappeOOvets 


Beiträge  zur  Schweizerdeutschen  Grammatik 

Im  Auftrag  des  Leitenden  Ausschusses  für  das  Schweizerdeatsche 
v^v^  Idiotikon  herausgegeben  von  Albert  Bachmann  '^^v^ 

a  B  B —  — H 


l 


I. 


Die  Laute  der  Appenzeller  Mundarten 


Von 


Dr.  Jakob  Vetsch 


Verlag  von  Huber  &  Co.  in  Frauenfeld 


Die  Laute  der  Appenzeller  Mundarten 


Von 

Dr.  Jakob  Vetsch 


Mit  vier   Beilagen 


Verlag  von  Huber  &  Co.  in  Frauenfeld  1910 


Lei  Gr.  (jsv 
V5a95kA 


596495 

lo.  II     54 


Druck  von  Huber  t  Co.  in  Frauenfeld 


Vorwort. 


Die  Anregung  zu  dieser  Arbeit  verdanke  ich  dem  Heraus- 
geber vorliegender  Sammlung,  Herrn  Prof.  Dr.  A.  Bachmann;  der 
erste  Teil  (die  betonten  Vokale)  wurde  von  ihm  im  Herbste  1905 
als  Dissertation  angenommen  und  erschien  im  Jahre  1907  im 
Druck.  Auch  der  übrige  Teil  ist  unter  seiner  Anleitung  ent- 
standen, und  manche  Bemerkung  und  Erklärung  geht  auf  ihn 
zurück.  Ich  fühle  mich  verpflichtet,  meinem  verehrten  Lehrer  für 
seinen  Anteil  den  gebührenden  Dank  auszusprechen. 

Ebenso  möchte  ich  den  Vertretern  meines  Mundartgebietes 
danken,  die  mir  bei  meinen  Aufnahmen  so  bereitwillig  entgegen- 
gekommen sind. 


nhaltsübersicht. 


Einleitung 


Seite 
1 


I.  Phonetische  Darstellung. 

Ruhelage  §7 9 

Lautbestand.    Lautschrift  §  8 10 

Die  Aussprache  der  einzelnen  Laute 11 

Die  Vokale  §  9—13;  Die  Konsonanten  §  14—18;  Die  Halbvokale 
§  19;  Stimmlos  :  Stimmhaft  §  20;  Lenis  :  Fortis  §  21;  Geminata 
§  22 ;  Länge  :  Kürze  §  23 ;  Lauteinsatz  und  -absatz  §  24 

Vokalübergänge  §  25 23 

Bertthrung  von  Konsonanten;  Assimilation  §  26—32      ....  24 

Die  Silbe  §  33—35 32 

Der  exspiratorisehe  Wort-  und  Satzakzent  §  36—40      ....  35 

Der  musikalische  Akzent  ^  41 — 45 38 


II.  Die  geschichtliche  Entwicklung  der  Laute. 

A.  Die  Vokale  in  betonter  Stellung. 

Die  Kürzen 47 

a  §  46;  Der  Umlaut  von  a  und  dessen  analogische  Ausbreitung 
§  47—59;  e  §  60;  *  §  61—64;  0  §  65;  ö  §  66;  m  §  67—69;  ü  §  70. 

Die  Längen 73 

«  §71—72;  d  §  73;  e  §74;  l  §75;  ö§76;  Ö  §77;  ü  §78;  ü  §79. 

Die  Diphthonge 78 

ei  §  80—81;  ou  §  82;  üü  §  83;  oi,  ui  §  84;  le  §  85;  uo  §  86; 
üe  §  87. 

Zusammenfassende  Darstellungen: 

a)  Qualitative  Erscheinungen 84 

Diphthongierung  §  88—89;  Umlaut  §  90;  Rundung  §  91;  Einfluß 
von  o;  §  92 ;  Einfluß  von  l  (+  Kons.)  §  93 ;  Einfluß  von  r  {+  Kons.) 
§  94;  Einfluß  der  Nasale  §  95;  Vokalisierung  des  n  §  96. 


Seite 

1))  Quantitative  Veränderungen 1^8 

Hochalomannische  Dehnung  §97—99;   Dehnung  in  offener  Silbe 
§  U)0 ;  Dehnung  vor  Konsonantenverbindungen  §  1  Ol  - 105 ;  Kürzung 
§  106  —  109. 
Übersicht  über  die  etymologischen  Entsprechungen  der  betonten  Mund- 
artvokale §  110 ^22 

B.  Die  Vokale  in  unbetonter  Stellung. 

In  vortoniger  Silbe  §  111  — 11  o 

Mittelsilbenvokale  §  114—117 ^^^ 

Endsilbenvokale  §  118-120 1^2 

Satztonische  Doppelformen  §  121—122 

C.  Die  Konsonanten. 

a)  Geräuschlaute. 

IRQ 
Die  Labiale ^'^^ 

b  §  123-126;  p  §  127-129;  f  §  130-131. 

Die  Dentale 

d  §  132—133;  Epithese  §  134;  t  §  135-136;  inl  ts : tsk : ts  ^  Idl ; 

p  §  138—140;  s  §  141—143;  sfc  §  144. 
Die  Gutturale 157 

g  §  145—148;  k  §  149-152;  x(h)  §  153—155. 

,  .  o  1       f  ...       167 

b)  Sonorlaute 

m  §  156-157;  «  §  168-163;  ;i>  §  164;  Z  §  165-166;  r  §  167-169; 
j  §  170;  w  §  171—172. 

Zusammenfassende  Darstellungen l^^ 

Auslautschwächung  §  173;  Hervortreten  von  Gleitlauten  §  174; 
Assimilation  §  175;  Dissimilation  §  176;  Umstellung  von  Kon- 
sonanten §  177. 

III.  Zur  Gliederung  der  Mundart  .  i89 

Beigaben: 

195 

I,  Die  Fremdwörter 

216 
II.  Mundartproben 

222 

Wörterverzeichnis 

Karten. 


Einleitung. 


§  1.  Die  vorliegende  Arbeit  behandelt  die  Mundart  eines 
größern  Gebietes,  das  sich  in  sprachlicher  Beziehung  durchaus 
nicht  etwa  einheitlich  von  seiner  Umgebung  abhebt.  Den  Kern 
bildet  der  Oberlauf  der  Sitter,  welche  der  bis  zur  Höhe  ewigen 
Schnees  emporragende  Säntisstock  in  drei  Quellbächen  nach  Norden 
entsendet,  und  das  Gebiet  ihrer  beiden  Nebenflüsse,  des  Rotbaches 
von  rechts  und  der  Urnäsch  von  links;  dazu  kommt  westhch  das 
Quellgebiet  der  Glatt,  östlich  dasjenige  der  Goldach  und  weiter 
(he  gegen  das  Rheintal  abfallenden  Höhenzüge:  es  ist  das  heute 
in  den  beiden  Halbkantonen  Appenzell  Außer-  und  Inner- 
roden politisch  vereinigte  Gebiet,  mit  einer  Obei-fläche  von 
439,6  km^  und  (im  Jahre  1900)  68  780  Einwohnern,  16199  Haus- 
haltungen in  10866  Häusern.  Es  ist  rings  umgeben  vom  Kanton 
St.  Gallen :  vom  Toggenburg  im  Süden  und  Westen,  vom  Rheintal 
im  Osten  und  im  Norden  vom  Fürstenlande  mit  Stadt  und  Kloster 
St.  Gallen,  der  blühenden  Kulturstätte  Alemanniens  in  althoch- 
deutscher Zeit,  wo  Notker  und  andere  in  ihrer  deutschen  Mutter- 
sprache schrieben  und  uns  Denkmäler  von  unschätzbarem  Werte 
für  die  Sprachgeschichte  hinterließen.    Vgl.  Karte  I  und  Teil  IH. 

Inuerrodeii  (I,  das  Quellgebiet  der  Sitter  unmittelbar  am  Fuße 
des  Säntis)  umfaßt  mit  Oberegg  (s.u.)  159  km-  mit  13499  Ein- 
wohnern und  ist  politisch  in  fünf  Gemeinden  oder  Bezirke  (Roden) 
geteilt:  Appenzell  (App.),  Gonten,  Schlatt-Haslen,  Rüti 
mit  den  beiden  Dörfchen  Brülisau  (Brül.)  und  Eggerstanden 
(Egg.),  Schwendi  (Schw.).  Haupterwerbszweig  der  Bewohner 
ist  Alpwirtschaft  und  Schweinezucht.  Die  nur  im  Sommer  be- 
zogeneu Alpweiden  machen  beinahe  ein  Viertel  der  Bodenfläche 
aus,  und  da  ein  weiteres  Fünftel  mit  Wald  bedeckt   und  beinahe 

Vetsch,  AppeiizeUer  Mundarten.  1 


—     2     — 

ein  Zehntel  felsiges,  unfruchtbares  Gebiet  ist,  so  kommen  für  I 
auf  1  km^  nur  78  Bewohner.  Das  einzige  größere  Dorf  ist  Appen- 
zell mit  2771  Einwohnern.  Von  Industrien  ist  allein  die  Stickerei, 
namentlich  die  Handstickerei  der  Frauen,  von  größerer  Bedeutung. 
Aiißerrodeii  (A,  260,6  km^  mit  55281  Einwohnern)  zerfällt  in 
drei  Bezirke  mit  zusammen  20  Gemeinden:  Bezirk  Hinterland 
(H,  das  Gebiet  westlich  von  I)  mit  den  Gemeinden  Herisau  (Her.), 
Waldstatt  (Waldst.),  Schwellbrunn  (Schwellbr.),  Schönen- 
grund (Schön.),  Urnäsch  (Urn.),  Hundwil  (Hundw.),  Stein. 
Bezirk  Mittelland  (M,  das  Gebiet  zmschen  Rotbach  und  Goldach) 
mit  den  Gemeinden  Teufen,  Bühler,  Gais,  Speicher,  Trogen. 
Bezirk  Vorderland  (V,  das  Gebiet  östlich  der  Goldach)  mit  den 
Gemeinden  AVald,  Rehetobel  (Reh.),  Grub,  Heiden,  Wolf- 
halden (Wolfh.),  Walzenhausen  (Walz.),  Reute,  Lutzen- 
berg  (Lutz.).  Zu  V  ist  nach  Lage  und  Sprache  auch  der  durch 
die  Gemeinde  Reute  in  zwei  Teile  (oOb.  mit  dem  Dorfe  und  uOb.) 
getrennte  Bezirk  Oberegg  (Ob.,  14,5  km-  mit  2652  Einwohnern) 
zu  zählen,  obwohl  er  politisch  zu  I  gehört.  A  gehört  zu  den  am 
dichtesten  bevölkerten  Gegenden  der  Schweiz;  heute  kommen 
228  Einwohner  auf  1  km"^,  in  V  allein  sogar  361.  Weitaus  die 
größte  Bodenfläche  ist  mit  Wiesen  bedeckt  und-  ein  großer  Teil 
der  BeAvohner  beschäftigt  sich  mit  Landwirtschaft  und  Viehzucht. 
64.8  °/o  der  Bevölkerung  jedoch  leben  von  der  Industrie,  nament- 
lich Maschinenstickerei  und  Weberei.  Außer  Lutz,  besitzt  jede 
Gemeinde  ihr  Pfarrdorf;  das  größte  ist  Herisau  mit  5269  Ein- 
wohnern, dann  folgt  Heiden  mit  2070.  Daneben  finden  sich  überall 
Weiler  und  Häusergruppen,  und  einzelne  Bauernhäuser  sind  auf 
ihren  Heimwesen  über  Tal  und  Höhen  zerstreut. 

§  2.  Meine  eigene  Mundart  ist  die  des  vorderländischen 
Dorfes  Wald,  wo  ich  aufgewachsen  bin  und  bis  zum  19.  Alters- 
jahre ununterbrochen,  nachher  noch  häufig  in  den  Ferien  mich 
aufgehalten  habe.  Im  folgenden  sind  jedoch  die  Lautverhältnisse 
des  ganzen  Kantons  gleichmäßig  berücksichtigt.  Ich  habe  im 
Januar  und  Februar  1905  und  zum  zweiten  Male  im  Sommer  1906 
in  monatelangen  Wanderungen  das  ganze  Gebiet  bereist  und  dabei 
an  88  verschiedenen  Punkten  Aufnahmen  gemacht.  Wo  immer  ich 
auf  die  Möglichkeit  eines  sprachlichen  Unterschiedes  hingewiesen 


—     3     — 

Avnrde,  habe  ich  den  Lautstand  von  neuem  aufgenommen.  Natür- 
lich kann  man  bei  einer  derartigen  Bearbeitung  eines  größern 
Gebietes  unmöglich  an  jedem  Punkte  wochenlang  verweilen,  um 
nur  im  ungezwungenen  Gespräche  mit  den  Leuten  auf  alles  auf- 
merksam zu  werden.  Es  bleibt  nichts  andres,  als  sich  für  jede 
Erscheinung  möglichst  viele  Beispiele  zu  merken.  Man  fragt  dann 
die  Leute  teils  direkt  ab,  teils  sucht  man  sie  auf  Umwegen  zum 
Aussprechen  der  Wörter  zu  bringen.  Neue  Erscheinungen  werden 
bei  den  daz^\'ischen  fließenden  Gesprächen  dem  aufmerksamen  Hörer 
nicht  entgehen. 

Der  Wortschatz  hat  in  dem  „Appen zellischen  Sjjrach- 
schatz  von  Dr.  Titus  Tob  1er.  Zürich  1837"  (abgekürzt  T.) 
schon  sehr  früh  eine  Bearbeitung  erfahren,  die  sich  Schmellers 
Bayerischem  Wörterbuche  würdig  an  die  Seite  stellte.  Doch  be- 
dauert T.  Tobler  selbst  in  der  Einleitung,  daß  namenthch  Inner- 
roden etwas  dürftig  vertreten  sei,  und  schreibt:  ,Keck  kann  sich 
mein  Nachfolger  einer  beachtenswerten  Nachlese  erfreuen." 

§  3.  Wenn  auch  so^\'ohl  in  der  Familie  als  im  öffentlichen 
Verkehre  noch  allgemein  und  ausschließlich  Mundart  gesprochen 
Avird,  so  sind  doch  heute  die  Verhältnisse  nicht  mehr  so,  daß  der 
Mundartforscher  beim  Erstbesten  oder  gar  im  Dorfwirtshause  in 
fröhlicher  Gesellschaft  seine  Erhebungen  machen  kann,  am  aller- 
wenigsten, wenn  es  sich  um  lautliche  Erscheinungen  und  deren 
örtHche  Fixierung  handelt.  Die  gebildetem  Kreise,  ferner  solche, 
die  ihr  Beruf  in  Berührung  mit  andern  Mundarten  bringt,  haben 
manches  von  der  echt  mundartUchen  Aussprache  eingebüßt  und 
neigen  dazu,  besonders  auffallende  Eigentümlichkeiten  ganz  preis- 
zugeben. So  weit  ist  es  freilich  noch  nicht,  daß  dies  als  das 
.Schönere'  oder  ,Gebildetere'  empfunden  und  allgemein  bewußt 
nachgeahmt  würde.  Doch  reden  selbst  riele  Bauern  mit  Fremden 
nicht  mehr  in  ganz  reiner  Mundart,  wie  sie  unter  sich  sprechen, 
auch  wenn  sie  wissen,  daß  der  Betreffende  sie  ebenso  leicht  ver- 
stehen würde.  Die  ,Fremdenindustrie'  aber  nimmt  im  ganzen  Kanton 
fortwährend  zu;  die  meisten  Gemeinden  haben  sich  bereits  zu  Kur- 
orten emporgesch^ATingen.  Noch  stärkern  Anteil  an  der  allmählichen 
Zersetzung  der  Lokalmundarten  hat  aber  die  ansässige  fremde  Be- 
völkerung und  der  immer  wachsende  Bevölkeninsrswechsel.     Ich 


—     4     — 

lasse  hier  an  Hand  der  Ergebnisse  der  Eidgenössischen  Volks- 
zähhing  von  1900  (Schweizerische  Statistik  140.  Liefg.)  einige 
Angaben  folgen : 

Von  der  Gesamtbevölkerung  (A  55281,  I  13499)  waren  im  Jahre  1900 

geb.  in  der  Wobngemeinde 

Bürger  ihrer  Wohngemeinde 

Von  diesen  Bürgern  in  ihrer  Wohngemeinde  geb 
geb.  in  andern  Gemeinden  des  Halbkantons 

Bürger  anderer  Gemeinden  des  Halbkantons 
geb.  in  anderen  Kantonen 

Bürger  anderer  Kantone 
geb.  im  Auslande 

Bürger  des  Auslandes 
Oder 


in  A 

inl 

29511 

9  298 

18  423 

11576 

le  geb. 

13  530 

8  698 

13  510 

2  316 

ns 

20  253 

207 

10  090 

1513 

13  967 

1887 

2170 

372 

2  638 

329 

Ikerun 

g  ^aren 

im  Jahr  1900 

im  Jahr  1860 

in  A 

inl 

in  A 

inl 

534 

689 

596 

948 

833 

858 

426 

959 

244 

172 

262 

— 

366 

15 

427 

— 

183 

112 

117 

36 

253 

103 

127 

31 

39 

27 

25 

16 

48 

24 

20 

10 

geb.  in  der  Wohngemeinde 

Bürger  ihrer  Wohngemeinde 
geb.  in  anderen  Gemeinden  des  Halbkantons 

Bürger  anderer  Gemeind.  d.  Halbkantons 
geb.  in  anderen  Kantonen 

Bürger  anderer  Kantone 
geb.  im  Auslande 

Bürger  des  Auslandes 

Bei  einem  Bevölkerungszuwachs  von  6850  Personen  in  den  Jahren  1860 
bis  1900  haben  in  A  die  in  der  Wohngemeinde  Geborenen  nur  um  652  zu- 
genommen, und  in  I  entspricht  einem  Bevölkerungszuwachs  von  1499  Personen 
sogar  eine  Abnahme  der  Jfl  der  Wohngemeinde  Gehörnen  um  2  081. 

Unter  den  13  967  Bürgern  anderer  Kantone  in  A  waren  im  Jahre  1900: 
G768  St.  Galler,  2014  Thurgauer,  1487  Innerroder,  1288  Zürcher,  538  Berner, 
468  Aargauer,  354  Glarner,  266  Graubündner,  205  Schaflfhauser,  usw.;  unter 
den  1387  in  I  befanden  sich  565  St.  Galler,  524  Aufserroder. 

Eine  Vergleichung  der  vorstehenden  Angaben  zeigt,  daß  in  I 
die  Bedingungen  für  Reinheit  der  Mundart  weit  besser  erfüllt  sind 
als  in  A;  an  Urwüchsigkeit  übertreifen  heute  noch  die  Oberdorf§j-, 
das  sind  die  Bewohner  der  Gegend  über  dem  Dorfe  Appenzell  gegen 
das  Gebirge  hin  (Schw.  un(l  Brül.),  alle  andern.  Unter  den  außer- 
rodi.schen  Gemeinden  .sind  die  Verhältnisse  in  der  kleinsten,  Schön., 
weitaus  am  schlechtesten.  Von  seinen  661  Einwohnern  sind  nur 
48  Bürger  (also  nur  wenige  Familien),  von  diesen  im  Orte  geboren 


-     5     — 

nur  38;  überliaupt  sind  iu  der  Gemeinde  geboren  nur  280,  iri 
anderen  Gemeinden  A^on  A  152,  in  andern  Kantonen  213,  im 
Auslande  16.  Da  ist  es  denn  niclit  zu  verwundern,  wenn  mau 
hier  eine  sehr  gemischte  Mundart  zu  hören  bekommt,  vor  allem 
Einflüsse  vom  Toggenburg  her,  gegen  welches  das  Tal  mit  der 
Gemeinde  sich  öffnet  und  wohin  der  Hauptverkehr  sich  zieht; 
besonders  auffallend  sind  die  toggenburgischen  Kürzungen,  Avie 
Udd  leiden,  srlhj  schreiben,  liittä  läuten,  usw.  Mit  Mühe  fand  ich 
noch  eine  Familie,  deren  Glieder,  darunter  ein  geistig  frischer 
TOjähriger  Greis,  Bürger  und  Gebürtige  der  Gem^nde  waren.  Am 
v.^enigsten  rein  ist  sonst  die  Mundart  natürlich  in  den  oben  ge- 
nannten gröiaern  Ortschaften ;  doch  ist  es  noch  nirgends  zur  Aus- 
bildung einer  eigentlichen  Dorfsprache  mit  bestimmten  Eigenheiten 
gegenüber  der  Mundart  in  den  Auisengebieten  gekommen. 

Auf  dem  ganzen  Gebiete  besteht  ein  starker  Unterschied 
zwischen  der  altern  und  Jüngern  Generation;  ferner  sind  überall 
ganze  FamiHen  besonders  konservativ  mit  Bezug  auf  ihre  Mundart. 
Häufig  muiäte  ich  leider  hören,  daia  gerade  in  den  letzten  Jahren 
viele  von  denen  gestorben  seien,  die  noch  so  recht  ,altertümlich' 
geredet  hätten,  und  ich  selbst  traf  auf  meiner  zweiten  Reise 
manche  nicht  mehr,  bei  denen  ich  anderthalb  Jahre  vorher  gute 
Aufnahmen  gemacht  hatte.  Ich  wandte  mich  nur  an  ältere,  am 
Orte  selbst  geborene  Bürger,  vorzüglich  Bauern,  die  ihre  Scholle 
nie  auf  längere  Zeit  verlassen  hatten.  Mit  Stolz  wies  mir  dieser 
und  jener  seinen  Stammbaum  vor,  der  bis  zur  Reformation  zurück- 
reichte ;  immer  folgte  Sohn  auf  Vater  im  Besitze  des  Heimwesens, 
und  die  Frauen  stammten  aus  nächster  Nähe.  An  einigen  meiner 
Gewährsleute  in  Innerroden  ging  der  Wunsch  des  alten  Sennen 
in  Scheffels  Ekkehard  noch  buchstäblich  in  Erfüllung,  ,dai3  der 
hohe  Säntis,  so  Gott  Avolle,  noch  auf  Enkel  und  Urenkel  herab- 
schaue, ohne  daß  sie  wissen,  wie  man  Griffel-  und  Feder  handhabe.' 
Auf  meiner  ersten  Wanderung  mitten  im ^trengsten  Winter  — 
übrigens  der  besten  Zeit  für  mundartliche  Aufnahmen,  da  die 
\)äurische  Bevölkerung  dann  Muße  hat  und  froh  ist  über  jede  Ab- 
wechslung —  hatte  ich  öfter  Gelegenheit,  Großvater  oder  Groß- 
mutter, Kind  und  Großkind  in  der  selben  Familie  gleichzeitig  um 
mich  geschart  zu  sMien  und  alle  drei  Altersstufen  nebeneinander 
sprechen  zu  hören,  r 


—     6     — 

^  4.  Auf  Grund  der  Erhebunfj^en  arbeitete  ich  ^nftTi  AUas  v^n 
21  Karten  aus,  indem  ich  einen  Abriß  der  Karte  von  F.  Becker 
im  Maßstäbe  1  :  75000  vervielfältigen  ließ  und  darauf  nach  der 
Metliode  von  Hermann  Fischer  die  einzelnen  Grenzlinien  mit  ver- 
schiedenen Farben  eintrug. 

Diese  einzelnen  Karten  können  der  großen  Kosten  wegen  dieser  Arbeit 
nicht  beigegeben  werden;  ihren  Zweck  erfüllen  sie  nichtsdestoweniger,  denn 
aus  solchen  ein  Teilgebiet  erschöpfenden  Arbeiten  wird  sich  einst  der  Schwei- 
zerische Sprachatlas  aufbauen  lassen. 

Auf  einem  Blatte  vereinigte  ich  sämtliche  Linien  zu  einer 
synoptischen  Karte  (s.  Karte  II).  Ein  Blick  auf  diese  Karte 
belehrt  uns,  daß  wir  nicht  einfach  von  einer  innerrodischen,  hinter-, 
mittel-  und  vorderländischen  Mundart  reden  dürfen:  H,  M  und  V 
werden  je  durch  ein  Linienbündel  entzweigeschnitten,  während 
zwischen  M  und  V  nur  vereinzelte  Linien  sich  hinziehen.  Ich 
bezeichne  diese  Halbierungen  mit  Hi  H2:  Mi  M2;  Vi,  statt  V2 
wähle  ich  nach  der  für  dieses  Gebiet  üblichen  Bezeichnung  Kurzen- 
berg  (vgl.  T.  117a)  die  Abkürzung  K  (wenn  nichts  dazu  bemerkt 
ist,  so  verstehe  ich  also  darunter  die  Gemeinden  Walz.,  Wolfh., 
Lutz.,  Heid.,  Reute  und  Ob.).  Man  darf  aber  nun  auch  nicht 
eine  Hi-,  eine  Hg-,  eine  Mi-,  eine  M2  Vi-  und  eine  K-Mundart 
unterscheiden  wollen;  das  hieße  die  Linienbündel  mißverstehen. 
Die  Erscheinungen,  deren  Zusammenstoßen  ein  Bündel  bezeichnet, 
erstrecken  sich  nicht  nur  bis  zum  nächsten  Linienbündel  und 
machen  hier  wieder  andern  Platz,  sondern  in  weitaus  den  meisten 
Fällen  ist  durch  jede  Linie  eine  Zweiteilung  des  ganzen  Gebietes 
gegeben,  und  es  sind  Grenzen  vollständig  anderer  Erscheinungen, 
die  das  nächste  Bündel  bilden,  d.  h. :  die  Bündel  dürfen  nicht  zu 
einander  in  Beziehung  gesetzt  werden,  sondern  nur  jedes  einzelne 
zum  ganzen  Gebiete.  So  besteht  das  mitten  durch  M  gehende 
Linienbündel  zum  großen  Teile  aus  Grenzlinien  zwischen  M2  V 
und  Ml  I  H,  und  die  V  durchquerenden  Linien  begrenzen  meist 
Erscheinungen,  die  K  eigentümlich  sind  gegenüber  dem  ganzen 
übrigen  Gebiete.  Das  Nähere  zur  Erklärung  der  Linienbündel 
und  Abgrenzung  der  Mundarten  siehe  im  III.  Teil. 

Verlauf  und  Bedeutung  der  einzelnen  Lautgrenze  müssen 
leider  in  der  synoptischen  Karte  etwas  zurücktreten.  Ferner  konnte 
hier   nicht   angedeutet   werden,    wo    es   sich   um   eine   Grenzzone 


handle;  ich  habe  in  dem  Falle  die  Linie  mitten  durch  das  Grenz- 
gebiet hindurch  gezogen.  Ebenso  mußte  ich  mich  darauf  be- 
schränken, die  heutige  Grenzlinie  anzugeben,  und  mußte  Spuren 
und  Reste  eines  früher  andern  Verlaufes  unangedeutet  lassen.  Zu 
jeder  Linie  ist  daher  die  Stelle  zu  vergleichen,  wo  der  betreffende 
Lautwandel  besprochen  ist. 

§  5.  Um  zu  wissen,  welche  Erscheinungen  sich  über  das 
Gebiet  des  Kantons  hinaus  fortsetzen  und  welche  Grenzlinien  sich 
längs  der  Kantonsgrenze  hinziehen,  war  ich  genötigt,  mich  auch 
über  die  Lautverhältnisse  des  lingsherum  angrenzenden  Gebietes  zu 
orientieren.  Für  die  Strecke  vom  Bodensee  bis  zum  Hirschen- 
sprung verdanke  ich  die  Angaben  Herrn  Dr.  phil.  J.  Berger,  der 
jene  Mundart  bearbeitet.  Das  übrige  Gebiet  suchte  ich  im  Früh- 
ling 1906  in  drei  mehrtägigen  Wanderungen  selbst  ab;  ich  machte 
Aufnahmen  im  Fürstenlande :  am  Rorschacherberor,  in  st.  o-allisch 
Grub,  Eggersriet,  St.  Gallen-Tablat,  Winkeln,  Goßau,  im  Toggen- 
burg: in  Degersheim,  St.  Peterzell,  Hemberg,  Ebnat,  Neßlau,  Stein, 
Wildhaus,  im  Rheintal:  in  Gams,  Grabs,  Buchs,  Frümsen,  Sennwald. 
Ich  habe  jedoch  die  Verhältnisse  dieser  Mundarten  in  meiner  Arbeit 
nur  soweit  nötig  herangezogen,  da  jetzt  auch  über  das  Fürstenland 
und  das  Toggenburg  besondere  Arbeiten  in  Angriff  genommen  sind. 

Die  Beispiele  für  eine  Erscheinung  werden,  um  den  Raum  zu  sparen, 
nur  da  vollständig  aufgeführt,  wo  dies  von  Wichtigkeit  ist.  Die  Bedeutungs- 
angaben zum  einzelnen  Worte  sind  möglichst  kurz  gehalten:  häufig  verweise 
ich  dazu  in  Klammern  auf  T.  Die  für  das  ganze  Gebiet  geltenden  Beispiele, 
deren  Aussprache  meist  in  verschiedenen  Gegenden  abweicht,  gebe  ich  in  der 
Lautform  von  Wald  (s.  §  2). 

Die  natürlich  nur  unvollständigen  Angaben  bei  T.  über  die  Aussprache 
der  Wörter  decken  sich  manchmal  nicht  ganz  mit  den  meinigen;  wie  T.  in  der 
Einleitung  sagt,  stammen  seine  Aufnahmen  und  Beobachtungen  in  der  Haupt- 
sache von  je  einem  Punkte  in  den  verschiedenen  Bezirken,  so  z.  B.  für  M  von 
Teuf.,  für  K  von  Lutz.  Indem  T.  diese  Orte  als  Vertreter  für  die  Bezirke 
M,  K,  usw.  nahm,  mußten  sich  Ungenauigkeiten  ergeben. 

§  6.  Die  weitgehende  Benützung  der  vorhandenen  Mundart- 
Hteratur  darf  als  selbstverständlich  vorausgesetzt  werden.  Auf 
speziellere  Arbeiten  wird  an  der  betreffenden  Stelle  verwiesen. 
Ich  gebe  im  folgenden  nur  die  Abkürzungen  für  die  in  der  Arbeit 
öfter  angeführten  Werke: 


—     8     — 

Behaghel.  Geschichte  der  deutschen  Sprache,  in  Pauls  Grundriß 
der  germanischen  Philologie,  P  650 — 780. 

Braune.     Altliochdeutsche  Grammatik.     2.  Aufl.     Halle  1891. 

Haldimann.  Der  Vokalismus  der  Mundart  vor  Goldbach,  in  ZfhM. 
1903,  295—351.     1904,  225—244. 

Heusler.  Der  alemannische  Konsonantismus  in  der  Mundart  von 
Baselstadt.     Straßburg  1888. 

Hoffmann.  Der  mundartliche  Vokalismus  von  Basel-Stadt.  Bas.  1890. 

Id.     Schweizerisches  Idiotikon.     Frauenfeld  1881  if. 

Jespersen.     Lehrbuch  der  Phonetik.     Leipzig  1904. 

Kluge.  Etymologisches  W^örterbuch  der  deutschen  Sprache.  6.  Aufl. 
Straßburg  1899. 

Paul.     Mittelhochdeutsche  Grammatik.     6.  Aufl.     Halle  1906. 

Rousselot.     Principes  de  Phonetique  experimentale.    Paris  1902. 

Schild^     Brienzer  Mundart.     Vokalismus.     Göttingen   1891. 

Schild-.     Konsonantismus,  in  PBB.     1894  (Bd.  18),  301—393. 

Sievers.     Grvmdzüge  der  Phonetik.     5.  Aufl.     Leipzig  1901. 

Stickelberger^  Lautlehre  der  lebenden  Mundart  der  Stadt  Schaff- 
hausen.    Vokalismus.     Leipzig  1881. 

Stickelberger"-.  Konsonantismus  der  Mundart  von  Schaffhausen, 
in  PBB.     1890  (Bd.  14),  381—454. 

T.    Titus  Tobler.    Appenzellischer  Sprachschatz.    Zürich  1837. 

Wilmanns.     Deutsche  Grammatik.     2.  Aufl.     Straßburg  1897/9. 

Winteler.  Die  Kerenzer  Mundart  des  Kantons  Glarus  (mit  ver- 
gleichender Heranziehung  der  Mundart  des  Schlatt  bei  Neßlau 
im  Obertoggenburg).     Leipzig  1876. 


Phonetische  Darstellung. 


§  7.  Ruhelage  der  Sprechorgaiie.  Spezifische  Arti- 
kulation. In  der  Ruhelage  hei  geschlossenem  Munde  liegt  die 
Zunsre  schlaff  im  Mundraume,  bei  mir  das  Becken  des  Unterkiefers 
in  der  ganzen  Breite  ausfüllend  bis  ein  Weniges  über  die  Unter- 
zähne hinaus,  so  daß  sich  der  Zungensaum  noch  an  die  Alveolen 
der  Oberzähne  anlegt;  sie  liegt  in  ihrem  Vorderteile  wagrecht  und 
steigt  erst  weiter  hinten  etwas  an.  Die  Lippen  berühren  sich 
ohne  Pressung.  Die  weit  geöffnete  Stimmritze  und  das  schlaff 
herabhängende  Gaumensegel  lassen  den  Atemstrom  ungehindert 
durchziehn. 

Wenn  ich  die  MA.  von  K  spreche,  so  ergeben  sich  mir  ihre 
Eigentümlichkeiten  ungezwungen  aus  folgender  Verschiebung  der 
Artikulationsbasis :  ich  schiebe  den  Unterkiefer  ein  wenig  vor,  ebenso 
die  Zunge,  deren  Spitze  sich  an  den  Unterzähnen  hinabkrümmt. 
Zugleich  hebt  sich  die  Zunge  um  ein  Weniges,  namentlich  in  der 
Mitte,  so  dai^  sie  an  den  Seitenrändern  ziemlich  stark  abfällt.  Die 
Folge  ist,  dals  die  verschiedenen  Teile  der  Zunge  weniger  weit  vom 
Gaumen  entfernt  sind  und  etwas  weiter  vorn  liegenden  Punkten 
desselben  gegenüberstehn. 

Die  Zungenartikulation  ist  in  K  viel  kräftiger  und  die 
Spannung  in  den  artikulierenden  Organen  überhaupt  größer  als 
auf  dem  ganzen  übrigen  Gebiete:  am  wenigsten  energisch  ist  sie 
in  I.  Die  Beteiligung  der  Lippen  besteht  in  spaltförmiger  Öffnung 
(kein  Auseinanderziehen  der  Mundwinkel),  in  (der  Hauptsache  nach 
vertikaler)  Rundung  und  schwacher  Vorstülpung ;  die  Verschluß- 
bildung kann  so  energisch  sein,  daß  die  Lippen  sich  einstülpen. 
Die  Kieferöffnung  ist  im  allgemeinen  nicht  groß;  sie  ist  jedoch 
nicht  von  unmittelbarem  Einflüsse  auf  den  Lautcharakter,  bleibt  sie 


—     10     — 

(li)cli  lit'i  MäniuMii.  die  den  ijanzcn  Ta^  die  Tabakspfeife  ZAvischen 
den  /ahnen  haben,  bei  allen  Lauten  ziemlich  die  selbe.  Zur  Nasa- 
liei'ung  siehe  §  95. 

§  s.  Übersicht  über  den  Lautbestand.   Lautschrift. 

V^gl.  die  Ül)er.sicht'  über  die  etymologische  Geltung   der   ein- 
zelnen Vokale  §  110. 

Eiiifache  Vokale. 

Keine  Mund  vokale:  a       ä 

geschlossenes     c       l       o       ö       u       ü 
halboffenes     c 

offenes     e       i,       o       ö       u       il 
reduziertes     ,) 

Längen:     ä  ä     e  e     l     o  ö  5  3     il  ü 
Kürze  l)leibt  also  unbezeichnet. 
Nasalierte  Vokale:    a   n,    ä  ä,    e  e,    e   e,    e  e,    l  f,    p  Q  ö  Ö, 
o  a  ö  S  (halboffen),    o  ö  ö  5",    n  i}  ü  ü,    ü 

Dii)hthoiige. 

Echte:  el         oh         öii 

iii         ei         oii         öü 
äl  el         Dil         oil 

Ob  1(1. 

Unechte:         ir)     U9     i'o,     ci     o,i     ö,),     e9     oa     ös,     as     äd, 
verkürzt     ij      ua      iu,      ca,  ea. 

Ti'iphthoiige. 

Kai  Ü,)l 

Koiisouaiiteii. 

Stimmlose: 

Verseil luLUaute:     h     d     r/     — -  Lenes. 
j>     t     /(■     —  Fortes. 
pj)   ff   /./.•    =  Geminaten. 
pli    fh  =  aspirierte  Fortes. 

Hfi  belaute:    /'   .s    .s(-^sch)  j,- (velar)  /  (palatal)  =  Lenes. 
ff  SS  SS  XX  %x  =  Fortes, 

im  Inlaut  zwischen  Stimmhaften  Geminaten. 


Affrikaten  : 

Pf 

Hauchlaut: 

//. 

Stimmhafte: 

Nasale: 

m 

nun 

—   11    — 


n       D  (=  velarer  Nasal)  =  Lenes. 
IUI,     no     =  Fortes,  im  Inlaut  zwischen 
Stimmhaften  Geminaten. 

Licjuide:  r       l  (f)     =  Lenes. 

//  (U)    =  Fortis,  im  Inlaut  zwischen 
Stimmhaften  Geminata. 

Halhvokale:   j  ic  =-  Lenes. 

fj     Kir  (iiir)    -:=  Geminaten    im    Inlaut    zwi- 
schen Vokalen. 


Die  Alissprache  der  einzelnen  Laute. 

Die  Berührungsstellen  der  Zunge  am  Gaumen  habe  ich  bei  mir  mittels 
eines  kiinstlichen  Gaumens  (von  Ouranine)  bestimmt  (nach  Ronsselnt,  S.  55  ff, 
590  ff.  und  R.  Montalbetti  in  La  Parole  1903,  Nr.  4);  siehe  die  beigegebenen 
Abbildungen.  Die  Stimmhaftigkeit  oder  Stimmlosigkeit  der  Konsonanten  konnte 
ich  durch  die  Freundlichkeit  von  Herrn  Prof.  Schumann  im  psychologischen 
Laboratorium  der  Universität  Zürich  mit  dem  Kehltonschreiber  von  Krueger 
und  Wirt  (vgl.  Wundts  Psychol.  Studien  1  [1905],  Heft  1)  feststellen. 

Die  Vokale. 

^  9.     Laigerundete  Vokale. 

a,  fl.  Der  hinterste  Teil  der  Zunge  bewegt  sich  fast  wag- 
recht rückwärts,  während  die  übrige  Zunge  nur  wenig  zurück- 
gezogen und  gesenkt  wird :  die  Zungenspitze  weicht  nicht  von 
den  Schneidezähnen  zurück.  Der  senkrechte  Abstand  zwischen 
den  Spitzen  der  Vorderzähne  ist  bei  gewöhnlichem  Reden  bei 
der  Kürze  weniger,  bei  der  Länge  etwas  mehr  als  '  •>  cm :  er  ver- 
größert sich  sehr  bei  lautem  Sprechen  und  Rufen. 

Die  Folge  i.st  eine  ziemlich  helle  Klangfarbe,  in  K  wegen 
der  etwas  höhern  Lage  und  .stärkern  Spannung  der  Zunge  viel 
heller  als  auf  dem  übrigen  Gebiete. 

if,  ff.  Die  Kieferöffnung  ist  kaum  merklich  kleiner  als  im 
Vorigen.     Die  ganze  Zunge  ist  ein  wenig  vorgeschoben  und  ge- 


Iidhrn,  (ho 


-     12     - 

niittU-iv  Rinterzunge  in  der  Richtiino;  gegen  den  hintern 
harten  (Daumen  (Abb.  1);  die  Mittel-  nnd  Vorderzunge  ist  flach 
und  ver))reitert,  die  Zungenspitze  an  die  Unterzähne  angelegt  .und 
der  anstoßende  Vorderzungenrand  scliwach  emporgewölbt. 

e,  T\  e,  e.  Dei-  mittlere  Teil  der  Hinterzunge  hebt  sich  gegen 
den  hintern  (und  mittlem)  harten  Gaumen,  bei  c  höher  und  etwas 
wiMter  vorn  als  liei  e.  (Abb.  2).  Die  Mittelzunge  bildet  eine  Ein- 
senkuug.  welche,  etwa  die  zwei  vordem  Schneidezähne  breit,  in  der 
Höhe  der  untern  Zahnspitzeu  nach  der  Zungenspitze  ausläuft;  der 
übrige  Rand  der  Vorder-  und  Mittelzunge  ist  gegen  die  Alveolen 
und^Oberzähne  emporgehoben,  diese  nach  vorn  bei  e  bis  zu  den 
Eckzähnen,  bei  e  bis  zu  den  Schneidezähnen  berührend.  Bei  c 
liegen  die  Zahnspitzen  der  Ober-  und  Unterzähne  auf  gleicher 
Hcdie.  während  sie  bei  e,  1  bis  2  mm  in  der  Senkrechten  von  ehi- 
ander  abstehen.  Die  Lippen  sind  ganz  gespalten,  haben  aber  keine 
selbständige,  von  der  Senkung  des  Unterkiefers  unabhängige  Be- 
wegung. Die  Zungenartikulation  ist  bei  den  Längen  gespannter 
als'^bei^den  Kürzen,  weshalb  namentlich  e  gegenüber  e  etwas  ge- 
schlossenere Qualität  besitzt. 

C  bedeutet  einen  Laut,  der  deutlich  zwischen  e  und  c  hegt,  sei 
es,  data  er  sich  mehr  dem  einen  oder  mehr  dem  andern  nähert. 

.9  bezeichnet  immer  einen  unbetonten  Vokal  mit  schwachem 
Exspirationsdruck  und  geringer  (nachlassender)  Zungenspannung, 
im  Lautwerte  dem  e  naheliegend,  doch  als  Übergangslaut  aus  der 
Ruhelage  oder  in  dieselbe  (nach  oder  vor  einer  Pause),  ferner  vor 
Velaren  Konsonanten,  mehr  gegen  «,  a  hin  gesprochen. 

/,  7.  Der  vordere  Teil  der  Hinterzunge  hebt  sich  gegen  den 
mittlem  harten  Gaumen,  am  höchsten,  weil  mit  größerer  Zungen- 
spannung gesprochen,  bei  l  (Abb.  3),  etwas  weniger  hoch  bei  /, 
dessen  Klang  daher  ganz  wenig  tiefer  ist  (außer  in  K).  Die  Lage 
der  verschiedenen  Teile  der  Mittel-  und  Vorderzunge  ist  die  selbe 
wie  oben  bei  i'\  doch  ist  der  Luftweg  zwischen  Zunge  und  Gaumen 
verkleinert  durch  Hebung  des  Unterkiefers,  so  daß  die  Zahnspitzen 
übereinander  gehen.  Die  Lippen  hegen  etwa  zu  einem  Drittel  auf 
jeder  Seite  aufeinander;  die  Unterlippe  wird  ganz  wenig  gesenkt. 

*  bezeichnet  einen  Vokal,  dessen  Lautwert  zwischen  dem  von 
V  und   dem    von   /'   liegt. 


—     13     — 

§  10.     Gerundete  velare  Vokale. 

o,  ö.  Die  Zunge  ist  sehr  stark  zurückgezogen  und  der  hintere 
Teil  der  Hinterzunge  gegen  den  weichen  Gaumen  emporgehoben 
(Abb.  4):  die  Zungenspitze  schwebt  auf  der  Höhe  der  untern 
Alveolen  etwa  in  einer  Linie  zwischen  den  ersten  und  zweiten 
Backenzähnen  durch.  Die  Kieferöffnung  ist  etwa  gleich  wie  bei  a. 
Die  Lippen  sind  auf  jeder  Seite  bis  zur  Hälfte  ganz  geschlossen; 
die  Öffnung  ist  ein  Drittel  so  hoch  wie  breit.  Der  Laut  hat  sehr 
offenen  Charakter. 

o,  ö.  Die  Zunge  hebt  sich  noch  höher  gegen  den  weichen 
Gaumen  empor  als  im  Vorigen;  die  Berührungsstellen  liegen  ganz 
wenig  weiter  nach  vorn  (Abb.  4).  Die  Kieferöffuung  ist  die  selbe 
wie  bei  e.  Die  Lippenöffnung  ist  in  jeder  Richtung  schwach  halb 
so  groß  w4e  bei  o. 

Eine  deutliche  Zwschenstufe  z>vischen  diesen  beiden  Laut- 
werten kommt  nui'  nasaliert  vor,  bezeichnet  o  ö. 

u,  n.  Der  hintere  Zungenteil  liebt  sich  mehr  gegen  den  vordem 
weichen  Gaumen  (Abb.  4),  und  die  Engenbildung  ist  stärker.  Die 
Kieferöffnung  ist  wie  bei  e.  Die  Lippenöffnung  ist  so  klein,  als 
es  bei  ganz  schwacher  Verstülpung  und  geringer  Spannung  der 
Lippen  möglich  ist;  das  Verhältnis  der  Breite  zur  Höhe  ist  etwas 
kleiner  als  bei  den  Vorigen.  Außer  in  K  wird  it  deutlich  mit 
geringerer  Zungenspannung  gesprochen  als  ä. 

u  bezeichnet  einen  Vokal,  dessen  Lautwert  zwischen  o  und 
i(  liegt. 

§  11.     Gerundete  palatale  Vokale. 

Die  Lippenrundung  bei  ö,  ö,  i'(  ist  gleich  der  beschriebenen 
bei  0,  0,  IL  Dagegen  entspricht  die  Zungenartikulation  weder  der 
von  €,  e,  i,  noch  ganz  der  von  (V,  e,  c  (s.  Abb.  2  und  3);  am 
nächsten  stimmt  diejenige  von  ö  mit  der  von  e,  annähernd  auch 
die  von  ü  mit  der  von  e,  während  die  Zungenlage  bei  ö  etwa  in 
der  Mitte  ist  zwaschen  derjenigen  bei  ä  und  e. 

§  12.     Die  Diphthonge. 

Der  erste  Komponent  entspricht  (wenigstens  in  seinem  Ein- 
sätze) genau  dem  einfachen  Laute,  durch  dessen  Zeichen  er  trans- 
skribiert   ist;    nur   in  äi   ist   er   nicht   ganz    so   offen,    doch    noch 


—     14     — 

deutlich  otfener  als  c  in  e'i.  Bei  den  echten  Diphthongen  ist 
die  Zungen-  und  Lippenstellung  im  zweiten  unsilbischen  Kom- 
ponenten die  selbe,  wie  für  die  entsprechenden  silbischen  i,it,ü; 
der  Überu'any:  findet  ohne  deutliches  Hervortreten  eines  Gleitlautes 
statt.  Im  Auslaut  ist  der  zweite  unsilbische  Komponent  gedehnter 
und  in  Jit,  ü/i  schließen  sich  die  Lippen  stärker  als  bei  sonan- 
tischeni  i(,  ii,  so  daü  ein  deutliches  iv  entsteht;  ich  trage  diesem 
Sachverhalte  Rechnung  durch  die  Schreilning  e/y,  oiiir,  düw  (vgl.  §  19). 
Noch  ausgeprägter  stellen  sich  /,  iv  vor  folgendem  Vokal  als 
Gleitlaute  ein  (vgl.  §  22). 

Bei  den  unechten  Diphthongen  läßt  die  Zungenspannung 
gleichzeitig  mit  der  Druckstärke  nach  und  die  Zunge  bewegt  sich 
der  Ruhelage  zu;  der  Übergang  ist  allmählicher  als  bei  den  echten 
l)iphthongen. 

Der  Lautwert  des  zweiten  Komponenten  ist  e-ähnlicher  in 
/,>,  ii.i,  ^f-ülinliclier  in  y^>;  vgl.  auch  das  zu  •>  §  9  Bemerkte. 

In  /.>,  no,  /<<?  sind  beide  Komponenten  zeitlich  so  reduziert, 
daß  sie  zusamnlen  einer  gewöhnlichen  Kürze  gleichkommen;  sie 
rufen  fast  den  Eindruck  von  steigenden  Diphthongen  hervor,  sind 
es  aber  nicht. 

Zu  cj,  00,  öi)  usw.   <   er,  or,  ör  usw.  (-j-  Kons.)  s.  §  94  c. 

§  18.     Die  Tri])lithonge. 

Die  Druckstärke  nimmt  durchgehend  ab;  die  Zunge  wird  nach 
dem  ersten  Komponenten  zu  einem  zwischen  ä  und  e  liegenden 
Laute  gesenkt  und  hierauf  Avieder  vollständig  in  die  /-Stellung 
emporgeführt.  Vor  folgendem  Vokal  tritt  Geminata  ein  wie  bei 
den  echten   Diphtliongen. 

Zum  Einrtusse  der  Nasalierung  auf  die  einzelnen  Vokale 
s.  §  95. 

Die  Konsoiianteii. 

a.  Stimmlose  (s.  55  20). 
^  14.     Die  Lippenlaute. 

Bei  />,  jß  wird  der  Verschluß  in  der  selben  Lage  der  Lippen 
gebildet,  die  sie  in  der  Ruhe  bei  geschlossenem  Munde  einnehmen; 


—     15     — 

bei  p  stülpen  sich  die  Lippen  leicht  ein.  Bei  /  wird  die  Reibeenge 
zwischen  den  Oberzähnen  und  der  Unterlippe  hergestellt  und  zwar 
so,  daß  die  Unterlippe  sich  mit  geringer  Hebung  an  die  untere 
Vorderseite  der  obern  Schneidezähne  zurücklegt;  auch  die  Ober- 
lippe wird  in  der  Mitte  ein  wenig  einwärts  gezogen  und  gehoben, 
wodurch  sich  die  Lippenöffnung  nach  oben  etwas  vergrößert.  In 
der  Affrikata  pf  mrd  /'  mehr  bilabial  als  labiodental  artikuliert. 

§  15.     Die  Zahnlaute. 

df  t  werden  alveolar  gesprochen  (Abb.  5);  die  ganze  Zunge 
ist  stark  gehoben,  bei  dem  mit  energischer  Zungenspannung  arti- 
kulierten t  ziemlich  höher,  als  bei  d  mit  nur  schwachem  Be- 
rührungsdruck der  Zunge. 

s.  Die  untern  und  obern  Zahnspitzen  liegen  auf  gleicher 
Höhe,  die  untern  infolge  einer  geringen  Vorwärtsbewegung  des 
Unterkiefers  nicht  ganz  so  weit  hinter  den  obern  Avie  in  der  Ruhe- 
lage. Das  Zungenblatt  bildet  eine  weite  Rinne,  die  sich  von  den 
untern  Zahnspitzen  schräg  hinauf  gegen  die  hintern  Alveolen  zieht, 
hier  sich  verengt  und  sich  so  noch  in  der  Mittellinie  des  vordem 
Teiles  der  Hinterzunge  fortsetzt;  weiter  hinten  ist  die  Zunge  flach 
und  stark  abwärts  geneigt.  In  Abb.  6  ist  der  von  der  Zunge 
nur  ganz  leicht  berührte  Teil  der  Alveolen  punktiert,  während 
die  feste  Berührungsfläche  schraffiert  ist.  Gelispeltes  .s  kommt 
individuell  vor,  so  zB.  bei  den  Jüngern  Gliedern  einer  ganzen  Familie 
im  Dorfe  Appenzell. 

s.  Die  Zähne  gehen  ohne  Verschiebung  der  Kieferlage  ganz 
wenig  übereinander.  Die  Vorderzunge  ist  stark  zurückgezogen  und 
die  verdickte  Zungenspitze  gegen  den  hintersten  Rand  der  Alveolen 
emporgehoben,  wo  sie  die  Reibeenge  bildet  (Abb.  7);  unmittelbar 
dahinter  folgt  eine  schwache  Einsenkung,  während  die  Hinterzunge 
wieder  höher  liegt.  Auch  die  Lippen  nehmen  teil  an  der  Arti- 
kulation: die  schwache  Bewegung  der  Oberlippe  ist  ganz  gleich 
wie  bei  /';  die  Unterlippe  wird  etwas  vornüber  gestülpt. 

Abb.  6  und  7  zeigen  auch  die  Artikulationsstellen  dieser  Laute 
in  den  Affrikaten.  Bei  ts  ist  die  Verschlußstelle  nach  der  Reibe- 
enge zu  verlegt;  in  der  umgekehrten  Folge  st  fallen  sie  sogar 
ganz  zusammen  (Abb.  7). 


—     16     — 

§  16.     Die  Gaumenlante. 

f/,  k  werden  vor  und  nach  palataleu  Vokalen  am  hintern 
harten  und  vordem  weichen  Gaumen,  vor  und  nach  a  und  den 
Velaren  Vokalen  am  weichen  Gaumen  artikuliert.  Abb.  8  zeigt 
die  Artikulationsstellen  von  ik,  ek,  ak,  letztere  den  harten  Gaumen 
eben  noch  berührend,  Avährend  bei  uk,  ok,  ok  der  Verschluß  weiter 
hinten  am  weichen  Gaumen  gebildet  \Nard,  zu  hinterst  bei  ok\  bei 
.7')  //'5,  ,'/«  ist  das  Berührungsbild  gleich  wie  in  Abb.  8,  nur  daß 
die  Artikulationsstellen  des  i  und  e  etwas  Aveiter  nach  vorn  reichen, 
nahezu  wie  in  Abb.  2  und  3.  Weniger  abhängig  ist  die  Verschluß- 
stelle des  g,  k  von  der  Artikulation  damit  verbundener  Konsonanten ; 
sie  liegt  hier  am  vordem  Aveichen  Gaumen,  höchstens  nach  l  etwas 
weiter  vorn,  zum  Teil  noch  am  harten  Gaumen. 

Die  MA.  außer  K  besitzt  nur  den  am  hintern  Gaumenbogen 
gebildeten  tiefen  Reibelaut  x,  dessen  Artikulation  nur  in  palataler 
Umgebung  ein  wenig  Aveiter  vorn  am  w^eichen  Gaumen  ein-  oder 
absetzt  ohne  erhebliche  Veränderung  des  Reibegeräusches,  und  die 
entsprechende  Affirikata  kx,  worin  k  den  Wechsel  der  Verschluß- 
stelle je  nach  dem  vorausgehenden  Vokale  beibehält.  In  K  kommt 
auch  ein  weiter  vorn  gebildeter  Reibelaut  vor  mit  schAvächerm 
Reibegeräusch,  mehr  oder  Aveniger  einem  starken  Hauchlaut  sich 
nähernd,  nach  palatalen  Vokalen  palatales  /;  das  Nähere  darüber, 
soAvie  über  die  entsprechenden  Affrikaten,  bezAv.  Aspiraten 
siehe  im  IL  Teil  unter  diesen  Lauten. 

Aspirierte  labiale  und  dentale  Verschlußfortis  (ph,  th) 
findet  sich  nur  in  Avenigen  LehnAvörtern. 

Der  Hauchlaut  /i  kommt  außer  K  nur  mit  ganz  schAvachem 
Reibegeräusch  vor,  Avährend  in  K  im  Inlaut  alle  Abstufungen  bis 
zum  Reibelaut  /,  x  sich  finden. 

Zum  Kehlkopfverschlußlaut  s.  §  24. 

b.  Stimmhafte  (s.  §  20). 
§  17.     Die  Nasale. 

Der  Lippenverschluß  Avird  bei  m  in  gleicher  Weise  gebildet 
wie   bei    h,  p,   bei   mm    auch  mit  Einstülpung   der  Lippen.     Die 


—     17     — 

Artikulationsstelle  zwischen  Gaumen  und  Zungenblatt  ist  bei  n  die 
selbe  wie  bei  d,  je  nach  der  Umgebung  ein  wenig  weiter  vorn  oder 
weiter  hinten.  Bei  »  hebt  sich  die  Hinterzunge  nach  palatalen 
Vokalen  gegen  den  hintern  harten  und  vordem  weichen  Gaumen, 
nach  «  und  den  velaren  Vokalen  gegen  den  (hintern)  weichen 
Gaumen,  also  gleich  wie  bei  g,  k  (§  16);  die  Verschluiästelle  bei 
iv  deckt  sich  mit  der  in  Abb.  8  für  ik  angegebenen. 

§  18.     Die  Liquiden. 

r.  Die  MA.  besitzt  nur  das  gerollte  Zungenspitzen-r.  Der 
Zungensaum  legt  sich  rings  an  die  Alveolen  an,  vorn  emporgewölbt 
gegen  deren  obern  Rand  (Abb.  9).  Das  Rollen  ist  nur  ganz  kurz, 
die  Spannung  in  der  Zungenspitze  schwach;  energisches  Rollen 
mit  Fortischarakter  kommt  nur  anlautend  in  der  Emphase  vor 
(s.  §  21).     Zu  r  vor  Konsonanten  s.  §  94. 

If  i.  In  der  Artikulation  dieses  Lautes  besteht  ein  starker 
Unterschied  zAvischen  dem  östlichen  und  dem  westlichen  Teile 
unseres  Gebietes.  Ich  bezeichne  die  beiden  Arten  nach  Jespersen 
als  flaches  /  und  hohles  i.  Ersteres  spreche  ich  selbst  und  es 
gilt  allgemein  auf  dem  Gebiete  V  Ma.  Das  Zungenblatt  bildet 
bei  energischer  Artikulation  (U)  einen  breiten  Verschluß  an  den 
Alveolen  und  auch  der  seitliche  Zungensaum  legt  sich  an  diese  an 
mit  Ausnahme  einer  schmalen  beidseitigen  Ausflußöffnung  zwischen 
dem  zweiten  und  dritten  Backenzahn  (Abb.  10);  bei  kurzer  und 
schwacher  Artikulation  (intervokalischem  l)  ist  die  Berührungs- 
fläche vorn  viel  schmäler  (Abb.  10),  indem  nur  die  Zungenspitze 
zu  den  Alveolen  emporschnellt.  Der  Zungenrücken  liegt  flach 
oder  ist  doch  nur  ganz  wenig  eingesenkt,  so  daß  der  Resonanz- 
raum zwischen  ihm  und  dem  Gaumen  nicht  groß  ist.  Dieses  l 
klingt  daher  hell.  Ganz  anders  das  mehr  oder  weniger  hohle  i 
auf  dem  übrigen  Gebiete  (Mi  I  H),  am  auffallendsten  in  I.  Nur 
der  vordere  Zungenrand  bildet  einen  schmalen  und  (auch  bei  ^f) 
wenig  energischen  Verschluß  an  den  Alveolen.  Unmittelbar  da- 
hinter ist  die  Zunge  stark  eingesenkt  und  berührt  seitlich  die 
obern  Alveolen  nicht  mehr,  weshalb  die  beiden  Ausflußöfiiiungen 
sehr  groß  sind.  Diese  löffelartige  Aushöhlung  der  Vorderzunge 
setzt  nach  Jespersen  voraus,  ,daß  die  Hauptmasse  der  Zunge  rück- 
wärts verschoben  wird,  so  daß  eine  Annäherung  der  Hinterzunge 

Vetsch,  Appenzeller  Mundarten.  2 


—     18     — 

an  den  weichen  Gaumen  stattfindet,  ebenso  ^ie  bei  u,  dem  der 
Laut  dadurch  ähnlich  wird;  in  der  Sprachgeschichte  sehen  wir 
oft.  wie  das  »-artige,  das  sich  in  dem  hohlen  f  findet,  eine  große 
Rolle  spielt,  indem  es  teils  die  Qualität  des  vorhergehenden  Vokals 
beeinfluiät  (s.  §  93),  teils  ein  wirkliches  ti  vor  dem  ?-Laut  erzeugt 
(s.  §  89),  der  oft  ganz  versch^vinden  kann,  so  daß  nur  u  zurück- 
bleibt' (so  in  Berner  MAA.).  Die  Lippen  sind  seitlich  etwas  ge- 
schlossen und  neigen  zur  Rundung.  Infolge  des  großen  Hohlraumes 
und  der  weiten  Ausflußöffnungen  ist  der  Klang  des  t  dunkel  und 
wird  durch  Rundung  der  Lippen  noch  dumpfer  (vgl.  Sievers  §  316). 

§  19.  Die  Halbvokale. 

J,  Die  Enge  zwischen  Zunge  und  Gaumen  ist  weiter  als  bei 
silbischem  und  unsilbischem  (vgl.  §  12)  i  (Abb.  11);  der  Laut  be- 
sitzt daher  keine  Spur  von  spirantischem  Charakter  (doch  s.  §  21). 

w.  Die  Artikulation  ist  stets  bilabial,  mit  nur  ganz  kleinem 
vordem  Lippenspalt;  der  Laut  entbehrt  jedes  Reibegeräusches. 
Da  dem  ic  keine  spezifische  Zungenartikulation  zukommt,  so  richtet 
sich  die  Zungenstellung  und  damit  der  Klangcharakter  des  tv  nach 
dem  vorausgehenden  oder  nachfolgenden  Laute. 


§  20.  Stimmlos  :  Stimmhaft. 

Wie  die  Konsonantenübersicht  in  §  8  zeigt,  fehlen  unserer 
MA.  stimmhafte  Verschluß-  und  Reibelaute;  ich  verweise  für  diese 
allen  schweizerischen  MAA.  gemeinsamen  Verhältnisse  auf  Winteler. 

Die  Stimmlosigkeit  sämtlicher  Verschluß-  und  Reibelaute,  auch  der  inter- 
vokalischen  Lenes,  stellte  ich  mit  dem  Kehltonschreiber  (s.  S.  11)  fest;  ich 
wurde  dazu  veranlaßt  durch  Aufnahmen,  die  Rousselot  (S.  343/4.  347,8)  bei 
einem  St.  Galler  gemacht  hat,  der  stimmhaftes  intervokalisches  s  und  d  sprach 
(neben  stimmlosem  s).  Allein  jeder  Schweizer,  vor  allem  wer  Französisch 
gelernt  hat,  kann  diese  Laute  natürlich  mehr  oder  weniger  stimmhaft  sprechen; 
mundartlicli  aber  ist  dies  nicht.  —  Über  den  Grad  der  Stimmlosigkeit,  wie 
weit  der  Ein-  oder  Absatz  stimmhaft  ist  in  stimmhafter  Umgebung,  fehlen 
mir  noch  eigene  Beobachtungen. 

Bei  den  Stimmhaften  ist  der  Stimmton  deutlich,  doch  nicht 
stark,  sehr  ausgeprägt  allein  bei  i  (vgl.  §  18).  SoAvohl  die  Nasale 
und  Liquiden,  als  auch  j  und  iv  sind  ferner  im  Anlaute  und  nach 


—     19     — 

Stimmlosen  reduziert  (im  Sinne  von  Sievers  §§  504  und  505), 
indem  die  Stimme  erst  einsetzt,  wenn  bereits  der  Übergang  zum 
folgenden  Vokal  begonnen  hat:  ebenso  verliert  sich  im  Auslaut 
der  Stimmton  vor  dem  Absatz  des  Lautes. 

§  21.  Lenis  :  Fortis. 

Das  Wesen  der  schweizerischen  Lenes  und  Fortes  ist  von 
Winteler  festgelegt  worden.  Sie  stellen  in  unserer  Mundart  die 
beiden  Extreme  der  bei  gewöhnhchem  Sprechen  vorkommenden 
Stärkegrade*  dar,  jene  die  größtmögliche  Schwäche  der  Exspiration 
und  Flüchtigkeit  der  Artikulation  (und  dadurch  bedingte  Kürze), 
diese  die  größte  Exspiratious-  und  Artikulationsenergie  (und  dadurch 
bedingte  längere  Dauer).  Es  ist  schon  oben  bei  den  einzelnen 
Lauten  auf  diesen  Sachverhalt,  der  sich  in  der  Größe  und  Stärke 
der  Verschluß-  bezw.  Engenbüdung  äußert,  hingewiesen  worden 
(vgl.  auch  Abb.  5  und  10). 

Die  von  Winteler  (S.  28/9)  so  genannten  »potenzierten  Fortes' 
haben,  Avorauf  er  selbst  aufmerksam  macht,  nur  ideell,  nicht 
phonetisch,  höhere  Geltung  als  die  übrigen  Fortes;  es  besteht 
zB.  kein  Unterschied  zwischen  trokxj  <^  d'tr.  (vgl.  §  31,  1)  ,die 
Schachtel'  und  trökxd  ,drücke^j.'.  Dagegen  findet  eine  weitere 
Verstärkung  der  Fortes  statt  in  der  Emphase  unter  erhöhtem 
Akzent,  namentHch  häufig  im  Anlaut,  zB.  in  Ausrufen  der  Ver- 
wunderung: ][)pots  ttusi!  ,Potz  Tausend!'  Dies  trifi't  auch  für  die 
Reibelaute  und  die  Stimmhaften  zu,  die  sonst  anlautend  nur  als  Lenes 
vorkommen;  auch  sie  werden  unter  diesen  Bedingungen  zu  Fortes 
und  noch  höher  gesteigert:  s  ssn  (rj  xxalp)  bist!  ,ein  Sch^vein  (ein 
Kalb)  bist  du!'  —  mmendjr  iss!  ,minder  (d.  h.  gemein)  ist  es  (von 
ihm,  so  zu  handeln)!'  verächtlich,  wegwerfend  gesprochen.  — 
Verwundert  ausgerufenes  , Nein!'  lautet:  7inä!  oinä!  —  dnUog  iss! 
,eine  Lüge  ist  es!'  —  llog  j  dö!  ,sieh  mal  da  her!'  —  rröt!  ,rot!' 
wiederholt  man  unwillig,  wenn  man  das  erste  Mal  nicht  verstanden 
wurde.  Bei  j  und  iv  tritt  in  diesem  Falle  außerdem  noch  ein 
mehr  oder  weniger  starkes  Reibegeräusch  auf  (vgl.  §  19),  so  in 
unwillig  gesprochenem  jjö!  ,ja!'  ivivä?  ,was?'  usw.  Auch  /?  wird 
zum  Reibelaut  gesteigert  zB.  in  dem  Fluche:  hhimmdl  hhergot! 
jUimmel  Herrgott!' 


—     20     — 

Umgekehrt  büßen  die  Fortes  in  unbetonten  Silben  etwas  von 
ihrei-  Stärke  ein,  wenn  sie  sich  auch  (wenigstens  auf  dem  östlichen 
Gebiete)  noch  stark  von  den  Lenes  unterscheiden. 

Auch  für  unsere  MA.  gilt,  was  Heusler  (S.  24  &. ;  vgl.  auch 
Winteler  S.  144)  ausführt,  daß  Lenis  und  Fortis  ihre  gegensätz- 
liche Natur  nur  in  stimmhafter  Umgebung  bewahren.  Treffen 
zwei  oder  mehrere  stimmlose  Laute  verschiedener  Artikulationsart 
zusammen,  so  erhalten  ihre  Artikulationen  eine  gewisse  mittlere 
Intensität,  kräftiger  als  die  der  Lenis,  etwas  schwächer  als  die 
der  Fortis.  Dies  betrifft  also  auch  die  Affrikaten  pf,  ts,  ts,  Jcx. 
Mit  Heusler  verwende  ich  in  der  Schrift  kein  besonderes  Zeichen 
für  diesen  Zwischenlaut,  sondern  gebe  ihn  bei  den  Verschlußlauten 
mit  dem  Zeichen  der  Fortis  (welcher  der  Laut  auch  näher  liegt 
als  der  Lenis)  und  bei  den  Reibelauten,  um  unnötige  Buchstaben- 
häufungen zu  vermeiden,  mit  dem  einfachen  Zeichen  wieder.  Ich 
schreibe  also  lepfi  .lebendig',  aber  ivaxsj  , wachsen',  usw. 

In  einem  mittlem  Intensitätsgrade  vereinigen  sich  in  unserer 
MA.  (vgl.  Heusler  §  28)  auch  Lenis  und  Fortis  von  m,  n,  v,  l 
nach  und  vor  einer  andern  Fortis,  die  selbst  uugeschwächt  bleibt, 
zB.  in  lilopt  ,geglaubt',  tnöt  ,die  Naht',  falt  ,fällt',  falt,)  ,falten', 
hemp  ,Hemd',  stimt  ,stimmt',  antd  ,Ente',  trinhxd  , trinken'.  Dabei 
ist  allerdings,  wie  auch  oben  bei  den  Stimmlosen,  nach  kurzem 
Vokal  infolge  der  Wirkung  des  starkgeschnittenen  Silbenakzentes 
(s.  §  34)  die  Intensität  größer  als  nach  langem  Vokal. 

§  22.  Geminata. 

Die  Fortis  der  Verschluß-  und  Reibelaute  zwischen  Sonoren 
(Vokal  oder  m,  n,  n,  l,  r),  der  Verschlußlaute  auch  nach  Sonorlaut 
vor  Reibelaut  und  der  intervokalischen  Sonorkonsonanten   (m,   n, 
13,  l,  j,  7v)  ist  Geminata,    d.  h.  ihr  Eingang   wird   noch   mit   dem 
Exspirationsstoß    der   vorausgehenden   Silbe    hervorgebracht,    ihr 
zweiter  Teil  dagegen   mit   dem   für   die   folgende   Silbe   neu  ein- 
setzenden Exspirationsstoße ;  die  Silbengrenze  föllt  also  in  sie  hinein. 
Beispiele : 
1.  xaplpi)  Kappe,   rokjkd  Rücken,    rltlta  reiten,    höhlhd  Haken, 
niudltdr  Mutter; 
üslss  Asche,  slöflf,)  schlafen,  XDufjfa  kaufen,  sudxlxa  suchen; 


—     21     — 

xeltlta  kälten,  tvärtltd  warten,  hemplpdr  Hemden,  gäntltd 
ganten,  heJflß  helfen,  betjtb  betteln,  bröklMi  Brückchen, 
früntjtli  freundlich. 

2.  xratltsa  kratzen,  sepjpfj  schöpfen,  akjixsh  Achsel,  wärtjtsd 
Warze,  simplpfd  schimpfen;  dagegen  nicht  nach  Reibelaut 
vor  Sonorlaut  (vgl.  §  33). 

3.  hamlnur  Hammer,  swimjmD  schmmmen,  menlnd  mancher, 
rollJa  rollen,  sneijlja  schneien,  houwjicj  hauen,  frDiuvjivd 
freuen. 

Im  folgenden  deute  ich  nur  die  intervokalische  Verschluß- 
geminata  durch  Verdopplung  des  Fortiszeichens  an. 

Am  ausgeprägtesten  ist  die  Geminata  z^vischen  starktonigen 
Vokalen,  wenn  der  vorausgehende  starkgeschnittenen  Akzent  hat 
(d.  h.  kurz  ist),  zB.  in  gerufenem  Anna!  Anna!  In  gewöhn- 
licher Rede  ist  der  Folgevokal  aber  immer  mehr  oder  weniger 
seh  wach  tonig,  so  auch  in  Anna  Anna!  Doch  ist  die  Geminata 
auch  nach  langem  Vokal  und  Diphthong  deutlich  und  unz\^felhaft 
auch  in  den  übrigen  angeführten  Fällen  vor  oder  nach  Sonor- 
konsonant und  vor  Reibelaut. 


§  23.  Länge  :  Kürze. 

Eine  starke  Abstufung  nach  der  Dauer  findet  sich  bei  den 
Vokalen;  die  von  uns  in  der  Transskription  unterschiedenen  Grade 
der  Kürze  und  Länge  sind  selbst  wieder  veränderlich  Die  Kürze 
wird  in  unbetonter  Stellung  überkurz,  so  unsere  j,  i,  usw.  Die 
Länge  im  einsilbigen  Worte  ist  etwas  gedehnter,  wenn  dieses 
vor  Satzpause  steht.  Überlang  sind  die  vor  Nasal  oder  Liquida 
-|-  Kons,  gedehnten  Vokale  (s.  §§  101/4).  Der  Unterschied  zwischen 
Kürze  und  Länge,  zB.  in  hagj  ,Bogen'  und  hlögj  ,plagen',  ist 
sehr  groß,  nach  meinem  Gehör  eher  wie  1:3  als  wie  1:2; 
experimentelle  Feststellungen  fehlen  mir  noch  (vgl.  die  Angaben 
bei  T.  XXVII). 

Auf  den  Zusammenhang  der  Dauer  der  Konsonanten  mit  der 
Energie  der  Exspiration  und  Artikulation  ist  oben  hingewiesen 
worden;  darnach  sind  die  Lenes  sehr  kurz,  länger  die  Fortes  und 
am  längsten  die  intervokalischen  Geminaten. 


-     22     — 

Die  absolute  Dauer  der  einzelnen  Laute  ist  auch  abhänffisr 
vom  Sprechtemi3o.  Dieses  ist  im  allgemeinen  ziemlich  schnell, 
natürlich  mit  individuellen  Unterschieden  und  wechselnd  nach  dem 
Sinne  des  Gesjn-ochenen  und  dem  Grade  des  Affektes.  Besonders 
schnell  spricht  der  Innerroder,  langsamer  der  Bewohner  von  Walz. 
und   Keute. 

i^  '24:.  Lauteinsatz  und  -absatz. 

Für  Vokale  und  Konsonanten  ist  der  leise  Ein-  und  Absatz 
die  Regel.  Fester  Vokaleinsatz  mit  Kehlkopfverschlußlaut  (be- 
zeichnet mit  ')  findet  sich  nur  unter  starker  Betonung  am  Anfange 
eines  Satzes  und  in  Interjektionen,  zB. :  '/  II  s  nnk  kse!  ,ich  bin 
es  nicht  gewesen!,  'er  het  s  tuo!  ,er  hat  es  getan!'  'abcjr  omv!  ,aber 
auch!'  'ä/  'dppu!  oder  'äbä!  Interjektionen  des  Unwillens,  ,ach 
was!'  'oha!  ,oha!'  Doch  kommt  auch  hier  überall  der  leise  Einsatz 
daneben  vor.  Immer  fest  ist  der  Einsatz  in  ä  'ä!  oder  V<  '«.'  womit 
die  Mutter  etwas  bezeichnet,  gegen  das  sie  dem  kleinen  Kinde 
Widerwillen  einflößen  will,  dann  auch  'ä'ä  maxxj!  , die  Notdurft 
verrichten'. 

Festen  Absatz  hat  scherzhaft  übermütiges  jj'!  auch  joho'! 
'oho'!  ,ja!'  Hier  hat  sich  durch  Schließen  des  Mundes  ein  gleich- 
zeitiger Lippenexplosivlaut  entwickelt:  pj).'  p/i^y;.'  Ich  bilde  auch 
sonst  bei  starker  Betonung  Verschlußfortis  häufig  mit  gleichzeitigem 
Kehlkopfverschluß,  besonders  bei  nasaler  Explosion  der  Verschluß- 
fortis vor  homorganem  Nasal. 

Als  gehauchter  Vokaleinsatz  kann  silbenanlautendes  li  aufgefaßt 
werden.  Leise  gehauchten  Absatz  haben  die  auslautenden  Sonor- 
lenes  (vgl.  §  20),  soweit  sie  vorkommen,  und  die  Verschlußlaute 
im  Auslaut  vor  Pause. 

Ein  Wechsel  von  leisem  (unbezeichnet)  mit  gehauchtem  (be- 
zeichnet mit  h)  und  festem  Einsatz  kommt  vor  in  dem  nicht  nur 
im  familiären  Kreise  herrschenden  sog.  ,faulen  ja'  und  ,nein'  (vgl. 
Sievers  §  397).  Das  Ansatzrohr  verhält  sich  vollständig  ruhig, 
modifiziert  aber  den  Stimmton  je  nach  der  Einstellung  zu  a  oder 
ü,  e,  ö,  n,  m  (mit  Zwischenstufen);  meist  ist  auch  Nasalierung 
damit  verbunden.  Verneinung  ist  liq^q,  hä'ä,  Jw'ü,  hm'ni,  usw. 
(gehauchter  Einsatz  der  ersten  Silbe  und  fester  der  zweiten)   mit 


—     23     — 

Hauptton  und  höherem  musikalischem  Akzent  auf  der  ersten  Silbe ; 
Bejahung  ist  mhm  oder  'mhm  (leiser  oder  fester  Einsatz  der  ersten 
Silbe  und  gehauchter  der  zweiten)  mit  Hauptton  und  höherem 
musikalischem  Akzent  auf  der  zweiten  Silbe.  Sowohl  für  Bejahung 
als  Verneinung  kommen  alle  möglichen  Einstellungen  des  Ansatz- 
rohres vor.  Bei  der  Verneinung  ist  am  Anfang  auch  Verbindung 
von  festem  mit  gehauchtem  Einsatz  nicht  selten,  also  lim^m  oder 
lia''a,  usw.,  auch  etwa««'«.  Für  fragendes  und  quittierendes  ,so' 
wird  bei  geschlossenem  Munde  gedehntes  hm  mit  steigendem,  bezw. 
fallendem  musikalischem  Ton,  für  fragendes  ,was?'  kurzes  hm  mit 
emporschnellendem  Tone  gesprochen. 

§  25.  Vokaliibergänge. 

Von  der  Verbindung  der  Diphthongkomponenten  war  schon 
die  Rede.  Auch  zwischen  Vokalen,  die  verschiedenen  Silben  an- 
gehören, kennt  die  Mundart  nur  den  direkten  Übergang  (im  Sinne 
von  Sievers  §  405);  zB.  a-i  ,liinab',  u-i  ,hinauf',  tsi-ö!  Schlittenruf, 
dü-ond  l  ,du  und  ich',  usw.  Der  nach  §  12  zwischen  den  echten 
Diphthongen  (und  den  Triphthongen)  und  folgendem  Vokal  auf- 
tretende Gleitlaut  (wodurch  nach  §  22  Geminata  entsteht)  erscheint 
im  Satze  auch  zwischen  verschiedenen  Wörtern,  zB.  in  deij  oba 
,dort  oben',  deij  onnd  ,dort  unten',  neiJDUw!  ,neinauch!'  neij  ahdr! 
,nein  aber!'  heij  jmm  ,bei  ihm',  auch  fromv  ovh  xend  ,Frau  und 
Kinder',  usw.  Ähnlich  entwickelt  sich  unter  starkem  exspiratorischem 
Akzent  ein  Gleitlaut  zAvischen  auslautendem  einfachem  Vokal  und 
anlautendem  j  -\-  Vok.,  wodurch  jener  zum  Diphthong  wird,  zB. 
in  emphatisch  gesprochenem  hcijo!  neben  weniger  betontem  he-jo! 
und  sogar  he-o!  ,ei  ja!  freilich!'  graijets!  neben  gra-djets  (vgl. 
§  109)  ,gerade  jetzt',  zB.  graijets  ist  dr  fort!  ,gerade  jetzt  ist  er 
weggegangen!' 

Vor  folgendem  rc,  o,  e  kommt  der  zweite  Komponent  der 
unechten  Diphthonge  nur  bei  ganz  langsamem  Reden  zur  Geltung; 
sonst  verschwindet  er  vollständig,  zB.  gemmdr  tsii  and  (<i  tsua 
and)  ,gib  mir  die  Schuhe  her!'  frü  ont  sp5t  (<C  frÜ9  ond)  ,früh 
und  spät',  grü  ond  rot  (<C  grüd  ond)  ,grün  und  rot',  i  ha  ni  enn  Icxä 
(<^  nid  enn)  ,ich  habe  nie  einen  gehabt!'  Ganz  verschmelzen  der 
zweite  Komponent  und  antretendes  9  miteinander,  so  in  den  Dat. 


—     24     — 

PI.  dd  §U9  ,den  Schuhen'  (vgl.  sogar:  moM  td  §u  dxli  sorg  hä!  ,du 
mußt  den  Schuhen  ein  wenig  Sorge  tragen'),  da  xüd  ,den  Kühen'; 
vgl.  auch  hlüj,  usw.  (§  87).  Vor  folgendem  i  wird  der  zweite 
Komponent  wenigstens  reduziert. 

Über  hiatustilgendes  n,  r,  j  siehe  unter  diesen  Lauten. 


Berührung  von  Konsonanten.    Assimilation. 

§  26.  Auf  Verschiebungen  in  der  Artikulation  zweier  un- 
mittelbar aufeinander  folgender  Laute  im  Sinne  der  (gegenseitigen) 
Annäherung  ist  schon  hingewiesen  worden.  Es  sei  hier  noch 
erwähnt,  weil  besonders  ohrenfällig,  die  Angieichung  eines  d,  t,  s,  s 
an  folgendes  i  (vgl.  §  18)  in  I.  Die  Zungenspitze  ist  weiter  zurück- 
gezogen und  die  Mittelzunge  schon,  wie  für  das  t  erforderlich, 
stark  eingesenkt;  der  Luftstrom  entweicht  mit  starkem  hohlem 
ReibegCTäusch  schon  während  der  Artikulation  des  d,  s,  s  auch 
seitlich,  was  auch  dem  d  einen  spirantischen  Charakter  verleiht, 
so  daß  di  und  sl  nach  dem  Gehör  oft  kaum  zu  unterscheiden  sind. 
si  tönt  oft  beinahe  wie  palatales  ^f. 

Auf  die  allgemeinern  phonetischen  Tatsachen,  die  sich  ergeben 
aus  dem  zuerst  von  Winteler  (S.  131)  aufgestellten  Sandhigesetze, 
daß  bei  der  Berührung  zweier  Laute  die  beiden  gemeinschaftlichen 
Bewegungen  tunlichst  nur  einmal  ausgeführt  werden  (nach  der 
Formulierung  bei  Sievers  §  404),  daher  zB.  die  nasale  Explosion 
der  Verschlußlaute  vor  homorganem  Nasal  (bm,  tn,  usw.)  und 
die  laterale  Explosion  der  Verschlußlaute  vor  l,  trete  ich '  nicht 
mehr  näher  ein,  sondern  verweise  dafür  auf  Winteler  und  Siew^ers. 
Auf  diesem  Gesetze  beruht  auch  das,  was  §  21  über  die  Artikula- 
tionsstärke zweier  zusammenstoßender  Konsonanten  verschiedener 
Artikulationsart  bemerkt  ist.  Zwei  zusammenstoßende  Konsonanten 
gleicher  Artikulationsart  (also  zB.  b  -\-  b,  h  -{-  p,  t  -\-  d,  k  -\-  Je, 
f  -p  ff,  usw.)  verschmelzen  zur  vollen  Fortis,  bezw.  Geminata;  zB. 
ivlssldi  , weißseiden',  dasep  pudb  <i  ddseb  jener'  und  buab  ,Knabe'. 

Die  nur  in  vereinzelten  oder  wenigen  Wörtern  oder  für  eine 
bestimmte  Lautverbindung  fest  gewordenen  Assimilationserschei- 
nungen sollen  im  IL  Teile  unter  den  Konsonanten  behandelt 
werden. 


—     25     — 

§  27.     Dentale  vor  Labialen. 

a.  d,  t,  n,  nd,  nt  werden  vor  b,  p,  f  zu  p,  bezw.  m,  mp 
(v^rozu  das  in  den  vorigen  Paragraphen  über  das  Zusammentreffen 
stimmloser  Laute  Bemerkte  zu  vergleichen  ist) :  golpplüdmli  ,Gold- 
blümchen  (gelber  Hahnenfuß)',  heppudx  ,Betbuch',  «•e/J/r^w^t' , Witfrau, 
WitAve',  hrupfudddr  ,Brautfuder,  Brautwagen',  emppoMj  (<^  emt-h.) 
,gem.  Kälberkropf,  Chaerophyll.  sylv.';  hep  pald  (<i  hed  h.)  ,hat 
schnell',  du  tosp  pigop  prättd  (<i  du  tost  higot  hr.)  ,du  wirst,  bei 
Gott,  breiter,  d.  h.  nimmst  zu',  nüp  fiU  (<i  nüd  f.)  ,nicht  viel', 
dr  lopfpfil  ,er  hebt  (lopft)  viel';  dm  budh  (pur,  fattdr)  ,ein  Knabe 
(Bauer,  Vater)',  ivenim  bin  i  ,wann  (wenn)  bin  ich',  im  haxx  ahi  ,in  den 
Bach  hinunter';  hamppush  ,Handbube,  Gehilfe  des  Sennen',  xemppet 
,Kindbett,  Wochenbett',  gomppess  (<i  gimt-biss)  ,eiserner  Keil'  (s.  T. 
223a.  68b  und  Id.  IV  1698.  II  382/3),  thampfoU  ,die  Hand  voll',  9 
hampfb  f.  ,eine  Hand  voll',  »r  xomp  päld  (<i  xont  h.)  ,er  kommt 
bald',  di9  semp  ful  , diese  (Apfel)  sind  faul',  sep  xomp  fald!  ,das 
könnte  fehlen  (mißlingen)!' 

b.  d,  t,  n,  nd,  nt  werden  vor  m  zu  b,  bezw.  p,  m,  mb,  mp: 
heb  mi  ,hat  (lied)  mich',  sab  mar  ,sagt  (säd)  man',  hoppmd  ,Haupt- 
mann',  phuap  mi  ,behüte  (mich)!',  emmol  (mhd.  an-^näl)  ,Muttermal', 
tsommel  (<C  tsonn-mel)  ,Musmehl'  (s.  T.  460  b),  dm  mä  ,ein  Mann', 
wemm  ml  ,wenn  mein',  s  temm  möh  ,die  Scheune  (tenn)  malen',  omb 
mel  ,und  Mehl',  ar  kxemp  mi  ,er  kennt  mich'. 

In  I  schwindet  (doch  nur  im  Munde  alter  Leute)  das  m  des 
enklitischen  Pronomens  m9(r)  {=  ,man'  oder  ,mir')  vollständig: 
säppd(r)  (■<  s0  mar)  ,sagt  man',  xömpp9(r)  (<i  xönnt  mar)  ,könnte 
man',  ispar  (<i  ist  mdr)  ,ist  mir',  gepspjr  (<C  gepst  mar)  ,gebest 
mir',  kfalhbor  (<C  hfalhd  mdr)  ,gefallen  mir',  dudbar  (<i  dudd  mdr) 
,tut  man'.  Die  selbe  Erscheinung  zeigt  das  heute  ebenfalls  ver- 
altete Wort  öpp,)r  , wollener  Leibrock  der  Frauen',  das  von  T.  345  a 
für  M  und  K  angegeben  wird  (gegenüber  öpmar  in  H)  und  das 
Id.  I  605  zum  Namen  ,Otmar'  gestellt  wird,  indem  auch  sonst  / 
Kleidungsstücke  nach  Personen  benannt  werden. 

Auf  dern,  ganzen  Gebiete  findet  vollständige  Assimilation  statt 
zwischen  der  Verbalendung  nd  und  dem  m  eines  enklitischen  Pro- 
nomens {mdr  r=  wir,  mir,  mi  ^=  mich) :  Jiemmer  (bezw.  hfmar  in  I, 
hammdr  in   K:    diese   kontrahierten  Verbalformen   lauten   in   den 


—     26     — 

einzelnen  Gebieten  sehr  verscliieden ;  ich  führe  nur  die  für  Wald 
gültige  Form  an)  <;  hemh  nur  <C  henä  mer  ,haben  wir  (mir)',  hemmt, 
,habeu  mich',  und  analog  zu  ,sein'  semnidr,  semmi,  zu  ,müssen' 
mömm^r,  usw.,  zu  , wollen'  ivömmar,  zu  ,tun'  tömmer,  zu  , kommen' 
xdmmar,  zu  ,können'  xomm9r,  zu  ,nehmen'  n&nmdr,  zu  ,geben' 
gi^mm.w,  zu  , sehen'  hsidmmdr,  zu  , schlagen'  slommdr,  zu  , lassen' 
I5mni,jr,  zu  ,stehen'  MDmi)i,jr,  zu  , gehen'  gommar;  meist  auch,  doch 
nicht  immer,  besonders  nicht  bei  langsamem  Reden,  vor  dem  an- 
lautenden m  eines  nicht  enklitischen  Wortes:  die  semm  mt , diese  sind 
mein',  die  womm  mer  , diese  wollen  wir',  ma  gomni  mct  ,wir  gehen 
mit',  si  xomm  morn  ,sie  kommen  morgen',  usw.,  neben  seltenerm 
die  semh  mt,  si  x3mh  m.örn,  usw. 

Vollständige  Assimilation  liegt  vor  in  landammd  (<^  -ampmd 
für  -amtmj)  , Landammann'. 

c.  Vereinzelte  Fälle.  In  nüd  unterbleibt  sowohl  in  betonter 
als  unbetonter  Stellung  die  Verschlußbildung  öfter  vor  folgendem 
m,  n  oder  w:  l  gö  nü  met  ,ich  gehe  nicht  mit',  i  ha  gä  nü  met 
ter  ksivätst!  ,ich  habe  gar  nicht  mit  dir  geredet!'  i  sägs  nü  neij 
,ich  sage  nicht  nein',  i  go  nü  wittdr!  ,ich  gehe  nicht  weiter';  ebenso 
häufig  in  dem  meist  sehr  gedehnt  gesprochenen  häl  widdr!  xomp 
päl  iv'uhr!  ,kommt  bald  wieder!' 

Es  ist  jedoch  fraglich,  ob  nix,  bal  nicht  eher  aus  dem  Sandhi  abstra- 
hierte Formen  sind,  d.  h.  aus  Verbindungen  wie  nü^  teij  ,nicht  dort',  nüP  pald 
,nicht  bald',  bal''  pini  ,bald  bin  ich',  bal''  tu  ,sobald  du'.  Als  Konjunktion 
,sobald  als,  wenn'  ist  balClJ  für  bald  sogar  die  Regel  geworden:  bal  i  xomm 
,sobald  ich  komme*,  ball  «  wettdr  bessdr  ist  ,sobald  das  Wetter  besser  ist.' 

Mehr  im  Munde  der  Kinder  hört  man  in  K  auch  gröffattdr 
»Großvater'.  Allgemein  bei  altern  Leuten  in  K  ist  himmdr  für 
bis  mar  1)  =  ,bis  man',  zB.  himmsr  god  ,bis  man  geht',  2)  =  ,sei 
(bis)  mir',  zB.  iWs  bimmar  still  ,jetzt  sei  mir  still',  nach  T.  53  a 
auch  bimmittag  (<i  bism.)  , Vormittag'. 

§  28.     Dentale  vor  Gutturalen.  , 

d,  t,  n,  nd,  nt  werden  vor  g,  k,  x  zu  h,  bezw.  »,  nh :  gräk  hö 
,gerade  (d.h.  sofort)  gehen',  bekJchkka  ,Betglocke',  apferkkd  (<-fertk9) 
,abfertigen',  mekxti  (<i  metxü)  ,Mittwoch(tag)',  hük  xomm  i  ,heute 
komme  ich';  nngud,  ungern  ,nicht  gut,  gern',  jid  gudtd  ,ein  guter', 
dv  xittdl  ,ein  Kittel',  tvenn  göät?  ,wann  gehst  du?'  thavk  ke  ,die 


—     27     — 

Hand  geben',  s/uLvog  (<^  simlxo(j)  , Schinder'  als  Schimpfwort, 
ni'wh  hsej  ,nicht.s  (nünf)  gesehen'.  Neben  kxöDJc  Jet  renm  (<i  hxond 
gc  r.)  ,es  kommt  regnen'  kommt  in  K  bei  alten  Leuten  auch  mit 
progressiver  Assimilation  vor  Icxönt  tt  r. 

§  29.  1.  nä  vor  n.  Die  Verhältnisse  liegen  ähnlich  wie 
bei  nd  vor  ni :  außer  bei  langsamem  Reden  findet  häufiger  voll- 
ständige Assimilation  statt:  »h)  wömi  no  jxh  sinns  (-<  wönd  no) 
,wir  wollen  noch  ein  wenig  singen',  md  genn  niid  loh  (<i  gend  n.) 
.wir  geben  nicht  nach',  dh  senn  niint  , diese  sind  nichts  (wert)', 
in  K  jr  Jixonn  nöd  ,er  kommt  nicht',  da  wann  no  ahj  ,der  Wand 
nach  herunter',  nö  onn  no  ,nach  und  nach',  danannö  (<^  donand  no) 
,nacheinander'.  onn  mit  tu!  ,und  nicht  du!' 

2.  s,  ts  werden  vor  s  zu  s,  ts:  üsstö  , ausstehen',  mässtäb 
.Maßstab',  äpsstiogä  (K)  ,Erbsstecken'  (als  Stütze  für  die  Pflanze), 
Jialsstärx  ,halsstarrig',  holtssu,)  ,Holzschuhe',  iva  hend  dr  tsswätsd 
(-^  ts  sw.)  ,was  habt  ihr  zu  schwatzen?' 

Diese  Erscheinung  zeigt  sich  in  der  echten  Mundart  ausnahms- 
los, wenn  das  neutrale  Pron.  der  3.  Ps.  Sg.  oder  der  neutrale  be- 
stimmte Artikel,  die  beide  s  lauten,  vor  Wörter  mit  anlautendem 
■s  treten :  ssne'd  ,es  schneit',  ssnik  Jimt  ,es  schneidet  gut',  ssmälts 
,die  Butter',  ssibh  ,das  Schühlein',  ssönst  ,das  Schönste',  usw. 

Ferner  tritt  dies  ein  in  der  synkopierten  Form  der  2.  Ps. 
Sg.  Präs.,  neben  der  meist  auch  die  unsynkopierte  vorkommt,  zB.: 
lesst  neben  lesist  ,liesest',  esst  ,issest',  htsst  ,beißest',  luisst  ,heißest', 
du  sfisst  omnid!  ,du  schießest  herum!'  icaxsst  ,Avachsest',  losst 
,lässest',  botst  ,putzest',  hiietst  ,nähest',  neben  hotstst,  bibtsist,  dann 
auch  in  den  Suj^erlativen  bösst  zu  bös,  grösst  zu  gross,  auch  besst 
.best'  (<^  beä'sist),  lesst  (veraltet  für  heute  allgemeines  letst)  ,letzt' 
(<;  lessist),  xörtst  neben  xörtsist  , kürzest'. 

3.  Die  Endung  -st  der  2.  Ps.  Sg.  Präs.  und  der  3.  Ps.  Sg. 
des  Verb,  subst.  (ist)  verschmilzt  mit  dem  enklitischen  Pronomen 
-s  (durch  Synkope  aus  js  ,es'  und  sc  ,sie'  PI.  entstanden)  und  dem 
6'  von  si  {==  ,sie'  fem.  Sg.)  zu  ss:  du  gess  tür  ,du  gibst  (d.h.  ver- 
kaufst) es  (zB.  das  Heu)  oder  sie  (zB.  die  Kirschen)  teuer',  dti  gessi 
tür  ,du  gibst  sie  (zB.  die  Milch)  t.',  dii,  moss  ivesss  ,du  mußt  es 
wissen'  du  biss  ,du  bist  es',  dt^  sjiäriss  ,du  sparst  es',  idts  hess 
ksej  .jetzt  hast  du  sie  gesehen',   nesst  met?  ,nimmst  du  sie  mit?' 


—     28     — 

Srlpää?  ,schreibst  du  es?'  is§  kcwnj?  ,ist  es  gegangen?'  issi  do?' 
,ist  sie  da?'    tvör  is§  ,wahr  ist  es'. 

In  langsamer  Rede  tritt  an  Stelle  von  -s  ebenso  häufig  die 
nicht  synkopierte  Form  js;  das  Verbum  behält  aber  den  assimi- 
lierten Ausgang  bei :  grss  9S  ,gibst  es',  iss  as  ,ist  es',  iväs§  ds 
,weißt  es',  glopM  ,)s  ,glaubst  es',  usw.  Die  Sandhiform  iss  tritt 
sogar  gelegentlich  auch  sonst  an  Stelle  von  ist,  so  zB. :  i  ivass 
nüd  ICO  s  ids  iäs  ,ich  weiß  nicht,  wo  es  jetzt  ist'. 

In  I  und  Gais  wird  dagegen  ist  s  durch  regressive  Assimilation, 
zu  iss,  also :  iv5r  iss  ,wahr  ist  es',  so  iss  rext  ,so  ist  es  recht',  iva 
/s5.<5L.,was  ist  es?'  x^iirsmessig  iss  asa  ,bauernmäßig  ist  es  so',  usw. 

4.  Auf  die  wenig  energische  Artikulation  des  r  (vgl.  §§  18  und 
94)  geht  der  Wandel  von  s  nach  r  in  s  zurück,  indem  der  Reibelaut 
an  der  dem  r  und  s  gemeinsamen  Artikulationsstelle  gebildet  A\drd,^ 
während  für  s  eine  Vorwärtsbewegung  der  Zunge  aus  der  /-Stellung 
nötig  wäre :  fersa  ,Ferse-,  ärs(pakTx3)  ,Ars',  mörsl  ,Mörser',  mörsh- 
,mit  dem  Mörser  zerstoßen',  dann  in  försi  ,für  sich,  d.  h.  vorwärts'^ 
henddrsi  , hinter  sich,  d.  h.  rück^värts',  ondjrsi  , unter  sich,  d.  h. 
abwärts',  öbarst  ,über  sich,  d.  h.  aufwärts',  und  die  beiden  ver- 
bunden ondarsöhorsi  d.  h.  das  unterste  zu  oberst,  verkehrt'  (vgl. 
dagegen  opsi  ,obsich').  Das  enklitische  Pronomen  s  ,es'  und  ,sie'" 
PI.,  ferner  das  s  von  st  ,sie'  fem.  Sg.  gehen  nach  r  immer  in  s 
über:  gemnidrs!  ,gib  es  mir!'  Iiend  srs  hsej?  .habt  ihr  es  gesehen?' 
wörs  Mahd!  , würde  es  glauben'  i.  S.  v.  ,das  sollte  ich  meinen!'" 
wömmrirsi  ne?  , wollen  ^vir  sie  nehmen?' 

Ebenso  das  s  in  der  Flexion :  <?  süb,)rs  ,ein  sauberrs',  muattdrs^ 
,der  Mutter'  (Gen.),  üsors  ,unseres',  jn  andjrs  ,ein  anderes'^ 
kxetived.^rs  .keines  von  beiden'. 

Außerdem  ist  in  I  diese  Erscheinung  heute  noch  fest  in  daseh 
, derselbe,  d.h.  jener',  und  in  fjsionnu  (auch  Urn.)  .versäumen'. 

Sonst  tritt  dieser  assimilatorische  Wandel  nicht  mehr  auf;. 
auch  in  den  angeführten  Fällen  ist  er  jetzt  im  Rückgang  begriffen : 
Jüngere  sprechen  meist  .s  (fast  oder  ganz  ohne  Artikulation  des  r). 

^  30.  Weniger  als  die  Dentale  unterliegen  die  Labiale  und 
Gutturale  der  Assimilation. 

1.  Einige  Fälle  für  Labial  vor  Dental  sind:  rontsonn? 
«  römts.)    ,  Rahmmus'    (T.  368  b),    hältd    (V),    härtal    (M  I  H> 


—     29     — 

(<C  halpteil)   n.    ,Hälfte',    slössakx   (<^  sloffs.)   , Reisesack',   hosstdt 
,Hofstatt'  (s.  T.  277  a),  selten  zB.  get  tar  (<i  gep  t.)  ,gebe  dir'. 

2.  Guttural  vor  Dental,  a.  h  -[-  n  wird  individuell  seljr 
verschieden  gebildet;  sogar  die  selbe  Person  schwankt  zwischen 
den  verschiedenen  Möglichkeiten.  Das  n  bleibt  zwar  immer  dental 
(wird  nie  n)\  aber  die  Ä:-Explosion  findet  entweder  statt,  noch 
bevor  die  Mundhöhle  nach  vorn  durch  den  w- Verschluß  abgesperrt 
ist,  so  daß  der  Explosionsstrom  ganz  durch  den  Mund  entweicht, 
oder,  wie  Winteler  (S.  135/6)  es  beschreibt,  die  Explosion  findet 
zwar  noch  nach  der  Mundhöhle  statt,  aber  sie  trifft  diese  schon 
durch  die  «-Artikulation  geschlossen,  wird  daher  zurückgeworfen 
und  durch  die  Nase  getrieben,  oder  drittens,  Ä'-Verschluß  und 
w- Verschluß  finden  gleichzeitig  statt  und  die  Explosion  ist  ganz 
nasal.  Dazu  kommt  viertens  der  Übergang  in  tn  vor  mit  nasaler 
Explosion  des  t,  zB.  fotnüdga  ,Vergnügen',  tnuag  ,genug',  tnagd 
,nagen'  (Id.  IV  696),  tnö  ,genommen',  usw.  Letzteres  scheint  mir 
bei  den  Jüngern  häufiger  zu  sein. 

b.  Vereinzelte  Fälle  von  Assimilation :  rtssxammdr  (<C  rixsx.) 
jReichskammer'  (s.  T.  365  b),  hössti  (<^  höxst.)  ,Hochzeit',  sratsegd 
(<C  sraks.)  ,große  Säge'  (nach  T.  399  b  in  K). 

3.  Guttural  vor  Labial.  Mehr  gelegentlich  oder  auf  ein- 
zelne Personen  und  Gegenden  beschränkt  findet  Assimilation  des 
gutturalen  Verschlußlautes  an  folgenden  labialen  statt  (vgl.  jedoch 
§  31,  3b),  zB.  in  lopmlhx  neben  lohnüex  ,Luggmilch,  geschwun- 
gener Rahm',  lippilats  neben  lihplats  ,Liegeplatz,  Lagerplatz  der 
Herde'  (T.  300  a);  so  ist  auch  T.'s  Angabe  (43  a)  ,Betbere'  in  K 
(neben  ,Bergbere')  Bergbirne,  aus  der  assimilierten  Form  hepperd  zu 
verstehen.  Häufiger  und  allgemeiner  bei  Lenis :  sah  nur  ,sage  mir', 
trab  nu  , trage  mich',  lob  mar  oiiw!  (<C  log  m.)  ,sieh  mal  da  her!' 
fröb  mörn  ,frage  morgen',  sebmel  für  seltneres  segmel  , Sägespäne'. 
Fest  ist  die  Assimilation  in  jiimpfdrd  (mhd.  juncvrouwe)  ,Jungfrau', 
impdr  (mhd.  ingewer,  ingeber)  ,Ingwer',  tamma  (V  M)  gegenüber 
tagma  bezw.  tabma  (I  H)  (mhd.  tagewan)  , Tagewerk'  (T.  129  b), 
hoffdrt  (mhd.  höchvart)  ,Hoffart'. 

4.  Labial  vor  Guttural.  Sehr  häufig  ist  bei  alt  und  jung 
in  zwangloser  Rede  sek  Mob  i  neben  sep  Mob  i  ,das  glaube  ich', 
ebenso  sek  köd  nüd  neben  sep  k.  n.  ,das  geht  nicht',  sek  ked  nüts 
tross  neben  sep  k.  n.  tr,  ,daraus  wird  nichts'. 


—     30     — 

5.  Labial  vor  Labial  anderer  Artikulation.  Fest  gewordene 
Assimilation  zeigen  hDuical  (<i  baumivoU)  jB^um Wollstoff,  ärf9l 
(<^  arm  roll)  m.  ,ein  Arm  voll'. 

Häufig  wird  die  Artikulation  des  h  (d.  h.  der  volle  Verschluß) 
preisgegeben  in  '  äwä§sd  für  ahtvä§s9  ,abwasclien',  noch  öfters  in 
äirässlbmpD  ,Abwaschlumpen'.  Assimilation  des  h  an  folgendes 
m  liegt  vor  im  Imperativ  geh  ,gib'  vor  den  Pronomen  nidr  (unbet.), 
mir  (bet.)  ,mir',  mi  ,mich':  gern  msr!  gern  mer!  ,gib  mir!'  gern 
ml  ä!  ,gib  mich  an!  d.  h.  sage,  ich  sei  es  gewesen'.  Fördernd 
mag  hier  eingewirkt  haben  die  Analogie  von  tom  mar,  nem  mar, 
xom  mer,  usw.,  ,tue,  nimm,  komm  mir'. 

§  31.  Besonders  starke  Veränderungen  durch  die  Assimi- 
lation an  den  Anlaut  des  folgenden  Wortes  erleiden  bei  Absorption 
des  Vokals  und  Steigerung  der  Lenis  zur  Fortis: 

1.  der  bestimmte  Artikel  t  (Nom.  Acc.  Sg.  fem.  und  Nom. 
Acc.  PL).  Vor  Labial  nach  §  27:  ^mlh  «  f  h.)  f.  ,der  Ball', 
puahd  (<i  fb.)  ,die  Knaben',  pßffa  (<i  i'pf-)  ,die  Pfeife',  'pmudttar 
(<^fm.)  , die  Mutter',  Jiöl  dm  xemp  pähd  (<i  xend  t'h.)  ,hol  dem 
Kind  die  Puppe'.  Vor  Guttural  nach  §  28:  kottd  (<C  fg.)  ,die 
Patin',  köfd  (<i  fg.)  ,die  Kinder',  hxoxxi  (<i  f  x.)  ,die  Küche', 
kxend  (<i  f  x.)  ,die  Kinder',  set)k  Tixüa  (<^  send  f  x.)  ,sind  die 
Kühe'. 

2.  Ganz  in  gleicher  Weise  das  persönliche  Pronomen  t 
(<C  du):  wi3  pist  «  fh.)  ,wie  du  bist',  wemm  pf olgist  (<C  wenn  ff.) 
,wenn  du  folgst  (d.  h.  gehorchst)',  as  pmanst  (<C  f  m.)  ,daß  du 
meinst',  for  kost  (<i  fg.)  ,bevor  du  gehst',  bis  kxöst  (<i  f  x.)  ,bis 
du  kommst'. 

3.  die  Vorsilbe  /;;  (<C  ge-).  a.  k  -\-  d,t  =^  t:  tega  (mhd.  ge- 
digen)  ,geräuchert',  ti9ndt  ,gedient',  tud  ,getan',  treba  ,getrieben'. 

b.  k  -\-  b,  p  und  k  vor  m  ^=  p  (vgl.  §  30,  3) :  prüxt  ,gebraucht', 
pokht  ,gebuckelt',  pidt  ,Gebiet',  pniöht  ,gemalt',  pmest  ,gemästet', 
pmosdt  .gemoset,  voll  Flecken',  2)mänd  ,Gemeinde',  pmä  ,gemein- 
sam',  wollpmänt  (Adj.)  »wohlgemeint,  d.  h.  hochmütig'. 

c.  k  vor  w  s.  §  30,  2  a. 

d.  ^  -|-  '^  ist  in  drei  Arten  vertreten  auf  verschiedenen  Ge- 
bieten: in  H  als  reine  Aspirata:  khaltd  ,versorgen',  khörd  ,hören', 


—    31     — 

liliä  ,gehabt',  omltlila  , umfallen',  Jchoht  ,geliolt',  kholff^  ,geholfen', 
Tchöüwdt  , geheut'  zu  , heuen',  usw.,  in  I  M  und  Vi  als  Affrikata: 
kxältd,  kxör^,  kxä,  6mkxeij3,  kxokxdt  ,gehockt',  kxand  (vgl.  mhd. 
gehende)  ,wohl,  leicht,  noch  gut'  (s.  Id.  II  1396),  usw.  (Damit 
stimmt  überein  fülkx9t  (mhd.  vülecheit)  ,Faulheit').*  In  K  (mit  Aus- 
nahme des  noch  zu  nennenden  dritten  Gebietes)  ist  es  eine  mehr 
oder  weniger  stark  affrizierte  Aspirata,  übereinstimmend  mit  der 
Vertretung  von  germ.  k  im  Anlaut  (s.  d.). 

Auf  einem  dritten  kleinen  Gebiete,  nämlich  in  der  obern  Rod 
von  Oberegg  (südlich  vom  Dorfe)  sprechen  die  alten  Leute,  nur  in 
vereinzelten  Familien  auch  noch  die  Jüngern,  velare  Spirans  x: 
xörd  ,hören',  xältd  ,versorgen',  auch  xä  ,gehabt',  dagegen  kxört 
,gehört'  und  so  auch  in  den  übrigen  Partizipien.  Es  fallen  also 
germ.  k  und  unser  k  -f  li  hier  in  der  Spirans  x,  auf  dem  übrigen 
Gebiete  von  K  in  der  afiFrizierten  Aspirata  zusammen,  während 
sie  sich  in  H  als  Spirans  und  Aspirata,  in  I  M  Vi  als  Spirans 
und  Affrikata  gegenüberstehen. 

Die  Bewohner  der  untern  Kod  von  Ob.  neckten  daher  früher  diejenigen 
der  obern  Rod,  indem  sie  ihnen  zuriefen:  i  ha  a  hekxdli  xältd  xafi  xältd  xä 
,ich  habe  eine  Schale  kalten  Kaffees  auf  die  Seite  gestellt  gehabt'  (in  der 
Aussprache  der  untern  Rod :  9  b.  kxhältd  kxhaft  kxhältd  kxhäj. 

Ganz  mit  dieser  Vertretung  von  k  +  h  stimmt  diejenige  des  Anlautes 
von  ,kein',  zB.  khes  (in  unbetonter  Stellung  auch  affriziert)  ,keines'  in  H, 
xäs  in  der  obern  Rod  von  Ob.,  kxes  bezw.  kxhäs  auf  dem  übrigen  Gebiete. 
Ich  lege  mit  Winteler  (S.  52/3.  222)  älteres  dehein  zugrunde,  aus  dem  durch 
Synkope  und  Assimilation  khein  wurde,  und  sehe  in  dem  9  von  dkxe  den 
unbestimmten  Artikel  (vgl.  dazu  A.  Bachmann,  Beiträge  zur  Geschichte  der 
Schweiz.  Gutturallaute,  S.  36/7). 

Vor  w  ist  k  als  reine  Fortis  erhalten,  mit  einer  einzigen  Ausnahme: 
Die  Bezeichnung  der  hochgradigen  Darmgicht,  Kolik  beim  Menschen  als  ,Ge- 
weir  lautet  (allerdings  nur  noch  altern  Leuten  bekannt)  in  H  ktvel,  in  I  kwer 
und  in  Lutz,  kwell,  dagegen  in  Mi  kxwel  (in  Gais  auch  kxwell),  in  M2  Vi  und 
Ob.,  Heid.  kxwel,  in  Reute,  Wolfh.,  Walz,  kxwell  n.  Wahrscheinlich  aber  ist 
die  Affrikata  auf  Einfluß  von  kxiveh  (s.  §  100)  , quälen'  zurückzuführen  (d.  h. 
man  legte  sich  das  Wort  als  , Gequäle'  aus),  zumal  dessen  Einwirkung  zur 
Erklärung  des  e  in  Mi  anzunehmen  ist. 

•  4.  Die  Vorsilbe  p  (<C  he-).  Die  Verbindung  p-r-h  bleibt 
gewöhnlich  reine  Aspirata.  Nur  in  zwei  Fällen  assimilierte  sich 
h  an  das  p  zu  /';  in  K  kommt  vor  pfikxt  und  j^fikxta  , gefrorener 
Nebel',  gegenüber  phikxt,  bezw.  phikx(i)  auf  dem  übrigen  Gebiete 


—     32     — 

(vgl.  Id.  II  1120:  T.'s  Angabe  iiikxi  ist  als  pli.  zu  lesen).  Für  den 
Abschiedsgruts  pliüd  ti  got!  ,behüte  dich  Gott!'  sagen  alte  Leute 
in  K  noch  pfud  ti  g.! 

Schwund  des  h  ist  häufig  in  den  Ausrufen  püdt  is  kot!  ,behüte  uns  Gott! 
d.  h.  bewahre  nein!'  und  gleichbedeutend  püst  is  trüh!  Nicht  selten  ist  hier 
sogar  Lenis:  biot  is  k.,  usw.,  die  eine  Parallele  findet  in  hend  (mhd.  behende) 
Koiy.  ,so  bald  als'  (vgl.  Id.  II  1408). 

Vereinzelte  Synkope  und  progressive  Assimilation  liegt  vor  in  prlffs,  Part. 
priff9  «  begr.)  ,belangen'  (s.  T.  77  b  und  Id.  V  434). 

§  32,  In  den  angeführten  Fällen  ist  die  Assimilation  fast 
ausschließlich  regressiv;  die  Ausnahmen  sind  lixönt  ti  renwd  (§  28), 
st  +  s  ->  SS  :(§  29,  3),  TS  >  rs  (§  29,  4),  M  >  Ix  (§  31,  3d), 
ph  >  pf  und  hegr.  ">  pr.  (§  31,  4).  Gegenseitige  Assimilation 
liegt  vor  in  t  -\-  m  ^  p  (§  27  b),  auch  in  tamnid  (§  30,  3). 

Weitere  Beispiele  für  progressive  Assimilation  sind  noch: 
näppjr  (ahd.  ndba-,  nahu-ger)  ,Bohrer',  hommsri  (<i  houmgdrt) 
,Baumgarten'. 

Die  Silbe. 

über  silbisches  l,  m,  n  siehe  unter  diesen  Lauten. 

§  33.  Die  Silbentrennung  erfolgt  nach  Drucksilben.  Ich 
glaube  dies  für  meine  Mundart  mit  Recht  auch  in  dem  Falle  von 
einfacher  Lenis  nach  kurzem  Vokal  anzunehmen,  d.  h.  die  Lenis 
wird  mit  dem  für  den  folgenden  Sonanten  neu  einsetzenden  Ex- 
spiratipnsstoße  hervorgebracht,  gehört  also  zu  dessen  Silbe,  also: 
ba-dd  ,baden',  le-sd  ,lesen',  ha-fa  ,Hafen',  i-n9  ,herein',  d-h-ivi-h 
, immer'.  Dies  setzt  wenigstens  einigermaßen  schwachgeschnittenen 
Akzent  der  betonten  Kurzsilbe  voraus  (vgl.  Sievers  §  598).  Deut- 
lich schwach  geschnitten  sind  die  langen  Vokale  und  Diphthonge: 
$rl-b9  , schreiben',  m-S3  , weisen',  ou-gd  ,Augen',  rud-bd  ,ruhen'. 
Das  selbe  gilt  für  die  Worttrennung  in  Zusammensetzungen  und 
im  Satze:  Mc-bokx  , Steinbock',  brä-düks  (<^  bräd  äks)  ,Breitaxt, 
Axt  des  Zimmermanns  mit  breiter  Schneide',  fu-lsntsd  ,faulenzen', 
bö-hh-g.)  ,Bollaugen,  hervorstehende  Augen',  ä-xörn-li  ,Eichhörn- 
chen';  nü-dändost  , nicht  (nüd)  anders',  ga-der  ,nur  (gad)  er',  im 
hü-sinn  ,im  Hause  drin'. 


—     33     — 

Zwischen  sicli  haben  die  Silbengrenze: 

a)  Sonorlaut  -\-  Verschluß-  oder  Reibelenis:  sel-bdr  ,selbst', 
häl-dd  ,Halde',  hol-far  , Pulver',  far-hd  ,Farben',  mor-g3  .Morgen', 
hen-dd   ,binden',   lan-äam-md  ,Landammann',  auch  am-sh  ,Amser. 

b)  Sonorlaut  -f-  Sonorlaut:  swäl-md  ,Schwalbeu',  fill-tne  ,viel 
.mehr',  iver-^mdr  ,wärmer',  bömm-ü  ,Bäumchen',  irimm-h  ,vdrame\n\ 

rinio-li  .Ringlein'. 

c)  Verschlußlaut  -|-  Verschlußlaut  und  Reibelaut  -|-  Reibe- 
laut: ap-ke  , abgeben',  mal-ti  ,mag  dich',  ivax-so  , wachsen',  auch 
ax-sh  ,Achser,  tidx-sld  ,Deichser,  uf-slö  »aufschlagen'. 

d)  Reibelaut  -\-  Verschlußlaut:  ges-tar  ,gestern',  wäs-pi  ,Wespe', 
gif-td  , zanken',  uf-tio  , auftun'. 

Die  Fälle  von  Geminata  siehe  §  22. 

Beide  Konsonanten  werden  zur  folg^enden  Silbe  ge- 
zoffen  in  der  Folgte: 

a)  Verschluß-  oder  Reibelenis  +  Sonorlaut:  hüa-Ui  ,Büblein', 
hö-gld  ,bügeln',  wä-dli  (mhd.  tveideliche)  ,schnell',  no-dh  ,Nader, 
a-hmaxxd  ,abniachen',  ga-dno  ,nur  (gad)  noch',  le-sli  ,leise',  ta-fld 
, Tafel',  SH-fh  , Schaufel',  Ti-slö  ,auslassen',  hro-sma  ,Brosame',  gro- 
smudUdr  , Großmutter',  gä-smihx  , Geißmilch',  u-fne  ,aufnehmen'. 

b)  Verschlußlenis  oder  Reibelenis  -j-  h:  sa-dhaft  , schadhaft', 
sä-dhalt  ,sagt  (säd)  halt',  hii-shöx  ,haushoch'.  Doch  kann  hier 
die  Grenze  auch  vor  das  h  fallen. 

Vgl.  noch  die  folgenden  Sätze :  if-to-snü-dmi-ddst  ,ich  (i)  tue 
es  nicht  (nüd)  anders';  h-snid-roniv!  ,höre  (Jos)  mir  doch!'  tsit- 
tis-pal-dom-nid  ,die  Zeit  ist  schnell  (bald)  herum'. 

§  34.  Nach  dem  Wintelerschen  Silbenakzentgesetze 
(vgl.  Winteler  142  f.,  Heusler  12  f.,  Sievers  §  596  f.)  ^vird  nach 
einem  kurzen  (stark  geschnittenen)  Vokale  ein  noch  der  selben 
Drucksilbe  angehörender  Sonorlaut  (außer  r)  verschärft  zur  Fortis, 
also:  balld  ,bald',  «Z?/"  ,elf ,  hcdls  ,Hals',  helJffd  , helfen',  xillhi  (mhd. 
kilwi,  kikJunhe)  ,Kirchweih',  hmmpa  .Lumpen',  hantmpfh  f.  ,eine 
Hand  voll',  tsimmli  ,ziemhch',  hannd  ,Hand',  fenndd  ,finden',  linn- 
tudx  ,Leintuch',  fVinnli  ,flink',  usw.    Vgl.  dazu  §  21.     Diese  Ver- 

Vetsch,  Appenzeller  Mundarten.  3 


—     34     — 

schärfung  bleibt  im  Folgenden  unbezeichnet;  dagegen  schreibe  ich 
zB.  bDuimli  ,Bäumchen',  rinvh  ,Ringlein',  woUfd  ,wohlfeir,  in  Über- 
einstimmung mit  daneben  stehendem  homni,  rimj,  ivöll. 

Wo  in  einsilbigem  auf  Sonorlenis  auslautendem  Worte  die 
Dehnung  unterblieb  (vgl.  §  97),  erscheint  die  Lenis  als  Fortis :  tili 
(ahd.  (UT)  ,dickes  Brett',  toll  (mhd.  toi)  ,wacker',  ßl  ,vier  (so 
stets  in  Verbindungen  A\-ie  ßl  nie  ,viel  mehr',  ßl  möl  ,viel  Mal',- 
in  den  übrigen  Stellungen  neben  fzl),  woU  (seltener  auch  tvol)  als 
vei-stärkte  Behauptung  =  , doch!'  und  in  Fällen  wie:  ivea  tvoll  nüd 
w5r  se!  ,es  wird  wohl  nicht  wahr  sein',  gegenüber  sonstigem  ge- 
dehnten'«'ö?  ,wohl'  (vgl.  §65),  wemm  ,wem',  clemm  ,dem',  emm 
,ihm',  fromm  ,fromm'  (vielleicht  beeinflußt  von  dieser  schriftsprach- 
lichen Form),  lamm  ,lahm'  und  tsamm  ,zahm'  in  K,  gegenüber 
läm(m),  tsäm(m)  auf  dem  übrigen  Gebiete  (bezw.  söm  inH);  in  I 
äamm  , Schamgefühl'.  So  auch  in  den  nicht  gedehnten  einsilbigen 
Verbalformen,  den  Imperativen  nemm  ,nimm'  (Inf.  ne),  ocomm 
,komm'  (Inf.  x5),  holl  (Inf.  JwU),  spill  ,spiele'  (Inf.  spih)  und  den 
Konjunktiven  1.  und  3.  Sg.  nemm,  xömm  und  soll  ,soir  (Inf.  sah); 
doch  herrscht  vor  vokalisch  anlautenden  Wörtern  in  diesen  Fällen 
Schwanken  zwischen  Lenis  und  Fortis,  vor  betonten  Wörtern  so- 
wohl wie  vor  Enklitiken:  Jwl  oder  holl  dnn  öpfdl!  ,hole  einen 
Apfel!'  €  söl  oder  soll  ahd  x5  ,er  soll  herunter  kommen',  nemm 
(seltener  nem)  9  nöl  ,nimm  ihn  nur!'  sjnl  oder  spill  es!  ,spiele 
eins!  (d.  h.  ein  Lied)'. 

Die  Erscheinung  zeigt  sich  ganz  gleich  in  Fällen,  wo  der 
kurze  Vokal  erst  auf  sekundärer  Kürzung  beruht,  zB.  emi  ,einer', 
Jcienn  ,keiner',  si«»?»«  , Schaum',  d9hamni(K)  ,daheim',  Imum  ^B&nm'. 

Für  analoge  Schärfuug  auslautender  stimmloser  Lenis  weist 
unsere  Mundart  kein  Beispiel  auf. 

§  35.  Zweigipfliger  Silbenakzent  (bezeichnet  mit  ~  nach 
dem  Vokal)  findet  sich  meist  in  den  zur  Überlänge  gedehnten  ein- 
silbigen Wörtern  (mit  langem  oder  sekundär  gedehntem  Vokal  oder 
mit  Diphthong)  vor  Satzpause :  or  fjo~d  ,er  geht',  seb  isk  hants 
genes  ist  ganz',  i  xomnid  grnd  ,ich  komme  sofort',  gesp  mdr  ou  w? 
,gibst  du  mir  auch?'  p!  ,ja'.  sö~ !  ,so',  ferner  im  einsilbigen  Satz- 
takte: gantslsix9r  ,ganz  sicher',  jo'lso'!  als  Interjektion,  ivfriiss! 
,wahr  ist  es!'  Icsadjlmn  dm  s  »gesagt  habe  ich  es  ihm',  xo'ltod  dr 


—     35     — 

,kommen  tut  er',  icfjhemmer  ,Wein  haben  wir',  (dr)  srt~j)tlsö  ,er 
schreibt  schön',  (di)  xcnphnüdx  ,die  kalte  Milch'.  Wenn  sich  ein 
unbetontes  Wort  (enklitisch)  anschließt,  dann  ist  der  zweigipflige 
Akzent  seltener,  kommt  aber  auch  vor,  zB. :  r/rö~ss  ist  orlniTd 
,groß  ist  er  nicht',  du  manU  dsjlcad  ,du  meinst  es  nur',  auch 
srfhd  l  icinn  or  , schreiben  kann  er  (das  muß  man  ihm  lassen)!'  In 
allen  diesen  Fällen  tritt  die  Zweigipfligkeit  nur  bei  einigermaßen 
starker  exspiratorischer  Betonung  der  Silbe  ein;  sie  fehlt  beim 
schnellen,  wenig  nachdrücklichen  Sprechen  ganz. 

Über  den  damit  verbundenen  musikahschen  Akzent  siehe  §  43  f., 
wo  sich  weitere  Beispiele  finden. 

Der  exspiratorische  Wort-  und  Satzakzent. 

§  36.  Die  exspiratorische  Betonung  ist  im  allgemeinen 
energisch;  die  einen  Hauptakzent  tragenden  Silben  werden  mit 
großer  Stärke  herausgestoßen,  die  neben-  und  schwachtonigen  treten 
ganz  hinter  ihnen  zurück.  Der  Abstand  zwischen  betont  und  un- 
betont ist  groß,  und  was  wir  gewöhnlich  als  Nebenakzent  be- 
zeichnen, liegt  unter  der  Mitte  zmschen  diesen  beiden  Extremen. 
Ich  unterscheide  zwei  verschiedene  Grade  des  Starktons  als  1  und 
2,  einen  stärkern  und  schwächern  Nebenton  als  3  und  4,  den 
SchAvachton  als  5. 

§  37.  Im  einfachen  Worte  trägt  ausnahmslos  die  Haupt- 
silbe den  Starkton  (über  die  Betonung  der  FremdAvörter  siehe 
unten).  Die  Nebensilben  mit  o  sind  schwachtonig,  das  Verhältnis 
ist  2  :  5,  zB.  in  tsiwod  , Zunge',  lesj  ,lesen',  nödh  ,Nader,  himnidl 
,Himmel',  fcdt,)r  , Vater',  Maxxst  , gelacht',  holdor  ,Holunder'.  Die 
Nebensilben  mit  /  tragen  einen  schwächern  Nebenton,  das  Verhältnis 
ist  2  :  4,  zB.  ah  ,alle',  mim  ,meine',  rötti  ,rote',  hehai  ,Becken',  si 
siviDid  ,sie  singen',  losti(g)  ,lustig',  lepti(g)  ,lebendig',  hälsi(g) 
{mh^Jiclsmc)  , Strick',  höltsli  ,Hölzchen',  frilnÜi  ,freundlich',  niäni(g) 
,Meinung',  tsitti(g)  , Zeitung',  tsügnis  , Zeugnis'.  Im  dreisilbigen 
Worte  ist  die  letzte  Silbe  etwas  stärker  betont  als  die  mittlere 
(also  2:5:4),  zB.  Jaxxstd  f.  ,Gelächter',  ferand  f.  (noch  in  I  und 
Gais  für  sonstiges  fore'lld)  ,Forelle',  hüddra  ,Butter  bereiten', 
xöxxdh  Dim.  zu  ,kochen',   auch  mändgd  ,Meinungen',    dnn  lostdgd 


—     36     — 

,ein  lustiger',  püntoU   ,Bündelchen',   tnfisan   ,Mauserin    (von   einer 
guten  Katze)'. 

Die  Vorsilben  ßr-  ,ver-',  ar-  ,er-',  dt-  ,ent-',  ßrt-  ,vereiit-' 
sind  unbetont,  ihr  Verhältnis  zur  folgenden  Hauptsilbe  ist  5:2; 
dagegen  haben  Dm-  ,um-',  henddr-  ,hinter-',  öbdr-  ,über-',  Dtichr- 
,unter-'  in  den  untrennbaren  verbalen  Zusammensetzungen  einen 
schwächern  Nebenton,  zB.  omgö  , umgehen'  =  4:2,  henddrlekkd 
,hinterlegen',  öhdrhuffd  ,überlaufen  (vom  Wasser)'  =  4:5:2:5, 
ebenso  öbdrhopt  ,überhaupt'  =  4:5:2. 

§  38.  Den  betonten  Vorsilben  ist  die  folgende  Stammsilbe 
exspiratorisch  stark  untergeordnet,  im  Verhältnis  von  2  :  4  bis  3  (:  5), 
zB.  in  nsl5  ,auslassen',  ufpmaxt  , aufgemacht',  me  , einnehmen', 
meijfcirj  ,mitfahren',  omsh  , umschlagen',  forlesd  , vorlesen',  apsntdd 
,abschneiden',  in-,  ossivendi(g)  (2  :  3  :  4)  ,in-,  auswendig',  öglökx 
,Unglück',  ungern  , nicht  gern',  abdrwih  (2:5:3:5)  m.  , Abnei- 
gung', öbdrnammd  , Spitzname',  öhdrall  , überall',  omgamD  ,Umgang', 
dörtsog  ,Durchzug  (der  Luft)'.  Zum  Schwachton  herabgesunken 
(also  2  :  5)  ist  der  zweite  Teil  (vgl.  im  Folgenden)  in  förtdl  , Vor- 
teil', öftdl  ,Urteir,  uffdH  (mhd.  üfvart)  ,Himmelfahrtstag',  örsthtd 
(s.  T.  354  a;  mhd.  durchslcJde)  ,Kinderblattern',  einmd  (mhd.  anmäl) 
,Narbe'. 

Das  gleiche  Stärkeverhältnis  besteht  zwischen  den  beiden 
Gliedern  von  nominalen  Zusammensetzungen.  Die  Unter- 
ordnung des  zweiten  Bestandteils  ist  im  allgemeinen  um  so  stärker, 
je  inniger  die  Wort-  und  Begriflfsverbindung  ist.  Bei  völliger 
Unbetontheit  tritt  quantitative  und  qualitative  Reduktion  des 
zweiten  Gliedes  ein;  siehe  darüber  §  109,  wo  die  Beispiele  zusammen- 
gestellt sind.  Den  schwächern  Nebenton  trägt  das  zweite  Glied 
in  Verbindungen  wie  Jmstör  ,Haustüre',  heive  , Heimweh',  gros- 
mudttdr  , Großmutter','  landammd  , Landammann',  lanniv'ili(g)  »lang- 
weilig', auch  ivertsaft  ,Wirtschaft',  lannsamni  ,langsam'.  Ein  stär- 
kerer Nebenton  kommt  dem  zweiten  Gliede  zu,  wenn  das  erste 
mehrsilbig  ist,  zB.  ofahimkxli  , Ofenbänkchen',  xoxxixüstU  ,Küchen- 
kästchen',  namnidstäg  ,Namenstag', 

i^  39.  Auf  dem  zweiten  Bestandteile  betont  (5  oder  4  :  2) 
sind   einige   Zusammensetzungen  von  Adjektiv  mit  Substantiv,  in 


—     37     — 

denen  der  Akzent  festgehalten  wurde,  der  den  Bestandteilen  im 
Satzzusammenhange  zukam  (vgl.  Behaghel  S.  688):  mettäg  ,Mittag' 
(doch  s.  §  109),  nöiijör  ,Neujahr,  fhdljör  , Vierteljahr',  lialbjör  ,Halb- 
jahr',  fwdUtond  , Viertelstunde',  halpstond  ,eine  halbe  Stunde',  halp- 
totsd  ,Halbdutzend',  halhell  ,eine  halbe  Elle',  meist  auch  lanmvll 
,Langeweile',  zB.  gad  dso  för  t  Janmcll  ,nur  so  für  die  L.  (tue  ich 
das)';  doch  Avird  jetzt,  besonders  von  Jüngern,  auch  betont  län»- 
ivil  (2  :  4). 

Gleich  zu  erklären  ist  die  analoge  Betonung  in  den  Spiel- 
bezeichnungen tunlixdlmüsh  (4:5:2:5)  oder  Uendduiüsld  ,bHnde 
Kuh  spielen',  ferner  finstyrsiväldld,  ein  Spiel  mit  dem  Singvers: 
,Wir  gehen  durch  den  finstern  Wald'  (s.  T.  193  a). 

Wohl  auf  Gegensätzlichkeit  ist  die  Betonung  des  zweiten 
Gliedes  zurückzuführen  in  den  Fällen  pfinstmmti,  -sonfi  , Pfingst- 
montag, -Sonntag',  östdrdmenü,  -sönti  , Ostermontag,  -sonntag', 
kxcnfnfi,  -samsfi  ,Karfreitag,  -samstag'  (für  ersteres  auch  stilh- 
frtti  ,stiller  Freitag'),  hodonsti  , Donnerstag  vor  Ostern'  (vgl.  §  109). 
Letztere  können  auch  zur  vorhergehenden  Gruppe  gehören,  jor- 
honddrt  ,Jahrhundert'  stammt  Avohl  erst  aus  der  Schriftsprache. 

Der  zweite  Teil  trägt  ferner  den  Akzent  in  iinllkxDmm !  , will- 
kommen!' gotlöh!  ,gottlob!'  und  ebenso  (hier  wohl  unter  dem  Ein- 
fluß der  Schriftsprache)  in  barmhertsi(g)  ,barmherzig',  aUmäxti(g) 
»allmächtig',  follkxomnia  , vollkommen'. 

§  40.  Beide  Glieder  sind  annähernd  gleich  stark 
betont  in  verstärkenden  Zusammensetzungen,  meist  das  zAveite 
etwas  stärker  als  das  erste  (2:1):  snewiss  , schneeweiß',  mmtöd 
,mausetot',  gräshiid  ,grasgrün',  stokxtikx  ,ganz  dick(flüssig)'  (flek- 
tiert büßt  jedoch  das  zweite  Glied  an  Stärke  etAvas  ein),  speroff  ,ganz 
offen  (von  der  Türe)',  liöxüf  ,hochauf',  filrbiJcs  ,viel  ewig,  d.  h. 
sehr  oft',  gotsdrhärmJi  ,gottserbärmlich,  d.  h.  sehr  stark',  auch  in 
handomm  ,handum,  d.  h.  schnell';  emphatisch  auch  in  Ithhaft(ig)  ,leib- 
haftig',  wörsindh  ,Avahrscheinlich',  nötivendi  , notwendig'.  Hieher  ge- 
hören auch  die  Zusammensetzungen  mit  verstärkendem  un-,  zB.  dnn 
öhläts  ,ein  großer  Haufen  (bJäts),  sehr  viel',  dnn  ömäxtdga  ,ein  sehr 
großer' ;  dagegen  werden  öJcrexxndt  , ungerechnet,  d.  h.  unerwartet 
(zB.  kommen)',  öksinndt  , unvernünftig  stark,  schnell  (zB.  laufen, 
rufen)'  seltener  ohne  Bedeutungsunterschied  auch  betont  2:4:5. 


—     38     — 

Die  Betonung  der  verschiedenen  Wortkategorien  im  Satze 
deckt  sich  bis  in  Einzelheiten  mit  den  Verhältnissen,  wie  sie  von 
Behaghel  S.  682  ff.,  ferner  von  Sütterlin,  Die  exspiratorische  "Be- 
tonung in  der  Heidelberger  Volksmundart,  S.  4  ff.,  festgestellt 
worden  sind. 

Bei  den  folgenden  Beispielen  zum  musikalischen  Akzent  gebe 
ich  immer  auch  die  Stärkegrade  durch  untergesetzte  Zahlen  an. 


Der  musikalische  Akzent. 

§  41.  Die  Mundart  ist  in  hohem  Grade  gekennzeichnet  durch 
starke  Tonbewegung,  Titus  Tobler  sagt :  ,Die  Mundart  der  Appen- 
zeller steigt  eine  lange  Tonleiter  auf  und  ab,  oft  mit  gar  schnellem 
Schritte;  sie  ist  auffallendermaßen  melodisch.  Die  Rede  geht  ins 
Gemeine,  daß  der  Appenzeller  im  Sprechen  singe.'  Dies  gilt  heute 
noch,  doch  nicht  mehr  für  jeden  Einzelnen  so  ausgeprägt :  am 
allgemeinsten  noch  in  I,  auf  dem  übrigen  Gebiete  nur  noch  für 
diejenigen  Kreise,  die  weniger  in  Verkehr  kommen  mit  Fremden, 
wozu  hier  auch  Leute  aus  andern  Kantonen  zu  rechnen  sind. 
Zerstörend  wirkt  auch  die  Schule  ein,  wo  das  ,singende'  Lesen 
meist  gerügt  -wird.  Überall  trifft  man  einzelne  Personen,  die 
besonders  stark  , singen';  von  einem  solchen  heißt  es,  er  rede  in 
sieben  Sprachen,  und  man  nennt  ihn  sibdsproxldr. 

Die  Beispiele,  die  ich  im  folgenden  gebe,  habe  ich  an  verschiedenen 
Orten  gehört  und  aufgezeichnet,  zum  großen  Teil  in  I.  Es  kann  sich  hier 
nicht  um  eine  erschöpfende  Darstellung  bis  in  alle  Einzelheiten  handeln, 
sondern  nur  um  eine  allgemeine  Charakterisierung  der  Art  und  Größe  der 
Tonschwankungen.  Die  Bezeichnung  der  gesprochenen  Töne  nach  dem  Gehör 
(mit  Benützung  verschieden  abgetönter  Stimmgabeln)  kann  natürlich  nur  an- 
nähernd genau  sein;  ebenso  soll  durch  die  verschiedenen  Notenwerte  nur 
einigermaßen  der  Quantitätswechsel  angedeutet  werden. 

§  42.  Die  Stimmlage  wechselt  naturgemäß  beinahe  von  Person 
zu  Person;  durchschnittlich  ist  sie  als  ziemlich  hoch  zu  bezeichnen. 
Häufig  trifft  man  Stimmen  von  auffallend  heller  Färbung. 

Der  Stimmumfang  ist  bei  stark  , singenden'  Personen  sehr 
groß  (über  zwei  Oktaven),  und  beim  Sprechen  kommen  in  den 
verschiedenen  Affekten  die  höchsten  Avne  die  tiefsten  Töne  aus- 
giebig zur  Geltung. 


-     39     — 

§  43.  Als  Hauptgesetz  gilt,  wie  für  die  meisten  schweize- 
risclien  Mundarten,  daß  im  allgemeinen  exspiratorisch  starke 
(betonte)  Silben  den  hohem,  exspiratorisch  schwache  (neben- 
und  unbetonte)  Silben  den  tiefern  Ton  tragen.  Wie  wir  ge- 
sehen haben,  sind  die  Schwankungen  und  Unterschiede  in  der 
Druckstärke  sehr  groß;  ihnen  entsprechen  stete  Tonbewegungen 
und  große  Tonschritte.  Dies  ist  es,  was  dem  Sprechen  den  Stempel 
des  ,Singens'  aufdrückt:  das  fortwährende  Zurückfallen  in  die 
tiefern  Tonlagen  bei  den  weniger  betonten  Silben  und  das  immer 
sich  wiederholende  plötzliche  Emporschnellen  in  die  höchsten  Kopf- 
töne bei  den  stark  betonten;  allmähliches  stufen  weises  Ansteigen 
oder  Sinken  von  Silbe  zu  Silbe  kommt  nur  in  besondern  Fällen 
vor.  Verstärkt  mrd  dieser  Eindruck  besonders  noch  durch  die 
mit  dem  zweigipfligen  Akzent  meist  verbundene  Tonbewegung 
auf  dem  selben  Vokale  oder  in  der  selben  Silbe,  sog.  Schleif- 
töne. Der  Tonschiitt  ist  meist  um  so  größer,  je  höher  der  Ein- 
satzton ist.    Vgl.  zB.  aus  den  §  35  angeführten  Beispielen 

beteuerndes 


15=     oder:     -^^=9=^^=^ 


■t 
gänts    I    sixdr  du  mants     ds  \  kad 

2  14  4       '  1  5        2 

ganz       sicher !  Du  meinst     es    nur  I 

Die  Tonbewegung  liegt  auch  bei  noch  folgender  Konsonanten- 
verbindung deutlich  im  Vokale.  Bei  den  unechten  Diphthongen 
(xua  ,Kuh',  Uaxt  ,Licht')  verteilt  sie  sich  auf  die  beiden  Kompo- 
nenten und  ganz  gleich  bei  den  echten  {xonff  ,Kauf'),  auch  liier  ist 
der  zweite  Komponent  entschieden  musikalisch  tiefer.  Der  Schleifton 
findet  sich  jedoch  bei  nachdrücklichem  (mit  Affekt  verbundenem) 
Sprechen  auch  in  Silben  mit  kurzem  Vokal,  ausgeprägter  bei 
folgendem  Sonorkonsonanten ;  die  Senkung  beginnt  auch  hier 
deutlich  noch  im  Vokal.     Vgl. : 


willts   I     kot      iss   I   w5r 

2  15  3 

Will  es     Gott  ist  es  wahr ! 

(=  Bei  Gott) 


40 


oder: 


jö     ist    I     e  -  &9W  a    |    su  -  h-gi  \  saxx 

14  155  156  1 

Ja,  (es)  ist    eben  eine      traurige     Sache! 


Der  Gutenachtwunsch  lautet  (Hundw.): 


B^^^0^^^^^M 


3  15 

Ich     wünsche 


5         6  2         5         4 

allen  zusammen  eine 


-•■    -#■ 
rud-sa-mi  j  naxk*  Tcuat  naxt  \ 

2  5         4  1  4         4 

ruhige        Nacht!    Gute  Nacht, 

(*  durchaus  ohne  Pause) 


Z5l- 


id: 


slsf  -  fid  \  wout 

1  5  3 

schlaft     wohl  1 


Noch  emige  weitere  Beispiele; 
Lebhaft  berichtend: 


::f 


-/^— si- 


-  — K  H  H 


-^- 


Mt    hets  I  fca;^   |    e  -  &a   ]  ^rants  |  swasts 

1  4  2*25  1  1 

Leute  hat  es  gehabt,  eben      ganz  schwarz! 


Ein  den  Weg  weisender  Knabe  sagt  in  K; 


1^-- 


:±=ii4s- 


»9      m^nli  I  Ä;a<     te,ij    \    a-i 

4  2  13  2     4 

Ihr    müßt     nur    dort   hinunter! 


TJnwilHg  zu  einem  Knaben,  der  ein  Mädchen  immer  neckt  (I) 


i—^: 


--^- 


m 


=:q- 


xass     st       nüd    o    \    go     \      tö 

14  2  5  1'  1 

Kannst  du  sie  nicht  auch  gehen  lassen!  — 


—     41 

Vorwurfsvoll,  schnell : 


lUi^i^ 


^=a="^ 


ica  tugst  toxx   tu  do  |  hyn  -  na 

4  2  3         14  2         4 

Was  tust  doch  du  da     hinten?  — 


--1- 


■»+      — t-^     — 1- 
^^      •0-       -0- 


-4—^ •- 


45  142  53  135  2  4 

Er   hat  recht  1    er  denkt,    er   wolle      heiraten,        die  Frau  könne 


X 


w 1| V ■ 


-         ^       _^.  _.  -4^- 

,  -r  •*•  -*■ 

deww  I    e  -  ndn  3  -  [  hal  -  ta 

4  2  5  5  15 

dann         ihn  erhalten.  — 


Ein  Mädchen  sagt  Aveinerlich  mürrisch  (I) : 
-ä ä »1^ — 0^  —ä- — i^^^ — ä g  - 


^nt  tenn    mos    mi      i       wi  -  dar     üb  -  tsü  -  xd 

3'4  455  4  5  145 

Und    dann    muß    ich  mich     wieder  abziehen  (die  schönen 

Kleider  wieder  ablegen)! 

Als  Beispiel  für  die  Veränderung  der  Tonbewegung  eines  und 
des  selben  Satzes  unter  dem  Einflüsse  verschiedener  Affekte  diene, 
was  T.  (XXVIII)  ausführt:  ,Die  geAvöhnliche  Melodie  in  der  leb- 
haften, doch  nicht  leidenschaftlichen  Sprache: 


■t 
i       glo  -  1)98  I   nüd. 

2  2  5  1 

Ich    glaube  es     nicht! 

Enthusiasmus  drückt  folgende  Melodie  aus,   indem  sie  den  Nach- 
druck auf  das  gloh  legt: 


y-                                    i    1 

i       glo  -  hds   1   nüd. 

2             16             1 

—     42     — 

Schon  milder  klingt,  weniger  Bewegung  des  Gemütes,  doch  leise 
Ironie  verratend,  als  wüßte  ein  Anderer  von  selbst,  daß  man  so 
etwas  nicht  glauben  Avürde: 


2^d= 


i      glo  -  bds   I    nüd.' 

2  2  5  1 


Vgl.  ferner: 
Freundlich  fragend 


-7t=^-:^-- 


oder :  —' 


t — i^ *- 


xast    üt,   I   siwd  siavd 

2  3  4         5  L       2      5 

Kannst  du     singen? 


Antwort : 


■j — ^ 1 — ^—ä — ä 


-G 


-O- 

%       II        frl -U  \  xa-ni  \  sinvd 

2  2  5         3         4    '     3       5 

Ich?        Freilich  kann  ich  singen! 


Anofenehm  überrascht 


oder :     — nr— ih — d" 


xait  tu   I   sim33?  xast  tti,  \   sinna? 

1435  1425 

AntAvort  %vie  vorhin,  nur  mit  etwas  stärkern  Akzenten,  oder 
(etwas  beleidigt) : 


Unangenehm  berührt  (verächtHch) 


i 


*  ^  5 

xast  tu  I  sivva? 

14         3         6 


—     43 

Antwort  (beleidigt) : 


smo9 ! 

3       5 


Ein  mit  siclitKcliem  Wohlbehagen  singendes  kleines  Kind  fragt 
man  dagegen  freundlich  aufmunternd 

-4 


xast  ttt   I   siw9?  — 

3         4  16 


§  44.  Neben  der  im  allgemeinen  fallenden  Tonbewegung 
fehlen  jedoch  die  Fälle,  wo  die  exspiratorisch  schwächer  betonten 
Silben  musikahsch  höher  liegen,  und  steigender  Schleifton  nicht 
ganz.  Schon  in  den  augeführten  Beispielen  sind  uns  solche  Fälle 
begegnet,  nämlich  wo  die  gleichmäßig  steigende  Bewegung  des 
Satztons  es  mit  sich  bringt.  Die  Erscheinung  ist  am  häufigsten 
im  Fragesatze.  In  der  zweisilbigen  Frage  ist  die  zweite  Silbe 
musikalisch  höher  und  die  einsilbige  Frage  hat  steigenden  Doppel- 
ton. Steigende  Tonbewegung  tritt  ferner  ein  beim  drohenden 
Befehle,  zB.  idfs  hör  iiior  omol  Rf!  .jetzt  höre  mir  einmal  auf!' 
doch  auch  bei  freundlicher  Aufforderung,  zB.  wärt  no  d  will! 
, warte  noch  ein  Weilchen!'  gaioio  wääli!  .geh  schnell!'  nemm! 
.nimm!'  geh!  .gib!'  (mit  steigendem  Doppelton),  hsid!  hsicl!  (mit 
Tiefton  auf  der  ersten  und  Hochton  auf  der  zw^eiteu  Silbe)  ,hört! 
hört!',  in  freundlicher  Behauptung,  Versicherung,  zB.  i  han  dui  s 
ksäd  ,ich  habe  es  ihm  gesagt,'  dr  isk  Jcavud  ,er  ist  gegangen', 
s  ist  wor!  ,es  ist  w^ahr!'  gänts  kern!  ,ganz  gern!'  gänts  sixdr! 
,ganz  sicher!'  frlli!  f'rtli!  ,freiUch!  freilich!'  Mit  steigendem  Ton 
im  letzten  Worte  sagt  man  einigermaßen  verwundert,  da  es  gegen 
die  Erwartung  ist:  s  isk  xält!  ,es  ist  kalt!'  s  isk  kaä  irit!  ,es  ist 
ziemhch  weit!'  s  isk  känts  kiof!  ,es  (eine  Speise)  ist  ganz  gut!' 
s  isk  kolcl!  ,es  ist  Gold!'  s  ist  tsokxar!  ,es  (das  weiße  Pulver)  ist 
Zucker!*  da  lersr!  ,der  Lehrer  (hat  uns  das  gesagt)!'  er  esst  s! 
,er  ißt  es  (wirklich)!'  hia  dö,  d  soffh!  oder  s  fögdh!  ,sieh  da,  ein 
Schäfchen,  ein  Yögelchen!  (zum  kleinen  Kinde)'.  Auch  in  Ausrufen 


—     44     — 

der  Bewunderung  kann  der  Ton  gleichmäßig  steigen,  zB. :  da  ist 
idi§  §ö!  ,das  ist  einmal  schön!'  Im  Vokativ  steigt  der  Ton  häufig; 
in  lauten  drohenden  oder  flehentlichen  Rufen  kann  zugleich  die  Ex- 
spirationsstärke  anwachsend  sein.  Beim  Aufzählen  von  Gegenständen, 
auch  beim  Zählen,  wird  das  einzelne  Wort  in  der  Reihe  mit  stei- 
gendem Tone  gesprochen,  nur  das  letzte  mit  fallendem. 

Unsere  Fälle  stimmen  im  allgemeinen  mit  der  Regel  (vgl.  Be- 
haghel  S.  682),  daß  die  aufsteigende  Tonbewegung  den  Charakter 
des  Unabgeschlossenen,  des  Erwartenden  oder  die  ErAvartung  Er- 
regenden hat,  während  die  absteigende  dem  Abschließen  eines 
Gedankens  entspricht. 

Steigend  fallende  Tonbewegung  findet  sich  in  laut  ge- 
sprochenem und  etwas  gedehntem  jö!  ,ja!'  ne!  ,nein!'  so!  ,so!' 
icä?  ,was?'  iced?  ,wer?'  9  hüs!  ,ein  Haus!'  drü!  ,drei!'  usw.,  als 
ungeduldige  Antwort  auf  wiederholte  Fragen  oder  lästiges  Drängen. 

Fallend  steigend  ist  der  Ton  in  nachdenklichem,  halb  un- 
entschiedenem jö!  (vgl.  Sievers  §  602),  auch  tie!  ,nein!  (es  dünkt 
mich  gar  nicht  besonders!)'. 

§  45.  Ich  füge  noch  als  charakteristisches  Beispiel  der  Ton- 
bewegung in  fortlaufender  Rede  an,  was  und  wie  mir  Gnaazis 
Gnääzis  Sebedöni  (Jcnätsis  knatsis  sebddöni),  ein  noch  rüstiger 
73jähriger  Greis  in  Brüllisau,  erzählte  vom  ,Ackerseep'  (dkxdsep), 
einem  von  acht  Brüdern  aus  der  Familie  der  ,  Ackerler'  (so  ge- 
nannt, weil  sie  im  , Acker'  bei  Wasserauen  wohnten),  die  sich  alle 
durch  urwüchsige  Sprache  auszeichneten: 


dnn     landammd  \   hek  ksäd    \\     e     möxt  Wustt  \  wessd       \\      we 

5  3'         4         543  4  3  425  4 

Ein  Landammann  hat  gesagt,      er  möchte  wohl   wissen,  wer 

2)11  -  rd  -  spröx  \  U  gröpsp  \  fo  -  bräxt.    \\\      do      het  s  \  ksäd       \ | 

1535  3  1  3.  4  '3  2 

die  Bauernsprache  am  gröbsten  vorbrächte.        Da  haben  sie  gesagt : 
(d.  h.  am  urwüchsigsteD) 


45     — 


^^# 


-^^ 


ddr    akxd   -    sep 

6         3         5  1 

der  Ackerseep! 


pS* 


-m — ^^  -  ^ — 9^^ 


-^— 


do    säd    hatt  |  td    lq,ndamind      \\       e   wess    9  \ 

42  4  5346  426 

Da  sagte  halt  der  Landammann,       er  wisse  ihn 


-s>- 


nüd      atsfro-gdd 

5         l'       3         5 

nicht   anzufragen. 


i^SE2-E5i?=5=^=iE^=e 


Sl=iP=^ 


do     sä  -  gdt  s    \\    e   nips  dm  |  gad    9n    \    prixt 

425  43535  1 

Da  sagten  sie,   er  müsse  ihm  nur  einen  Bericht 


:=^: 


1^ 


sikxd 


^=^=^— 1== 


^    ■:X     ^ 


•^     :X 


as    9    tsfi'tU  I  gäss  heij  \  gnip    p'okx 

36  3         54  13  41 

schicken,     daß  er  zu  viel  Geißen  habe  u.  Böcke. 


R=* 


dö    het  s   tsomm 

4         '   3  5 

Da  haben  sie  zum 


:d=5:=| 


alcxa  -  sep  \  ksäd 

4         5         3  2 

Ackerseep   gesagt, 


l?i==^- 


:Il^zl-:|5^=:1=:1=:I^: 

^^L  —^l       -U.         —L         —U 


e    mps    tenn  hatt    |  t9   tandammsn  \  outv 

4  3         '5  4  6         3       '45  2 

er  müsse  dann  halt  den  Landammann  auch  mit 


m— 


:=^: 


-_±f- 


:j: 


-s>-^- 


-^        ♦        -^       ■*■  '      -ä- 

e  -  rd  ont    tsaxx       o    -    dh    \    fö  -  biiam        j]|     do     säd  9 

lö's  3  3  4  13  5  42  5 

Ihr  anreden    und  die  Sache  ordentlich   vorbringen.  —    Da  sagte  er 


:?     •#    -^    -*■ 

tspmm  \  tandarmnd 

4  3*        4  5 

zum  Landammann: 


133=^-EEI 


^^-^=^$=*^P=/^J^= 


:=t!=i— zz|: 


er   mt  \  tu      ]j     worgmm  mos    i     tso  \  de    xo     \\\ 

1^4         1  4^3  154  13' 

Ihr  und  du,  warum  muß  ich    zu     dir   kommen? 


t==t^-5=-^ 


do      sät  tenn  \  dd     hmdamma 

4  2        '  4  5  2        '3         5 

Da  sagte  denn  der  Landammann ; 


e  -  bd    das     a    tsfiitt  \  gäss  heij  \ 

2         5         4  5  4  13 

Eben  weil  er  zu  viel  Geißen  habe 


—     46     — 

)»nj9    pö^'o;    :!      dö    säg    9    denn  \\       akxa  -   ren-td  \    i      nü    me  hg,'\ 

i           1           '4254                    13           2         5  2           12'       3 

und  Böcke.       Da  sagte  er  denn :           Sakrament !  ich  habe  nicht  mehr 


as      an-  dd\lHttdr         ]!|      dö    sät  j  td    landcmmd     |j     gäss     mgs     9    \ 

4  14         25  4250451  35 

als    andere    Leute.       Darauf  sagte  der  Landammann :  Geißen  müsse  er 


=s: 


:* 


^— J=J"=^-=r=|?=P==ä=fc??-t 


■6^ 

man  -  dd     hä     \  |  abd         hökx  \  tor       d  \     hä  / '      dö     säg    3     \ 

l'öS  45135  2'  425 

weniger  haben,  aber     Böcke  dürfe    er  halten!  Darauf  sagte  er: 


akxa  -  ren-t9   \   du       so    nq,  -  ra    bist       \\        käs  -  Sd   gemm    mülxgnn 

23         154  12^5  4  15'3  2         4 

Sakrament!       Du  bist  schon  ein  Narr!     Die  Geißen  geben  Milch  und 


-• 


1- 


zi:^EEi-=z^ 


nüp    p'6k  -  xdr 

12  5 

nicht  die  Böcke ! 


II.  Die  geschichtliche  Entwicklung  der  Laute. 


A.  Die  Vokale  in  betonter  Stellung. 

Mhd.  a, 

§  46.  1.  Es  ist  in  der  Melirzahl  der  Fälle  als  reines  a 
erhalten:  lat  Latte,  nass  naß,  wasa  (mhd.  ivase)  Rasen,  halb 
halb,  sicarts  schwarz,  j;?a7Jöar9  sich  sehnen  (zu  ahd.  Gelangen), 
Jcslaxt  (mhd.  geslaht)  wohlgeartet. 

Anm.  1.  T.  bemerkt  S.  XXXIII, XXXIV,  daß  in  K,  ,wenigstens  in  Walz.', 
sehr  alte  Leute  3  sagen  ,statt  unsers  a:  loyid  Land,  Jiynd  Hand,  woww  Mann. 
Dieser  alte,  bereits  schon  ganz  verlorene  Überrest,  welcher  in  zwanzig  Jahren 
ganz  verschwunden  sein  wird,  klingt  gar  angenehm  und  hat  ungemein  viel 
Ehrwürdiges.'  Ich  konnte  wirklich  auch  bei  ganz  alten  Leuten  nichts  mehr 
von  dieser  Erscheinung  beobachten.  T.  gibt  nur  Beispiele  für  3  in  der  Um- 
gebung von  Nasal  und  es  ist  wohl  anzunehmen,  daß  der  Wandel  von  a  >  o  sich 
auf  diese  Stellung  beschränkte,  wie  die  Verhältnisse  heute  noch  zB.  in  der 
MA.  am  Grabserberge  liegen. 

Anm.  2.  Ablautverschiedenheit  liegt  vor  in  dem  Nebeneinander  von 
kwanig  und  kwonig  Gewohnheit,  kwandt  und  ku-ondt  gewohnt  (siehe  T.  247  a 
und  vgl.  Braune  §  25).  Heute  ist  die  o-Form,  trotzdem  sie  an  der  Schriftsprache 
eine  Stütze  hätte,  fast  ganz  abgestorben,  wohl  durch  Einfluß  des  daneben- 
stehenden Adj.  kwä  gewohnt. 

2.  a  erscheint  als  ä: 

a)  vor  ss:  ässd  Asche;  flässd  Flasche  (auch  flässdtsog  Flaschen- 
zug); tüssd  Tasche,  täss  f.  schlaues  Weibsbild ;  irässd  waschen.  Vgl. 
dazu  W.  Hörn,  Beiträge  zur  deutschen  Lautlehre,  Leipzig  1904, 
S.  5/8.  In  pässdh  ,tändelnd  arbeiten,  an  etwas  herum  hantieren' 
(s.  zur  Etym.  Id.  IV  1760)  kann  das  ä  auf  die  diminutive  Bildung 
zurückgeführt  werden  (vgl.  §  58).  massd  ,Masche  beim  Stricken, 
Bandschleife'  (die  «-Form  s.  Id.  IV  501,  Grimms  WB.  VI  1694)  ist 
vielleicht  erst  später  in  die  MA.  gelangt. 


—     48     — 

b)  in  einigen  Fällen  vor  s,  ss:  gras  (mhcl.  gras)  ,Gras';  mäsdr 
(mhd.  niaser)  ,Maserholz'  (T.  312  b),  wozu  farmüsDrd  ,voll  knomger 
Auswüchse  werden'  (T.  185  b);  icässor  ,Name  eines  Schäferhundes' 
(T.  440  a ;  zum  Hundenamen  ,Wasser'  vgl.  die  Anm.  zu  Rtn 
Id.  Yl  997);  7>/fV,s5  (ahd.  hJas,  -ss-)  ,Name  eines  Hundes  mit  einem 
weiläen  Fleck  auf  der  Stirne',  doch  meist  plass  für  eine  ebensolche 
Kuh  (vgl.  T.  56  a),  auch  hlassxopf,  -grend  m.  ,Kahlkopf'  (,blaß'  = 
,bleich'  ist  der  MA.  fremd) ;  in  K  auch  hlässd  f.  ,weißer  Stirnfleck', 
gegenüber  hlass9  auf  dem  übrigen  Gebiete.  Nes-,  auch  blesfürU 
, Leuchtfeuer  vorn  im  Backofen'  in  V  und  hJeshöltsli  ,dazu  ver- 
wendetes Zündholz'  (nach  T.  58  b)  in  H  (zu  mhd.  hlas  n.  ,brennende 
Fackel')  stammen  Avohl  aus  den  Nachbargebieten,  wo  e  für  ä  gilt 
(vgl.  Id.  V  153). 

c)  in  fcüts  (mhd.  valsch)  ,von  falschem,  trügerischem  Charakter, 
mit  Bezug  auf  Personen  und  Sachen'  (T.  475  b).  Diese  Form  ist 
heute  noch  häufiger  als  das  durch  Einfluß  der  Schriftsprache  und 
der  Nachbarmundarten  allerdings  überhand  nehmende  falfs,  das 
auch  von  T.  (in  der  Bed.  , zornig';  vgl.  Id.  I  816)  als  nicht  ein- 
heimisches Dorfwort  bezeichnet  wird  (für  ,falsch'  in  der  Bed. 
,unrichtig,  verkehrt'  braucht  die  MA.  lets;  s.  T.  296  a). 

Anm.  Zur  Palatalisierung  eines  Vokals  durch  folgende  (und  vorher- 
gehende) Konsonanz  verweise  ich  auf  Rousselot,  Principes  S.  345.  338,  wo 
experimentell  gezeigt  ist,  wie  die  Artikulation  eines  Vokals  schon  von  seinem 
Beginn  an  in  diejenige  des  folgenden  Konsonanten  übergeht,  also  in  unserm 
Falle  die  Zunge  sich  hebt  (vgl.  spez.  zu  as  Abb.  140),  und  daß  inlautendes 
a  fast  ganz  im  Absatz  und  Einsatz  der  beiden  Konsonanten  aufgehen  kann. 
Letzteres  trifft  zu  in  unsern  Fällen  greis  (wo  der  Übergang  aber  sicher  noch 
vor  der  Dehnung  eingetreten  ist)  und  -läss,  -läss,  täss.  Für  die  Hundenamen 
pläss,  wäss»r  darf  daran  erinnert  werden,  daß  sie  meist  gerufen  werden.  Auch 
für  fälts  ist  lautliche  Entwicklung  wahrscheinlich;  an  Einfluß  des  Substantivs 
,Fälsche'  oder  des  Verbs  .fälschen'  ist  nicht  zu  denken,  da  die  MA.  diese  Wörter 
gar  nicht  kennt. 

d)  in  den  Fällen  von  Sekundärumlaut;   s.  §§  47.  49.  52  ff. 

3.  a  >-  e  durch  Primärumlaut;  s.  §§  47/8.  50  ff. 

4.  Dehnung  s.  §§  96/104. 

Der  Umlaut  you  a. 

§  47.  Der  , Primärumlaut'  ist  geschlossenes  e,  der  , Sekun- 
därumlaut'  überoffenes  ä,  außer  in   zwei  kleinen  Randgebieten 


—     49     — 

gegen  das  Rheintal  (Lutz,  und  uOb.),  die  den  überoffenen  «-Laut 
nicht  besitzen,  sondern  dafür  c  sprechen.  A.  Heusler  hat  (Ger- 
mania 34,  112  ff.)  daraufhingewiesen,  wie  innerhalb  der  Bildungs- 
kategorien, ,in  denen  der  Umlaut  noch  heutzutage  als  produktives 
Sprachmittel  im  Dienste  bestimmter  Funktionen  empfunden  mrd, 
der  lautlich  berechtigte  Zustand  durch  zahlreiche  Analogieschöpf- 
ungen aufgehoben  wurde.' 

Zur  Abgrenzung  des  den  beiden  Umlautprodukten  lautgesetz- 
lich zukommenden  Gebietes  lassen  vAx  daher  die  in  eine  dieser 
Kategorien  gehörigen  Fälle  zunächst  außer  Betracht. 

§  48.     Lautgesetzlichen  Primärxunlaut  haben 

a)  nominale  Bildungen  mit  j-Suffix: 

Feminina  (jo-,  jow-Stämme) :  red  (ahd.  redia)  Rede,  hell  (ahd. 
helld)  Hölle,  sivell  (ahd.  sivella)  Schwelle,  xelh  (ahd.  hella)  Kelle, 
kenn  (ahd.  hennä)  Henne,  eh  n.  (ahd.  ekka  f.)  Ecke,  essd,  bezw.  es, 
eis  (s.  §89,  1  a)  (zu  ahd.  asc  m.)  Esche;  mit  Rundung  icöss  (ahd, 
iveska)  Wäsche;  mit  Dehnung  ivera  Gerstenkorn  am  Auge,  serd 
Scharreisen  des  Bäckers  (T.  385  b),  xertsd  (ahd.  kerza)  Kerze,  gert 
(ahd.  gerta)  Stäbchen  am  Webstuhl  (s.  T.  218  b). 

Maskulina  {ja-,  ^aw-Stämme) :  hekx  {ah.d.*heccho)  Bäcker,  ksell 
(ahd.  gisello)  Geselle,  sehn  Dieb  (ahd.  scahno,  scehuo  Seuche),  senn 
(ahd.  sennö)  Senne,  wekkd  (zu  ahd.  weggi)  Keil;  mit  Dehnung  fer 
(ahd.  ferjo)  Fährmann  (T.  179  b  für  K),  erl  (ahd.  erhö)  Erbe. 

Neutra  (_ya-Stämme) :  het  (ahd.  hetti)  Bett,  kwet  (zu  ahd.  ivetti) 
Wette,  xet  (ahd.  ketti)  Wasserkanal,  nets  (ahd.  nezzi)  Netz,  ksets 
(mhd.  geseUe)  Gesetz,  kstell  (ahd.  gistelU)  Gestell,  kfell  (mhd.  gevelle) 
Glück,  kivelm  (ahd.  giivelhi)  Gewölbe,  tenn  (ahd.  tenni)  Tenne,  end 
(ahd.  enti)  Ende,  lieft  (ahd.  hefti)  Griff;  mit  Dehnung  mer  (ahd. 
meri)  Meer,  her  (ahd.  heri)  Heer,  her  (ahd.  heri)  Beere  (vgl.  §  89,  Ib), 
erh  (ahd.  erhi)  Erbe,  kfcrt  (ahd.  giferti)  Gefährt,  ksenkx  (mhd.  ge- 
schenke)  Geschenk,  kspest  (ahd.  gispensti)  Gespenst  (vgl.  §  96). 

Adjektiva  (ja-,  Jo-Stämme):  fest  (ahd.  festi)  fest,  hert  (ahd. 
herti)  hart,  evn  (ahd.  engi)  enge,  strew  (ahd.  strengt)  strenge, 
genn  ,(ahd.  gcngi)  leicht  gehend,  elend  (ahd,  elilenti)  elend,  ferner 
das  nur  noch  als  Konj.  , sobald  als,  wenn'  gebrauchte  hetid  (mhd, 
behende;  T.  41b,  Id.  E  1408). 

Vetsch,  Appenzeller  Mundarten.  * 


—     50     — 

b)  _;«w-Verben  und^-Präsentien:  glettd  glätten,  setsd  setzen, 
etsj  , ätzen',  abweiden  lassen,  netsj  nässen,  xretsd  kratzen,  ritzen, 
meMj  mästen,  xlepfd  knallen,  sepfd  schöpfen,  heftd  heften,  l-ekkd 
legen,  tvekxd  wecken,  tekxd  decken,  hekx9  Gift  von  sich  spritzen, 
von  Kröten  (T.  260  a),  swcxxd  schwächen,  restd  (mhd.  resten) 
rasten,  §cUa  schälen,  tselh  zählen,  stelh  stellen,  drwelh  (Flüssig- 
keiten) leicht  kochen,  xeltd  kälten,  helds  neigen,  weltsd  wälzen, 
ämeltsd  schmelzen,  swertsd  schwärzen,  sterxxd  stärken,  inerTcxd 
merken,  Jcxennd  kennen,  hremid  brennen,  rennd  gerinnen  machen, 
ivcmid  gewöhnen,  hlenda  blenden,  swemnid  schwemmen,  f9gremnid 
erbittern ;  mit  Dehnung  greda  gerade  machen,  henlcxa  hängen, 
tevikxd  denken,  trepJcxa  tränken,  glentsd  glänzen,  fdsrentsd  zerreißen, 
tverd  wehren,  spera  sperren,  tscrä  zerren,  sivera  schwören,  berd 
kneten,  tera  dörren,  erd  pflügen,  wä-md  wärmen,  erhd  erben,  fdderhd 
verderben.  Es  fragt  sich  allerdings,  ob  nicht  auch  hier  der  Primär- 
umlaut zum  Teil  analogisch  eingetreten  ist;  doch  vgl.  §  49a. 

Von  ^'««-Verben  abgeleitet  sind  psetsi  (zu  ahd.  hisezsen)  Stein- 
pflaster, letsi  bleibender  Schaden  (zu  ahd.  lessen),  menni  Fuhrwerk 
(T.  315b;  zu  ahd.  mennen),  glesti  Glasur  (zu  mhd.  glesten),  u.a.m. 

c)  Wörter  mit  ahd.  i  in  der  Ableitungssilbe:  hehdl 
Hebel,  xnebdl  Knebel,  xegol  Kegel,  slegol  Schlägel,  hegdl  grobes 
Messer  (s.  Id.  II  1081  Anm.),  tekxdl  Deckel,  sekxdl  Seckel,  n^dl 
Schuhriemen,  &e»öaZ  Bengel,  s^ewüaZ  Stengel,  ftmr?^/ Bändel,  stempfdl 
Stempfei ;  mit  Rundung  löffdl  (ahd.  IcffU)  Löfl'el ;  mit  Dehnung  senhxdl 
Senkblei,  sivenkxdl  Pendel,  ermdl  Ärmel,  vielleicht  auch  grempdl 
Kleinhandel  (T.  235  a;  s.  Id.  II  736).  Ferner  hrennessh  (zu  ahd. 
nezzüa)  Brennessel,  fettdr  (^hd.  fetlro)  Vetter,  hemp  (ahd.  hemidi) 
Hemd,  xleMd  f.  (mhd.  klegede)  gerichtliche  Klage,  eil  (ahd.  ellna) 
Elle,  selfdrd  Obstschalen  (zu  ahd.  sceliva),  hext  ^ahd.  hahhit,  helihit) 
Hecht  (als  Wirtshausname),  held  (ahd.  iielid)  Held,  menva  mancher, 
menmnöl  manchmal  (zu  ahd.  menig,  manig);  auch,  pfenm  (ahd.  Pfen- 
ning) Pfenning,  herpst  (ahd,  herbist)  Herbst,  hevüst  (ahd.  hengist) 
Hengst,  ments  (ahd.  mennisco)  Mensch,  (dpfrents  (zu  ahd.  frenkisc) 
altvaterisch. 

d)  wetm  (mhd.  ivenne,  neben  ahd.  mhd.  wanne)  ,wann'  unel 
denn  (ahd.  mhd.  denne  neben  danne)  ,'^dann'.  Der  Umlaut  beruht 
hier  vielleicht  auf  dem  Einfluß  enklitischer  Wörtei*  (ahd.  ist,  ih, 
iz,  imo,  inan);  vgl.  Braune  §  26,  Anm.  3. 


ikil 


—     51     — 

e)  Wörter  mit  ahd.  /  in  der  dritten  Silbe  (vgl.  §  49c):  eddl 
(ahd.  adali,  edili)  edel;  gegd  (ahd.  gagani,  gagin,  gegin)  gegen, 
dazu  gegni  f.  (mlid.  gegene)  Gegend;  mit  Rundung  und  Übergang 
von  ö  >-  D  vor  Nasalverbindung  frönt  (ahd.  fremidi)  fremd.  Vgl. 
auch  §  50  a. 

Auch  in  pers.  Subst.  auf  -dr:  jegdr  (ahd.  jagari)  Jäger,  xlegor 
Kläger,  xoskenndr  Kostgänger,  tekxar  Dachdecker  und  mennar 
Treib  bursche  (T.  315  b)  könnten  von  den  daneben  stehenden  jan- 
Verben  (ahd.  decken,  mennen)  beeinflußt  sein,  scwvdr  , Sänger' 
stammt  aus  der  Schriftsprache. 

f)  LehuAvörter:  teppdx  (ahd.  teppih)  Teppich,  xettdiid  (ahd. 
Jcetina)  Kette,  xeft  (ahd.  Jcevid)  Käfig,  sej't  Hei(iakraut,  Erica  vulg. 
(eig.  Juniperus  sabina),  esdl  (ahd.  esU)  Esel,  xessdl  (ahd.  kezzil) 
Kessel,  xessL  (ahd.  kessi(n))  großer  Kessel,  essi(g)  (ahd.  e^^ih)  Essig, 
estrix  (ahd.  estir'th)  Estrich,  mesmdr  (ahd.  mesinari)  Küster,  metsliar 
(mhd.  metsjer)  Metzger,  hekxi  (ahd.  becchi(n))  Becken,  gelta  (ahd. 
geUita)  Waschzuber,  xeix  (ahd.  kelih)  Kelch,  enas  (mhd.  ems,  lat. 
anUum)  Anis,  eiDiodl  (ahd.  engil)  Engel,  jemidr  m.  (frühmhd.  jenner) 
Januar,  xemmi  (lat.  caminum)  Kamin  (vgl.  §  70);  mit  Rundung 
möss  (mhd.  messe)  Messing ;  mit  Dehnung  merts  (ahd.  merso)  März. 

§  49.    Lautgesetzlicher  Sekundärumlaut  erscheint 

a)  vor  umlauthemmenden  Konsonanten.  Als  solche 
kommen  nach  Braune  §  27,  Anm.  2  fürs  Oberdeutsche  in  Betracht 
hh  (<<  gei-m.  k),  germ.  h,  ht  und  hs.  Kons.  -|-  w,  r  -f-  Kons., 
l  -j-  Kons. 

Das  in  §  48  c  angeführte  Beispiel  hext  beweist  jedoch,  daß 
auf  unserm  Gebie'te  lih  (<C  germ.  ÄV  nicht  umlauthemmend  war; 
vgl.  auch  hexx  §  50  a. 

Wohl   aber   germ.  h:   ähor  m.   (aobd.  ahir)   Ähre   (T.  20a; 

die  Id.  I  69  für  Appenzell  angegebenen  Formen  sind  unrichtig); 

Id.  I  70  gibt  für  Appenzell  auch  an  äliara  , Ähren  lesen',    tswähdli 

(zu  ahd.  divaJüJa)  ,Handtuch'  (T.  463  a;  heute  nur  noch  selten)  ist 

'^Is  Diminutivbildung  nicht  beweiskräftig  (vgl.  §  54). 

M,  hs:  ksläxt  n.  (ahd.  gislahti)  Geschlecht,  kmäxt  n.  (mhd. 
gemehte)  Genitalien,  2)räxt  n.  (mhd.  gehrehte)  lautes  Reden,  kiväxst  n. 
(vgl.  ahd.  giwahsti)  Gew^ächs,  näxt  (ahd.  nahti,  adv.  Dat.  von  naht) 


—     52     — 

gestern  abend;  aucli  in  naxtwäxtdr  (ahd.  nahtwahtari)  Nacht- 
wächter, ferner  in  den  Jaw- Verben  präxtd  (ahd.  hrahten)  laut  reden, 
prahlen,  iväxsj  (ahd.  icahsjan)  mit  Wachs  bestreichen,  fäxtd 
, eichen'  (T.  173  a)  ist  nach  Id.  I  662  erst  abgeleitet  vom  Subst. 
faxt.     Vgl.  auch  mäxüg,  träxtig  usw.  §  57  a. 

Von  den  r- Verbindungen  nur  riv  und  rh :  härd  f.  (aus  ^harivjön-) 
Brettchen  mit  Schleifen  zum  Vogelfang  (s.  Id.  II  1517  f.  mit  Anm.); 
mit  Dehnung  gär  {a,us  ^ganvja-)  gar,  garhj  (ahd.  gariveti)  gerben, 
färba  (ahd.  fanven)  färben;  vor  rh:  märd,  bezw.  nach  §  95  wer9 
(ahd.  meriha,  marJia  f.,  zu  ahd.  marali,  marh  m.)  Stute. 

Vor  l  -\-  Kons,  haben  wir  nur  vereinzelt  Sekundärumlaut 
in  wält§  (ahd.  ivalhisc)  , welsch'  und  hälsi(g)  (ahd.  helsing)  , Strick', 
welche  kaum  zu  den  Fällen  mit  schwerer  Ableitungssilbe  zu 
stellen  sind  (vgl.  §  48  c  ments  <i  ahd.  mennisco,  älpfrmts  zu  ahd. 
frenkisc  und  pfenni  <C  ahd.  Pfenning).  Vgl.  auch  bälg,  xälbsr 
§  52a.  sülfli  (zu  lat.  salvia)  , Salbei'  ist  als  Dim.  nicht  beweis- 
kräftig. 

b)  vor  schweren  Ableitungssilben:  liähs  (ahd.  hagzissa) 
Hexe;  fjbärmstm.  und  n.  {<C  fdbärmniss ;  s.  Id.  IV  1595)  Erbarmen; 
Jcfännms  n.  (mhd.  gevencnisse)  Gefängnis  (stammt  vielleicht  erst 
aus  der  Schriftsprache). 

^Wahrscheinlich  gehören  hieher  auch  die  Bildungen  auf  ahd. 
-i(n):  ätti  m.  (zu  ahd.  attö)  noch  in  der  Kindersprache  für  , Vater', 
cbii  m.  {zvt  ahd.  and)  veraltet  noch  für  , Großvater',  bäsi  f.  (zu  ahd. 
basa)  Base ;  ferner  Jcxärli  m.  Kerl  (s.  Id.  III  462/3),  iväsjii  n.  (in 
K  -il)  (zu  ahd.tvafsa,  ivefsa)  Wespe,  Imägt  n.  Knochen  (zum  Nagen) 
(s.  Id.  IV  697),  pfatti  n.  und  f.  (neben  den  als  Fem.  Sg.  gefaßten 
Pluralen  pfättdUd,  -drd,  -dh)  Dachkennel  (s.  Id.  V  1201/2),  xütsi  n. 
(zu  ital.  cazsä)  Wasserschöpfkelle  (s.  Id.  II  572/3). 

c)  vor  i  der  dritten  Silbe  (vgl.  §  48e  und  zu  den  ahd. 
Verhältnissen  Braune  §  27,  Anm.  4) :  fräfdl  (ahd.  fraval/i,  fravili) 
plötzlich  (T.  205  a),  uühwärU  (zu  ahd.  giicaraUhJio)  gefährlich. 
Vgl.  auch  §  52  b,  ferner  die  Adjektiva  auf  ahd.  -Uh  §  57  b. 

d)  vor  ahd.  ei  in  der  Folgesilbe  (vgl.  dazu  Behaghel  in 
PBB.  20,  344  und  Schröder  in  AfdA.  24,  29):  ärbot  (ahd.  arbeit) 
Arbeit;  äras  in  I  H,  sonst  ärps  bezw.  ärps  (ahd.  araiveiz,  auch 
arawiz)  Erbse;  äbasa  (I),  enidsa  usw.  (s.  §  109)  (ahd.  ameizd)  Ameise. 


—     53     — 

e)  bei  alteu  cn-Y erhen.  Zu  erAvarten  wäre  hier  entweder 
gar  kein  Umlaut,  entsprechend  zB.  ahd.  Inf.  sagen,  Präs.  sagem, 
sages,  saget  usw.,  oder  dann  Primärumlaut  von  Fonuen  wie  segis, 
segit  aus  (s.  dazu  Braune  §  368,  Anm.  2). 

Den  Sekundärumlaut  erklärt  Sievers  in  PBB.  28,  262  aus 
Jüngern  Kontaminationsformen,  zB.  sagis  (<i  sages  und  segis)  und 
entsprechend  sagit;  von  hier  wurde  er  dann  auf  die  übrigen  Verbal- 
formen übertragen.  Wenn  heute  die  3.  Sg.  auf  -dt  ausgeht,  wie 
nur  bei  den  en-,  ö^-Verben  (vgl.  Winteler  154  f.),  so  müssen  vdr 
annehmen,  daß  -et  nachträglich  ^rieder  eindrang. 

Die  Beispiele  sind:  sägd  sagen,  sämms  (ahd.  scaifien)  schämen, 
tsänud  (ahd.  zannen)  das  Gesicht  {vn.e  beim  Weinen)  verziehen, 
dazu  tsänna  f.  ein  solches  Gesicht  (T.  •456a),  pflännd  (ahd.  flannen), 
spcü'j  (ahd.  sparen)  sparen;  ohne  Zweifel  auch  lälh  die  Zunge 
(lälld  f.)  herausstrecken,  sätsd  schätzen,  sicätsd  schwatzen;  viel- 
leicht auch  tsäpfd  (refl.)  scherzhaft  für  ,sich  aus  dem  Staube 
machen'  (auch  bei  T.  452  a). 

Dazu  kommen  eine  Anzahl  von  schallbezeichnenden  Verben 
auf  -ts-,  bei  denen  allerdings  auch  palatalisierende  Wirkung  von 
ts,  das  an  der  selben  Stelle  väe  s  artikuliert  ^rird  (vgl.  §  15),  möglich 
wäre  (vgl.  §  46,  2);  doch  findet  sich  bei  den  meisten  andernorts 
(s.  Id.)  auch  Primärumlaut,  und  auch  bei  uns  ist  in  einigen  Bei- 
spielen a  vor  ts  erhalten :  pütsd,  tütsa  von  dem  Schall,  den  ein  auf- 
schlagender Körper  verursacht,  dazu  päts,  täts  m.  Klatsch,  auch  adv. 
pcits  plötzlich  (vgl.  Id.  IV  1925),  wofür  in  K  gäts  (T.  215  b;  ein  Vb. 
gäts9  s.  Id.  II  558:9),  dagegen  ohne  Umlaut  pafsi  m.  schwerfälliger 
Mensch,  Einfaltspinsel  (vgl.  §  90,  2)  und  gleichbedeutend  toUpats 
(T.  33  b);  flätsj,  pfUits9  vom  Aufschlagen  von  Flüssigkeit,-  daher 
solche  ausgießen,  verschütten,  dazu  fJüts  m.  (in  I  auch  pfJats  ohne 
Umlaut),  usw.  (s.  T.  195  a),  daneben  Bildungen  mit  Primärumlaut 
wie  fletslig  m.  Abzugsrinne  im  Stall,  und  fJetsd  f.  QuetschA\ainde 
(vgl.  T.  195b);  in  M  mit  gleicher  Bedeutung  pilätsB,  wozu  in  H 
plät§  m.  Klatsch,  in  M  plätshg  ,plötzlich',  und  allgemein  bJäts  m. 
große  Menge,  Haufen  von  etwas  (vgl.  Id.  V  229);  rätsa  Hanf 
brechen,  klatschen,  räts  f.  Klatschbase  (vgl.  T.  357  b);  hrätsa  von 
der  Nuß  die  grüne  Schale  entfernen,  dazu  hrätso  f.  Hanfschwinge, 
usw.  (s.  T.  73b  und  vgl.  Id.  V  1012  ff.);  (fa)xnäts9  EtAvas  (mit 
Geräusch)  zerdrücken,  auch  zerbeißen,  kauen.  Keinen  Umlaut  zeigen 


—     54     — 

](ift<i  m.  gleichbedeutend  mit  obigem  patst,  und  latsig  schwerfällig, 
plump,  auch  (dofD)watsld  watschelnd  gehen,  in  K  auch  tvats  m. 
Stoß,  Schlag  (nach  T.  437  b).  Vgl.  auch  nätsli^  (M  V),  snütshd  (M) 
schmatzend  kauen,  usw.  (s.  T.  328a.  394a),  neben  änatsJid  (in  H); 
dageffen  allgemein  nur  statsh)  stottern. 

Neben  hchj  ,halten'  im  östlichen  Teile  des  Gebietes  (V  M2) 
gilt  im  westlichen  (H  I  Mi,  411  Teufen  schwankend)  hähd;  dieses 
Nebeneinander  beruht  auf  Vermischung  von  ahd.  heffen,  2.  3.  Sg. 
hevis,  hcvit  mit  ahd.  haben,  2.  3.  Sg.  hohes,  habet,  bezw.  hebis,  hebit 
(vgl.  Id.II  890).  hebj  geht  zurück  auf  ahd.  hevis,  hevit,  dagegen  häbd 
auf  die  Kontaminationsformen  habis,  habit.  Vgl.  auch  ZfdA.  44, 115. 

Lang  ist  der  Vokal  in  trägj  , tragen'  (vgl.  ahd.  tragen).  Die 
Länge  ist  übertragen  aus  der  2.  und  3.  Sg.  träst,  träd  (vgl.  §  81); 
in  dem  Teile  von  V,  wo  es  heilst  trelst,  treid,  muß  sie  von  der 
Nachbarmundart  übernommen  sein. 

f)  in  vereinzelten  Fällen :  näppdr  m.  (ahd.  naba-,  naht-,  mhd. 
nabi-,  nch'i-grr)  Bohrer  (s.  Id.  IV  771);  tsümmd  (ahd.  zisamane,  zisa- 
mine)  zusammen;  in  K  (nach  T.  157b)  tübjhä]^  (zu  ahd.  habuch, 
mhd.  habech,  habich)  Taubenhabicht;  h'igjh  f.  (lat.  lagena)  läng- 
hches  Transportfaß  (s.  T.  290a  und  vgl.  Id.  III  1167/8);  in  I  und 
H  veraltet  äsig,  üsslig,  ästig,  ästlig  ,solch'  (s.  T.  29  a;  Id.  I  504), 
danach  auch  äsdmevv.)  in  H  ,so  manch'  (T.  28  a).  sämmd  m.  in 
K  für  , Trete  am  Webstuhl'  geht  vielleicht  auf  ein  Nebeneinander 
von  ahd.  scamal  und  '-'scemil  zurück,  d.'^.  auf  eine  spätere  Kon- 
tamiuationsform  scamü.  Hierher  auch  ligjstj  f.  Elster  in  M  Vi 
(s.  T.  18  b;  Id.  I  125/7),  iväntjb  f.  (zu  ahd.  ivantlns)  Wanze. 

T.  erwähnt  (S.  XXIX)  für  Haslen  eine  eigentümliche  Aussprache  des  a 
in  dem  Worte  all  , immer':  ,es  ist  hoch  und  treibt  gegen  e'.  Ich  konnte  das, 
nicht  mehr  hören,  doch  sagte  man  niir,  man  habe  früher  all  gesprochen;  diese 
Aussprache  findet  sich  auch  heute  noch  im  Rheintal  in  Frümsen  und  Seunwald. 
Es  liegt  hier  wohl  alter  m-Umlaut  vor  (vgl.  Behaghel  S.  754).  In  einer 
St. galjisch-appenzellischen  Urkunde  .aus  dem  14.  Jahrhundert  kommt  vor:  ällü 
mess  ,alle  Maße',  ferner :  (illü  (jewaltsami,  älU(!)  aigenschafft,  ällü  gebot  [usw.] 
gehörrent  ainem  abt  zuo. 

Der  Laut  des  Sekundärumlautes  findet  sich  noch  in  den  nicht 
autochthonen  Wörtern  hälhr  Heller  (s.  Id.  II  1130/1),  xätsar 
Ketzer  (Id.  HI  595/6). 

Es  ist  sicher,  daß  auch  der  , Sekundärumlaut'  in  die  ahd.  Zeit  zurück- 
reicht,  daß  der  ,Primärumlaut'  nicht  zeitlich  früher  eintrat,  sondern  nur  in 


—     55     — 

der  Schreibung  früher  wiedergegeben  wurde  durch  das  schon  geläufige  Zeichen 
des  germ.  e-Lautes,  dem  er  qualitativ  nahestand,  während  bei  ä  der  unterschied 
von  a  weniger  ohrenfällig  war  und  ein  Zeichen  dafür  erst  gefunden  werden  mußte. 

Zum  Vorgange  der  Palatalisierung  verweise  ich  auf  Rosapellj-  in  Me- 
moires  de  la  societe  de  linguistique  de  Paris  X  (1898),  S.  128  f.,  wo  experi- 
mentell gezeigt  wird,  wie  zB.  in  abi,  api  die  Zunge  schon  beim  Einsatz  des 
Konsonanten  und  während  der  ganzen  Dauer  desselben  die  für  das  folgende 
i  nötige  Höherstellung  einnimmt;  erfolgt  auf  grund  psychischer  Vorausnahme 
des  folgenden  i  schon  während  der  Artikulation  des  a  die  Einstellung  noch 
um  ein  Weniges  früher,  so  ist  die  Folge  ein  mehr  oder  weniger  palatalisiertes 
a,  d.h.  ä  oder  e;  die  Zwischenstufe  e  wäre  an  sich  ebenso  gut  möglich  (vgl. 
jedoch  zum  sog.  ,mittleren  Umlaut'  §  60,  Anm.).  Bei  der  Artikulation  der 
Labiale  wird  die  Zunge  gar  nicht  in  Anspruch  genommen  und  kann  sich 
daher  während  derselben  frei  zur  vollen  t-Stellung  heben;  die  Dentale  er- 
fordern selbst  eine  hohe  Zungenstellung  imd  sind  daher  (vgl.  §§  46,2;  60,  2  b) 
der  Palatalisierung  vorausgehender  Vokale  günstig.  Anders  die  Velare,  bei 
denen  die  Zunge  nach  hinten  gezogen  ist,  so  daß  die  Vorderzunge  unmöglich 
eine  hohe  Palatalstellung  einnehmen  kann;  behalten  sie  vor  folgendem  i  ihre 
hintere  Artikulation  bei,  wie  es  in  unserer  MA.  bei  x  der  Fall  ist,  werden  sie  also 
nicht  selbst  palatalisiert,  so  kann  auch  der  ihnen  vorausgehende  Vokal  höchstens 
schwach  palatalisiert  werden.  Dies  erklärt,  warum  vor  xt,  xs  nur  Sekundär- 
umlaut eintrat  (die  Bezeichnungen  ,Primär-'  und  ,Sekundärumlaut'  würden 
besser  durch  ,Stark-'  und  , Schwachumlaut'  ersetzt);  germ.  li  wirkte  ebenfalls, 
sei  es  noch  als  velare  Spirans  oder  schon  als  Hauchlaut,  umlauthemmend, 
während  der  Primärumlaut  vor  lili  (<  germ.  li)  für  dieses  palatale  Aussprache 
vor  folgendem  i  voraussetzt.  Das  helle  palatale  l  ist  der  Palatalisierung 
günstig,  das  hohle  l  dagegen  nicht;  der  Sekundärumlaut  in  einigen  Fällen  vor 
l  +  Kons,  geht  wohl  auf  die  hemmende  Wirkung  von  l  zurück  (der  PI.  helg 
findet  sich  bezeichnenderweise  gerade  auf  dem  Gebiete,  wo  e  durch  folgendes 
l  palatalisiert  wurde,  während  sonst  bälg  gilt,  und  xelb»r  herrscht  im  östlichen 
Gebiete  mit  /,  während  xälbsr  im  westlichen  mit  f;  vgl.  §  93).  In  den  Ver- 
bindungen r  +  w  und  r  4-  h  ist  das  Fehlen  des  Primärumlautes  auf  Rechnung 
des  Sekundärvokals  zu  setzen,  der  sich  zwischen  diesen  Lauten  entwickelte  (vgl. 
Braune  §  69);  die  gleiche  Erklärung  wäre  auch  möglich  für  die  Verbindung  Ih 
in  ivälts,  ferner  rl  in  Tcxärli.  Schwere  Ableitungssilben  bewirkten  nur  Sekundär- 
umlaut, weil  -sich  physisch  die  beiden  Artikulationsbewegungen  nicht  schnell 
genug  folgten  und  die  beiden  Silben ;,  psychisch  zu  selbständig  waren  (vgl. 
Wundt,  Völkerpsychologie  ^11,  S.  410  f.)>- 

Nach  dei^  ahd.  Zeit  entwickelte  sich  überhaupt  kein  Primärumlaut  mehr, 
sondern  überall,  wo  die  Bedingung'  für  Umlaut  eintrat,  entstand  Sekundär- 
umlaut. Dies  hat  seinen  Grund  darin,  daß  diese  nachahd.  Endungs-t  nicht 
mehr  so  rein  gesprochen  wurden,  d.  h.  nicht  mehr  die  hohe  Palatalstellung  und 
energische  Artikulation  der  Zunge  besaßen,  wie  die  ahd.  vollen  Endungsvokale; 
ihre  palatalisierende  Wirkung  konnte  daher  nur  schwächer  sein.  e-Umlaut  trat 
überhaupt  nicht  ein,  weil  die  Artikulation  des  e  sich  so  wenig  von  der  des  a 
abhebt,  daß  die  Zunge  die  geringe  Stellungsveränderung  leicht  vollziehen  kann. 


-     56     — 

Bildungskategorien,  innerhalb  welcher  der  in  einem 
Teil  der  Fälle  lautgesetzliche  Umlaut  sein  Gebiet  ana- 
logisch erweitert  hat  (vgl.  §90): 

1.  Plurale. 

§  50.  Lautgesetzlicher  Primärumlaut  kommt  (außer 
vor  umlauthemmender  Konsonanz)  zu: 

a)  den  männlichen  und  weiblichen  i-Stämmen:  Masc.  gest 
(ahd.  gesti)  Gäste,  est  (ahd.  esti)  Äste,  sekx  (ahd.  seccJii)  Säcke, 
hexx  (vgl.  §  49  a)  Bäche  (nur  vereinzelt  heute  auch  häxx,  wohl 
durch  Einfluß  der  Schriftsprache),  gean  (ahd.  gengi)  Gänge;  wohl 
auch  sfencl  (zu  mhd.  stant)  Verkaufsstände  am  Jahrmarkt,  dann 
in  der  Formel  stend  onh  'kenn  ha  mit  etwas,  ,viel  Mühe  und  Zeit- 
verlust damit  haben'  (vgl.  Id.  II  338),  und  xrets  (zu  mhd.  hras) 
Schüi-fungen,  Kratzwunden;  mit  Dehnung  sieg  (ahd.  slegi)  Schläge, 
tse  (ahd.  seni)  Zähne.     Zu  helg  s.  §  52  a. 

Fem.  xreft  (ahd.  hrefti)  Kräfte,  stet  (ahd.  steti)  Städte,  in  H  auch 
noch  tsoUstet  Zollstätte  (in  den  Sg.  gedrungener  PL),  henlcx  (ahd. 
henki)  Bänke,  hend  (ahd.  henti)  Hände,  tvend  (ahd.  wenti)  Wände. 

Dazu  kommen  noch  zweisilbige  i-Stämme,  bei  denen  das 
Plural-i  in  dritter  Silbe  stand  (vgl.  §  48  e) :  negdl  (ahd.  negili,  zu 
nagal)  Nägel;  epfdl  (ahd.  epßi,  zu  apfuT)  Äpfel;  ferner  ent  (neben 
entd)  Ente  (wohl  der  in  den  Sg.  gedrungene  PL  ahd.  *eniti,  zu  ahd. 
anut,  anit,  enit)  in  einem  zusammenhängenden  Gebiete  von  Grub 
nach  Wolfh.,  dann  wieder  in  uOb.,  wo  Nasal  nicht  verengend 
wirkt  auf  ä  (vgl.  §  95);  auf  dem  übrigen  Gebiete  gilt  dagegen 
mit  Sekundärumlaut  äntj,  bezw.  ento. 

b)  den  Neutra  auf  -ir:  red^r  (ahd.  redir)  Räder,  grebdr  (ahd. 
grehir)  Gräber,  Uettar  (ahd.  hletir)  Blätter ;  auch  trestdr  (ahd.  trestir 
Sg.  und  PL;  vgl.  Braune  §  197,  Anm.  1)  im  collect.  PI.  ,Treber' 
(bei  der  Herstellung  von  Obstwein)  und  m.  »kegelförmiger  Haufe* 
(s.  T.  151b).     Zu  xelbdr  s.  §  52a. 

§  51,  Analogische  Ausdehnung  des  Primärumlautes 
zeigen : 

a)  wahrscheinlich  (mit  sekundärer  Dehnung)  heg  (mhd.  hage, 
hege)  ,Häge',  terni  (ahd.  darnia,  mhd.  dermo)  ,Därme'  und  neben 
ktäb  vorkommendes  steh  , Stäbe'  (ahd.  staha;  zum  Mhd.  vgl.  ZfdA. 


—     57     — 

44,   253  Anm.    271  Anm.    286  Anm.);    sicher  jjJiehx   ,Pakete'  (zu 
phaJcx)  neben  häufigerem  phäJcx. 

b)  Plurale  auf  -dr:  beddr  Bäder,  glessr  Gläser,  texxdr  Dächer, 
fexxdr  Fächer,  fessdr  Fässer  (neben  dem  unveränderten  PI.  fass), 
lenddr  Länder;  mit  Dehnung  telldr  Täler.  Neben  heute  allgemeinem 
gresdr  ,Kuhrechte  auf  einer  Alp'  (s.  Id.  II  792)  gibt  T.  (234b)  auch 
gräsdr  an,  was  wohl  auf  Einfluß  des  Sg.  gras  (s.  §  46,  2  b)  zurück- 
zuführen ist;  doch  auch  pärdr  Paare  (T.  81a)  und  fudssivässdrdr 
Fußbäder  (T.  207  a). 

c)  auf  einem  Teile  des  Gebietes  noch  einige  andere  zweisilbige 
Plurale  (na-,  ma-  und  /i-Stämme) :  in  ganz  V  wegd  ,Wägen',  xrdga 
jKrägen',  megd  ,Mägen',  grehd  ,Gräben',  xrettd  ,Krätten';  noch 
mehr  gegen  das  Rheintal  (in  dessen  angrenzendem  Teile  die  Er- 
scheinung sich  ebenfalls  findet)  zurückweichend  Icch  ,Läden'  (in  V 
außer  Wald),  hefd  ,Häfen'  (V  außer  Wald  und  Reh.),  fedd  ,Fäden' 
(in  K  und  Grub,  schwankend  in  Ob.  und  Heid.),  isepfd  , Zapfen'  und 
flcd^  ,Fläden'  (nur  in  K  der  Grenze  gegen  das  Rhein tal  entlang); 
auf  dem  übrigen  Gebiete  gilt  durchaus  ivägo,  xrägd  usw.,  neben 
fläds  auch  unverändert  fladd.  Nur  in  dem  Falle  megd  (in  I)  ,Lab' 
(in  den  Sg.  g|drungene^Pluralform  zu  magj  ,Mageu',  der  als  Lab 
verwendet  ward;  dazu  megd  , gerinnen  machen)  scheint  der  e-Plural 
heute  noch  weiter  westlich  zu  reichen  (vgl.  auch  Id.  IV  99);  doch 
ist  für  I  auch  einfach  Verengung  von  ä  >►  e  nach  m  möglich; 
vgl.  §  95. 

§  52.  Lautgesetzlicher  Sekundärumlaut  kommt  zu: 

a)  den  Pluralen  mit  umlauthemmender  Konsonanz,  die  in 
eine  der  §  50  a  angeführten  Klassen  gehören.  Das  einzige  auf  dem 
ganzen  Gebiete  geltende  Beispiel  ist  näxt  (ahd.  nahti)  ,Nächte'. 
Dazu  kommen  noch  hülg  (aobd.  halgi)  ,Bälge'  allgemein  außer  in 
M2  Vi  (schwankend  in  Grub  und  Heiden),  wo  helg  gilt,  und  xälhar 
(aobd.  kalbir)  ,Kälber'  in  I  H2  (schwankend  in  Hi  und  Mi),  gegen- 
über xelhdf  auf  dem  übrigen  Gebiete;  vgl.  dazu  die  Anm.  S.  55. 

b)  einigen  (im  ahd.)  zweisilbigen  i-Stämmen,  bei  denen  das 
Plural-^  in  dritter  Silbe  stand  (vgl.  §  49  c):  matt  (ahd.  magadi) 
,Mägde';  stäffdl  (ahd.  staffali)  auch  in  den  Sg.  gedrungener  PL, 
,Leitersprossen';  äx  (zu  ahd.  acchus)  ,Axte',  außer  in  K  auch  in 
den  Sg.  gedrungen. 


-     58     — 

§  53.  Die  finalogisclie  Ausbreitung  des  Sekundär- 
umlautes. Nach  dem  Abfall  des  unbetonten  Endungs-e  war  der 
Plural  der  /-Stämme  vom  Singular  nur  noch  durch  den  Umlaut 
unterschieden.  Infolgedessen  wurde  der  Umlaut  hier  als  Plural- 
kennzeichen empfunden  und  dann  analogisch  auch  in  andern  Fällen, 
wo  der  Plural  mit  dem  Singular  zusammengefallen  war,  als  Mittel 
zur  Unterscheidung  der  beiden  Numeri  verwendet.  Die  Über- 
tragung auf  die  a- Stämme  lag  bei  der  starken  Berührung,  die 
zwischen  ihnen  und  den  /-Stämmen  schon  seit  alter  Zeit  bestanden 
hatte,  besonders  nahe.  Allein  auch  die  schwachen  Maskulina 
bemächtigten  sich  nach  der  Ausbreitung  der  Obliquusendung  über 
den  ganzen  Singular  dieses  Mittels,  die  Numeri  wieder  zu  diffe- 
renzieren. Der  Sekundärumlaut  Avurde  zu  diesem  Zwecke  in  viel 
weiter  gehendem  Maße  verwendet  als  der  Primärumlaut  (vgl.  §  51). 
Auch  für  unsere  MA.  gilt,  was  Heusler  aaO.  sagt,  ,daß  der 
Angehörige  der  Mundart  ein  schwer  zu  beschreibendes,  aber  un- 
trügliches Gefühl  habe,  daß  in  den  «-Pluralen  die  eigentlich 
lebendige  Pluralbildung  stecke.'  Aus  der  großen  Zahl  von  Bei- 
spielen führe  ich  nur  einige  an.  «-Stämme:  Mim  Halme,  hals 
Hälse,  snähd  Schnäbel,  ähi\jr  Äcker,  liämmar  Hämmer,  mit  Deh- 
nung tag  (neben  unverändertem  tag);  schwache  Maskulina: 
nämmd  Namen,  mit  Dehnung  hmid  Faßhahnen,  gärtd  Gärten. 

In  den  Sg.  gedrungene  analogische  «-Plurale  hegen  wohl  auch 
vor  in  hantsd  m.  (ahd.  hantscuoh)  ,Handschuh'  (vgl.  §  109),  cmmol  m. 
(mhd.  anmäl  n.)  ,Muttermal'. 

Schwierigkeiten  bereitet  die  Beantwortung  der  Frage,  was  dem  Sekundär- 
umlaut den  Vorzug  vor  dem  Primärumlaut  als  Numerusunterscheidungsmittel 
verschafft  habe,  trotzdem  die  Zahl  der  dafür  vorbildlichen  lautgesetzlichen 
ä-Plurale  verschwindend  klein  ist  gegenüber  den  zahlreichen  lautgesetzlichen 
e-Pluralen  (vgl.  Bohnenberger,  Germania  34,  198;  Wilmanns  I  258). 

2.  Diminutiva  auf  -Ii  (ahd.  -Im). 

§  54.  Diesen  kommt  lautgesetzhch  Sekundärumlaut  zu, 
hervorgerufen  durch  ein  schweres  i  in  dritter  Silbe.  Unsere  MA. 
hat  diesen  Stand  durchaus  bewahrt;  Einfluß  der  e-Plurale  auf  die 
zugehörigen  Diminutiva  (vgl.  Heusler  aaO.)  findet  sich  nicht. 
Beispiele:  hägh  kleiner  Hag,  gläsli  Gläschen,  bäxxh  Bächlein,  rädh 
Rädchen,  hlätU  Blättchen,  näg,)h  Nägelchen,  fw^dh  Fädchen. 


—     59     — 

3.  Adjektivabstrakta  auf  -i  (ahcl.  -'i(nj). 
§  55.  Das  Ahcl.  zeigt  hier  bald  Umlaut,  bald  ist  er  infolge 
Ausgleichung  nach  dem  zugrunde  liegenden  Adj.  unterblieben. 
Unsere  MA.  hat  den  Primärumlaut  durchgeführt:  gletti  Glätte, 
nessi,  Nässe,  swexxi  Schwäche,  lenm  Länge,  xelti  Kälte,  sivertsi 
Schwärze,  hertt  Härte,  sterxxi  Stärke;  mit  Dehnung  gredi  Gerad- 
heit, smeh  Schmalheit,  icernu  Wärme;  auch  in  mehrsilbigen:  mcgdn 
zu  magdr  mager,  levmvildgi  zu  lavmvili(g)  langweilig,  lennsemmi 
zu  lannsanim  langsam  (vgl.  dazu  §  90). 

4.  Komparative  und  Superlative. 

§  56.  Sie  zeigen  durchgehend  Primärumlaut:  besser  best 
(ahd.  besziro,  beszist)  besser  best,  letst  (ahd.  lezzist)  letzt,  lenn^r 
lemost  zu  lavn  lang,  strenvdr  strengst  zu  streton  strenge,  xrenlixjr  zu 
xranhx  krank,  eltar  zu  alt  alt  {eltjrj  Eltern),  swertsdr  zu  swarts 
schwarz ;  mit  Dehnung  grechr  zu  gräd  gerade,  pliebar  zu  phäh  gut 
schließend,  hivemur  zu  Tiivä  gewohnt,  serpfdr  zu  särpf  scharf,  ergar 
zu  mundartlich  nicht  vorkommendem  ,arg'  (als  m.  Arger),  ernidr 
zu  arm  arm,  erdhgsr  zu  ärdh(g)  seltsam,  auch  Icnnsemmjy  zu 
lavosamm  langsam  (vgl.  dazu  §  90). 

Altere  Leute  in  K  brauchen  vereinzelt  auch  etwa  i)]iäbdr, 
Tiivännar,  offenbar  infolge  Einflusses  der  ä-Komparative  zu  Posi- 
tiven mit  etymologischem  ä  oder  ä,  me  zB.  sivarar  zu  stvär  ,schwer'. 
Doch  ist  auf  dem  ganzen  Gebiete  häufiger  das  Entgegengesetzte 
der  Fall,  daß  nach  Beisjjielen  wie  greddr  auch  die  Adjektiva  mit 
etymologischer  Länge  ihren  Komparativ  und  Superlativ  auf  e  bilden, 
zB.  swerdr  schwerer,   resssr  zu  räss  scharf.     Vgl.  auch  §  89,  1  c. 

5.  Adjektiva. 
§  57.  a)  auf -;((/).  Außer  in  den  unmittelbar  von  ja«- Verben 
abgeleiteten  Beispielen,  wie  setsi(g)  eigensinnig,  Tinendi(g)  in  M 
(mk&.  genendec  zu  vnh.^.  nenden)  gesund,  lebhaft,  munter  (T.  228  a), 
merkxi(g)  leicht  auffassend,  geschickt,  spert(g)  widerspenstig,  usw., 
findet  sich  Primärumlaut  nur  bei  alten  Ableitungen  zu  i-(ja-) 
Stämmen,  denen  ursprünglich  -ig  allein  zukam,  während  -ag  den 
a-Stämmen:  stetfi(g)  {mhd.  stetic)  von  Pferden,  störrisch,  xrefti(g) 
(ahd.  kreftig)  kräftig,  l~feIJi(g)  (ahd.  gefelUg)  glücklich,  ferti(g) 
(ahd.  fertig)  fertig,  tsudslegi(g)  zugetan  (T.  462  a). 


.—     60     — 

Alle  übrigen,  worunter  viele  neuere  Bildungen  zu  Substantiven, 
Adjektiven  und  Verben,  weisen  Sekun'darumlaut  auf,  sind  zum 
Teil  auch  umlautlos  (vgl.  §  90),  zB.  hälU(g)  leicht  zu  ,baMen',  vom 
Schnee,  (jülh(g)  schnell,  plötzlich,  stäri(g)  steif,  starr;  mit  Dehnung 
efalti(g)  (mhd.  einveUcc)  einfältig;  auT umla*hthemmende  Konsonanz 
kann  ä  zurückgehen  in  mäxti(g)  mächtig,  ]r)räxti(g)  j^rächtig, 
träxti(g)  trächtig,  wäxsi(g)  (mhd.  ivehsic)  vom  Wetter,  dem 
Wachstum  günstig. 

Alte  Stoffadjektiva  auf  ahd.  -m  (heute  in  der  MA..  im 
Ausgang  mit  den  Adj.  auf  -ig  zusammengefallen)  sind:  mit  Primär- 
umlaut glesi(g)  (ahd.  glestn)  gläsern,  mit  Sekundärumlaut  tänni(g) 
(ahd.  tanntn,  tennin)  aus  Tannenholz. 

b)  auf  -li  (ahd.  -lih).  Diese  weisen  ausschließlich  Sekundär- 
umlaut auf,  zB.  tägJi  (ahd.  tagolili)  täglich,  swäxxli  schwächlich, 
xrävkxli  kränklich. 

6.  Diminutive  Weiterbildungen  zu  Verben 
und  Substantiven. 

§  58.  Hier  kommt  ausschließlich  der  Sekundärumlaut  vor, 
zB.  ^lägh  Kleinigkeiten  hinterbringen,  klagen;  mit  Dehnung 
l)lämph  sehr  langsam  gehen  (plämpa);  mädh  (zu  mad)  Schwaden 
machen  beim  Heuen;  räntsdh  zum  besten  haben  (s.  T.  361  b), 
simtsdh  bespötteln  (s.  T.  383  b) ;  tvägjh  den  Wagen  hin  und  her- 
stoßen; fdhäfdh  das  Spiel  verderben  (T.  183/4);  wässdrh  das  Wasser 
abschlagen. 

§  59.  Sekundäre  Veränderungen  der  Umlautvokale  (vgl.  die 
Anm.  zu  §  60): 

e  >  e  (bezw.  e)  vor  l  (i)  +  Kons,  in  H  I  Mi  s.  §  93. 
vor  r  -f-  Kons,  in  H  Mi  s.  §  94. 
vor  Nasal  (-f  Kons.)  in  H  I  Mi  s.  §  95. 
ä  >»  e  (bezw.  e)  vor   und   nach  Nasal   in  H  I,   Bühl.,    Teuf. 

s.  §  95. 
e  >►  id  vor  r  in  K  s.  §  94. 
e->  ei  s.  §  89. 
Rundung  s.  §  91. 
Dehnung  s.  §§  96/105. 


—     61     — 

Mhd.  e. 

§  60.     1.  Es  ist  in  der  Mehrzahl  der  FäUe  erhalten  als  e,  zB. 

vor  Labial:  Ä;?e6,^ kleben,  ^re/JS  Krebs,  sre/j/'a  schröpfen  (vgl. 
Kluge  S.  353),  xefdr  Käfer,  ivefdl  m.  (mhd.  ivefeT)  Einschlag  beim 
Gewebe,  rejf  (mhd.  ref)  Traggestell,  pfeff^r  Pfeffer. 

vor  Dental:  fe(hrs  Feder,  fledanmis  Fledermaus,  seffär  m. 
(mhd.  scheter)  steife  Leinwand,  flettaxxa  f.  (zu  mhd.  vetache)  Flügel 
vgl.  Id.  I  1228),  lets  (mhd.  le^)  verkehrt,  jes9  (mhd.  jesen)  gären, 
sessdl  Sessel,  fespsr  (mhd.  vesper)  Abendessen;  auch  messar  Messer 
(vgl.  dazu  Id.  IV  460,  Germania  34,  264,  W.  Hörn,  Beiträge 
S.  14/5);  mit  Dehnung  xres  Reisig  (vgl.  Id.  111  853/4). 

vor  Guttural:  segj  sägen,  ksel'kat  (zu  mhd.  sclieckeht)  ge- 
fleckt, drekx  (mhd.  drec)  Schmutz,  rekxholdar  (mhd.  recldwlter) 
Wachholder,  xexx  (ahd.  quec)  keck,  sexs(i)  sechs,  tse(h)a  zehn; 
mit  Dehnung  fex  (mhd.  vehe)  Vieh. 

vor  r:  iverd  währen,  dauern,  tsivens  (zu  mhd.  tiverch)  quer, 
iverffa  werfen,  fersa  (mhd.  vcrse)  Ferse.  —  Über  die  Verhältnisse 
vor  den  übrigen  Sonoren  siehe  unten. 

2.  >  e  (bezw.  mit  Dehnung  e)  auf  dem  ganzen  Gebiete 

a)  durch  i-Umlaut  (vgl.  K.  v.  Bahder,  Grundlagen  des  nhd. 
Lautsystems,  S.  132  f.):  ebd  ,eben'  Adj.,  während  ehd  Adv.  (ahd. 
(ebani,  ehanö);  eÜi  ,einige'  (zu  ahd.  etiliJi),  auch  ettj,  bezw.  (vgl. 
bei  T.)  eppa,  etsa  (mhd.  eteivä,  etesivä)  ,etwa',  eppar  (mhd.  etetver) 
,jemand' ;  ledi(g)  (ahd.  *ledig  neben  ledag) ;  ivela  (ahd.  hivd'th) 
, welcher';  helts  (ahd.  helU£)  ,Pelz';  felsj  ,Felsen'  (ahd.  felis;  vgl. 
jedoch  Kluge  S.  109,  ferner  PBB.  28,  259);  tsem  (aus  ^^eheni) 
,zehn'.  Vor  Liquida  -f-  Kons,  ist  dieses  e  sekundär  wieder  zu  e 
geöffnet  in  H  I  Mi  (s.  §  93). 

b)  vor  s  in  gestar  gestern,  destd  desto,  mit  Rundung  tröss9 
dreschen,  lössd  löschen,  swöstdr  Schwester;  dagegen  nicht  in  fest 
Fest,  nest  Nest  (vgl.  §  95),  hresta  mangeln,  u.  a.  m. 

e  in  smeltsd  , schmelzen',  fdsrekxs  , erschrecken'  beruht  auf  Ausgleichung 
nach  dem  Kausativ.  Dies  wäre  auch  möglich  in  lösh  (vgl.  Kluge  S.  252).  Auf- 
fallend ist  befeb  (mhd.  bevelhen)  befehlen. 

c)  vor  geschwundenem  Nasal  im  Auslaut  s.  §  95. 
Dagegen  nur  auf  Teilen  des  Gebietes 

d)  vor  altem  rr  in  fer  (ahd.  verro)  ,fern'  (s.  T.  180  a)  in  I 
Ml  Urn.  (auf  dem  übrigen  Gebiete  nur  fern),  dazu  fera  (s.  T.  180  a); 


—     62     — 

ferner  in  MSr  , Stern',  doch  nur  als  Name  einer  Kuh  mit  stern- 
förmigem Fleck  an  der  Stirne  in  I  (in  der  gewöhnlichen  Bedeutung 
dagegen  stenu,  bezw.  stmnS).  , 

e)  vor  Nasal  in  V  Ma  s.  §  95. 

f)  nach  Nasal  in  I  s.  §  95. 

g)  vor  l  und  l  -f-  Kons,  in  Ma  s.  §  93. 

3.  Rundung  s.  §  91. 

4.  Dehnung  s.  §§  97/105. 

In  unserer  MA.  sind  also  zwar  die  drei  historisch  verschiedenen  kurzen 
e-Laute  des  Mhd.  sowohl  ihrem  relativen  als  absoluten  Lautwerte  nach  er- 
halten; aber  der  Satz,  daß  sie  daher  im  Zweifelfalle  entscheiden  könne, 
welches  der  drei  e  in  einem  Worte  vorliege  (vgl.  Heusler  aaO.;  W.  Hörn,  Bei- 
träge S.  9flf.)  wird  durch  die  in  §§  59  und  60,2  angeführten  sekundären  Störungen 
eingeschränkt,  wonach  zum  Teil  ä  mit  e,  ja  sogar  mit  e,  e  mit  e  und  e  mit  e 
zusammenfallt.  Am  wenigsten  sind  die  Verhältnisse  gestört  in  V,  nämlich  nur 
in  den  Fällen  von  §  60,  2  a  b  c  und  e. 

Die  Unkenntnis  dieser  Tatsachen  wurde  W.  Hörn  zum  Verhängnis,  der 
aaO.,  ausgehend  von  Beispielen  unserer  MA.,  noch  eine  , mittlere  Umlauts- 
periode' begründen  wollte.  Der  Gewährsmann,  den  W.  Hörn  anführt,  ist  im 
Kanton  Graubünden  aufgewachsen  und  spricht  selbst  nicht  unsere  MA.  Die 
mundartliche  Form  für  ,Ferkel'  ist  färli  (ahd.  farhelin;  s.  T.  176b);  ,Erz' 
kennt  die  MA.  gar  nicht,  dagegen  heißt  es  durchaus  präxti(g);  zu  mexU(g) 
und  next  s.  §  95,  zu  megd  §  51c,  zu  hert  §  94.  Wenn  T.  bei  hert  die  für  H 
gültige  geöffnete  Form  anführt,  dagegen  bei  herpst  nicht,  so  stimmt  dies  mit 
der  ganzen  Art  seiner  qualitativen  Angaben  überein. 

Mhd.  i. 

Die  verschiedene  Behandlung  der  Vokale  höchster  Zungen- 
stellung fi,  it,  ü)  bildet  einen  Hauptunterschied  zwischen  K  (außer 
uOb.  und  oOb.)  und  dem  ganzen  übrigen  Gebiete.  Dort  sind  die- 
selben in  weitem  Umfange  erhalten,  hier  zum  größern  Teile  ge- 
senkt. 

Die  Senkung  von  i  geht  bis  zu  r,  nur  in  den  §  61  c  an- 
geführten Fällen  bis  zu  e  (ä)  und  vor  m,  n  {-\-  Kons.)  in  H  I  Mi 
>  e  (vgl.  §  95). 

§  61.  Senkung  von  i  ist  auf  dem  ganzen  Gebiete  (in 
K  außer  Ob.  nur  in  diesen  Fällen)  eingetreten : 

a)  vor  n  {-{-  Kons.)  außer  in  den  §  63  c  angeführten  Bei- 
spielen:   äena  f.    Schiene,    cn9    ihnen,    kivennd   gewinnen,    rennd 


—     63     — 

rinnen,  drenn  darin,  licnnd  (mhd.  hindcn)  hinten,  fendd  finden, 
tuende  winden,  hendj  binden,  henddr  hinter,  mendar  minder,  wendb  f. 
Windel,  scndh  f.  Schindel,  xend  Kind,  rend  Rind,  grend  m.  Grind, 
Kopf  von  Tieren  und  grob  von  Menschen;  wend  Wind,  in  Zu- 
sammensetzungen Avie  sonddrwcnd  Süd^A-ind,  icentspriid  Windsbraut, 
usw.  (für  nhd.  ,Wiud'  hat  die  MA.  loft) ;  renda  f.  Rinde,  lendd 
Linde;  mit  Dehnung  iventar  Winter,  e  oder  ena  ihn,  he  hin.  Hierher 
gehören  auch  ivemmat  (ahd.  ivindemod)  Weinlese,  wozu  das  Vb. 
ivemnid  (ahd.  ivindenim),  semmat  (mhd.  zinenün,  zlnmenf)  Zimmet. 
Zur  Rundung  in  mehreren  der  augeführten  Beispiele  auf  einem 
Teile  des  Gebietes  s.  §  91.     Die  Beispiele  für  ins  >>  es  s.  §  96. 

b)  in  emni  ihm  (vgl.  §  63  d). 

c)  vor  mm  <C  mb  in  tsemmara  (ahd.  simheren)  .zimmern'  in 
M  V,  in  K  auch  tsümmara  (vielleicht  mit  Anlehnung  an  tsämma 
jZusammen'),  in  HI  mit  Rundung  tsönimara;  doch  vgl.  tsimmar  n. 
Käs-  oder  Hirteuhütte  (bei  T.  458  b;  in  nhd.  Bedeutung  ist  das 
Wort  nicht  mundartlich).  Hierher  gehört  auch  slenims  ,schräge, 
schief"  (nach  T.  388  b  in  K),  wenn  es  mhd.  sUmbes  entspricht  (vgl. 
jedoch  Grimms  WB.  IX  714.  722). 

§  62.  Nur  in  H  I  M  Vi  und  Ob.  (im  übrigen  K  nicht)  ist 
i  gesenkt  >-  e: 

a)  in  den  Substantiven  frcda  Friede,  smed  Schmied,  led  n. 
(ahd.  hli(T)  Deckel;  led  m.  (ahd.  Jid)  Viertel  eines  geschlachteten 
Tieres  (vgl.  Id.  III  1087)  und  gled  Glied,  auch  in  ledlö  (mhd.  Ude- 
Zdw)  Arbeitslohn,  und  ledwäx  (mhd.  Udeweich)  biegsam;  snedli  (mhd. 
snitelouch)  Schnittlauch,  slctta  m.  SchKtten,  snetta  f.  Schnitte,  drei 
(der,  die,  das)  dritte,  drettal  Drittel;  smetta  (ahd.  smitta)  Schmiede; 
iceth  (zu  ahd.  wituivo)  Witwer,  wepfrouw  Witfrau;  res  m.  Riese 
(wohl  unter  schriftsprachlichem  Einfluß  bei  den  Jüngern  auch 
rts)\  ives  f.  Wiese,  avozu  kwesat  sumjjfig  (T.  248a);  spess  Holzspan 
(T.  378a);  hesmat  (ahd.  bisanio)  Bisam;  mit  Dehnung  xes  Kies;  niest 
Mist;  rrep  Krippe;  in  I  noch  bei  alten  Leuten  seff  Schiff  (sonst 
heute  allgemein  siff);  sreft  Schrift,  greffal  Griffel,  stefal  Stiefel; 
serm  Schirm,  bera  Birne;  xer(a)xa  Kirche,  heute  außer  in  I  all- 
gemein für  älteres  xil(a)xa  (s.  T.  102  a);  mit  Dehnung  ferst  First, 
ivert  Wirt,  icerta  m.  (mhd.  wirte)  Spindelring  (T.  446  b). 


—     64     — 

In  den  Verbalsubstantiven  treb  Trieb,  snet  Schnitt,  rct  Ritt, 
tret  Tritt,  srct  Schritt,  hess  Biß,  auch  he(sah  Bißchen  (zu  mhd. 
bü),  ress  Riß,  pscss  Beschiß,  Betrug,  grcff  Griff,  j^ßff  Pfiff,  strcxx 
Strich,  Mpxx  Schhch,  t^x  der  schleichende  Gang  (T.  137b). 

fredhof  (mhd.  vrithof)  , Friedhof  mit  e  für  sekundär  gekürztes  i  (vgl. 
§  109)  beruht  auf  Anlehnung  an  frech  ,Friede'. 

b)  in  den  Adj,,  Adv.,  Pron.  hettdr  bitter;  tsweng  (zu  mhd. 
zwire)  zweimal  (nach  T.  463b  in  H  I);  neddr  ,nieder',  doch  nur 
als  Adv.  (ahd.  nidar),  dagegen  als  Adj.  nidsr  (ahd.  nidari);  netsi 
,niedsich,  d.  h.  abwärts'  (zu  ahd.  nida) ;  tvedor  (ahd.  widar)  in  der 
Bed.  , wider,  gegen',  dagegen  ividdr  in  der  Bed.  ,Avieder,  nochmals'; 
erd  ihr  (Dat.  Sg.  fem.);  mit  Dehnung  der  dir,  mer  mir  (bei  diesen 
Pronomen  könnten  auch  die  unbetonten  Formen  ard,  dsr,  mdr  ein- 
gewirkt haben). 

c)  in  den  Verben  smedo  (ahd.  smidön)  schmieden ;  tsettdrd  zittern ; 
ivessd  wissen  (vgl.  §  91),  Part,  hivesst;  tsivcrnd  zwirnen;  felikd  ,hin- 

*und  herreiben'  (s.  T.  179a  und  vgl.  Id.  I  713). 

Ausnahmslos  in  den  Part.  Prät.  der  starken  Verben  der 
I.  Klasse:  trehd  getrieben,  hsreha  geschriebeü,  pleho  geblieben,  kreh9 
gerieben,  hsnettd  geschnitten,  kstrettd  gestritten,  kretts  geritten, 
Metto  gelitten,  JcwesQ  gewiesen,  hspesd  gespiesen,  pres9  zu  hnsa 
einschnüren,  pessd  gebissen,  hress9  gerissen,  psessd  beschissen, 
hsmessd  geschmissen,  Jcflessa  geflissen,  krcff&  gegriffen,  preffd  , ge- 
wandt' (s?f .  77b  und  Id.  V  434),  pfep  gepfiffen,  kMeffd  geschliffen, 
kstegd  gestiegen,  pegd  zu  hlgä  ,eine  Beige  machen',  tegs  geräuchert 
(zu  ahd.  dihan),  kstrexxa  gestrichen,  kslexxd  geschlichen,  texx<)  zu 
tixd  schleichen  (s.  T.  137  b). 

^      *  .  ^ 

d)  Schwanken  besteht  zwischen  nietti  und  mitti  Mitte,  da- 
gegen gilt  durchaus  mettag  Mittag,  mekxti  Mittwoch  (vgl.  §  28); 
auch  ZA\aschen  mettd  und  mittol  Mittel,  metler  und  mithr  , mittler'; 
in  Vi  M  H  gilt  meist  met  ,mit',  in  I  mei^WwwY;  ferner  zwischen 
xrest  und  xrist  Christ,  auch  xrestd-  und  xristjmögh  verstärktes 
,möglich';  ^wischen  wcsdli  und  ivisdli  ,Wiesel',  in  I  gilt  wesh  f. 
(ahd.  ivmda);  zwischen  spets  und  spits  m.  Spitze,  spetsd  und  spitsd 
spitzen,  spetsb  und  spitsh  spitzeln  (vgl.  T.  377b);  zwischen  gretsd 
und  gritsd  knirschen  (mit  den  Zähnen);  seltener  ist  xendU  neben 
xindh  jKindlein',  während  allgemein  xend. 


—     65     — 

§  63.     Erhalten  ist  /  auf  dem  ganzen  Gebiete: 

a)  ausnahmslos  vor  l  (+  Kons.):  §till  still,  fill  viel,  tili  m. 
dickes  Brett,  tili  f.  Zimmerdecke,  ivilh  Wille,  hild  Bild,  wild  wild, 
silt  Schild  (s.  T.  387  a),  silhsr  Silber,  silhj  Silbe,  miltsi  n.  Milz, 
hilgdrd  (ahd.  hilarn,  PL  bilarnd)  Zahnfleisch,  mil(9)x  Milch,  hil(d)xd 
(ahd.  hiricha)  Birke,  tsivil(d)x  Zmlch,  silig  Schilling,  spih  spielen, 
sild  schielen ;  mit  Dehnung  spil  Spiel,  tstl  Ziel,  tsth  zielen,  i  >►  ü 
vor  l  -|-  Kons,  in  I  s.  §  91. 

b)  ausnahmslos  vor  n  (+  Kons.):  rinn  m.  Ring,  rinn  (ahd. 
ringi)  leicht,  dinn  Ding,  finnar  Finger,  sinn^  singen,  sprinnd 
springen,  tsivinnj  zwingen,  rinlid  Schnalle,  fsinJtj  Zinken,  finkx 
Fink,  winl-xd  Winkel,  trinhxd  trinken,  icinhxj  winken,  usw. 

c)  in  einigen  Fällen  vor  n  {-\-  Kons.)  (vgl.  §  61a):  lind  (ahd. 
lindi)  lind,  klindi  f.  Glimpf  (T.  224b),  liswind  geschwind  (echter 
mundartlich  dafür  icädli(g),  tifi(g)),  sirindd  Schwindel,  swindh 
schwindeln,  glintsdo  glänzen,  Jcxicintli  Quintchen  (T.  119  a),  ivints 
klein,  winzig  (T.  449  a),  pfhini(g)  finnig  (T.  40b),  sinnd  sinnen, 
spinnd  spinnen,  imu  innen,  i  in;  mit  Dehnung  st  Sinn,  splni 
(s.  §  102).     Zu  ,Kinn'  s.  §  91  b. 

d)  vor  m  (-{-  Kons.)  außer  in  den  §  61b  und  c  angeführten 
Fällen :  stimm  Stimme,  Jmmnol  Himmel,  ivimmld  und  wimsh  wim- 
meln, swimmd  schwimmen,  gliiiipf  (mhd.  gelimpf)  Schnürnadel, 
limpfi(g)  weich,  tsimpfjr  zimpferlich  (s.  T.  458a),  iitijjß  impfen, 
simpfd  schimpfen,  gimpfd  kippen  (s.  T.  221b;  das  dort  damit 
zusammengestellte  gempfj  hat  Umlaut  von  «;  vgl.  Id.  II  320), 
sims  m.  Sims,  rimso-ramsa  kauderwelschen  (s.  T.  363  b),  auch  imp)r 
Ingwer  (s.  §  30,  3);  mit  Dehnung  tninid  m.  (ahd.  imbi)  Bienen- 
schwarm; mit  Rundung  sümnid  Schimmel. 

§  64.  Vor  den  übrigen  Konsonanten  ist  i  auf  dem  ganzen 
Gebiete  erhalten  (vgl.  §  62): 

a)  vor  ableitendem  -d,  in  K  -d  (ahd.  -il),  -Id  (ahd.  -ila,  -ilön): 
xittd  Kittel;  risdm.  gerieseltes  Pferd,  auch  Ziege,  Jcrisjld  gerieselt; 
tswisdl  spitzige  Rute,  tswisdlo  blinzeln  (mit  den  Augen);  ^sdl  Spitze 
von  Zweigen,  fisdld  kritzeln  (beim  Schreiben);  rispdl  m.  (s.  T.  365a) 
und  risph  mischen ;  gispdli  n.  lebhaftes  Kind  (s.  Id.  11  482) ;  swibdl 
drehbarer  Handgriff  (s.  T.  403  b),  rihd  Scheuerwisch  (s.  Id.  VI  48  f.), 

Vetsch,  Appenzeller  Jlundarten.  5 


\ » 


—     66     — 

nih)l  Hängemaiil,  (lipfd  Gipfel,  tsipfd  Zipfel,  xifdl  Kiefer,  snifdl 
Schnitzel,  rUpl  Riegel,  i<jal  Igel,  siyd  Siegel,  hihxdl  Pickel,  stikxd 
Stützpfahl  (T.  408  b),  ^dr6^Z  Wirbel,  swirhd  Handgriff  am  Sensen- 
stiele; tistl)  f.  (ahd.  distila)  Distel,  sixh  f.  (ahd.  sihhila)  Sichel; 
nissh  necken  (s,  T.  334  a;  Id.  IV  815),  missU  mischen,  wifla  fein 
vernähen  (s.  T.  448  a);  ferner  noch  nikkäh  mit  Kleinigkeiten  necken 
(T.  334a),  hrikkdh  unverständlich  reden  (T.  77b). 

b)  vor  ableitendem  rdr:  kfiddr  Gefieder,  sjyidara  (vgl.  mhd. 
spi(lcl)  Splitter,  kivittor  (ahd.  giwitiri)  Gewitter,  (jittdr  Gitter  (vgl. 
zur  Etym. :  Zeitschrift  des  AUg.  deutschen  Sprachvereins  1906, 
175),  pfUtfara  f.  Durchfall  (T.  47  a),  faxnittdrd  zerknittern,  pfnittdra 
unterdrückt  lachen,  ßsparj  flispern,  hihara,  hippara  heben  (T.  51a), 
fatsippara  aus  der  Haut  fahren,  xlippara  kleben  (T.  108  b),  slifara 
gleiten  (auf  dem  Eise),  kligar  Lager,  Bett,  tsigar  Zieger,  sixar  sicher. 

c)  in  den  Substantiven  hits  Hitze,  wits  Witz,  xitsi  n.  (ahd. 
kizzhi)  Zicklein,  hltski  n.  Kerngehäuse  des  Obstes  (s.  Id.  lY  2038), 
niss  f.  Lausei,  fiss  Fisch,  tiss  Tisch,  UM  List,  xista  f.  Kiste,  pfistarz 
Pfisterei,  Bäckerei,  hiUa  Bibel,  rip  n.  Rippe,  gift  n.  Gift,  pfiff i  (ahd. 
pfiffig)  Pips  (vgl.  Id.  V  1087/8),  tikx  dicht,  dick,  stixx  m.  Stich, 
gut  n.  Gicht,  krixt  Gericht,  kwixt  Gewicht,  ksixt  Gesicht,  ksixt 
Geschichte,  Jiirt  m.  Hirte,  hirts  m.  (veraltet  und  durch  hirss 
ersetzt)  Hirsch,  Jiirni  Gehirn.     S.  noch  e. 

d)  in  den  Adj.,  Pron.  usw.  friss  frisch,  siba  sieben,  mi,  dl 
(bezw.  mit  Dehnung)  mich,  dich,  in  der  Konj.  bis  bis,  in  Adj. 
auf  -i(g),  zB.  snitsi(g)  leicht  zu  schneiden,  tif'i(g)  schnell,  behende, 
ivixü(g)  wichtig. 

e)  in  den  Verben  hitta  bitten,  hlitsa  blitzen,  hitska  schluchzen, 
slitsa  schlitzen,  sivitsa  schwitzen,  snifsa  schnitzen,  fitsa  fitzen, 
glitsa  schimmern,  glänzen,  Usma  (mhd.  lismen)  stricken,  slipf'a 
gleite*,  rutschen,  niffa  stechen,  stoßen  (mit  den  Hörnern),  likka 
liegen,  hikxa  picken,  stikxa  sticken,  flikxa  flicken,  sikxd  schicken, 
äpikxa  spicken,  hlikxa  scheel  sehen,  tswikxa  zmcken,  rikxa  schleifen, 
aräivikxa  noch  mit  einem  Blick  erhasche»^  rlxta  richten,  slixfa 
schlichten. 

Ebenso  in  den  zugehörigen  Maskulinen  blits  Blitz,  sUts  Schlitz, 
Snits  Schnitz,  ßs  Schlag  mit  der  Peitsche,  hipp  Stoß,  Schlag  (vgl. 
Id.  II  1480),  sUpf  Erdrutsch,  niff  Stoß  (T.  334a),  bikx  Pick,   sikx 


—     67     — 

Handel,  hlilxX  Blick,  rilix  Schleife  (T.  362a),  strikx  Strick,   swikx 
Augenblick,  tsilxx  Beigeschmack,  usw. 

f)  im  Sg.  Präs.  des  Verb,  subst.:  hi  bin,  hist,  ist. 

g)  in  Lockrufen  und  Ähnlichem :  hi  hi  Lockruf  an  die  Hühner, 
daher  hihi,  hihali,  auch  hideli,  dideli  n.  in  der  Kindersprache  für 
,Huhn';  tsitsi  Lockruf  an  die  Katze,  tsitsdli  n.  Katze;  tsigitsigi 
Ruf,  mit  dem  man  Jemand  höhnt  oder  aufzieht,  daher  tsig9 
foppen,  aufziehen  mit  Etwas,  auch  gigi,  giJcs  in  gleicher  Bed. 
(T.  220b);  hisst,  u/sst,  auch  icisäf  Zuruf  an  die  Pferde,  wenn  sie 
na,ch, links  sollen. 

■•Zur  allgemeinern  Senkung  auf  dem  Gebiete  außer  K  ist  zu  vergleichen, 
was  §  7  bemerkt  ist:  die  weiter  nach  hinten  liegende  Artikulationsbasis  und 
die  geringere  Artikülationsenergie  sind  der  Senkung  günstig.  Auf  Einfluß  des 
folgenden  Konsonanten  läßt  sich  zurückführen  die  ausnahmslose  Erhaltung 
von  i  vor  l  und  7j  und  die  Senkung  auch  in  K  (wo  dies  der  einzige  Fall  ist) 
vor  n  (vgl.  §  95).  Wo  vor  dem  selben  Konsonanten  i  bald  gesenkt,  bald 
erhalten  ist  (vgl.  die  Beispiele  in  §  62  mit  denen  in  §  64),  bleibt  zur  Erklärung 
der  Einfluß  des  Vokals  der  Folgesilbe,  indem  (wie  beim  Wandel  von  urgerm. 
i  >  e)  Vokale  tiefer  Zungenstellung  (a,  e,  o)  senkend,  Vokale  hoher  Zungen- 
stellung (i,  w,  ü)  erhaltend  auf  das  i  der  Stammsilbe  wirkten;  vgl.  dazu 
J.  Müller  ,Die  Senkung  der  kurzen  i  in  den  ripuarischen  und  mittelfränkischen 
Mundarten'  in  ZfhM.  V  (1904)  S.  353/367,  und  W.  Hom  ,Die  Senkung  des  i 
vor  i,  j  im  Hessischen'  in  ZfhM.  VI  (1905)  S.  103/9.  Allein  eine  Reihe  von 
Fällen,  in  denen  auch  nicht  analogische  Einwirkung  angenommen  werden 
kann,  stimmt  damit  nicht  überein.  und  von  einer  Anordnung  des  Materials 
rein  nach  diesem  Gesichtspunkte  mußte  daher  Umgang  genommen  werden. 

i  >  19  vor  X  s.  §  92. 
i  >»  id,  h  vor  r  s.  §  94. 
Rundung  s.  §  9L 
Dehnung  s.  §§  97  ff. 

Mhd.  o. 

§  65.  Es  ist  ZHm  Teil  erhalten  als  geschlossenes  o,  in 
weitem  Umfange  aber  geöffnet  zu  d.  Durchgeführt  ist  9  in  den 
Part.  Prät.  der  starken  Verben,  außer  vor  l  {-{-  Kons.)  in  den 
unter  1  b  a  und  ß  erwähnten  Gebieten. 

1.  0  steht  a)  auf  dem  ganzen  Gebiete: 

a.  vor  h,  f,  ff:  grob  grob,  ohd  oben,  xlohd  Kloben,  ops  (mhd. 
ohes)  Obst,  tohdl  Tobel,  Jiohdl  Hobel;  ofd  Ofen,  srofd  (mhd.  schrove) 
Fels,  offü  offen,  hoffs  hoffen,  stoff  Stoff,   stoffdl  tölpischer  Mensch; 


—     68     — 

doch  in  den  Part.  Prät. :  kivobj  gewoben,  ksoha  geschoben,  kahh^ 
zu  xliibj  kneifen;  tröffe)  getroffen,  kshff.)  geschloffen,  kl^ff^  gelaufen, 
ksoffj  gesoffen. 

ß.  in  vereinzelten  Fällen:  o(hr  oder,  f'ofjd  Vogel,  fort  fort, 
farm  Form  (vgl.  T.  202  b),  hot  Zuruf  ^n  die  Pferde,  dazu  Jwtt^ 
(s.  T.  270  b).  0  in  hrosnu  ,Brosame'  ist  vielleicht  gekürzt  aus  ö 
(vgl.  Id.  V  805). 

b)  nur  auf  einem  Teil  des  Gebietes: 

a.  vor  einfachem  l  auf  dem  ganzen  Gebiete  außer  Her.:  s.  §  93. 

ß.  vor  Z- Verbindung  in  M2  V:  s.  §  93. 

y.  nach  Nasal  in  I:  s.  §  95. 

0.  in  fokt  (ahd.  fogat)  ,Vogt'  in  H  I  Mi. 

2;  Sonst  steht  o,  zB.  vor  p,pf:  sjppj  schoppen,  topht  doppelt, 
xopf  Kopf,  xlopfj  klopfen,  tropf 9  Tropfen,  —  vor  d,  t,  ts:  hoda 
Boden,  rodd  Rodel,  sodh  schütteln;  pot  Bote,  ksotta  gesotten, 
tsottdl  m.  Zottel,  Quaste ;  stotsj  Stumpf,  Klotz,  sprotsa  Leitersprosse, 
xotso  sich  erbrechen,  —  vor  s,  ss,  st:  los,)  hören,  ]i,osd  Hose,  brosU 
dicker  Mensch,  ross  Roß;  xosta  kosten,  ■ —  vor  g,  kx,  x,  h:  bog» 
Bogen,  klogo  gelogen,  tsogo  gezogen;  rokx  Rock,  lokxa  locken, 
proxxo  gebrochen,  xoxxa  kochen,  oxs  Ochs,  kflo(li)a  geflohen,  auch 
in  no  noch,  —  vor  r:  bora  bohren,  snora  Maul,  liorn  Hörn,  fora 
(mhd.  vorJie)  Föhre,  forxt  (mhd.  vorlite)  Furcht;  mit  Dehnung  wörga 
würgen,  störx  Storch. 

3.  In  iviixxa  ,Woche'  kxnubh  (mhd.  klobelouch,  knobelouclt) 
,Knoblauch'  in  K  (gegenüber  ivoxxa,  xnobli  auf  dem  übrigen  Ge- 
biete), ist  sekundär  Erhöhung  eingetreten.  Auf  dem  ganzen 
Gebiete  ist  dies  der  Fall  in  Imnn  (ahd.  lionag,  honang)  Honig 
(vgl.  §  67  a  a). 

4.  0  >»  M9  in  I  wusU  ,wohl'  als  Bejahung,  Beteuerung  (vgL 
woid  §  89,  2)  geht  auf  Einfluß  des  w  zurück.  Auch  außerhalb  I 
hört  man  etwa  ivudtst  neben  wotst  ^villst. 

0  ^  ua  vor  r  s.  §  94. 
-ol  >»  -Olli  s.  §  89. 
Dehnung  s.  §§  97  ff. 

Mhd.  ö. 

§  66.  Die  Vertretung  entspricht  vollständig  derjenigen  von 
mhd.  o.  Beispiele  für  ö  sind  gröbli(g)  {zu  grob)  Grobian,  töbah  kleines 


—     69     — 

Toi^l,  fögah  Vögelchen,  dazu  noch  vor  ss:  röss  (mhd.  rösche)  rasch, 
frisch,  fröss  (in  den  Sg.  gedrungener  PI.)  Frosch.  Bemerkenswert 
ist  cfötti  (vgl.  §  89,  3)  Pate  (neben  gottd  Patin). 

Beispiele  für  j  sind  spöth  spotten,  fröstdh  frösteln,  liösi  scherz- 
hafte Bezeichnung  eines  kleinen  Knaben  (der  die  ersten  Hosen 
trägt),  högh  die  Wäsche  bügeln,  möga  mögen,  söxxh  das  Heu  in 
Haufen  zusammenlegen,  xlöhxld  klopfen ;  mit  Dehnung  tord  dürfen, 
gorpsd  rülpsen. 

-öl  >  -öfH  s.  §  89. 

Dehnung  s.  §§  97  ff. 

Mhd.  u. 

Die  Senkung  von  u  hat  in  viel  weiterem  Umfange  statt- 
gefunden als  diejenige  von  i.  Die  Senkung  geht  bis  zu  geschlos- 
senem 0,  nur  vor  labialem  und  dentalem  Nasal  (§  68b),  ferner 
in  H  I  Ml  vor  l  -f-  Kons.  (§  68  a  a)  bis  zu  offenem  o. 

r 

§  67.     ii  ist  bewahrt  a)  auf  dem  ganzen  Gebiete,?! 

a.  ausnahmslos  vor  v,  zB. :  spriwv  Sprung,  J«w»  jung,  Jiuwdr 
Hunger,  fsunvd  Zunge,  hsuvod  gesungen,  Tdimno  gelungen,  tuvkxdl 
dunkel,  hwkxa  (mhd.  tunken)  eintauchen,  triwkx9  getrunken ;  iwgllx 
ungleich,  iwhvä  ungewohnt,  ungern  ungern,  usw.  (vgl.  §  68);  hier- 
her gehören  auch  tummi  (zu  mhd.  tunge)'  Dünger,  tumnid  düngen, 
xnumnid  (zu  ahd.  klunga)  Garnknäuel'  (i  V),  nebßii  xlwmodld  in 
M  H  (s.  Id.  in  742),  jumpfdrj  (mhd.  juncfYouwe)  Jungfrau. 

ß.  in  vereiiizelten  Fällen :  xluppa  klemmen,  wozu  xlupp,  xluppdr, 
xluppdrU  (T.  110);  tsuph  flüchtig  nähen,  wozu  tsupJdri  f.;  suppd, 
tsuppa  m.  Haarschopf,  tsupp,w  Kuh  mit  _einem  Haarschopf,  Huhn 
mit  einem  Federschopf  (I);  suppdl  (nur  in  I  neben  -o-)  m.  Menge, 
Haufen  (T.  400b),  suph  sich  scharen;  puppdrli  in  der  Kindersprache 
für,  ,^e<4;chen' ;  xuts  xnts  ^\xi,  mit  dem  man  die  Katze  verscheucht, 
xutsimüsdrli  n,  eine  Apfelsorte;  (iif)huts9ld  ein  Kind  auf  den  Knieen 
aufwerfen ;  suddrd  sprudeln  (vom  Wasser) ;  siiddl  wirres,  ungekämmtes 
Haar;  hudd  Pudel,  pudldt  kraushaarig,  Imdh  stark  schneien;  liuss! 
Ausruf  zum  Ausdruck  des  Absehens ;  hus  Lockruf  für  Kälber,  biis(d)U 
Kälbchen;  snusd,  snush  an  Etwas  saugen  (von  Kindern),  snus(l)i 
Sauglappen;  xugld  f.  Kugel;  gugsl  Haushahn;  riigdl  Rolle,  tsämmd- 


—     70     — 

rugah  zusammenrollen;  (fiikl.)  Kuckuck  rufen,  guM^r  Kuckuck; 
(fiikkCrj  Dachfenster  (s.  Id.  II  401),  gnliS  Ruf  beim  Versteckspiel 
mit  einem  Kinde:  guliliaklj  auf  einem  Stuhle  auf  zwei  Beinen 
schaukeln  (I);  huh.)l,)r  m.  Uhu;  hurliä  m.  Ohrwurm  (H),  s.  Id.  II 
1607;  tctih  (ahd.  wiillhi)  wollen,  meist  auch  ivuh  Wolle  (nur 
selten  -o-). 

In  einigen  Fällen  liegt  vielleicht  aus  ü  gekürztes  u  vor. 

b)  nur  auf  einem  Teile  des  Gebietes: 

a.  In  K  mit  Ausnahme  von  uOb.  und  oOb.,  vor  r  (-f-  Kons.) 
auch  von  Heiden  (vgl.  §  68  c)  ist  n  bewahrt  in  allen  Fällen  außer 
den  §  68  a  und  b  angeführten. 

ß.  In  den  östlichen,  ans  Rheintal  angrenzenden  Teilen  von 
Walz.,  uOb.  und  Reute  ist  u  auch  bewahrt  vor  nip,  mpf:  lumps 
Lumpen,  stump3  Stumpen,  riimph  rumpeln,  trumpf  Trumpf  (beim 
Kartenspiel),  farmnpfj  zerknittern;  in  gumpd  ,herumhüpfen'  geht 
die  Erhaltung  des  u  weiter  westlich  über  ganz  V,  gegenüber 
häufigerm  gompa  auf  dem  übrigen  Gebiete,  und  pumpd  ,pumpen' 
gilt  auf  dem  ganzen  Gebiete.  ^ 

§  68.     u  ist  gesenkt  a)  auf  dem  ganzen  Gebiete: 

a.  vor  ^-Verbindung :  sold  Schuld,  goldi  (mhd.  giädln)  golden 
(doch  kann  hier  Einfluß  des  Subst.  gold  vorliegen),  sölts  (mhd. 
sulee)  Salzwasser,  polts  Puls,  pfolhj  (mhd.  pfiäive)  Bettkissen.  In 
K  kommen  die  «-Formen  noch  vor,  aber  weit  seltener.  In  H  I  Mi 
geht  die  Senkung  hier  bis  zu  o  (s.  §  93). 

ß.  in  glofd  (mhd.  glufe)  Stecknadel;   roß  (mhd.  rufe)   Schorf. 

y.  in  no  (ahd.  nu)  ,nun'  (s.  T.  334  b;  Id.  IV  630/1).  Damit  ist 
no  (mhd.  mm  aus  nimvan)  ,nur'  (s.  T.  334b;  Id.  IV  764/5)  zu- 
sammengefallen. 

b)  außer  vor  mp,  mpf  auf  dem  §  67  b  ß  erwähnten  kleinen  Gebiete 
zu  0  vor  7in,  mm  (bezw.  in  H  n,  m)  und  n,  m  -j-  Kons.,  zB.:  sonn 
Sonne,  hivonnj  (mhd.  gewunnen)  gewonnen,  hromid  Brunnen,  stond 
Stunde,  wonddr  Wunder,  pondj  gebunden,  montdr  munter,  spontd 
Spund,  bronts.y  brunzen,  in  I  ons  (mhd.  uns)  bis,  —  die  Beispiele  für 
uns  >•  5s  (ös)  s.  §  96  —  hmm  V,  hnd  I  (mhd.  lim)  Lünse,  sommdr 
(mhd.  sumer)  Sommer,  nomnu  (s.  Id.  IV  754)  nicht  mehr,  ksivommB 
(mhd.  geswummen)  geschwommen,  omm  (mhd.  um,  timbe)  um,  tomm 
(mhd.  ttimp)  dumm,   xjmmor  (mhd.  Jcumber)  Kummer,  tromndd  f« 


—     71     — 

(mhd.  trumbel)  Trommel,  tsonimsrs  (mlid.  zumhern)  trommeln  (I), 
hmpd,  stompd,  trompf,  usw.  (s.  §67bß). 

c)  in  allen  übrigen  Fällen  ^  o  auf  dem  ganzen  Gebiet  außer 
K,  doch  auch  in  uOb.  und  oOb,  vor  r  (-  Kons.)  auch  in  Heid. 
(vgl.  §  67  b  a). 

Aus  der  großen  Zahl  von  Beispielen  seien  angeführt:  vor  h, 
Pi  Pf^  ff'  stobj  Stube,  soppj  Suppe,  xnoppol  rundliche  Erhöhung, 
lopf  Lupf,  xopfdr  Kupfer,  soff  (mhd.  s«/')  Rausch,  loft  Luft. 
In  K  -wird  unterschieden  zwischen  Tcxtiopf  Kleiderknopf  (mhd.  loiopf)  und 
kxnupf  Knoten;  in  Ob.  bleiben  beide  ebenfalls  noch  getrennt  als  xnopf  und 
xnopf;  dagegen  auf  dem  übrigen  Gebiete  findet  sich  nur  die  eine  Form  für 
beide,  und  zwar  xnopf  im  angrenzenden  östlichen  Gebiete,  xnopf  in  I  (wo 
allerdings  nach  n  überhaupt  jedes  o  geschlossen  ist)  und  H.  topf:  K  tupf 
.Tupfen'  setzt  ein  mhd.  tupf  voraus.  —  vor  ^,  ^,  ts,  S,  s:  strodsl 
(mhd.  stnideT)  Zank,  sodJa  sudeln,  hlot  weich,  schlaff,  xoÜj  (mhd. 
l-ideln)  Kaidaunen,  tottj  (mhd.  tutf,))  weibliche  Brust,  smots  Schweine- 
fett, noss  Nuß,  hosh  scheuern  (s.  Id.  IV  1748),  poss  Büschel,  hst 
Lust,  bospjy  munter  (s.  Id.  IV  1777).  —  vor  g.  Je,  Jix  x:  log  m. 
(mhd.  lue)  Lüge,  hokl-J  Buckel,  roJcx  Ruck,  tsokxjr  Zucker,  sproxx 
Spruch,  troxxd  (mhd.  truchen)  trocken,  foxs  Fuchs,  soxt  Sucht.  — 
vor  r :  fora  Furche,  xorts  kurz,  ivorff  Wurf,  Storni  Sturm,  torn 
Turm;  mit  Dehnung  icörst  Wurst,  görgh  gurgeln. 

Wo  die  Präposition  ,un-'  nicht  vor  Guttural  steht  (vgl.  §  67  aa), 
lautet  sie  ö-  (in  K  «>),  zB.  ösüh,)r  unsauber,  in  moralischer  Be- 
ziehung, öleiji(g)  unbequem,  usw. 

u  >-  na,  ud  vor  r  s.  §  94. 

Dehnung  von  o  (o)  <C  u  s.  §§  97  flF. 

§•69.  Der  Umlaut  von  u  ist  im  Obd.  zum  großen  Teile 
unterblieben  (vgl.  dazu  K.  v.  Bahder  .Grundlagen  des  neuhoch- 
deutschen Lautsystems'  S.  199  S.):  vor  Ä*,  Jix,  x:  hroJc  Brücke, 
moJc  Mücke,  roMs  Rücken,  loTilij  Lücke,  loli  (mhd.  liigge)  locker, 
tsroh  zurück,  stokx  Stück,  xrokxa  Krücke,  slohxa  schlucken,  trolwa 
drücken,  fsolcxa  zucken,  jol~xj  jucken,  rokxj  rücken  (wozu  auch 
rotsj  <C  *ruckezen),  xoxxi  Küche,  —  vor  t,  ts,  U:  botta  Bütte, 
nots  nütze,  botsa  putzen,  Mostj  gelüsten,  —  vor  pf:  lopfa  heben, 
lüpfen,  stopf a  stupfen,  ropfa  rupfen,  stropfa  strupfen,  sopfa  schupfen, 
—  vor  Liquida  -h  Kons.:  bordi  Bürde,  mör  (ahd.  murwi)  mürbe, 
solts  (ahd.  suha  -<  "^sidtjo)  Salzwasser,  soldi(g)  (ahd.  sciddig)  schuldig. 


—     72     — 

ici(Ii((/)  (mild,  intirtn)  wollen;  neben  goIdi((/)  {mhd.  giddm)  ,golden' 
kommt  seltener  auch  f/öld((g)  vor,  —  vorNasal-j-  Kons.:  timhx.) 
dünken,  xnummlig  (in  I  neben  .rninnmd;  s.  §  67  a  a),  omm  (ahd. 
umJn)  um. 

Doch  ist  in  vielen  Fällen  der  Umlaut  vor  diesen  Lauten  analogisch  ein- 
getreten. 

Mhd.  ü. 

4§  70.  Die  Vertretung  ist  (auch  nach  den  Gebieten)  ganz 
analog  derjenigen  von  mhd.  ii,  mit  der  einzigen  Ausnahme,  daß 
ü  vor  l  und  /-Verbindung  in  K  durchaus  erhalten  ist  (da- 
gegen ö  auf  dem  übrigen  Gebiete,  bezw.  ü  in  _  I) :  miÜi  Mühle, 
midi»-  Müller,  /-////  n.  Füllen,  (jnll>  f.  (mhd.  (inUe)  Jauche,  lülh 
an  etwas  saugen,  von  Kindern;  hnJts,)  (mhd.  Iml'se)  Kartoffelschalen; 
in  hiÜpd  ,hülpen,  hinken'  ist  ü  auch  außerhalb  K  bewahrt. 

1.  Beispiele  für  erhaltenes  ü  (vgl.  §  67)  auf  dem  ganzen  Ge- 
biete: jüttnlj  Junge  werfen,  tiwkxli  Brotsc'hnittchen  in  der  Suppe; 
ferner  hü,  liiisst,  liiisst  Zuruf  an  die  Pferde,  dazu  hilssta;  xütsd,)  (ahd. 
hiizzilön)  kitzeln;  güga(r)hr  m,  Haushahn;  mertsjsprügali  Sommer- 
flecken, l~sprng,)J,H  gesprenkelt;  jnintd  m.  Bündel  (zB.  Kleider). 

2.  Beispiele  für  Senkung: 

a)  vor  labialem  und  dentalem  Nasal  ^  ö  (entsprechend  §  68  b) : 
törin  dünn,  sönd  Sünde,  fjxönd,)  ve^ünden,  tsönd,)  (mhd.  mnden) 
leuchten,  trömmjl  Schwindel,  tröniml)  schwindeln  (s.  T.  155  b), 
hrömpdl     (mhd.  gerümpel)  Plunder. 

In  diesem  letzten  Beispiele  ist  Avie  auch  in  strumpf  usw.  ü 
auf  dem  kleinen  §  67  bß  bezeichneten  Gebiete  erhalten. 

In  K  fnnd  ,Freund',  gegenüber  fründ  auf  dem  übrigen 
Gebiete,  hat  auch  ü  <.  mhd.  m  den  Wandel  mitgemacht. 

Vor  einfachem  Nasal  steht  ö  auch  in  K  in  böni  (zu  mhd. 
biinc)  Heudiele. 

Eine  bunte  Vertretung  hat  mhd.  kümin  , Kümmel':  xümi,  Seltener  xömi  in 
Hl ;  auf  dem  übrigen  Gebiete  mußte  aus  *kümmi  (mit  Geminata)  werden  xömmi. 
Diese  Form  gilt  aber  nur  in  oOb. ;  auf  dem  übrigen  Gebiete  heißt  es  xemmt 
bezw.  xctnmi,  übereinstimmend  mit  der  lautgesetzlichen  Form  für  , Kamin' 
(s.  §48f).  Anlehnung  an  dieses  Wort  ist  umso  wahrscheinlicher,  als  auch 
in  oOl).  umgekehrt  die  Form  für  , Kamin'  xommi  lautet.  Dies  könnte  aller- 
dings lautgesetzlich  sein  (vgl.  §91),  dagegen  ömm  ^  emm  nicht. 

Den  Formen  xüdv  (mhd.  künic,  kirne)  .König'  (doch  nur  noch  für  den 
artenkönig  und  zum  Teil  die  Bieneakönigin)  und  xüuuah  (mhd.  künicUn  künglin) 


—     73     — 

.Kaninchen'  in  H  (außer  Hiindw.  und  Stein)  entspricht  auf  dem  übrigen  Ge- 
biete x'i)yD,  xöwjdli]  der  Wandel  von  ü  >  ä  muß  hier  stattgefunden  haben,  als 
der  Nasal  noch  dental  gesprochen  wurde.  Ganz  gleich  in  m'iiix  (mhd.  münech, 
vninch)  ,Mönch'. 

b)  >-  ö  (entsprechend  §  68  c):  xöh)l  Kübel,  xnö2)f9  knüpfen, 
löftc  lüften;  göcl^l  Jaucbe,  :vöt  (mhd.  l'üt)  Kitt,  )i(%s,y  nützen,  xössi 
(mhd.  Missen)  Kissen,  sössJj  Schüssel,  pössjJi  Reisigbündel,  gross 
(mhd.  grüsch)  Kleie,  xnösta  (mhd.  kniisten)  zerklopfen:  //ö^a/  Flügel, 
brögi  Heuboden  (s.  Id.  V  528),  tröxxnd  trocknen;  fsörnj  zürnen; 
mit  Dehnung  tör  Türe,  Ört9  Ürte,  worgd  würgen. 

ü  >  ü9  vor  X  s.  §  92. 

ü  >»  iie,  ü9  vor  r  s.  §  94. 

Dehnung  von  ö  (5)  •<  ü  s.  §§  97  fiP. 

Mhd.  rt. 

§  71.  1.  AuL^er  vor  und  nach  Nasal  entspricht  ihm  auf 
dem  ganzen  Gebiete  3,  zB.  jö  ja,  ohjr  (mhd.  aber)  schneefrei,  gröpQ 
(mhd.  gräpen)  greifen,  xJoftjr  Klafter,  ößod  m.  Unpat  (als  Schimpf- 
name), 5djr,i  Ader,  spot  spät,  ösjr  (mhd.  dser)  Schultasche  (siehe 
T.  355  a),  bl5st  Blast,  blogä  plagen,  köJck,)  Haken,  brDxmondt  (mhd. 
brächmänet)  Juni,  hör  Haar,  ivor  wahr,  ströl  Blitzstrahl. 

2.  Vor  Nasal  >  5  in  Y  M2.  >  ö  in  H  I  Mi,  nach  Nasal 
>-  ö  in  I,  sonoJ'j:  s.  §  95. 

Mhd.  äne,  daräne  ,ohne'  heißt  auf  dem  ganzen  Gebiete  öni,  drö,  in  K 
vorwiegend  üni,  drü. 

In  tsönim  (mhd.  zam)  ,zahm'  in  H  (vgl.  §  34)  hat  auch  sekundär  ge- 
dehntes a  den  Wandel  mitgemacht. 

Kürzung  s.  §§  106  ff. 

§  72.  In  der  Vertretung  von  mhd.  inlautendem  -äw-  teilt 
sich  das  Gebiet,  indem  in  H  I  Mi  intervokalisches  ir  >»  b  wurde ; 
so  haben  -svir  hier  bl3b  (mhd.  bid,  -iver)  blau  (mit  Verallgemeinerung 
der  Inlautform),  blobd  blau  werden,  bl3b,:f  blau  machen,  blobali  Blau- 
meise; grob  (mhd.  grd,  -irer)  grau,  gröba  grau  werden,  grobäh  nach 
Schimmel  riechen.  In  V  M2  dagegen  wird  -äw-  >-  -omv- :  blonic, 
blömvd,  bVoüiVr),  bVoüivoli;  grou,  gröiticj,  gronicdh,  dazu  in  K  DHg9~ 
bromvd  Augenbraue  (auf  dem  übrigen  Gebiete  ougdbromm,  bezw. 
-brömm;  vgl.  Id.  V  1030/1). 


^ 


—     74     — 


Uöh,  (/röh  usw.  ist  jedoch  heute  nur  noch  in  I  allgemein  ge- 
bräuchlich, in  H  und  Mi  nur  noch  bei  altern  Leuten;  die  Jüngern 
sagen  Nouw,  grDiiw,  blöüwj,  usw.  Nur  diese  Formen  zeigen  buw 
(mhd.  la,  -wer)  ,lauwarm'  und  auch  pfouw  (mhd.  pfäive)  ,Pfau', 
die  in  V  Mg  regelrecht  lömv,  pföuiv  lauteii.  Das  selbe  Vokalver- 
hältnis bestellt  in  hnouw  :  hnouw  ,genau'  (vgl.  Id.  IV  879)  und 
^Jomv  :  slönw  , schlau'. 

Mhd.  ce, 

§  73.  1.  Der  Umlaut  von  «  stimmt  qualitativ  mit  dem 
Sekundärumlaut  überein  (vgl.  §  47),  d.  h.  er  ist  ä  auf  dem  Groß- 
teil des  Gebietes,  e  in  zwei  kleinen  Randgebieten  gegen  das  Rheintal 
hin  (Lutz,  und  uOb.):  räbj  weiße  Rübe,  gächr  {zu  mhd.  äder,  siehe 
Id.  I  89)  rieischsehne,  tcH  täte,  Jcstät  (mhd.  stcete)  langsam,  fdstätd 
beim  Nähen  den  Faden  festmachen,  öfläü(g)  unflätig,  ätsd  ätzen 
(bei  den  Vögeln),  rätsol  Rätsel,  xrätsd  f.  geflochtener  Rücken- 
korb (s.  Id.  III  926),  xäs  Käse,  häss  n.  (mhd.  hceze)  Kleid,  äss 
äße,  frässi(g)  freßlustig,  räss  (mhd.  r(B£e)  scharf,  tsäx  zähe,  gax 
(mh^.- grehe)  steil,  iväx  (mh.d.jv(B]ir)  schön,  gut,  räxoh  (zu  mhd. 
rahe)  ranzig  sein,  säxo  scheel  blicken,  säx  sähe,  hräxt  brächte, 
swär  schwel^,  lar  leer,  mr  Schere,  xMiri  Stärke  (zu  mhd.  Mär,  das 
in  der  MA.  nur  in  der  Verbindung  här  xlor  i9  ',clas  lautere  Eis' 
vorkommt),  xlärs  Wäsche  "steifen,  ßmarj  in  Übeln  Ruf  bringen  (zu 
mhd.  näere),  ivär  wäre,  ivärh  wahrlich,  liäl  (mhd.  IicbU)  schlüpfrig. 

äy>  e  bezw.  e  vor  und  nach  Nasal  im  westlichen  Teile:  s.  §  95. 

In  , mähen,  säen,  drehen,  krähen,  wehen,  nähen,  bäh«i'  sind  im  Ale- 
mannischen die  j-Formen  (mhd.  niaejen,  saejen,  usw.)  zu  Grunde  zu  legen. 
Doch  stand  j  ursprünglich  nur  vor  folgendem  Vokal,  nicht  zB.  in  der  3.  Sg. 
Präs.  und  im  Ptc.  Prät. ;  auf  dem  einen  Teile  unseres  Gebietes  ist  nun  jene,  auf 
dem  andern  diese  Form  verallgemeinert.  In  V  M,  ferner  Her.  und  mit  Schwanken 
in  Schwellbr.  heißt  es  mäijd,  3.  Sg.  Präs.  mäit,  Ptc.  kmäit,  und  entsprechend 
bei  säiJ9,  trnijd,  xruijd,  %cäiJ9,  näijd,  häijd,  auch  kwäiU  f.  .Schneewehe',  mäi- 
segas  ,Sense',  während  in  I  und  H  (außer  Her.)  med,  met,  lernet,  häd  usw., 
kwätd,  mesegds. 

2.  In  den  Fällen,  wo  das  umgelautete  Wort  in  psychologischem 
Zusammenhange  blieb  mit  dem  unumgelauteten  Grundworte,  wurde 
nach  dem  Wandel  von  ä^  ö  eine  neue  5-Form  gebildet;  wir  haben 
es  also  hier  nicht  mit  einem  LautAvandel  zu  tun.     ZB.  Plurale 


—     75     — 

sof  Schafe,  rot  Räte,  pf'ol'  Pfähle,  obdd  Abende;  Diminutive 
strossli  Sträßchen,  lioMi  Häkchen,  ddsrh  Aderchen;  Kompara- 
tive und  Superlative  spottdr  später,  spotst  spätest;  verbale  und 
nominale  Ableitungen^  sJdfflj  schlafen,  sl3ffsn(g)  schläfrig,  hlosald 
blasen,  hsproxi(g)  gesprächig,  Mri(g)  behaart,  sivogjn  Schwägerin 
(neben  swögdr),  hmolt  Gemälde  (neben  niöh). 

In  einigen  Fällen  herrscht  Schwanken;  so  kommen  neben- 
einander vor  roti(g)  und  räü(g)  ,schlüssig'  (zu  rötd,  rot),  hokh  ,mit 
den  Fingern  häkeln'  in  V  gegenüber  MMj  auf  dem  übrigen  Gebiete, 
hoMi  neben  häJckd  (s.  T.  251). 

In  I  findet  sich  nöx  ,nahe'  mit  auffälligem  Umlaut  gegenüber  nox  auf 
dem  übrigen  Gebiete  (vgl.  Id.  IV  638  und  höx  §  77). 

Kürzung  s.  §§  106  ff. 

MM.  e. 

§  74.  Es  ist  als  geschlossenes  e  erhalten:  lerdr  Lehrer,  xerj 
kehren, "  hlera  (nur  in  H)  (mhd.  hUren)  weinen,  erst  erst,  er  Ehre, 
ser  (mhd.  ser)  wund,  nie  (mhd.  me,  mer)  mehr,  e  (mhd.  e,  er) 
eher,  her  in  der  Verbindung  lier  möga,  se  ,Meister  werden,  sein', 
ursprüngUch  identisch  mit  dem  Substantiv  her  (mhd.  herre)  ,Herr', 
das  jedoch  nur  noch  bei  alten  Leuten  lebt,  am  allgemeinsten 
noch  für  ,Pfarrer'  (das  von  Jüngern  ausschließlich  gebrauchte  her 
stammt  aus  der  Schriftsprache),  sei  Seele,  e  (mhd.'  e,  ewe)  Ehe, 
eh(g)  ewig,  xle  Klee,  se  See,  tswe  zwei,  sne  Schnee  (vgl.  §  89,  1 
Anm.  2),  sext  Wäsche,  sexta  in  der  Lauge  Avaschen.    • 

Kürzung  s.  §§  106  ff. 

Mhd.  i. 

§  75.  1.  Es  ist  erhalten  als  geschlossenes  f;  xzbd  (mhd. 
kiben)  tadeln,  wlh  Weib,  ibotanna  (zu  mh.  Iwe,  ihe)  Eibe,  stiff  steif, 
xidd  tönen  (zu  mhd.  ez  Mt;  s.  Id.  III  150),  tttal  eitel,  frltti(g) 
Freitag,  rtttdrd  f.  (mhd.  rtter)  Sieb,  zissli  (mhd.  ziselin)  Zeisig, 
tsisti(g)  (mhd.  sistac)  Dienstag,  ristd  Flachsreiste,  rlsd  (mhd.  rlsen) 
herabfallen,  hig  Beige,  stig  (mhd.  stic)  Bretterverschlag,  pfll  Pfeil, 
frtU(g)  freilich,  fjrd  feiern,  glrti(g)  (mhd.  gltic)  geizig,  limnid 
leimen,  ximwid  keimen,  mltid  (mhd.  steinen)  abnehmen,  Um(g) 
leinen,  sl  Schein. 


—     76     — 

2.  Außer  in  K  wird  es  >-  e  vor  im  Auslaut  geschwundenem 
Nasal  in  sf  (mhd.  shi)  sein,  Ixse  (mhd.  geshi)  gewesen,  dre  (mhd. 
dann)  darein. 

l  >►  /,>  vor  X  s.  §  92. 

Diphthongierung  s.  §  88. 

Kürzung  s.  §  106  ff. 

Mhd.  ö. 

i^  76.  1.  Es  ist  als  geschlossenes  ö  erhalten:  bröd  Brot, 
hiöd  (mhd.  (fcnote)  oft,  srött9  schroten,  tösd  tosen,  amhös  (mhd. 
anchuz)  Amboß,  hösivixt  Bösewicht,  lös  (mhd.  lose)  Mutterschwein, 
hlös  (mhd.  hloz)  nur,  stössa  stoßen,  tröMJd  (mhd.  dröschet)  Drossel, 
trörd  (mhd.  frören)  fließen,  flö(x)  Floh,  frö  froh. 

2.  Es  wird  >  ö  vor  Nasal  in  V  M2 :  s.  §  95.  Mhd.  ä  und  ö 
sind  daher  vor  Nasal  auf  dem  ganzen  Gebiete  zusammengefallen, 
in  H  I  Ml  in  ö,  in  V  M2  in  5. 

Kürzung  s.  §§  106  ff. 

Mhd.  o?. 

§  77.  1.  Es  ist  als  geschlossenes  0  erhalten:  hlÖd  blöde, 
Öd  (mhd.  (jede)  kraftlos  (von  Speisen),  födj  töten,  notti(g)  nötig, 
lött»  löten,  rÖts9  (Hanf)  rösten,  hos  böse,  stosd  Stößel,  lÖS9  lösen, 
xrös  Gekröse,  rösta  rösten,  trostd  trösten,  xol  (mhd.  hoele)  Kohl, 
froli(g)  fröhlich,  röra  Röhre,  störd  stören. 

Daß  der  Umlaut  in  höx  ,hoch'  auf  Einfluß  von  hoxdr  höxi  zurückzuführen 
sei  (vgl.  Id.  II  976),  ist  nicht  wahrscheinlich,  da  unumgelauteter  Positiv  zu 
umgelautetem  Komparativ  bezw.  Femininabstraktum  das  allgemeine  Verhältnis 
ist.  Es  liegt  eher  Verallgemeinerung  des  Umlautes  von  den  Kasus  aus  vor, 
wo  in  der  Endung  ursprünglich  ein  i  stand.    Vgl.  auch  mhd.  lenge  neben  lanc. 

Regelmäßigem  flöxd  ,flüchten,  in  Sicherheit  bringen'  und  tsöxd  ,ködern, 
locken'  (mhd.  vloehen,  zoehen)  in  H  I  Mi  entspricht  in  V  M2  flöüx9,  ts'6üX9; 
Einfluß  von  püx9  (mhd.  jötichen)  ,jagen'  ist  möglich,  zumal  umgekehrt  in  I 
für  dieses  joxd  vorkommt  (vgl.  Id.  I  1162;  fl5ug9  ist  der  MA.  fremd).  Doch 
vgl.  auch  §  89,  4. 

2.  Es  wird  >►  3  vor  Nasal  in  Y  M2 :  s.  §  95. 
Kü'rzung  s.  §  106  ff. 

Mhd.  Tl. 

§  78.  1 .  Es  ist  als  geschlossenes  fi  erhalten :  sühar  sauber, 
süffQ  saufen,  xrtid  Kraut,    stüdj  Staude,    ütfryr  (ahd.  lUar)  Euter, 


—     77     — 

las  Laus,  grüsj  grausen,  ekeln,  fjtstlsh  (zu  mhd.  erznsen)  ver- 
zausen, strüss  Strauß,  rnssj  rauschen,  xfwa  (zu  mhd.  l'Hch)  hauchen, 
stüxd  m.  (mhd.  stäche)  ganz  feine  Leinwand  (s.  T.  417  a),  jüxsa 
(mhd.  jucliesen)  jauchzen,  sfd  (mhd.  snT)  Säule,  fül  faul,  sUr  sauer, 
pur  (mhd.  gebüre)  Bauer,  Innj  Laune,  hrn  braun. 

2.  Der  Umlaut  ist  nicht  eingetreten  vor  m  (mit  sekundärer 
Kürzung)  simim^  (mhd.  schumen)  schäumen,  sxnmu  säumen,  rnmma 
räumen,  tummli(g)  (zu  ahd.  dümö)  m.  Daumen  (vgl.  §  90). 

Diphthongierung  s.  §  88. 

Kürzung  s.  §§  106  ff'. 

Mhd.  iu. 

§  79.     Es  erscheint  in  allen  Fällen  als  «: 

a)  als  Umlaut  von  mhd.  f<:  hüh  Beule,  xrüts  Kreuz,  mr 
(ahd.  sciira)  Scheune,  hüt  Häute,  lütto  läuten,  sniitsj,  siiftsJcj  (zu 
ahd.  süftön)  seufzen,  sühdrd  säubern,  gnlsi(g)  (zu  mhd.  grasen)  ekel- 
haft, fiUbruxi(g)  (zu  hrüxd)  viel  mangelnd. 

b)  für  ahd.  hi  (und  dessen  Umlaut)  entsprechend  den  all- 
gemein obd.  Verhältnissen  (vgl.  Braune  §  47) 

a.  vor  Labialen  und  Gutturalen,  ausgenommen  //  (doch  vgl. 
§  85);  grül)9  f.  Griebe,  Jfih  lieb,  tfiif  tief,  tfifol  Teufel  (s.  u.),  tsüg 
Zeug,  flüg  Fliege,  in  den  Inf.  (doch  vgl.  unten)  stühj  stieben,  xlühd 
kneifen,  klauben,  suhj  schieben  (vgl.  T.  400  b),  slüffo  schlüpfen,  fUiga 
fliegen,  lüg^  lügen,  trügd  trügen,  rüxa  rauchen,  xriixd  kriechen. 

ß.  vor  Dentalen  und  germ.  /*,  wenn  in  der  folgenden  Silbe  ein 
i  (j)  stand  (umgelautetes  iu):  stür  (ahd.  stiura,  Jo-Stamm)  Steuer, 
tür  (ahd.  tiuri)  teuer,  liit  (ahd.  liuti)  Leute,  nü  (ahd.  nimi,  flekt. 
niuni)  neun;  mit  Kürzung  ?'/^Y^' (ahd.  dinfisc)  deutsch,  —  oder  ein 
II :  kür  (ahd.  hiuru)  heuer;  mit  Kürzung  hüt  (ahd.  hiutu)  heute. 

Auch  im  Paradigma  der  Verben  der  2.  Kl.  auf  Dental  oder 
germ.  h  erscheint  ^7  lautgesetzHch  im  Sg.  Präs.  Ind.  und  Imp.*(zB. 
ahd.  hiiUu,  lÜKtis,  hiidif,  hiut  zu  hiotan  , bieten'),  infolge  Ausgleichung 
iedoch  auch  in  den  übrigen  Fonneu,  so  in  hütj  bieten,  südj  sieden, 
güss9  gießen,  süssa  schießen,  flüssa  fließen,  hiüssj  genießen,  pslüssd 
beschließen,  forlürj  verlieren,  frura  frieren;  mit  Kürzung  flü(h)9 
fliehen,  tsü(h)j  ziehen.  '/. 

y.  in  fründ  (ahd.  friimt)  Freund. 


—     78     — 

c)  auch  in  ffir  (ahd.  fiur,  ftnr)  Feuer. 

Auf  dem  Großteil  des  Gebietes  heißt  es  betont  nüd  und  nüd,  unbetont 
nüd  bezw.  M?<rf  (m\\di.  nimvet,  niut)  ,nicht'  (T.  338  a);  dagegen  gilt  in  K  und 
weniger  allgemein  auch  in  Schwellbr.,  Schön.,  Hundw.  dafür  nöd,  nöd,  indem 
die  in  unbetonter  Stellung  entwickelte  Form  nöd  verallgemeinert  wurde;  die 
Annahme  von  Senkung  des  ü  >  ö  in  Starktonstellung  wäre  nur  für  das  Gebiet 
außer  K  möglich. 

Auffallend  ist  tof9l  (ahd.  tiuval)  , Teufel'  in  I  gegenüber  tüfdl  auf  dem 
übrigen  Gebiete.  Eine  lautgesetzliche  Erklärung  scheint  allein  möglich  durch 
Annahme  einer  Form  tünfdl  mit  eingeschobenem  Nasal,  die  nach  §  96  tdf9l 
ergeben  hätte  (vgl.  dazu  Us  §  96).  ' 

Diphthongierung  s.  §  88. 
ü  >>  üj  vor  ^  s.  §  92. 
'  Kürzung  s.  §§  106  ff. 

Mhd.  ei. 

§  80.  1.  Auf  dem  ganzen  Gebiete  erscheint  dafür  einfache 
Länge,  auf  dem  Großteile  ä,  dagegen  in  K  mit  Ausnahme  des  Ge- 
bietes südlich  vom  Dorfe  Ob.  (im  Dorfe  selbst  herrscht  Schwanken) 
ä,  zB.  tsivä  zwei  (n.),  lad  Leid,  hrät  breit,  safräti  f.  (mhd.  schafreite) 
Küchenschrank,  lät^r<)  f.  Leiter,  rätsa  reizen,  gäss  f.  Geiß,  gäsh  f. 
(ahd.  geisala)  Peitsche,  gast  Geist,  säpfj  Seife,  gäßr  Geifer,  sträffd 
streifen,  ägj  eigen,  tag  Teig,  strax  Streich,  tsäxd  Zeichen,  Maxt 
(ahd.  glcih)  Gelenk,  fäl  feil,  tald  teilen.  Die  selben  Beispiele 
gelten  für  ä. 

Vor  und  nach  Nasal  erscheint  auf  einem  Teilgebiete  dafür 
e,  bezw.  e:  s.  §  95. 

Die  Formen  hontsd,  hndnts»  m.  {<^heinze;  s.  Id.  II 1477  8) , Holzgestell  zum 
Heutrocknen'  in  K  (s.  T.  273  b)  sind  aus  dem  angrenzenden  Rheiutal  entlehnt. 

Auch  auf  dem  f7-Gebiete  gelten  älf  (ahd.  einlif)  elf,  näbd,  nähdi%  nähds 
(xahA.neizican,  -ivä,  usw.)  irgendwo,  jemand,  etwas  (vgl.  T.  330a),  mänd  meinen, 
im  Ptc.  kmänt  (mänd,  kmänt  findet  sich  nur  in  Büriswilen  in  uOb.  an  der 
Grenze  gegen  Bernegg,  während  mani  ,Meinung'  neben  mäni  auch  im  übrigen 
K  vorkommt).  T.  erwähnt  (S.  XXXII)  auch,  daß  in  Walz,  ha  ,heim'  häufig 
sei ;  ^  sagt :  ,Der  Kurzenberger  findet  das  ä  nicht  wohllautend  und  nähert  sich 
hierin  immer  mehr  dem  Mittelländer.'  In  den  übrigen  Fällen  ist  jedoch  das 
ä  auf  dem  erwähnten  Gebiete  heute  noch  durchaus  bewahrt. 

Durch  Einfluß  der  Schriftsprache  ist  heute  der  Diphthong  bei  den 
Jüngern  allgemein  in  fleis  »Fleisch';  fläs  "bezw.  fläs  hört  man  nur  noch  von 
altern  Leuten,  allgemeiner  nur  noch  in  Gais.  Auch  für  mästar,  mästsr  bezw. 
mest^r  , Meister'  brauchen  die  Jüngern  meist  die  Schriftform;  häufiger  ist  noch 
mästdrlös  bezw.  -u- , wählerisch  im  Essen',  mäst^rs,  usw.  ,den  Meister  zeigen'. 


—     79     — 

Neben  nä,  bez\y.  na,  ne  ,nein'  kommt  überall  auch  tieij  (in  I  neij)  vor. 
Die  von  T.  (223  a)  nur  für  H  bezeugte  Form  IcleitiCg)  herrscht  heute  bei  den 
Jüngern  auf  dem  ganzen  Gebiete,  ebenso  tritt  lieih{g)  immer  allgemeiner  an 
die  Stelle  von  häh(g).  T.  gibt  (314  b)  für  H  auch  meiss9  f.  (ahd.  meissa)  jReff 
an;  in  I  gilt  dafür  mcss9,  nach  T.  auch  in  M  Stein.  Ausschließlich  gilt 
heute  reis9  ,reisen',  reis  , Reise'  (doch  in  K  noch  rässakx  ,Reisesack'),  ferner 
beid  (m.  f.),  beidi  (n.)  ,beide' ;  erst  aus  der  Schriftsprache  in  die  MA.  gedrungen 
sind  xreis  .Kreis'  (echt  mundartlich  ist  dafür  in  allen  Bedeutungen  riuu  ,Ring'), 
hxeissr  ,Kaiser',  xleid  , Kleid'  (mundartlich  häss,  hcand;  doch  s.  die  Form 
xlädh  bei  T.  220  b),  smeLxld  , schmeicheln',  tseixna  im  nhd.  Sinne  (dagegen  »n 
homm  ätsäjcnd  ,mit  einem  Zeichen  Ctsd-xdJ  versehen'),  tsweit  zweit  (vgl.  Kluge 
441),  fortsmeisd  ,wegschmeißen',  auch  mit  Rundung,  wie  in  Mü^h  , heischen' 
(s.  §  91);  entlehnt  sind  auch  heildcsl  f-kx-J  .heikel'  (vgl.  Id.  II  1118;  Kluge  168) 
und  fdsleikk?  (nach  T.  187  a  in  M)  ,ver3chleppen',  ferner  leid  in  der  Bedeutung 
,übel,  häßlich'  (s.  T.  297  a). 

Über  aualogischen  Umlaut  auf  dem  f7-Gebiete  s.  §  90. 

Kürzung  von  ä  bezw.  ä  s.  §§  107  flf. 

2.  Nur  im  Hiatus  ist  der  Diphthong  lautgesetzlich  erhalten,  und 
zAvar  sprechen  ältere  Leute  auf  dem  ganzen  Gebiete  ül,  während 
bei  den  Jüngern  ei  weitaus  häufiger  ist:  eipr  Eier  (heute  auch 
im  Sg.,  nur  selten  brauchen  alte  Leute  noch  a  für  den  Sg.  und 
den  PI.),  Dim.  eißrh  (nur  selten  noch  all)-,  tsiveip  Dat.  zu  tswa 
zwei,  tsiceijjr  n^.  2  Deziliter,  fsiceißrhij  zweierlei;  »leijj  (mhd.  meie) 
Mai;  heijj  (mhd.  heie)  Rammblock,  Ramme  in  K  (T.  279),  dazu  das 
Verb  heija  rammen;  leij  (mhd.  hi(e))  Art,  h}ji(g)  artig,  dienlich 
(vgl.  dazu  Kluge  243). 

Gegenüber  räij,),  reip  (mhd.  reie)  , Reihe'  in  H,  ferner  zerstreut 
in  Brüll.,  Grub,  Reute,  erscheint  auf  dem  übrigen  Gebiete  mit 
Langdiphthong  räija,  auch  xihräip  ,Kuhreihen'  (vgl.  Id^  VI  1/5). 

Die  Aussprache  ä  für  ,ei'  gilt  als  besonSere  Eigentümlichkeit  des  Appen- 
zellers.  Sie  ist  jedoch  nicht  ganz  beschränkt  auf  unser  Gebiet,  sondern  setzt 
sich  westlich  von  H  im  Toggenburg  fort  und  ^ödet  sich  wenigstens  vor  l  und 
erhaltenem  Nasal  auch  in  Gams  (wo  es  heißt  täh,  mänd,  aber  bräit,  häissd, 
usw.).  Schon  der  Dichter  der  , Badenfahrt  guter  Gesellen'  vom  Jahre  1526 
charakterisiert  die  Redeweise  des  auftretenden  Appenzellers  durch  an  für 
,ein',  wäss  für  ,weiß',  auch  ^chäss  (mhd.  scheiz);  s.  Bächtold,  ,Niklaus  Manuel' 
S.  408  und  vgl.  dazu  die  Einleitung  CCXIV. 

Das  Appenzeller  Landbuch  aus  dem  XV./XVI.  Jahrhundert  hat  fast  aus- 
nahmslos ,ai'  als  umgekehrte  Schreibung  für  etymologisches  ä,  sogar  häutig 
für  kurz  ä,  zB.  ,wair,  gaib,  saich,  kaim,  schwairlich,  naichst,  aimpt  (Emd), 
hindersaiß,  schmaichen'  und  ,schaitzen,  schaidigen,  taiglich,  baisinen  (bäsdna 
,Basen'),  naichten'  (also  gleich  wie  ,ain,  gaist,  schwaiß,  mainung,  zwaintzig',  usw'.). 


—     80     — 

Mhd.  ei  <^  agL 

§  81.  Ganz  entsprechend  der  Vertretung  von  altem  e/  mit 
der  gleichen  Gebietsverteilung  ist  diejenige  von  matl,  mäth  :  niätl, 
motu  bezw. -e-,  in  Imedl,  nicilli  ,Mädchen'  (vgl.  T.  309  a.  312  b). 

Dagegen  fehlt  die  «-Form  für  die  2.  und  3.  Sg.  und  das 
Ptc.  Prät.  von  , sagen,  tragen,  legen':  der  Diphthong  ist  hier  auf 
dem  ganzen  Gebiete  von  K  und  dazu  noch  in  Grub,  Reh.  bewahrt 
und  zwar  als  ei  in  Reh.,  Grub,  Heid.,  als  ei  auf  dem  übrigen 
Teile  von  K  (bei  den  Jüngern  dringt  auch  hier  ei  ein),  also  seist, 
seid,  Ixseiä,  freist,  treid,  treid,  leist,  leid,  Meid.  Auf  dem  übrigen 
Gebiete  (also  H  I  M  und  Wald)  gilt,  ^vie  für  altes  ei,  ausschließlich 
ä,  also  säst,  sad,  ksäd,  usw. 

Vgl.  zu  diesen  Verhältnissen  H.  Fischer  , Geographie  der  schwäbischen 
Mundart'  S.  46  ff.  und  Zwierzina  in  ZfdA.  44,  S.  345  ff. 

In  , Eidechse'  (ahd.  egiilehsa)  ist  der  erste  Teil  volksetymologisch  um- 
geformt (s.  T.  261  a). 

Mhd.  Oll. 

§  82.  1.  Es  ist  als  Diphthong  erhalten,  auf  dem  Großteil 
des  Gebietes  als  dh,  in  K  außer  Heid.  als  oii  (Avofür  jedoch  bei 
den  Jüngern  immer  mehr  du  eindringt):  bab  Laub,  tjuh  (mhd. 
toup)  erzürnt,  xouffd  kaufen,  touffj  taufen,  huffcf  laufen,  ätroiiff  n. 
,vohi  Dache  fließendes  Regen wasser'  (T.  16  b),  slouffd  f.  (mhd. 
sloufe)  Schlinge,  oug  Auge,  ouksts  Augustmonat,  lougj  Lauge, 
soug,)  säugen,  roux  Rauch,  <jonx  Blattwanze,  frouio  Frau,  ouw  f. 
(mhd.  outve)  in  I  H  Mutterschaf,  fürsduw  Feuerpolizei,  homva  hauen. 
Siehe  auch  §  72. 

Auf  ahd.  inlautendes  aw  (>>  omc)  geht  der  Diphthong  zurück 
in  romv  ,roh'  (ahd.  rö,  flekt.  rawer),  und  strouw  in  H  I  Mi  , Stroh' 
(ahd.  strö.  Gen.  straives),  indem  der  Nominativ  nach  den  flektierten 
Fonnen  ausgeglichen  wurde.  In  strö  in  M2  V  ist  die  Auslautsform 
des  Nominativs  bewahrt.     Vgl.  Braune  §  114,  Anm.  3. 

2.  Wandel  >►  ö,  5  (bezw.  0,  o).  In  Wolfh.  und  Walz,  ist  der 
Übergang  in  ö  häufig  in  den  angeführten  Fällen  vor  Labial  und 
Guttural,  also  töh,  xöffd,  söga,  usw.,  weiter  herum  in  K  in  höhdtd 
(zu  mhd.  houbet)  Kopfende  des  Bettes,  und  in  K  allgemein  in  ö 
,auch'  gegenüber  ouw  auf  dem  übrigen  Gebiete. 


—     81     — 

In  K  gilt  auch  Kxlös,  Samikxlös  St. Nikiaus  (vgl.  T.  105/6),  kxlösd  als 
St.  Nikiausmaske  herumziehen,  während  auf  dem  übrigen  Gebiete  xhus,  usw. 

Auch  bös^r  in  M  (nach  T.  72  a) , abgeschnittener  Federschweif  geht  wahr- 
scheinlich auf  housar  zurück  (s.  Id.  IV  1736). 

Auf  dem  ganzen  Gebiete  erscheint  o  in  globa  glauben,  glohd  m. 
Glauben,  drlobd  erlauben;  dagegen  nur  in  V  in  phoptd  behaupten, 
hoptdtd  und  lioppatd  (=  höbdtd),  liopt  in  der  Bedeutung  ,Stück  Vieh' 
(s.  T.  258  b),  gegenüber  phouttd  in  H  I  M,  houttdta  in  I,  hont  oder 
houd  in  H  I  M.  In  M  wdrd  heute  zum  Teil  unterschieden  zwischen 
phoptd  im  nhd.  Sinne  und  phoutta  bewältigen,  bemeistern  mögen 
(vgl.  Id.  II  1500). 

Vor  m  erscheint  außer  in  H  einfache  Länge,  und  zwar  (vgl. 
§  95)  ö  in  I  Ml,  5  in  Ms  V;  so  in  romm  (mhd.  roum)  Rahm,  ah- 
römma  (die  Milch)  entrahmen;  somm  Saum  (genähter  Rand),  sömnid 
säumen;  s5)m)i  (jetzt  fast  ausgestorben)  ein  Hohlmaß  (vgl.  T.  425a); 
gömmd  (mhd.  goumen)  das  Haus  hüten. 

Auf  dem  ganzen  Gebiete  erscheint  o  in  tromm  Traum,  trommd 
träumen;  homm  Baum,  auch  Sai-g,  homma  Särge  machen;  dagegen 
nur  in  H  auch  in  ramm,  abromma;  samm,  somma;  gamma. 

Mild.  all. 

§  83.  Die  Vertretung  entspricht  vollständig  derjenigen  von 
mhd.  OH.  Wie  die  dort  angeführten  Beispiele  zeigen,  ist  der  Umlaut 
unterblieben  vor  den  Labialen  iv,  f,  h,  m,  vor  Guttural  in  soiigd. 
Wo  in  diesen  Fällen  dennoch  Umlaut  erscheint,  ist  er  analogisch 
eingetreten.  Beispiele:  läühli,  bezw.  -öü-,  -Ö-  (mhd.  louhelhi)  Abtritt, 
fatäüha  (zu  mhd.  ertouhen)  erzürnen,  xöüffar  Käufer,  träüffara  (zu 
mhd.  troufen)  beim  Trinken  tropfen,  MoüffKg)  geläufig,  öüga  (mhd. 
öligen)  von  Kühen,  die  am  Scheidevorfall  leiden,  e-äiig  (ahd.  einougi) 
einäugig,  roiLca  räuchern,  zB.  Fleisch,  jäüxa  jagen  (in  I  jöxa;  vgl. 
§  77),  göükkalt  Ausgußschnabel  an  Gefäßen,  in  H  dafür  tsöüTdi  (zu 
mhd.  souke);  dann  sömmla,  bezw.  -3-,  -ä-  (s.  §  82,  2)  säumen,  itf- 
homma  aufblähen  (s.  T.  430  b). 

Auf  ahd.  ew  (durch  Umlaut  aus  aw)  geht  der  Diphthong 
zurück  in  fröüd  (ahd.  freivida)  Freude,  löihvana  (ahd.  lewina)  Lawine, 
auch  Jäüic  (ahd.  leivo)  Löwe;  in  häiiw  ,Heu'  und  gäiiiv  ,Gegend' 
(s.  T.  215  b)  hegt  der  Nom.  ahd.  hewi,  geivi  zu  Grunde,  und  fröiiiva 
freuen,  ströüiva  streuen  (wozu  sträüivi  f.  Stroh  zum  Streuen),  tröüiva 

Vetsch,  Appenzeller  Mundarten.  Ö 


—     82     — 

drohen,  höüivd  heuen,  töüwd  (I)  ,verdauen,  spez.  wiederkäuen,  von 
Kühen'  beruhen  auf  Übertragung  der  in  der  2.  und  3.  Sg.  Präs. 
(ahd.  j'renis,  frcicif)  entwickelten  Form. 

Übergang  in  Ö  hegt  vor  in  xröl  (ahd.  hrewü)  ,Karst',  xrÖld 
,kratzen'  in  V  gegenüber  xröül,  xröUlf)  auf  dem  übrigen  Gebiete, 
ferner  in  nöra  (<C  *nöinceren  s.  Id.  IV  880)  , schlummern'  in  K. 

§  84.  Die  Diphthonge  oi,  iii  kommen  nur  in  Ausrufen  vor: 
Jioij!  auch  Iwi  du!  Zuruf  an  eine  Person;  in  I  Ji-ois  ta  ta  ta!  Jioi 
tsotsotso!  Lockruf  an  die  Ziegen.  Dann  Juäj!  jnhuij!  als  Freuden- 
ruf, Ä^<^;9  jauchzen,  usw.  (s.  T.  279  a),  huilm  m.  lustiger  Kerl ;  auch 
im  Imij  im  Nu.  ^ 

Mhd.  ie. 

§  85.  1.  erhalten  als  Diphthong.  .'Es  entspricht  ahd.  io 
«  germ.  eii)  vor  Dental  und  germ.  h,  wenn  in  der  folgenden 
Silbe  ein  a,  e,  o  stand  (vgl.  §  79) :  sti9r  Stier,  üdr  Tier,  Ihd  Lied, 
ridd  Riet,  nidttd  nieten  (vgl.  Id.  IV  851),  nihs  Moos,  grids  Gries, 
dhnd  dienen,  didnst  Dienst,  Ihxt  Licht,  wohl  auch  in  hid(n)st 
Biestmilch  (vgl.  Kluge  43),  in  rhstdr  n.  in  K,  sonst  lidstdro  f. 
Schuhflick  (vgl.  Kluge  317),  und  in  pidr  Bier. 

Entgegen  der  Regel  (s.  §  79  b)  zeigen  ie  «  germ.  eu)  vor  Labial  und  Gut- 
tural sidhsr  Schieber  (am  Kamin);  lidh  lieb  (über  das  Verhältnis  zu  lüh  s. 
T.299a),  lidU  Liebe,  Uidh9  gefallen  (T.224a);  ridmmd  Riemen  (vgl.  Id.  VI  908); 
sidx  ,Siech'  (als  Fluch).  Es  handelt  sich  in  diesen  Fällen  wohl  um  nicht 
autochthone  Formen.  Doch  vgl.  Wilmanns  I  §  184,  auch  Schatz,  Die  Mundart 
von  Imst  S.  65. 

Aus  urdeutschem  e  ent\\ackelt  (vgl.  Braune  §  35/6,  Wilmanns  I 
§  189)  ist  der  Diphthong  in  mrd  Salzlecke  (s.  T.  318  b,  wo  noch 
die  veraltete  Bedeutung  Gabe,  Geschenk);  sidr  schier;  hi,)r  hier, 
doch  nur  vorkommend  in  hldri(g)  m.  ein  echter  Appenzellertanz ; 
xhholfs  Kienholz;  xri9g  Krieg;  iviogd  Wiege  (vgl.  Id.  VI  69,  Anm.  zu 
,Rieb');  dann  in  den  Lehnwörtern  tsidgol  Ziegel,  spidgol  Spiegel,  hrhf 
Brief,  t^ohor  Fieber,  xrlm  Kirsche  (vgl.  Kluge  206/7,  Id.  III  480). 

Der  Diphthong  findet  sich  ferner  in  -vr/y  (ahd.  hivio)  Avie; 
nid  (ahd.  neo,  n/o)  nie,  nijuj  (ahd.  nioner)  nirgends,  nidtnmdrt  (ahd. 
niotnan)  niemand,  ferner  in  flrr  vier  (ahd.  f'ior,  got.  fidivör). 

Unsicher  sind  si^kka  (zu  mhd.  schiec)  schief  gehen,  sprionts  f. 
Kokette  (T.  381a),  ätridh  herumstreifen,  5«3?r;  (Walz.)  Haarschuppen 


—     83     — 

(zu  fnhd.  schiel  abgesprungenes  oder  abgerissenes  Stück,  Splitter). 
siB)'f)  f.,  ls-sij)\)  , Stein-,  Eisscliiefer'  in  K  geht  wohl  auf  mhd. 
schivere  zurück. 

2.  in  K  >*  e  vor  Nasal:  lie  n.  hölzernes  Tragband  eines 
Eimers  (vgl.  ,Hienen'  Id.  II  1363/4),  lixeliolts  Kienholz,  reniuh) 
Riemen.  Bei  den  Jüngern  dringt  auch  hier  immer  häufiger  id 
ein,  und  nur  noch  von  ganz  alten  Leuten  kann  man  hören  nend 
, nirgends'  und  nei)n)idrt  , niemand'.  Allgemein  in  K  heißt  es  da- 
gegen clidna  dienen,  äiMst  Dienst  (vgl.  §  107). 

Mhd.  110. 

§  86.  .  1.  Es  ist  erhalten  als  Diphthong:  xiid  Kuh,  ru.ih^ 
ruhen,  Uiummj  Blume,  liijg.)  (mhd.  liiogcn)  schauen,  fu,)(i  f.  Fuge, 
fludxxj  fluchen,  Uiod  Blut,  fudchr  Fuder,  rnnjchr  (mhd.  muoder) 
Mieder,  frudtti{g)  (mhd.  vrnotlc)  frisch,  munter,  gnuts  Gruß,  iiiios 
Mus,  tni,)SSd  f.  (zu  mhd.  dnios)  Drüseiiverhärtung  am  Hals,  gru.md 
grün  werden,  tnj  tun,  spioh  spulen,  xioh  kühl  werden,  f )(())%) 
(ahd.  ftiorön)  nähren,  nahrhaft  sein,  /ni,)r  (mhd.  inior)  Damm  im 
Wasser.     •• 

Der  Umlaut  ist  unterblieben  vor  x  <C  germ.  k  in  sujxxj  suchen. 

Kürzung  s.  §§  107  ff. 

2.  in  K  >>  5  vor  Nasal:  grönj  grünen,  fö  tun;  hlömnu  ,Blume', 
heute  allgemeiner  nur  noch  in  JiöühlöDinij  ,Abfall  beim  Aufschütten 
des  Heus  im  Stalle',  während  für  das  einfache  Wort  meist  hliummd 
gesagt  wird. ' 

Mhd.  üe. 

§  87.  1.  als  Diphthong  erhalten:  (rii)  früh,  hrüa  Brühe,  üdhd 
üben,  rihhi(g)  ruhig,  triioh  trübe,  riunDiu  rühmen,  rüjffc)  rufen, 
miic)d  müde,  hlH,)ü^  bluten,  hiiatsj  nähen,  pmihs  Gemüse,  siloss  süß, 
ivüctst  (mhd.  ivüeste)  häßlich,  nibxtjr  nüchtern,  grüj  grün,  Jmdli 
Hühnchen,  spn,)h  spülen,  xüjJ  kühl,  ri'tjr,)  rühren. 

Auf  den  gleichen  Gebieten  wie  bei  ,mähen',  usw.  §  73  stehen  sich  gegen- 
über und  analog  zu  erklären  sind  hlüdija,  blüait,  plüdit  blühen,  blüht,  geblüht, 
und  blüd,  hlüat,  ptüdt,  und  entsprechend  hrüaijd  brühen  :  hrüa;  trüdija  ge- 
deihen, zunehmen  :  trüa;  glüdijd  glühen  :  glüa. 

mösa  neben  ina^sa  (mhd.  müezen)  ,müssen'  ist  die  in  unbetonter  Stellung 
entwickelte  und  dann  verallgemeinerte  Form. 

Kürzung  s.  §  108. 


—     84     — 

2.  in  K  >-  5  vor  Nasal :  gr3  grün,  MU  Hühnclien.  Nur  nocli 
in  Ob.  bei  alten  Leuten  (und  die  Oberegger  werden  damit  ver- 
spottet) kann  man  hören  rminu  rühmen. 

Zusammenfassende  Darstellungen. 

a^  Qualitative   Erscheinungen. 

Diplithongieruug. 

§  88.  Hiatusdiphthongierung  von  i,  ü,  ü  ist  eingetreten 
in  I M  V,  dagegen  unterblieben  in  H.  Die  neuen  Diphthonge 
<;  ü,  n  fallen  mit  den  alten  Diphthongen  (§§  82.  83)  zusammen^ 
d.  h.  es  gilt  DU,  öii  in  I  M  Vi  Heid.  und  eindringend  bei  den  Jüngern 
in  ganz  K,  ou,  öii  in  K  außer  Heid.  Der  neue  Diphthong  <;  ? 
ist  entsprechend  dort  ei,  hier  ei,  also  verschieden  vom  alten  ,ei' 
im  Hiatus,  wo  dafür  äi  gesprochen  wird  (vgl.  §  80).  In  H  ist 
die  Länge  im  Hiatus  nicht  immer  voll  bewahrt;  bei  schnellerm 
Sprechen  kann  sie  so  reduziert  sein,  daß  der  Laut  mit  dem  fol- 
genden d  einem  unechten  Diphthong  (ij,  uj,  üj)  gleichkommt. 

Beispiele:  meijj  bezw.  sneip,  snl)  schneien;  kxeiß  usw. 
(mhd.  (jelncn)  fallen,  verdrießen  (T.  98  b),  dazu  kxeiß(g),  in  H 
khidng  verdrießlich,  unangenehm;  xeiß  tönen  (s.  Id.  HI  149/50); 
tsiveip  (mhd.  zwien)  pfropfen ;  freipr  (Kompar.  zu  mhH.  vn)  besser 
(vgl.  T.  205  a),  dazu  das  Verb  freij^rs  besser  werden ;  n•eij^>•  Weiher, 
dreijdr  Dreideziliter  (in  H  schwindet  häufig  in  diesen  Fällen  vor 
r  das  d  fast  ganz,  und  man  hört  beinahe  nur  ein  gedehntes  i)\ 
seip  {mM.  schie)  Hagbrettchen  (T.  384  a);  heijjb  leicht  .schneien 
(zu  mhd.  hie  Biene),  doch  nur  im  Kinderreim  9S  sneijdht,  ds  peijdht 
usw.  (s.  Id.  IV  911);  höudfeiph  (M),  -floh  Goldlack  (zu  mhd.  viole); 
Teips,  Tvjs  Matthias;  Meips  (M),  Mus  Jeremias;  Leips  Elias; 
BeipU  (K)  Tobias  (T.  41a);  Mareipli  (auch  Mareih),  Märtdh,  in 
I  Meiplb  Dim.  zu  Marie  (I  Meip,  sonst  Märeij  oder  neuer  Märt), 
äfemareip  (I),  hoßmeip  (K)  der  englische  Gruß  (s.  T.  271b). 

homct,  bezw.  homcj,  hm  bauen,  ferner  ,Kot  lassen,  von  Kühen' 
(vgl.  u.);  tromcD  trauen;  souica  PI.  (zu  mhd.  su)  Schwein,  fdsomva 
beschmutzen. 

xöiiivj,  bezw.  xöüivd,  xih  (mhd.  kiuicen)  kauen;  röicwj  reuen; 
Uöiiivd  (mhd.  hlimven)  nachlässig  kauen,  dazu  hlöüwjr  m.  Garnmaß. 


—     85     — 

(T.  56  b;  Id.  V  253);  xnöüivj  (mhd.  Jiniuiccu)  knieen,  xnöüicig  (I  M) 
knietief  (vom  Schnee);  nöi'ucj  vom  Monde,  zu  wachsen  anfangen 
(nach  dem  Neumond),  nöilwo  neuer  (Adj.);  tröüicj  treuer;  öüivar 
euer;  spröüior  (PI.  zu  mhd.  sjiriu)  Spreu, 

Dazu  kommen  auf  einem  Teile  des  Gebietes  noch  einige  Fälle,  in  denen 
Hiatus  entstand  durch  Schwund  von  germ.  h  (vgl.  §  108):  in  I  M  seija  f.  (mhd. 
sihe)  Milchsieb,  seija  (die  Milch)  sieben,  iweija  einweihen,  fätseija  verzeihen, 
gegenüber  si9  bezw.  sia  usw.  in  H,  si(h)a  usw.  in  V;  in  I  auch  tseijd  (wohl 
zu  mhd.  sihen)  schloßen,  leicht  hageln,  gegenüber  sia  in  H. 

In  I  noch  fast  allgemein,  in  M  veraltet  ist  bäppeij9r  Papier,  gegenüber 
bäppir  oder  häppiar  auf  dem  übrigen  Gebiete.  Diese  weit  verbreitete  Diph- 
thongierung geht  auf  die  Form  häpp'iar  zurück:   vgl.  Id.  IV  1416,  Kluge  291. 

In  den  angeführten  Verben  ist  der  diphthongierte  Vokal  durch 
das  ganze  Paradigma  durchgeführt;  zB.  sneit  schneit,  ksneit  ge- 
schneit. Gleichfalls  durch  Ausgleichung  nach  daneben  stehenden 
Formen  mit  Hiatus  (Flexionsformen,  Komparativ,  Ableitungen)  er- 
klärt sich  der  Diphthong  im  Auslaut  in  frei]  frei,  dre/J  drei, 
Ueij  n.  Blei  (vgl.  mhd.  Uien  Verb,  Uiin  Adj.),  tsiceij  m.  (mhd. 
mvi)  Zweig,  A'^'e/y  m.  Verdrießlichkeit  (vgl.  Id.  II  1100) ;  sdkiv  Sau, 
hoKiv  (m.)  Mist;  xnöüic  (mhd.  linhi)  Knie,  öüiv  ,euch';  ebenso  (vgl. 
Anm.  1)  Tikceij  f.  (mhd.  (jesnie)  Schwägerin,  seij  (mhd.  sie)  sei, 
tröüw  (mhd.  trimve)  treu,  nö'dw  (mhd.  niuice)  neu  Adj.  und  nöiiiv  n. 
Neumond.  Gleich  erklärt  sich  der  Diphthong  in  xmido  knieen 
(vgl.  unten),  plöüh  (V)  m.  Garnmaß  (s.  Id.  V  253),  nöüirässa  (mhd. 
niuwewaschen)  frisch  gewaschen,  nöübaxxd  frisch  gebacken,  nöüjör 
Neujahr.  Dagegen  ist  in  frlh  freilich,  trfih  (mhd.  trimveliehe)  treu- 
lich (vgl.  §  31,  4),  drissk  dreißig  (zur  Kürzung  vgl.  §  109)  die 
Ausgleichung  auf  dem  ganzen  Gebiete,  in  hidös  ,baufällig',  auch 
in  veraltendem  huhcrr,  huniäsf.tr  , Bauherr,  Baumeister',  in  V  unter- 
blieben. Nur  in  K  kommt  vor  dre'dsehs  , dreizehn',  gegenüber 
sonstigem  dritsed  (mit  Kürzung).  Zu  mhd.  h'ij  f.  ,Biene'  kennt 
die  MA.  nur  das  Dim.  Mi  (vgl.  T.  284  b  und  Id.  IV  909/10). 

In  einigen  der  angeführten  Fälle  ist  jedoch  auf  einem  Teile 
des  diphthongierenden  Gebietes  die  lautgesetzliche  Auslaut- 
form erhalten,  nämlich  in  ganz  V  mit  Ausnahme  der  westlichen 
Teile  von  Wald  und  Reh.  in  <^;-^7  drei  (n.),  xnü  bezw.  Jixnü  Knie 
(Sg.  und  PI.)  —  auf  dem  selben  Gebiete  kommt  für  ,knieen'  nur 
lixnidd  vor  —  und  in  sü,  meist  mit  Kürzung  su  (vgl.  §  106)  Sau 


—     86     — 

(dagegen  im  PI.  durcliaus  sokivj),  in  K  außer  oOb.  auch  in  nfi  n. 
Neumond  (dagegen  nöüw  Adj.,  nöiiicd  wachsen,  vom  Monde). 

Auf  einem  andern  Teile  des  diphthongierenden  Gebietes  zeigen 
auch  noch  einige  isolierte  und  unflektierte  Wörter  den  Diph- 
thong im  Auslaut  (vgl.  dazu  Anm.  1):  In  I  M  und  teilweise 
in  Wald  beij  bei,  foaheij  vorbei,  chheij  dabei,  auch  heispll  Beispiel, 
heisäss  Beisasse  (T.  41a),  gegenüber  hi  bezw.  hi  auf  dem  übrigen 
Gebiete  (vgl.  §  106).  In  I  Mi  s'öüw  als  betonte  Form  des  Nom. 
und  Acc.  PI.  des  geschlechtlichen  Pron.  (mhd.  sia,  urspr.  n.)  ,sie', 
auf  dem  übrigen  Gebiete  sü  bezw.  sü.  In  I  und  teilweise  auch 
in  M  gleij  ,gleich',  in  den  Wendungen  das  sidd  nüts  nie  gleij! 
,das  hat  keine  Art  mehr!'  s  sidd  dm  gleij!  ,das  entspricht  seinem 
Charakter',  in  I  auch  sil  sidnt  idnanli  Ideij  (neben  Mix)  ,sie  ähneln 
einander',  und  gleigöltig  neben  glfxköUig  , gleichgültig',  dagegen 
gllltg  ,gleichartig' ;  in  H  gilt  in  diesen  Fällen  glt,  in  V  und  vor- 
"sviegend  auch  in  M  ghx;  in  den  übrigen  Anwendungen  des  Adverbs 
und  im  Adj.  kommt  auf  dem  ganzen  Gebiete  nur  gllx  vor. 

Anm.  1.  Wrede  ,Die  Entstehung  der  nbd.  Diphthonge'  (ZfdA.  39,  257  ff.) 
erblickt  in  der  Synkope  und  Apokope  der  Ableitungs-  und  Flexions-e  die 
Ursache  der  Zweigipfligkeit  der  Längen  und  damit  der  Diphthongierung;  er 
dehnt  diese  Auffassung  S.  273  f.  ausdrücklich  auch  auf  die  Mundarten  aus, 
die  nur  ,Hiatusdiphthongierung'  haben,  und  lehnt  Kräuters  Annahme  (ZfdA.  21, 
258  ff.)  ab,  daß  die  schweizerisch-elsässischen  ei,  ou,  öü  aus  den  Hiatusformen 
-ij-,  -uu-,  -i'ac-  mit  Gleitlaut  entstanden  seien.  Die  Verhältnisse  in  unserer 
MA.  sprechen  jedoch  eher  für  letztere  Erklärung.  Die  Beispiele  und  Formen, 
in  denen  heute  noch  Hiatus  vorliegt,  sind  viel  zahlreicher  als  diejenigen,  die 
durch  Apokope  einsilbig  wurden,  und  analogische  Ausgleichung  der  letztern 
nach  den  erstem  ist  wahrscheinlicher  als  umgekehrt  (vgl.  dazu  Wrede  S.  274  o.). 
In  den  Paradigmen  von  bkij  n.,  tsiceij  n.,  bouiv  m.,  xnjihc  n.  und  n'jihc  n. 
war  allerdings  nach  der  e-Apokope,  die  älter  ist  als  die  Diphthongierung,  nur 
noch  der  Dat.  PI.  oder  gar  keine  Hiatusform  mehr  vorhanden;  doch  stehen  da- 
neben zweisilbige  Ableitungen  mit  Hiatus.  Direkt  gegen  einen  ursächlichen  Zu- 
sammenhang zwischen  Diphthongierung  und  e-Apokope  bezw.  -Synkope  sprechen 
aber  die  Fälle  nü  n.  (mhd.  daz  nimce),  trfili  (mhd.  triwceUche),  auch  hih  (zu 
mhd.  hie)  auf  diphthongierendem  Gebiete,  in  denen  man  sonst  unbedingt  den 
Diphthong  erwarten  sollte,  da  analogische  Einwirkung  auch  nur  nach  dieser 
Richtung  vorhanden  war;  ungezwungen  erklärt  sich  aber  nü  als  bewahrte 
Auslautform,  während  in  nMttv  Adj.  die  flektierten  Formen  einwirkten  (das 
Nebeneinander  von  nfl  n.  und  njinv  Adj.  findet  sich  auch  im  angrenzenden 
Fürstenlande,  Rheintal  und  Thurgau). 

In  den  Fällen  beij,  söiiiv  kann  der  Diphthong  vor  vokalisch  anlautenden 
Wörtern  (namentlich  enklitischen  Pronomen,  Konjunktionen)  im  Hiatus  ein- 


—    .87     — 

getreten  sein,  welche  Mögliclikeit  übrigens  auch  für  obiges  bleij,  xn'jüiv,  usw. 
besteht  (vgl.  Behaghel  S.  701).  Doch  ist  nicht  ausgeschlossen,  daß  sich  der 
Diphthong  hier  in  der  häufigen  Stellung  vor  Pause  unter  starker  Betonung, 
wo  zweigipfliger  Akzent  herrschte  (vgl.  §  35),  aus  -ij,  -ihv  entwickelte,  zumal 
in  gkij,  das  nur  in  dieser  Stellung  vorkommt. 

Anm.  2.  T.  bemerkt  S.  XXIX,  daß  man  in  Gonten  und  Haslen,  also  in 
dem  an  H  grenzenden  Teile  von  I,  sage  bil^,  trfo,  nü,  sü,  im  Gegensatz  zum 
übrigen  I,  und  er  gibt  im  Wörterbuch  für  I  oft  die  monophthongischen  Formen 
an.  Von  solchen  fand  ich  aber  keine  Spur  mehr,  und  alte  Leute  bestritten 
mir,  daß  man  früher  anders  gesagt  hätte  als  heute.  Die  Hiatusdiphthongierung 
reicht  heute  genau  bis  zur  Grenze  von  H. 

Auch  das  Fürstenland  im  Norden  von  H  und  das  Toggenburg  im  Westen 
haben  Hiatusdiphthongierung;  die  Grenze  ist  genau  die  Kantonsgrenze.  Allein 
eine  vollständige  Insel  mit  bewahrten  Längen  ist  das  Gebiet  von  H  doch  nicht; 
vielmehr  hängt  es  mit  dem  großen  Gebiete  der  nichtdiphthongierenden  süd- 
schweizerischen Mundarten  durch  einen  schmalen  Streifen  zusammen,  der  sich 
über  Stein  im  Toggenburg  (Neßlau  und  Alt  St.  Johann  haben  diphthongiert) 
und  Amden  zum  Walensee  hin  zieht.  Darnach  ist  die  Angabe  von  P.  Schild 
im  Literaturblatt  für  germ.  und  rom.  Phil.  1889,  89  (und  Behaghel  S.  701)  zu 
berichtigen. 


§  89.     1.  e  >  ei: 

a)  vor  r  auiäer  in  K  und  Grub,  ferner  Schön.,  Schwellbr.  und 
dem  westlichen  Teile  von  Her.,  wo  er  gegenübersteht  (zur  Dehnung 
vgl.  §§  100.  104) :-  iceh•^  wehren,  s/je?/v  sperren,  fseirj  zerren, 
teira  (mhd.  derren)  dörren,  und  so  durch  das  ganze  Paradigma,  zB. 
weift  wehrt,  luceirt  (doch  dringt  bei  diesen  Verben  heute  überall  -e- 
ein);  nur  noch  alte  Leute  sagen  auch  sweird  ,schAvören',  und  nur 
noch  in  deren  Erinnerung  lebt  eira  , pflügen',  Ptc.  Ivär.)  gepflügt 
(ahd.  erien,  erren,  gi-arau;  der  Infinitiv  ärd,  den  T.  26a  angibt, 
ist  nach  dem  Ptc.  neu  gebildet);  apteing  f.  (H)  , Abdörrimg',  d.i. 
Auszehrung;  ivelra  f.  Gerstenkorn  am  Auge  in  H  I,  in  Gais  weirh 
(sonst  iverh);  kiveir  n.  Gewehr  (nur  selten  noch  bei  alten  Leuten); 
speirUg  m.  (auch  -e-),  in  I  mit  Schwund  des  r  (vgl.  §  94)  speilig 
jZwei  oben  verbundene  Stangen  zum  Hinauf sjd erren  der  Wäsche 
am  Seile' ;  herJikeitfjr  m.  ,auf  dem  Herde  für  das  Holz  gebrauchtes 
Hackmesser'  (zu  mhd.  gertel,  mit  dissimilatorischem  Schwund  des  /*) ; 
in  I  noch  mit  Schwund  des  /•  eils  (ahd.  erila)  ,Erle'  und  ferner 
der  Famihenname  Heisi  Herschi  {HerscJii  urkundlich  1392),  wozu 
Heists  JoMdli  in   dem   Appenzeller  Ruggußer   bei   T,  373  a,    was 


—     88     — 

F.  Staub  in  Frommanns  Zeitschr.  VII  337  mit  Unrecht  als  Hänsi 
deutete  (vgl.  §  96). 

Den  Formen  her  n.  ,Beere'  und  herj  ,Beeren  sammeln'  in  K 
stehen  in  I  gegenüber  beir  und  beirc),  auf  dem  übngen  Gebiete 
beij9r  und  beißrd  (vgl.  Id.  IV  1461/2).  In  M  gilt  auch  xerngeijdrt 
(zu  mhd.  gerfe)  Rainweide,  Ligustrum  vulg.  (vgl.  Id.  II  441). 

b)  vor  andern  Dentalen :  tseij  (ahd.  scni)  Zähne  (Sg.  tsä)  in  H 
außer  Stein,  gegenüber  tse  auf  dem  übrigen  Gebiete  (zur  Dehnung 
vgl.  §  97);  eis  f.  (mhd.  esche)  Esche  in  I  (vgl.  §  98),  sonst  essd; 
greida  ,gerade  machen',  auf  dem  ganzen  Gebiete  neben  gredd  (vgl. 
unter  c,  zur  Dehnung  §  99).     Zu  feistdr  ,Fenster'  vgl.  §  96. 

c)  Über  das  ganze  Gebiet  verbreitet  findet  sich  el  im  Kom- 
parativ, Superlativ  und  Femininabstraktum  zu  Adjektiven 
mit  etymologischem  a,  ä,  a,  überall  neben  (zum  Teil  häufigerm) 
e,  bezw.  3  (vgl.  §  73,  2),  ä.    Vgl.  dazu  §  56. 

Beispiele:  greiddr,  greitst,  greidi  zu  gräd  gerade;  pheibdr, 
pheihi  ZM  phäh  gut  schHeßend;  hweindr  zu  liwä  gewohnt  —  spelttdr, 
speitst,  speitti  zu  spot  spät;  neixor,  neixi  zu  nox  nahe;  sweirdr, 
sweirst,  swein  zu  sivar  schwer;  reissdr,  reissi  zu  räss  scharf;  geixdr, 
geixt  zu  gäx  steil;  tseixdr,  tseixi  zu  tsäx  zähe.  —  Wenn  es  heißt 
breittdr,  breitti  zu  brät  breit,  feistar,  feisti  zu  fast  feiß,  heissdr 
zu  häss  ,heiß',  so  ist  nicht  ei  entgegen  §  80  erhalten,  sondern 
analogisch  ^^-ieder  eingetreten.  Die  selbe  Person  schwankt  häufig 
zwischen  den  beiden  Formen  mit  ä  und  ei. 

Anm.  1.  Man  kann  hier  eigentlich  nicht  von  Diphthongierung  reden, 
da  nicht  anzunehmen  ist,  daß  e  zuerst  zur  reinen  Länge  e  gedehnt  worden 
und  dann  erst  in  die  beiden  Diphthongkomponenten  zerfallen  sei  (etymo- 
logisches e  ist,  auch  vor  r,  durchaus  bewahrt;  vgl.  §  74  und  unten  Anm.  2); 
sondern  das  i  stellte  sich  anstatt  einfacher  Dehnung  ein  als  Übergangslaut 
von  der  Artikulation  des  e  zu  der  palatalern  Zungenstellung  eines  folgenden 
Dentals  (vgl.  Sievers  §  488).  In  allen  Beispielen  unter  a  und  b  handelt  es 
sich  um  Primärumlaut-e,  und  es  fragt  sich  für  die  Fälle  vor  r,  ob  nicht  auch 
Epenthese  in  Betracht  kommt  (vgl.  Sievers  §§  809/10).  Vgl.  dazu  Id.  I  404 
(Anm,  zu  eren).  Unter  c  hat  sich  der  Diphthong  analogisch  über  das  ihm 
nach  dem  Gesagten  lautgesetzlich  zukommende  Gebiet  hinaus  verbreitet. 

Anm.  2.  sneij  (mhd.  sne)  ,Schnee*  in  I,  auch  in  sneisletts  , Schneepflug', 
beruht  auf  Analogie  zu  sneijd  ,schneien'. 

2.  -ol,  -öl  >  Diti,  öiH  in  I  H2  Ml.  Am  allgemeinsten  ist 
der  Wandel  bewahrt  in  I;  in  H2  und  Mi  finden  .sich  nur  noch 
vereinzelte   Beispiele   bei   altern   Leuten,    am   ehesten   noch   woiil 


—     89     — 

,wohl'  (vgl.  §§  34.  65),  besonders  (bei  den  Jüngern  noch  scherz- 
haft) leh  ivdul!  ,lebe  wohl!',  auch  icDulpment  ,hochmütig',  wöülar 
,woliler'  und  Superl.  wüülst;  moul  f.  (mhd.  mol  m.)  ,Molch'  (vgl. 
T.  321b);  xoidsivarts  ,kohlschwarz';  allgemein  ist  Soul  Name  des 
Berges  ,Soll'  an  der  Grenze  von  I  gegen  Bühl.  Auch  in  I  fast 
nur  noch  von  altern  Leuten  hört  man  xoul  (mhd.  hol)  ,Kohle' 
(verdrängt  durch  das  auf  dem  übrigen  Gebiete  herrschende  xöld), 
xonibremidr  Kohlenbrenner,  Köhler;  houl  hohl,  höüii  f.  Höhle;  tsoul 
Zoll  (Maß),  tsDulstäb  Zollstecken:  öiil  Ol,  öül-lhxth  Ollichtchen; 
xöülts  (mhd.  kölsch)  kölnisch  Tuch. 

Die  physiologische  Ursache  dieses  Wandels  liegt  in  der  diesem  Gebiete 
eigentümlichen  Artikulation  des  t  (s.  §  18). 

Gegenüber  (jöh  , sonderbar,  seltsam'  (s.  T.  216  a)  und  hröh 
,brüllen  von  Vieh,  weinen  von  Kindern'  in  K  gelten  auf  dem 
ganzen  übrigen  Gebiete  die  Nebenformen  gDuli(g),  hnüh,  die  auch 
noch  Aveiter  herum  vorkommen  (vgl.  Id.  II  216.  V  584). 

3.  Eine  ganz  vereinzelte  und  auffallende  Erscheinung  ist  der 
Diphthong  in  dem  in  I  heute  noch  übhchen  göüfti  ,Pate',  gegen- 
über göffi,  auf  dem  übrigen  Gebiete  (vgl.  §  66). 

4.  Nebenformen  mit  Diphthong  liegen  auch  vor  in  gouppd  , spielen,  von 
der  Katze'  und  göüppiss  (s.  T.  229  a)  in  V  Mi  (schwankend  in  M2),  gegenüber 
göppd,  göppiss  in  H  I  (vgl.  Id.  II  388);  ferner  in  K  höukkd  ,gaffen'  (vgl.  T.  38  a; 
Id.  IV  1085),  dazu  in  Walz,  pöiikkd  m.  ,ein  Vorbau'  (T.  38  a);  in  H  böükkd  f. 
, verdickter  Nasenschleim'  (vgl.  T.  69b;  Id.  IV  1083);  vielleicht  auch  in  bröükksri 
,stiersüchtige  Kuh'  (T.  75  a;  Id.  V  529).     Zu  floiixa,  tsoilva  vgl.  §  77. 

Vgl.  auch:  l  >*  id,  i  >»  is,  ü  >  üd,  m  >  üa  §§  92.  94,  u  >>  to, 
e>i9  ^  94,  0  >  ue  §§  65.  94. 

Umlaut. 

§  90.  Von  der  analogischen  Ausbreitung  des  Umlautes  inner- 
halb der  in  den  §§  50/58  aufgeführten  Bildungskategorien  werden 
sämtliche  umlautfähigen  Vokale  betroffen.  Der  Umlaut  von  a 
mußte  der  Übersicht  über  die  Verteilung  der  beiden  Umlautquali- 
täten zuliebe  für  sich  behandelt  werden. 

1.  Plurale  (vgl.  §  53). 
Alte  i-Stämme  (bezw.  in  die  /-Deklination  übergetretene  alte 
u-  oder  konsonantische  Stämme)  mit  lautgesetzlichem  Umlaut 
im  Plural  sind  zB.  die  Mask.  log  Lügen,  ivörff  Würfe,  icörm  Würmer, 


—     90     — 

füass  Füße,  die  Fem.  Jitlt  Häute,  hls  Läuse,  mfis  Mäuse,  auch  xü9 
Kühe.  An  alogischen  Umlaut  weisen  dagegen  auf  die  a-Stämme: 
trog  Tröge,  nkx  Röcke,  tvölf  Wölfe,  hömm  Bäume,  stüol  Stühle, 
l)süjx  Besuche,  fö(jd  Vögel,  usw.,  die  meisten  alten  schwachen 
Mask. :  hSkJcd  Haken,  böga  Bogen,  brönnd  Brunnen,  glöba  Glaubens- 
bekenntnisse, usw. ;  auch  die  Verwandtschaftsnamen,  zB.  hrÜ3ddr(d) 
Brüder  (brihchr  gilt  auch  im  Sg.;  vgl.  Id.  V  418/6),  töxtdra  Töchter 
(töxtdr  im  Sg.;  besser  mundartlich  jedoch  niatdl,  vgl.  T.  312b  und 
Id.  IV  77).  Ausnahmslos  haben  Umlaut  die  neutralen  Plurale  auf 
-c?r,  zB.  tromnidr  Fäden,  die  ein  zähflüssiger  Körper  zieht  (zum  Sg. 
trömm),  löxxor  Löcher,  töbhr  (zum  Sg.  tobal)  Schluchten,  hösügdr 
(zum  Sg.  hösti)  Hochzeiten,  nttjror  (zum  Sg.  ütt9r)  Euter. 

2.  Diminutiva. 

Unsere  Mundart  besitzt  eine  große  Vorliebe  für  die  Ver- 
kleinerung; an  Mitteln  zum  Ausdruck  derselben  ist  sie  jedoch 
nicht  so  reich  wie  zB.  südschweizerische  Mundarten.  Eigentliches 
Diminutivsufl&x  ist  einzig  -li  (ahd.  -Im);  -dli  findet  sich  nur  in 
einigen  unumgelauteten  Beispielen  (s.  u.). 

Die  Regel  ist  durchaus,  daß  die  umlautfähigen  Stammvokale 
in  der  Verkleinerung  umgelautet  werden.  Es  sollen  im  Folgenden 
die  Fälle  aufgeführt  werden,  in  denen  das  nicht  geschieht,  oder 
wo  beides  nebeneinander  vorkommt. 

Nur  in  der  Sprache  der  Kinder  und  der  Erwachsenen,  wenn 
sie  mit  Kindern  sprechen  und  ihre  Ausdrucksweise  der  kindlichen 
anpassen  (vgl.  E.  Odermatt,  ,Die  Deminution  in  der  Nidwaldner 
Mundart'  S.  28)  kommen  vor :  lianddi  Händchen  (sonst  händh), 
DngoU  Äuglein  (sonst  öüglt),  bröttdi  Brot,  wassjrlt  Wasser,  mammdU 
Getränk,  dann  Bezeichnung  des  Saugfläschchens  (vgl.  T.  310  b; 
Id.  IV  225;  mämniaU  in  K  für  die  Läppchen  am  Halse  der  Ziegen), 
gudt'di  Naschwerk  (T.  245a;  zum  Adj.  gud  ,gut'  gebildet;  vgl. 
mänidh  in  der  Kindersprache  für  ,warm'  bei  T.  310  b);  batsdli, 
auch  rappdli  Geldstück,  JöbdU  oder  böbdU  Kuh  (vgl.  T.  301  b), 
hottöli  Pferd,  dodoU  Hündchen,  gitssiidli  (nach  T.  222  b  in  M  H) 
Ziege,  satsdi  Schätzchen  (sonst  säfsU  Liebchen),  äli  Liebkosung 
(vgl.  T.  2  a),  in  I  bübdi  Kuß. 

Dem  allgemeinen  Sprachgebrauche  gehören  an:  moftaU 
(nach  T.  320  a  in  H,  in  I  dagegen  möttdi)  hölzernes  Eßnäpfchen 


—     91     — 

der  Hirten  (das  Grundwort  fehlt  der  Mundart;  vgl.  Id.  IV  577); 
xrusdlb  (meist  PL,  neben  xrüsjlt)  gekräuselte  Haare  (vgl.  T.  122  b, 
Id.  III  862);  hoklidli  (zu  hokhjJ)  gekrümmter  Rücken,  Höcker  (da- 
gegen böMdc  irgend  eine  kleine  rundliche  Anschwellung,  selten  auch 
in  der  ersten  Bedeutung),  dann  auch  Bezeichnung  des  mit  einem 
Höcker  Behafteten  (in  dieser  Bedeutung  neben  n.  auch  m.);  liäntaU 
(meist  PI.)  nach  T.  256  b  weißer  Stoisärmel  vom  Ellbogen  bis  an  die 
Finger,  heute  Halbhandschuhe,  welche  die  Finger  unbedeckt  lassen 
(vgl.  Id.  II 1400);  manndlt  kleiner  Mann,  auch  Männchen  von  Tieren 
und  in  der  Redensart  s  manndh  maxxj  (vgl.  Id.  IV  243/4),  die 
umgelautete  Form  ist  nicht  gebräuchlich;  piirli  etwas  verächtlich 
für  einen  Kleinbauern,  Schuldenbauern  (s.  T.  87/8),  dagegen  pürU 
kleines  rundes  Brötchen  zu  5  Rappen  (vgl.  Id.  IV  1515/6);  hudbli, 
(nach  T.  86  a)  in  M  K  budhdrU  (zu  budh)  etwas  verächtlich  von 
einem  im  Wachstum  zurückgebliebenen  Knaben,  in  der  Kinder- 
sprache hudbdi  (sonst  hüdhli.;  s.  T.);  />3S5/f  {zu  j)DSs)  kleiner  Bursche 
(vgl.  Id.  IV  1730/3),  dagegen  (nur  Dim.  und  meist  PL)  jmsli.  Über- 
strümpfe  (vgl.  Id.  IV  1735);  xalhdi  (zu  xnlb(.))l)  f.)  junges  Rind 
während  der  ersten  und  bis  zur  zweiten  Trächtigkeit,  dagegen 
xälbü  (zu  xalb)  Junges  des  Rindviehes  in  der  ersten  Lebenszeit 
(vgl.  T.  92  b);  hiissh  (in  I  büsjh)  gleichbedeutend  mit  xälbli  (doch 
s.  T.  89  b),  daneben  auch  das  m.  bush.;  gältoli  (zu  galtli(g))  Rind 
von  1  bis  2  Jahren,  das  noch  nicht  geworfen  hat  und  daher  auch 
noch  keine  Milch  gibt  (T.  211b). 

Verschieden  verhalten  sich  die  Substantiva  auf  -or:  bororU 
kleiner  Bohrer  (nur  selten  börjiii)-,  iiiKJSJrli  (nach  T.  326a)  in  H, 
Brustlatz  der  Kinder  beim  Essen  (vielleicht  umgebildet  aus  miusiult; 
vgl.  T.  326  a  und  Id.  I  185) ;  (jakkjrh  Vorrichtung  zum  Visieren 
hinten  auf  dem  Schaft  der  alten  Stutzen  (T.246);  (Dsoppjiii  kleiner 
Stöpsel  (in  H  nach  T.  157b  pSDirpjyh);  pnppDrU  Bettchen  in  der 
Kindersprache  (T.  84  a);  bobjrh  Kinderkreisel  (nach  T.  63  a)  in 
Walz,  (im  übrigen  K  bübdr);  xiitsimüsarli  eine  kleine  Art  Apfel 
(vgl.  T.  124  a);  nohxjrU  kurzes  Schläfchen  (nach  T.  335  a)  in  I 
(in  H  nökxli);  huipdi  Pferd  (nach  T.  279b)  in  K  in  der  Kinder- 
sprache; xolhdi  Tannenmeise,  in  K  IxXöldddi  (vgl.  Id.  III  208); 
strössjdi,  auch  sfrössburgjdi  Lack,  Cheiranthus  Cheiri ;  Jiedsjsabadi 
eine  sparsame  Hausfrau  (nach  T.  265  b)  in  H;  bössdi  (zu  bosdr) 
kurzes  dickes  Kerlchen;  tosddi  kleines,  noch  unbehilflich  gehendes 


—     92     — 

Kind;  trochrJi,  in  K  frodbrli  ein  fettes  Kind  (vgl.  T.  153a);  hoxxdrli 
(zu  hoxx,)}-)  eigensinniges  Kind;  Iwigyrh  (nach  T.  307b)  Name  einer 
Kuh  mit  stierem  Blick,  Diesen  stehen  jedoch  mit  Umlaut  gegen- 
über :  höJcxJrli  (meist  PI.)  Zwergbohne ;  2)ät,)rh  (meist  PI.)  Glasperle 
(vgl.  Id.  IV  1804);  pöppjrli  (PI.)  Frostblätterchen,  Koriandersame 
(T.  62b;  Id.  IV  1423);  hfidjrli  kleines  Butterfaß;  göUorJi  kleines, 
gestepptes  Stück  Zeug  (T.  232  a);  träxtjrh  (zu  traxUr)  kleiner 
Trichter:  fittorli  kleines  Euter;  märüssömmdrU  Martinisommer  (vgl. 
T.  314b). 

Die  Diminutiva  von  T auf n amen  sind  in  der  Mehrheit  un- 
umgelautet  (das  Geschlecht  schwankt  bei  den  männlichen  zwi- 
schen m.  und  n.,  bei  den  weiblichen  ist  es  n.):  HansU,  seltener 
HcuisjU  zu  Hans;  Danndi  zu  Dannd  Daniel;  Fonsali  zu  Alfons 
(appellativ  bei  T.  199a);  Joxdi  (nach  T.  286a)  in  H  zu  Joachim; 
Sammdi  zu  Samuel;  Jol'k(cf)Ii,  dagegen  verächtlich  JöM(j)U,  zu 
Jakob;  BärtJi,  dagegen  verächtlich  Bärt.ili,  zu  Bartholomäus  (vgl. 
T.  35b);  JLudrodh  und  Xu9dh  zu  Konrad;  Tofjh  neben  Tofjh  zu 
David;  Ödh  zu  Adam.  Weibliche:  Anndi  zu  Anna;  Martdi  zu 
Martha;  TonndJi  in  I  zu  Antonia;  Uarsdi  in  K,  dagegen  sonst 
Örsöli  zu  Ursula;  Bäh.)h,  teilweise  auch  Bäh>h,  zu  Barbara  (auch 
appellativ;  s.  T.  31/2  und  Id.  IV  915/6);  neben  Bösali  zu  Rosa 
ist  häufiger  Rös(,j)h.  Nur  mit  Umlaut  kommt  vor  MärtJÜ  zu 
Martin. 

Ausnahmslos  ohne  Umlaut  sind  die  zahlreichen  persönlichen  Mas- 
kulina auf  -h,  die  nicht  mehr  diminutive  Bedeutung  haben,  sondern  Jemand 
bezeichnen,  der  das  im  Stammworte  Ausgedrückte  in  auffallender  Weise  be- 
sitzt, zB.  7-Dkxh  Einer,  der  einen  langen  Rock  trägt,  xrusli  oder  xrushörh 
ein  Kraushaariger,  härtli  Einer  mit  üppigem  Barte,  xropfli  ein  mit  einem 
Kröpfe  Behafteter,  snoddrnasU  ein  Rotznasiger. 

Das  Diminutivsuffix  -t.  (ahd.  -in)  findet  sich  in  der  Kindersprache 
wahrscheinlich  noch  in  mämmi  , Getränk'  und  hiidtti  für  , Mutter'.  Ziemlich 
häufig  ist  es  bei  Taufnamen,  die  jedoch  nicht  mehr  diminutiven  Sinn  haben, 
besonders  bei  männlichen  (m.),  zB.  Rohi  Robert,  Ludi  Ludwig,  Lon  Lorenz, 
Toni  Anton,  Tofi  David,  Umlaut  zeigt  einzig  WälU  Walter.  Selten  bei  weib- 
lichen: Bühl  n.  in  H  Barbara  (T.  31a).  Zahlreich  sind  die  (in  der  Mehrzahl 
persönlichen)  Maskulina  auf  -i,  für  die  E.  Odermatt  aaO.  S.  71  ff.  die  gleiche 
diminutive  Herkunft  nachweist.  Die  meisten  sind  umlautlos,  zB.  tappt,  auch 
töppi  täppischer  Mensch;  gahh  wer  eine  Arbeit  erpfuscht  (zu  gabh;  vgl. 
T.  209  a);  wah  Person,  die  sich  wälzt,  auch  Küchenwalze  zum  Auswälzen 
des  Teiges,  dann  fette,  rundliche  Person,  Name  einer  eben  solchen  Kuh: 
xoli   schwarzes    Pferd.      Umgelautet   sind   außer    den    §  49b    angeführten 


—     93     — 

Fällen  noch  xnösi  fetter,  dicker  Bursche  (vgl.  Id.  III  761),  hösi  (s.  §  66),  möppi 
Mops  (vgl.  Id.  III  350),  snüsi  (nach  T.  396  b)  in  H  für  Mutterbrust  (neben  snusi). 
In  hü}p(  einer,  der  hinkt  fhülpatj,  auch  xü9nt  Küher  (vgl.  Id.  III  336)  u.  a. 
geht  der  Umlaut  auf  das  Grundwort  zurück. 

3.  Feminiuabstrakta  auf  -i. 

Bei  den  Adjektivabstrakta  tritt  der  Umlaut  konsequent 
ein.  Ausnahmen  sind  einzig  ftlh  (nach  T.  207  b)  in  H,  gegenüber 
füll  auf  dem  übrigen  Gebiete,  ferner  einige  nicht  sehr  gebräuch- 
liche Bildungen  zu  Adj.  auf  -sani,  v,ie  iMaUsami  Bewandtnis  (vgl. 
T.  •243a),  Miörsami  Gehorsamkeit  (vgl.  T.  220);  jedoch  Jennsemnn 
(§  55). 

Keinen  Umlaut  zeigt  hast  Wohlsein  (vgl.  T.  36  b)  zum  ur- 
sprünghchen  Komparativ  bäs  besser. 

Umlautlos  sind  die  Verbalabstrakta.  zB.  stampfi  Stampf- 
werk, möU  Farbstoff  (doch  in  Urn.  nach  T.  321a  moli),  salhi  Salbe, 
tmnmi  Dünger  (zu  ttonntj).  Der  Umlaut  in  garbi  Gerberei  u.  a. 
ist  schon  dem  Yerbum  eigen. 

4.  Komparative  und  Superlative. 

Der  Umlaut  ist  durchaus  die  Regel,  auch  in  Fällen  vne  ivölfljr 
icölflisf  zu  ivolfjl  .wohlfeil,  billig',  ferner  zu  Positiven  auf  -ar; 
einzig  neben  montarar,  mont<>r{i)st  zu  montjr  ,munter'  kommt  auch 
vor  niDYitoror  niont9r(i)st.  Schwankend  verhalten  sich  auch  die 
Bildungen  auf  -sam,  zB.  tosanur  und  tosänur  zu  fosam  still,  ruhig, 
örinnscüujr  und  -sämor  zu  örinüsam  mühsam;  dagegen  leuDsemnur 
(§  56).  Keinen  Umlaut  zeigen  hlömior  hlön(i)st  zu  hJö  aufgedunsen, 
auch  häsor  hast  ,besser  best'  zu  häs. 

Umlautlos  sind  die  Superlative  fo(br(i)st  vorderst,  onddr(i)st 
Unterst;  doch  erscheint  neben  häufigerm  ossär (i) st  auch  ossär (i) st. 

5.  Adjektiva  (bezw.  Adverbia). 

a)  auf  -i(g).  Neubildungen  fanden  statt  sowohl  nach  Ana- 
logie zu  den  auf  ahd.  -ig  zurückgehenden,  umgelauteten  Fällen, 
als  auch  zu  den  unumgelauteten  auf  ahd.  -ag  (vgl.  §  57)  oder  mit 
umlauthindemder  Konsonanz.  Eine  Regel  läßt  sich  in  den  heutigen 
Verhältnissen  nicht  mehr  finden,  und  da  sich  häufig  nicht  ent- 
scheiden läßt,  ob  die  Bildung  zu  einem  Subst.  oder  einem  Verbum 


—     94     — 

gehört,  Avird  hier  auch  von  einer  Einteilung  nach  diesem  Gesichts- 
punkte Umgang  genommen  und  werden  die  Beispiele  nach  dem 
umlautfähigen  Vokal  der  Stammsilbe  angeordnet.  Beispiele  mit 
Umlaut:  ks2>(is><i((j)  komisch,  e-,  tsivä-lätti(g)  von  einem  Hag  mit  ein, 
zwei  Latten,  jälli((j)  plötzlich  (s.  T.  176  a),  l~xäUi(g)  viel  haltend, 
geräumig,  spälti(y)  leicht  zu  spalten,  trähi(g)  brünstig  (von  Hunden), 
fäntsi((j)  lustig  (s.  T.  176  b),  hätsi(g)  einen  Batzen  hostend,  föf- 
räppi(g)  fünf  Rappen  kostend,  s.  auch  §  bl",  ässi(g),  frässi(g)  eß-, 
freßlustig,  göni(g)  in  M  (zu  mhd.  gä)i)  im  Schwange  gehend, 
möni(g)  brünstig,  von  Katzen  (vgl.  Id.  IV  238),  hcdJ)mossi(g)  eine 
halbe  Maß  fassend,  htvogi(g)  kühn,  s.  auch  §  73,  2;  iDÜffi(g)  un- 
versichert, von  einer  Schuld  (s.  T.  294  b),  glöhi(g)  gläubig,  hömmi(g) 
stark,  fest  {^\\e  ein  Baum;  vgl.  T.  68b);  rösst(g)  brünstig  (von 
einem  Pferde),  xöpfi(g)  steckköpfig,  xrötti(g)  hoshdiit  {s,.  T.  120/1); 
föllt(g)  völlig  (vgl.  T,  199a),  IföJgifg)  folgsam;  stössi(g)  zwistig 
(T.  413a),  ndtti(g)  nötig,  hxon(g)  gehörig;  sönni(g)  sonnig,  tgröndi(g) 
nachdenklich  (vgl.  Id.  II  778  9),  sössi(g)  schüssig  (s.  T.  399  b), 
tsögi(g)  gut  ziehend  (s.  T.  460  a),  sldffi(g)  bequem  zum  Hindurch- 
schlüpfen, xlöpfi(g)  leicht  erschreckend  (vgl.  T.  108/9),  nflöpfi(g) 
aufhetzend  (T.  431  b),  gäxsötsi(g)  jähzornig,  ripsöxti(g)  an  der 
Rippsucht  leidend,  fdgösti(g)  mißgünstig;  rüdi(g)  räudig,  s.  auch 
§  79  a;  nbhi(g)  ruhig,  hriictti(g)  zu  hnidtt.j)  schwül  (s.  T.  82  a), 
}iirnmÜDtti(g)  (mhd.  Järnivüetic)  toll,  nosüjxi(g)  kleinlich  (s.  T.  337  a), 
südi(g)  einen  Fuß  (Schuh)  lang.  In  einigen  andern  Beispielen 
zeigt  schon  das  Grundwort  umgelauteten  Vokal.  Beispiele  ohne 
Umlaut:  plappL(g)  schwabbelnd  (s.  T.  54b),  nalxxi(g)  nackt,  frat- 
ti(g)  (nach  T.  204  b)  in  H  wundgerieben,  lixaJi(g)  geronnen  (vgl. 
T.  94  a),  glari(g)  glänzend,  masti(g)  fett,  dick  (T.  312  a);  ßl- 
mannlifg)  viel  Mühe  erfordernd,  haspli(g)  flüchtig  (T.  257  b), 
hnldi(g)  abschüssig,  slämpi(g)  und  lämpi(g)  schlaif  herabhängend, 
k§tabi(g)  starr  (vor  Kälte),  ragi(g)  (nach  T.  358  a)  in  I  steif, 
latsi(g)  schwerfälHg,  säUsi(g)  salzig,  härtst(g)  harzig,  näxti(g)  (zu 
mhd.  narrt'/d)  albßrn,  gmndi(g)  übertrieben  genau  (T.  234  b;  vgl. 
Id.  II  756/7),  ömantsi(g)  ungeheuer  (vgl.  Id.  IV  346);  ströU(g)  ver- 
rucht (s.  T.  4l6a);  stonhi(g)  staubig;  gouli(g),  göU(g)  sonderbar 
(T.  ^16a),  hoHirifg)  gut  schneidend;  losti(g)  lustig,  lofti(g)  luftig, 
lörki(g)  stammelnd  (T.  306  a),  imotstCg)  fett  (vgl.  T.  393  a),  sotsi(g) 
unüberlegt  handelnd  (T.  398  b),  nütsnotsi(g)  nichtsnutzig,  strofli(g) 


—     95     — 

(zu  strofh)  flüchtig  in  der  Arbeit  (s.  T.  415  b),  fpmpi(g)  lebhaft 
(s.  T.  233a),  mnutsi(g)  winzig,  s.  auch  §  69;  JxJuifftiff/)  Adv.  ge- 
häuft (vgl.  T.  220  b),  xrüttidi)  Adv.  bunt,  schlimm  (vgl.  Id.  III  918), 
trüri(g)  traurig,  tussi(g)  (nach  T.  159  b)  in  K  in  sich  gekehrt, 
kopfhängerisch;  frudfti(g)  (zu  mhd.  vniot)  frisch,  munter,  f)un(g) 
(zu  fiurj)  nahrhaft.  Schv^anken  zwischen  der  umgelauteten  und 
der  unumgelauteten  Form  oder  Verschiedenheit  nach  den  Gebieten 
zeigen  satti(g)  {-ä-)  schattig,  tsaU(g)  (-«-)  völlig  bezahlend  (siehe 
T.  453  a),  xütti(g)  (-/<-)  nach  dem  Tauber  verlangend  (s.  T.  123  b), 
rüssi(g)  {-Ü-)  zu  räss.)  lärmen,  knurren  (s.  T.  374),  hädampfi(g)  (-«-) 
trübe  (voll  Hitznebel),  iviUivavki(g)  (-«-)  wankelmütig  (T.  448  b). 

Vor  -i'(g)  in  dritter  Silbe  nach  der  Ableitungssilbe  -,)r  zeigen 
Umlaut  wässjri{g)  wässerig,  Müxx^n(g)  lächerlich,  spaßhaft, 
trökxDn(g)  (zu  trökxd)  leicht  zu  drücken  (s.  T.  152  b),  smöch)ri(g) 
(zu  smochr)  mit  Wasser  und  Schmutz  vermengt,  vom  Schnee 
(T.  393  a),  hüd9ri(g)  leicht  zu  buttern  (nach  T.  85  a,  meist  jedoch 
hücljri(g)),  dann  die  Zeitbestimmungen  sanistägdrt(g),  djnnst<)n(g), 
s3nt9n(g)  vom  Samstag,  Donnerstag,  Sonntag  her  (vgl.  T.  426  b), 
auch  hüttmiörganfg),  hüpm'dtäg,yn(g) ,  liüttsphdri(g)  von  heute 
morgen,  mittag,  abend  (vgl.  T.  278  a),  m5md(j)ri(g)  morgig; 
dagegen  sind  ohne  Umlaut:  hiwv9ri(g)  hungrig,  psondonfg) 
sonderbar  (vgl.  T.  84  a),  fbiid,)rL(g)  flatterhaft  (T.  195  a),  }iolpdri(g) 
holprig,  flottdri(g)  locker  (T.  196  b),  htt3n(g)  lotterig,  hosp.)n(g) 
munter  (T.  71  a),  sJj2)fxrt(g)  oder  sl5ff'<)n(g)  schläfrig,  slofjn(g) 
nachlässig  in  der  Kleidung,  mudxn(g)  matt,  i^edergeschlagen 
(s.  T.  325  a).  -^ 

Stoffadjektiva  (s.  dazu  §  57)  mit  Umlaut  sind  häfi(g)  aus 
Hanf  (s.  T.  255  a),  höltsi(g)  hölzern,  xöpfdn(g)  kupfern,  stoHsi(g) 
aus  Sturzblech,  tüjxi(g)  aus  l'uch,  auch  ßn(k)s  Kieferholz,  da- 
gegen ohne  Umlaut  hu9Xi(g)  aus  Buchenholz,  hDim'oli(g)  aus  Baum- 
wolle, s.  auch  §  69. 

b)  auf  -li(g),  bezw.  in  H  -Jjx  (ahd.  -lih).  Außer  den  in 
§  57b  aufgeführten  Beispielen  zeigen  noch  Umlaut:  hushähU(g) 
ansässig,  lästli(g)  Steigerungsadv.,  sehr  (vgl.  T.  293b),  9rhärmU(gJ 
zum  Erbarmen,  sehr  (zB.  weinen,  rufen),  sihärli(g)  offenbar,  froli(g) 
fröhlich,  apsrölxXjlifg)  schrecklich  (T.  12  b),  müdttdrh(g)  mütter- 
lich (T,  325  b);  neben  hDf,)h  ,behutsam,  sachte'  ist  noch  häufiger 
hofdi,    dagegen    nur   höfU   höflich;    neben    ivärlKg)    ,wahrlich'    als 


—     96     — 

Beteuerung  kommt  vor  n'5rU(ff);  ädli(g)  findet  sich  in  I  gegen- 
über nr(JJi((j)  auf  dem  übrigen  Gebiete;  für  ti'isli(g)  (nach  T.  159b) 
,heimlich,  verschlagen'  in  M  H  hat  K  tüssU  (doch  liegt  hier  viel- 
leicht /.r/- Ableitung  zu  tiish  vor);  die  umgelautete  Form  kommt 
bei  den  Jüngern  durch  Einfluß  der  Schriftsprache  immer  mehr 
auf  für  l'förJiig)  gefährlich,  mogli(g)  (mhd.  mügeUch)  möglich, 
kwoh(g)  gewöhnlich.  Dagegen  sind  durchaus  unumgelautet 
hantli(g)  behende,  lebhaft  (vgl.  Id.  II  1404/6),  hT-anth(g)  kenntlich 
(T.  94b),  XDmndi(g)  bequem  (vgl.  Id.  III  285),  xosth(g)  kostbar, 
trog<)h(g)  trügerisch  (vgl.  T.  154  a),  5rd(j)U(g)  artig,  ziemlich 
(T.  353  b),  off'dli(g)  {mhd.  offenUch)  öffentlich,  trösÜi(g)  mit  Herzens- 
lust, zB.  essen  (vgl.  T.  156  a),  nödh(g)  dringend  (vgl.  T.  335  b), 
2)sossh(g)  gut  ausgebend,  weit  reichend,  hüsli(g)  haushälterisch, 
sparsam. 

Bezeichnend  für  den  Appenzeller  ist  der  häufige  Gebrauch  von  sfdtfgj 
als  Steigerungsadverb  =  ,überaus,  sehr  groß'  (vgl.  T.  401  b),  gegenüber  sidi  der 
benachbarten  Mundarten;  nur  im  Rheintal  findet  sich  süh  auch  noch,  doch 
heute  veraltet  (teilweise  dringt  süh  auch  auf  unserm  Gebiete  ein;  für  das 
gleichbedeutende  apsfdifgj  gibt  T.  12  b  für  M  und  H  die  Formen  mit  und 
ohne  Umlaut  nebeneinander  an),  süli  geht  zurück  auf  mhd.  schiuhlich,  wozu 
unser  silx  ,scheu'  gehört.  Unsere  «-Form  ließe  sich  aber  nur  durch  An- 
nahme analogischer  Entfernung  des  Umlautes  (etwa  nach  dem  Verhältnis 
unumgelauteter  Positiv  zu  umgelautetem  Komparativ  und  Superlativ  bei  andern 
Adj.  und  Adv.)  damit  vereinigen.  Die  selbe  Annahme  ist  nötig  für  das  gleich- 
bedeutende sfdsh  (nach  T.  400  b)  in  Urn.  und  Hundw.,  das  auf  mhd.  schiudich 
(zu  schiuzen  aus  *schiuhezen)  zurückgeht. 

c)  auf  -ISS,  -s(s)  (ahd.  -isc).  Ohne  Umlaut  sind  städiss  auf- 
geputzt (in  der  Kleidung),  stattlich,  fräsiss  (vgl.  §  96)  fremdartig, 
Jcxatöhss  katholisch.  Die  meisten  sind  umgelautet:  sicSbiss  schwä- 
bisch, pfirs  bäurisch,  röts  rötlich,  höps  Name  einer  hübschen  Kuh 
(in  nhd.  Bed.  nicht  mundartlich),  tsudttäppiss  zudringlich  (T.  461  b), 
söppi§§  die  Suppe  sehr  liebend,  göppiss,  gDÜppiss  gerne  tändelnd 
(T.  229  a),  töilps  leicht  zornig  (vgl.  T.  132  a),  ^ori  benommen,  be- 
täubt (T.  147  b),  Ä;/ 0^5  furchtsam,  feige  (vgl.  Id.  I  683),  närss,  von 
einem  Weibsbild  (k)nör§s  (zu  norr),  närrisch;  s.  auch  ivältä  (§  49a), 
älpfrent§  (§  48  c). 

6.  Verbale  Bildungen  auf  -h,  -dh. 

Bei  den  Verben  auf  -l9  halten  sich  die  Fälle  mit  und  ohne 
Umlaut  etwa  die  Wage.     Umgelautet  sind  die  Ableitungen  von 


—     97     — 

Verben  und  Substantiven  auf  -dr,  zB.  hopparh  leise  klopfen  (zu 
hoppdra),  füdtdrJd  gemütlich  für  .das  Vieh  füttern'  (zu  fuatfard); 
ferner  (vgl.  u.)  jmnpfdrh  aussehen,  noch  frisch  sein  Avie  eine  Jungfrau 
(jumpfdrd);  JcxattdUssh  nach  Katholizismus  riechen  (zu  kxattöhss), 
xähdsld  im  Sprechspiel  (s.  T.  90  b)  zu  xahds.  Weiter  findet  sich  der 
Umlaut  mit  ganz  wenigen  Ausnahmen,  wenn  das  Verbum,  zu  dem 
die  Ableitung  auf  -Id  in  Beziehung  steht,  noch  in  der  MA.  vorhanden 
ist;  die  Bedeutung  ist  zum  Teil  weniger  diminutiv  als  frequentativ : 
xlokxh  leise  klopfen  (xhko),  frogh  listig  ausforschend  fragen 
(frögd),  trätsJd  übermütig  herausfordern  (selten  tratsd),  hötsh 
wegen  jeder  Kleinigkeit,  fortwährend  putzen  (botsa),  usw.  (bei  T. 
gegen  30  Beispiele).  In  wenigen  Fällen  kommt  daneben  die 
Ableitung  mit  -r)lj  vor,  die  dann  stärker  diminuierend  ist  und 
mehr  nur  der  Kindersprache  angehört,  zB.  hökxdh  (neben  höTcxh) 
sitzen  (hokxa),  lüdgald  (neben^  üdgld)  schauen  (ludgd).  Zahlreich  sind 
die  natürlich  stets  umgelauteten  Ableitungen  zu  diminutiven  Sub- 
stantiven auf  -Ji,  bei  denen  allerdings  oft  auch  die  Beziehung  zu 
einem  Verbum  möglich  ist:  fdhrökxh  zu  kleinen  Stücken  (hrökxli) 
machen,  xüjxh  Kuchen  (Avofür  die  MA.  nur  das  Dim.  xiisxh  kennt) 
backen,  xrdmh  Naschwerk  (xrSmli)  kaufen,  xülbh  ein  Junges  (xülbh) 
werfen,  usw.  Von  Substantiven  abgeleitet  sind  auch  Spielbezeich- 
nungen wie  xärth  Karten  spielen,  nössb  mit  Nüssen  spielen,  damh 
auf  dem  Damenbrett  spielen,  grüdsäkxh  (siehe  bei  T.  283  a)  usw., 
ferner  näsh  durch  die  Nase  reden,  häkxh  Tabak  (in  der  MA.  bakx) 
rauchen,  rössh  (nach  T.  370  b)  Pferde  (ross)  halten  oder  damit 
handeln.  Umlaut  hat  auch  jiinnl)  Junge  werfen  (vgl.  T.  287  b). 
f'ädld  ,den  Faden  durch  das  Nadelöhr  ziehen'  ist  umgebildet  aus 
fäbnid,  fädnd  (vgl.  Id.  I  675).  Isoliert  sind  heute  gröbb  (ahd. 
grubilön  zu  graban)  grübeln,  sötla  (ahd.  scnfilun)  schütteln,  auch 
börtsld  purzeln. 

Den  um  lautlosen  Verben  auf  -Ij  fehlt  jede  diminutive  Bedeu- 
tung, so  natürlich  den  Ableitungen  zu  unumgelauteten  Substantiven 
auf  -sl  (Diminutiva  mit  Umlaut  werden  dazu  auf  -oh  gebildet; 
s.  unten),  zB.  hobh  hobeln,  nagh  nageln,  «>•//<?  (zu  ärfal  Armvoll) 
das  Heu  zwischen  Arm  und  Rechen  zusammentragen  (s.  T.  26  b). 
Außerdem  aber  zahlreichen  Verben,  die  in  der  heutigen  MA.  zum 
größten  Teile  isoliert  sind,  zB.  rammJa  (ahd.  rammaldn)  sich  herum- 
balgen, von  Knaben,  mannU  (ahd.  mangolun)  mangeln,  tsablo  (ahd. 

Vetsch,  Appenzeller  Mundarten  ' 


—     98     — 

Tabalon)  zappeln,  handld  (ahd.  hantolm  zu  hant)  vor  dem  Melken 
die  Zitzen  mit  der  Hand  bearbeiten  (s.  T.  256  a),  xafld  kauen, 
kwalxh  wackeln,  hrommld  brummen,  snärxld  schnarch  ein,  sodJj 
schütteln  (im  ganzen  über  40  Beispiele).  Wo  gelegentlich  ein 
Verbum  ohne  /-Suffix  daneben  vorkommt,  sind  die  beiden  gleich- 
bedeutend, zB.  worsta  neben  ivörstld  an  einen  Wisch  machen 
(T.  451  b),  wörgd  neben  worgh  mit  Mühe  in  etwas  hineinzwängen, 
xrösd  neben  xrösh  rascheln,  zB.  von  dürrem  Laub. 

Die  Fälle  auf  -9l9  haben  mit  wenigen  Ausnahmen  den  Um- 
laut. Zu  Verben  gebildet  bezeichnen  sie  meist  eine  geringfügige, 
langsame  oder  nachlässige  Handlung  (vgl.  E.  Odermatt  aaO.  S.  87), 
zB.  XDXXdld  vom  spielenden  Kochen  der  kleinen  Kinder,  mäxxdh 
oder  säffdld  gemächlich  arbeiten,  sügdld  (zu  siig9)  ein  wenig  saugen, 
ströddld  (zu  strodh)  schwach  sieden  (T.  verzeichnet  etwa  zwei  Dutzend 
Beispiele).  Noch  häufiger  (T.  hat  zwischen  30  und  40  Beispielen) 
sind  die  Bildungen  auf  -dh  zu  Substantiven  und  Adjektiven,  die  aus- 
drücken, wornach  etwas  riecht  oder  schmeckt,  oder  wem  es  in  Aus- 
sehen oder  Benehmien  ähnelt,  zB.  füldld  (zu  fül)  einen  faulen  Geruch 
oder  Geschmack  haben,  möstdld  nach  Obstwein  (most)  riechen, 
röüxdd  nach  Rauch  riechen  oder  schmecken;  hiohda  von  Männern 
und  Mädchen,  aussehen  oder  sich  benehmen  wie  ein  Knabe  (hudb), 
hrüttsh  aussehen  oder  sich  benehmen  wie  eine  Braut,  höpmdh  den 
Hauptmann  spielen.  Zu  Adjektiven  gehören  auch  knüdgdh  un- 
pers.  mit  Dat.  P.,  bald  genug  haben  (vgl.  T.  228  b)  und  töübdh  ein 
wenig  zornig  (touh)  sein.  Von  diminutiven  Substantiven  auf  -dU 
sind  zB.  abgeleitet  pössdh  Reiswellen  (^wssdli)  machen,  höüivsh  mit 
einer  kleinen  Hacke  (höüwdli)  bearbeiten,  fahrösmdh  zu  Brosamen 
(hrösmdli)  zerreiben.  Bildungen  zu  Substantiven  sind  auch  bonoh 
die  Erbsen  (bönd)  aushülsen  usw.  (s.  T.  66b  und  vgl.  Id.  IV  1315), 
bälldld  mit  dem  Ball  spielen,  ferner  xögdU  (neben  xögh)  mit  bissigen 
Bemerkungen  necken,  reizen  (vgl.  T.  114  b),  fröstdld  frösteln,  tävvdh 
, dengeln'  gehört  zu  ahd.  tangol  Hammer.  Isoliert  ist  auch  xütsdh 
(zu  ahd.  kazziUyn)  kitzeln. 

Die  wenigen  unumgelauteten  Beispiele  auf  -dh  sind  pap- 
pdh  undeutlich  reden,  plappern;  stahkdla  (neben  stakld)  stottern; 
fosdh  (neben  fosdrh,  fösdrh)  schwankend  gehen,  von  einem  kleinen 
Kinde  (f3Sd(r)li);  tokkdh  (nach  T.  144  a)  in  M  Verstecken  spielen 
(zu  mhd.  tocken);  Sakkoh  schachern  (T.  383a);  horndh  schneien  und 


—     99     — 

wettern  wie  im  horndr  (Februar);  dann  auch  (tsämmd)xrogdld  zu 
einem  Knäuel  (xrogdl)  zusammenwickeln;  rugah  (neben  riigah) 
und  xugdJQ  (neben  xügdh  und  xugh)  kugeln,  rollen;  hokkdh  auf 
dem  Rücken  (hoklidl)  tragen;  Ijottoh  in  einer  Butte  (hottdh  i.)  tragen. 
Etwas  häufiger  sind  sie  in  der  Kindersprache  (vgl.  oben  2),  zB. 
slöffdld  schlafen,  (iif)hutsdh  auf  werfen. 

7.  In  den  Maskulinen  auf -Z/(^^  (ahd.  -Ung)  ist  der  Umlaut 
außer  vor  hindernder  Konsonanz  in  tummli.(g)  (§  78,  2),  xnummli(g) 
(§  69),  ferner  in  gf(Uh(g)  (s.  oben  unter  2),  stets  eingetreten;  aus  der 
großen  Zahl  nur  wenige  Beispiele:  nädli(g)  so  viel  Faden,  als  man 
auf  einmal  in  die  Nadel  nimmt,  ßrdjrJtfg)  Vorteil,  töiiblifg)  (zu 
touh)  ein  schnell  erzürnter  Mensch  (T.  132  a),  A/>-5VZ( fr/)  Einer,  der 
gegen  Kälte  sehr  empfindlich  ist,  bJoIi  (nach  T.  60  a)  in  K  als 
Schimpfname,  besonders  auf  nachlässige  Leute  (zu  Nö  aufgeblasen ; 
vgl.  Id.  V  105/6),  Nöfk(g)  und  Uöüdrh(g)  (zu  hlot;  vgl.  T.  59b) 
Schwächling,  slöftdrlt(g)  Schimpfname  (vgl.  T.  390b). 

8.  Ausnahmslos  haben  Umlaut  die  zahlreichen  Neutra  (Ja- 
Stämme)  mit  der  Vorsilbe  ge-,  wie  kfräss  grob  für  schlechtes 
Essen  (vgl.  Id.  I  1317/8),  klDÜff  Gelaufe,  Mibg  (zu  ludg^)  das  Be- 
gucken (vgl.  T.  226  a),  öhdrlxsüd  das  Oberleder  eines  Schuhes, 
TiXnöttdr  (zu  xnottdrd)  Gepolter,  usw. 

Auf  dem  Gebiete,  wo  mhd.  ei  >  ä  wurde  (s.  §  80),  ist  dieses  ä  häufig 
analogisch  zu  ä  (bezw.  e;  s.  §  73)  umgelautet,  so  im  Diminutiv,  zB.  stäh  (zu 
sta)  Steinchen,  lätt»rli  (zu  lätt9rd)  Leiter;  im  Plural,  zB.  srä  (zu  srä)  Schreie, 
dann  auch  in  Fällen  wie  räfh  den  Reif  CräfJ  schlagen  (als  Knabenspiel), 
sicäsdJd  nach  Schweiß  riechen  (dagegen  stcäsd  von  undichten  Gefäßen  und 
Wunden,  fließen),  icädli  (für  zu  erwartendes  tcadh,  mhd.  weidelich)  schnell, 
usw.;  selten  dagegen  im  Komparativ  und  Superlativ,  wo  es  heißt  zB.  hrättdr, 
brätst  breiter  breitest. 

Bundimg. 

§  91.  Sie  tritt  ein  a)  vor  Labialen  (avo  nichts  bemerkt 
ist,  gilt  die  Erscheinung  auf  dem  ganzen  Gebiete): 

i  >-  ü:  silmnidl  (mhd.  scliimeT)  weißes  Pferd,  dazu  sümnidh 
Name  eines  Spieles  (s.  T.  401  b) ;  nur  in  K  veraltend  stüfil  (außerhalb 
K  stefdl)  Stiefel.  —  e  >»  ö;  löffal  (mhd.  leffel)  Löffel;  außer  in  I  (wo 
dafür  ett'j,  etsd)  öppd  (mhd.  etewa)  etwa  (doch  noch  häufiger  eppj);. 


—     100     — 

in  K  und  Grub  öpfid  Apfel,  sonst  cpßl  (in  den  Sg.  gedrungener 
PI;  vgl.  §  50a);  in  V  M2  (schwankend  in  Mi)  söpfg  (mhd.  schepfen) 
schöpfen,  sonst  scpfo  (auch  in  Wald  und  Reh.  noch  bei  altern  Leuten). 
—  e  >-  ä;  tr:')ff\)  trefien,  f/\-?/f  Zusammentreifen  (vgl.  T.  153b);  zu 
tsömmdr,)  in  H  I  s.  §  61  c  (es  könnte  hier  auch  Rundung  von  i  >>  m 
und  nachherige  Senkung  >-  ö  [vgl.  §  70,  2  a]  vorliegen ;  doch  vgl. 
oben  siinimsl).  —  Nur  im  Sand  bei  Trog,  begegnete  mir  tsömnu 
»zusammen'  für  zu  erwartendes  tsämmo  (vgl.  §  49  f). 

b)  vor  w- Verbin  düng  (zum  Teil  nach  Labial): 

/  erscheint  als  ö,  wobei  die  beiden  Möglichkeiten  bestehen: 
i '^  ü  ^  ö  (vgl.  §  70,  2  a)  oder  /  >>  e  (vgl.  §  61a)  >  ö.  Die  Ge- 
biete sind  verschieden:  ßnch  finden,  bmdd  binden,  ivöndd  winden, 
wöndh  f.  Windel,  möndar  (mhd.  minner)  minder,  hönddr  hinter, 
Jcswöndd  (zu  mhd.  swinden)  unpers.  mit  Dat.  P.,  bewußtlos  werden 
und  ]iönt3(li)heljjr  (zu  mhd.  hinther)  Himbeer  (vgl.  T.  273)  in  HIM 
(in  Trogen  Schwanken);  hwönno  gewinnen,  Jiömid  hinten,  drönn 
darin  in  H  I  Mi ;  römid  in  H  I  M  Vi  (nur  in  K  remid).  Die  Formen 
für  ,Kinn'  (mhd.  kinne)  sind  xü)373  in  H  und  vereinzelt  in  K  (wo 
nach  T.  105  a  dafür  auch  Jcxind),  xövio  in  M  Vi  (in  K  gilt  dafür 
häufiger  und  in  I  ausschließlich  xifdl,  eigentlich  ,Kiefer').  —  e  >>  i> 
gilt  auf  dem  ganzen  Gebiete  in  frönt  (mhd.  vremcde)  fremd.  Die 
Gebiete  für  ksp'dst  Gespenst  und  hdsdl  Pinsel  s.  §  96. 

c)  V  0  r  SS,  SS,  s  (häufig  nach  Labial) : 

Auf  dem  ganzen  Gebiete  ist  Rundung  von  i  >  ü  (außerhalb 
K  gesenkt  >>  ö)  eingetreten  in  ivüssd  wischen,  wüss  Wisch;  tswüssdt 
zwischen  und  Jcswilst^rni.  Geschwister  (s.  T.  242  b);  ivössd  , wissen' 
gilt  fast  nur  in  H,  sonst  meist  wessa;  kwüssa  ,Gewissen'  findet  sich 
in  K  neben  kwissd,  außerhalb  K  dagegen  meist  kwössd;  so  außer- 
halb K  auch  kivöss  gewiß,  in  K  kivlss,  bezw.  kivts.  —  e  (<C  e  nach 
§  60,  2b  oder  Primärumlaut)  >-  ö  ist  allgemein  in  swöstdr  Schwester,' 
trö^^d  dreschen,  löss9  (mhd.  leschen)  löschen,  möss  (mhd.  messe) 
Messing,  ivös§  (mhd.  tveschc)  Wäsche.  —  ei  >»  öü  zeigt  allgemein 
hoüssd  heischen ;  seltener  ist  smöüsj  (mhd.  smeizen)  , werfen',  wozu 
auch  ksmöüst  n.  Gemengsei,  Durcheinander. 

d)  vor  r  {-{-  Kons.)  nach  Labial: 

Auf  dem  ganzen  Gebiete  kommt  einzig  vor  ivörffd  werfen 
(doch   bei   den  Jüngern   auch  werffS).     In    den  übrigen  Fällen  ist 


—     101       - 

die  Rundung  nur  im  östlichsten  Teile  von  K  (Walz.,  Reute,  uOb.) 
eingetreten ;  nur  in  einzelnen  Wörtern  kennt  sie  ganz  K.  Da 
i  und  e  vor  r  {-\-  Kons.)  in  K  zu  is  gebrochen  sind  (vgl.  §  94  b), 
so  erscheinen  beide  als  üd  (außerhalb  K  ist  /  gesenkt  zu  e  und 
wie  dieses  meist  gedehnt),  i  >•  «3;  ivüdrt  Wirt,  wüdvtd  wirten, 
tswüdrnd  zwirnen,  tvngrft  wirft,  ivudrt  wird,  füdrst  First,  sniüsrbd 
(mhd.  sniinven)  schmieren.  —  e  >>  «a;  wusrnid  wärmen,  wüarnu 
Wärme,  sivüartsdr  schwärzer,  ivü^rpfd  (mhd.  werpfe)  Aufzug  des 
Gewebes,  Zettel  (s.  T.  445  b). 

e)  vor  Z  f^^-Verbindung: 

Auf  dem  ganzen  Gebiete  gilt  tswölf  (mhd.  sivelf)  zwölf,  wo 
jedoch  das  vorausgehende  ic  die  Rundung  bewirkte. 

Heute  noch  ein  Hauptmerkmal  der  Innerroder  Mundart  ist 
die  Rundung  jedes  /,  e,  e  vor  ^-Verbindung;  der  Grund  liegt  in 
der  spezifischen  Artikulation  des  i  (s.  §  18).  i  >>  ü  (individuell 
geradezu  >>  ö) :  viüix  Milch,  bilid  Bild,  sulhdr  Silber,  ivüikxüixdh 
Wildkirchlein  (auf  der  Ebenalp),  sfuH  still,  ivüUhxomm  willkomm, 
sülhr  Einer,  der  schielt,  usw.  —  c  ^  ö  (vgl.  §  93  a) :  öUdr  älter, 
göitj  (vgl.  §  48  f )  Waschzuber,  böits  Pelz,  höii  Hölle,  tsölid  zählen, 
xöiia  Kelle,  usw.  —  e  >-  ä:  göM  Geld,  ivöH  Welt,  möixd  melken, 
Äppdtsöil  Appenzell,  höll  hell,  xölldr  Keller  usw.  —  Vor  ein- 
fachem intervokalischem  l  ist  keine  Rundung  eingetreten;  nur 
selten  hört  man  spüh  spielen. 

Die  Erscheinung  war  früher  sicher  nicht  auf  I  beschränkt; 
denn  es  finden  sich  noch  Reste  davon  in  H  und  Mi.  Ziemlich 
allgemein  auf  diesen  Gebieten  ist  heute  noch  Aä7/f<?  helfen.  Weitere 
Fälle  kommen  in  H  noch  bei  alten  Leuten  vor;  T.  gibt  für  H 
manchmal  die  gerundete  Form  an,  wo  ich  sie  heute  nicht  mehr 
feststellen  konnte. 

Eiufluß  von  X  auf  vorausgehenden  Tokal. 

§  92.  Auf  dem  ganzen  Gebiete  sind  l  und  ü  gebrochen 
vor  a;-Verbindung:  f  >»  ia  in  lidoct  (mhd.  Vihte)  leicht,  tbxsld 
(mhd.  dlhsel)  Deichsel,  iridxsh  (mhd.  ivthsel)  Weichsel;  ü  >►  üa  in 
füdxt  (mhd.  viuhte)  feucht.  Dagegen  vor  einfachem  x  nur  in 
K  (vereinzelt  bei  langsam  sprechenden,  altern  Leuten  in  ganz  V), 
zB.  rijx  reich,  glhx  gleich,  liax  Leiche,  Östridx  Osterreich,  kxidxxd 
(mhd.  Jclchen)  keuchen. 


—     102     — 

Nur  in  K  außer  oOb.  sind  auch  kurz  i  und  ü  gebrochen: 
/  >»  J9  zB.  in  stiaxx  Stich,  sidXXdr  sicher,  siaxxh  Sichel,  ridXti  richtig, 
TcsidXf  Gesicht;  //  >>  «9  in  trü9xxn9  trocknen,  trüdxxm  Trockenheit. 
Doch  sind  diese  Kurzdiphthonge  nicht  bei  Allen  gleich  deutlich 
ausgeprägt. 

Bei  den  altern  Leuten  in  K,  welche  in  diesen  Stellungen 
noch  palatales  /  sprechen,  findet  gar  keine  Brechung  statt,  also 
zB.  Ji)(t  leicht,  lixl)^^a  keuchen,  sly^/^r  sicher,  träyyns  trocknen. 

Einfluß  von  l  {-\-  Kons.)  auf  vorausgehenden  Tokal. 

§  93.  Der  Unterschied  in  der  Artikulation  des  l  zwischen 
dem  östlichen  und  Avestlichen  Gebiete  (s.  §  18)  äußert  sich  in 
dessen  Einfluß  auf  vorausgehende  Vokale : 

a)  im  westlichen  Gebiete  -vvirkt  es  öffnend  auf  voraus- 
gehendes e,  0,  ö  und  zwar  in  Mi  I  H2  und  Schön,  (schwankend 
in  Schwellbr.)  nur  i  -\-  Kons.,  einzig  in  Her.  (und  schwankend 
in  Schwellbr.)  auch  einfaches  l:  auf  Primärumlaut-e  (zur  gleich- 
zeitigen Rundung  in  I  s.  §  91  e)  zB.  in  heil  Hölle,  elt,fr  älter,  fjelt9 
Waschzuber,  Stella  stellen:  —  auf  i-Umlaut  von  e  (vgl.  §  60,  2a) 
in  helfs  Pelz,  felso  Felsen,  iceh  welcher:  —  auf  0,  ö  (=  mhd.  0,  ö; 
vgl.  §§  65.  66)  zB.  in  foll  voll,  holld  Bollen,  liolfj  gegolten,  JiDltsh 
Hölzchen,  hole)  holen,  s^fe  Sohle,  kstoh  gestohlen:  auch  auf  0  <C  ^< 
(vgl.  §  68  aa),  zB.  in  sold  Schuld. 

Vereinzelt  steht  hodd  holen  in  I. 

b)  im  östlichen  Gebiete  (Ma  Y)  sind  die  geschlossenen 
e,  0,  ö  in  den  angeführten  Fällen  bewahrt,  also  zB.  hell  Hölle, 
belts  Pelz,  foll  voU,  koltd  gegolten,   höltsli  Hölzchen,   sold  Schuld. 

In  M2  wirkte  l  sogar  verengend  auf  e  (mhd.  e)  >-  e:  steh 
stehlen,  hell  hell,  xelhr  Keller,  geld  Geld,  selhar  selber,  helffa  helfen, 
melxd  melken,  usw.,  denen  auf  dem  ganzen  übrigen  Gebiete  steh, 
hell,  xell.)r,  usw.,  gegenüberstehen :  einzig  helh  gilt  auch  in  Y 
außer  Ob.  und  Reute.  Dieser  Wandel  muß  jünger  sein  als  die 
Dehnung;   denn   auch  in  Mi^  heißt  es  gel  gelb,  selta  selten,   usw. 

-ol,  -öl  >-  -Olli,  -öül  s.  §  89,  2. 

Dehnung  vor  /  (4-  Kons.)  s.  §§  100.  103. 


—     103     — 

Einfluß  von  r  {-\-  Kons.). 

§  94.  a)  In  H  und  weniger  konsequent  in  Mi  ist  Primär- 
umlaut-e  vor  folgender  /-Verbindung  geöffnet  ~>  e:  hert  hart, 
ferti(g)  fertig,  ferl-j  fertigen,  liefern,  Jierpsf  Herbst,  gegenüber 
hert,  ferti(g)  usw.  in  Ma  Vi,  hbrf,  fidHi  usw.  in  K  (s.  u.),  und 
het,  fettig  usw.  in  I  mit  Schwund  des  r. 

b)  Brechung  findet  sich  auf  dem  ganzen  Gebiete  in  ksidr 
(mhd.  geschirre)  Geschirr,  äksidr^  (in  K  meist  äksidrd)  ein  Pferd 
schirren,  dann  übertragen,  etwas  anordnen,  anstellen;  ßridrj  (mhd. 
verirren)  sich  irren,  täuschen;  sniidrc),  in  K  sniidrj,  älter  snUdrhd, 
sniüdrhd  (mhd.  smincen)  schmieren,  salben ;  spuar  (mhd.  spur)  Spur, 
(k)spüdrd  (mhd.  spnrn)  spüren;  tüdr  (mhd.  dürre)  dürr. 

Nur  in  K  außer  Heid.  und  oOb.  ist  jedes  i,  u,  ü  sowohl  vor 
einfachem  >•  als  vor  /--Verbindung  gebrochen  >>  t»,  ug,  us.  Dabei 
ist  die  Artikulation  des  r  vor  folgendem  Konsonanten  bei  den 
Einzelnen  verschieden  deutlich  ausgeprägt,  wird  individuell  auch 
ganz  aufgegeben  (vgl.  c).  ZB. :  bi^rj  Birne,  ividrf  Wirt,  tswbrns 
zAvirnen,  fidrd  First;  hu9rdi  Bürde,  l^xuarts  kurz,  icudrff  Wurf, 
ivuarst  Wurst,  Wudrm  Wurm,  tudm  Turm ;  tügr  Türe,  hüarstd  Bürste, 
lüüdrgd  würgen.  Außerhalb  des  erwähnten  Gebietes  ist  häufig 
Senkung  (vgl.  §§  62.  68.  70)  und  Dehnung  (vgl.  §  104)  eingetreten, 
so  daß  sich  gegenüberstehen  zB.  wert  :  ividrt,  ivörst  :  ivugrst,  hörstd  : 
hüarstd. 

In  ganz  K  (jedoch  bei  den  Jüngern  nicht  mehr  konsequent) 
ist  Primärumlaut-c  vor  r  (-[-  Kons.)  gebrochen  zu  id'.  Jihrt  hart, 
hidrpst  Herbst,  i^rhc)  erben,  sigrpfjr  schärfer,  wigrmar  wärmer,  idrmd 
Ärmel,  Mhrxxdr  stärker,  swidrtsiir  schwärzer,  kxhrtsa  Kerze,  usw. 
—  und  ebenso  o  >►  «^  in  fudrt  fort,  fuarm  Form  (vgl.  §  65). 

Zur  Rundung  nach  Labial   auf  einem  Teile  von  K  s.  §  91  d. 

Auf  Einfluß  des  vorausgehenden  r  geht  der  Diphthong  wohl  zurück  in 
bridmnid  f.  Bremse  in  M2  Vi,  gegenüber  hrem(m)d  auf  dem  übrigen  Gebiete 
(vgl.  Id.  V  605)  und  hridnta  niederer  Holzzuber  in  M2  Wald,  Reh.,  gegenüber 
hrmtd  (in  H  brentd)  auf  dem  übrigen  Gebiete  (vgl.  Id.  V  757  8). 

c)  Auf  dem  ganzen  Gebiete  außer  I  kommt  vor  folgender 
Konsonanz  Vokalisierung  des  r  vor  zu  <?,  das  mit  dem  voraus- 
gehenden Vokal  einen  unechten  Diphthong  bildet,  zB.  mit  ge- 
dehntem Vokal  (vgl.  §  104)  hadts  Harz,  stejba  sterben,  cdhd  erben, 
xodh  Korb,  wojst  Wurst,  böasto  Bürste ;  mit  vorausgehender  Kürze 


-     104     — 

entsteht  ein  Kurzdiphthong,  zB.  swaJs  schwarz,  weaffd  werfen, 
heyt  hart,  Xo:)tfi  kurz.  Doch  findet  ebenso  häufig  eine  schwache, 
kaum  hörbare  Artikulation  des  r  statt,  und  bei  nachdrücklichem 
deutlichem  Reden  wird  das  r  voll  ausgesprochen.  In  I  findet  voll- 
ständiger Schwund  des  /•  vor  folgender  Konsonanz  statt. 

e  >  c  vor  altem  rr  in  I  s.  §  60,  2  d. 

er  >>  eir  s.  §  89,  1  a. 

Dehnung  vor  /•  (-f-  Kons.)  s.  §§  100.  104. 

Einfluß  der  Nasale. 

§  95.  Auf  dem  ganzen  Gebiete  wird  von  altern  Leuten  noch 
jeder  Vokal  in  nasaler  Umgebung  nasaliert  gesprochen.  Die 
Nasalierung  ist  also  sowohl  progressiv  als  regressiv  und  betrifft 
Kürze  und  Länge ;  auch  wo  der  Nasal  im  Auslaut  geschwunden  ist, 
ist  die  Nasalierung  meist  erhalten.  Die  jüngere  Generation  jedoch 
hat  außer  in  I  die  Nasalierung  in  weitem  Umfange  aufgegeben, 
doch  mit  starken  individuellen  Schwankungen.  Für  den  Inner- 
roder  ist  heute  noch  starkes  , Näseln'  kennzeichnend;  vielfach  ist 
die  Nasalierung  hier  nicht  beschränkt  auf  die  Vokale  in  nasaler 
Umgebung,  sondern  das  Gaumensegel  bleibt  Avährend  der  ganzen 
Rede  mehr  oder  weniger  gesenkt. 

Die  qualitativen  Veränderungen  der  Vokale  unter  dem 
Einflüsse  der  Nasalierung  sind  sehr  verschieden  in  den  einzelnen 
Gebieten,  am  stäi'ksten  in  I. 

1.  Zum  heute  ausgestorbenen  Übergang  von  a  >»  a  vor  Nasal 
in  K  s.  §  46,  Anm.  1. 

2.  Der  überoffene  ä-Laut  ist  vor  und  nach  Nasal  verengt  in 
H  Bühl.  Teuf.  >  ^  e  (teilweise  auch  erst  zu  einem  zwischen  ä  und  e 
liegenden  Laute),  in  I  noch  weiter  zu  f  f  und,  mehr  individuell, 
sogar  bis  ^  e  e.  In  H  sind  einzelne  Wörter  noch  schwankend, 
rmmentlich  Plurale  und  Diminutiva,  bei  denen  Systemzwang  den 
Übergang  hintanhält;  dagegen  kennt  I  keine  Ausnahmen.  Durch- 
aus bewahrt  ist  der  ä-Laut  in  Gais  (wo  also  sehr  scharf  über- 
offenes ü  und  geschlossenes  e  (e)  von  I  zusammenstoßen),  in 
M2  V  dagegen  nur  noch  bei  altern  Leuten  in  allen  Fällen;  bei  der 
Jüngern  Generation  nimmt  hier  die  Verengung  >»  e  immer  mehr 
überhand.    In  den  folgenden  Beispielen  ist  darnach  für  jede  Gegend 


—     105     — 

der  ihr  zukommende  Laut  einzusetzen ;  ich  führe  die  e-Form  an 
und  bezeichne  in  diesem  Kapitel  auch  die  Nasalierung.  Es  werden 
betroffen  a)  der  Sekundärumlaut  von  a  (vgl.  §§  47.  49),  zB :  next 
gestern  abend,  neppdr  Bohrer,  sem(7n)d  schämen,  ivmtdld  Wanze, 
hevJcxh  Bänklein.  —  b)  der  Umlaut  von  ä  (vgl.  §  73),  zB.:  menti(g) 
(<^*mänin-tag)  Montag,  mp  mähen,  nedli(g)  soviel  Faden,  als  auf 
einmal  in  die  Nadel  genommen  wird,  mit  (mhd.  ämät)  Grummet 
(mit  unerklärtem  Umlaut   wie  in  mhd.  üemet;  vgl.  Id.  I  213).  — 

c)  außer  in  K  auch  ä  <i  ei  (vgl.  §§  80.  81),  zB. :  tsend  f.  (mhd. 
zeine)  geflochtener  Korb,  he  Bein,  emnur  Eimer,  he  heim,  pmend 
Gemeinde,  ne  nein,  mettd  Mädchen. 

3.  Mhd.  e  (vgl.  §  60)  ist  verengt  >-  e;  a)  auf  dem  ganzen 
Gebiete  vor  im  Auslaut  geschwundenem  Nasal:  de  den,  ?('e  wen, 
ge  (mhd.  gehen,  gen)  geben,  ne  (mhd.  nemen)  nehmen.  —  b)  über- 
haupt vor  Nasal  in  V  Ma :  ivemm  wem,  demm  dem,  den.)  denen, 
endt  (mhd.  enent)  jenseits,  tsentdr  (mhd.  zentencere)  Zentner,  trennd 
oder  tre  f.  in  K  (mhd.  trene)  Drohne,  rcovd  (in  K)  regnen  (sonst 
regnS).  —  c)  in  der  Verbindung  ervi  >►  enn  in  I  (zum  Schwund 
des  r  vgl.  §  94),    zB.  genn  gern,    stenna  Stern,    Ie)mj  lernen.    — 

d)  nach  Nasal  in  I,  zB.  snek  m.  Schnecke,  xnext  Knecht,  xnettd 
kneten,  neho  neben,  messj  messen. 

4.  Primärumlaut-c  (vgl.  §§  47.  48)  ist  vor  Nasal  geöffnet  >>  e 
in  H  I  Ml,  zB.  xcm(ni)i  Kamin,  Jictnp  Hemd,  hrcn(n)j  brennen, 
hmd  Hände,  MrevD  streng,  lienkx.)  hängen. 

5.  Zur  Senkung  von  L  vor  n  {-\-  Kons.)  auf  dem  ganzen 
Gebiete  vgl.  §  61a;  während  sie  in  Ma  V  nur  bis  >»  e  geht,  tritt 
in  H  I  Ml  dem  Vorigen  entsprechend  dafür  e  ein,  zB.  xend  Kind, 
fendj  finden. 

6.  Über  f  >»  e  vor  im  Auslaut  geschwundenem  Nasal  außer- 
halb K  s.  §  75,  2.  ' 

7.  In  I  ist  mhd.  o  ö  (vgl.  §  65)  nach  Nasal  geschlossen  (n  p) 
oder  nur  schwach  geöffnet  (o  ö),  während  auf  dem  ganzen  übrigen 
Gebiete  auch  in  dieser  Stellung  5  ö  entspricht,  zB. :  mpst  Most, 
xngdo  (mhd.  knode)  Knöchel,  Dim.  xnödh,  motta  unter  der  Asche 
glimmen  (vom  Feuer),  moga  Morgen. 

8.  Der  lange  ö-  und  Ö-Laut  vor  Nasal  ist  in  allen  Fällen 
in  H  I  Ml  (in  Speich.  schwankend)  geschlossenes  ö  8  oder  schwach 
geöffnetes  ö  S,  während  in  V  M2  (in  Speich.  schwankend)  offenes 


—     lOG     — 

g  §  und  zwar  a)  entsprechend  mhd.  6,  ö  (vgl.  §§  76.  77),  zB. : 
h^n,')  {-()-)  Bohne,  lg  (-ö)  Lohn,  Jtp  (-5)  (mhd.  hoenc)  böse,  zornig. 
—  b)  entsprechend  mhd.  ä  ce  (vgl.  §§  71.  73,  2),,  zB, :  söm(m)9-{-ö-) 
Samen,  xrgm(mj  {-[)-)  (mhd.  kram)  Geschenk,  Dim.  xrömli  (-5-), 
niQ  (-5)  (mhd.  mdnc)  Mond,  gö,  stö,  lö,  slö  (-5)  (mhd.  gän,  stän, 
län,  sh'oi)  gehen,  stehen,  lassen,  schlagen.  —  c)  entsprechend 
mhd.  OH  oil  (in  H  jedi>ch  o;  vgl.  §§  82,2.  83),  zB.  römm  (-5-) 
Rahm,  ggmmj  (-5-)  das  Haus  hüten.  —  d)  entsprechend  on  ön, 
an  im  vor  Spiranten  (vgl.  §  96),  zB. :  gJösj  (-ä-)  (mhd.  glansd)  Feuer- 
funke, fjgösti(g)  (-5-)  mißgünstig,  neidisch. 

In  I  ist  mhd.  ä  auch  nach  Nasal  durch  geschlossenes  ö  oder 
nur  schwach  geöffnetes  o  vertreten,  während  auf  dem  ganzen 
übrigen  Gebiete  in  dieser  Stellung  o  entspricht,  zB. :  nödh  Nadel, 
nQt  Naht,  mgh  malen,  tnöss  Maß. 

9.  Zur  SenkAg  von  u  vor  n  und  m  -\-  Kons.  >>  o  auf  dem 
ganzen  Gebiete  vgl.  §  68  b. 

10.  id,  ua,  üd  vor  Nasal  >-  e,  3,  3  in  K  s.  §§  85,  2.  86,2.  87,2. 

§  96.  Es  möge  hier  die  sog.  Vokalisierung  des  n  an- 
geschlossen werden.  Vgl.  zum  ganzen  F.  Staub  ,Ein  schweizerisch- 
alemannisches Lautgesetz 'J^a  Frommanns  Deutschen  Mundarten  VII 
(1877)  S.  18  ff.  191  ff.  333  ff.;  zu  den  appenzelHschen  Verhältnissen 
besonders  S.  345.  Die  Erscheinung  zeigt  sich  auf  dem  ganzen 
Gebiete  vor  allen  drei  Spiranten.  Weitaus  die  meisten  Beispiele 
gelten  jedoch  für  die  Stellung  a)  vor  dentaler  Spirans: 

a7is  (teilweise  aus  ants)  <C  (is:  fäsd  Tanse  {fdtäsdt,  f'Qtäsdht  so 
,sehr  schön'  fasse  ich  mit  F.  Staub  aaO.  S.  334  als  euphemistisch  für 
verstärkendes  ,verdammt'  mit  Anlehnung  an  täsd) ;  fräsh  f.  Franse, 
fräslo  fasern  (vgl.  Id.  I  1310);  frastss  fremdartig  (vgl.  T.  204  und 
Id.  I  1311);  nur  in  V  gilt  xras  Kranz,  xräs,)  ,kranzen'  gegenüber 
xränts,  bezw.  xrfits,  xranfs  auf  dem  übrigen  Gebiete;  HasU  für 
Hansli  Dim.  zu  Hans,  das  T.  258  a  angibt,  ist  heute  selten  ge- 
worden, doch  ist  in  I  noch  allgemein  Hästom  Hans  Anton. 

ans  >»  äs :  bräs.jb  (bezw.  nach  §  95,  2  -e-,  -e-,  in  K  -äss-) 
nach  Brand  riechen,  brenzeln  (die  Annahme  sekundärer  Diminutiv- 
bildung zu*brgsj  <ihranscn  ist  unnötig;  vgl.  Id.  V 741);  fraglich  ist, 
ob  täsli  Dim.  zu  Tanse,  und  tädig  Tragriemen  an  der  Tanse  (T.  130b) 
lautlich  entwickelt  sind  oder  ob  Neubildungen  zu  täsd  vorliegen. 


—     107     — 

ens  (ms)  >»  es:  hesdl  (mhd.  hcnsel,  lat,  penicillum)  gilt  heute 
nur  auf  einem  kleinen  Gebiete  in  Urn.  und  Haslen ;  in  V  M2  gilt 
h5s9l,  in  Ml  Hundw.  Stein  bösdl  (vgl.  §  95,  8),  welche  Formen  auf 
gerundetes  öns  <C  ens  zurückgehen  (vgl.  §  91b);  in  I  herrscht  hmisd 
(vgl.  dazu  Id.  IV  1393),  im  übrigen  H  bensd.  Den  selben  Formen- 
reichtum zeigt  ,Gespenst'  (mhd.  gespenste^:  kspest  in  H  I  Mi  (in 
Schwellbr.,  Schön,  auch  Jcspenst),  ksp3st  in  M2  V.  festdr  Fenster  in 
IM  V  hat  in  H  (nach  T.  179a  auch  in  I,  doch  heute  nicht  mehr) 
feistdr  neben  sich  (s.  dazu  u.);  auf  dem  ganzen  Gebiete  dringt 
heute  fenstjr,  bezw.  fenstdr  ein. 

ins  mußte  nach  §  61  a  zu  ens  Averden  und  ist  daher  eben- 
falls durch  es  vertreten:  tses  Zins,  tsesd  zinsen;  hesd  (in  K  -ss-) 
(mhd.  hincs,  hins)  Binse;  tressd  weinerlich  klagen  (vgl.  F.  Staub 
aaO.  S.  200);  nur  in  V  fesh  (neben  seltenem!  fish)  mürrisch 
zanken  (vgl.  T.  191/2  und  Id.  I  1071).  Zu  les  «  Uns  und  dies 
mit  Einschub  von  n  aus  lls  vgl.  F.  Staub  aaO,  S.  857  f. 

ons,  öns  >  öS,  ps,  bezw.  5s,  3s  (s.  §  95,  8) :  in  K  mostor  (lat. 
monstrum)  Ungeheuer,  dazu  in  gleicher  Bedeutung  pmostdr  (vgl. 
Id.  IV  340);  hierher  gehören  auch  die  oben  angeführten  Formen 
hosdl  und  Jispdst. 

uns,  Uns  wurde  nach  §§  68  b.  70,2  a  gesenkt,  und  es  entspricht 
QS,  ö.sin  H  I  Ml,  ös,  3s  in  M2  V  (s.  §  95, 8) :  glöS9  (mhd.  glimse)  Feuer- 
funke; tsösh  unvorsichtig  mit  Feuer  umgehen  (vgl.  T.  461a  und 
F.  Staub  aaO.  S.  29  f.);  hierher  auch  (mit  Kürzung)  hlu9drösti(g), 
in  K  hlioärös  (nach  T.  61b)  (zu  mhd.  hluotnmsec,  -riins)  blutrünstig 
(vgl.  Id.  VI  1153/5);  ös  uns  (mit  Umlaut  aus  dem  Acc.  ahd.  unsih) 
gilt  nur  in  I  H2  Mi ,  auf  dem  übrigen  Gebiete  (Hi  und  M2  V)  heißt 
es  durchaus  üs.  —  Die  Vertretung  von  uns,  Uns  ist  außerhalb  K 
derjenigen  von  uns,  uns  analog:  wö§s  (bezw.  -5-)  Wunsch,  ivössr) 
wünschen;  ö(r)s(t)li(g)  (mhd.  unslH)  Unschlitt;  xöst  Kunst,  xösth 
künsteln,  xpsthr  Künstler;  hröst  Brunst,  hrdsti(g)  brünstig:  tost 
Dunst,  tösti(g)  dunstig;  pgöst  Mißgi^nst,  Neid,  f9gösfi(g)  neidisch. 
In  ganz  K  gilt  jedoch  ivüss,  ivüssd,  üs(t)li  und  in  Walz.,  Reute, 
uOb.,  schwankend  in  Wolfh.  und  oOb.,  herrscht  -ü-  auch  in  den 
übrigen  Beispielen. 

b)  Vor  labialer  Spirans  ist  das  einzige  heute  allgemein 
gültige  Beispiel  fgf  (bezw.  -5-)  fünf;  vgl.  die  Bemerkung  zu  t8f3l 
in  I   (§  79).     Alte  Leute   brauchen   noch   etwa  fjrnöft  Vernunft, 


—     108     — 

fdrnö(ti(g)  vernünftig,  während  heute  fdrnumpft,  fdrnümpfti(g) 
die  gewöhnliche  Form  ist,  T.  254/5  gibt  noch  an  häf  Hanf, 
häf'Kjj)  aus  Hanf  hergestellt,  neben  hampf,  welche  Form  heute 
ausschließlich  vorkommt. 

c)  Vor  gutturaler  Spirans:  äxs9,  in  K  g,ss9  {mhd.  anch^en) 
ächzen  (s.  Id.  I  300);  hexdr  {<^*hwchar,  ahd.  hini-kar)  Bienen- 
korb (s.  Id.  IV  9(58);  nach  T.  114  a  auch  xöxh  (dagegen  in  K 
IxXunkxJj)  Kunkel. 

F.  Staub  erwähnt,  daß  auch  Appenzell  ,in  einem  oder  zwei 
Beispielen'  die  Ausweichung  in  den  Diphthong  kenne.  Das  von 
ihm  vermutete  Beispiel  Hcisi,  fällt  nach  §  89,  1  a  weg,  und  es 
bleibt  nur  feistar  , Fenster'  in  dem  oben  erwähnten  Teile,  das  sich 
im  angrenzenden  st.  gallischen  Gebiete  fortsetzt. 

In  I  tritt  nach  gedehntem  Vokal  meist  vollständiger  Schwund 
des  Nasals  vor  jedem  Konsonanten  ein,  zB.  tatsd  tanzen, 
gäts  ganz,  mgUal  Mantel,  tvettdr  Winter,  hetsj  Handschuh;  läppd 
Lampe,  stapf j  stampfen,  grephr  Grempler. 

Dagegen  wird  släts  in  K  (bei  T.  388  a)  , unhaushälterische  Weibsperson' 
nicht,  wie  F.  Staub  aaO.  S.  196  vermutet,  auf  *schlants  zurückgehen,  sondern 
ä  <  ei  (vgl.  §  80)  haben  und  zu  mhd.  sleitzen  gehören,  dem  Faktitivum  zu  mhd. 
sitzen,  mundartlich  sltsss  (bei  T.  389). 

b)   Quantitative  Veränderungen. 

Die  Qualität  der  Vokale  bleibt  dabei  intakt,  wie  es  in  den 
schAveizerischen  Mundarten  die  Regel  ist. 

Hochalemanuische  Dehnung. 

§  97.  Vor  auslautender  Lenis  tritt  die  Dehnung  fast 
durchgehend  ein  und  betrifft  alle  Vokale.  ZB.  vor  Verschluß- 
laut: räd  Rad,  xleb  (mhd.  kle2),  -bes)  Kleister,  smed  Schmied, 
trog  Trog,  tsög  Zug,  —  vor  Reibelaut:  glas  Glas,  gras  Gras, 
grex  {mhd.  gerech)  fertig,  höf  Hof,  —  vor  Sonorlaut:  bär  bar, 
ser  (mhd.  schrr)  Maulwurf,  hwer  Gewehr,  nier  mir  (betont),  tor 
Tor,  tör  Türe;  smäl  schmal,  tsäl  Zahl,  mel  Mehl,  stzl  Stiel,  hol 
hohl,  ol  Ol;  mit  nachherigem  Abfall  des  n  (zur  Nasaherung  vgl. 
§  95)  tsä  Zahn,  ge  (mhd.  gen)  geben,  he  hin. 


—     109     — 

Doch  kommt  in  manchen  Fällen  neben  Dehnung  seltener 
bewahrte  Kürze  vor,  ohne  daß  sich  eine  Regel  dafür  aufstellen 
ließe.  Ein  regelmäßiger  Wechsel  von  Dehnung  vor  Pausa  mit 
Kürze  im  Satzinnern  findet  sich  nirgends.  Vorwiegend  kurz  sind 
red  Rede,  ives  Wiese,  jiid  Jude,  und  nur  mit  Kürze  kommen  vor 
has  Hase,  groh  grob.  K  verhält  sich  etwas  ablehnender  gegen 
die  Dehnung  als  das  übrige  Gebiet. 

Bewahrung  der  Kürze  vor  Sonorlaut  mit  Verschärfung  des 
Konsonanten  s.  §  34. 

Zum  Unterbleiben  der  Dehnung  im  Imperativ  der  starken 
Verben,  zB.  geh!  gib!  vgl.  §  106. 

§  98.  In  mehr  vereinzelten  Fällen  ist  auch  Dehnung  ein- 
getreten vor  auslautender  Sonor-  und  Reibefortis  mit 
gleichzeitiger  Schwächung  des  Konsonanten.  Die  Beispiele  vor 
Sonorlaut  sind:  fäl  m.  Glück  (vgl.  T.  175b),  öfäl  Unglück,  nur 
selten  noch  l  demm  fäl  ,in  diesem  Falle'  (meist  fall);  öl  ,all' 
in  öhdräl  (vgl.  §  103);  fei  n.  Fell,  Schorf  über  einer  Wunde; 
hxivel  n.  ,Gewell'  (siehe  §  31);  —  sivüni  (im  Ablaut  zu  mhd. 
sivam,  -mnies)  Schwamm  (vergl.  §  102);  sttm  Stimme;  —  mit 
Schwund  von  n  (<;  nn):  niä  Mann:  häivnrt  (bei  T.  37a)  ,Gemeinde- 
gutaufseher'  setzt  hä  ,Bann'  voraus;  neben  SJ  ,Sinn'  kommt  auch 
vor  sinn,  sind.  Vor  Reibefortis  kommen  vor  häs  (mhd.  haz) 
besser;  iväs,  das  (mhd.  waz,  das)  Avas,  das;  ref  n.  (mhd.  r'ef,  -ffes) 
Traggestell  (vgl.  Id.  VI  644 f.);  es  f.  Esche  in  I  (neben  häufigerm 
eis;  vgl.  §  89,  1  b)  gegenüber  ess,)  auf  dem  übrigen  Gebiete; 
fls  m.  (nach  T.  193  b)  die  in  eine  längliche  Form  im  Kessel  zu- 
sammengebrachte Käsemasse,  dagegen  fiss  in  der  nhd.  Bedeutung; 
spts  m.  in  H,  sonst  spts(s)j  ins  Fleisch  gedrungener  Holzsplitter, 
dagegen  spess  Holzspan;  hes  n.  (mhd.  his)  in  M  und  Vi  teilweise, 
sonst  pess  (in  K  piss)  Gebiß,  dagegen  allgemein  hess  (iii  K  hiss) 
Biß,  Bissen;  hwls  gewiß  in  K,  sonst  hvöss. 

§  99.  Die  im  einsilbigen  Worte  entwickelte  Länge  ist  vielfach 
analogisch  übertragen  auf  zweisilbige  Formen,  zB.  tsth 
zielen  (zu  tsfl),  Öh  ölen  (zu  o/),  meli(g)  mehlig  (zu  mel),  usw.  Aus- 
nahmslos ist  die  Übertragung  vom  Adjektiv  auf  den  zugehörigen 
Komparativ,  Superlativ  und  das  Femininabstraktum,    zB. 


,    .  .  _     110     — 

zu  ämäl  schmal:  kndhr,  §tnel§t,  smeli,  zu  gräd  gerade:  greddr, 
(jrrtst,  (jredf,  usw.  Im  Diminutiv  ist  die  Kürze  meist  erhalten, 
zB.  rüdh  Rädchen  (zu  räd),  wecjU  Wegiein  (zu  -weg),  doch  mit 
Übertragung  der  Länge  feU  kleines  Fell  (zu  fei),  häufig  auch  trogli 
Tröglein  (zu  trog),  Mägli  schwacher  Schlaganfall  (zu  släg). 

Die  zweisilbigen  Plurale  Avie  tsäh  Zahlen  (zu  tsäl),  törd  Türen 
(zu  tör)  haben  Länge,  von  den  neutralen  Pluralen  auf  -dr  nur 
diejenigen  auf  Sonorlaut:  telhi'  Täler  (zu  tül),  sptlhr  Spiele  (zu 
spiJ),  dagegen  grehjr  Gräljer  (zu  grob),  red.jr  Räder  (zu  räd),  usw. 

Nur  in  I  findet  sich  die  Länge  in  gräbd  graben,  gräbd  m.  Graben,  wozu 
der  PI.  gräbd  und  das  Dim.  gräbli.  Da  sonst  Dehnung  in  offener  Silbe  nur 
vor  Sonorlenis  vorkommt  (vgl.  §  100),  liegt  wohl  Übertragung  vor  von  grab 
Grab,  Dim.  gräblt  aus. 

In  der  Zusammensetzung  (vgl.  §  109)  herrscht  meiöt 
Schwanken,  zB.  rätsuj  und  ratsna  Radschuh  (zu  räd);  nur  mit 
Kürze  kommen  vor  taglö  Taglohn,  wegwisjr  Wegweiser.  Kurz 
sind  in  der  verbalen  Zusammensetzung  he  hin,  und  dweg  hinweg, 
zB.  he-,  fnveg-leMa ,  -tua  hin-,  hinweglegen ,  -tun ;  immer  lang 
dagegen  ist  ä  an,  zB.  älelckj  anlegen,  äludgd  anschauen.  Kenn- 
zeichnend für  I  ist  äh-  gegenüber  ah-  auf  dem  übrigen  Gebiete, 
zB. :  ähhouwd  abschneiden,  äbrihd  abreiben,  auch  äbtret  Abtritt.  • 

Dehnung  in  offener  Silbe. 

§  100.  Sie  findet  sich  nur  vor  Sonorlenis  und  nirgends 
in  allen  Fällen.  Vor  r  sind  gedehnt  färs  falyen,  ßtswerd  (zu  mhd. 
ersiv'ern)  zu  eitern  beginnen  (von  einer  Wunde),  her,)  f.  Sc]jieb- 
karren  (vgl.  Id.  IV  1479),  tverj  wehren,  hera  (mhd.  hern)  kneten, 
hfrörd  gefroren,  fdrlörd  verloren,  Mord  geschoren ;  dagegen  zeigen 
bewahrte  Kürze :  kivard  gewahr  werden,  spür,)  sparen,  iverd  dauern, 
gerd  begehren,  herd  Birne  (vgl.  Id.  IV  1483),  tsweri(g)  (zu  mhd. 
zwir)  zweimal,  hord  bohren,  sord  (mhd.  schorn)  schaufeln,  stDrd 
(mhd.  storn)  stochern,  wühlen. 

Vor  /  findet  sich  heute  auf  dem  ganzen  Gebiete  außerhalb  I 
(wo  XDui;  vgl.  §  89,  2)  die  Form  xöb  f.  Kohle,  die  möglicher- 
weise schriftsprachlich  ist.  Nur  in  H  I  und  Gais  gilt  mäl9  mahlen, 
nur  in  I  und  Gais  tsäh  bezahlen,  und  nur  in  I  stel)  stehlen,  sonst 
niah,  tsah,  Ueh.  In  den  übrigen  Fällen  herrscht  Kürze  auf  dem 
ganzen  Gebiete,  zB.  ^ah  Schale,  höh  holen,  spih  spielen,  usw. 


—   111    — 

Neben  well»  wählen,  Tcxwelh  quälen  kommt  außerhalb  I  auch  iceh, 
kxtveh  vor. 

Vor  n  ist  Dehnung  eingetreten  in  färu  m.  Fahne,  häna  Faß- 
hahn, äni  Großvater  (vgl.  §  49  b). 

splni  f.  Abendbesuch  eines  Freiers  bei  seiner  Geliebten  (vgl.  T.  379  b) 
gehört  wohl  mit  spinna  , spinnen'  zusammen.  Auffallend  ist  aber  die  Verein- 
fachung des  nn  auf  dem  ganzen  Gebiete. 

Vor  m  gelten  auf  dem  ganzen  Gebiete  räm(m),}  m.  Rahmen, 
hrmi(m)d  f.  Bremse  (vgl.  §  94),  nur  in  I  Ha  sönidr  (mhd.  sumer) 
Sommer  (sonst  sjmmjr),  dagegen  allgemein  nam(m)d  Name, 
him(m)jl  Himmel,  usvs^. 

f.  Dehnung  vor  Konsonantenrerbindungen. 

Ip.  Betracht  kommen  fast  nur  Liquida-  und  Nasalverbindungen. 
Die  einzelnen  Teile  des  Gebietes  verhalten  sich  verschieden.  Im 
ganzen  ist  H  der  Dehnung  am  wenigsten  zugänglich;  am  weitesten 
geht  sie  in  M2  Vi.  Der  gedehnte  Vokal  ist  meist  überlang  (vgl. 
§'  23). 

§  101.     Dehnung  vor  n  (r>)  -\-  Kons.: 

Dehnend  Avirken  m  (rt)  -[-  Verschlußfortis  oder  Aifrikata. 
Betroffen  werden  alle  Vokale  außer  i  und  u,  ii,  die  aber  nur 
noch  vorkommen  vor  nie,  nkx  (vgl.  §§  63  b.  67  aa.  70,  1),  dagegen 
vor  nt,  uts  zu  e  (e),  bezw.  j,  ö  gesenkt  sind  (vgl.  §§  61a.  68  b. 
70,  2  a)  und  als  solche  der  Dehnung  ebenfalls  unterliegen. 

Auf  dem  ganzen  Gebiete  ist  also  die  Kürze  erhalten  in 
riwJco  Schnalle,  trivhxs  trinken,  tunkxdl  dunkel,  usw. 

Gar  keine  Dehnung  vor  n  (a)  -f-  Kons,  kennt  Teuf,  und  H 
außer  Urn.  Nur  in  de*n  Fällen  mit  -etit,  -enk  reicht  die  Dehnung 
westlich  bis  nach  Urn.  und  gilt  sie  in  Bühl,  und  Gais.  In  I  sind 
gedehnt  ant,  ants,  änf,  ent,  evk;  nur  in  M  V  ist  die  Dehnung  im 
ganzen  oben  bezeichneten  Umfange  eingetreten.  Darnach  sind  die 
folgenden  Beispiele  auf  die  einzelnen  Gebiete  zu  verteilen:* 

änt:  gänt  f.  Gant,  gäntd  ganten  (in  I  gamt  n.,  gqmtd),  xäntd 
(mhd.  kante)  Kanne,  mäntal*'^dj\ieY,  häntdli  Halbhandschuhe  (in  I 
hqnddli) ;  allgemein  nur  mit  Kürze  kommen  vor  pgnth  dicker  Kerl 
(vgl.  Id.  IV  1397/8)  und  hantli(g)  handlich.  —  qnt  (bezw.  ent,  ent; 


—     112     — 

vgl.  §  95.2):  n(intjh  Wanze,  hantsd  Handschuh,  usw.  —  ent:  hrenU 
niederer  Holzzuber,  tsi^nfor  Zentner,  ivenfjr  Winter.  —  5nt:  hönto, 
auch  .yjxnifj  Spund  am  Fasse,  göntj  Wasseransammlung  (vgl. 
Id.  II  384),  sgntt(f/)  Sonntag,  dagegen  allgemein  montdr  munter. 
änts:  tünts  Tanz,  Units,)  tanzen,  swänts  Schwanz,  glmits  Glanz, 
sränts  (mhd.  schranz)  Riß,  xränts  Kranz,  xräntsd  kränzen,  pfläntsd 
Pflanze,  xäntsh  Kanzel.  —  ents:  srentsj  (mhd.  schrenzen)  reißen, 
glfntsd  glänzen,  grentsj  Grenze.  —  onts:  mmts  Münze,  Kleingeld; 
dagegen  allgemein  hronts.)  brunzen. 

äoh:  räoJcj  zanken  (s.  T.  359a),  ränkot,)  Gezänk.  —  enh: 
levJcs  (zu  mhd.  lenc)  links,  spenh)  m.  großes  Stück  (Brot,  Fleisch). 

änlcx:  ränhx  Rank,  mnkxj  den  Rank  machen:  dagegen  auch 
in  M  V  nur  selten  mit  Länge  hänlxx  Bank,  xränhx  krank,  und  all- 
gemein nur  mit  Kürze  taokxj  danken,  frqnkxd  Franken.  —  eokx: 
tenkxj  denken,  lienhxd  hängen,  sevkxd  schenken,  swenkxj  schwen- 
ken, forenkxo  verrenken  (den  Fuß),  senkxdl  Senkblei, 

Zur  Nasalierung  vgl.  §  95,  zur  Vokalisierung  des  n  §  96. 

§  102.     Dehnung  vor  m-|-Kons. : 

Auf  dem  ganzen  Gebiete  ist  vor  altem  mm  Dehnung  ein- 
getreten ;  bewahrt  ist  sie  jedoch  meist  nur  noch  bei  altern  Leuten : 
bommstämmj  Baumstamm,  stamme  (PL)  Erbstämme,  tstämmdwls 
erb,)  nach  Stämmen  erben;  fortsivemm,d  wegschwemmen,  stpnmd 
stimmen,  sicTmnh)  schwammen,  kswömmd  (bezw.  -5-)  geschwommen. 

Allgemein  ist  heute  noch  die  Länge  vor  mm  <;  mb  in  imm9 
(mhd.  mibe)  Bienenschwarm. 

Ferner  ist  in  I  und  M  V  Dehnung  eingetreten  vor  mp  und 
mpf;  doch  betrifi't  sie  nur  die  Vokale  a,  ü,  e,  dagegen  nicht  i, 
0  «  «).  ".  ''• 

Vor  mp:  lämpd  Lampe,  Iqmpj  von  Blumen,  welk  nieder- 
hängen, slämpj,  plämpd  nachlässig,  langsam  gehen,  dazu  slämpi, 
plfjnipi  Einer,  der  so  geht.  —  plämph  sehr  langsam  gehen, 
fdplämpjrl)  (die  Zeit)  vertrödeln.  —  gremphr  Grempler,  lempd 
Wamme  des  Rindviehs,  in  K  auch  slempor  Reuthaue. 

Vor  mpf:  xrümpf  Krampf,  gigrlmpfo  schaukeln,  hämpfld  f. 
eine  Hand  voll,  in  I  auch  Mq(m)pf\)  stampfen,  sonst  sUmipfa,  wie 
auch  allgemein  tampf  Dampf,  Rausch. 


—     113      — 

§  103.     Dehnung  vor  Z-|-Kons. : 

Vor  n  zeigt  gedehnten  Vokal  lialhrli  ,Hellerclien'  in  dem  bei 
T.  254a  angeführten  Spiele;  dagegen  kommt  heute  noch  vor  die 
Redensart  lixünn  hälhr  wert  sc  keinen  Heller  wert  sein.  Vgl.  auch 
weh,  kxweh  §  100. 

Sonst  ist  die  Kürze  bewahrt,  zB.  fal(l)d  ,fallen',  auch  in  alt  ,alle':  doch 
(heute  veraltet)  als  , alles'  (vgl.  äl(l)  §  98). 

In  V  M  I  und  Stein  ist  Dehnung  von  a  und  ä  eingetreten 
vor  U  (im  Auslaut  geschwächt  zu  Id)  und  Us,  Ifs :  phälto  behalten, 
üld  alt,  xäld  kalt,  kwcdd  Gewalt,  gäld  keine  Milch  gebend,  dazu 
gälÜi(g)  (s.  S.  91),  usw.;  sälts  Salz,  smüJts  Butter.  —  h«shält»n 
Haushälterin,  fälfJ.)  fälteln:  nur  in  fälts  ,falsch'  und  tcalts  , welsch' 
reicht  die  Dehnung  weiter  westlich  bis  nach  Her.  —  Auf  dem 
selben  Gebiete,  doch  weniger  konsequent,  ist  a  auch  gedehnt  vor 
altem  /(/  und  vor  Im :  Jic'ddj  Halde,  häldj  sich  neigen,  bcUd  bald, 
selten  in  iräld  Wald;  sn-ähi,)  (mhd.  swalwe)  Schwalbe,  wälnid  (mhd. 
walle)  Heuboden  (vgl.  T.  439  a). 

e  ist  in  M  V  gedehnt  vor  It,  Its :  seltd  selten,  tselta  (mhd.  2;elte) 
Fladen,  seifst  (mhd.  seltscene)  sonderbar,  mürrisch. 

Dagegen  ist  e  (Primärumlaut  von  a)  nie  gedehnt,  zB.  heida 
neigen,  Icwelin  Gewölbe,  auch  nicht  analogisch  in  den  Kompara- 
tiven eltdr  älter  (zu  äld),  usw.  (vgl.  §  99). 

§  104.     Dehnung  vor  r  -\-  Kons.: 

a)  vor  altem  (in  der  MA.  vereinfachtem)  rr  ist  Dehnung  ein- 
getreten in  flärj  (mhd.  darre)  breiter  Schmutzfleck,  S2)era  sperren, 
tsera  zerren,  terj  dörren;  dagegen  ist  die  Kürze  beAvahrt  in  xard 
Karren,  S2)arj  Sparren,  sarj  scharren,  glara  (mhd.  glarrcn)  glänzen, 
stän(g)  starr,  steif,  snora  Maul  von  Tieren,  moro  murren,  sora 
surren. 

b)  vor  den  übrigen  >•- Verbindungen  ist  auf  dem  ganzen  Ge- 
biete außer  den  unten  angegebenen  Teilen  von  K  Dehnung  von 
a,  «,  e,  e  (Primärumlaut  von  a  und  e  <^  /),  o,  o  (-<  u)  eingetreten 
(in  I  ist  das  r  geschwunden,  auf  dem  übrigen  Gebiete  häufig 
vokahsiert;  vgl.  §  94): 

vor  rt  in  wärtd  warten,  gärtj  Garten,  xärta  Karte,  färt  Fahrt, 
lärt  Bart,   märt  Markt;   gertar  Hackmesser,   lifert  Gefährt;   wertd 

Vetsch,  Appenzeller  MundarteE.  8 


—     114     — 

wirten,  ivcrf  Wirt,  ivört,^  Spindelring;  2J5r^  Bord,  Rand ;  ^ör^  Gurt, 
Örta  Ürte;  dagegen  mit  bewahrter -Kürze:  wert  Wert,  hert  hart, 
fcrf(((/)  fertig,  fort  fort;  schwankend  ist  tv5rt  Wort,  ivortld  einen 
Wortkampf  führen.  -  vor  rts  in  ivärtsd  Warze,  härts  Harz; 
ämertsd  Schmerzen,  Mrts  Herz;  xertsd  Kerze,  merts  März;  §törtsd 
Strunk,  hörtsj  sich  herumwälzen  (vgl.  Id.  IV  1640  f.);  förfs,)  farzen, 
ivörtsh  Wurzel,  stört s  Sturzblech,  dazu  stortsi(g)  aus  St.,  hörtsh 
purzeln;  dagegen  mit  bewahrter  Kürze:  simr^s  schwarz,  swertsdr 
schwärzer,  swertsi  Schwärze ;  xorts  kurz,  xörtsdr  kürzer.  —  vor  rd 
in  «/y/ Art,  äräli(g)  sonderbar;  werch  werden,  erdd  Erde,  iverd  wert, 
beliebt ;  tvordd  geworden,  mörd  Mord,  morddrd  morden ;  dagegen 
mit  Kürze:  hordi  Bürde.  —  vor  rs,  r§(t)  in  xärst  Karst;  gerstd . 
Gerste,  fers  Vers;  ferst  First;  hörsta  Borste;  wörst  Wurst,  törst 
Durst,  hörstd  Bürste;  dagegen  meist  mit  Kürze:  fersd  Ferse, 
mörsl  Mörser. 

Vor  rp,  rpf,  rb,  rf  in  slärpd  schleppend  gehen,  särpf  scharf, 
närhd  Narbe,  lürffd  Larve,  midliürffd  Mundharmonika;  ärhdt  Arbeit; 
sterhd  sterben,  serhd  Scherbe,  nerffd  Nerv;  slerpa  schleppend  gehen, 
serpfdr  schärfer,  iverpfd  Zettel  (s.  T.  445  b),  erhd  erben,  erb  Erbe, 
fdderbd  verderben ;  xörb  Korb,  wörb  Sensenstiel,  dörff  Dorf,  g'drpsd 
rülpsen;  xorpsd  Kürbis,  förbd  wischen;  dagegen  mit  bewahrter 
Kürze:  Jierpst  Herbst,  hworffo  geworfen,  ivörffo  werfen,  ivo^if 
Wurf,  ivörifdl  Würfel. 

Vor  rh,  rkx,  rg,  rx  in  märJcxd  Briefmarke,  sarg  Sarg,  märg 
Mark,  Marx  stark,  märx  Grenzzeichen,  bärxdt  Barchent,  snärxh 
schnarchen;  tsiverg  Zwerg,  iverxxj  schaffen,  werx  Werg;  er  gor 
Ärger;  törkdJ  Kelter,  sörgd  sorgen,  sorg  Sorge,  örgh  Orgel,  störx 
Storch;  förU,)  Mistgabel,  örxi(g)  rein,  unverfälscht  (s.  Id.  I  434 f.), 
ivörgr)  ^\üYg&n,  iörr/ Bürge;  dagegen  mit  Kürze:  ferho  »fertigen', 
liefern,  merl'Xd  merken,  morga  morgen,  forxt  Furcht,  törka  Mais; 
schwankend  sind  stcrxxar,  sterxxi  stärker.  Stärke,  xerxd  Kirche; 
birg  ,Berg'  ist  in  H  I  kurz  (be(r)g),  förxxj  in  I  (föxx<)). 

Vor  rl  ist  die  Kürze  bewahrt  mKxarl  Karl,  lixärli  Kerl. 

Vor  rm  in  ärmj  Arm,  arm  arm,  irärni  warm,  tärm  Darm, 
fdbärmD  erbarmen;  fdbärmst  Erbarmen,  sivärmd  schwärmen  (von 
Bienen),  lärnu  lärmen;  wernur  wärmer,  ernijr  ärmer,  ermdl  Ärmel; 
dagegen  mit  Kürze:  serni  Schirm,  ivorm  Wurm,  stm'm  Sturm, 
form  Fonn,  nur  in  I  mit  Länge  semm,  ätömm. 


—     115     — 

Vor  rn  in  urlrnd  warnen,  gärn  Garn,  härn  Heuboden;  lern9 
lernen,  xernd  Kern,  sterna  Stern,  gern  gern,  ernst  Ernst;  nijrn 
morgen,  örni(g)  Ordnung;  dagegen  mit  Kürze  hörn  Hörn,  torn 
Dorn,  xorn  Korn,  fornj  vorn,  hornar  Februar;  nur  in  I  mit  Länge 
tonn,  fönnd;  schwankend  sind  überhaupt  tsicernj  zwirnen,  torn 
Turm. 

In  Bühl,  und  Teuf,  ist  die  Dehnung  von  e,  e,  o,  o  nicht  so 
ausgeprägt  wie  auf  dem  übrigen  Gebiete;  zum  Teil  bleibt  sie 
ganz  aus,  zB.  herts,  nerf,  ivermdr,  xorh,  äorff. 

Auf  einem  weitern  Gebiete  ist  die  Dehnung  vor  rh  ■<  rw 
unterblieben,  nämlich  außer  in  ganz  K  auch  in  I  Teuf,  und  H 
(außer  Her.),  wo  es  heißt  farh  Farbe,  färhd  färben,  gürha  gerben, 
in  I  (wo  fah,  fähd)  auch  smehd  (mhd.  smirwen)  schmieren. 

Die  Kürze  ist  bewahrt  vor  r  ■<  rh  in  merd  (mhd.  märhe)  Stute,  tsweris 
(zu  mhd.  tw'erch)  quer,  fyr)  (mhd.  vorhe)  Föhre,  forj  Furche;  dagegen  zeigt 
Dehnung  färh  (ahd.  farhelin)  Ferkel. 

In  K  außer  Heid.  und  oOb.  betrifft  die  Dehnung  konsequent 
nur  die  Fälle  mit  a  und  ä.  Bei  e  und  o  sind  die  gedehnten 
Formen  seltener  als  die  mit  bewahrter  Kürze ;  es  herrscht  Schwan- 
ken beim  selben  Worte,  e  und  o  sind  hier,  wie  auch  /  und  u, 
>»  id,  ud  gebrochen  (vgl.  §  94). 

§  105.     Dehnung  vor  x  -\-  Kons.: 

In  V  kommt  noch  im  Munde  alter  Leute  vor  sextsJc  .sechzio-' 

■  O 

und  in  I  gilt  allgemein  hext  Hecht  (Wirtshausname). 

Vgl.  dazu  die  Dehnung  vor  xt  und  xs  im  rechtsrheinischen  Alemannien 
in  PBB.  23,  148  f. 

Kürzung. 

§  106.  Auf  den  Eintritt  des  starkgeschnittenen  Silben- 
akzentes bei  starkem  Exspirationsdruck  (vgl.  Sievers  §  843) 
ist  die  Kürzung  zurückzuführen  in  se!  (ahd.  se)  ecce!  (s.  T.  418  a), 
jo!  ja  (s.  §  24),  log!  auch  einfach  lo!  Imperativ  zu  hoga  schauen, 
ferner  wahrscheinlich  auch  in  su  ,Sau'  in  V  (vgl.  S.  85),  das  am 
häufigsten  gegenüber  Menschen  in  der  Emphase  gebraucht  wird, 
zB.  9  Sil  bist!  oder  du  bist  ,)  rexti  su!  und  in  bi,  ddbi^  fodbi  ,bei, 
dabei,  vorbei'  ebenfalls  in  V  (s.  S.  86).     Vgl.  auch  §  109. 


—     IIG     — 

Die  betonten  Pronomina  l  ich,  da  du,  er  er,  si  sie,  nier  wir,  er  ihr,  sl  sie, 
die  Demonstrativa  der  der,  (if  den,  das  Frageadverb  ivö  ,wo'  sind  nur  lang  vor 
Pausa.  Schließt  sich  im  Satzinnern  ein  anderes  Wort  an  sie  an,  so  erhalten  sie 
noch  stärkern  Akzent  und  sind  kurz,  zB.  du  bissl  du  bist  es!  i  säg  ds!  ich 
säge  es!    mer  ivönt  s  nüd!  wir  wollen  es  nicht!    tvo  bist  jets?  wo  bist  du  jetzt? 

§  107.     Kürzung  vor  mehrfacher  Konsonanz: 

Vor  Nasal  -f-  Kons. :  tswäntsk  (bezw.  -e-,  in  K  -a-)  zwanzig 
(mhd.  sicem^ec);  in  H  I  pment  Gemeinde;  allgemein  find  (mhcl. 
viant,  vient,  vm;^)  Feind;  fr  Und  (in  K /Vä>^<7)  Freund  {mh^.  vrinnt); 
nibü  (<C  vnh.di.'^niuwent)  nichts  (vgl.  T.  339a);  mint  Ordnungszahl 
zu  nü  neun;  dienst  Dienst;  bimst  und  hismst  Biestmilch  (vgl.  T.  52a 
und  Id.  IV  1795). 

Vor  Liquida  I  Kons.:  allgemein  ülf  (mhd.  einlif)  elf;  in  K 
mudlt  und  nioU  , Backmulde'  gegenüber  sonstigem  miidltd  (mhd. 
miiölte;  vgl.  Kluge  275);  fidH  Ordnungszahl  zu  fidr  vier,  fisHsk 
vierzig. 

Vereinzelte  Fälle:  drissk  (mhd.  drisec)  dreißig;  fö^t  Ordnungs- 
zahl zu  /5/'  fünf,  föftsk  fünfzig.  Bei  den  Jüngern  auch  hudsta  (mhd. 
huoste)  Husten,  und  wüast  (mhd.  wüeste)  häßlich,  während  bei  den 
Altern  noch  hiostd,  ifiir)st. 

In  I  auch  jjroxt  , gebracht'  gegenüber  pröxt  außerhalb  I. 

§  108.  Die  weiteren  Kürzungsfälle  betreffen  mit  wenigen 
Ausnahmen  die  Vokale  l,  ii,  ü  und  die  Diphthonge  id,  h9,  üd 
(1>  i9,u9,  üd\  vgl.  §  12). 

a)  vor  Fortis. 

OL.  vor  Verschlußfortis: 

Allgemein  ist  die  Kürze  in  sit  Holzscheit,  sittd  Holz  spalten, 
hat  heute,  nüts  (<;  mhd.  *niutcs)  nichts  (vgl.  T.  338  a),  niudttdr 
Mutter,  fiidtt,)}-  Futter.  Mehr  nur  bei  den  Jüngern,  während 
(namentlich  in  V)  bei  den  Altern  die  Länge  noch  beAvahrt  ist, 
sind  gekürzt  tsit  Zeit  (älter  tsld),  tsitti(g)  Zeitung,  sittd  Seite, 
rittoro  Sieb;  sivits  Schweiz,  tiits  deutsch;  guot  gut  (älter  gudä), 
hudt  Hut,  Hidt  Rute,  hädtt.)  hüten. 

ß.  vor  Reibefortis: 

Allgemein  ist  linffo  Haufe ;  dagegen  findet  sich  bei  den  Altern 
noch  häufiger  die  Länge  in  fiuss  Fuß  (in  I  veraltet  noch  fuds)  und 
in  piuss  Buße,  während  bei  den  Jüngern  fudss,  jJudSS  vorherrscht. 


—     117     — 

b)  vor  Lenis.  Die  Kürzung  ist  wohl  durchweg  im  ZAvei- 
silbigen  Worte  eingetreten  und  die  Kürze  im  einsilbigen  Worte 
aus  den  zweisilbigen  Flexionsformen  übertragen. 

a.  vor  Verschlußlenis: 

Allgemein  ist  stvigo  schweigen;  dagegen  gilt  siigd  saugen 
nur  außerhalb  K  (avo  siigs).  sfcl)  , Seide'  außer  in  H  und  V  (wo 
sich).  Auf  dem  ganzen  Gebiete  findet  sich  neben  der  häufigem 
Kürze  bei  den  Jüngern  noch  die  Länge  bei  den  Altern  in  xridd 
Kreide,  Jisfruh  ruppig,  rubis  ont  stühis  mit  Stumpf  und  Stiel  (vgl. 
Id.  VI  76  f.).  Allgemein  ist  die  Kürzung  in  budh  Knabe  (in  Reh. 
noch  weiter  reduziert  zu  hob),  dazu  büdbJi,  büdbiss,  ferner  in  lübar 
lieber  (zu  lidb),  lisplitg)  lieblich. 

Zur  Kürzung  von  0  <C  ok  vor  Labial  s.  §  82,  2. 

ß.  vor  Reibelenis: 

Allgemein  gelten  xnish  f.  (zu  mhd.A'rr^s)  Haarlocke;  mit  nach- 
heriger  Senkung  von  u  ^  o  außerhalb  K  xrosl)  f.,  in  K  hvrtish 
(zu  mhd.  h'üse)  Krug,  mit  dem  Dim.  xrösdi,  in  K  kxrüsoli;  ferner 
sufh  Schaufel.  Nur  in  K  außer  Heid.  und  uOb.,  oOb,  ist  keine 
Kürzung  eingetreten  in  is<)  Eisen;  auf  dem  übrigen  Gebiete  gilt 
allgemein  isj. 

Auf  dem  ganzen  Gebiete  gilt  auch  nios^»  m.  (mhd.  mase)  Flecken 
(vgl.  Id.  IV  434/5) ;  ferner  ist  Kürzung  von  a  (ä)  «<  ei  allgemein  in 
häsdbeijdr,  in  K  hasdber  Heidelbeere  (vgl.  Id.  IV  1468  und  §  109). 

c)  vor  germ.  h: 

Die  Behandlung  des  h  ist  verschieden  nach  den  einzelnen 
Gebieten  und  auch  nach  dem  vorausgehenden  Vokal.  Nach  i  ist 
es  im  östlichen  Teile  von  K  als  palataler  Spirant,  im  westlichen 
Teile  bis  (schwankend  in)  Wald  Reh.  als  Hauchlaut  erhalten, 
auf  dem  übrigen  Gebiete  geschwunden.  Kürzung  von  i  findet 
sich  in  si(h)j  (mhd.  s'ihe)  Sieb,  f,)fsi(JO<i  verzeihen,  iiri{h),)  ein- 
weihen in  V  und  H ;  in  I  M  ist  in  diesen  Beispielen  Diphthon- 
gierung eingetreten  (s.  S.  85).  Die  zahlreichen  Nebenformen  zu 
r}(}i)c>  (mhd.  r?^e)  Rist  des  Fußes  siehe  Id.  VI  795.  Auf  dem  ganzen 
Gebiete  gilt  b'ul  (mhd.  hihd)  Beil. 

Nur  in  K  außer  Heid.  oOb.  ist  die  Länge  noch  erhalten  in 
rüx  rauh,  rüxd  schlechter  werden  (vom  Wetter),  gegenüber  rux, 
riiXD  auf  dem  ganzen  übrigen  Gebiete,  und  nur  in  K  außer  Heid. 
in  süj^  scheu,  süxa  scheuen,  gegenüber  sonstigem  süx,  s(i(xp.    Nur 


--     118     — 

von  alten  Leuten  in  K  hört  man  auch  noch  tsil^,)  ziehen  und 
pn^o  fliehen ;  sonst  gilt  heute  auf  dem  ganzen  Gebiete  die  Kürze : 
tsüxd,  fliic.t  in  H  I  Ml  und  K,  tsn(h)j,  flH(Ji)d  in  Mi  Vi. 

Auch  e  ist  nur  in  K  außer  Heid.  erhalten :  tseJi^  (bezw.  fse/^) 
,Zehe'  und  (nicht  allgemein  bekannt)  siehj  Schlehe;  auf  dem 
übrigen  Gebiete  mit  Kürzung  und  Schwund  des  h  tsea,  sied. 

Auf  einem  weiteren  Gebiete  dagegen  gilt  die  Länge  noch  in 
hö.n  Höhe,  Anhöhe,  nämlich  in  V  M  und  I  außer  Haslen  und 
mit  Schwanken  in  App.  In  Gonten  und  Urn.  A\ärd  teilweise  Jiöi 
für  das  Abstraktum  .die  Höhe',  höxi  für  , Anhöhe,  Hügel'  ge- 
braucht.    Im  übrigen  H   kommt  nur  Jiöi  vor. 

Nur  in  H  und  Gont.  Teuf,  sind  gekürzt  gäx  steil  und  tsäx  zähe, 
Komp.  f/äxjr,  tsüxjv,  während  gäx,  tsäx  auf  dem  übrigen  Gebiete. 

Alte  Leute  in  K  brauchen  noch  föYi  oder  fölia  (mhd.  fähen) 
fangen;  die  von  T.  198/9  für  das  übrige  Gebiet  angegebenen 
Formen  weisen  Kürze  auf.  Heute  hört  man  auf  dem  ganzen 
Gebiete  fast  nur  noch  faovj. 

d)  vor  Liquida: 

Die  einzigen  Fälle  sind  f/Jd  f.  (ahd.  fila,  f/hala)  .Feile'  in 
I  M  Vi  oOb.  Reute  und  Hundw.  Stein,  gegenüber  flh  in  H  und  K 
außer  den  angeführten  Teilen,  und  sjiirj  f.  (mhd.  splre)  ,Spier- 
schwalbe'  in  Teuf.  M>  Vi  Heid.  Wolfh.,  gegenüber  sonstigem  spfra. 

e)  vor  Nasal: 

Die  Kürzung  ist  verbunden  mit  Gemination  des  Nasals  zwischen 
Vokalen  und  Verschärfung  im  Auslaut.  Allgemein  ist  sie  in  rutmm) 
räumen,  summ9  säumen,  summd  schäumen,  sunwi  Schaum,  xumm 
kaum,  fimimlifg),  in  I  neben  tnmniol  (zu  mhd.  (hinie)  Daumen;  bei 
den  Jüngern  auf  dem  ganzen  Gebiete  auch  pfliiuinu  Pflaume,  fhnnm 
Flaum,  während  bei  den  Altern  (namentlich  in  I  und  K)  hier 
die  Länge  noch  erhalten  ist.  Allgemein  gelten  slmu  scheinen; 
xlimur  kleiner  (zu  xlf),  auch  xlinnst,  ferner  xlinm  kleiner  werden; 
Sönnar  schöner,  auch  sonnst,  ferner  sömurj  schöner  werden  (die 
bei  den  Jüngern  vorwegende  Kürze  in  so  schön  ist  wohl  daher 
übertragen). 

Abweichend  vom  ganzen  übrigen  Gebiete  hat  K  Kürzung  in 
§ond  (mhd.  schönen)  schonen  (vom  Wetter)  und  dign^j  dienen  (vgl. 
(n9nst  §  107). 

Zur  Kürzung  von  ö  <C  "n  vor  in  s.  §  82,  2. 


—     119     — 

f)  Vereinzelte  Fälle  von  Kürzung  sind  icädli  (mhd.  weidelich) 
schnell;  mäm(g)  Meinung  (neben  »läna  meinen),  häh(g)  heilig, 
säh(g)  (mhd.  scbUc)  sehg. 

§  109.  Anschheßend  seien  im  Zusammenhang  noch  die  Ände- 
rungen behandelt,  welche  in  der  Zusammensetzung  haupt- 
und  nebentonige  Silben  erleiden,  wenn  sie  unmittelbar  aufeinander 
folgen.  Vgl.  dazu  R. Brandstetter,  ,Prolegomena  zu  einer  urkund- 
lichen Geschichte  der  Luzemer  Mundart'  S.  62  f.,  wo  folgendes 
Gesetz  aufgestellt  wird: 

a)  In  der  Silbe  mit  Hauptstarkton  A\ird  die  Quantität  der 
Sonanten  oder  der  Konsonanten  oder  beider  zugleich  reduziert. 

b)  In  der  Silbe  mit  Nebeustarkton  tritt  Schwächung  ein; 
dabei  werden  sämtliche  Vokale  zu  .)  oder  /. 

Es  folgen  zuerst  die  Beispiele,  in  denen  nur  die  unter  a) 
genannten  Veränderungen  stattfinden  (geordnet  nach  dem  Vokal 
der  Hauptsilbe): 

h'idicerd'.ij,  in  K  kidtc.  (-<,  lädw-,  lädic-)  etAvas  zul'eide  tun; 
hädampf,  in  K  -a-  Hitznebel  (zu  mhd.  geh  ei);  gäsmihx  Geißmilch 
(nur  in  H.  sonst  gässni-) ;  IkUös  .heillos',  Steigerungsadv.  (vgl. 
Id.  III  1429);  die  Zusammensetzungen  mit  tsicä  (in  K  tsivä)  zwei, 
zB.  tsiräfaxx  zweifach,  tsiväspäm(g)  zweispännig,  und  mit  a  (bezw.  e) 
,ein',  zB.  äsitti(g)  einseitig,  äfaltUg)  emfAlii^ :  mnäsamm  gemeinsam; 
pmündrod  Gemeinderat:  die  Zusammensetzungen  mit  stä  (bezw. 
ste)  Stein,  zB.  stähoiacdr  Steinmetz,  stählatt,)  Steinplatte;  hrädäks 
,Breitaxt'  der  Zimmerleute;  täghüffli  Hagebutte  (zu  mhd.  teic):  häs- 
lüs  Kleiderlaus  (zu  ]^ss  Kleid). 

hornodlj  (<^]iörn-)  Haarnadel;  hrodwörst  Bratwurst;  rodhüs 
Rathaus ;  föftsea  fünfzehn  (zu  f5f  fünf) ;  hröbeipr  Brombeere  (mhd. 
hrämher;  s.  Id.  IV  1471);  lioxmudt  (<C  höxm-)  Hochmut;  grossfatfor 
Großvater,  grosmuattsr  Großmutter;  stosivag,)  Mistbenne  (zu  stössd 
stoßen). 

/ iröhad  (-<  ftrö-)  Feierabend ;  mcismälts  Schweinefett ;  dritsed 
dreizehn;  lintiox  Leintuch,  lilaxxd  (mhd.  llnlachen)  Bettleinwand; 
die  Zusammensetzungen  mit  ivlss  weiß,  zB.  wisspröd  Weißbrot, 
wismuds  Brei  aus  Weißmehl,  wisnaiJBn  Weißnäherin,  die  Namen 
wlsrok,  icishoni,  ivisnas.)  für  eine  Kuh  mit  weißem  Rücken,  Hörn, 
weißer  Nase. 


-     120     — 

buxnahjl  (<,  hfa'u-)  Bauchnabel;  hmiastdr  Baumeister  (vgl. 
S.  85) ;  die  Zusammensetzungen  mit  mül  Maul,  zB.  mulörgh  Mund- 
harmonika; mit  hnld  Braut,  zB.  hnidivag,)  Brautfuder;  mit  hüs 
Haus,  zB.  hudör  Haustüre,  hnsröd  Hausrat,  husliöx  haushoch.  In  I 
allgemein  und  in  K  noch  bei  altern  Leuten  ist  die  Länge  in  nf- 
bewahrt,  während  auf  dem  übrigen  Gebiete  durchaus  Kürze  ein- 
trat, zB.  nfmaxx,)  aufmachen,  iiflesa  auflesen  (dagegen  ist  üs- 
,aus-'  nirgends  gekürzt). 

hürötto  (<  mhd.  *hiii,rdten)  heiraten ;  stüfmudttdr  (<  mhd.  *stiilf^ 
Stiefmutter,  niintsej  neunzehn  (neben  ml  neun). 

fhrtse,)  vierzehn  (neben  fbr  vier);  fuarmä  Fuhrmann^  fm)'- 
iverxxd  fuhrwerken  (neben  fuoy  Fuhre) ;  sudUerdr  Schullehrer  (neben 
Süd  Schule);  siidmaxxdr  Schuhmacher  (neben  siid  Schuh),  sudsolcf 
Schuhsole;  XudStall  Kuhstall  (neben  xiu  Kuh),  Xudivärm  kuhwarm 
(von  der  Milch);  hugxstahd  Buchstabe  (neben  hudx  Buch);  hlnsd- 
wörät,  auch  weiter  reduziert  zu  blodiv-  Blutwurst  (neben  bhi9d Blut); 
die  Zusammensetzungen  mit  fsio  ,zu',  zB.  tsudnaxtd  zunachten, 
tsudslö  zuschlagen;  trüdhaf't  gedeihlich  (zu  trüdijd  gedeihen). 

Nach  dem  selben  Gesetze  erklärt  sich  wohl  die  Kürzung  in  fulentss 
faulenzen  (zu  fül  faul). 

Nur  Reduktion  der  Konsonanten  bei  etymologischer  Kürze  des  Vokals 
liegt  vor  in  stadhältdr  Statthalter  (s.  T.  405  b);  sadhuat  {<Z  sath-)  breitrandiger 
Strohhut  (der  Schatten  gibt);  bolougj  große,  hervortretende  Augen  (vgl.  Id.  I 
137);  maslädifg)  in  K  (mhd.  masleidec)  verdrießlich  (vgl.  T.  312  b);  losam 
(<;  los-sam)  ringhörig  (zu  losd),  hosamm  {<C*hof-sam)  sachte  (vgl.  Id.  II  860). 

Auch  die  folgenden  Beispiele  für  Seh  wächung  der  neben- 
tonigen Silbe  sind  nach  dem  davon  betroffenen  Vokal  angeordnet 
(die  Hauptsilbe  kann  zugleich  Reduktion  erleiden). 

Zu  i  geschwächt  wird  ahd.  /  und  die  übrigen  Vokale  vor  g, 
in  K  auch  vor  l  (s.u.):  xilht  (mhd.  kilwl,  Mlchunhe)  Kirchweih; 
hösti(g)  usw.  (s.  T.  277a)  Hochzeit  (mhd.  MchzU);  hleinus,  in  H 
hliblsh  (•<  bliwiz)  Bleistift;  eine  Ausnahme  macht  f'ildxt  (mhd. 
vil  Witr)  vielleicht.  —  ßrti(g)  Feiertag,  werxü(g)  Wochentag,  und 
so  auch  sönti(g)  Sonntag,  mänti(g)  Montag  (heute  allgemein  an  die 
Stelle  von  gudnti(<i)  usw.  (s.  T.  248  b)  getrete«,  das  auf  den 
Dat.  giiotem  tage  zurückgeht),  tstMiCg)  Dienstag,  usw.,  nur  alte 
Leute  in  Ob.^  sagen  auch  noch  metü(g)  Mittag  (sonst  allgemein 
mettäg;  vgl.  §  39);  auch  jsthfg)  (mhd.  imsl'it)  Unschlitt  (mit  Suffix- 


—     121     — 

Wechsel).  —  Dazu  kommen  auf  dem  großem  Teil  des  Gebietes 
noch  snedli  (mhd.  sniteloiich)  Schnittlauch  und  xnoUi  (mhd.  hiobe- 
loKch)  Knoblauch,  doch  in  H  snedhx,  xnohhx  und  an  der  Grenze 
"geo;en  Berneffo-  in  uOb.  snedb),  TiXnohh.  —  Vereinzelt  steht  häntsi 
(mhd.  hantsdinocli)  Handschuh'  in  K,  gegenüber  häntsj  auf  dem 
übrigen  Gebiete  (vgl.  §  53). 

Sonst  tiitt  Schwächung  zu  a  ein: 

llhdt  (mhd.  Unicdt)  Leinwand,  lisdt  (mhd.  linsäf)  Leiusame, 
ennmjl  (mhd.  amnal)  Narbe :  hostdt  Hofstatt  (s.  T.  277  a),  betsjt 
(mh.([.heftestafYBettgestell.  sn(r)st9l  {<^SHst(dJ)  Schweinestall  (in  H), 
fasnd  Fasnacht,  lihuxt-  (mhd.  h't  naht)  heute  nacht,  ividnsxt,  auch 
wendxt  (mhd.  diu  iv'the  naht)  Weihnacht  (in  I  dafür  li'pxt,  icpxt), 
hoffdrf  (mhd.  höchvart)  Hoffart,  uff  ort  (mhd.  üfvart)  Himmelfahrt, 
^jaxdit  {mhd.  juchart)  Juchart,  honundrt  (mhd.  houmgarte)  Baum\\'iese, 
xäskdr  (ahd.  häsiTiav)  Käsenapf,  hexdr  Bienenkorb  (vergl.  §  96), 
hopmo  Hauptmann,  nähj,  näbart,  nähds  (mhd.  neizivanne,  -wä, 
neizu-'er,  neisu-az)  irgendwann,  -wo,  jemand,  etwas.  —  seltsd 
(mhd.  seltscene)  sonderbar,,  mürrisch,  erb^r  (mhd,  erhcere)  ziemlich, 
sthor  (mhd.  schinbcere)  offenkundig,  —  ei  (möglicherweise  über  ä,  ä ; 
vgl.  §  80) :  Srbät  (mhd.  arbeit)  Arbeit,  enusa  in  H,  äbjs<>  in  I, 
ämmessö  in  M  V  (mhd.  ameize)  Ameise,  wollfd  (in  K  -d)  wohlfeil, 
billig,  f^td  (in  K  -d)  Vorteil,  örtal  Urteil,  harfd  Hälfte  (siehe 
§  30,  1),  xratÄ'Xjt  Krankheit,  TiU-ondt  Gewohnheit.  —  näpj)jr 
(mhd.  nabeger)  Bohrer;  uionot  (mhd.  >Hf?«o^)  Monat,  hämnidt  {mhd. 
heimot,  heimuote)  Heimwesen,  wonnot  (mhd.  irermuot)  Wermut  (mit 
volksetym.  Anlehnung  an  u-orni  Wurm),  senntani  (<C  senntuoni) 
Senntum  (Vieh ;  vgl.  T.  422  a),  jumpf)i\^  (mhd.  juncfrauwe)  Jung- 
frau. —  hergot  (nach  T.  265)  in  I  H  für  Herr  Gott,  födJj  (<<  fud- 
loch)  podex  (vgl.  Id.  III  1023),  bouu-3l  (in  I  boul)  Baumwolle,  ärfdl 
(in  K  -d)  einen  Arm  voll,  mumpfd  einen  Mund  voll.  —  afjl 
(<C  als  fil;  vgl.  Id.  I  776)  oder  sofdl  (in  K  -d)  so  viel,  u-idfd  oder 
wefdl  wie  viel,  nob^s  (mhd.  nd  biz)  nahe  (vgl.  T,  335  a).  —  nöxpdr 
(mhd.  uächgebür)  Nachbar  (dagegen  nöxpür  der  benachbarte  Bauer; 
vgl,  T.  335a). 

Auch  in  unserer  Mundart  stehen  diesen  Beispielen  zahlreiche 
andere  gegenüber,  in  denen  trotz  anscheinend  gleichen  Akzent- 
bedingungen das  Gesetz  nicht  wirkte  (vgl.  dazu  R.  Brandstetter, 
aaO.  S.  63). 


—     122     — 

4$  110.     Übersicht  über  die  etymologischen  Ent- 
sprechungen der  heutigen  betonten  Vokale. 
Ganz  vereinzelte  Erscheinungen  sind  hier  nicht  berücksichtigt. 

a  =  mhd.  a  §  46  —  mhd.  ci  §§  107.  108 bß.  109. 

ä  =  mhd.  a  §§  96  (an).  97/104  —  mhd.  ri  §§  80.  81«  agi). 

ü  =  mhd.  ä  (Sekundärumlaut  von  a)  §§  47.  49.  52  ff.  —  mhd.  a 

§  46,  2  —  mhd.  ce  §§  108c.  109  —  mhd.  ei  §§  107.  108 bß. 

109. 
ä  =  mhd.  «  §  73  —  mhd.  ei  §§  80.  81 «  cufi)  —  mhd.  ä  §§  96 

{(in).  97/104  —  mhd.  a  §  46,  2. 
e  =  mhd.  e  §  60,  1    —   mhd.  e  §§  93  a.   94  a   —   mhd.  ä  §§  47. 

95,  2  —  mhd.  i  §  61  c  —  mhd.  ei  §§  107.  109. 
e  =  mhd.  e  §§  97/105  —  mhd.  (e,  ei  §  95,  2. 
e  =  mhd.  e  §  95,  4  —  mhd.  ä  §  95,  2  —  mhd.  /.  §  95,  5. 
e  =  mhd.  ä,  cb,  ei  §  95,  2. 
e  =  mhd.  e   (Primärumlaut   von    a)   §§  47/8.    50  ff.    —    mhd.  e 

§§  60,  2.  93  b.  95,  3  b,  d  —  mhd.  ä  §  95,  2  —  mhd.  i  §§  61/2 

-  mhd.  e  §§  106.  108  c  -  mhd.  ie  §  109. 

e  =  mhd.  e  §  74  —  mhd.  ?  §  75,  2  —  mhd.  ie  §  85,  2  —  mhd.  e 
§§  96  (e)?).  97/105  —  mhd.  e  §§  60,  2  d.  95,  3  a,  c  —  mhd.  i 
§§  96  (in).  97/104  —  mhd.  ü,  ee,  ei  §  95,  2. 

i  =  mhd.  i  §§  63/4  —  mhd.  i  §§  106.  107.  108.  109. 

i  =  mhd.  ?  §§  75.  88  —  mhd.  i  §§  97/104. 

3  =  mhd.  0  §§  65,  2.  93  a  —  mhd.  ^f  §§  68  b.  93  a  —  mhd.  a 
§  46,  Anm.  1  —  mhd.  ö  §  108e  —  mhd.  ou  §  82,  2  —  mhd.  ä 
§§  106.  107.  108  bß.  109.  | 

0  =  mhd.  ö  §  95,  8  —  mhd.  ou  §§  82,  2.  95,  8  —  mhd.  no  §  86,  2 

-  mhd.  ä  §§  71.  72.  95,  8  —  mhd.  o  §§  95,8/96  {<m).  97/104 

-  mhd.  u  §§  95,  8/96  {im).  97/104. 

.9  =  mhd.  ö  §§  66.  93  a  —  mhd.  //  §§  70,2  a.  107/09  (m^)  — 
mhd.  e  §  91  a,  c,  d,  e  —  mhd.  e  §  91  b,  e  —  mhd.  /  §  91  a,  b  — 
mhd.  Ö  §  108  e  —  mhd.  oü  §§  83.  95,  8  —  mhd.  iu  §  70,  2  a. 

3  =  mhd.  Ö  §  95,  8  —  mhd.  oü  §§  83.  95,  8  —  mhd.  iie  §  87,  2 

-  mhd.  (B  §§  73,  2.  95,  8  —  mhd.  ö  §§  95,  8/96  {ön).    97/104 

-  mhd.  ü  §§  95,8/96  (ün).  97/104. 
p,  ö  =  mhd.  0,  ö  §  95,  7. 

^  o  =  mhd.  '3  ö,  rt  «,  ou  oü,  on  ön,  im  ün  §  95,  8. 

0  =  mhd.  o  §§  65,  1.  95.  7  —  mhd.  h  §  68  a,  c  —  mhd.  ö  §  109  — 


—     123     — 

mhd.  OH  §  82,  2  —  mlid.  n  §  108bß  —  mhd.  tw  §§  106.  107. 

108  ba.  109. 
ö  =  mhd.  ö  §§  76.  95,  8   —   mhd.  ou  §§  82,  2.   95,  8   —  mhd.  d 

§§  71.  95,8  -  mhd.  o  §§  95,  8/96  (o«).   97/104  —  mhd.  ii 

§§  95,  8/96  (mi).  97/104. 
ö  =  mhd.  ö  §§  66.  95,  7  —  mhd.  //  §  70,  2  —  mhd.  e  §  91  a,  c,  e 

—  mhd.  /  §  91c,  e  —  mhd.  Ö  §  108  c. 
Ö  =  mhd.  Ö  §§  77.  95,8  —  mhd.  oii  §§  83.  95,  8  —  mhd.  (b  §§  73,  2. 

95,8  —  mhd.  ö  §§  95,8/96  (ön).  97/104  —  mhd.  //  §§  95,  8/96 

{im).  97/104. 
ü  =  mhd.  i  §  91  e. 

u  =  mhd.  /<  §  67  —  mhd.  o  §  65,  3  —  mhd.  u  §§  lo6.  108.  109. 
ü  =  mhd.  r,  §§  78.  88  —  mhd.  u  §§  96  {im).  97/9. 
/(  =  mhd.  /7  §  70  —  mhd.  /  §  91  a,  c  —  mhd.  in  §§  107.  108.  109. 
Ü  =  mhd.  in  §§  79.  88  —  mhd.  //  §§  96  {iin).  97/9. 
äi  =  mhd.  ei  §  80,  2. 

ei  (ei)  =  mhd.  ei  §§  80.  81  i<,agi)  —  mhd.  ?  §  88  —  mhd.  f  §  89, 1. 
äi,  ei  siehe  §§  73  Anm.    80,  2. 
Oll  (ou)  =  mhd.  ou  §  82,  1  —  mhd.  die   §  72  —  mhd.  d  §  88  — 

mhd.  0  §  89,  2. 
öü  (öii)  =  mhd.  oü  §  83  —  mhd.  (bw  §  72  —  mhd.  in  §  88  —  mhd.  Ö 

§  89,  4  —  mhd.  ö  §  89,  2,  3  -  mhd.  ei  §  91  c. 
öii,  oü  =  mhd.  die,  ceic  §  72. 
oi,  iii  siehe  §  84. 
ij    --   mhd.  ie  §  85,  1   —   mhd.  ?  §  92   —   mhd.  /   §  94  b   —   <  e 

§  94  b  Amn. 
/3  =  mhd.  ie  §§  107.   108.   109  —  mhd.  /  §§  92.  94  b  —  mhd.  e 

§94b. 
Hd  =  mhd.  HO  §  86,  1  —  mhd.  u  §  94  b. 
U9  =  mhd.  HO  §§    107.    108.    109   —   mhd.  u  §  94  b   —  mhd.  o 

§§  65.4.  94  b. 
Ü9  =  mhd.  üe  §  87,  1  —  mhd.  itt  §  92  —  mhd.  ü  §  94  b. 
üa  =  mhd.  de  §§  107.   108.  109  —  mhd.  //  §§  92.  94b  —  mhd.  i 

§  91  d  —  mhd.  e  §  91  d. 
a^,  63,  ej,  Od,  öa,  Od,  ÖV?,  ad,  es,  es,  od  siehe  §  94  c. 
ddi  siehe  §  87,  1  Anm. 


—     124     — 

B.  Die  Vokale  in  unbetonter  Stellung. 

1.  In  vortoniger  Silbe. 

§  111.     Pi-cäfixe. 

In  mhd.  ge-  ist  das  e  durchweg  geschwunden,  zB.  kwenrid 
gewinnen,  Tifrögat  gefragt,  J^rixt  Gericht,  Jcsivind  geschwind.  Zur 
Assimilation  des  /.;-  an  den  Anlaut  der  folgenden  Silbe  vgl.  §  31,  3. 
Nur  in  einigen  der  Schriftsprache  entlehnten  Wörtern  lautet  die 
Vorsilbe  ge-:  gediiU  Geduld,  gedäxtniss  Gedächtnis,  gedaohxd  Ge- 
danke, gehet  Gebet,  gchlüdt  n.  Menstruation,  gehurt  Geburt,  gehörd 
geboren. 

Mhd.  he-  ist  erhalten  vor  Verschlußlauten,  in  hedüttd  bedeuten, 
hegnffj  begreifen,  heJixant  bekannt,  usw.,  ferner  in  hefeh  befehlen, 
hefolitd  bevormunden,  heivisa  beweisen,  hewerhd  bewerben,  heurteih 
beurteilen,  helann  Belang  (vgl.  T.  41.b),  hcrüjffj  berufen,  heröttd 
beraten,  usw.,  wohl  alles  Wörter,  die  der  Schriftsprache  ent- 
stammen. Vor  Vokalen  und  vor  l,  r,  s,  s,  h  ist  das  e  geschwunden 
zB.  in  pavv  bang  (vgl.  Id.  IV  1369),  päendd  kränken  (vgl.  Id.  1 177), 
pleg9  ,belegen'  (vgl.  T.  57  b),  prudff  Beruf,  psond9n(g)  besonders, 
psäd  Bescheid,  phanno  hangen  bleiben  (vgl.  T.  49  b).  Vgl.  auch 
§31.4. 

Mhd.  er-  ist  in  der  Form  ar-  in  unserer  Mundart  noch  ziem- 
lich häufig  (vgl.  T.  170/2);  doch  wird  es  überall,  wo  die  Bedeutung 
es  ermöglicht,  bei  den  Jüngern  durch  ßr-  ersetzt. 

Mhd.  ver-  heißt  fdr-,  häufiger  /'a-,  seltener  auch  fr-  (Beispiele 
s.  bei  T.  180/19-1). 

Mhd.  e)it-  entspricht  dt-,  das  sich  bei  T.  162/3  noch  findet 
in  dtsöttd  schütteln,  dtnokxd  einnicken,  dtivörffd  mißgebären  (vom 
Vieh).  Heute  ist  auch  in  diesen  Fällen  das  Präfix  fdrt-  (bezw. 
gesprochen  /;?/-,  frt-)  eingetreten  (weitere  Beispiele  dafür  s.  bei 
T.  189/190).  Seltener  ist  das  Präfix  drt-\  ^rtnokxd  eiimicken, 
artnäpfo  ein  übles  Aussehen  bekommen  (vgl.  Id.  IV  776),  Zur 
Erklärung  von  ßrt-,  drt-  s.  Id.  I  353/4;  vgl.  aber  auch  Fischer, 
Schwab.  WB.  II  1057. 


—     125     — 

§  112.     Präpositionen. 

Mhd.  ^uo  (betont  tsud,  auch  tsu9,  vgl.  S.  120)  ist  reduziert  zu 
tsu9  oder  tso;  mhd.  ^e  mit  Verlust  des  Vokals  zu  ts,  zB.  tshüs  zu 
Hause,  tskröss  ^  groß,  auch  tsämmd  zusammen,  tsrok  zurück,  usw. 

Mhd.  hl  ist  gewöhnhch  erhalten  als  i  (oder  i),  zu  <?  ge- 
schwächt dagegen  in  der  Formel  9  gots  nammj  in  Gottes  Namen. 

Mhd.  an  wird  nur  beim  langsamem  Reden  als  a  ausgesprochen ; 
sonst  ist  es  geschwächt  zu  3,  zB.  9  demm  ä  ,an  diesem  an'  = 
nach  diesem  zu  urteilen.  Mit.  dem  Dat.  des  best.  Artikels  ver- 
schmilzt es  zu  am,  bezw.  mi,  zB.  am  morgd  am  Morgen,  so  auch 
hüUdmmorgB  heute  morgen,  dm  sommar  im  Sommer  (vgl.  §  121  c, 
Antn.  3);  das  a  kann  auch  ganz  schwinden,  so  daß  nur  sonantisches 
m  bleibt.  Geschwächtes  an-  liegt  auch  vor  in  afanna  , endlich' 
(vgl.  Id.  I  718/9),  Avohl  auch  in  aweg  (mhd.  enivec)  hinweg. 

Mhd.  durch  erleidet  Schwächung  einzig  in  der  Formel  da(r) 
gots  iv'dla  ,um  Gottes  willen'  (vgl.  T.  229b),  und  mhd.  für  nur  in 
farliah  ne  vorlieb  nehmen. 

Die  aus  gega  ,gegen'  (vgl.  §  48  e)  kontrahierte  Form  (mhd. 
gein,  gen)  lautet  in  V  Ma  gi,  auf  dem  übrigen  Gebiete  häufiger 
ga  (vgl.  Id.  II  322). 

Mhd.  hl  ist  gekürzt  zu  H  oder  hi.  Geschwunden  ist  der  Vokal 
in  tsom  pandara  selbander  (vgl.  T.  34  b;  Id.  I  308). 

Die  Kürzung  in  uff,  uss  (in  K)  ,auf,  aus'  ist  schon  alt,  wie 
die  Senkung  des  u  in  off,  öss  außerhalb  K  zeigt. 

§  113.  Zusammengesetzte  Adverbien  mit  unbetontem 
erstem  Gliede. 

Der  Vokal  wird  zu  a  in  asö  {ahd.  also)  so;  9?a  allein;  fa(r)hl 
vorbei,  faross(a)  draußen,  im  Freien  (vgl.  Id.  I  560),  farusi  hinaus, 
ins  Freie;  darher  (<;  ddr-hör)  und  dather  (<;  dort-h'er),  jünger  daher 
, daher';  ferner  in  den  übrigen  zahlreichen  Zusammensetzungen 
mit  mhd.  da:  dahämm  daheim,  dahl  dabei,  dahenna  hinten,  dador 
dadurch,  dagega  dagegen,  usw. 

Der  Vokal  schwindet  vollständig,  wenn  das  zweite  Glied 
vokalisch  anlautet,  so  in  den  Zusammensetzungen  mit  mhd.  da: 
doha  oben,  danna  unten,  dinna  drin,  dossa  draußen,  dena  drüben; 
mit  mhd.  dar:  drenn  darin,  droff  darauf,  dramm  darum,  drandar 
darunter,  usw.;  mit  mhd.  hie:  hoha,  honna,  hinna,  hossa  hier  oben, 
unten,  innen,  au^en. 


—     126     — 

2.  Mittelsilbeiivokale. 

§  114.  Die  alid,  langen  Mittelsilbenvokale  sind  als  Kürzen 
erhalten  und  zwar  als  i  oder  o. 

i  (vgl.  §  9)  liegt  in  seinem  Lautwert  im  östlichen  Gebiete  (V  M2)  dem  i 
nahe,  in  K  fällt  es  geradezu  damit  zusammen;  im  westlichen  Gebiete  (MiIH) 
näliert  es  sich  mehr  dem  Lautwerte  des  e,  in  das  es  auch  ganz  übergehen 
kann  (T.  gibt  es  daher  häufig  mit  e  wieder,  indem  er  dann  für  9  schreibt  a). 
Zum  Lautwerte  des  9  vgl.  §  9. 

a)  Ahd.  i  erscheint  in  Endstellung  sowohl  im  gedeckten  als 
direkten  Auslaut  als  i : 

a)  in  den  Femininabstrakta  auf  ahd.  -i,  zB.  höxi  Höhe,  An- 
höhe, grössi  Größe,  müh  Mühle.  —  ß)  in  den  Diminutiva  auf 
ahd.  -Im  oder  -m;  s.  §  90,  2.  —  y)  in  den  Stoffadjektiven  auf 
ahd.  -hl-,  vgl.  §§  57.  90,  5a.  —  0)  in  Lehnwörtern;  s.  §  48  f.  — 
s)  in  zweiten  Kompositionsgliedern;  s.  §  109.  —  Q  in  den  Adj, 
auf  ahd.  -liJi  (doch  vgl.  im  folgenden);  s.  §  90,  5b. 

In  der  Mittelstellung  dagegen,  d.  h.  wenn  noch  eine  Silbe 
antritt,  gilt  in  allen  angeführten  Fällen  -j-;  zB.  hoxdnd  Anhöhen 
(PL);  xinähnd  Dat.  PI.  zu  xindh  Kindlein;  xilbanj  Dat.  PI.  zu 
xübi  Kirchweih;  redhxs  , redlicher'  gegenüber  redli(x)  redlich. 
Nur  in  H  ist  in  letzterem  Falle  die  Form  der  Mittelstellung  in  den 
meisten  Fällen  in  die  Endstellung  übertragen  worden,  so  daß  es 
hier  auch  heißt  redhx,  ferner  erphx  erblich,  moghx  möglich,  usw. 

Das  Vei'hältnis  9  in  Mittelstellung:  i  in  Endstellung  gilt  auch  in  allen 
folgenden  Fällen. 

Unsere  Formen  werti  Wirtin,  xöxxi  Köchin,  wässdri  Wäscherin,  usw.  (im 
PI.  wertdnd  usw.)  gehen  wohl  auf  mhd.  -in  (gegenüber  ahd.  -m;  vgl.  Braune 
§  211)  zurück.     Sie  sind  also  mit  den  Femininabstrakta  zusammengefallen. 

Sehr  wahrscheinlich  gehören  hierher  auch  die  Adjektiva  auf 
-i(y)  (vgl.  Wilmanns  II  455  ff.);  daß  wir  für  unser  Gebiet  die  Form 
-ig  voraussetzen  dürfen,  zeigt  das  ausnahmslose  Fehlen  der  Synkope: 
losti(g)  lustig,  flekt.  lostogo-,  trün(g)  traurig,  flekt.  trür,)go;  usw. 

b)  Alle  übrigen  ahd.  langen  Vokale  und  Dij^hthonge  in  Mittel- 
silben erscheinen  als  ,>:  ärhdt  (ahd.  arbeit)  Arbeit,  usw.;  dann  der 
Ausgang  des  Part.  Prät.  der  cn-  und  6n-Verhen  (ahd.  -et,  -öt),' 
zB.  Idaxxdt  gelacht,  Ixlopfd  geklopft,  x)adjt  gebadet.  Tifrög,)t  ge- 
fragt (doch  vgl.  §  116  c);  ferner  in  den  Feminina  auf  -dd  (ahd. 
-Ata  oder  -cto),  zB.  laxxotd,  rexxndt)  , wiederholtes,  langes  Lachen, 


—     127     — 

Rechnen',  und  den  Maskulina  auf  -dt  (ahd.  -ot),  zB.  höüwdt,  hlüdijd 
,die  Zeit  des  Heuens,  Blühens';  s.  außerdem  die  in  §  109  an- 
geführten Beispiele  wie  enidso,  monot,  häninut,  /ronujt  usw.,  ferner 
mit  als  Mittelsilben  behandelten  zweiten  Kompositionsgliedern  Ubat, 
fortdl,  woUfjl,  usw. 

Ausnahmen  sind  didnst  (ahd.  dionöst)  Dienst  (unter  schriftsprachlichem 
Einfluß?)  und  ämt  (ahd.  ämdt)  Grummet  (vom  Verb  ämtd  aus). 

§  115.     Die  ahd.  kurzen  Mittelsilbenvokale. 

a)  vor  mehrfacher  Kons. 

a)  Vor  ahd.  -ng  erscheint  heute  in  der  Endstellung  (,  in  der 
Mittelstellung  d,  so  in  den  Substantiva  auf  ahd.  -nnga,  -ing,  -ling, 
zB.  >näm(gj  Meinung,  PL  mänsgs;  rexxni(g)  Rechnung,  PI.  rexx- 
njg3;  hälsi(g)  Strick,  pfenm(g)  Pfenning,  silt(g)  Schilling,  gältU(g), 
linrh(g),  usw.  (s.  §  90,  7). 

In  ahd.  Tcuning  , König'  und  honang  ,Honig'  schwand  das  zweite  n  auf 
dissim.  Wege  schon  früh,  und  der  Mittelvokal  wurde  dann  synkopiert  (vgl. 
unter  b),  so  daß  heute  gilt  x'y)3(g),  huv(g). 

ß)  Vor  ahd.  -sc  erscheint  /  in  Endstellung,  a  in  Mittelstellung; 
so  in  manchen  Adj.  auf  ahd.  -isc,  zB.  kxattöhss  katholisch,  flekt. 
kxattuljssä.  Meist  wurde  jedoch  bei  diesen  Adj,  der  Vokal  synkopiert, 
wohl  zuerst  in  der  Mittelstellung  und  erst  durch  Ausgleichung 
auch  in  der  Endstellung;  s.  die  Beispiele  §  90,  5c.  Synkope  liegt 
auch  vor  in  ments  (ahd.  mennisco)  Mensch. 

y)  Vor  ahd.  -st  ist  der  Vokal  synkopiert  in  herpst  (ahd.  herbist) 
Herbst,  heost  (ahd.  hengist)  Hengst,  avsf  (ahd.  angust)  Angst,  ernst 
(ahd.  erniist)  Ernst;  soweit  im  Superlativ  der  Vokal  erhalten  ist, 
erscheint  in  der  Endstellung  /,  in  der  Mittelstellung  d  (s.  dazu 
§  116d),  nur  im  westlichen  Teile  von  H  ist  9  auch  in  die  Endstellung 
gedrungen,  zB.  wittöst  weitest. 

5)  Vor  ahd.  -ns  erscheint  vorwiegend  /,  so  (vgl.  zur  Bildung 
ZfdM.  III  26 ff.)  in  fauois  Fangspiel,  fjstekxis  Versteckspiel,  jegarlis 
Jägerspiel,  pumpis  Tracht  Schläge  (vgl.  Id.  IV  1264),  fechrlesis 
Federlesens,  rilhis  ont  stühis  mit  Stumpf  und  Stil  (vgl.  Id.  VI  76  f.), 
dagegen  gilt  meist  9  in  fagehas  vergebens,  brottds(s)  Braten,  auch 
sf^gas(s)  (ahd.  segansa)  Sense.  Weil  dort  -ennes,  hier  -en(e)z  zugrunde  liegt? 
Doch  stimmt  dazu  segas(s)  nicht. 

e)  Vor  ahd.  -tid  erscheint  heute  9,  so  in  öbad  (ahd.  äband) 
Abend,  jugdd  (ahd.  jugutuT)  Jugend,   tugad  (ahd.  tugimd)  Tugend. 


ii 


—     128     — 

b)  Vor  einfachem  Kons. 

a)  Vor  r  ist  jeder  kurze  Vokal  als  d  erhalten,  sowohl  in 
Mittel-,  als  in  Endstellung  (auslaut.  r  schwindet  gew.):  sömnidr 
Sommer,  sönimjr^  sommern,  sübdr  sauber,  sühdro  säubern,  bl5tt9r^ 
Blatter,  xamnidrD  Kammer,  ivässdri  Wäscherin;  so  auch  im  Kom- 
parativsuffix -jr:  grössdr  größer,  flekt.  gross<iro\  sühdrdr  sauberer, 
flekt.  s/ihjrjr,). 

ß)  Vor  /  ist  kurzer  Vokal  in  Endstellung  in  K  als  t,  außer- 
halb K  als  j  bewahrt,  zB.  liimmd,  -,)1  Himmel,  fogd,  -dl  Vogel; 
daneben  findet  sich  außerhalb  K  ebenso  häufig  Schwund  des  Vokals 
und  sonantisches  /  oder  auch  ??,  also  himml(l),  fogl(I,),  usw.  In  der 
Mittelstellung  schwindet  der  Vokal  immer,  zB.  d^  fögld  den  Vögeln, 
s'ixh  Sichel,  tlsth  Distel,  xaxxh  Kachel,  wörtsh  Wurzel;  so  auch 
hwJcxJjr,  fHokxUst  (neben  tim]cx(<))lst)  Komp.  und  Superl,  zu  tunJix(9)l 
dunkel.  Zu  den  verbalen  Weiterbildungen  auf  -(9)ld  und  zum 
Dim.  auf  -(j)k  s.  §  116. 

y)  Kurzer  Vokal  -f-  ahd.  n  oder  m  erscheint  heute  in  End- 
stellung als  d,  zB.  ivagd  (ahd.  wagan)  Wagen,  regd  Regen,  hodd 
(ahd.  hodani)  Boden,  hesa  Besen.  In  der  Mittelstellung  ist  jedoch 
der  Vokal  synkopiert,  so  zu  troxxd  , trocken'  flekt.  troxxna,  Komp. 
tröxxnar,  Superl.  fröxxmst,  ferner  tröxxna  trocknen;  zu  den  Ptc. 
Perf.  der  starken  Verben  zB.  psoffa  ,besoffen',  hstoh  ,gestohlen'  die 
flekt.  Formen  iJSdffm,  hstolm,  usw.  (nur  nach  nn  ist  der  Vokal 
oft  erhalten,  zB.  kwonmmi  ,gewonnene',  doch  auch  zB.  kronm  müdX 
»geronnene  Milch |);  ferner  zB.  ivagndr  Wagner,  rcgnd  regnen; 
brosmj  Brosame,  Usm9  stricken. 

o)  Vor  den  übrigen  Konsonanten  ist  kurzer  Vokal  immer 
synkopiert;  zB.  makt  (ahd.  niagad)  Magd,  fokt  Vogt  (ahd.  fogat) 
Vogt,  Jiopt  (ahd.  houbit)  Haupt,  hext  (ahd.  hehhit)  Hecht,  held  (ahd. 
helid)  Held,  frönt  (ahd.  frcmidi)  fremd,  hemp  (ahd.  heniidi)  Hemd, 
xlektd  (mhd.  klegede)  gerichtliche  Klage,  hlakxd  (ahd.  %latacha) 
großes  Blatt  (vgl.  Id.  V  54/5);  vgl.  auch  §  117. 

c)  Zur  Behandlung  des  Vokals  zweiter  Kompositionsglieder 
s.  §  109  (S.  120/1).  Ihren  vollen  Vokal  haben  bewahrt  die  adj. 
Ableitungen  auf  -sam,  zB.  lanvsamm  langsam,  hosamm,  hsamm 
(s.  §  109),  nur  selten  etwa,  hosom,  hsdm;  auf  -haß,  zB.  swärhaft 
ziemlich  schwer;  auf  -läxt,  seltener  -läxti(g),  zB.  nassläxt,  fToxt- 
lüxt  etwas  naß,  feucht.  —  Für  das  heute  unter  schriftsprachlichem 


—     129     — 

Einfluß  zur  Herrschaft  gelangte  -niss  kann  man  von  alten  Leuten 
noch  etwa  hören  -7ims,  bezw.  -noss,  zB.  tsügnuss  Zeugnis,  ivild- 
noss  Wildnis. 

§  116.  In  den  Bildungskategorien  ist  das  lautgesetzliche 
Verhältnis  häufig  durch  analogische  Ausgleichung  und  Neubildung 
gestört. 

a)  -dli  neben  -Ji  beim  Diminutiv.  Bei  den  Wörtern  mit 
heute  einsilbigem  Nominativ  herrscht  durchaus  das  Suffix  -li, 
zB.  rädlt  Rädchen,  xüdh  kleine  Kuh.  Nur  in  wenigen  Fällen  steht 
daneben  das  (zum  Teil  stärker  verkleinernde)  Diminutiv  auf  -dli, 
zB.  strossdli  neben  strossh  Sträßchen  (zu  ströss),  gässdli  neben 
gässli  Gäßchen  (zu  gass),  höUsaJi  kleines  Wäldchen  neben  höltsh 
Hölzchen  (zu  holts);  zu  kstell  kommt  nur  kstelldh  vor;  in  I  und 
H  gelten  stüdlML  , Stühlchen'  und  imlldh  ,Weilchen'  gegenüber 
sonstigem  stiiali,  ivtli.  Häufiger  findet  sich  -dli  beim  einsilbigen 
Worte  nur  in  der  Kindersprache;  s.  §  90,  2. 

Da  nach  §  115  b  ß  der  Mittelvokal  von  ahd.  -üin  laiitgesetzlicli  synkopiert 
wurde  (außer  etwa  nach  II),  so  ist  die  Grundlage  für  -ah  wohl  in  den  Fällen 
tekxali,  sössdh,  höddli,  wägsU,  bekxali  zu  sehen  (s.  im  Folgenden). 

Nach  Ableitungssilben  erscheint  regelmäßig  -Jt,  so  nach 
-dn  hriidddrh  Brüderchen,  usw.,  ferner  ärhdth  zu  ärhdt  Arbeit, 
ür9sli  zu  ärds  (ahd.  araweis)  Erbse,  hämnidtU  zu  liämmot  Heim- 
wesen, usw.  In  Wörtern  mit  -dI  ergibt  sich  nach  Vereinfachung 
von  II  ^  l  (s.  §  166)  sekundär  -dh,  zB.  tekxdli  (<C*  decJcelVin)  zu 
tekxdl  Deckel,  fögdU  zu  fogdl  Vogel.  Das  selbe  gilt  für  die  Fem. 
auf  -h,  zB.  sössdli  (<[*  scliüzselUn)  zu  sössh  Schüssel,  xiigdli  zu 
xugh  Kugel,  nodsli  zu  nodld  Nadel,  daher  auch  wisdh  ,Wiesel'  zu 
vjesh  in  I  (s.  §  62  d).  Ahnlich  bei  den  ma-  und  >?a-Stämmen: 
h'öddh  (<C  *bödellm  «<  *bödemlin)  zu  bodd  (ahd.  bodam)  Boden,  fäddli 
zu  fadd  Faden,  besQli  zu  besd  Besen,  gäddli  zu  gadd  Gaden  (vgl. 
T.  210b);  wägdli  (<^*ivägeUln  <<  "^ivägenVin)  zu  ivaga  (ahd.  ivagan) 
Waagen,  öfdli  zu  ofd  Ofen,  häfdli  zu  liafd  Hafen,  regdU  zu  regd 
Regen,  tsaxdli  zu  tsaxa  Zeichen,  isdJi  ,kleines  Stück  Eisen'  zu  isd, 
Idäxxdh  zu  lilaxxa  (ahd.  Ihüalilian)  Bettleinwand.  Bei  den  Sub- 
stantiven auf  -L  ergibt  sich  nach  §  114  a  ebenfalls  sekundär  -dli, 
zB.  xridSdli  zu  xridsi  Kirsche,  bekxdh  zu  bekxi  Becken. 

Bei  den  zahlreichen  männlichen  w-Stämmen  mit  -d  im  Nomi- 
nativ ist  -li  durchaus  die  Regel,  zB.  brökxh  (<  %röckelin)  zu  broliXd 

Vetsch,  Appenzeller  Mundarten.  " 


—     130     — 

Brocken,  grühU  zu  grdbd  Graben,  hoMi  zu  liökkd  Haken,  -dli  haben 
die  mit  U  auslautenden  Stammsilben:  hölhU  zu  hoJh  Knollen,  tsölhh 
zu  tsoll)  Butterballen  (vgl.  T.  460  b),  in  I  jedoch  auch  tsöih.  Die 
Wörter  mit  )i  im  Wurzelauslaut  schwanken:  fän(j)h  zu /äw9  Fahne, 
hän(d)lt  zu  händ  Faßhahn,  stern(d)U  zu  sternd  Stern  und  xern(9)h 
zu  xernj  Kern,  seltener  hrönnU  neben  hronndh  zu  hronnd  Brunnen. 
Schwankend  sind  auch  xär(d)ü  zu  xard  Karren,  hets(d)U  Bißchen 
(vgl.  T.  40a),  XHdx(9)U  zu  xudXd  SchHttenkufe  (vgl.  Id.  III  145). 
dagegen  nur  xüdxU  zu  xudxa  Kuchen.  Ausschließlich  gilt  rexxdli 
zu  rexxd  Rechen. 

Auch  bei  den  Femininen  mit  -d  im  Nominativ  über\viegen 
die  Diminutiva  auf  -li,  zB.  näsU  (<C  *näselin)  zu  nasd  Nase,  söph 
zu  soppj  Suppe,  hübli  zu  hühd  Haube,  im  Ganzen  etwa  vierzig  Fälle. 
Nur  -dli  weisen  auf  fälhli  zu  fcäh  Falle,  selhli  zu  seih  Schelle, 
xelhli  zu  xelh  Kelle,  rölhli  zu  rolU  Rolle,  usw.;  ivüMi  zu  ivuh 
Wolle,  dann  auch  stüddli  zu  städa  Staude,  glöf'sli  zu  glofd  Steck- 
nadel, hörstdli  zu  hörstd  Bürste,  JiDÜwdli  zu  liouwa  Haue,  hrentdli  zu 
hrentd  niederes  Holzgefäß,  stmuhli  zu  stand,)  Holzzuber,  halddli  zu 
häldd  Halde,  gfigäli  zu  gügd  und  hlosdli  zu  hlösd  Blasinstrument, 
brösmdJi  zu  hrosnid  Brosame,  tsüxdi  zu  tsüxj  Schublade,  hilxsli  zu 
hil(d)x9  Birke,  liemidli  zu  henna  Henne,  nur  in  V  M  meist  auch 
pfänndli  zu  pfanna  Pfanne,  tänndi  zu  tann9  Tanne  tsönnaU  zu  tsonns 
Brei,  während  in  H  p)fännli,  tännli,  tsönnli  und  in  I  mit  Assimi- 
lation pfäih,  fäfh,  tsölh.  Schwankend  sind  bonfaßi  zu  bona  Bohne, 
täs(d)li  zu  täsa  Tanse,  pfiff (d)li  zu  pfiffd  Pfeife,  srond(9)h  zu  srondd 
Spalt,  §teg(d)U  zu  stega  Treppe,  seg(9)U  zu  sega  Säge,  geU(d)U  zu  gelta 
Waschzuber,  xerx(d)lL  zu  xer(d)xd  Kirche,  dagegen  in  I  x'i'Mxdh, 
nach  T.  131b  auch  tass<Mätt(d)U  Untertasse, 

Auf  -dli  ist  auch  gebildet  der  Vogelname  bWbdli  Blaumeise 
(vgl.  §  72).     Zu  den  Diminutiven  von  Taufnamen  s.  Seite  92. 

b)  Die  Verteilung  von  -h  und  -dh  bei  den  verbalen  Weiter- 
bildungen ist  aus  der  Anordnung  von  §  90,  6  ersichtlich,  wo 
auch  auf  die  heutigen  Bedeutungsunterschiede  zwischen  den  beiden 
Bildungsarten  hingewiesen  ist. 

c)  im  Part.  Prät.  Bei  den  ja«- Verben  ist  Synkope  auch  in 
der  unflektierten  Form  die  Regel  (vgl.  §  115b S),  zB.  ksudxt  ge- 
sucht, Txjokxt  gejuckt,  l"ropft  gerupft,  potst  geputzt,  kxösst  geküßt. 
lilienhxt  gehängt,  lixört  gehört,  hstellt  gestellt,  tMt  geteilt;  ebenso 


—     131     — 

meist  nach  t,  zB.  Jdüt  geläutet,  lisprät  gespreitet,  törsi  gedürstet, 
IcfÖrxt  gefürchtet;  nur  selten  hört  man  Tdüttat,  Jcsprättst,  usw. 
Während  es  durchaus  heißt  tronimt  geträumt,  krümmt  geräumt, 
besteht  Schwanken  in  l'sum>n(.))t  gesäumt.  l'5»u)i(j)t  gegaumt  (vgl. 
§  82)  und  überwiegen  IxSömmdt  gesäumt,  Jcsionmat  geschäumt. 

Bei  den  schwachen  Verben  der  2.  und  3.  Klasse  erwartet  man 
keine  Synkope  (s.  §  114  b).  Dessenungeachtet  heißt  es  auf  dem 
ganzen  Gebiete  durchaus  Tilept  gelebt,  kret  geredet,  ksat  geschadet. 
kxlakt  geklagt,  kjaM  gejagt  (in  I  und  K  auch  kjagj),  l'sjtiU  ge- 
spielt, kswätst  geschwatzt,  kscitst  geschätzt,  kxost  gekostet,  auch 
pätst,  tatst  (s.  §  49  e),  und  es  besteht  Schwanken  (in  der  flek- 
tierten wie  in  der  unflektierten  Form)  in  pmaxx(d)t  gemacht, 
kxol(d)t  geholt,  kspär(d)t  gespart;  nur  in  I  gilt  auch  ksemmt 
geschämt,  Jcxäpt  gehalten,  sonst  l'sämmjt,  khäbdt,  bezw.  kxehdt. 
Diese  synkopierten  Formen  beruhen  auf  dem  Anschluß  an  die 
yaw-Verben  (vgl.  dazu  §  49  e).  Zum  Part,  von  sägd  und  trag^ 
s.  §  81. 

Auch  nicht  in  den  flektierten  Formen  zeigen  Synkope  die 
Verben  auf  -(d)h,  zB.  kspotJat  gespöttelt,  liäakJi^bt  gestottert, 
auf  -119,  zB.  l'rexxnjt  gerechnet,  und  auf  -arj,  zB.  Ifuattjrdt  ge- 
füttert, pmagsrat  gemagert. 

d)  Im  Superlativ  ist  der  Vokal  des  Suffixes  beim  einsilbigen 
Worte  gewöhnlich  synkopiert:  tikxst  zu  tikx  dick,  Jiöxst  zu  höx 
hoch,  türst  zu  tür  teuer,  xrömmst  zu  xromm  krumm,  sonnst  zu 
so  schön,  gröpst  zu  grob  grob,  usw.  Häufig  jedoch  ist  der  Vokal 
(in  der  unflektierten  Form  nach  §  115  ay  außer  in  einem  Teile  von 
H  als  i,  in  den  flektierten  Fonnen  nach  §  114  a  als  o)  erhalten 
nach  d  und  t,  zB.  l-sldist  zu  Jcsld  gescheit,  mttisf  zu  ivJt  weit, 
besonders  auch,  wenn  noch  ein  Konsonant  vorausgeht,  zB.  wildist 
zu  tvild  wild,  eltist  zu  alt  alt,  Jiertist  zu  hert  hart,  slextist  zu  slext 
schlecht,  ivüdsttst  zu  ivü3St  häßlich;  ferner  nach  s(s),  Ss,  ts,  zB. 
bösist  zu  bös  böse,  siidssist  zu  siioss  süß,  frisstst  zu  fri§s  frisch, 
xörtsist  zu  xorts  kurz.  Doch  sind  die  synkopierten  Formen  ivlfsf, 
eltst,  böst  usw.  ebenso  häufig,  ja  sogar  tvuastst,  xörtst  nicht  selten. 
Nur  mit  Synkope  kommt  vor  grost  zu  gross  groß,  ferner  best  best, 
lest,  bezw.  letst  letzt  (vgl.  §  29,  2). 

Nach  -dr  besteht  in  den  flektierten  wie  den  unflektierten 
Formen    Schwanken,    zB.    sübor(i)st    zu    sidior   sauber,    ondor(i)st 


—      132     — 

Unterst,  ossar(i)st  äußerst,  9))i  ]ienddr(d)std  dem  hintersten;  ebenso 
nach  ->/,  zB.  tur)Jcx(d)W  neben  tunhxlist  zu  timlix(d)l  dunkel,  ferner 
nach  -ig,  -hg  (bezAv.  nach  §  114  a  -hx),  zB.  lösttJcsi  neben  löstdgiM 
zu  losti(g)  lustig,  redhkM  (bezw.  redhxst)  neben  rcdhgist  {redhxdst) 
zu  redli(g)  (bezw.  -hx)  redlich.  Erhalten  ist  der  Suffixvokal  immer 
nach  -an,  zB.  tröxxnisf,  tröxxndstd  zu  troxxd  trocken. 

Ein  vereinzeltes  Beispiel  für  Elision  ist  bas  Ä'nnd  ,Base  Anna'  gegen- 
über bäsi  vor  konsonantisch  anlautenden  Namen;  vgl.  dazu  ondd(r)söhd(r)si 
«^  onddrsi-öbdi'sO  ,verkehrt'  (s.  §  29,  4). 

§  117.  Svarabhaktivokale.  Besonders  häufig  hat  sich 
ein  D  zwischen  l  -\-  x  (das  in  K  als  xx  erscheint)  entwickelt:  földX 
Volk,  iroUx^  Wolke  (jünger  wolkxd),  mehxd  melken,  pmohxd  ge- 
molken; hildxa  (ahd.  hirihha)  Birke;  Erhaltung  des  ahd.  Mittel vokals 
könnte  vorliegen  (doch  kommen  auch  hier  die  Formen  ohne  Vokal 
daneben  vor)  in  mildx  Milch,  xildxa  Kirche  (nur  noch  selten),  auch 
in  tswihx  Zwilch.  Zwischen  r  -\-  x  in  der  jüngeren  Form  xerdXd 
Kirche  und  in  mordx  (ahd.  moraha)  Morchel.  Zwischen  r  -\-  g  in 
mordgd  Morgen.    In  K  auch  etwa  zwischen  r  -\-  h,  zB.  hxordh  Korb. 

3.  Endsilbenvokale. 

§  118.  Die  ahd.  langen  (gedeckten  und  ungedeckten)  End- 
silbenvokale sind  ebenfalls  als  i  oder  d  bewahrt. 

i  erscheint  a)  für  ahd.  i  in  der  2.  Ps.  Sg.  und  im  PI.  des  heute 
imr  noch  als  Konditionalis  gebrauchten  Konj.  Prät.  der  starken 
A'erben  (doch  vgl.  §  120a),  zB.  zu  ne  nehmen:  nämmist,  nämmid; 
von  da  hat  der  Konj.  Präs.  der  starken  Verben  das  i  übernommen, 
zB.  zu  lesj  lesen:  1.  und  3.  Ps.  Sg.  lest,  2.  Ps.  lesist,  PI.  Usid.  Aus 
dem  Konj.  Prät.  der  schwachen  Verben  (der  heute  in  der  Mundart 
nicht  mehr  vorkommt)  hat  der  Konj.  Präs.  der  schwachen  Verben 
i  übernommen,  zB.  zu  siidXXd  suchen:  1.  und  3.  Ps.  Sg.  sudxxi, 
2.  Ps.  Sg.  sudxxist,  PI.  sudxxid.  Das  t  drang  noch  weiter  auch  in 
die  2.  Ps.  Sg.  und  den  PI.  des  Ind.  Präs.  der  schwachen  und  starken 
Verben;  wenigstens  ist  diese  Annahme  nötig  für  den  PI.  (zB. 
sudXXid),  während  das  i  in  der  2.  Ps.  Sg.  (so  weit  keine  Synkope 
eintrat;  s.  unten)  sich  nach  §  115  aß,  y  auch  auf  den  Einfluß  des 
folgenden  s  zurückführen  ließe. 


—     133     — 

Nur  im  westlichen  Teile  von  H  herrscht  in  diesen  Fällen  ^y, 
auch  im  Konditionalis  und  Konj.  Präs.  und  im  Sg.  (außer  der  1. 
und  3.  Ps.)  sowohl  vde  im  PI. :  also  )iemast,  nemod  (mit  e  für  a 
nach  §  95,  2),  nemdst,  nenidd,  usw.  Auf  dem  übrigen  Gebiete  geht 
das  i  in  d  über,  wenn  ein  Pronomen  sich  enklitisch  anschließt 
(vgl.  §  114  a),  zB.  maxxdd-dr  macht  ihr,  nämmjst-a  nähmest  ihn. 

b)  für  ahd.  iu  im  PL  stokxi  (<;  ^stuckiu)  Stücke,  ferner  im 
Nom.  Akk.  Sg.  des  Fem.  und  Nom.  Akk.  PI.  des  Neutrums  des 
starken  Adjektivs:  nur  in  M  V  findet  sich  selten  und  mehr  bei 
den  Jüngern  Übertragung  des  «  auch  in  den  Nom.  Akk.  PL  des 
Mask.  und  Fem. 

Die  übrigen  Längen  erscheinen  als  d,  zB.  onm)  (ahd.  nntamhi) 
unten,  tsivössd  (ahd.  zivisken)  zwischen,  auch  in  den  Infinitiven  der 
en-,  ow- Verben,  zB.  folgd  (ahd.  folgen)  folgen,  gehorchen,  maxxa 
(ahd.  macliön)  machen,  ferner  den  obliquen  Kasus  des  schwachen 
Fem.,  zB.  tsiwD,)  (ahd.  zunciün)  Zungen. 

Ob  der  Ausgang  -9,  der  im  Nom.  Sg.  der  meisten  schwachen  Fem.  er- 
scheint, hiutgesetzlich  auf  ahd.  -d  zurückgeht  (die  wenigen  Fälle  ohne  Endung 
ließen  sich  durch  Analogie  nach  den  endungslosen  «-Stämmen  erklären)  oder 
ob  ahd,  -a  zugrunde  liegt,  so  daß  die  apokopierte  Form  die  lautgesetzliche 
ist  (vgl.  §  120)  und  der  Ausgang  -a  auf  Ausgleichung  nach  den  obliquen  Kasus 
beruht,  zu  dieser  Frage  läßt  sich  von  unserer  MA.  aus  nicht  Stellung  nehmen ; 
vgl.  dazu  Anz.  f.  d.  A.  XXI  S.  28,  PBB.  XXYIII  S.  98  ff.  und  Schatz,  Die  tirol. 
Mundart  S.  51  ff.  und  Altbair.  Grammatik  S.  12(3  7. 

Sowohl  in  der  2.  als  in  der  3.  Ps.  Sg.  des  Ind.  Präs.  der 
schAvachen  Verben  der  2.  und  3.  Klasse  ist  der  Vokal  meist  erhalten 
(vgl,  §  118);  durchaus  synkopiert  ist  er  oder  es  besteht  Schw^anken 
in  den  selben  Verben,  die  §  116  c  als  Ausnahmen  aufgeführt  sind. 
Nie  tritt  Synkope  ein  nach  ableitendem  m,  n,  (j)l,  jr,  zB.  Usmtst, 
Usmot  zu  lisnu  stricken,  tröxxnist,  tröxxnaf  zu  tröxxnd  trocknen, 
spötlist,  spötht  zu  spDÜo  spötteln,  stoMdhst,  sfaMabt  zu  MaJilidh 
stottern,  nmgdrist,  magordt  zu  magoro  magern. 

§  119.  Kurzer  Endsilbenvokal  -{-  n  erscheint  als  ,y;  zB. 
seltd  (ahd.  seltcm)  selten,  em  (ahd.  inan)  ihn,  hlendd  (ahd.  stark 
blintan,  schwach  Uintim,  -on)  blinden  (Akk.),  fagd  (ahd.  fagun,  -on) 
Tagen,  les3  (ahd.  Icsan)  lesen. 

Nur  in  xo  ,kommen',  Jcnö  ,genommen',  ne  ,nehmen',  ge  ,gehen'  und  hä 
,haben'  ist  Synkope  des  Vokals  vor  n  anzunehmen  (zB.  körnen  >  komn  usw. 
>  xd);  doch  lasse  ich  die  Frage  offen,   ob  diese  nicht  auch  in  den  übrigen 


—     134     — 

Fällen  eingotroten  sei  und  das  heute  erscheinende  -a  nicht  sekundär  aus  dem 
sonantischen  ti  vokalisier^  wurde. 

Die  ahd.  Pluralendung  -ir  erscheint  als  -jr,  zB.  hfisjr  Häuser. 

Kurzer  Endsilben  vokal  vor  andern  Konsonanten  wurde 
synkopiert,  soweit  er  nicht  aus  Gründen  der  Deutlichkeit  bewahrt 
blieb,  wenn  nämlich  der  vorausgehende  Konsonant  und  der  deckende 
gleicher  oder  ähnlicher  Natur  sind  oder  wenn  bei  Synkope  eine 
schwer  zu  sprechende  Konsonantengruppe  entstünde;  so 

a)  in  der  2.  und  3.  Ps.  Sg.  des  Ind.  Präs.  der  starken  und 
der  ^aw- Verben  (vgl.  §  118).  In  der  2.  Ps.  besteht  Schwanken  nach 
den  selben  Lauten  wie  beim  Superlativ  (§  116d),  nach  d,  t,  s,  fs, 
zB.  sntd(i)st  schneidest  rit(ti)st  reitest,  hlösst  neben  hlosist  blasest, 
hisst  neben  hissist  beißest,  hotst  neben  hotsist  putzest;  nach  s,  ts 
unterbleibt  die  Synkope  immer,  zB.  JössiM  löschest,  rotsist  rutschest. 
In  der  3.  Ps.  herrscht  nur  nach  t  ScliAvanken:  es  heißt  vorwiegend 
liittdt  läutet,  stntUt  streitet,  rlttdt  reitet  usw.,  aber  durchaus  gilt 
,gilt',  forxt  fürchtet,  torst  dürstet;  nach  d  tritt  immer  Synkope 
ein,  zB.  lat  ladet,  mit  schneidet. 

b)  In  der  starken  Flexion  des  Adjektivs  tritt  Synkope  ein 
im  Nom.  Akk.  Sg.  Neutr.,  zB.  röts  rotes,  t'üixs  dickes,  hlöm  blaues, 
xlis  kleines.  Nur  nach  s  (ts),  s  bleibt  der  Vokal  erhalten:  MsdS 
böses,  grössds  großes,  xortsds  kurzes,  frissds  frisches,  iniräsds 
bäurisches,  usw. 

c)  Im  Gen.  Sg.,  soweit  er  vorkommt,  findet  immer  Synkope 
statt:  fattdrs  Vaters,  tal's  bei  Tage,  rexts  rechts,  iiiits  nichts. 

§  120.  Alle  ungedeckten  kurzen  Endsilbenvokale  wurden 
apokopiert. 

a)  Beim  Verb:  Im  Imperativ  Sg.  der  schwachen  Verben  — 
In  der  1.  und  3.  Ps.  Sg.  des  Konj.  Prät.,  soweit  er  als  KonditionaUs 
nocli*  im  Gebrauch  ist  (so  von  den  starken  Verben  ne  nehmen,  ge 
geben,  x5  kommen,  Mo  schlagen,  g5  gehen,  Mo  stehen,  l5  lassen,  tu9 
tun,  hsb  sehen,  Jcsia  geschehen,  ferner  von  hä  haben,  ivöld  wollen 
und  den  Präterito-Präsentia);  bei  den  übrigen  starken  und  bei  den 
schwachen  Verben  wird  das  Konditionalis  umschrieben.  —  In  der 
1.  und  3.  Ps.  Sg.  des  Konj.  Präs.;  doch  sind  diese  heute  nur 
noch  endungslos  bei  den  vorhin  genannten  Verben,  zu  denen  noch 
f'in  Konj.  Prät.   erhalten   ist;   bei   den   übrigen  Verben  haben  sie 


—     135     — 

analogisch  -/  angenommen  (vgl.  §  118  a).  —  Auch  in  der  1.  Ps.  Sg. 
Ind.  Präs.  wäre  bei  den  starken  und  den  y««- Verben  kein  Endungs- 
Yokal  zu  erwarten:  es  ist  jedoch  -3  von  den  en-,  ö«-Verben  aus 
übertragen  worden:  zB.  /  geh^  Mh.  gebe',  doch  nicht  vor  Enklitika, 
zB.  i  (jep-tcfr  ,ich  gebe  dir',  geh-i  ,gebe  ich.' 

b)  beim  Substantiv:  In  der  starken  Flexion  im  Dat. Sg. 
der  mask.  und   neutr.  «-Stämme :    im  -Nom.  Akk.  Dat.  Sg.  der  ja- 
Stämme;    im   Nom.  Akk.  PI.    der    mask.  rt-Srämme    und    der  ja- 
Stämme;  im  Sg.  der  ö-  und  Jo-Stämme ;  im  Dat.  Sg.  der  mask.  und 
im  Gen.  Dat.  Sg.  der  fem.  und  Nom.  Akk.  PL  der  mask.  und  fem 
/-Stämme.  —  In  der  schwachen  Flexion  im  Nom.  Sg.  der  Mask. 
diese  lautgesetzliche  Form  findet  sich  jedoch   heute  nur  bei  Sub- 
^^tanti■^'en,  die  ein  lebendes  Wesen  (Menschen  oder  Tiere)  bezeichnen 
(Ausnahmen  sind  hu3b3  Knabe,  doch  nur  noch  bei  altern  Leuten 
und   hasd  Hase   in   H  gegenüber  has  auf  dem  übrigen  Gebiete) 
bei    den   übrigen   ist   aus    den   obliquen  Kasus  -3  angetreten.   — 
im  Nom.  Akk.  Sg.  des  Neutr.:  zum  Nom.  Sg.  des  Fem.  s.  die  Anm 
zu  §  118  b. 

c)  beim  Adjektiv:  In  der  starken  Flexion  im  Dat.  Sg.  aller 
drei  Geschlechter,  im  Nom.  Akk.  PI.  des  Mask.  und  Fem.  (vgl 
^  118  b);  bei  den  ja-,  _/()-Stämmen  auch  im  Nom.  Sg.  —  In  der 
schwachen  Flexion  im  Nom.  Sg.  aller  drei  Geschlechter  und  im 
Akk.  Sg.  des  Neutr. 

d)  beim  Adverb:  so  (ahd.  scöno)  schon,  fast  (ahd.  fasto) 
fast,  usw. 

e)  isolierte  Fälle:  op  (ahd.  oha)  ob  (vgl.  §  l'Zöby);  ivoU  (ahd. 
tvola)  .doch',  usw. 

4.  Satztoiiisclie  Doppelformeu. 
§  121.     a)  Persönliches  Pronomen:  ^ 

Nom. 

betont  unbetont 

l.Ps.  Sg.  f  i  (s.  Anm.  1)  i  dg  (s.  Anm.  2) 

2.  Ps.         du  du  tu  (s.  Anm.  3)  du  t  (s.  Anm.  3) 

3.  Ps.         m.  er  er  9(r),  auch  r  (zB.  hed-r  hat  er) 

f.  si  si  si  sd  (enklitisch  auch  s) 

n.  fehlt  (dafür  seb)  s  S9  (s.  Anm.  4) 


136     — 


betont  unbetont 

1.  Ps.  PL  mSr  mer  (in  K  midr  mid(r))  md(r)  (in  K  auch  niid(r))  mr 

2.  Ps.         ör  er  (in  K  hr  h(r))  d(r)  (in  K  auch  id(ij)  r  ' 
8.  Ps.         sü  SU  (zu  sjüiv  in  I  Mi  s.  §  88)  sii  si  Sd  (enklitisch  auch  s) 

Dat. 

1.  Ps.  Sg.  nicr  mer  (in  K  mhr  niid(r))     tm(r),  seltener  mr 

2.  Ps.         der  (Irr  (in  K  di.yr  did(r))         dd(r),  seltener  dr 

3.  Ps.         m.  n.  emm 

f.  erd  (in  K  ürd) 
l.Ps.  PI.  US  bezw.  ÖS  (s.  §  96) 

2.  Ps.         ü  in  H,  sonst  düiv  (s.  §  88) 

3.  Ps.         cn9 


9m(m),  auch  »^('»j^ 

drj 

hS  bezw.  ö.s,  meist  is 

L 

ono 


Akk. 


1.  Ps.  Sg. 

2.Ps. 

3.Ps. 


)><e  mi 
dl  dl 
m.  e  und 
f.  si  si 
n.  fehlt 
1.  und  2.  Ps.  PL  = 


mi 
dl 
eiid  D  (im  Hiatus  jn) 

S( 

s  js  (s.  §  29,  3) 
den  entsprechenden  Dativformen. 
3.  Ps.  =  dem  Nom.   (ohne   die   Form   sj);    enklitisch   auch    s"   ds 
(s.  §  29,  3). 

Das  Reflexivpronomen  ,sich'  lautet  betont  si,  unbetont  si. 

Anm.  1.     Zur  Kürze  neben  der  Länge  in  den  betonten  Formen  s.  §  106. 

Anm.  2.  Die  Form  dg,  dann  auch  S9  im  Nom.  Sg.  des  Fem.  und  im 
Xom.  PI.  finden  sich  nur,  wenn  noch  ein  anderes  Pronomen  sich  enklitisch 
anschließt  (vgl.  dazu  §  114  a):  ivenn-dg-i  wenn  ich  euch,  het-sd-si  hat  sie  sich, 
hent-sa-si  haben  sie  sie.  dg  ist  nur  in  Ma  V  gebräuchlich  und  wuchert  hier 
über  das  ihm  eigentlich  zukommende  Gebiet  hinaus:  es  heißt  nicht  nur  zB. 
denn  wil-dg-i  ,dann  will  ich  euch',  hin-dg-i  ,bin  ich  euch',  sondern  auch  i  wibgi 
,ich  will  euch',  i  handgd  ,ich  habe  ihn',  i  söttdgd  ,ich  sollte  (söt)  ihn',  ja  sogar,* 
wenn  auch  seltener,  md  wönddgi  ,wir  wollen  (ivönd)  euch',  md  töndsgi  ,Avir  tun 
(tönd)  euch'.  In  Mi  I II  heißt  es  dagegen  ausschließlich  loil-i,  han-d,  ivmd-i, 
usw.  Die  Gaiser  sagen  daher,  wenn  sie  ihre  Trogner  Nachbarn  verspotten 
wollen:  i  wibgi  tiid  dafor!  ,ich  will  euch  tun  dafür!' 

Anm.  3.  t  kommt  nur  enklitisch  nach  Konjunktionen  und  in  direkter  und 
indirekter  Frage  vor,  übereinstimmend  mit  Winteler  S.  1.37;  vgl.  §  31,  2.  Ist  das 
Pronomen  in  der  selben  Stellung  betont,  so  ist  seine  Form  tu,  zB.  xvia  tu  wit 
,wie  du  willst',  tca  tu  nüt  sunt!  ,was  du  nicht  sagst!'  (Ausruf  der  Vei'wun- 
derung). 


—     137     — 

Anm.  -i.  Das  auffällige  S9  in  der  3.  Ps.  Neutr.  Xom.  Sg.  findet  sich  in 
Verbindungen  wie  het-sa-si  ,hat  es  sich*,  xa-sd-si  ,kann  es  sie',  usw. 

Anm.  5.  Zur  Erkläruifg»  des  Dativs  der  3.  Ps.  Fem.  (ahd.  iru)  vgl.  d 
Anm.  3  ? 

b)  Im  Possessivpronomen  tritt  Kürzung  ein  im  adj.  Nom. 
Akk.  Sg.  Fem.  und  Plur.  mim,  dini,  siw,  subst.  m7m,  äim,  smt.  Im 
Nom.  Akk.  Sg.  Mask.  minn,  dinn,  sinn  und  im  Dat.  Sg.  Fem.  minndr, 
dinmr,  simidr,  ferner  in  üsO}r)i  (bezw.  ös(jr)i)  , unsere'  herrscht 
Kürze  in  betonter  und  unbetonter  Stellung;  dagegen  unflekt.  nn, 
dl,  si  mein,  dein,  sein,  üs  (bezw.  Ös)  uns.  Die  Kürze  kann  in  un- 
betonter Stellung  entwickelt  und  in  die  betonte  übergeführt  sein ; 
doch  vgl.  §  108  e. 

c)  Beim  Demonstrativ  sind  zwei  unbetonte  Formen  zu  unter- 
scheiden, die  eine  als  Demonstrativ,  die  andere  (davon  isolierte) 
mit  stärkerer  Reduktion  als  bestimmter  Artikel  fungierend: 

Demonstrativum  bestimmter 

betont  (adj.  u.  subst.)      unbetont  Artikel 

Nom.   Sg.  m.  der  de{r)  de(r)  (s.  §  167)        dj 

f.  dl)  di9  (Anm.  2)    di9  t  \  di 

n.  da(s)  da(s)  da(s)  (s.  §  135, 3  c)   s      s.  §  31,  1 

Fl.    did  dia  t       di 

Dat.     Sg.  m.  n.  demm  (d)denim  (d)dm(m) 

f-  (^erO)  (D)der(d)  (9)do 

PI-    dend  (9)denj  (jjdj 

Der  Akk.  unterscheidet  sich  vom  Nom.  nur  beim  Mask.  durch 
die  Formen  des  Demonstrativums  de,  de. 

Der  Gen.  Sg.  des  best.  Art.  lautet  s:  s  fatürs  (s  xiiidlis,  auch 
s  mu9tt9rs)  sm  ,des  Vaters  (des  Kindleins,  der  Mutter)  Schuhe.'  Der 
Gen.  Sg.  f.  betont  der,  unbet.  dj(r)  findet  sich  nur  in  d.  niäm(g)  se, 
(nüd)  dd  tsit,  dj  wil  hä. 

Anm.  1.    Zur  Kürze  neben  der  Länge  in  den  betouten  Formen  s.  §  106. 

Anm.  2.  did  im  Nom.  Sg.  des  P'em.  ist  die  aus  dem  Akk.  übernommene 
Form,  während  das  (nur  vor  Adjektiven  gebrauchte)  dt  regelrecht  ahd.  diu  fort- 
setzen könnte;  ähnlich  geht  der  PI.  dia  auf  das  ahd.  Mask.  oder  Fem.  zurück, 
während  di  (vor  Adjektiven)  auf  dem  Neutr.  ahd.  diu  berulien  kann. 

Anm.  3.  Im  Dat.  Sg.  Mask.  und  Neutr.,  im  Akk.  Sg.  Mask.  und  seltener 
auch  im  Dat.  PI.  tritt  nach  vokalisch  auslautenden  Präpositionen  (tso  zu,  bi 
bei,  i  in,  /b  von,  a  an)  eine  weitere  Keduktion  der  angegebenen  Formen  ein, 
zB.  tsomm  xend  zum  Kind,  tsonn  xendd  zu  den  Kindern;  analog  biinm,  Umu 


subst. 

adj. 

Artikel 

m.  enn 

enn 

9n(n) 

f.  em 
11.  es 

6 

e 

>>  im  Hiatus  dn 

9 

m.  n.  emm 

emm 

am(m)9(nd)  dm(m)9(nd) 

f.  ennor 

ennjr 

an(n)ard  9n(n)9rd 

—     138     — 

usw.    Nur  tso  verschmilzt  auch  mit  dem  Dat.  Sg.  Fem.,  zB.  tsor  straff  zur  Strafe. 

Aum.  1.  Das  im  Dat.  in  den  unbetonten  Formen  meist  vorgesetzte  a  ist 
die  Keduktionsform  von  a  ,an'  (vgl.  §  112). 

Anm.  5.  In  der9,  dend  liegen  wohl  ähnliche  Erweiterungen  wie  in  der 
Schriftsprache  vor. 

d)  Der  unbestimmte  Artikel  ist  die  unbetonte  Form  des 
Zahhvortes  ,ein': 

Zahlwort  unbestimmter 


Noni. 
Akk. 

Dat. 


Anm.  1.  In  K  das  Zahlwort  entsprechend  mit  «  a  (vgl.  §  80,  zu  e  für 
«  s.  §  95,  2) ;  auch  das  a  des  unbest.  Art.  ist  in  K  häufig  nahezu  =  a. 

Anm.  2.  Die  Dat. -Formen  des  unbest.  Art.  sind  zusammengesetzt  mit 
a  (d)  ,an';  vgl.  c  Anm.  4.  Mit  den  übrigen  vokalisch  auslautenden  Präposi- 
tionen entstehen  die  Formen  tsomivDdCnd),  tsonnO)r9  usw.,  mit  so  so,  wonach: 
somaoid),  nomdCnd). 

Anm.  3.  Ist  in  den  Dat. -Formen  des  unbest.  Art.  der  auslautende  Vokal 
(ahd.  einemo,  einero)  unter  dem  Einfluß  des  Nebentons  erhalten  geblieben  (vgl. 
mhd.  eime<^  einemo)'^ 

Anm.  4.  Die  betonten  Formen  von  ,kein'  (vgl.  §  31,  3  d)  unterscheiden  sich 
von  den  für  ,ein'  angeführten  durch  Kürze  im  Nom.  Akk.  Fem.  subst.  und  adj. 
(J(xeni,  kxe)  und  im  Nom.  Akk.  Neutr.  adj.  (kxe);  die  unbetonten  entsprechen 
den  angeführten  P'ormen  des  unbestimmten  Art.,  nur  daß  das  auslaut.  s  etwas 
entschiedenere  Färbung  nach  e  (bezw.  ä,  a)  hin  zeigt. 

§  122.  Auch  in  den  folgenden  Wörtern  tritt  Reduktion  (sei 
es  nur  quantitative  oder  zugleich  qualitative)  ein,  wenn  sie  satz- 
unbetont vorkommen;  oft  ist  die  in  unbetonter  Stellung  entwickelte 
Form  dann  auch  in  die  betonte  Stellung  übergeführt  worden:  Nur 
Kürzung  findet  sich  in  no  nach,  (h  da,  so  schon,  do  dann  (bet. 
dö),  so  so,  glix  gleich,  icdl  weil,  sid  seit.  Qualitative  Schwä- 
chung zeigen  nid  man;  j  auch  (bet.  juic);  wid  oder  ive  wie  (bet.  ivh); 
das  Hülfsverb  mösi)  oder  müdSO  (mhd.  miiezen)  ,müssen'  (auch  bet.); 
tu,  tost,  tod  oder  tu9,  tndst,  tusd  1.  2.  und  3.  Ps.  Sg.  des  Ind.  Präs. 
von  ttij  ,tun';  dann  die  aus  dem  Verbum  g5  gehen  (mhd.  gan)  ab- 
geschwächte Partikel  go  (neben  gt,  gn;  s.  §  112  und  vgl.  T.  216a; 
Td.  II  322  tf.);  ferner  h  ,je'  in  o  leovdr  i  me,  d  lennar  i  sönndr,  usw., 


—     139     — 

je  länger  je  mehr  (schöner):  9)(d  ,uud'  in  tsiceij-a-fsicä)itsJi  zweiund- 
z-wanzig  (usw.),  no-^n-nö  nach  und  nach;  as  ,als'  in  ds  fil  as  niifs  so 
viel  wie  nichts,  und  in  meosehd  (<;  me  als  eben)  Ausdruck  der  Zu- 
stimmung (vgl.  Id.  I  45):  gitat  (bezw.  gad)  ,gut'  in  gokhuhg  ,gut 
genug',  betont  (h  gokl-niog  maxxa  .den  Gutgenug  spielen',  ferner  in 
der  Gruläformel  got  tak  Jceb  t  got!  ,guten  Tag  gebe  euch  Gott!' 

In  einigen  Grußformeln  findet  vollständige  Unterdrückung 
einer  Silbe  statt,  so  in  dem  häufigen  tnaxt!  für  gudt  naxt!  .gute 
Nacht!'  tskot!  für  gri'ots  kot!  .grüß  Gott!'  Auf  den  Gruß:  gudtta  tag! 
,guten  Tag!"  kann  mau  von  alten  Leuten  die  Antwort  hören:  gross 
tanlix  -star  [für  a•^s-t^r^^  diuc  jü  giotta  tag!  ,groß  Dank,  wünsche 
dir  auch  einen  guten  Tag!"  oder  auf  den  Wunsch:  giot  naxt  sljffid 
IV öl!  ,gute  Nacht,  schlaft  wohl!'  die  Antwort:  -ti  got  [für  phndt  i 
/p^]  oinv  d  gud  naxt,  slöffid  oiUv  ivöl!  ,behüte  euch  Gott,  auch  eine 
o-ute  Nacht,  schlaft  auch  wohl!' 


C.  Die  Konsonanten. 

a.  Geräuschlaute. 

Die  Labiale. 
Urd.  h. 

§  123.  Im  Anlaut:  a)  In  den  meisten  Fällen  entspricht  h, 
zB. :  härn  m.  Heuboden,  hokkal  Buckel,  hotsd  putzen,  hörtsld  purzeln, 
hodr)  Boden,  hlösd  blasen,  hronna  Brunnen,  hrögal  Prügel. 

b)  Dagegen  ^^^rd  Fortis  p  gesprochen  in  pappah  kauder- 
welschen; pants(l)a,  aixch.  paids{l)a  unanständig  essen  (vgl.  T.  34b; 
37/8),  dsLZU pants(l)i, pauts(l)i  m.;  pätsa,päts,patsi.,  tolljyats (s.S.b'du.); 
pört  n.  Rand;  poss  übermütiger  Kerl,  pössla  Possen  spielen,  pössli 
Uberstrümpfe;  pötsa  stoßen,  pots  Stoß;  pumpa  pumpen;  püppa  =  pü 
oder  püp  rufen,  beim  Versteckspiel  (s.  T.  84a);  pupparli  (s.  S.  91  u.); 
possal,  jiossa  m.  Büschel,  Bund,  j^f^ssah  spez.  Reiswelle;  j^K'^ss  Buße, 
piiassa  büßen:  plappa  von  einer  Flüssigkeit,  hin  und  her  schlagen, 
klatschen  (vgl.  T.  54b);  plappara  plappern;  plämpd,  plümpi ,  plänipld , 
faplämparh  (s.  S.  112  u.):  plats,  platsig,  platsid  (foU)  zum  Über- 


—     140     — 

flieläen  (voll)  (s.  T.  55  b;  Id.  V  253/4);  plütsj,  pläts,  plätsUg  (s. 
S.  53  u.),  dagegen  meist  hläts  Haufen,  nur  in  H  auch  hier  p-'i 
plonddr  Plunder;  plo(hr))i'dx  geronnene  Milch;  plumphosd  Pluder- 
hosen; j)n(ntsj  zanken,  keifen. 

In  den  folgenden  Beispielen  kommt  neben  p  auch  die  Lenis 
vor,  und  zwar  zum  Teil  beim  selben  Individuum  (ich  setze  die 
Form  mit  j)  her):  pampshwassor  scherzhaft  für  ein  , schlechtes 
Getränk'  (vgl.  Id.  IV  1256/7);  pässoh  tändelnd  an  etwas  herum 
arbeiten;  pilgard  das  Zahnfleisch;  pid(n.)st  Biestmilch;  poUldro 
lärmen,  poltern;  pohhrj  Pille  (Id.  IV  1204);  poltsln-f'id  senkrecht, 
dagegen  meist  holts  Bolzen;  poxxj  pochen,  trotzen,  poxil^rerul  Trotz- 
kopf; poppdr  Schüttelfrost,  poppdrd  zittern,  beben,  pöppjrh  schwach 
klopfen,  pDppjrJi  Koriandersame;  pot  Bote;  pots  Ausruf  der  Ver- 
wunderung (Id.  IV  1996/9);  pnmpis  Schläge  (vgl.  Id.  IV  1264); 
(f^)pläddrd  Flüssigkeit  ausschütten,  plüddr  etw^as  Ausgeschüttetes; 
piläss  (s.  S.  48  o.);  plöidi  (s.  S.  85  u.);  phxx  n.  Sägeblock;  prass(f)h 
prasseln,  knistern.  Für  I  kennzeichnend  ist  <?  hljr  ,ein  Glas  Bier', 
gegenüber  a  phr  auf  dem  übrigen  Gebiete;  T.  gibt  für  H  plottdr 
Kuhkot  und  für  K  prätsd  (s.  S.  53  u.)  gegenüber  sonstigem  hlottdr, 
brätsj;  in  K  kommt  vor  pradahs,  sonst  hrädäJcs  (s.  S.  119  u.). 

Der  verschärfte  Anlaut  ist  wohl  aus  dem  Satzsanclhi  verallgemeinert; 
bei  Neutren  kommt  vor  allem  die  Verbindung  mit  dem  best.  Art.  s  in  Betracht, 
bei  Fem.  Anschmelzung  des  best.  Art.  (vgl.  §  31, 1).  In  manchen  Fällen  mag 
emphatische  Intensitätssteigerung  vorliegen  (vgl.  §  21). 

$5  124.  Anlautendes  p  ergab  sich  ferner  a)  in  der  Vorsilbe 
bc-  durch  Verschärfung  des  Konsonanten  bei  Synkope  des  Vokals, 
zB.  platon,)  (mhd.  heJanf/cn)  sich  sehnen  nach,  prcJiixo  beräuchern, 
usw.  Vor  stimmlosen  Konsonanten  wie  in  pslö  beschlagen,  pseU9 
besetzen,  usw.,  mußte  auch  nach  §  21  Verschärfung  eintreten. 

Einzig  in  hllh)  (mhd.  heiihcu)  bleiben,  öhorUeh  m.  Überbleibsel, 
und  hränid  berußen,  brämnur  m.  Rußfleck  (vgl.  Id.  VI  884  fi".),  wo 
man  sich  jetzt  keines  Präfixes  mehr  bewußt  ist,  erscheint  die  Lenis. 

b)  durch  Assimilation  von  Je  (<C  ge-)  an  folgendes  b,  m  (s. 
§  31,  3b),  so  in  pell  n.  Gebell  (zu  bellj  bellen);  pler  n.  Geheul  (zu 
bUrd  weinen);  prants  m.  Branntwein  (eig.  ,Gebranntes');  pur  Bauer 
(mhd.  f/ehthr):  püntd  m.  Bündel  (vgl.  Id.  IV  1364);  pot  n.  Auf-,  An- 
gebot, dazu  die  adv.  Verbindungen  aUpot  jeden  Augenblick,  tscrsto- 


—     141     — 

jyots  zuerst,  usw.  (s.  Id.  IV 1890/8);  pess  n.  (in  K  piss)  Gebiß  (s.  §  98), 
ferner  ,Keil  (zum  Holzspalten)'  (vgl.  Id.  IV  1694  f.  und  1696  f.), 
dazu  in  K  (nach  T.  45a)  p'issd  einen  Keil  eintreiben,  gegenüber 
hessd  auf  dem  übrigen  Gebiete;  in-estd  m.  Gebrechen  (vgl.  Id.  V  843); 
präxtd  (s.  S.  52  o.;  mhd.  gehreJiten);  Avohl  auch  i)ask9  bewältigen 
(Id.  IV  1779). 

§  125.  Im  Inlaut  und  Auslaut:  a)  im  allgemeinen  ent- 
spricht b,  zB.  nbr)  reiben,  tsahlj  (mhd.  zahelen)  zappeln,  nnb  Weib, 
foub  erzürnt,  halb  halb. 

b)  p  erscheint  a)  in  ütpli  erblich,  lidph  lieblich,  iiapU  üblich; 
dagegen  heißt  es  durchaus  x'drbli  Körbchen,    büdbh  Büblein,  usw. 

ß)  nach  §  21  in  den  Fällen,  wo  (nach  Synkope  eines  Mittel- 
vokals) ein  stimmloser  Konsonant  folgt,  zB.  lierpst  (mhd.  kerbest) 
Herbst;  hö2)s  (s.  S.  96  u.);  ops  (mhd.  obe^)  Obst;  xreps  (mhd.  hrebes) 
Krebs;  srlpt  (mhd.  schnbet)  schreibt. 

Y)  Neben  der  gewöhnlichen  Form  der  Präpositionen  ab  ,ab,  von'  und  ob 
,über'  kommt  vor  ap  tveg  ,vom  Wege  (abliegend)',  ap  dm,  ap  9r9,  ap  dud,  ap 
snand  ,von  einem,  einer,  ihnen,  einander',  noch  häufiger  di-a})  , davon,  da- 
rüber' (vgl.  T.  148  b),  und  op  9m,  op  drd,  op  »wa  ,über  ihn,  sie,  sie  (PI.)',  drop 
, darüber'.  Es  liegt  hier  wahrscheinlich  eine  verallgemeinerte  Sandhiform  vor: 
ap  9m  tiss  «<  ab  b9m  t.  -<  ab  d9m  t.  usw.  (s.  §  138  d). 

c)  Schon  im  Urd.  ist  h  (damals  noch  stimmhafter  Reibelaut) 
in  /■  übergegangen  vor  unmittelbar  folgendem  l,  r  (vgl.  dazu  K. 
von  Bahder  in  Idg.  Forschungen  XIV  258  flf.),  so  in  §ufl9  Schaufel ; 
ivifh  (s.  S.  66  o.),  wefdl  (s.  S.  61  o.);  xißl  Kiefer,  xifld  zanken;  fräfdl 
(s.  S.  52  u.);  nudfdr  mutig,  frisch  (Id.  IV  681),  nudfdrd  munter 
Averden,  sich  erholen ;  vielleicht  auch  in  fddafdrdt  närrisch  verliebt 
(T.  185  a;  vgl.  Id.  UI  1108/9);  xefor  Käfer  (vgl.  Id.  HI  160/1). 
Für  , Schwefel'  gibt  T.  die  Form  sivebal  noch  als  allgemein  an; 
heute  dringt  aus  der  Schriftsprache  sivefdl  ein. 

d)  Übergang  in  m: 

a)  Ib  ">  Im  zeigt  vereinzelt  hvelm  , Gewölbe',  gegenüber  hvelh 
in  K  und  bei  den  Jüngern  (neben  schriftsprachlichem  kwölb)  auf 
dem  ganzen  Gebiete. 

ß)  Ahd.  *obanän  ,oben'  wird  über  ohnd  >  obmo  (vgl.  Id.  I  51) 
>>  ommd,  so  auch  domnid  ,da  oben,  droben'.  Nach  T.  349  a  und 
145  a  galten  diese  Formen  allgemein  außerhalb  H;  heute  sind  sie 
nur  noch  in  I  gebräuchlich  und  bei  alten  Leuten  auch  in  K  (sonst 


—     142     — 

ersetzt  durch  ohi).  ZB.:  off'  j mm  ofd,  i  do  liöxi  omm^  auf  dem  Ofen, 
der  Anhöhe  droben,  tsohanst  ommd  zu  oberst  oben.  Vgl.  nenn» 
§139d. 

Y)  mh  >>  mm,  (über  die  Reduktion  >-  m  s.  dieses)':  mimd  Bienen; 
xromm  krumm,  xrömmd  krümmen;  tomm  dumm;  D)nm(a)  um(her); 
Stomm  m.  Taubstummer;  xommdr  Kummer;  trommJd  Trommel;  fsom- 
rudr,)  (I)  trommeln  {mhii.  sumhern);  tsemmard  (s.  §61c);  amm.n' 
Eimer;  siimmd  Schimmel.  Gegenüber  sonstigem  xämm  f.  hölzernes 
Tragband  (s.  T.  94  a)  hat  I  mit  Schwund  des  m  xöh,  und  T.  254  a 
gibt  für  M  an  Jtalsxah  Schlüsselbein ;  neben  allgemeinem  xam(m)9  m. 
,Kamm  der  Hühner,  auch  am  Webstuhl'  steht  xaniml  ,Haarkamm'. 

Der  Wandel  fand  eigentlich  nur  inlautend  statt. 

e)  Geschwunden  ist  &:  a)  in  a-i  (<;  ahliin)  M  V,  ahi  K  (fast 
ausgestorben)  ,hinunter'  (neben  verbreitetem  ahi)  und  veraltet  in  K 
noch  ahd  (<C  ahh'er)  ,herunter'  (neben  allgemeinem  ahd).  —  ß)  in 
ge  geben,  he  gegeben,  hü  haben,  hxä  gehabt,  indem  h  in  der  Folge 
-ben  nach  Synkope  des  e  (§119)  an  das  folgende  n  assimiliert 
wurde  und  der  Nasal  dann  schwand. 

§  126.  Die  Fortis  p  erscheint  im  In-  und  Auslaut  außer  in 
den  §  125  angeführten  Beispielen  noch  in  zahlreichen  Fällen,  in 
denen  sie  entweder  auf  urd.  hh  zurückgeht  oder  jüngere  Verschärfung 
von  h  ist;  die  Beispiele  mögen  nach  dem  vorausgehenden  Laute 
angeordnet  werden. 

Nach  kurzem  Vokal:  rap  Rabe  (nur  in  I  bekannt,  dagegen 
allgemein)  rappd  Rappen  (s.  Id.  VI  1178);  rappd  raffen,  zwacken 
(T.  356  b;  vgl.  Id.  VI  1185);  lappo,  slappd  Flüssiges  auflecken 
(vgl.  T.  288b),  lappi  alberner  Mensch;  xlapporo  klappern;  plapps, 
plapp9r9  (s.S.  139  u.);  hnappc)  wackeln;  happjx  Habicht,  großer 
Kuchen  (vgl.  Id.  II  936/7);  slappd  f.  eine  Mädchenhaube  (s.  T.  387); 
Snappo  schnappen;  /a^;}9  unsicher  gehen,  to/)/;f  täppischer  Mensch ; 
im  trap  im  Trab  (laufen);  traph  f.  Brettstiege  (s.  T.  148/9);  träppiff 
brünstig,  von  Hunden  (nach  T.  149  a  in  H,  neben  träbc(g)  in  I  K); 
xrep  Krippe;  xUppdrd  kleben  (vgl.  T.  108b);  flippor  Nachtfalter 
(K) ;  rip  n.  Rippe;  hip  m.  Stoß,  Schlag;  Jiip2)3  f.  eine  Art  Gebäck 
(s.  T.  267  a) ;  f9rtsippdr(l)d  fast  aus  der  Haut  fahren ;  tsippdrU  Name 
eines  kleinen  Hundes  (K),  tsippi  Kätzchen  (K,  in  der  Kinder- 
sprache); pDppdr,  poppdrd,  pöppdrli  (s.  S,  140  o.):  grop  m.  Kaulkopf, 


—     143     — 

groppd  solche  fangen;  Moppar  m.  (nach  T.  113a  in  Walz.)  rülps- 
süchtiges Pferd  (vgl.  Id.  III  404);  hoppa  (auf  einem  Fuße)  hüjjfen, 
hoppar  ein  Tanz  (s.  T.  286  b);  hoppdUpö  m.  lustiger  Kerl  (H), 
hoppdliliö,  hoppdriö  m.  einfältiger  Kerl  (V);  soppd  m.  Schoppen 
(Maß);  sopp3  stoßen,  stopfen;  möppi,  in  K  moppdrhöndU  Mops 
(T.  319  b);  tsöpporh  trippeln;  xröppdl  Krüppel;  pnppddi,  xluppa, 
xlup,  xluppdr  und  (t)supp<),  suppol,  supU,  ferner  tsapld  s.  S.  69  u. 

Nach  langem  Vokal:  gnippd  f.  Schusterkneif ;  gröppa 
herumtappen,  tasten  (bes.  mit  den  Händen  im  Finstern  etwas 
suchend),  grSph,  groppah  meist  unpers.  mit  Dat.  P.,  krabbeln,  be- 
sonders im  Magen  (vgl.  Id.  II  786/7);  ommd-xlöppo,  -xröph  herum- 
tappen (T.  349b),  xlöppd  f.  Klaue,  grob  für  Hand;  töppd  m.  Pfote; 
göppd,  gouppa  s.  §  89,  4 ;  söjjpa  Männerrock  (s.  T.  396  b) ;  hnppd  und 
püppd  rufen,  beim  Versteckspiel. 

Nach  ?  und  /*:  talpa  schwerfällig  gehen;  (u9)ivälpdh  auf- 
rollen (zB.  die  Hosenstöße);  holpdri(g)  holperig;  stölpord  stolpern; 
hülps  hinken;  slärpd  und  slerpa  schleppend  gehen;  sörpdh  meist 
PL,  Kopfschuppen. 

Nach  m:  lämpd,  slämpo,  plämpd,  plampld,  gremphr,  lempo, 
slempjr  s.  S.  112u.;  xampol  (s.  §125dY);  trämp(dr)l3  trippeln 
(s.  T.  150a);  gamp(i)rDSS  Schaukelpferd;  gimpjspe  ,Gimpesbein% 
fiktives  Gericht  (s.  T.  221b  und  vgl.  Id.  IV  1299);  hmpd  Lumpen; 
stompd  Stumpen;  romph  rumpeln;  hrömpdl  , Gerumpel',  Plunder; 
tsömpjrlj  (K)  trippeln;  gimipd  hüpfen;  pumpa  pumpen  (in  K  auch 
gtimpd);  pumpts  (s.  §  115  aS). 

Wenn  in  J-Bildungen  wie  räbs  f.  weiße  Rübe  (vgl.  Id.  VI  20/1),  rüdbh  Rüb- 
chen (zu  ruobs,  das  in  der  MA.  nicht  vorkommt),  globa  glauben,  xläbd  kleiben, 
läba  übrig  lassen  (s.  T.  288  a),  ktvelb  Gewölbe,  einfaches  b  erscheint,  so  erklärt 
sich  dies  durch  Verallgemeinerung  der  Formen,  in  denen  keine  Gemination 
eintrat.  ; 

Urd.  p, 

§  127.  Im  Anlaut  erscheint  es  als  pf:  pfamid  Pfanne; 
pffffd  pfeifen;  pfonä  Pfund;  pfludg  Pflug,  usw.,  besonders  in  vielen 
lat.  Lehnwörtern. 

Anlautendes  pf  zeigen  außerdem  manche  lautmalende  Bil- 
dungen, so  pfinstD  ächzen  (s.  T.  46  b  und  Id.  V  1163);  pfox(x) 
pfui;  pfüfd  fauchen,  von  der  Katze;  pfüSQ  zischen,  brausen;  pfötsd 
vom  Herausspringen  einer  Flüssigkeit   (vgl.  Id.  V  1210);  pfnaxs. 


—     144     — 

pfnäif  111.  ächzender,  stöhnender  Laut,  dazu  pfnaxsd,  pfnästd;  pfnit- 
tdrd,  pfnottarj  unterdrückt  lachen;  pfnösdl  m.  Katarrh;  pfnoxsd, 
pfnusa  die  Luft  laut  durch  die  Nase  blasen,  schnauben;  pfränstd 
ächzen,  stöhnen  (vgl.  Id.  V  1294).  Vgl.  auch  Fischer,  Schwab.  Wb. 
I  1075/6. 

Nicht  sicher  zu  urd.  p  (vielleicht  zu  §  131)  sind  zu  stellen 
pfütti  (H),  pfätf^n9,  -dld,  -dvj  Dachkennel  (vgl.  Id.  V  1201/2);  pßt- 
tord  f.  Durchfall  (nach  T.  47a  in  Her.;  vgl.  Id.  V  1264). 

fa.rt  i.  ,zugemessener  Teil,  Pensum'  außerhalb  K,  gegenüber  pfaxt  in  K 
(ahtl.  pfahta  <;  lat.  pacta),  ferner  fluvwid,  verbreitet  neben  pflummd,  ,Pflaunie' 
erklären  sich  durch  irrtümliche  Auflösung  des  pf'ia  f'/"  auf  Grund  von  §  31, 1; 
vgl.  dazu  §  131. 

§  128,  Im  Inlaut  und  Auslaut  erscheint  es  a)  als  p  in 
der  Verbindung  sp  bezw.  sp. 

b)  als  pf  nach  m,  zB.  ^rämpf,  gigämpfo,  Manipfd,  tampf  s. 
S.  112  u.;  fsimpfdr  zimperlich  (vgl.  T.  458  a);  strompf  Strumpf. 

c)  als  ff  a)  nach  kurzem  und  langem  Vokal,  zB.  trcffd  treffen; 
süffd  saufen ;  louffj  laufen ;  greff  Griff;  sloff  Schlaf;  in  Lehnwörtern 
wie  pflffa  Pfeife;  pfiff i  (s.  S.  66  Mitte);  pfaff  Pfaffe. 

ß)  nach  l  in  helffj  helfen. 

Y)  nach  r  in  iverffa  werfen;  dörff  Dorf. 

Schwächung  von  ff  zu  f  s.  §  173. 

Geschwunden  ist  f  (<;  p)  in  «9  (<;  ufher)  ,herauf'  in  H  (wo  es  auch 
, hinauf  bedeutet)  und  teilweise  in  I  M,  ti-i  «  ufhin)  ,hinauf'  teilweise  in  I  M; 
doch  kommen  m/s»,  ufi  fast  überall  noch  daneben  vor. 

§  129.  Urd.  pp  erscheint  als  pf  a)  nach  kurzem  Vokal,  zB. 
söpfd  schöpfen;  stopf d  stopfen;  stopf d  stoßen,  sto^if  Stoß;  ropfd 
reißen;  xropf  Kropf;  auch  in  dem  Lehnwort  xopfdr  Kupfer. 

b)  nach  langem  Vokal:  sapfd  Seife;  släpfo  schleppen;  sivapfd 
gleiten  (s.  T.  401  b). 

Einfaches  p  infolge  Verallgemeinerung  der  Formen  ohne  Gemination  zeigen 
rüsffd  rufen,  touffd  taufen,  sträffa  streifen. 

c)  nach  r  in  sä)pf  (doch  immer  mehr  durch  särff  verdrängt) 
scharf;  sörpfd  schürfen,  sötpf  m.  Schürfung;  sörpfd  schlürfen, 
sörpf  m.  was  mit  einem  Mal  geschlürft  wird;  s«ö>7?/b  beim  Nähen 
zusammenziehen,  pfuschen;  iverpfd  (s.  S.  101  o.). 


—     145     — 

Urd.  /. 

§  130.  Seine  Vertretung  ist  in  allen  Stellungen  f;  im  An- 
laut zB.  /"o/feil;  förhd  wischen;  //eA^^c^  Flecken;  frürs  frieren;  im 
Inlaut  und  Auslaut  zB.  Jiafd  Hafen;  ofj  Ofen;  rofa,  glofd  (s. 
S.  70  u.) ;  xefd  Erbsen ;  tift(g)  schnell ;  slifdrd  schleifen,  gleiten ; 
xafld  kauen;  self3rD  (s.  S.  50  u.);  höf  Hof;  älf  elt;  loft  Luft.  Nur 
neben  mtifd  ,schnaufen'  kommt  auch  mit  Verschärfung  vor  snüffd. 

Es  fällt  also  mit  dem  Verschiebungsprodukt  von  urd.  p  nur  bei  Auslaut- 
schwächung  des  letztern  zusammen  (s.  §  173). 

/'  neben  h  findet  sich  in  st  ruf 9  ,  Schraube',  inistrüfd  ,hinein- 
schrauben',  veraltet  in  K,  gegenüber  sonstigem  s(t)rübd  (vgl. 
Grimm,  Wb.  IX  1650). 

Zum  Schwund  des  f  in  hosamm  s.  S.  120,   in  Jostat  S.  29  o. 

^  131.  Eine  Reihe  von  Wörtern,  in  denen  nach  Ausweis 
anderer  Mundarten  (vgl.  im  Id.)  anlautendes  f  zugrunde  liegt, 
zeigen  den  Anlaut  pf  (zum  Teil  noch  neben  f),  so  pfifoldar,  pfi- 
pfoldor,  usw.  (s.  T.  46  a)  m.  Schmetterling  (vgl.  Id.  I  820);  pfinm(g) 
finnig;  pfiuh  (H)  f.  hölzerner  Abgußtrichter  (vgl.  Id.  V  1054); 
pfuts  (nach  T.  48  b  in  M  H,  während  futs  in  I  M  V)  kaput ;  pfladard 
im  Wasser  plätschernd  schwimmen ;  pflemnid  (H)  Kirschen  brühen 
(s.  T.  47a  und  vgl.  Id.  I  1198);  ptlümw  weinen  (vgl.  Id.  I  1199  f.); 
pfhwlc  f.  unordenthche  Weibsperson  (vgl.  Id.  11203);  pfläts,  pflots  m. 
(neben  fläts,  flots)  Straßenschmutz. 

In  manchen  Fällen  kann  pf  aus  dem  Satzsandhi  abstrahiert  sein ;  die  Ver- 
bindung ergibt  sich  hier  sehr  häufig  nach  §  27  a  und  §  31, 1  und  2  und  außer- 
dem nach  jeder  mit  h  oder  p  schließenden  Silbe.  Neben  häufigerm  3  flatt»r9 
,eine  Ohrfeige'  kommt  auch  vor  a  pflatt9rd,  was  sicher  auf  pß.  <;  f  fl.  zurück- 
geht; a,uchpf5  Föhn  (lat.  favonius)  ist  möglicherweise  so  zu  erklären,  da  das  Wort 
früher  auch  Fem.  war  (vgl.  Id.  I  844).  Außerdem  kommt  in  Betracht  die  Ver- 
bindung von  auslautendem  m  oder  n  (das  zu  m  wird)  mit  anlautendem  f,  in- 
dem sich  hier  als  Gleitlaut  p  einschiebt  (s.  §174i);  man  hört  häufig  dmm 
pflättdrU(g)  (<<  aww  fl)  ,ein  Schlag  mit  der  flachen  Hand',  und  so  kann  sich 
auch  erklären  zB.  mim  pflots  ein  Schmutz,  imm  pfl.  in  den  Schm.  oder  i  demm 
pfl.  in  diesem  Schm.  Es  mögen  aber  noch  andere  Momente  (emphatischer 
Gebrauch,  Kreuzung  mit  andern  Wörtern,  usw.)  im  Spiele  sein. 

mäthpfötsldr  ,Mädchennarr'  beruht  vielleicht  auf  Anlehnung  an  pfötsa 
(s.  0.  §  127),  da  in  dem  der  Ableitung  zugrunde  liegenden  Simplex  {fots  vulva) 
nur  anl.  /"vorkommt  (T.  197b;  Id.  I  1158). 

Vetsch,  Appenzeller  Mundarten.  lU 


—     146     — 

Die  Dentale. 
Urd.  d. 

§  132.  Die  Vertretung  im  Anlaut  ist  a)  gewöhnlich  t: 
tänndJj  dengeln,  tenn  n.  Tenne,  tornm  dumm,  tost  Dunst,  si  tökxd 
sich  ducken,  tnmun  Dünger,  tunlcxdl  dunkel,  tür  teuer,  touh  zornig, 
trüoh  trübe,  usw. 

Auffallend  ist,  daß  in  I  Spuren  für  anlautendes  d  vorhanden  sind.  Ganz 
alte  Brülisauer  sagen  dobdl  Tobel,  däsd  Tanse  (wie  sie  auch  in  einigen  Bei- 
spielen d  sprechen  für  urd.  p,  gegenüber  t  auf  dem  ganzen  Gebiete;  vgl.  §  138a 
Anm.).  Die  Erscheinung  muß  früher  allgemeiner  gewesen  sein,  da  sie  sogar 
zum  Gegenstande  des  Spottes  gemacht  wurde;  die  Bewohner  des  Dorfes  Appen- 
zell lachten  früher  die  Oberdorfer  (s.  S.  4  u.)  aus  mit  dem  Neckverse  (worin 
sämtliche  t  durch  d  ersetzt  sind):  d  obddoffä  somb  mid  drs  däsd  fMmntx  in? 
dobdt  abi  döfhd  (oder  dröbd)  ,die  Oberdorfer  sind  mit  einer  Tanse  voll  Milch 
in  ein  Tobel  hinuntergefallen.'  Vgl.  auch  die  I  Familiennamen  dälhr  Teiler, 
döbhr,  danndT,  auch  solddälbr  Solentaler,  gegenüber  tälhr,  tobhr,  tanndr, 
snbtälbr  in  A. 

b)  Die  Verbindung  die  wurde  zu  tsic  in  tswerg  Zwerg.  Vgl. 
§§  135,2  a.  138  c. 

§  133.  Im  Inlaut  und  Auslaut  erscheint  a)  gewöhnlich  t: 
wärtj  warten,  xnetto  kneten,  ritt^  reiten,  mitti  Mitte,  niudttdr 
Mutter;  hct  Bett,  ivlt  weit,  Jiert  hart,  wort  Wort,  hart  Bart,  gört 
Gurt.     Zur  Auslautschwächung  vgl.  §  173. 

Zu  gell  für  gelt,  eig.  3.  Ps.  Sg.  Konj.  von  geltd  , gelten',  darnach  die  2.  Ps.  PI. 
geltd,  als  Fragewort  (s.  T.  218  a)  vgl.  Id.  II  276/7. 

b)  Dagegen  erscheint  d\  a)  in  der  Verbindung  nd,  zB.  ivendd 
winden,  ivendh  Windel,  lienddr  hinter,  ondjr  unter,  tsonddl  Zunder, 
sönd  Sünde,  grond  Grund,  auch  die  (schwachtonige)  Endung  des 
Plurals,  zB.  sivnid  singen,  hend  haben,  gjnd  gehen.  Ausnahmen 
sind  1)  vor  folgendem  or:  montdr  munter.  —  2)  vor  folgendem 
(d)l  (vgl.  §§  126.  148):  j)ünt.)l  Bündel  (vgl.  Id.  IV  1364),  dagegen 
hendd  binden,  henddl  Bändel;  Am/aZ  Klöppel,  tänth  klöjDpeln;  wäntdh 
Wanze,  gegenüber  ivand'W and',  häntdU  (s.  S.  91  o.),  dagegen  in  I 
und  Oh.  ha ndidt  und  allgemein  hand  Hand;  immer  vor  der  Nach- 
silbe -h(gj  (vgl.  §  125 ba):  entli(g)  endlich,  fr'nntli(g)  freundlich, 
licmtU(g)  und  kxanth(g)  (s.  S.  96  o.).  —  3)  Vereinzelte  Fälle :  In 
H  Ml  heißt  es  gent  gehend,  stent  stehend,  auf  dem  übrigen  Ge- 
biete gent,  Stent  neben  gend,  stend;  vgl.  dazu  pfriunt  in  H  neben 


—     147     — 

allgemeinerm  pfrudnd  Pfründe,  kivent  (bezw.  -Ö-)  n.  Gewinde  (einer 
Schraube)  findet  sich  auf  dem  ganzen  Gebiete  häufiger  als  luvend 
(bezw.  -Ö-).  Allgemein  gilt  tsentomnid  ,allenthalben'  (s.  Id.  I  316), 
gegenüber  end  Ende;  ferner  nünt  neunte,  auch  xonnt  könnte.  In 
mt  Ente  (vgl.  S.  56)  kam  die  Verbindung  erst  nach  der  Synkope 
des  Mittelvokals  zustande.  Vgl.  §  139  b.  —  4)  Außerhalb  I  und 
Gais  (wo  -sd;  vgl.  y)  gilt  werdt  während,  sterbdt  m.  Pest,  sihdt 
siebent,  tse(]i)9t  zehnt,  s    auch  §  134  a. 

p)  Nach  l  findet  sich  d  nur  in  geld  Geld  neben  gelt,  und  in 
dem  der  Schriftsprache  entlehnten  gedidd  Geduld  neben  gedult. 
Die  übrigen  Beispiele  haben  nur  Jt,  zB.  hältd  halten,  mudlto  Back- 
mulde, weit  Welt,  silt  Schild  (vgl.  T.  387  a).  Zu  Auslautschwächung 
vgl.  §  173. 

y)  In  I  und  Gais  (vgl.  oben  unter  a  4)  ist  unbetontes  -dt,  -dtd 
(so  auf  dem  übrigen  Gebiete)  geschwächt  zu  -od,  -dda;  so  beim 
Verbum  (wenn  keine  Synkope  stattfindet)  in  der  3.  Ps.  Sg.  Präs.: 
laxxad  lacht,  fuattjrad  füttert,  fässtdd  wird  fetter,  usw.,  und  ebenso 
im  Ptc.  Perf. :  Maxxdd,  hfudttdrdd,  Ifässtdd,  pmosdd  voll  Mosen, 
Jixohd  geholt,  usw.,  beim  Nomen  zB.  in  mondd  Monat,  höütvad 
Zeit  der  Heuernte,  hemjd  Heimwesen,  auch  ärhod  Arbeit,  xranhxdd 
Krankheit;  dann  in  den  zahlreichen  Femininen  diui-dda,  zB.fudssddd, 
houttoda  Fußende,  Koj)fende  des  Bettes,  trokxadd  Drückerei,  Ge- 
dränge, hiidstdda  Husterei,  Gehuste,  fildda  ,Gefeile'  oder  konkret 
,das  Abgefeilte',  usw. 

o)  nach  §  109  zB.  in  hrodtvörst,  rodhüs,  hrüdäks,  hrudivaga, 
sadhot,  stadhältar  (s.  S.  119/20),  fredhof  {s.  S.  64  o.),  snedU  Schnitt- 
lauch (doch  kommt  in  Ob.  noch  snctli  vor);  auch  in  fi^dl  m.  Viertel 
in  Vi  Mo  Teuf.,  gegenüber  fidtt(i)l  in  K  und  flarl  (bezw.  fidH)  in 
Gais,  Bühl.,  HasL,  füll  in  I,  fialhr  (bezw.  fisllar)  in  H2  und  ftdldar 
(bezw.  fiddor)  in  Hi. 

c)  Assimilation  des  d  an  die  umgebenden  Nasale  liegt  vor 
in  onna  (<^  undenän  über  ^undiiPti)  ,un|e*tf'  und  henna  hinten;  vgl. 
§§i25dß.  139d. 


■  Wi 


§  134.  Es  mögen  hier  die  Beispiele  für  Epithese  den- 
taler Verschlußlaute  angereiht  werden. 

t,  d  tritt  (zum  Teil  schon  ahd.  bezeugt)  an:  a)  an  n,  und  zwar 
a)  in   unbetonter  Silbe   {-od  in   I   und  Gais,   -dt  auf  dem  übrigen 


—     148     — 

Gebiete;  vgl.  §  133ba4):  nebdt  neben;  tswössdt  zwischen;  m9mm9(r)t 
niemand  (neben  nhmjr);  iatsat  je^Lt .^sgl.  Id.  I  630);  in  Zusammen- 
setzungen: sammothaft  insgesamt  (zir  ahd.  .samaw^);  sonndthalh  auf 
der  Sonnenseite;  ahthalbp  allenthalben;  mind-,  dindt-,  sindtivegd 
meinet-,  deinet-,  seinetwegen;  in  einigen  Fremdwörtern:  härxdt 
Barchent  (vgl.  Kluge  31);  totsdt  Dutzend;  hismdt  Bisam  (vgl.  Id. 
IV  1700/1). 

ß)  vereinzelt  auch  an  stammhaftes  n(n) :  sinnd  (neben  sinn., 
si)  Sinn;  hnnd  I  K  (sonst  hmni)  Lünse  (mhd.  lun)-,  nach  T.  105a 
in  K  auch  Jc/innd  Kinn  (vgl.  §  91b). 

b)  an  /•  (doch  fehlt  hier  das  t  ebenso  häufig):  näbdr(t)  jemand 
(vgl.  Id.  IV  807);  skl)r(t)  seither  {mhA^  siderjaehm^sidert);  dann  in 
den  Zusammensetzungen  mit -halb:  and9r(t)halh  anderhalb,  Dnddr(t)-f 
ohjr(t)-,  oss9r(t)-,  inndr(t)Jialh  unter-,  ober-,  außer-,  innerhalb,  auch 
üs,)rtivc(j()  unsertwegen . 

c)  an  Spiranten  (Avenn  t  auch  fehlen  kann,  klammere  ich 
es  ein):  An  s(s),  s(s)  in  kfräss(t)  n.  schhschtes  Fressen;  pmess(f)  n. 
Maß  (zB.  9  gudtspm.);  Messt  n.  in  K  Geleise,  Wagenspur;  ksmöüsst  n. 
(s.  S.  100  u.);-  fdhärmst  (s.  S.  52  unter  b);  täst  m.  (mhd.  deisch) 
Rinderkot,  dazu  täst3  Kot  lassen  (nach  T.  131a  in  K);  träst  m. 
(K)  das  auf  ein  Mal  gedroschene  Quantum  (mit  Dehnung  aus 
^drasch);  pörst  m.  Bursche;  vielleicht  auch  in  hriast  m.  Schrei 
(s.  T.  77  b  und  vgl.  Briesch  Id.  V  824);  andarst  anders,  und 
en<>st  (ahd.  einest)  doch,  Avohl  (s.  T.  168  und  vgl.  Id.  I  276/8,  dazu 
Wilmanns  II  632).    . 

An  X,  Jcx  in  Mäxt  n.  (mhd.  yeleich)  Gelenk;  kstäxt  n.  buntes 
Durcheinander,  Gelärme  (T.  243  a);  kxDx(t)  n.  Geköch  (vgl.  T.  114  a); 
efax{t)  einfach,  tswäfax(t)  zweifach  (vgl.  Id.  I  637  if.);  pheüJcx(t)  n. 
die  beiden  Angelbänder  einer  Türe;  l'seiokx(t)  n.  (je?,Qhen^\  pstökx(t) 
m.  und  n.  Düngerkasten;  ksmakx(t)  m.  Geschmack,  Geruch;  ver- 
altet auch  noch  (jlökx(t)  n.  Glück. 

An  /",  i/  in  klöüff(t)  n.  Gelaufe;  saß  m.  Saft;  kstift  regel- 
mäßig (vgl.  T.  243  b);  kröpft  n.  verächtliche  Bezeichnung  einer 
kleinen  Person  (vgl.  Gnipf  Id.  II  791). 

Bei  den  angeführten  kollektiven  Neutra  fragt  es  sich,  wie  weit  Bildungen 
auf  ahd.  -idi  vorliegen  (vgl.  Wilmanns  II  .350),  wie  zB.  in  pniäxt  (s.  S.  51  u.), 
krüdff't  Gerufe,  küäfft  Geschäft,  Schaft  an  einem  Gewehr,  vielleicht  auch  in  Ithakx(t) 
{mhd.  gehecke(de))  Gehäcksel  von  Fleisch,  pmemekxt  (in  I)  Gemeinmark  (s.  T.  gSVa 


—     149     — 

und  vgl.  Id.  IV  390/1),  oder  wenigstens  Analogiebildung  nach  solchen  oder  auch 
nach  andern  Neutra  mit  lavrtgeset^chem  -t,  wie  zB.  ksläxt,  präxt,  ktcäxst  (s. 
S.  51  u.). 

kstift  könnte  von  den  schwachen  Ptc.  Perf.  beeinflußt  sein,  wie  dies  wahr- 
scheinlich ist  für  khasst  (nach  T.  220  a  in  H  gegenüber  sonstigem  khass)  ,feind- 
lich  gesinnt'. 

d)  nur  vereinzelt  an  Verschlußlaut,  so  in  der  Wendung  mep 
fdrlopt  mit  Verlaub,  und  vielleicht  auch  in  hivakt  n.  Hebevor- 
richtung (T.  247  b),  äkiväkt  Hebebalken. 

Entgegen  der  Schriftsprache  kennt  die  MA.  dagegen  keine  Epithese  in 
ops  Obst,  äks  Axt,  hoff  Hüfte,  sös  sonst,  mö  Mond. 

ürd.  t. 

§  135.  1.  Es  ist  erhalten  als  t:  a)  nach  Spirans,  zB.  stä 
Stein,  gift  Gift,  slext  schlecht,  lost  Lust. 

Der  Infinitiv  und  die  Pi'äsensformen  von  farxxd  ,fürchten'  ohne  t  sind 
wohl  abstrahiert  aus  der  3.  Ps.  Sg.  Präs.  und  dem  Ptc.  (k)förxt,  nach  dem  Ver- 
hältnis etwa  von  suaxxs  suchen:  (k)sioxt. 

In  niid,  nüd  (ahd.  nnciht,  neoiviht)  ,nicht'  ist  in  der  unbetonten  Stellung 
(doch  vgl.  auch  §  173)  Schwächung  zu  d  eingetreten;  bewahrt  ist  t  dagegen 
in  nünt  ,nichts'  (vgl.  Id.  IV  871). 

Zu  fasrwd  Fasnacht  in  I  und  Gais  gegenüber  sonstigem  fasjbt  vgl.  §  133  b  y. 

b)  vor  r,  zB.  trouwd  trauen,  tsettdvd  zittern,  hettdr  bitter, 
wmtdr  Winter. 

2.  Es  erscheint  als  Aifrikata  ts:  a),im  Anlaut,  zB.  tsand  Zeine, 
tsahh  zappeln,  tser3  zerren,  auch  tsidgdl  Ziegel. 

Wahrscheinlich  aus  dem  Satzsandhi  abstrahiert  ist  der  Anlaut  ts  in 
tsöüfdrs  (in  K,  sonst  sMfara)  von  Geschwüren,  sickern  {T.31ßh);JsüS9  sausen 
(neben  silS9,  nach  T.  463  a  intensiver  als  letzteres);  tsommdrd  (s.  §  125dY); 
unklar  ist  tsdjd  schloßen  (in  H  sld),  mit  ts  auch  bei  Schmeller,  Bair.  Wb.  11'^ 
1070,  mit  s  bei  Schmid,  Schwab.  Wb.  489;  angeschmolzenen  Pluralartikel  zeigt 
in  K  tsantjohannsper  bezw.  tsantlhansper  Sanktjohannesbeere. 

Umgekehrt  ist  in  tsärg  f.  (ahd.  zarga)  hölzerne  Einfassung  eines  Mühl- 
steins (vgl.  T.  376  a)  durch  falsche  Trennung  in  der  Verbindung  mit  dem  Artikel 
{f  tsärg)  entstanden  f  sarg,  a  sarg. 

b)  im  Inlaut  und  Auslaut  nach  1,  r  und  n,  zB.  ivärtsd  Warze, 
smertsd  Schmerz,  ivörtsh  Wurzel,  smälts  Schmalz,  sälts  Salz,  holts 
Bolzen,  liärts  Harz,  störts  Sturzblech,  hirts  Hirsch  (über  das  Ver- 
hältnis zu  der  dafür  eindringenden  nhd.  Form  vgl.  Heusler  S.  94), 
jcränts  Kranz,  sränts  Riß,  auch  in  pfläntss  Pflanze. 

Auf  Zusammentritt  von  t  und  s  geht  die  Affrikata  zurück  zB.  in  prants 
(s.  §  124  b),  seltsd  (s.  S.  121),  auch  in  nüts  (s.  §  108  aa). 


—     150     — 

c)  im  Auslaut  nach  Vok.  (vgl,  dazu  Behaghel  730)  in  sots 
Schuß,  (jofs  Guiä;  auch  I  hcts  n.  ,Gebif3',  in  Brül.  auch  hefs  m. 
jBissen'  (während  auf  dem  übrigen  Gebiet  Formen  mit  s(s);  s.  §  -98),, 
allgemein  im  Dim.  d  hets(d)li  ein  bißchen,  ein  wenig  (vgl.  Id.  IV 
1986  ff.);  f/rii.d,^  m.  Gruß  (doch  könnte  hier  auch  Übertragung  des 
ts  aus  (jrüdtsj  vorliegen;  s.  §  136). 

3.  Nach  Vokal  erscheint  außer  in  den  vorhin  genannten 
Beispielen  die  Spirans:  ?i}  ss\  nach  kurzem  Vokal  im  Inlaut  zB.  in 
Icress,)  gerissen,  Jcsossd  geschossen,  fressj  fressen,  im  Auslaut  zB.  in 
nass  naß,  ähss  Schloß;  nach  langem  Vokal  im  Inlaut  zB.  in  rlss» 
reißen,  äüssi)  schießen;  zum  Auslaut  vgl.  §  173. 

b)  geschwächt  zu  s:  a)  im  Auslaut  nach  langem  Vokal;  s. 
§  173,  wo  auch  die  Beispiele  für  s  im  Inlaut  infolge  Übertragung 
oder  nachträglicher  Ableitung  aufgeführt  sind.  Auffallend  ist 
einzig  sfosjl  (doch  in  K  sfössd)  , Stößel'  gegenüber  stössj  stoßen,  da 
Einwirkung  des  Substantivs  stös  ,Stoß'  merkwürdig  wäre.  S)ii€fSJ 
,schmeißen'  ist  nicht  bodenständig  (vgl.  §  80),  und  in  dem  Lehn- 
wort müs.)  refl.,  ,sich  mausern'  (ahd.  müszön)  erklärt  sich  s  durch 
Anlehnung  an  mnsj  zu  müs  Maus  (vgl.  Id.  IV  482;  Kluge  263/4-). 

j3)  in  Wörtern,  die  vorwiegend  in  Schwachtönstellung  vor- 
kommen (doch  kann  hier  zum  Teil  auch  AuslautscEwächung  zu- 
grunde liegen):  ncso  (mhd.  neizicä,  -wän)  , irgendwo,  -wann'  in  I 
und  veraltet  in  Mi,  gegenüber  nähd  (mit  vollständigem  Schwund 
des  Dentals)  auf  dem  übrigen  Gebiete ;  niüdSd  (Inf.  und  Part.  Prät.) 
müssen  (vgl.  §  122),  nims  1.  3.  Ps.  Sg.  Präs.  Ind.,  niüdS,  miosid 
1.  3.  Ps.  Sg.  und  PL  Konj.;  lös,  lösid  1.  3.  Ps.  Sg.  und  PI.  Konj.  von 
Jö  lassen,  los  laß  (Imper.);  bis  (mhd.  bis)  bis;  das  das,  auch  Konj. 
,daß'  und  ims  was  (vgl.  c);  auch  os  (mhd.  cz)  ,es'  (Akk.);  ferner 
in  Nebensilben,  so  im  neutralen  Pron.  und  Adj.,  zB.  ivehs  welches, 
es  (mhd.  eines)  eins,  shdssos  süßes;  dann  in  näh^s  (mhd.  nelzH-as) 
und  öppds  (mhd.  etewas)  ,etwas';  gams  (mhd.  gams  <i  ^gamuz) 
Gemse;  sinis  {\n\idi.  sinics)  Sims;  neben  nohds  (s.  S.  121u.),  ärds 
(s.  S.  52  u.)  kommt  auch  nohjss,  ärjss  vor;  zu  enidSd,  äbdSd  neben 
ämmessd  s.  S.  121. 

Y)  nach  §  109  in  gäsmlhx,  häslüs,  grosmusttdr,  stoswago,  ivis- 
näipn  (usw.),  maslddi(g)  (s.  S.  119/20). 

c)  vollständig  gescliAVunden  ist  der  Dental  in  da  das,  tva  was 
(betont'  auch  da,  ivä),  Avelche  Formen  etwas  häufiger  sind  als  die- 


—     151     — 

jenigen  mit  auslautendem  s;  doch  braucht  die  selbe  Person  in  der 
gleichen  Wendung  bald  diese,  bald  jene  Form, 

§  136.  Urd,  tt  erscheint  als  ts:  Nach  kurzem  Vokal  zB. 
in  ivetsd  wetzen,  snetsU  schnetzeln,  xitsi  n.  Zicklein;  xats  Katze, 
Mts  Hitze. 

Nach  langem  Vokal  oder  Diphthong  zB,  in  ätsd  ätzen 
(Vögel  speisen);  rätsd  reizen;  hatso  beizen;  ßslatsd  (zu  mhd.  sleisen) 
verschwenden  (vgl.  T.  187a),  slätsi(g)  schnell,  leicht  (zB.  go),  slätsi. 
in  K  (s.  S.  108);  vötsj  Hanf  rösten;  flö(r)ts9  flößen,  flö(r)ts^\o^\ 
snütsd  (die  Nase)  schneuzen ;  grüdtsd  grüßen ;  hüdsd  flicken,  nähen. 

§  137.     Inlautend  ts:tsh:U. 

Dem  verbalen  Sufiix  got.  -atjan,  ahd.  -azzcn  entspricht  in  der 
Mundart  mit  Synkope  des  Vokals  -ts9,  zB.  hnnts^  (-<  hrunnezen) 
das  Wasser  lassen,  von  Tieren  und  grob  von  Menschen  (vgl.  Id. 
V  769/70);  vielleicht  auch  brantsj  keifen,  schelten  (s.  T.  74  b  und 
vgl.  Id.  V  761);  eine  Nebenform  des  Sufiixes  zeigt  fulentsd  faulenzen 
(vgl.  Wilmanns  II  110/1). 

In  vielen  Fällen  ergaben  sich  beim  Zusammentritt  von  ts  mit 
dem  Stammauslaut  sekundäre  Veränderungen. 

So  wurde  xts  ">  xs  in  jüxsd  (mhd.  jüchezen)  jauchzen,  groxsd  immerfort 
klagen,  stöhnen  (vgl.  mhd.  grogezen);  äxss  ächzen  (s.  §  96  c),  in  K  mit  regres- 
siver Assimilation  «sss;  vielleicht' auch  pfnäxsd  ächzen,  stöhnen. 

Beim  Antritt  von  -ts9  an  einen  gutturalen  Stammauslaut  ergaben 
sich  sonst  die  drei  verschiedenen  Lautverbindungen  fs,  tsk  oder  ts; 
vgl.  dazu  Winteler  S.  48/9,  ausführlicher  in  PBB.  XIV  455  fi".,  auch 
Gerland  und  L.  Tobler  in  Kuhns  Zeitschr.  Bd.  21,  S.  67  fi".  und  22, 
S.  133  fi'.  und  A.  Bachmann,  Gutturale  S.  54/5.  a)  ts  bei  Schwund 
des  Gutturals;  so  in  siväntsj  (<^*swanJcezen)  , schwänzen';  rentsdld 
(Dim.  zu  rantsd  <C  *rang(g)ezen;  vgl.  Id.  VI  1159)  reizen,  foppen 
(vgl.  T.361);  vielleicht  auch  in  stotsd  {<i*stuckezen)  zurückschneiden 
(vgl.  PBB. XIV 459)  und  tsivatsh,  tsivitsh  (<i*mvackezen,  zivicTiezen) 
blinzeln.  S.  auch  im  Folgenden.  —  b)  tsh  durch  Umstellung  aus  Ms; 
so  in  betsko  (=  helcxd)  an  etw^s  herumhacken,  -schnitzen  (vgl.  Id. 
IV  1942),  dazu  hetslisr  (s.  T.^Ob),  daneben  hets^,  hetsd  (s.  T.  40  a); 
hlitshd  blitzen  (nach  T.  58  b  noch  in  K),  heute  allgemein  hlits,^ 
und  hlits  Blitz,  dagegen  noch  hlitsh  f.  flinke  Weibsperson;  wahr- 
scheinhch  auch  in  hitsTo  schluchzen  (vgl.  Id.  II  1829),  gritsJcd  (neben 


—     152     — 

gritsd)  knirschen  (mit  den  Zähnen).  —  c)  ts  aus  tsk  durch  Wandel 
von  sTi  «<  s  (vgl.  §  144),  so  in  rotsi)  (-<  riickezen)  rutschen,  rücken; 
töt^d  stoßen,  tots  Stoß  (vgl.  mhd.  tue  Stoß,  Streich). 

A  n  m.  1 .  Die  Verbindung  tsTc  findet  sich  außerdem  noch  in  nätskd  geräusch- 
voll nagen  oder  essen  (s.  T.  328  a) ;  retsks  in  lästiger  Weise  anhaltend  bitten 
(s.  T.  360  b);  snatsltd,  snjtska  schmatzend  kauen  (s.  T.  394  a);  statska  stottern 
(vgl.  das  sjn.  stakkdh)-j  steftskd  (in  K  steftsa)  m.  Dorn  einer  Schnalle ;  süftska 
seufzen ;  auch  in  hitski  n.  Kerngehäuse  des  Obstes  (vgl.  Id.  IV  2038)  und  blotskdr 
eine  Scheidemünze  (s.  T.  60  a  und  vgl.  Id.  V  299/300).  —  Nebeneinander  von  ts 
und  ts  zeigen  noch  flärts?  -.flärtsd  Schmutzfleck  (s.  T.  194  b);  wats  :  ivats  Schlag, 
Stoß   (s.  T.  437/8). 

Anm.  2.  Weitere  vermischte  Beispiele  für  ts  s.  S.  53/4,  dazu  noch  pantschs, 
2)auts(l)9  (s.  §  123  b);  pöts9  stoßen,  pois  Stoß  (s.  T.  64  b.  143  b);  ip)futs,  {p>flots{s. 
§  131) ;  kflötsat,  in  I  klötsdt  nachlässig  gekleidet,  dazu  htst  liederliches  Weibsbild; 
föüts  f.  Hündin;  göts  m.  Hügel  (s.  T.  231  a  und  vgl.  Id.  II  563);  h'öthh  der  Sache 
den  Lauf  lassen  (s.  T.  271  a  und  vgl.  Id.  H  1800);  hutsah  (s.  S.  69u.);  lärtsd 
schleppend  gehen  (vgl.  Id.  III  1386);  löütsi  m.  Tölpel  (vgl.  Id.  III  1533  ff.);  löütsd- 
hera  Melonenbirne  (T.  294  b);  «jois  Dickkopf  (s.  T.  320  b  und  vgl.  Id.  IV  598  ff.). 

Anm.  3.  Auf  Synkope  eines  Zwischenvokals  geht  die  Verbindung  ts 
zurück  zB.  in  tüts  deutsch,  kföts  (s.  S.  96  u.),  hentss  Handschuh. 

Ilrd.  p. 

§  138.  Im  Anlaut:  a)  In  den  meisten  Fällen  erscheint  t, 
zB.  tärm  Darm,  tenhxd  denken  (dagegen  öfjdöxt  m.  subst.  Part.,  Un- 
besonnenheit; vgl.  T.  345  b),  terd  dörren,  tili  f.  Diele,  tidxsh  Deichsel, 
tonn  dünn,  törst  Durst,  tüor  dürr,  tord  dürfen,  toh  dulden,  tüsi(g) 
'  tausend,  tiwkx9  dünken,  trössd  dreschen,  trokxd  drücken. 

In  Brül.  sagen  alte  Leute  noch  d5?"a  dürfen,  dar  darf,  daxx  Dach,  was 
wohl  auf  sekundärer  Schwächung  von  t^  d  beruht;  vgl.  §  132a Anm. 

b)  Nur  in  den  folgenden  Beispielen  entspricht  d:  dö  dann, 
deij  dort,  dö  da,  drö  (mhd.  daräne)  ohne,  drenn  darin,  drä  daran, 
dromni  darum,  ddfornj  vorn,  doha  droben,  donna  drunten,  dinnd 
drin,  dend  drüben,  denn  dann,  das  daß  (vgl.  d),  da(s)  das,  der  ddr 
dieser,  der,  du  di  diese,  die,  de  (Akk.)  diesen,  deri(g)  solche;  döt 
dort,  dö)-  durch,  dddor  dadurch,  dörj  hindurch;  du  du,  dl  dich, 
dinn  dein;  drü,  dreij  drei,  drissh  dreißig;  doxx  doch;  dinio  Ding, 
divua  dingen,  d'mios  auf  Borg;  dienst  Dienst,  didud  dienen;  dorff' 
Dorf;  drekx  Dreck,  Kot,  fsdrehxd  beschmutzen;  fdderhs  verderben; 
damni(d)  m.  Schatten  (vgl.  nhd.  dämmern),  danmid  Schatten  geben 
(in  K);  donnsti(g)  Donnerstag,  dagegen  oft  tDnnst^n(g)  Adj.  ,vom 
Donnerstag  her',   und   durchaus  tonddrj  donnern,   tonddr  Donner; 


—     153     — 

dankx  Dank,  gegenüber  tanhxd  danken,  doch  nur  in  bestimmten 
Wendungen  gebräuchlich,  zB.  sägd  duvkx  ,ich  sage  Dank',  pU  mol 
(lauJcx  , vielmal  Dank';  während  das  Adj.  ,dick'  durchaus  tikx  lautet, 
kommt  beim  (gewöhnlich  unbetonten)  Adv.  in  der  Bedeutung  ,oft. 
bald*  daneben  dikx  vor.  didh  Dieb  ist  nicht  echt  mundartlich  (dafür 
selni);  didntd  Liebchen  (vgl.  T.  137b)  ist  aus  dem  Osterreichischen 
herübergenommen.  Seltener  findet  sich  (wohl  unter  schriftsprach- 
lichem Einfluß)  d  neben  t  auch  in  fdtn'issj  verdi-ießen,  f9trossYerdr\i&, 
fjtrössi(g)  verdrießlich;  doch  auch  in  tottdrd,  töttarh  aufdämmern 
(vgl.  T.  143  a),  dagegen  überwiegt  d  in  dodsra,  dodb  ,undeutnch, 
stotternd  reden'. 

Anlautendes  d  kommt  ferner  vor  in  den  kindersprachHchen 
Bezeichnungen  für  ,Huhn':  didjJt,  und  für  ,Hündchen':  ddd3(r)li, 
ferner  für  , Vater':  dädä,  dättä. 

Anm.  1.  Bei  Synkope  des  Vokals  in  du  ,du'  und  di  ,die'  wird  der 
Dental  verschärft  >  t,  zB.  wi»  t  tcit  wie  du  willst,  t  Anna  die  Anna,  t  epfdl 
die  Äpfel;  t  wird  dann  auch  auf  betontes  du  übertragen  (vgl.  §  121  a  Anm.  3). 
Aus  der  Wendung  das  ist  t  wäl  das  ist  die  Wahl,  d.  h.  das  Beste,  wird  ein 
Adj.  twäl  abstrahiert  und  daher  gebildet:  das  ist  td  twäbst  ,das  ist  das  beste' 
(vgl.  T.  438). 

Anm.  2.  Die  anscheinend  regellose  Vertretung  von  p  durch  t  neben  d 
erklärt  sich  wohl  teilweise  so,  dafj  t  aus  dem  Satzsandhi  (vgl.  §§  26  ff.)  verall- 
gemeinert ist;  vgl.  p  neben  h  (§  123).  In  einzelnen  Phallen  kann  auch  Assimi- 
lation von  fc  {<^ge-)  an  folgendes  d  (vgl.  §  31,  3)  vorliegen  oder  mitgewirkt 
haben,  und  für  d  kann  auch  Schwachtonstellung  von  Einfluß  gewesen  sein. 
S.  auch  E.  Schröder  in  AfdA.  24,  18  f.  Über  den  Zusammenhang  dieser  Sandhi- 
erscheinungen  mit  Notkers  Anlautsgesetz  vgl.  Heusler  S.  27,  Schild  '  S.  29  ff., 
-  S.  306,  ferner  J.  Schatz,  Mundart  von  Imst  S.  22  ff.  und  Wilmanus  I  S.  88  ff. 

c)  Die  Verbindung  piv  wird  über  die,  tiv  zu  tsiv:  tsivivva 
zwingen;  tsiveris  quer;  tswagd,  in  K  tswahd  (got,  ptvahan)  den  Kopf 
waschen,  dazu  tsicähdli  (s.  S.  51  u.).     Vgl.  §§  132  b.  135,2  a. 

d)  Geschwunden  ist  der  Dentalanlaut  in  der  unbetonten  Konj. 
üs  ,daß'  und  beim  bestimmten  Artikel  im  Gen.  Sg.  Mask.  und  Neutr. 
und  Nom.  Akk.  Sg.  Neutr.  (.s),  im  Dat.  Sg.  Mask.  und  Neutr.  {9m) 
und  ferner  bei  der  Verschmelzung  mit  Präpositionen  (s.  §  121  c 
Anm.  3).  Doch  kommt  daneben  noch  häutig,  besonders  bei  altern 
Leuten,  vor  das,  dam,  zB.  hört  man  nebeneinander:  (d)as  d  xod 
daß  er  kommt,  /  geha  dam  xend  und  /  gebdn  dm  xend  ich  gebe  dem 
Kind,  (d)dmsehj  demselben. 

örslaxt,  örsthtd  (mhd.  durchslahi)  ,Pocken'  beruht  auf  falscher  Trennung 
in  der  Verbindung  mit  dem  Artikel:  t'  törsl.^  t'  örsL;  vgl.  §  135,  2  a  Anm.   » 


—     154     — 

§  139.  Im  Inlaut  und  Auslaut  erscheint:  a)  gewöhnlich  d, 
zB.:  mil)  scheiden,  xnodd  Knöchel,  häldo  Halde,  hordi  Bürde,  cid 
Eid,  };sld  geschickt,  ivald  Wald,  herd  Erde,  auch  öhad  Abend,  ji(g,'HJ 
Jugend,  tiKjjd  Tugend,  doch  außerhalb  I  und  Gais  wohl  unter  dem 
Einfluß  der  andern  Bildungen  auf  -st  (vgl.  §  133b a 4  und  by)' 
daneben  auch  öhdt,  usw. 

b)  Dagegen  findet  sich  Verschärfung  zu  t  in  wert  m.  Wert 
(vielleicht  unter  dem  Einfluß  der  Schriftsprache),  gegenüber  iverd 
Adj.  und  Adv.  ,wert,  beliebt'  und  in  fort  fort;  ferner  in  front  fremd 
(vgl.  S.  51  o.),  frönts  von  Kindern,  gegen  Fremde  scheu  sein;  emt 
Emd,  Grummet,  emto  Emd  einsammeln;  houp  (mit  Assimilation) 
Hemd;  dtivedar  (mhd.  eindeiveder)  entweder;  in  H  teilweise  auch 
imient  Gemeinde  (sonst  pmend  bezw.  pmend).  Zum  Teil  hängt  die 
Verschärfung  wohl  mit  der  Synkope  eines  anstoßenden  Vokals 
zusammen.     Vgl.  §  133 ba 3. 

In  den  folgenden  Ableitungen  auf  -o)r  beruht  die  Nebenform  mit  t  auf 
Verschärfung  von  d  (<ip):  flattdrd  flattern  (von  Vögeln),  in  gleicher  Bedeutung 
flachrd;  flettdrmüs  Fledermaus  in  I  (zu  ftettdra  unbeholfen  fliegen),  gegenüber 
fleddrnuts  auf  dem  übrigen  Gebiete;  floutra  f.  fliegendes  Band  (nach  T.  195a 
in  H),  während  fl'öiuhrJd  im  AVinde  schweben,  flattern,  floudanCg)  von  Personen, 
flattei-haft,  leichtsinnig;  flottar  Ofenwisch  der  Bäcker  in  H,  während  sonst  floddr 
dafür  gilt,  auch  flottdr-,  floddrwettdr  Schmutzwetter,  flottdn(g)  und  floddr  ig) 
locker,  schlotterig  (s.  T.  196) ;  settdvis  schräge,  schief,  neben  seddris  in  gleicher 
Bedeutung,  scttars  neben  allgemeinerm  seddr?  von  Instrumenten,  unrein  tönen, 
dagegen  nur  settdr  (s.  S.  61  o.);  snattdrd  zB.  von  Holz,  das  sich  spaltet,  reißt, 
mäddTd  schnell,  plappernd  reden  (vgl.  T.  393/-1);  smotUrxäs  (neben  smättdrxch) 
Weichkäse,  dagegen  smodar  Schmutz  und  Schnee  auf  der  Straße ;  süttdTd  neben 
si'uhrs  f.  morastige  Stelle  im  Boden  (T.  427  b). 

c)  Eine  vereinzelte  Erscheinung  ist  mords  ;>  morgs  (nach 
T.  323  a  in  H)  ermorden. 

d)  Geschwunden  ist  der  Dental  in  den  Konjugationsformen 
von  iverdj  werden,  außer  im  Part.  Perf.  irördd,  vielleicht  ausgehend 
von  der  2.  Ps.  Sg.  Präs. :  Präs.  Sg.  wer,  werst,  wer,  PI.  wend,  Prät. 
Konj.  Sg.  icör,  wörist,  ivör,  PL  wörid  (jünger  mit  Umlaut). 

Intervokalisches  d  ist  schon  ahd.  geschwunden  in  der  3.  Ps.  Sg.  Präs.  xit 
,es  tönt'  (ahd.  (iuit<^qiiidit  zu  quedan).  Zu  dieser  I'orm  wurde  ein  neuer  Infinitiv 
xla  (so  noch  in  II,  in  I  M  diphthongiert  xeiJ9)  gebildet.  In  V  dagegen  lautet 
der  Infinitiv  xlda  und  in  K  vorwiegend  kxitta,  Neubildungen  von  xlt  aus  nach 
snlt :  smdd  und  r'it :  rUta  (vgl.  Id.  III 149  50).  Vgl.  auch  hreija  predigen  (T.  75  b; 
Id.  V.  400  ff.). 


—     155     — 

Assimiliert  an  den  umgebenden  dentalen  Nasal  ist  der  Ver- 
schlußlaut in  nemid  (<^  nidendn)  unten  (vgl.  §§  125dß.  133  c)  in  I» 
veraltet  auch  noch  in  Mi  (auf  dem  übrigen  Gebiete  dafür  Dund), 
zB.  danemid  ,dort  unten',  mit  falscher  Abtrennung  von  n  auch 
emid,  zB.  im  xölhr  emid  im  Keller  unten. 

§  140.  J] rd.  pp  erscheint  als  t:  smettd  Schmiede,  lat  i.  Latte 
(vgl.  Kluge  237/8),  vielleicht  auch  hlot  ,Aveich,  schlaff'  (vgl.  Id.  V 
215/6  Anm.). 

Schon  früh  trat  Vereinfachung  ein  in  odsr  oder  (vgl.  Kluge  286  7),  das 
in  der  Mundart  nhUr  (vgl.  Id.  I  187/8)  verdrängt  hat  (s.  T.  21  b). 

Urd.  s. 

§  141.  Es  ist  erhalten  als  s:  a)  im  Anlaut,  zB.  in  soh 
Sohle,  sür  sauer,  senn  Senne. 

In  einigen  Ausrufswörtern  tritt  dafür  auch  h  eiu:  hö!  quittierendes  ,so', 
hö  du!  ,so. du!';  he!  neben  se!  (s.  S.  115  u.),  he  dö!  ,ninmi  da!';  heb  neben 
seh  aufforderndes  ,laß  sehen!'  oder  unwilliges  ,laß  mich  gehen!',  auch  heb  uns! 
(vgl.  T.  420b);  hhst!  neben  Si»st!  ,siehst  du  (nun)!'  hianddr!  neben  Siatiddr! 
jSeht  ihr  (nun)!' 

b)  im  Inlaut  und  Auslaut,  zB.  in  je>i^  gären,  hosd  Hose, 
gras  Gras,  mias  Moos,  hrosnu  Brosame,  gäsh  Geißel,  auch  in  gräS9 
(ahd.  grmvisön)  ekeln. 

Verschärfung  zu  ss  zeigen  a)  nach  geschwundenem  Nasal: 
tressa  auf  dem  ganzen  Gebiete,  hrässdd  und  hessd  in  K  gegenüber 
-s-  auf  dem  übrigen  Gebiete;  s.  §  96.  Neben  segas  , Sense'  kommt 
auch  vor  segass  (vgl.  §  135,  3bß),  dagegen  meist  fagebas  ver- 
gebens, usw. 

ß)  vor  l  das  Lehnwort  tstssU  Zeisig  in  K,  sonst  tslsli ;  neben 
enasli  ,Anis'  kommt  auch  vor  enasslt. 

§  142.  Übergang  von  urd.  .§  >>  s  findet  sich:  a)  im  Anlaut 
vor  p,  t,  {k  s.  §  144),  m,  n,  l,  iv,  zB.  in  spöt  spät,  stadal  Heuschopf, 
smehxa  riechen  und  schmecken,  snahal  Schnabel,  swär  sch^ver.  In 
etsa  (veraltet  noch  in  I  H2)  <C  eteswä  liegt  wohl  Übergang  von 
silbenanlautendem  sw  im  Inlaut  vor. 

snugdli  in  der  Kindersprache  für  , Brustwarze,  Sauglappen'  (T.  •424  a;  vgl. 
Nuggel  Id.  IV  711)  zeigt  angeschmolzenen  Artikel  oder  Kreuzung  von  Nug(g)dl 
mit  sugd. 


—     156     — 

b)  im  Inlaut  und  Auslaut  a)  allgemein  vor  ^,  zB.  most 
Most,  fast  Faust,  törst  Durst,  bist  bist,  herpst  Herbst,  auch  in 
den  genitivischen  Zusammensetzungen  donnsti(g)  Donnerstag,  tsi- 
Ui(g)  Dienstag. 

Wenn  s  erst  sekundär,  zB.  durch  Synkope  eines  Zwischenvokals,  vor  t 
zu  stehen  kam,  ist  es  erhalten;  so  in  der  3.  Ps.  Sg.  von  Verben  mit  stamm- 
aushiutondem  s,  zB.  lest  liest,  waxst  wächst  (zur  2.  Ps.  Sg.  vgl.  §  29,  2),  ferner 
zB.  in  höxsti  Hochzeit  (vgl.  §  177),  Jcwäxst  (s.  S.  51  u.).  Erhalten  ist  auch 
«s  <;  t  (vgl.  §  135,  3)  in  samsti(g)  Samstag  (ahd.  sambaztag). 

ß)  allgemein  vor  p,  zB.  haspdl  Haspel,  fisjrsrd  wispern,  xrö- 
^p(d)ld  f.  Knorpel,  hospdr  munter,  frisch. 

y)  vereinzelt  vor  h  in  fdbösks  verunglimpfen  (vgl.  Id.  IV  1725); 
doch  vgl.  auch  §  186. 

S)  nach  r;  s.  §  29,  4. 

s)  nach  l  in  hölsd  (ahd.  hidsa),  auch  hölssd,  höUsd  Hülse,  kaum 
auch  in  fäl(t)s,  fal(t)s  falsch  (vgl.  Kluge  103). 

Q  nach  m  vielleicht  in  hänisd  (nach  T.  259  b  in  K)  an- 
heimeln; vgl.  Id.  II  1304/5. 

7])  nach  p>  in  ripsd  stark  reiben. 

%■)  auch  in  I  fasndd,  in  Egg.  und  Schw.  auch  fassndd  Fasnacht, 
gegenüber  fasndt  in  A. 

§  143.    Urd.  SS  ist  als  ss  bewahrt,  zB.  xöhd  küssen,  ross  Roß. 
Schon  alt  ist  ss  in  möss  Messing;  vgl.  Kluge  267/8,  Grimm  WB.  VI  2114, 
Id.  IV  505. 

Urd.  sk. 

§  144.  Es  entspricht  ihm:  a)  im  Anlaut  s,  zB.  slbd  Scheibe, 
^oxxd  Haufe,  srä  Schrei. 

Unsicher  ist  die  Herkunft  des  anl.  ts  in  den  auch  sonst  weitverbreiteten 
Wörtern  tsupps,  tmppdr,  tsuppdl  (s.  S.  69  u.). 

b)  im  Inlaut  und  Auslaut  ss,  zB.  wässd  waschen,  rüssd 
rauschen,  friss  frisch.  Zur  Auslautschwächung  nach  langem  Vokal 
s.  §  173. 

Über  s  <  s  s.  §  142. 


—     157     — 

Die  Gutturale. 
Urd.  g. 

§  145.  Es  erscheint  sowohl  im  Anlaut,  als  auch  im  In- 
und  Auslaut  in  der  Regel  als  g,  zB. :  gäx  steil,  gött i  Fa.te,  grÜ9 
grün,  glofd  Stecknadel;  wegd  wägen,  nagdl  Nagel,  ägd  eigen,  xugh 
Kugel,  folgd  folgen,  görgh  gurgeln;  ivög  Wage,  tag  Teig. 

Bei  den  Altern  gilt  auf  dem  ganzen  Gebiete  auch  noch  märg  n.  (Knochen-) 
Mark,  gegenüber  märx  f.  Grenzstein;  jetzt  dringt  märx  auch  für  ersteres  ein. 

swebalpflffd  Holzpfeife  (vgl.  T.  403  a)  ist  entstellt  aus  sicegalpf.,  mit  An- 
lehnung an  swehdl  , Schwefel'  (vgl.  Id.  Y  1074/5).  Für  legiloxx  Futterloch  aus 
der  Tenne  in  die  Krippe  (vgl.  Id.  III  1034)  gilt  in  K  teilweise  ledihxx,  was 
auf  Bedeutungsberührungen  zwischen  legt  und  ledi  beruht  (s.  Id.  III  1196/7  und 
1074/5). 

§  146.  a)  Die  ursprüngliche  Verbindung  vg  erscheint  im 
In-  und  Auslaut  als  »o,  zB.  haotjd  hangen,  sprwvd  springen; 
r«ü»  Ring,  slavn  Schlange. 

Wenn  dagegen  n  und  g  erst  durch  Synkope  eines  Zwischen- 
vokals zusammentraten,  so  Avird  nur  in  Hi  und  Um.  überwiegend 
UV  gesprochen;  in  Hundw.,  Stein  und  I  gilt  meist  ng,  und  in 
M  V  hört  man  na  nur  ganz  selten  bei  Jüngern.  Die  Beispiele 
sind :  XDvg  König,  Bienenkönigin,  xöngdli  Kaninchen  (bezw.  xtivu, 
xÜTjnaU;  s.  S.  72/3);  hiwg  Honig,  hiwgj  Honig  machen;  meng» 
mancher. 

Zum  nebentonigen  ng  s.  unter  n. 

b)  In  K  gilt  (bei  den  Jüngern  jedoch  nicht  mehr  allgemein) 
renvd  regnen,  gegenüber  regno  außerhalb  K,  seltener  auch  renndh 
schwach  regnen,  neben  regalj,  dagegen  auch  in  K  durchaus  reg» 
Regen.     Die  Entwicklung  ist  gn  ^  ng  ^  vn. 

c)  Geschwunden  ist  g:  a)  in  den  §  81  aufgeführten  Fällen 
von  ei  <C  ahd.  agi,  so  auch  in  gi,  g»  (<;  gein  -<  gegin)  s.  §  112. 

ß)  in  mörn  (mhd.  morgene,  morne)  morgen. 

Y)  Kennzeichnend  für  das  östliche  Gebiet  (V  M2,  nur  selten 
auch  in  Teuf.)  ist  der  Schwund  des  g  in  der  Nebensilbe  -ig,  und 
zwar  1)  im  Adjektivsuffix  ahd.  -ig,  zB.  losti  lustig,  ledi  ledig,  ferti 
fertig,  auch  vor  der  neutralen  Endung  s:  lostis,  usw.  —  2)  in  -ig, 
das  nach  §  109  entstanden  ist:  sönti,  ftrti,  usw.  (s.  S.  120  u.)  — 
3)  in  den  Maskulina  auf  ahd.  -(l)ing,  zB.  hälsi  Strick,  tummli,  nääli. 


—     158    — 

usw.  (s.  S.  99  0.).  —  4)  in  den  Feminina  auf  ahd.  -imga,  zB.  mäni 
Meinung,  rexxni  Rechnung. 

Das  <7  erscheint  dagegen  vor  vokalisch  anlautender  Flexions- 
endung, zB.  onn  lostsyä  ein  lustiger,  auch  im  Komparativ  und 
Superlativ  löBtdgdr,  löM9gist;  a  da  firtdgd  an  den  Feiertagen;  mändgd 
Meinungen. 

o)  zu  lo,  liij  für  log,  luag  s.  §  106. 

i^  147.  Anlautende  Fortis  h  erscheint  in  den  Fällen,  wo  der 
Vokal  von  mhd.  ge-  synkopiert  wurde,  zB.  kekkdt  {<^ge-eTiket)  eckig; 
l'falld  gefallen;  Txhgj  gelogen,  hrottd  geraten;  liwä  gewohnt;  s.  auch 
§  111  und  vgl.  §  31,  3. 

In  einigen  Fällen  fehlt  jedoch  die  Verschärfung,  und  g  wird 
als  zum  Stamm  gehörig  empfunden;  so  auf  dem  ganzen  Gebiete 
in  gachr  (s.S.  74);  gonnd  gönnen;  glökx  Glück,  gled  Glied;  gräd 
gerade:  grex  (mhd.  gerccli)  fertig.  Neben  gewöhnlichem  globd 
, glauben'  findet  sich  bei  alten  Leuien  (besoiiders  in  I)  noch  Mobd; 
neben  allgemeinem  glix  , gleich'  kommt  in  I  vor  Meij  (vgl.  S.  86) 
und  in  I  M  öldlx  (bezw.  iwMfx),  öMiUg  , ungleich';  neben  glimpf 
(s.  §  63  d)  gilt  ^uch  noch  Tdimpf,  neben  glor  n.  verwässerter  Most 
(s.  T.  225b;  Id.  ill  1375)  auch  noch  Id&r;  in  K  findet  sich  auch 
gläxt  (mhd.  geleich)  , Kettenglied'  neben  häufigerm  Idäxt. 

Auch  knagd  iiagai,  knägt  n.  Knochen,  knappd  und  kicakh  ,wackeln' 
werden  heute  als  piätigrcrte  Bildungen  empfunden;  doch  vgl.  Id.  IV  696.  II  668. 

Anlautendes  k  findet  sich  ferner  in  hcäkka  quaken  (von  Fröschen)  und 
kicikka  vom  Ruf  der  Nachteule. 

§  148.  Die  Fortis  k  im  In-  und  Auslaut  geht  in  den 
meisten  Fällen  entweder  auf  urd.  gg  zurück  oder  ist  jüngere  Ver- 
schärfung von  g,  letzteres  häufig  vor  ableitendem  -(d)l,  -Jr.  Viele 
Fälle  sind  etymologisch  unklar;  manches  scheint  onomatopoetisch 
zu  sein.  Ich  stelle  im  folgenden  die  Beispiele,  nach  dem  voraus- 
gehenden Laute  geordnet,  ohne  Rücksicht  auf  ihre  Herkunft  zu- 
sammen. 

Nach  kurzem  Vokal:  hakicj  m.  Wange;  kirakh  wackeln; 
Mdkk(d)h  stottern;  gäkkd  die  Notdurft  verrichten  (in  der  Kinder- 
sprache), gäkkdliwär  wertloses  Zeug;  näkk,jl j,  &uch.  täkkdh,  nikkdld 
um  Kleinigkeiten  zanken  (vgl.  T.  129  a.  334  a);  mäkkoh  stinken 
(vgl.  T,  310  a);  itäkkah  f.  Stockspitze;  §nek  m.  Schnecke;   sek  m. 


—     159     — 

Name  eines  gefleckten  Tieres,  lisehkdt  gefleckt;  l(^k,j  legen  (da- 
—^ gegen  plegt  Stoffstück  zum  Unterlegen,  i)lcgd{l9)  unterlegen;  vgl. 
T. 57b),  lihkd  liegen;  ivekkd  m.  Keil;  ekn.  Ecke;  fel'lxj  schürfend 
reiben;  hril'kdl^  schnell,  undeutlich  reden;  örjniM'j],  -nökJid  Ohren^ 
geschwulst,  Mumps  (vgl.  T.  347  a;  Id. IV  706);  nökkin.  kleine  Ziege; 
lok  locker;  mok  Mücke;  hrok  Brücke;  tsrok  zurück;  hoj^kdl Buckel; 
tokkdh  (s.  S.  98u.);  enii)i)oli]i(d)h  (s.  S.  25o);  rokko  Rücken;  okk3 
Ausruf  des  Schmerzes  (s.  T.  346  a);  glnkkjr  m.  Schluchzen,  glukkdri 
Gluckhenne;  riikkässd  kirren  (von  Tauben),  einen  rukküssdr  singen 
(vgl.  T.  373  a;  Id.  VI  777);  sukh)  (Milch)  saugen  (neben  suga;  vgl. 
T.  428  a). 

Nach  langem  Vokal  oder  Diphthong:  kwäkkd  quaken 
{von  Fröschen) ;  jäk  (in  K  jäkx)  Holzhähei ;  gäkh(d)ld  sich  (auf 
einem  Stuhle)  wiegen;  gäkki  m.  langer  Kerl;  hlekkd  (in  der  Kinder- 
sprache auch  bäkkd)  weinen;  /.•^«/r/ts  vom  Ruf  der  Nachteule ;  tökkd 
von  Kindern,  mit  Wasser  spielen  (vgl.  T.  144  a);  hökkj  Haken,  hokh 
häkeln;  mdkkd  Schnake;  möükhiy^Yaelen;  s^mZ'A',;  schnüfl'eln,  durch- 
suchen (um  zu  naschen) ;  göiikkdh  und  tsoükU  (T.  453  a)  Schnabel  an 
Gefäßen;  höükkd  und  hröiiklori,  s."§  89,  4;  bridhko  "deinen;  sidkkd 
schief,  schleppend  gehen;  widkko  wackeln. 

Nach  n,  r,  l:  ränkd  hi*  und  wider  reden,  zanken;  ntenkdJ,)  (H) 
durcheinandermischen;  spevkd  m.  ein  großes  Stück  (zB.  Brot); 
slenkd  m,  (nach  T.  388  b  in  H  slaukj,  in  K  slenkxdr)  Vorrichtung 
zum  Türschließen;  tcnk  langsam  (s.T.  133  b),  teuka  langsam 'arbeiten : 
lenk  link;  rinks  m.  Schnalle;  tswkj  m.  Gabelzinken,  ßergzacke;- 
slwkd  (die  Arme)  schlenkern  (vgl.  T.  389  b);  ivivkd  sich  unruhig  ver- 
'  'halten,  >^mit  den  Beinen)  baumeln;  hinkjh  necken,  quälen  (T.  53a  für 
K);  nmnkh  unterdrückt  reden;  fjhimkh  zerknittern  (vgl.  T.  181a); 
liwkd  Lunge,  heute  meist  durch  hwvd  ersetzt,  doch  noch  häufig 
lunkdra  für  Viehlunge  als  Speise  (vgl.  Id.  III  1342);  shmki  m. 
liederlicher  Kerl;  grnnkdr  Knauser  (T.  239b  für  K);  2)fliwk  f. 
'liederliche  Weibsperson;  öyjkli'wkdr  Ohrgehänge  (T.  226a).  — 
törkdl  Kelter;  in  H  M  storkdh  (neben  storgdh,  stdrxali)  Wäsche- 
stange (s.  T.  412  a);  lörkd  ,das  /•  velar  aussprechen'.  —  talkot  von 
Mehlspeisen,  ungenügend  gebacken;  tolkj  Tintenklecks,  neben  tolxd, 
in  I  toDkü  (s.  T.  144/5);  tselk  f.  Zeige  (s.  T.  460  a),  als  Flurname 
heute  auch  tselg  (vgl.  A.  Bachmann,  Gutturale  S.  23). 


—     160     — 

Urd.  A;. 

§  14-9.  Nach  dessen  Vertretung  im  Anlaut  vor  Vokal' und 
Kons,  sondert  sich  der  größere  Teil  von  K  charakteristisch  vom 
ganzen  übrigen  Gebiete  ab;  die  Grenze  deckt  sich  mit  derjenigen 
für  ä  :  ä  <^  ei  (§  80):  K  mit  Ausnahme  des  Teiles  von  Ob.  südlich 
vom  Dorfe  zeigt  mehr  oder  weniger  affricierte  Aspirata,  das  ganze 
übrige  Gebiet  den  velaren  Reibelaut  x  (vgl.  §  16).  Im  Dorfe  Oberegg 
überAviegt  der  Reibelaut  bei  weitem ;  im  Dorfe  Heiden  und  dessen 
Umgebung  tritt  er  heute  infolge  des  starken  Verkehrs  mit  dem 
j;-Gebiete  bei  Jüngern  sporadisch  auf.  Die  Affricierung  ist  in  K 
bei  alten  Leuten  meist  weniger  stark  als  bei  den  Jüngern.  Doch 
findet  sich  nie  (oder  doch  nur  ganz  selten)  weder  reine  Aspirata 
bei  jenen,  jioch  reine  Affrikata  bei  diesen;  immer  ist  bei  genauer 
Beobachtung  ein  Reibegeräusch  mit  deutlich  nachfolgendem  Hauch- 
laut bemerkbar.  Das  Reibegeräusch  ist  palatal  vor  palatalen 
Vokalen  und  Konsonanten,  mehr  velar  vor  velaren  Vokalen.  Der 
Hauchlaut  tritt  vor  Konsonanten  {n,  r,  T)  mehr  zurück  als  vor 
Vokal.  ZB.:  /ur«^s  Katze,  Z';^e?Z3  Kelle,  /•;^/6f^  Kiste,  hxostd  ^o^iexi, 
k/nü  Knie,  Jiy^rot  Kröte,  l'^lehd  kleben,  gegenüber,  xats,  xelh, 
xistj,  usw. 

Anm.  1.  Das  Gebiet  von  K  hängt  durch  seine  Aifrikata  mit  dem  öst- 
lichen Nachbargebiete  zusammen.  Vgl.  auch  Bohnenberger  in  Alemannia  1900, 
S.  124 ff.  (,Die  Grenze  von  anlaut.  k  gegen  anlaut.  c¥)  und  in  ZfhM.  1905,  129  ff.; 
dazu  A.  Bachmann  im  Geograph.  Lexikon  der  Schweiz  Bd.  VI,  S.  71. 

Anm.  2.  Bewohner  von  K  werden  im  iC-Gebiet  ihrer  Aussprache  wegen 
häutig  geneckt,  zB.  mit  dem  Satze:  i  ddr  ans  Ic/u/yi  l'xoxxit  s  k/utb  ,in  der 
andern  Küche  kochen  sie  Kutteln  (Kaidaunen)',  in  der  Aussprache  des  a;-Ge- 
bietes:  i  ddr  ans  xoxxi  xoxxit  s  xotb.     S.  auch  S.  31. 

Anm.  3.  In  Icxennd  ,kennen'  gegenüber  xenna  (nur  in  I  und  Ob.),  in  kxannth 
jkenntlich'  neben  xannth  und  in  kxab  ,gerinnen'  neben  seltenerm  xal9  (vgl. 
Id.  III  192),  in  welchen  Fällen  also  der  Anlaut  kx  sich  auch  außerhalb  K  findet, 
steckt  die  Vorsilbe  ge-  (vgl.  §  111). 

Anm.  4.  gitsi,  gitsb  neben  xitsi  (ahd.  kizzi(n))  ,Zicklein',  xitsld  ,von  den 
Ziegen,  Junge  werfen'  erklärt  sich  durch  Anlehnung  an  gäss  ,Geiß,  Ziege' 
(vgl.  Id.  II  577,8). 

Anm.  5.     Zu  ha  se  für  xa  se  ,kann  sein'  (T.  257/8)  vgl.  §  141  a  Anm. 

§  150.  Urd.  Ä;  im  Inlaut  und  Auslaut  (zum  vollständigen 
Schwund  s.  §  151):  a)  Nach  Vokal  erscheint  Reibelaut,  und  zwar 
außerhalb  K  nur  velares  x(x),  dagegen  in  K  (außer  oOb.)  bei  altern 


*—     161     — 

Leuten  nach  palatalen  Vokalen  palatales  ^(^)  (vgl.  §  92)  und  oft 
auch  in  den  andern  Stellungen  ein  weiter  vorn  gebildeter  Reibe- 
laut mit  schwächerm  Reibegeräusch,  mehr  oder  weniger  in  starken 
(geminierten)  Hauchlaut  übergehend. 

a)  Nach  kurzem  Vokal  ist  meist  die  Fortis  (bezw.  Gemi- 
nata)  bewahrt,  im  Inlaut  zB.  tnaxxd  machen,  Mexx9  stechen,  soxxd 
Haufen,  woxxd  Woche,  xaxxh  f.  Kachel  (vgl.  Kluge  188),  tröxxnd 
(in  K  trüxxn^  bezw.  trü3xxnd;  vgl.  §  92)  trocknen;  im  Auslaut 
zB.  taxx  Dach,  frexx  frech,  hxx  Loch,  broxx  Bruch.  Vereinzelte 
Schwächung  zur  Lenis  ist  auf  dem  großem  Teile  des  Gebietes 
(I  M  Vi)  eingetreten  in  sixar  sicher,  weniger  allgemein  auch  in 
sixh  Sichel,  staxld  (PI.)  Stacheln,  staxalbeijar  Stachelbeere;  nur 
in  I  (und  auch  hier  nicht  allgemein)  kommt  vor  sprox  Spruch; 
strex  Strich,  Dat.  PI.  strexd,  strexwls  strichweise,  kstrexd  gestrichen; 
stix  Stich  (dagegen  stexxa  stechen,  kstoxxd  gestochen);  kxroxa  ge- 
krochen; krox9  geraucht;  dafotexa  heimlich  davongeschlichen;  rexnd 
rechnen.  Bei  den  Partizipien  hat  vielleicht  der  Infinitiv  mit  x 
nach  langem  Vokal  (s.  u.)  eingewirkt. 

ß)  Nach  langem  Vokal  überwiegt  die  Lenis:  strlxj  streichen, 
xixd  keuchen,  gllxd  gleichen,  sllxd  schleichen,  ahivixa  n.  Durch- 
fall, spixdr  Speicher,  xrüxd  kriechen,  rüx9  rauchen,  lüxd  ziehen, 
rupfen,  hrüxd  brauchen,  xüxd  hauchen,  hüX9  Wäsche  laugen,  stüxd 
dünne  Leinwand  (vgl.  Kluge  376),  strüxh  kränkeln  (vgl.  T.  416  b), 
hröxdt  Brachmonat,  twäxd  einweichen,  hläxi  Bleiche,  tsäxd  Zeichen, 
tsäxnd  mit  einem  Zeichen  versehen,  wettarläxd  wetterleichen,  rouxd 
rauchen,  pröüxd  beräuchern,  houxd  m.  Angelhaken  (in  K  hioxxd), 
JÖHX9  j&g&D.;  im  Auslaut  (vgl.  §  173):  rzx  reich,  gltx  gleich,  xix  m. 
einraahges  Keuchen,  lix  Leiche,  UentsUx  Blindschleiche,  slüx 
Schlauch,  xüx  m.  Hauch,  hrüx  Brauch,  sprox  Sprache,  ledwax 
(mhd.  lideweich)  biegsam,  hläx  bleich,  sträx  Streich,   roux  Rauch. 

Die  Fortis  ist  erhalten  auf  dem  ganzen  Gebiete  nach  ud  in 
SU9XX9  suchen,  fludxxQ  fluchen,  seltener  auch  in  xudxxd  Kuchen 
(häufiger  im  Dim.  gebraucht),  hudxxd  Buche,  psiidxx  Besuch,  fhidxx 
Fluch,  tudxx  Tuch,  hudxx  Buch,  und  deren  Dim.  xüdxxU,  tüdxxli, 
hüdxxli,  namentlich  in  I  auch  in  hrüxxd.  Nur  in  K  fehlt  die 
Schwächung  inlautend  auch  nach  i,  ü,  also  k^l^^a,  k^ri^xX^  usw., 
seltener  nach  den  andern  Vokalen. 

Vetsch,  Appenzeller  Mundarten.  1 1 


—     162      — 

Y)  In  unbetonter  Silbe  kommt  Fortis  noch  neben  Lenis 
vor  in  estrix(x)  Estrich,  rättjx(x)  Rettich,  happjx(x)  (s.  §  126), 
seltener  in  den  §  151  aS,  £  angeführten  Beispielen  für  das  westliche 
Gebiet.     S.  auch  unter  b. 

o)  In  9g  für  ,ich'  (s.  §  121  a,  Anm.  2)  hat  sich  unbetontes  x 
zu  g  entwickelt.     Vgl.  auch  §  151  aS  Anm. 

b)  Nach  l  und  r  entspricht  ebenfalls  die  Spirans,  und  zwar 
autäerhalb  K  Lenis  nach  l  (zum  Sekundärvokal  vgl.  §  117): 
mil(9)x  Milch,  m€l(d)x9  melken,  h'd(d)x9  Birke,  xal(9)x  Kalk, 
xel(d)x  Kelch,  mol(9)xd  m.  Molke,  fol(d)x  Volk,  strolx  Strolch,  und 
nach  r  in  xer(d)xd  (für  älteres  xil(d)x9,  in  I  noch  xüllx^)  Kirche, 
snärxh  schnarchen,  örxo,  örxi(g)  rein,  unverfälscht,  märx  Grenz- 
zeichen, märxj  Marksteine  setzen,  störx  Storch,  stärx  stark,  härxdt 
Barchent,  iverx  veraltet  für  Flachs,  fol(d)xiverx  n.  viel  Volk,  große 
Menge  Leute.  Doch  kommt  nach  r  meist  daneben  (seltener)  auch  die 
Fortis  vor:  örxxo,  märxx,  märxxd,  storxx,  stärxx,  härxxdt,  tverxx, 
und  die  Fortis  gilt  noch  ausschließlich  auf  dem  ganzen  Gebiete 
in  werxxj  schaffen,  sterxxar  stärker. 

In  K,  wo  der  Sekundärvokal  meist  erhalten  ist,  erscheint  sowohl 
nach  l  als  nach  r  die  Fortis,  zB.  meldxxa,  bihxxa,  h^idrdXXd  (in 
Ob.  noch  xilaxxa),  auch  im  Auslaut,  zB.  f'ohxx,  doch  meist  star(9)x 
(flekt.  starxj),  stor(d)x. 

Für  jWolke'  kommt  in  K  bei  alten  Leuten  noch  vor  wohxxd  f.,  als  n. 
für  das  Beißen  der  Frostbeulen  (vgl.  T.  450  b) ;  in  Vi  noch  wolx9  n.  für  letzteres, 
während  tvolkxs  f.;  dagegen  auf  dem  ganzen  übrigen  Gebiete, findet  sich  nur 
wolJcxs  f.  und  n.  (ngl.  dazu  A.  Bachmann,  Gutturale  S.  39/40,  Stickelberger'^  453). 
halkxd  jBalken'  ist  nicht  gut  mundartlich,  dafür  trömm  (vgl.  Id.  IV  1188  f.). 
Auf  dem  ganzen  Gebiete  dringt  auch  die  Form  folkx  aus  der  Schriftsprache  ein. 

c)  Nach  n  erscheint  auf  dem  ganzen  Gebiete  die  Affrikata: 
trinkxd  trinken,  Tistanhx  Gestank,  tuvkxd  dunkel,  usw. 

Ein  ganz  vereinzelter  Fall  ist  xöxh  (s.  §  96  c). 

§  151.  Geschwunden  ist  der  aus  urd.  k  entwickelte  Reibelaut: 

a)  nach  Vokal:  a)  in  i  ich,  mi  mich,  di  dich,  si  sich,  betont 
auch  i,  ml,  dl  (s.  §  106).  Ausgegangen  ist  der  Schwund,  wie  auch 
in  den  folgenden  Fällen,  von  der  unbetonten  Form. 

ß)  in  Diiiv,  in  K  ö,  unbetont  auch  o  ,auch'. 

Y)  in  gll,  in  HIM  gleij  .gleich'  als  isoliertes  Adv.,  während 


—     163     — 

das   Adj.    unter   dem   Einfluß    der   flektierten   Formen    noch   gltx 
lautet  (s.  S.  86  und  T.  223/4). 

S)  in  der  Bildungssilbe  ahd.  -Vih.  Dieser  entspricht  heute 
beim  Adv.,  ferner  beim  Adj.  in  der  unflekt.  Form  und  vor  der 
neutr.  Endung  s  im  östlichen  Gebiete  (V  Ms)  -h,  in  Mi  I  und 
teilweise  in  H  -hg,  in  H  vorwiegend  -hx;  in  den  flektierten  Formen 
gilt  -hx-  in  H  vorwiegend,  auf  dem  ganzen  übrigen  Gebiete  -hg-. 
Also  zB.  für  ,redhch'  gilt  in  V  Ma  redli,  redlis,  redidgd,  in  Mi  I 
und  teilweise  in  H  redhg,  redhJcs,  redidgd,  in  H  vorwiegend  redhx, 

redldxs,  redldxd. 

Schwund  des  auslautenden  .r  trat  ein  auf  dem  -//-  und  dem  -%-Gebiete, 
möglicherweise  auch  in  ganz  H,  da  -hx  aus  den  flektierten  Formen  übertragen 
sein  kann  (s.  §  114  a).  g  für  x  in  den  flektierten  Formen  ließe  sich  in  V  Ms 
durch  analogische  Ausgleichung  nach  den  Adjektiven  auf -<  (<-«/;  s.  §  146  cy) 
erklären,  indem  nach  redU  :  losti  gebildet  -vrorden  wäre  redhga  :  lostdga  (vgl. 
ZfhM.  IV  197  8);  im  Mi  I  H,  wo  die  Endung  -ig  erhalten  ist,  könnte  das  -g 
auf  die  Endung  -li  übertragen  sein,  worauf  dann  die  selbe  Angleichung  der 
flektierten  Formen  eingetreten  wäre  wie  in  Y  M2.  Doch  ist  wahrscheinlicher, 
daß  X  in  den  flektierten  Formen  sich  in  g  wandelte  (vgl,  Heusler  S.  58),  zumal 
da  wir  in  dg  (s.  §  150  a  5)  ein  sicheres  Beispiel  für  diesen  Wandel  haben. 

e)  in  den  §  109  (S.  121)  angeführten  Fällen  snedli,  xnoUi, 
bezw.  snedld,  Jcxnohh  {xnohhx,  snedbx  gilt  auch  in  H  I  Mi); 
födb  (neben  veraltendem  födldx  in  HI  Mi);  ferner  in  ässan  m. 
Aschentuch  (vgl.  T.  28  b,  Id.  I  567),  thjri  Bärenklaue  (vgl.  T.  283  a, 
Id.  I  48),  häUdri  und  bömn  Schmerbauch  (vgl.  T.  33  a.  64  a,  Id.  lY 
1808.  1923/4)  im  östlichen  Gebiete  gegenüber  ässdrox,  ihdrdx  im 
westHchen,  hättdng,  höttang  in  IMi.  Vgl.  auch  ostli  (s.  S.  120u.) 
in  V  Ma  gegenüber  östlig  in  Mi  I  H  und  östhoMteilweise  in  H. 

b)  in  iveh,  iveli,  ivehs  welcher,  usw.  (vgl.  §  154  d). 

§  152.     Urd.  M  erscheint  auf  dem  ganzen  Gebiete  als  AfiPri-  ■ »    "- 
kata  lix:  a)  nach  Vokal  zB.  hekx  Bäcker,  stolix  Stock,  tihx  dick,         ♦. 
wakxdr  wacker,  strekxd  strecken,  slokxd  schlucken. 

ß)  nach  r,  l:  merkxj  merken,  sterJcx9  stärken  (doch  nicht  gut 
mundarthch),  ivörJcxa  -wirken,  tcörJcxh(g)  vrirklich  (beide  nicht  recht 
mundartlich),  auch  lymenwrlxX  , Gemeinmark"  (s.  T.  227  und  vgl. 
Id.  IV  390/1  mit  Anm.).     Zu  ivolkxa,  balJcxd  s.  §  150  b. 

Y)  nach  n:  tenliXd  denken,  heiolxxs  hängen,  usw.,  also  mit 
dem  Produkt  von  nk  zusammenfallend  (vgl.  §  150  c). 


—     164     — 

Urd.  X  (h). 

§  153.  Im  Anlaut  ist  es  geschwunden  vor  folgendem  Kon- 
sonanten, zB.  wJsfi  weiß,  laxxd  lachen,  rö^td  rüsten,  napf  Napf; 
dagegen  als  schwacher  Hauchlaut  erhalten  vor  Vokal,  zB.  häs9r 
heiser,  henn  Huhn,  hof  Hof,  hüt  heute. 

Prothetisches  h  (vgl.  Heusler  S.  77)  erscheint  in  hampfdrd 
(neben  ampfdrd)  f.  Sauerampfer;  heltexs  Eidechse  (s.  T.  261a); 
liDÜMa  heischen;  helffahe  Elfenbein  (s.  Kluge  93);  hofdmeijd  ,Ave- 
maria',  Feierabend  (s.  T.  271b);  hassiar  Polizist  (vgl.  Id.  I  469/70); 
hürdspidgal  (s.  §  165).  In  entdheijdr  ,Himbeere'  ist  gegenüber  höntd- 
(lOheißr  (s.  T.  273)  das  h  geschwunden,  wohl  auf  Grund  volks- 
etymologischer Anlehnung  an  ent(d)  Ente  (vgl.  Id.  IV  1467). 

Häufig  nicht  artikuliert  wird  der  Hauchlaut  in  den  unbetonten  Formen 
von  hä  ,haben'  als  Hülfszeitwort,  zB.  i  a  fil  ,ich  habe  viel';  i  an  am  s  ksäd 
ich  habe  es  ihm  gesagt;  9  ek  kessa  er  hat  (hed)  gegessen;  ma  evk  knudg  wir 
haben  (hend)  genug;  sü  ent  s  ksäd  sie  haben  es  gesagt. 

Der  Hauchlaut  schwindet  auch  meist  im  Anlaut  zweiter  Kom- 
positionsglieder (besonders  nach  einem  Spiranten),  so  in  liontsödd 
(,Hundslioden')  die  Samenkapseln  der  Herbstzeitlose  (vgl.  Id.  II 
994),  rekxolddr  Wachholder  (neben  rekxholddr;  s.  Id.  II 1189  Anm.), 
dxornli  Eichhörnchen,  auch  etwa  /Vet^j/" Friedhof ;  ferner  in  xranhxdt 
Krankheit,  ivorat  Wahrheit,  hwandt  Gewohnheit,  usw.  In  den  mit 
,-hin,  -her'  zusammengesetzten  Richtungsadverbien  ist  h  auf  dem 
ganzen  Gebiete  geschwunden,  wenn  ein  vorausgehender  Konsonant 
erhalten  ist,  zB.  för9  hervor,  abd  herab,  ommi  herum;  nur  in  K 
kommen  bei  altern  Leuten  noch  vor:  ihd  herein,  ihi  hinein,  aho 
herab,  tsudhd,  tsudhi  her-,  hinzu,  außerhalb  K  noch  etwa  iiohd, 
noJu  (neben  nod,  not)  nach  (-her,  -hin)  (vgl.  §§  125  ea.  128  Anm. 
154  c.  161b). 

ph^pf  s.  §  31,  4;  Schwund  des  h  in  puet  is,  hend  s.  ebd. 

§  154.  Im  Inlaut  und  Auslaut:  a)  Die  Verbindung  xt  ist 
auf  dem  ganzen  Gebiete  bewahrt,  zB.  ks'ixt  Gesicht,  lidxt  Licht,  next 
gestern  abend,  rixtd  richten,  ferner  in  der  nebentonigen  Adjektiv- 
silbe -läxt(ig),  zB.  füdxtläxt(ig)  etwas  feucht  (s.  T.  289  a).  So 
auch  in  der  3.  Ps.  Sg.  Präs.  tsüxt  zieht,  flüxt  flieht,  in  K  auch 
shxt  sieht,   älaxt  schlägt  (vgl.  b). 

In  förxx9  (s.  dazu  §  1 35,  1  a  Anm.)  wird  meist  Fortis  gesprochen,  nur 
selten  -x-  (vgl.  §  150  b). 


—     165     — 

Geschwunden  ist  x  bei  vollständiger  Unbetontheit  der  Silbe  in  famidt 
Fastnacht  (häufiger  als  fasndxt,  dagegen  ausschließlich  hindxt,ti-endxt,  s.  S.  121), 
auch  in  örstht9  (s.  S.  153  u.);  daraus  erklären  sich  durch  falsche  Analogie- 
bildung wyrdxt  Wahrheit,  Jzwandxt  Gewohnheit,  neben  icordt,  Tcivanat.  Der 
Reibelaut  ist  auch  geschwunden  in  den  unbetonten  Formen  nüd,  nüts  ,nicht, 
nichts'  (ahd.  nin-iht). 

Die  Verbindung  xs  ist  außerhalb  K  erhalten,  zB.  sexs  sechs, 
böxs  Büchse,  axsh  Achsel,  ivixsa  gellend  schreien  —  auf  dem 
Gebiete  von  K  aber  zu  hs  gewandelt,  also  seks,  hiiks,  aksh,  iviksd, 
wakst  wächst,  usw.  Dagegen  gilt  bei  sekundärer  Berührung  auch 
in  K  lioxst  höchst,  näxst  nächst. 

Geschwunden  ist  der  Reibelaut  in  ässd  in  K  (sonst  äxsd;  s.  §  137),  jus 
(nach  T.  287  a  in  H)  m.  Jauchzer  (vgl.  §  137),  auch  in  hössti  neben  hörs(t)i 
(in  K  höhst)  Hochzeit  (s.  §  30,  2  b). 

b)  Im  Inlaut  zwischen  Vokalen  ist  urd.h  heute  außerhalb 
K  in  vielen  Fällen  geschwunden  (zur  Kürzung  vorangehender 
langer  Vokale  s.  §  108c),  so  in  hlaa  (auch  bla-i)  Wagentuch;  tse9 
zehn;  swcdr  Schwiegervater;  ksea  gesehen,  kses  geschehen  und  den 
Infinitiven  (k)sid,  kMd  (Präs.  (k)sid(n3),  (k)sidst,  (k)sidd,  (k)shnd,  usw., 
vgl.  u.);  tsed  Zehe,  sied  Schlehe;  sid,  fdtsb,  iwid,  ria  s.  S.  117  u.; 
hö9l,  auch  hol  ,Bühel',  Hügel;  tseni  zehn  (s.  §  60,2a),  tsenndr  Zehner, 
Zehnrappenstück,  auch  in  K  in  ividfiaxt  (s.  S.  121),  hidl  (s.  S.  117  u.), 
ß3  (s.  S.  118). 

Sonst  steht  in  K  Bewahrung  des  Lautes  gegenüber;  er  er- 
scheint vorAviegend  als  deutlicher  Reibelaut  x,  bezw.  ;/(vgl.  §  150a), 
doch  auch  nur  mit  ganz  schwachem  Reibegeräusch  und,  namentlich 
im  westlichem  Teile  (und  bis  Reh.  und  Wald),  im  übrigen  K  mehr 
bei  Jüngern,  auch  als  reiner  Hauchlaut;  so  zB.  in  slaxa  schlagen, 
Präs.  slaxd,  slaxst,  slaxt,  slaxid  (gegenüber  slö,  slöd,  slond  auf  dem 
übrigen  Gebiete);  se/a  sehen,  Präs.  sis^^,  si9xst.,  sb^t,  se^id;  tse%d 
oder  tse^d;  hü^d  usw.  Der  Hauchlaut  kommt  bei  altern  Leuten 
auch  auf  dem  Gebiete  außerhalb  K  in  einzelnen  der  oben  für 
den  Schwund  angeführten  Fällen  noch  etwa  vor,  so  zB.  in  swehdr, 
tsehd,  tseJid  {tsehdh  sich  auf  die  Zehen  stellen),  ksehd,  höhdl;  T. 
führt  noch  an  ähdr,  tsivähdli  (s.  S.  51  u.),  farsioJia  Schuhe  an  etwas 
machen  (s.  T.  203  a);  drflohd  (zu  flö)  mit  Akk.  P.,  durchprügeln. 
Der  Reibelaut  findet  sich  außerhalb  K  noch  in  veraltetem  foxd 
(neben  fohd)  fangen  (s.  S.  118)  und  in  tsüxs,  fliixj  (s,  S.  118  o.), 
ferner  unter  dem  Einfluß  der  unter  c  (s.  d.)  aufgeführten  Auslaut- 


—     166     — 

formen  noch  allgemein  in  den  Kompgirativen  gäxor,  tsaxor,  usw., 
den  Femininabstrakten  gaxi,  noxi,  usw.,  in  säxd  scheel  sehen,  ruxd 
(s.  S.  117  u.),  räxjh  ranzig  sein;  neben  süxd  , scheuen'  kommt  auch 
äü(h)a  vor;  zu  höxi  und  höi  s.  S.  118. 

tsu'agi)  ,(lon  Kopf  waschen'  (nach  T.  473  a),  neben  tswahd  in  K  beruht 
auf  grammatischem  Wechsel,  indem  das  g  aus  dem  Ptc.  Prät.  in  das  Präs.  über- 
tragen wurde. 

c)  Im  Auslaut  nach  Vokal  erscheint  auf  dem  ganzen  Gebiete 
in  den  meisten  Fällen  x  (zur  teilweisen  Kürzung  vorausgehender 
langer  Vokale  s.  §  108  c),  so  in  gäx^t^W;  tsäx  zähe;  räx  von  einer 
Krankheit  des  Rindviehs  (s.  T.  357  a;  Id.  VI  90/1);  ivax  schön 
(gekleidet);  säx  scheel  (sehen);  den  Konj.  lisäx  sähe,  hsäx  ge- 
schähe; ^re:r  fertig;  fex  (auch  fex)  Vieh;  nöx  nahe  (auch  nöxpdr 
.Nachbar);  höx  hoch;  rfix  rauh;  süx  scheu;  den  Imperativen  flüx' 
flieh,  fsüx  zieh;  auch  (hx  doch,  fludx(x)  Fels  (T.  196b)  und  akxdr- 
fli^x(x)  ,groi3es  Steingeröll  in  einer  Wiese'  (T.  14  a)  ist,  vne  das 
mask.  Geschlecht  ausweist,  angelehnt  an  fludx(x)  Fluch. 

Geschwunden  ist  urd.  h  auf  dem  ganzen  Gebiete  in  sud  Schuh, 
no  noch,  bei  den  Jüngern  auch  in  flö  Floh,  re  Reh;  nur  in  K 
kommt  bei  altern  Leuten  noch  vor  f^öx,  rex,  letzteres  auch  noch 
in  dem  Namen  der  Gemeinde  JRextohdl  ,Rehetobel.'  Fjir  Präp.  und 
Adv.  ,nach'  gilt  auf  dem  ganzen  Gebiete  n5  oder  no,  so  auch  nöxilhi 
Nachkirch Aveih,  usw.;  f/^(r^w5  darnach,  no(h)d  (s.  §  153),  nobds  (s. 
S.  121  u.);  doch  findet  sich  seltener  auch  nox,  zB.  nox  Ur  neben 
110  der  ,nach  dir',  nox  om  seho  neben  no  dorn  s.  ,nach  demselben.' 

d)  Nach  r  und  l  ist  urd.  h  geschwunden  (doch  wohl  nach 
Entwicklung  eines  Svarabhaktivokals) :  ford  Föhre;  fori  Furche; 
dor  durch,  dön  hindurch,  (t)örslaxt  (s.  S.  153  u.);  merd  Stute 
(s.  S.  52);  tsicens  quer;  ferono  Forelle  (s.  S.  35  u.);  färh  Ferkel  — 
befeh  befehlen;  sib  schielen. 

§  155.  Urd.  hh  erscheint  als  xx  in  laxxd  lachen.  Nach  langem 
Vokal  liegt  es  vielleicht  noch  vor  in  xudxo,  in  H  auch  xuoxxd,  in  K 
(durch  Kreuzung  mit  houx.j;  s.  §  150 aß)  hudxx.i  Schlittenkufe, 
femer  in  flöxo,  tsoxj  (s.  §  77  Anm.;  vgl.  dazu  auch  Heusler  S.  73 
Anm.:  darnach  liegt  in  flöüxo,  tsöüxo  urd.  Je  vor,  vor  dessen  Ver- 
schiebungsprodukt öü  nicht  zu  Ö  kontrahiert  wurde;  dazu  stimmt 
nach  §  150 aß  die  Aussprache  flöüxx^,  tsöüxxo  in  K). 


—     167     — 

b.«  Sonorlaute. 

Urd.  tn, 

§  156.    1.  Im  Anlaut  ist  es  in  allen  Fällen  als  Lenis  erhalten. 
nü9xt9h  «  m-)  ,schimmlig,  moderig  riechen  oder  schmecken'  beruht  auf 
Anlehnung  an  nüdxtdr  ,nüchtern'  (s.  T.  338  b  und  Id.  IV  71.664). 

2.  Im  Inlaut: 

2b)  Intervokalisches  m  erscheint  in  V  M  ausnahmslos  als 
Gemiiiata:  nammo  Name;  r ämm9  Uahmen-,  sämmo- schämen;  tsämnid 
zusammen;  lämnu(g)  ,leimig',  lettig;  nemnid  nehme  (1.  Ps.  Präs. 
Ind.),  nemmid  nehmen  (PI.  Konj.  Präs.),  namnud  nähmen;  xemnu 
,Kamin'  und  ,Kümmel'  (vgl.  S.  72u.);  ximmd  m.  Keim;  s5mmd 
Samen;  xrömmo  kramen;  xommd  komme  (l.Ps.  Präs.  Ind.),  xönmud 
kommen  (PI.  Konj.  Präs.),  xamnud  kämen;  r'ummd  Riemen;  hhonwid 
Blume  —  samnidt  Samt;  sammothaft  ,samt  und  sonders';  hämmat 
Heimwesen;  xommjt  Kummet;  nidmmd(r)t  niemand  —  xammdr(9) 
Kammer;  hamnidr  Hammer;  xlammQVd  Klammer;  sommor  Sommer; 
xrommor 'Krämer-,  j5nim,)rci  ]am.vaeY\\',  nimimdrd  Nummer  —  himnidl 
Himmel;  «MmmsZa  anheimeln;  /mmmaZ  Hummel ;  so  auch  das  an- 
lautende m  enklitischer  Wörter  nach  vokalischem  Auslaut:  bimnidr 
bei  mir;  nommdr  nach  (no)  mir;  Uminidr  tue  mir;  ivammd(r}  was 
(wa)  man;  gimmi  (lioh)  ,gen  (gi)  mich  (holen).'  usw. 

Auf  dem  übrigen  Gebiete  (IH)  gilt  die  Geminata  fast  aus- 
nahmslos vor  den  Ableitungssilben  -dr  und  -dl,  also  hammor, 
xa}nm9)-(d),  Jiimmd,  himmor,  usw.;  nur  nach  langem  (bezw.  ge- 
dehntem) Vokal  erscheint  seltener  auch  Lenis,  so  neben  sömnidr, 
xrommdr  auch  sönidr,  xronur,  usw.  In  den  übrigen  Fällen  jedoch 
gilt  in  Hl  durchaus  die  Lenis,  also  nani9,  sema,  nemo,  sönid,  henidt, 
ridnid,  usw.;  nicht  ausnahmslos  dagegen  in  Hg  I,  wo  es  fast  all- 
gemein heißt  nemmd,  xomm9,  seltener  auch  in  andern  Fällen  nach 
kurzem  Vokal:  xomnidd,  xemnii,  während  auch  hier  allgemein  nam9, 
semd,  sönid,  hludnid,  usw.    Vgl.  dazu  §§  157.  159.  163.  165. 

Vereinzelt  ist  der  Übergang  von  silbenanlautendem  m  "^  h 
in  äbdsa  Ameise  in  I  und  Gais,  gegenüber  em9S<j  in  H,  ämmessd 
in  MV. 

In  ne  ,nehmen',  knö  ,genommen',  xö  ,kommen'  ist  m  nach  der  Synkope 
des  a  (s.  §  119)  an  n  assimiliert  worden  und  der  Konsonant  später  ganz  ge- 
schwunden (s.  §  160). 


—     168     — 

m  für  lat.  n  in  (pjflumma  bezw.  ii))flümd  ,Pflaume'  ist  ^hon  ahd. ;  vgl. 
Kluge  297. 

b)  Nach  1(1),  r  wird  m  mit  mittlerer  Intensität  gesprochen, 
so  zB.  in  halni.)  Dat.  PI.  zu  halm  Hahn,  wärmi  warme;  bei  VokaH- 
sierung  des  ;•  (vgl.  §  94  c)  erscheint  Geminata:  wadmmi,,  usw. 

"  c)  Vor  folgendem  p  wird  m  m  I  meist  nicht  mehr  artikuliert ; 
s.  dazu  S.  108.     Zu  xäb  s.  §  125  dy. 

d)  In  den  folgenden  Fällen,  wo  m  sekundär  vor  ein  t  oder  st 
zu  stehen  kam,  ist  es  zu  n  assimiliert  (vgl.  §  30,  1);  ofarsant  un- 
verschämt; sant  samt;  xont  nent  ,kommt,  nimmt'  und  xonst,  nenst 
,kommst,  nimmst'  (im  östlichen  Teile  des  Gebietes  xöd,  ned,  x5st, 
nest);  auch  in  dem  Namen  des  Berges  Sänfis(s)  (in  I  Setis,  bei  ganz 
Alten  auch  noch  SemtLs)  <C  Sünipüs  (s.  dazu  W.  Götzinger,  Die 
romanischen  Ortsnamen  des  Kantons  St.  Gallen,  S.  74). 

3.  Im  Auslaut:  a)  Es  ist  in  den  meisten  Fällen  bewahrt 
und  zwar  nach  kurzem  oder  gekürztem  Vokal  als  Fortis  (s.  §  34), 
nach  l,  r,  zB.  in  halm  Halm,  ivorm  Wurm,  ivärm  warm,  in  einem 
mittlem  Intensitätsgrade;  nach  langem  oder  sekundär  gedehntem 
Vokal  Avird  in  I  H  vorwiegend  Lenis,  in  M  V  (unter  Einwirkung 
der  Inlautsform)  häufiger  Fortis  gesprochen,  so  in  Xiipm(m)  (bezw. 
-Ö-)  Kram,  läm(m)  lahm,  lem(m)  ,Leim',  usw. 

Das  isolierte  ha  (s.  u.)  deutet  darauf,  daß  wenigstens  nach  langem  Vokal 
Verschleppung  des  m  aus  dem  Inlaut  vorliegt. 

Zu  torn  gegenüber  nhd.  ,Turm'  s.  Kluge  402. 

b)  Geschwunden  ist  m  (nach  dem  Übergang  in  n):  a)  in  be- 
tonter Silbe  in  hä  (bezw.  he)  heim  (doch  in  K  neben  hä  auch 
hamm;  auf  dem  ganzen  Gebiete  aber  ddhem(m)  , daheim',  mhd. 
däheime);  auch  in  prefoU(d)  neben  prem(m)9foll(9)  ,voll  bis  zum 
Rande'  (s.  T.  75  a  und  Id.  V  598/9),  und  in  pfri9  Pfriem  (T.  48  b; 
v^.  jedoch  Id.  V  1283/4  mit  Anm.). 

ß)  in  unbetonter  Silbe  in  b9d9  Boden,  hes9  Besen,  fads  Faden, 
gadd  Gaden,  5tf9  Atem,  hios9  Busen  (T.  87  a). 

Zu  brös9li  <C  hrösdlli  <,  brösdmh,  Dim.  zu  hrosmd,  hrosh  ,Brosame',  auch 
hrüs^h  (s.  T.  80b)  vgl.  Id.  V  802  ff.  806.  811  Anm.  Vgl  auch  böddJi,  fäddh  usw. 
§  116a. 

Das  erst  sekundär  in  den  Auslaut  getretene  m  der  Dativendung  ist  be- 
wahrt^  zB.  jedo}m(m)  jedem,  ahm(m)  allem,  näbdirito)m{m)  jemandem. 

4.  Silbisch  wird  m  häufig  durch  Synkope  des  Vokals  in 
enklitischem    dm   ,ihm',    zB.  geh  m   gib    ihm,    und   in   dem   best. 


—     169     — 

Artikel  (d)dm  ,dem',  zB.  los  m  fattdr  ,laß  dem  Vater',  ferner  in 
der  Dativendung  jedm  usw.  (s.  o.),  hi  ruxni  ivettdr  ,bei  schlechtem 
Wetter,  usw.     S.  auch  §  24. 

§  157,  Urd.  mm  erscheint,  wie  nach  §  156,  2  a  zu  erwarten, 
im  Inlaut  in  V  M  als  Geminata,  also  swimmd  (bezw.  nach  §  102 
-?-)  schwimmen,  Jcäwommd  geschwommen,  swemms  schwemmen; 
fdgremmd  erbittern;  llmmd  leimen,  dazu  llmmi  f.  Leim;  xmimd 
keimen,  gömmd  (s.  §  82,2);  trommd  träuijien;  rmnm,d  räumen;  summd 
schäumen;  summd  säumen;  rüdmmd  rühmen;  damit  stimmt  überein 
die  Erhaltung  von  mm  in  stimnid  stimmen,  ferner  von  mm  <C  wib 
in  immd,  omm9,  xrömmd,  xommdr,  ammdr,  tsemmdrd,  sümmdl  (s. 
§  125  dy),  von  mm  -<  va  in  tummd,  tummi,  xnumm^l,  hummdr 
(s.  §  164),  auch  in  hemmar,  hemmi,  usw.  (s.  §  27  b),  tammd  (s. 
§  30,  3),  usw. 

Nur  bei  vollständiger  Schwachtonigkeit  kommt  neben  ämmsl  ,einmal, 
wenigstens'  (s.  T.  167  b)  auch  üm(9)l  vor,  ferner  neben  ammdind),  imm9(nd),  fom- 
mdina),  usw.  (s.  §  121  d)  ,an,  in,  von  einem',  auch  amstnd),  imacn»),  foind(nd),  usw. 

In  I  H  erscheint  nach  langem  oder  sekundär  gedehntem  Vokal 
Lenis:  swlms,  hsivömd,  swenid,  llmd,  xmid,  gömd  (I),  rüamd,  imd, 
auch  hemor  (I),  emdr  neben  emmdr.  Nach  kurzem  oder  sekundär 
gekürztem  Vokal  jedoch  ist  die  Geminata  auch  auf  diesem  Gebiete 
fast  immer  bewahrt,  also  swimmd  (jünger),  fsgremmd,  gommd  (H), 
trommd,  rummd,  stimmd,  ommd,  xommdr,  tsömmdrd,  sümmdl,  tummd, 
usw.;  nur  sporadisch  (häufiger  in  Hi)  erscheint  fdgremd,  rimid,  omd. 

Für  die  Intensität  im  Auslaut  gilt  das  §  156,3a  Bemerkte, 
also  zB.  swumm  Schwamm,  xromm  krumm;  stim(m)  Stimme. 

Urd.  n. 

§  158.     Im  Anlaut  ist  es  als  Lenis  bewahrt. 

Durch  falsche  Trennung  im  Satzsandhi  haben  das  auslautende  «  ein- 
gebüßt of(f)9rthe  ,ilunforthin',  nun  einmal  (in  I  noch  noffsrthe;  s.  T.  346  a  und 
Id.  II  1347);  ewell  (in  H)  neben  neivell  , einige'  (s.  Id.  IV  807);  wohl  auch  üts 
,nichts',  das  Id.  I  83  für  unsere  MA.  angegeben  wird  (wohl  aus  der  häufigen 
Verbindung  mit  der  l.Pers. :  ivässdn' üts,  globan  üts,  usw.;  vgl.  jedoch  auch 
Id.  IV  871/2  Anm.). 

Umgekehrt  ist  n  aus  dem  Satzsandhi  (vgl.  unten)  angetreten  und  Kum 
festen  Anlaut  geworden  in  nast  (in  K,  seltener  in  I,  sonst  ast)  Ast,  dazu  PI. 
nest,  Dim.  nästli,  Verb  nastd,  abnasta  abasten;  nakx  Geschmack  (s.  Id.  I  163), 


—     170     — 

Dim.  näkxh,  Verb  näkxdb  einen  schlechten  Beigeschmack  haben;  nougäli  (nach 
T.  30  a  in  der  Kindersprache)  Äuglein;  nistrukx  m.  (in  K;  s.  T,  162  b)  Wieder- 
käuen (vgl.  Id.  I  603,4);  madard,  nitdsri,  «iadsrs  jeder,  jede,  jedes;  «wm  (in  V, 
sonst  ünig)  überaus  groß  (vgl.  Id.  I  298/9);  vereinzelt  auch  nörxi(g)  ,urchig,  un- 
verfälscht'; hierher  wohl  auch  naticedsrd  {-dri,  -9rs)  , einer  (eine,  eins)  von  beiden' 
in  K  (gegenüber  stwedsra  usw.  auf  dem  übrigen  Gebiete;  mhd.  eintweder). 

§  159.     Im  Inlaut: 

1.  a)  Intervokalisches  n  ist  (im  Gegensatz  zu  m;  s. 
§  156,  2a)  auf  dem  ganzen  Gebiete  als  Lenis  erhalten:  niand 
mahnen,  liicand  gewöhnen,  send  Schiene,  fand  m.  Fahne,  händ  Faß- 
hahn, s5na  (in  K  sond)  schonen,  swind  abnehmen,  didtid  (in  K 
(Ihyhi)  dienen,  grudnj  grünen.  So  auch  das  n  (aus  den  Formen 
verallgemeinert,  in  denen  keine  Gemination  eintrat)  in  mäna  meinen 
{niäni(g)  Meinung),  län9  lehnen,  trans.  (Jäni  Lehne),  tsand  Zeine, 
ferner  in  den  flektierten  Formen  der  adjektivischen  ja-jöSiämme 
mit  langem  Stammvokal,  zB.  grihnd  (<C  *gi'uonner)  grüner. 

Dagegen  ist  in  sinn3  , scheinen'  (vgl.  Schild^  378),  xlimid 
jkleiner  werden^,  auch  xlinni,  xlimid,  den  flektierten  Formen  von 
xli  ,klein',  die  Kürzung  des  Vokals  (vgl.  §  108 e)  mit  Gemination 
des  n  verbunden  außer  in  Hi,  wo  sind,  xUna  gilt;  in  K  heißt  es 
auch  trenna  (mhd.  trene)  Drohne.  Ferner  erscheint  die  Geminata 
auf  dem  ganzen  Gebiete  (also  auch  in  Hi)  vor  der  Ableitungs- 
silbe -dr:  xämidr  Rinne,  Kanal  (ahd.  Jcanali);  tsemidr  Zehner  (gegen- 
über tseni^ zehn)',  ännsr  m.  Einer:  den  fem.  Dativen  ännar  einer, 
minnar,  dinndr  (usw.)  meiner,  deiner  (gegenüber  den  Nom.  am, 
rntni) ;  den  Komparativen  xlimidr  kleiner,  somur  schöner,  gri'unndr 
grüner,  hrfinn,»-  brauner,  usw.  (gegenüber  söni,  grüsni,  hrüni), 
auch  sömurd,  grimindrd  schöner,  grüner  werden,  ferner  xann-dr 
,kann  er',  tonn-dro  ,tue  ihr',  ann-jro  ,an  ihr'  (gegenüber  xan-i 
,kann  ich',  ton-jmm  ,tue  ihm',  an-omm  ,an  ihm'),  früannor,  hl-nn-drd, 
ica-nn-dr  usw.  gegenüber  früdni,  bl-n-dm,  wa-n-dm  (s.  §  161b);  sogar 
ennsrt  (mit  eingeschobenem  r)  neben  endt  jenseits.  —  Seltener  sind 
die  Fälle  vor  -dl,  wie  zB.  ivinndh  nach  Wein  (ivl)  riechen  oder 
schmecken;    doch   nicht  im  Dim.  zB.  fäiidli,  tsändli  (vgl.  §  116a). 

In  I  wird  in  der  Verbindung  (betontes)  i  oder  e  -\-  n  ^  9  die 
Artikulation  des  n  preisgegeben  in  h'pxt,  iv'^jxt  (s.  S.  121),  häufig 
auch  in  edst  für  endst  (s.  §  134  c)  und  ed  für  end  , drüben'  (mit 
starker  Nasalierung). 


—     171     — 

An  Stelle  der  Ableitungssilbe  -ond  tritt  häufig  -oh,  so  in 
lägdh  (s.  S.  54,  unter,  f);  xettdh  neben  xettjnd,  in  I  auch  xett9rd 
Kette;  iDÜwdl)  neben  löüw^md  Lawine  (s.  T.  294b);  agh  f.  (mhd. 
agene)  Hanf-,  Flachssplitter  (vgl.  Id.  1 127/8);  pfättdnd,  -dra,  -dh 
(s.  §  127).  '~" 

Neben  send  (ahd.  senu)  auffordernde  oder  abwehrende  Partikel  (vgl. 
T.  420/1)  findet  sich  (in  V  ausschließlich)  seh  (vgl.  dazu  Id.  VII  4  fi".  mit  Anm.). 

b)  Vor  Konsonant :  a)  Zum  Schwund  des  n  vor  Reibelauten, 
in  I  auch  vor  ^,  s.  §  96. 

äs  eins,  kxäs  keins,  mls,  dts,  sls  (neben  im,  dl,  si)  Nom.  Akk.  Sg.  Neutr. 
von  ,mein,  dein,  sein',  xlis  kleines,  s5s  schönes,  usw.  (mhd.  einez,  minez,  usw.) 
können  von  den  Formen  mit  im  Auslaut  geschwundenem  Nasal  (s.  §  160,  Iba) 
beeinflußt  sein  (vgl.  dazu  Heusler  S.  108). 

ß)  ns  erscheint  als  ms  in  hemsdl  in  I  (s.  S.  107  o.)  und  in 
hiomst  in  I  Mi   (s.  unter  2). 

Y)  In  I  kommt  eintd  ,Ente'  vor  (vgl.  §  50). 

Die  selbe  Erscheinung  zeigen  die  Fremdwörter  gamt  n.  ,Gant',  gamts 
,ganten'  (heute  noch  allgemein  in  I,  veraltet  auch  in  Mi,  sonst  gant,  gantd). 
Es  liegt  in  diesen  Fällen  mit  -mt  vielleicht  Restituierung  des  unrichtigen  Nasals 
(ät  >  ämt  nach  äp^cwip;  s.  S.  108)  vor,  während  in  den  beiden  Beispielen 
unter  ß  Assimilation  an  den  Anlaut  anzunehmen  ist  (vgl.  Id.  IV  1393).  Ein 
anderer  Fall  ist  Ifittdnamt  (jünger  -ant);  s.  Id.  III  1527. 

5)  Zur  Assimilation  von  n  >►  m  vor  h,  p,  f  und  >*  n  vor  g, 
Je,  X  siehe  §§  27.  28. 

e)  In  neben-  oder  schwachtoniger  Silbe  ist  n  geschwunden 
vor  s(s)'.  famjis,  fd^ekxLS,  hröttds,  segas,  usw.  (s.  §  115a6);  ferner 
vor  d,  t:  ohat  Abend,  iverdt  während,  nebdt,  tsicössdt,  sonndtltalb, 
mindtivega,  bärxat,  usw.  (s.  §  134  a),  en-dd-axtsk  (vgl.  §  122)  , ein- 
undachtzig'; ferner  in  der  verbalen  Pluralendung  -id,  zB.  maxxid 
machen,  usw.  (s,  §  118  a);  auch  in  der  Vorsilbe  at-  ,ent-'  (s.  §  111). 

Erhalten  ist  ein  solches  (übrigens  durch  falsche  Rekonstruktion  sekundär 
eingetretenes)  n,  weil  durch  Kontraktion  in  die  Tonsilbe  geraten,  in  nünt 
,nichts'  (<^*niuivent,  mhd.  niuwet;  vgl.  Id.  IV  868/71). 

c)  In  postkonsonantischer  Stellung  wird  u  mit  mittlerer  Inten- 
sität gesprochen,  zB.  rexxna  rechnen,  allua  allen,  xerna  Kern, 
Warna  warnen ;  bei  Vokalisierung  des  r  (vgl.  §  94  c)  erscheint  Gemi- 
nata:  xeanna,  ivaanna,  usw./ 

Zu  wägdli  <iicägenlm  s.  §  116  a. 

2.  Einschub  eines  n  liegt  vor  in  lls'^lins,  woraus  nach 
§  96  les  ,ungesalzen'  (s.  Id.  III 1422),  vgl.  auch  die  Bemerkung  zu  I 


—     17*2     — 

töfdl   S.  78;    ferner   vielleicht   in   K   sprüntsd  Gitter,   sj^rüntsd- 

k/ernd  Obstkern   (s.  T.  380   und   Id.  III  468);   xranfsd   (bezw.  -e-) 

neben  xrats.)  Rückenkorb  (vgl.  Id.  III  924/6;  Grimm  WB.  V  2144); 

hhmt  (in  IMi  bismst;  s.  Ibß)  Biestmilch  (vgl.  Id.  IV  1795/6);  hovJcd 

neben   höMa   , verdickter  Nasenschleim   (vgl.  Id.  IV  1083/4);    ändd 

in  Ml,  neben  sonstigem  ä(r)äd  ,immer'  (s.  §  166). 
*^  *  »- 

§  160.     Im  Auslaut:     1.  In  betonter  Silbe. 

a)  Nach  r  ist  n  mit  mittlerer  Intensität  bewahrt;  bei  Vokali- 
sierung  des  r  erscheint  Fortis,  zB.  gconn  Garn,  geann  gern,  feann 
vergangenes  Jahr,  auch  niodun  morgen  (vgl.  §  146  cß);  in  I  tritt 
bei  gedehntem  Vokal  und  geschwundenem  r  auch  Lenis  auf:  gen, 
mgn,  usw. 

b)  Nach  Vokal  ist  n:  (x)  geschAvunden  (zur  Nasalierung  des 
Vokals  s.  §  95,  zur  Dehnung  §  97).  Im  ursprünglichen  Auslaut 
zB.  in  stä  Stein,  nä  nein,  se  sein,  tvt  Wein,  hrü  braun,  nü  (viel- 
leicht aus  mhd.  ninne)  neun,  stö  stehn,  tu9  tun;  Tiwä  gewohnt, 
ä  an,  tsä  Zahn,  he  hin,  i  in,  hi  bin,  nach  Apokope  eines  mhd.  e 
zB.  in  mö  Mond,  s5  schon,  m  f.  in  K  (T.  335/6)  Zusammenkunft 
junger  Leute  zur  Belustigung  (lat.  nona  sc.  hora;  vgl.  Id.  IV  763; 
Kluge  284);  so  auch  bei  denja-Stämmen  xli  klein,  so  schön,  Mhöhn, 
pmä  gemein,  grüd  grün,  rä  (in  K)  rein;  außerdem  in  den  Fällen 
Pe  geben,  ne  nehmen,  xö  kommen,  lö  lassen,  sl5  schlagen,  usw. 

Vor  der  Diminutivendung  erscheint  ebenfalls  kein  w,  also  tsali 
Zähnchen,  usw.,  auch  hihli  Hühnchen,  zu  dem  das  Grundwort 
der  MA.  heute  fehlt ;  ferner  in  I M  V  auch  tsali  Dim.  zu  tsänd 
,Zeine'  (in  H  I  M  auch  tsenli).  Älteres  hwöU  ,gewöhnlich'  weicht 
heute  schriftsprachlichem  JcwonU.  Neben  Itbdt,  lisdt  (s.  S.  121  o.), 
Ulaxxd  (s.  S.  119  u.)  mit  geschwundenem  n  weist  sich  linntudx 
,Leintuch'  als  Lehnwort  aus  der  Schriftsprache  aus.  Es  heißt 
auch  spafärli  Spanferkel,  xuordd  Konrad,  groholts  ,Grunholz'  (Flur- 
name). Die  Vorsilbe  ,un-'  erscheint  als  ö-  (in  K  «-);  nur  vor 
folgendem  Guttural  finden  sich  die  Formen  mit  geschwundenem 
und  bewahrtem  Nasal  nebeneinander,  zB.  ökivä  neben  unluvä  un- 
gewohnt, öhför  neben  nvlför  , ungefähr'.    Die  Vorsilbe  ,an-'  lautet 

dagegen  immer  ä-. 

änn  ,einer',  unbest.  m.  Art.  dnn  (gegenüber  f.  und  n.  9),  kxänn  ,keiner', 
viinn,  dinn,  sinn  ,meiner,  deiner,  seiner'  (gegenüber  j/jI,  d%,  sl),  sind  die  in 


—     173     — 

den  Nora,  übertragenen  Akk.  (ahd.  einan,  minan,  usw.)  mit  Synkope  des  Mittel- 
vokals (vgl.  Stickelberger'''  397/8).  Dagegen  heißt  es  e  ,ilin'  (unbetont  3)  neben 
ena  (vgl.  spätahd.  in  neben  inan  Braune  §  283  Anm.  1  e). 

Wenn  es  in  I  heißt  xlinn  für  alle  drei  Geschlechter:  d»  xlinn,  di  xlinn. 
s  xlinn  der,  die,  das  kleine  (gegenüber  xli  außerhalb  I),  so  liegt  wohl  Ein- 
wirkung der  Formern  xlinn»  kleiner,  xlinni  kleine  usw.  (vgl.  §  159,1a)  vor. 

ß)  In  einem  Falle  ist  nach  u  für  den  dentalen  Nasal  der 
labiale  eingetreten  (vgl.  §  164):  hmm  (mhd.  hm)  Lünse  (in  K  1 
hnd;  s.  §  134  ajS). 

2.  In  unbetonter  Silbe  ist  auslautendes  n  ebenfalls  ge- 
schwunden (außer  vor  einem  vokalisch  anlautenden  Wort;  s. 
§  161);  so  in  der  Infinitivendung,  zB.  j'endd  finden,  hlösd  blasen, 
in  den  Flexionsendungen,  zB.  hlendd  (ahd.  Uintan)  Akk.  Sg.  zu 
hlend  blind,  im  Diminutivsuffix  -U,  -i  (ahd.  -lln,  -in),  usw.;  s.  auch 
im  Folgenden. 

§  161.  a)  Dem  Schwund  im  absoluten  Auslaut  steht  beim 
gleichen  Worte  Bewahrung  des  n  vor  vokalisch  anlautender 
Silbe  gegenüber.  So  immer  vor  Flexions-  und  Ableitungssilben, 
zB.  (zu  oben  für  den  Schwund  angeführten  Beispielen)  iönd  schöner, 
grüdm  grüne,  tsänd  Zähne  bekommen,  nünndr  m.  Neuner,  hrünndr 
brauner,  wmndh,  sönndrd,  usw.  (s.  §  159,  la),  und  ebenso  zu  hoxi 
Anhöhe,  xindli  Kindlein  der  Dat.  PI.  höxdnd,  xindhnd  usw.  (vgl. 
§  114  a).  Fast  ebenso  regelmäßig  erscheint  das  n  in  unbetonten 
Silben  und  Wörtern  nach  9,  zB.  dnv  grösson  öpfdl  ,einen  großen 
Apfel',  soppdn  essd  Suppe  essen,  lesdn  ont  srlhd  lesen  und  schreiben, 
ohdn  ahd  oben  herunter,  i  lerndn  dxll  ich  lerne  ein  wenig,  dn  ür 
eine  Uhr,  dn  älti  eine  alte,  hxsn  ärmd  keine  Arme,  i  geh  dn  all  ich 
gebe  ihn  (d)  immer,  usw. 

Dagegen  vermeidet  die  MA.  in  den  übrigen  Fällen  den  Hiatus 
durchaus  nicht  immer.  Bei  a  ,an',  i  ,in',  fo  ,von',  ferner  den 
1.  Personen  Sg.  Präs.  ha,  bi,  tu?,  st3,  gö,  15,  slö  erscheint  n  nur  vor 
enklitischen  Wörtern  fast  regelmäßig,  zB.  hin-dm  bin  ihm,  lön-i 
lasse  euch,  stön-i  stehe  ich,  slonn-drd  schlage  ihr;  in  den  übrigen 
Fällen  seltener,  so  zB.  dra(n)  and  daran;  fD(n)  ah  von  allen,  sl5(n) 
dniol  schlage  einmal,  xa(n)  öüiv  kann  euch,  tud(n)  üs  tue  uns,  da- 
gegen meist  fo  isd  von  Eisen.  Bei  den  Substantiven  und  Adjektiven, 
auch  in  so  , schon',  tritt  n  nicht  ein,  es  heißt  also  xlt  onlc  hröss 
klein  und  groß,  grüd  öpfdl  grüne  Äpfel,  usw. ;  ebenso  ist  der  Hiatus 


-     174     — 

nie  getilgt  nach  der  Vorsilbe  ö-  ,un-',  zB.  öässi(g)  ,keinen  Appetit 
habend',  hxdn  öer  ,keine  Unehre',  ferner  nach  auslautendem  -i. 

b)  In  vielen  Fällen  tritt  n  hiatustilgend  ein,'  ohne  daß  es 
etymologisch  berechtigt  ist.  So  nach  tsua  zu,  hl  bei,  tvia  wie, 
ivo  ,als*,  in  dem  selben  Umfange  wie  nach  a  .an'  usw.  (s.  o.),  zB. 
hi-n-dm,  hi-nn-dro  bei  ihm  (ihr),  ivid-n-i  wie  ich,  tsud-n-a  herzu, 
hl  (-n-)  iis  bei  uns,  ivo-nn-dr  als  er,  auch  nach  iva  was  (vgl. 
§135, 3c):  wa-n-dm  was  ihm,  iva-nn-dr  was  er;  dagegen  nicht 
nach  so  so,  no  nach,  ni9  nie.  Nach  dem  Vorbilde  von  in9,  im 
,her-,  hinein',  anj,  am  ,her-,  hin(an)'  heißt  es  in  I  M  V  auch  mid, 
um  ,her-,  hinauf  neben  ud,  ui  (vgl.  §  128). 

Nur  selten  hört  man  etwa  omm  h  Tixüd-n-ommd  um  die  Kühe 
herum,  d  xud-n-drgäntdd  eine  Kuh  ergantet,  /  ha  t  siid-n-äMäd  ich 
habe  die  Schuhe  angezogen ;  dagegen  gilt  fast  allgemein  ommdsiidna 
,immer  (in  den  Schuhen)  umherwandern'  und  die  Dat.  PI.  sudnd 
Schuhen  und  xiidud  Kühen.  Zu  früd  lauten  die  flektierten  Formen 
frihnd,  usw.,  der  Komp.  früdnnar,  das  Subst.  früani  (seltener  ohne 
n  oder  mitj;  vgl.  §  170);  zu  twe  ,wehe'  kommt  der  Komp.  wenndr 
vor  (häufiger  iversdr,  s.  §  168aAnm,). 

In  den  Fällen  wie  sudna,  xüdnd,  früdna,  früdnndr  usw.  liegt  Analogiebildung 
nach  Paradigmen  vor  wie  stä  Stein:  Dat.  PI.  s^d«»  oder  grüd  grün:  grüdnd, 
grüännar.  » 

§  162.  In  silbischer  Funktion  erscheint  n  nur  in  der 
reduzierten  Fonn  des  unbestimmten  mask.  Artikels,  zB.  ivit  n  öpfdl 
, willst  du  einen  Apfel',  vor  Labialen  als  m:  liest  m  fofar  ,hast  du 
einen  Fünfer',  vor  Gutturalen  als  v :  geh  »  xnopf  gib  einen  Knopf. 

§  163.     Urd.  7171. 

a)  Während  es  im  Inlaut  auf  dem  ganzen  übrigen  Gebiete 
als  Geminata  bewahrt  ist,  erscheint  es  in  Hi  (vgl.  dazu  §§  156,  2  a. 
166)  als  Lenis,  so  in  ta7ia  Tanne,  pfan,)  Pfanne,  7na7i9  Männer, 
tse7id  (s.  S.  53),  hrend  brennen,  trmo  trennen,  kxefid  kennen,  fdrt- 
wend  entwöhnen,  Ama  Hennen  (PL),  sp'md  spinnen,  räwa  rinnen, 
psind  besinnen,  di7id  drinnen,  pfinig  finnig,  goTia  gönnen,  tsond  Brei, 
hr3>ia  Brunnen:  .das  selbe  gilt  für  7m<^ml:  Jiena,  97id  (s.  §  133c). 
Dagegen  erschÄnt  auch  in  Hi  wie  auf  dem  übrigen  Gebiete  die 
Geminata  vor  der  Silbe  -dr  (vgl.  §  156,  2  a),  zB.:  jenndr  Januar, 
tömidr  dünner,  tömidrd  dünner  werden. 


4, 


—     175     — 

Unter  dem  Einfluß  der  Schwachtonigkeit  ist  die  Gemiuata 
auf  einem  größern  Teil  des  Gebietes  vereinfacht  in  xi>)iid  können 
(doch  in  I  und  teilweise  in  Ha  xönnd),  xan-i  kann  ich,  usw. ;  ferner 
in  ivans  ,(von)  wannen'  (seltener  wamia),  wen-t,  -dm  ,wenn  ich, 
ihm'  (neben  wenn-i,  -dm).  Auffallend  sind  spand  spannen,  tsivä- 
späni(g)  zweispännig  (seltener  -nn-)  und  spini  (s.  S.  111  o.). 

Assimilation  von  mi  an  folgendes  l  zeigen  reih  (mhd.  rennele) 
Mahlgang  zur  Enthülsung  von  Körnerfrüchten  (s.  T.  361a  und 
Id.  VI  969  ff.),  spilU  (mhd.  spinnele)  Spindel,  ferner  in  I  tälhy  pfäiii, 
tsölli  Dim.  zu  tamid,  lifamid,  tsonno  (vgl.  §  116a). 

b)  Im  Auslaut  ist  Schwächung  und  Schwund  des  nn,  ver- 
bunden mit  Vokaldehnung,  eingetreten  (doch  s,  u.);  zB.  mä  Mann, 
spä  Streit,  Zerwürfnis  (T.  376  b),  hä  in  bäivärt  Bannwart,  si  Sinn, 
Jcirö  (I)  Gewinn,  auch  xa  kann  (vgl.  o.).    Vgl.  §  160  b. 

Erst  durch  Apokope  des  mhd.  e  in  den  Auslaut  getretenes 
nn  ist  jedoch  bewahrt,  zB.  icenn  wenn,  kenn  Henne,  fönn  dünn, 
auch  hebann  (ahd.  hevianna)  Hebamme  (so  bei  den  Altern  noch 
allgemein;  heute  dringt  der  schriftsprachliche  Auslaut  ein).  Da- 
gegen heißt  es  nach  langem  Vokal  (p)ß  (ahd.  fönno,  fönna)  Föhn 
(vgl.  Kluge  120;  Id.  I  843/4). 

Neben  spimimok  (bezw.  spimmok)  Spinne  (T.  379  b)  kommt  auch  die  Ent- 
stellung spiUmok  vor  (vgl.  Id.  IV  131). 

Der  velare  Nasal  (o). 

§  164.  Er  erscheint  vor  folgenden  Gutturalen  nach  §  28, 
im  Auslaut  und  im  Inlaut  zwischen  Vokalen  nach  §  146  a,  b;  außer- 
dem noch  in  folgenden  Fällen:  kspevst  in  Schwellbr.  und  Schön, 
(s.  S.  107  o.  und  vgl.  F.  Staub  in  Frommanns  Deutschen  Mund- 
arten VII  S.  192);  als  mundartliche  Aussprache  für  nhd.  ,finster' 
(mundartlich  dafür  tuiÄ'Xdl)  gibt  T.  179b  an  fimtjr  und  193a 
für  M  H  fiastjraiväklb  (s.  S.  37  o.).  Auffallend  ist  xHtdo  bezw. 
xöw,  in  M  V  auch  xöüg  (s.  §§  91  b.  146  a);  Jcswing  in  I  (App., 
Haslen)  für  sonstiges  Jcsivind  , geschwind'  (vgl.  §  63  c)  ist  wohl 
eine  aus  den  häufigen  Verbindungen  ksiviDk  Jcö,  xd,  usw.  ,ge- 
schwind  gehen,  kommen'  verallgemeinerte  Sandhifot-ra. 

Für  jRheintal,  Rheintaler'  gilt  (und  zwar  durchaus  nicht  in  verächtlichem 
Sinne)  im  Sand  (bei  Trogen)  Rivgl  (<;  llindl;  vgl.  §  133  bS),  Ewgbr,  in  I  Riagh, 


—     176     — 

Rivghr,  in  Bühl.,  Gais,  dem  östlichen  Gebiete  von  Wald  BwUl,  Eivkbr,  gegen- 
über RintOil,  Rintbr  auf  dem  übrigen  Gebiete  (in  K  mit  Nachahmung  der 
rheintalischon  Aussprache  verächtlich  auch  Riantbr).  Die  Formen  mit  ».lassen 
sich  kaum  durch  lautlichen  Übergang  erklären;  die  Annahme  absichtlicher 
Entstellung,  ursprünglich  (vielleicht  zur  Zeit  der  Feindseligkeiten  im  15.  Jahr- 
hundert) in  verächtlichem  Sinne,  liegt  nahe. 

aa  (nach  §  146  a  <C  üc/)  ist  nach  ii  teilweise  in  mm  übergegangen 
(kaum  Dg  >-  mb  >►  mm;  vgl.  §  125dy);  die  Erscheinung  ist  jedoch 
auf  wenige  Beispiele  beschränkt:  auf  dem  ganzen  Gebiete  gilt 
einzig  tummi  Dünger,  tnmma  düngen;  nur  in  I  und  V  auch  xnum- 
iud  (s.  §  67  aa);  nur  in  K  noch  bei  alten  Leuten  nimm  n.  ,Rung', 
Anlauf  (vgl.  T.  373  b),  Dim.  riimmli,  dann  fs  rümmd  wls  ,in  Rungen', 
stoßweise,  sonst  riinn,  rüvvli,  ts  rümod  ivts;  und  nur  noch  in  Ob. 
veraltet  liimimsr  Hunger  und  hummsrd  hungern.  Vielleicht  gehört 
hierher  auch  strümmivts  {<^sprünnwis;  vgl.  §  175)  ,in  Anfällen, 
Unterbrüchen',  <ias  T.  416  b  für  K  angibt. 

Der  Wandel   ist  jünger  als  die  Senkung  von  it  >  o  vor  m  (vgl.  §  68  b). 

In  neben-  oder  schwachtoniger  Silbe  ist  der  Nasal  der  Ver- 
bindung ng  geschwunden  (vgl.  §  146  a):  hälsi(g),  mäni(g),  rexxni(g), 
usw.  (s.  §  115aa);  gältli(g),  nädli(g),  usw.  (s.  §  90,  7);  auch  in  hefig 
(<C  hifang)  ,eingezäunte  Wiese';  gegenüber  lipti(g)  m.  (mhd.  lipdinc) 
jLeibesrente'  aufsei-halb  K  gilt  nach  T.  297  b  in  K  noch  Uptivn  n. 

Urd.  L 

Siehe  über  dessen  Artikulation  §  18  und  deren  starke  Einwirkung  auf 
vorausgehende  Vokale  §§  89,2.  91  e.  93.  103. 

§  165.     a)  Im  Anlaut  ist  es  immer  als  Lenis  erhalten. 

b)  Intervokalisches  l  ist  meist  als  Lenis  bewahrt,  zB.  mah 
mahlen,  tnöh  malen,  xioh  kühler  werden,  söh  sollen. 

Nur  vor  ableitendem  -i)r  erscheint  auf  dem  ganzen  Gebiete 
meist  Geminata,  so  in  den  Komparativen,  zB.  gelbr  gelber,  xüdlhr 
kühler,  ivolhr  , wohler',  dann  in  ffdhr  m.  Faulenzer,  südlhr  Schüler, 
(älldr  Fehler,  tälhr  Teiler,  spilhr  m.  Spieler,  usw.,  auch  xolhrU  (K) 
Kohlmeise;  seltener  sind  die  Fälle  vor -9?,  zB.  olhU  nach  Ol  riechen, 
dann  auch  etwa  im  Dim.,  zB.  tölhli  zu  toh  Vertiefung,  sölhli  zu 
soh  Sohle,  in  I  und  H  stitdldi,  wühlt  (s.  S.  129).  Vgl.  §§  156,  2  a. 
159,1a. 


\ 


—     177     — 

xalh  , gerinnen'  (vgl.  Id.  III  192)  in  I  gegenüber  (Ji)xald  auf 
dem  übrigen  Gebiete  ist  auffällig;  Ulli  ,Zimnierdecke'  (nach  T.  138a) 
in  K  gegenüber  sonstigem  tili  kann  auf  Kreuzung  mit  tili  m. 
(s.  S.  34  o.)  beruhen. 

In  hürdspbgdl  für  tlbsp.  ,Eulenspiegel'  (s.  T.  280  a)  liegt  volksetymologische 
Entstellung  vor  (vgl.  §  153). 

c)  Vor  Konsonant  wird  ?  in  I  von  altern  Leuten  nicht 
artikuliert  in  wökxd  Wolke  (vgl.  §  150b  Anm.),  kwökx  Gewölk. 

Ferner  ist  l  infolge  Schwachtouigkeit  auf  dem  ganzen  Gebiete  ge- 
schwunden in  as  ,als',  as9  (auch  betont),  und  jsö  ,also'  (vgl.  Id.  1 200 ff. 
VII  30^.),  in  (auch  in  die  betonte  Stellung  eingeführtem)  seh  ,selb, 
jenes',  ddseh  jener,  sebdweg  auf  jene  Weise  (gegenüber  selb  selbst), 
im  Konj.  Prät.  von  ,sollen'  und  , wollen':  sät,  sött(i)st,  söt,  söttid; 
ivet,  ivett(Ost,  ivet,  icetftd,  von  , wollen'  auch  in  der  2.  Ps.  Sg.  und 
im  PI.  des  IndyPräs.  icit  (1.  und  3.  Ps.  will),  wand,  woneben  im  Sg. 
die  Formen  des  Konj.  Prät.  mit  Präsensbedeutung  stehen:  1,  und 
3.  Ps.  wot,  2.  Ps.  trotst:  ferner  in  fits  (<C  ß  t-s)  ,viel  zu',  zB.  fits 
kröss  viel  zu  groß.     Vgl.  auch  §  176  a. 

d)  Im  Auslaut  erscheint  nach  bewahrter  Kürze  Fortis  (s. 
§  34);  nach  langem  gedehntem  Vokal  dagegen  meist  Lenis,  zB. 
Öl  Ol,  ivöl  wohl,  stil  Stil,  hijl  Beil,  xiid  kühl,  usw.  Doch  wird 
vereinzelt  auch  nach  langem  Vokal  deuthche  Fortis  gesprochen, 
also  Öll,  ivöll,  usw.;  es  bestehen  hier  individuelle  Unterschiede. 

e)  Silbisch  wird  l  bei  Synkope  des  Vokals  in  der  Ableitungs- 
silbe -dl  (s.  §  115  b  ß). 

§  166.     Urd.  IL 

a)  Inlautend  ist  es  außerhalb  Hi  meist  als  Geminata  be- 
wahrt, zB.  halh  m.  Ballen,  falh  fallen,  bolla  Bollen,  xnolh  Knollen, 
selld  Schelle,  xelb  Kelle,  stelb  stellen,  tselld  zählen,  auch  tvelU 
wählen  und  vereinzelt  kxwelh  quälen  (doch  außerhalb  I  nur  noch 
bei  altern  Leuten,  jünger  unter  schriftsprachlichem  Einfluß  weh, 
kxwdd,  auch  kxwäld,  dafür  echt  mundartlich  blögd  plagen). 

Nach  langem  Vokal  erscheint  durchweg  7,  zB.  täld  teilen, 
hold  kastrieren,  wiiah  wühlen,  auch  in  den  Dim.  »lidi,  stüdU  zu 
mid  jMaul',  stiol  .Stuhl',  usw.,  nach  gedehntem  Vokal  in  elend 
elend.  Nach  kurzem  Vokal  gilt  Lenis  auf  dem  ganzen  Gebiete 
in   wula  Wolle,    wuli(g)   wollen,   in  Mi  I H  in   wih  m.  Willen,  in 

Vetsoh,  Appenzeller  Mundarten.  12 


—     178     — 

IH  in  tsoh  Butterballen  (in  VM  und  teilweise  in  Ha  tsolh);  zu 
bohugd,  ßdxt  s.  S.  120. 

Aus  der  häufigen  Schwachtonigkeit  im  Satze  erklärt  sich 
wohl  die  Lenis  auf  dem  ganzen  Gebiete  in  iveh  ,wollen',  ah  ,alle', 
dazu  ahwild  panmer',  ferner  in  tekxdli,  §össdli,  höddU,  wägdli  usw. 
(s.  §  116  a). 

In  Hl  dagegen  ist  außer  vor  ableitendem  -dr  und  dem  Dimi- 
nutivsuffix -'di  immer  Schwächung  zur  Lenis  eingetreten  (vgl. 
§§  157.  163),  also  bah,  seh,  hold,  usw.,  während  (wie  auf  dem 
übrigen  Gebiete)  meist  hralhr  Prahler  (neben  hrab  prahlen),  trölhr 
,Dreher'  (neben  tröh  drehen),  tselhr  Zähler  (neben  tseh  zählen), 
xelhr  Keller,  und  vorwiegend  hälhli  (zu  hah),  hölldli  (zu  hold), 
tsölldU  (zu  tsold),  xelhli  (zu  xeh),  usw. 

Geschwunden  ist  II  infolge  Assimilation  an  r  in  xer  ,Keller'  im 
östlichen  Gebiete,  gegenüber  xelhr  im  westlichen  (mhd.  Tcelre  >► 
Icerre). 

äda  ,immer*  (vgl.  §§  159,2.  168  a)  geht  wahrscheinliot  auf  all  tag  zurück 
(vgl.  Id.  I  85.  188). 

b)  Für  den  Auslaut  gilt  das  §  165d  Bemerkte;  es  heißt  also 
foll  voll,  ksell  , Geselle'  usw.,  dagegen  in  den  wenigen  Fällen  von 
Dehnung  des  Vokals  (s.  §  98)  auch  mit  Lenis  fäl,  fei,  usw. 

Vereinzelt  ist  der  Übergang  von  ly>  r  in  I  kiver  (s.  S.  31). 


Urd.  r. 

§  167.  Im  Anlaut  und  im  Inlaut  zwischen  Vokalen  ist  r 
bewahrt  (zur  Aussprache  s.  §  18). 

Geschwunden  ist  es  in  xöül  (neben  xröül)  ,jähe  Felswand' 
(s.  T.  101a;  Id.  III  921/2),  ferner  unter  dem  Einfluß  der  Schwach- 
tonigkeit in  gad  ,nur',  neben  gräd  , gerade'  (vgl.  Id.  VI  497  ff. 
mit  Anm.). 

Zu  (p)flummd  , Pflaume'  vgl.  Id.  V  1248.  Entstehung  von  fliU  f.  , Frist, 
(s.  T.  196  a  und  vgl.  Id.  I  1236)  aus  frist  ist  unwahrscheinlich. 

Daß  inl.  r  vor  Konsonant  in  I  geschwunden  (also  äwats 
schwarz,  stebd  sterben,  usw.),  auf  dem  übrigen  Gebiete  vokalisiert 
worden  ist,  wurde  schon  §  94  c  bemerkt.  Es  lassen  sich  außer- 
halb I  sämtliche  Schwächungsgrade  beobachten;   ein  Unterschied 


—     179     — 

nach  der  Art  der  folgenden  Konsonanten  besteht  nicht.  Mehr 
vereinzelt  findet  sich  auch  außerhalb  I  Fortfall  des  r  mit  bloßer 
Dehnung  des  vorausgehenden  Vokals  (vgl.  §  104),  am  häufigsten 
nach  a,  zB.  ivämnid  wärmer  werden,  ämnid  Arme,  ivättd  warten, 
näxti(g)  (s.  S.  94  u.),  fdrnäxta  vernarren,  Jam(m)äst-'i<^  lam-arsi) 
fauler,  langsamer  Kerl  (vgl.  Id.  I  467),  doch  auch  etwa  ehd  neben 
erha(r)  (s.  S.  121),  kstöhj  gestorben,  pöst  Bursch,  ferner  est  erst, 
niest  mehrst,  die  aber  unter  dem  Einfluß  von  e,  tue  (s.  u.)  stehen 
können.  In  den  auch  weiter  verbreiteten  Fällen  Bäb3  ,Barbara', 
Puppe  (vgl.  T.31b),  moddrj  ,morden,  plagen,  schinden',  foddr  ,vorder', 
foädra  ,fordern'  liegt  dissimilatorische  Einwirkung  des  folgenden  r 
vor.  hedöpfdl  (neben  herdö-)  ,Kartoffel'  und  eppen  , Erdbeere'  (vgl. 
aber  auch  Id.  IV  1464)  erklären  sich  nach  §  109.  Unterm  Schwach- 
ton geschwunden  ist  r  in  hofiddt  hundert,  nähdt  jemand  (neben  den 
Formen  mit  r).     Hieher  auch  donnsti(g)  Donnerstag. 

Übergang  von  r  >►  Z  zeigen  xil(d)xd  Kirche  (vgl.  §  150  b)  und 
hil(d)xd  Birke.     * 

Im  Auslaut  betonter  Wörter  wie  wör  wahr,  wer  wer,  mer 
mir,  tör  ,Türe'  findet  außerhalb  I  ebenfalls  Vokahsierung  des  r 
statt,  also  icöd,jve9,  med,  töd,  doch  nicht  so  häufig  und  allgemein 
wie  vor  Konsonant;  in  I  ist  auch  hier  das  r  meist  ganz  geschwunden, 
also  ivo,  ive,  usw.  Auf  dem  ganzen  Gebiete  geschwunden  ist  das  r 
in  e  eher,  me  mehr,  tvö  wo,  dö  ,da'  mit  Zusammensetzungen  (s. 
§  113),   hh  ,hier'  in  den  §  113  angeführten  Zusammensetzungen. 

In  unbetonten  Wörtern  und  Silben  wird  nach  a  das  r  im 
absoluten  Auslaut  und  vor  Kons,  gewöhnlich  gar  nicht  oder  nur 
schwach  artikuliert,  also  md  mir,  dd  dir,  die  Vorsilben  fj-  ,ver-', 
9-  ,er-',  ferner  fatta  Vater,  iventd  Winter,  m5Ud  Maler,  usw.;  vor 
vokalischem  Anlaut  dagegen  zB.  gesj)  nur  ouir  , gibst  mir  auch', 
fdrisrd  , verirren',  dd  fattdr  esst  ,der  Vater  ißt',  usw.  Durchaus 
geschwunden  (vor  vokalischem  Anlaut  erscheint  dafür  n)  ist  das 
r  in  nidfiB  (mhd.  niener)  nirgends,  nomniQ  nicht  mehr  (vgl.  Id.  IV 
753/4),  ferner  in  ,her'  als  2.  Glied  von  Richtungsadverbien,  zB. 
ahd  , herab',  ind  ,herein',  usw. 

Ira,Nom.  des  stark  flektierten  männlichen  Adjektivs  würde  man  erwarten 
vor  Kons.  zB.  grössa,  vor  Vok.  grösssr;  nun  heißt  es  aber  vor  Vok.  gleich  wie  im 
Akk.  grösssn,  also:  9W  gröss9  mä  ,ein  großer  (einen  großen)  Mann,  dxm  grössdn 
öpfdl  ein  großer  (einen  großen)  Apfel.    Ygl.  dazu  Schild '^  383  ff. 


•       —     180     — 

§  168.  Auf  dem  teilweisen  Schwund  des  >•  und  dem  Schwan- 
ken in  dessen  Aussprache  beruht  der  Einschub  eines  r  in  .ent- 
sprechenden Stellungen. 

a)  Zwischen  betontem  langem  Vokal  und  Kons,  (meist  Dental) : 
ärdd  neben  ädd  ,immer'  (vgl.  §  166);  ertrokx  (in  Mi ;  vgl.  T.  162  b)  m. 
Wiederkäuen  (vgl.  Id.  I  603/4);  glrt  (neben  glt)  Geiz,  gzrti(g)  geizig; 
florts  Floß,  flörtsj  flößen  (T.  196  a);  hörtst  (in  K  vereinzelt  für 
hötsi,  neben  häufigerm  höhst ;  vgl.  §  154a  Anm.)  Hochzeit;  örsfU(g) 
Unschlitt  (vgl.  S.  107  u.);  fdgörst  (vereinzelt  in  H,  sonst  ohne  r) 
Mißgunst;  sürstd  (in  H)  Schweinestall;  —  äsärpfa  (nach  T.  28  a 
in  K)  anseifen;  störß  (in  K)  mit  Misthäufchen  belegter  Teil  der 
Weide;  —  lorxd  die  Markzeichen  an  den  Waldbäumen  auffrischen 
(vgl.  Id.  III  1001).     S.  auch  §  190  c. 

wersdr,  das  heute  als  Komp.  zu  u'e  ,wehe'  gefaßt  wird,  ist  mhd.  wirser. 

b)  In  unbetonter  Silbe  (meist  an  Stelle  eines  geschwundene;! 
n):  eiindrt  (neben  endt)  jenseits,  nidmnidr(t)  niemand  (doch  vgl.  ' 
Id.  IV  290  Anm.);  auch  stohorta  (neben  stobatd)  Zusammenkunft 
(in  der  stoha;  vgl.  T.  409  a);  auch  in  den  Fremdwörtern  dexdrt  (H) 
Dechant  (T.  132  b),  hoffjrt  Buffett  (s.  T.  65  und  vgl.  Id.  IV  1047/9); 
mosÄ^r^woss  Muskatnuß ;  auch  in  ottdrlös  (<^cUetnlös)  fade  (T.  344  b). 

Der  Nom.  des  best,  männlichen  Artikels  -lautet  daher  vor  konsonantischem 
Anlaut  da,  vor  vokalischem  dar.  fm  Akk.  würde  man  erwarten  vor  Kons,  da, 
vor  Vok.  ddn;  nun  lautet  aber  der  Akk.  vor  Vokal  (wohl  untei«  dem  Einfluß 
des  Nom.)  auch  dar,  also;  da  mä  der  (den)  Mann,  aber  dar  öpfal  der  (den) 
Apfel,  dar  andar  der  andere  (den  andern).  —  Ganz  den  gleichen  Vorgang  zeigt 
mar  ,man'  vor  Vok.,  gegenüber  m»  vor  Kons.,  zB.  msr  esst  ,man  ißt';  es  könnte 
hier  Einfluß  von  ma  mar  ,wir'  (vgl.  §  171,  1)  vorliegen  (vgl.  dazu  Behaghel  in 
ZfdW.  X  [1908]  S.  31/2). 

c)  Hiatustilgendes  r  erscheint  in  kJäjng  (s.  §  88),  ferner  in 
ivia-r-ds  ,wie  er  es'  (nur  bei  alten  Leuten);  doch  liegt  i;ii  letzteren 
Falle  vielleicht  nur  Umstellung  des  r  (<C  ivia  drs)  vor. 

§  169.  Urd.  rr  ist  in  allen  Fällen  vereinfacht;  vgl.  §  18 
und  s.  die  Beispiele  §  104  a. 

Auch  in  den  Zusammensetzungen  mit  far-  -f  anl.  r  wird  nur  Lenis  ge- 
sprochen, zB.  farötta  erraten,  farüa)-a  zerrühren. 


X   •  • 


—     181     — 
Urd.  i. 

§  170.  a)  Im  Anlaut  ist  es  als  j  erhalten,  zB.  jacp  jagen, 
jesd   gären,  jett^  jäten,  jeg9r  Jäger,  jomnidr  Jammer,  javn  jung. 

Nhd.  jetzt',  entspricht  noch  vorwiegend  ids,  auch  ets;  dagegen  überwiegt 
heute  jedd  Jeder'  für  älteres  iadd,  so  noch  in  maddrd  usw.  (s.  §  158). 

Auf  dem  ganzen  Gebiete  gilt  enat  (bezw.  ennart)  jenseits;  nur  in  K  noch 
em,  eni,  ends  ,jener,  jene,  jenes'  (vgl.  Id.  I  265/6),  sonst  wird  dafür  ddseh,  diseh, 
seh  gebraucht. 

Neben  endsh  ,Aniskörner'  erscheint  auch  jenssh. 

b)  Im  Inlaut  erscheint  j  (bezw.  jf/;  s.  §  22): 

a)  nach  altem  ei  in  den  §  80,  2  angeführten  Beispielen. 

Altes  jj,  wie  es  zB.  in  eijar  ,Eier'  vorliegt,  ist  also  in  dieser  Stellung  mit 
altem  einfachem  j  zusammengefallen. 

§)  auf  dem  östlichen  Gebiete  in  den  Verba  pura  mäijd,  saijd, 
Uüdijd,  triÄdijd,  usw.;  s.  dazu  §§  73.87. 

y)  besonders  häufig  in  K  in  früdijdr  früher,  früdiji  Frühe; 
xüdijd  ,Kühen'  (Dat.  PL),  gegenüber  sonstigem  früdnndr,  früoni, 
ximid  (vgl.  §  161b).*  tsivoiJQ,  der  Dat.  zu  tswö  zwei  (f.)  ist  wohl 
von  tsweijd  (s.  §  80,  2)  beeinflußt. 

5)  außerhalb  H  in  deü  'Fällen  von  Hiatusdiphthongierung, 
vde  sneljj;  s,  §  88. 

Das  außerhalb  I  (wo  da)  gebräuchliche  deij  ,dort'  könnte  atis  deijena 
,dort  drüben', (-<  da-jenent;  vgl.»  ,da  jänet'  bei  Morgant  der  Riese  in  der  Ausg. 
von  A.  Bachmann  S.  269)  und  den  darnach  gebildeten  deijohd  ,dort  oben',  deij- 
onnd  ,dort  unten'  usw.,  abstrahiert  sein  (vgl.  dazu  Id.  I  285/6). 

Übergang  in  g  zeigen :  a)  in  H  die  Formen  des  Konj.  Präs. 
slgdd  (PI.)  seien,  sigdst  (2.  Sg.)  seiest,  sig  (1.  und3.  Sg.;  mhd. 
sije)  sei;  auch  außerhalb  H  die  entsprechenden  Formen  von  tiia 
,tun':  tüjgjd,  tibgjst,  tüdg  (neben  töüir,  töüwist,  usw.). 

ß)  das  ahd.  Lehnwort  ilgd  Lilie  (ahd.  lilja)  und  das  mhd. 
Fremdwort  metskor  Metzger  (vgl.  Kluge  268).    S.  auch  §  189,  1  c. 

c)  Im  Auslaut  erscheint  j  mehr  oder  weniger  ausgeprägt 
nach  altem  oder  durch  Diphthongierung  entstandenem  ei  (vgl.  §  12). 
Geschwunden  ist  es  dagegen  in  hriid  Brühe,  müo  Mühe  (mhd. 
hrüeje,  müeje). 

Urd.  w. 

§  171.  1.  Im  Anlaut  ist  es  in  den  meisten  Fällen  als  w 
bewahrt.    —   Dagegen  erscheint  es  als  m   in   muntsi(g)   ,winzig' 


—     182     — 

(vgl.  Kluge  426);  nur  ,wir'  (vgl.  §  168  b  Anm.),  betont  mer\  ^omoll 
(neben  tvowoll  <C  ivolwol)  doch ;  in  I  auch  nj^^ä  gegenüber  sonstigem 
ivend  PI.  Ind.  Präs.  von  , wollen'.  Vgl.  auch  mäm  für  wärm  ,warm' 
in  der  Kind'ersprache.  —  Vereinzelt  gilt  6,  so  in  I  hälnid  , Heu- 
boden' gegenüber  wälmd  auf  dem  übrigen  Gebiete  (doch  s.  Balm2 
Id.  IV  1216),  und  in  (auch  weiter  verbreitetem)  be,  beh,  öe&e  leichte, 
Wunde  (<;  (we-)we)\  dagegen  ist  bis  Imperativ  von  ,sein'  (ahd. 
wis,  mhd.  auch  schon  bis)  einfach  nach  hl  bist  ausgeglichen. 

Im  Anlaut  eines  zweiten  Komposijtionsgliedes  erscheint 
IV  (meist  infolge  Assimilation)  als  m  in  liirmmÜ9tti(())  (mhd.  liirn- 
wüetic)  toll;  spiminok  , Spinne'  (volksetymologisch  entstellt  aus 
spinn-wiip',  s.  Id.  IV  131);  auch  in  amtg  (nach  T.  24  a  in  K)  ,doch, 
jeweils'  {<^allweg;  vgl. Id.  1208/1 0),  und  in  fabnid,  tamnid  (s.  §  30,3) 
—  dagegen  als  b  in  xilbi  (s.  S.  33  u.),  blibish  (s.  S,  120  vl.)^  libdt 
(s.  S.  121  0.),  näbd,  näbjrt,  näbjs  (mhd.  neisw,an,  -wä,  -wer,  -was) 
irgendwann,  -wo,  jemand,  etwas,  öpi),)  etwa,  goppdl  (-<  gott  well) 
jdoch,  gewiß'  (vgl.  Id.  II  515/6),  impjr  Ingwer.  —  Geschwunden  ist 
10  in  etsj  (s.  §  142  a)  und  in  nesj  (in  I  und  veraltet  in  Mt)  =  näbd  (s.  o.) 

2.  Im  In-  und  Auslaut. 

a)  Nach  Vokal,  a)  Nach  alter  Kürze:  Die  Verbindungen  aiv 
und  eiv  erscheinen  als  oiiw  und  öüw\  s.  die  Beispiele  §§  82.  83. 

Anm.  1.     Über  wtn  im  Inlaut,  w  im  Auslaut  s.  §§  12.  22. 

Anm.  2.  frö  ,froh'  (ahd.  vrö,  gen.  *ffaices)  beruht  auf  dem  gleichen  Vor- 
gang wie  strö;  s.  §  82. 

Gegenüber  rDuivemss  ,ungemein,  sehr'  (vgl.  Id.  VI  1870)  gilt 
in  K  mit  Übergang  von  w  >>  b  robeniss  (zu  oh  >►  ö  vgl.  §  82,  2). 

In  xrol,  nöra  (s.  §  83)  ist  w  geschwunden. 

ß)  Nach  langem  Vokal  und  Diphthong:  äw  erscheint  nach 
§  72  auf  dem  ganzen  Gebiete  als  öuiv  (bezw.  outv)  in  xlouivd  Klaue, 
löuw,^  pföuw;  nur  in  V  M2  auch  in  blöuw,  blouwd,  gröuw,  gröuwd, 
usw.,  in  H  I  Ml  wurde  in  diesen  Fällen  das  intervokalische  w  >>  6, 
das  dann  auch  in  den  Auslaut  übertragen  wurde,  also  blöb,  Usbo, 
usw.  (doch  s.  S.  74  o.)  —  cw  erscheint  im  Auslaut  als  e:  sne 
Schnee,  se  See,  xle  Klee,  irii  Inlaut  als  b\  ebi(g)  ewig,  webdrd  (zu 
ahd.  wewa)  vor  Schmerz  wehklagen,  wimmern.  —  iw,  im,  iuw 
erscheinen  nach  §  88  in  H  im  In-  und  Auslaut  als  «,  ii,  ü,  auf 
dem  übrigen  Gebiete  (zunächst  im  Hiatus)  als  eij,  ouw,  öüiv  (bezw. 
eij,  ouw,  öiiw),  so  smd  schneien,  bli  Blei,   bfu  bauen,  sü  Sau,  xnii^ 


—     183     — 

knieen,  xnn  Knie  (ahd.  hiiu,  nach  obl.*  hiimves  usw.  mit  Laut- 
substitution für  *hiioives  nach  dem  Nom.  knlo):  sneijd,  hleij,  homvd, 
somv,  xnoüwa,  xnöilw.  In  ibdtannd  Eibe  (ahd.  Iwd)  ist  iv'^b  ge- 
wandelt. —  uow  erscheint  im  Inlaut  als  udb  in  rudbd  ruhen,  rüdbi(g) 
ruhig,  gegenüber  riid  Ruhe  (seltener  mit  Übertragung  des  b  aus 
dem  Inlaut  riob). 

b)  Nach  /•  erscheint  im  Inlaut  immer  b:  färbd  färben,  gärba 
gerben;  närbd  Narbe;  smirbd,  in  I  smeba  schmieren  (jünger  snibra; 
vgl.  §  94  b);  serbd  (mhd.  seriven)  kränkeln  (s.  T.  423  a);  ärps  Erbse 
(dagegen  in  I H  mit  Schwund  ärss).  Im  Auslaut  ist  iv  geschwunden : 
gär  gar,  mör  (mhd.  murive)  neben  mär  (mhd.  mar(-ives))  mürbe 
(s.  T.  322  b);  in  färb  Farbe  ist  b  aus  dem  PI.  färbd  oder  dem  Verbum 
färbd  übertragen. 

c)  Nach  l  erscheint  a)  m  in  swälmd  Schwalbe  (bei  den  Jüngern 
jetzt  durch  swalbd  verdrängt);  wälnid  (s.  unter  1);  elm  gelblicher 
Thon  in  K  (s.  T.  16Ga;  Id.  I  186/7).  —  ß)  &  in  helba  (doch  in  K 
lielmD)  Haferspreu  (s.  T.  261a;  Id.  II  1244);  pfolbd  Pfühl;  gilbli  m. 
Übername  eines  mürrischen,  verweint  aussehenden  Menschen  (s. 
T.  221b;  Id.  II  296);  selb  (mhd.  schelwe)  schief.  —  y)  w  ist  im 
Auslaut  geschwunden  in  gel  gelb  (flekt.  geh,  usw.),  mel  Mehl. 

§  172.     Urd.  iviv. 

Die  Verbindung  aww  erscheint  in  houiva  hauen,  frouw  Frau.  — 
eww  (ahd.  inw;  vgl.  Braune  §  30,  Anm.  2)  liegt  zugrunde  in  xüd^ 
rüd,  bliia  (s.  S.  84  u.)  in  H,  xomvj,  röüwd,  blöüwj  auf  dem  übrigen 
Gebiete.  — -  iww  enthalten  nü  neu,  trü  treu,  flekt.  nüd,  trÜ9  in  H, 
nöüw,  tröüw,  nöüwd,  tröüivd   auf  dem  übrigen  Gebiete.    Vgl.  §  88. 


Zusammenfassende  Darstellungen. 

Auslautscliwächuiig. 

§  173.  Die  Schwächung  auslautender  etymologischer  Fortis 
nach  langem  Vokal  (gegenüber  Bewahrung  im  Inlaut)  findet  sich 
nicht  auf  dem  ganzen  Gebiete  in  allen  Fällen.  Fast  regelmäßig 
in  I,  wenigstens  bei  altern  Leuten,  weshalb  ich  in  der  Darstellung 
von  diesen  Verhältnissen  ausgehe.    Ich  gebe  also  vorerst  die  Bei- 


—     184     — 

spiele  für  I,  nach  dem  betroffenen  Konsonanten  geordnet:  t  "^  d 
(vgl.  §  133)  in  den  Mask.  röd  Rat  (gegenüber  rottd  raten),  xod  Kot, 
f//-5f/ Berggrat,  tröd Draht,  §tröd{<i*strät;  vgl.  §  175)  dünner  Strahl 
von  Flüssigkeit,  fljd  und  öflöd  ,(Un)flat'  als  Schimpfname  (vgl. 
Id.  I  1225),  Mnd  Streit,  auch  städ  Staat;  den  Neutr.  rbd  Moor- 
boden (doch  vgl.  Id.  VI  1732),  bhidd  Blut,  xrüd  Kraut,  hröd  Brot, 
auch  ]iDud  (s.  S.  81  o.);  den  Fem.  &rw(/ Braut,  /m(?  Haut,  nöd  Not, 
tsld  Zeit;  den  Adj.  hräd  breit,  ivtd  weit,  röd  rot,  töd  tot,  gudd  gut.  — 
SS  >■  s  (vgl.  §  135,  3)  in  den  Subst.  stös  Stoß,  ästös  Anbau,  ambös 
Amboß,  flls  Fleiß,  fuds  Fuß;  lös  Los;  grids  Gries  (echt?);  gas  Geiß; 
den  Adj.  häs  heiß,  wis  weiß  (auch  hlekvis  Bleistift,  eddlwu  Edel- 
weiß), gros  groß,  ferner  hlös  ,nur',  üs  aus  (Adv.).  —  ss'^  s  (vgl. 
§  144)  in  fläs  Fleisch  (dagegen  rüss  Rausch).  —  /f>»  /  (vgl.  §  128  c) 
in  räf  Faßreif,  slöf  Schlaf,  sof  Schaf,  üf  auf  (Adv.).  —  Die  Aus- 
lautsverhältnisse beim  gutturalen  Spiranten  vgl.  §  150,  bei  den 
Sonoren  §§  157.  163  b.  166  b. 

Außerhalb  I  ist  die  Lenis  noch  allgemein  in  strod,  flöd,  öflöd, 
lös,  gridS,  ambös,  hlekvis,  üs,  üf;  wenigstens  bei  altern  Leuten  noch 
vorwiegend  in  röd,  xöd,  gröd,  tröd,  städ,  ridd,  bludd,  bröd,  brüd, 
nöd,  stös,  gas,  blös,  fläs,  (bezw.  fleis;  s.  §  80  Anm.),  räf,  söf,  da- 
gegen nur  selten  noch  in  strtd,  xrüd,  hüd,  tsid  (dafür  tsit),  flis, 
fudS,  slöf  und  fehlt  ganz  bei  den  meisten  Adj.:  brät,  ivit,  röt,  imss, 
gross,  gegenüber  noch  vorkommendem  gudd  (jünger  gudt),  häs  und 
vorwiegendem  töd.  In  H  ist  die  Lenis  im  allgemeinen  noch  seltener 
als  in  MV. 

Diese  Verhältnisse  lassen  den  Einfluß  der  flektierten  Fonnen  und  Ab- 
leitungen mit  Fortis  deutlich  erkennen. 

Auf  dem  östlichen  Gebiete  (M  V)  ist  auch  allgemein  Schwächung 
eingetreten  in  den  Partizipien  ksäd  gesagt,  träd  getragen,  Idäd  ge- 
legt (bezw.  kseid,  usw.;  s.  §  81),  und  in  der  3.  Pers.  Sg.  Präs.  säd, 
träd,  lad  (bezw.  seid,  usw.),  lld  liegt,  ged  gibt  (in  K  gld),  (k)sidd 
sieht,  löd  läßt,  göd  geht,  stöd  steht,  usw.  In  I  kommt  neben  der 
Lenis  seltener  Fortis  vor,  während  in  H  allgemein  Fortis  gilt. 
ivempläs  ,dem  Winde  ausgesetzt'  (zB.  d  w-i  hämmdt  ein  solches 
Heimwesen)  beruht  auf  * ivind-blasisch  mit  synkopiertem  i  und 
Schwächung  im  Auslaut  (vgl.  Id.  V  149). 

Daß  die  Auslautschwächung  älter  ist  als  die  e-Apokope, 
zeigt  die  auf  dem  ganzen  Gebiete   bewahrte  Fortis  in  äpöt  (mhd. 


\ 


—    185     — 

späte)  spät,  lüt  (mhd.  lüte)  laut  (Adv.),  lut  (mhd.  Uute)  Leute; 
ströss  (mhd.  sträse)  Straße,  piiDSS  Buße  (neben  fuds),  söss  Schürze, 
häss  n,  (mhd.  liceze)  Kleid  (unterschieden  von  liäs  heiß),  kfräss  n. 
(mhd.  gevroßze)  Gefräß,  räss  (mhd.  rceze)  scharf;  außerhalb  I  auch 
in  stroff  (mhd.  strafe)  Strafe,  rtff  (mhd.  ufe)  reif,  dagegen  in  I 
teilweise  mit  Schwächung  rif  reif,  und  so  auch  rif  m.  (mhd.  nfe) 
Reif,   gefrorener  Tau  (gegenüber  rlffd   auf  dem  übrigen  Gebiete). 

Daß  hier  die  Fortis  nicht  wohl  aus  den  danebenstehenden  Inlautsfonnen 
übertragen  sein  kann,  ergibt  sich  deutlich  aus  dem  verschiedenen  Verhalten 
dieser  Fälle  und  der  früher  besprochenen. 

Gegenüber  röss  ,Teich  zum  Hanf,  Flachs  rösten'  in  K  kommt  auf  dem 
übrigen  Gebiete  auffälliges  rös  neben  häufigerm  rösd  vor  (vgl.  Id.  YI  1407). 
Die  Form  tsiff9  m.  , Streifen'  in  V  hat  auf  dem  übrigen  Gebiete  tsifd  neben 
sich,  was  auf  einen  Nom.  Hstf  zurückgehen  wird;  T.  gibt  457 a  für  I  tsiff  an 
als  Name  einer  Ziege  mit  Streifen  in  der  Nähe  des  Auges. 

Die  wenigen  von  der  Ausgleichung  nach  den  obliquen  Kasus 
verschont  gebliebenen  Reste  von  Auslautschwächung,  die  mit  der 
Dehnung  kurzer  Vokale  verbunden  ist,  s.  §  98,  wo  zu  berichtigen 
ist  es  m.  in  I  gegenüber  esss  f.  auf  dem  übrigen  Gebiete;  spissd 
(mit  dem  gedBhnten  i  des  Nom.  und  der  Fortis  der  obliquen  Kasus) 
gilt  in  V,  spisd  in  M  I  H,  spis  daneben  in  I  H.  Nachzutragen  ist 
noch  riss  in  K  (neben  riss),  res  (seltener  ress)  auf  dem  übrigen 
Gebiete  , zusammengehöriges  Spiel  Kegel,  Karten'  (s.  T.  360  b; 
Id.  VI  1379  ff.). 

In  der  Verbindung  U  zeigen  auf  dem  Gebiete,  wo  Dehnung 
eintrat  (s.  §  103)  Schwächung  des  t  die  Beispiele  äld,  xäld,  gäld, 
kiväld,  auch  kstäld  ,Gestalt',  bei  rt  (vgl.  §  104)  bäd  in  I,  außerhalb 
I  bärd  neben  bärt  Bart,  bei  nt  (vgl.  §  101)  in  K  Jcxönd  kommt 
(vgl.  oben).  Neben  2^ü>-ss  , bäurisch'  ist  häufiger  mit  Schwächung 
pürs. 

Übertragung  der  Lenis  in  den  Inlaut: 

a)  Nominale  Ableitungen:  Die  Übertragung  ins  zugehörige 
Dim.  ist  in  I  ziemlich  häufig;  doch  kommen  auch  außerhalb  I 
zB.  vor  brödli  Brötchen,  stös(j)U  (zu  stös)  Pulswärmer,  kstäldU 
(zu  hstäld)  ,Leibchen'.  In  I  gilt  gäldlig  (zu  gäld)  gegenüber 
gältUg  außerhalb  I  (s.  S.  91). 

ß)  Häufiger  findet  sich  die  Lenis  in  verbalen  Ableitungen,  zB. 
räß9  ,den  Reif  (raf)  schlagen';  sivasdld  neben  -ss-  nach  Schweiß 
{siväs,   doch  heute   nicht   mehr   recht  mundartlich)  riechen,   auch 


—     186     — 

§ivnsj  (nach  T.  402  b)  in  K  ,von  undichten  Gefäßen,  Wunden, 
sickern'  gegenüber  Sivässj  auf  dem  übrigen  Gebiete;  in  I  eddlwiss 
, Edelweiß  sammeln'  und  rlfj  vom  Fallen  des  Reifes;  hä(r)dd  (zu 
bä(r)d)  rasieren. 

Hervortreten  von  Grleitlauten. 

§  174.  a)  nl  >>  ndl  in  manndh  Männchen,  tvörslndU  wahr- 
scheinlich, sporadisch  auch  in  midU(g)  ähnlich,  hwondli(g)  ge- 
wöhnlich (vgl.  §  160  b)  und  den  Dim.  fändU  Fähnchen,  äxörndli 
Eichhörnchen,  in  H  (vgl.  §  116  a)  auch  in  pfenndU  Pfännchen, 
tenndU  Tännchen,  tsönndU  kleiner  Brei,  ferner  auch  etwa  in  höfndld 
mit  dem  Hörn  blasen. 

b)  nr^ndr  in  mendor  (mhd.  minrc)  minder;  tonddr  Donner, 
tonddfd  donnern;  lantsfänddn  ,Landesfähnrich'  (s.  T.  291/2);  morn- 
d(d)ri(g)  vom  folgenden  Tage;  fernd(9)ri(g)  letztjährig;  sporadisch 
auch  in  sondBr  schöner,  enddr  eher  (vgl.  Id.  I  10/1  mit  Anm.,  doch 
auch  Haldimann  1903,  S.  311  Anm.),  imm  Indjrs  im  innern,  auch 
etwa  ivenn-d-(d)r  wenn  ihr. 

c)  Ir^ldr  in  holdjrD  (mhd.  hollern)  lärmen,  ,poltern'  (s.  T.67a); 
tsiholddrd  (V)  neben  tsibolh  leicht  hageln  (T.  456  b);  xolddrd  (zu 
mhd.  Icolre)  den  Koller  haben  (vgl.  dazu  xolddrd  f.  Cholera);  bllddrd 
(nach  T.  53  a  in  Walz. ;  mhd.  hilern)  Zahnfleisch ;  kxöldarU  (nach 
T.  115  b)  ,Tannenmeise'  in  K  gegenüber  xolldrh,  xölhrh  auf  dem 
übrigen  Gebiete;  boldQn  f.  (V)  Pille  (vgl.  Id.  IV  1204). 

In  bilgdr^,  der  allgemeinen  Form  für  obiges  bilddra,  ist  g  wohl  nicht 
primärer  Gleitlaut,  sondern  aus  d  entstanden  (vgl.  Id.  IV  1170,  auch_&%  < 
hild  Id.  IV  1197). 

d)  ml  >>  mhl  sporadisch  in  K  sämhh  sammeln,  zB.  i  ha  hlüdmli 
hsämhldt  ,ich  habe  Blümchen  gepflückt'. 

e)  n§  >>  nts  in  mciits  Mensch ;  mentst  ,meinst' ;  ivimts  Wunsch, 
ivüntsd  wünschen  (für  älteres  woss,  ivossa;  s.  §  96);  mentst  mindest 
(vgl.  unter  b);  söntst  schönst;  auch  renntslettj  , Rennschlitten'  (T. 
153  a). 

f)  Is  >-  Its  in  holts  neben  hols  Puls ;  auch  in  Fällen  wie  ivill 
ts  Tiot  ,will  es  Gott'  (s.  S.  39  u.). 

g)  U  >>  lt§  in  ivSlt^  welsch,  fält^  falsch,  xölts  ,kölnischer  Stoff', 
auch  hiiltsd  neben  hüUd  (s.  §  142  bs). 


—     187     — 

h)  sl  >»  stl  in  Dsth  (mhd.  unslit)  Unschlitt;  örsthdd  f.  (I, 
Gais)  Kinderpocken  (vgl.  §  138dAnm.).  Zu  trösth  Drossel  vgl. 
Kluge  83/4. 

i)  mf'>mpf  in  hampf,  fjrmimpft  (s.  §  96  b);  auch  in  trompf 
Trumpf  (vgl.  Kluge  401).     S.  auch  §  131  Anm. 

Assimilation. 

§  175.  a)  Mehr  oder  weniger  vereinzelte,  im  Worte  fest^ 
gewordene  Fälle  (vgl.  §§  26  ff.)  sind :  luid,  phouttd,  houttota  und 
lioppota  (zu  mhd.  hmihet)  s.  S.  81  o.;  hemp  Hemd  (vgl.  §  139  b); 
tübdhcikx  (s.  S.  54);  hlaJcxd  (mhd.  Uat(e)che)  großes  Pflanzenblatt 
(vgUId.  V  54/5);  fekxd  (zu  mhd.  väache)  Flügel  (vgl.  Id.  I  728/9), 
in  K  (nach  T.  178  a)  dafür  flekxa  (das  wie  allgemein  gebräuch- 
liches flettaxxd  eine  Kontamination  von  mhd.  vetache  mit  dem  An- 
laut von  flattars  darstellt;  vgl.  Id.  I  1228);  pask9  (-<  *bastegen) 
bewältigen  (vgl.  Id.  IV  1779  ff.);  matt  Magd;  fott  neben  fokt  Vogt; 
hötspjf  (neben  Jiökspjr)  s.  §  177;  fyrnemmd  (zu  ahd.  nemnen,  schon 
altalem.  nemmen)  .sich  versprechen',  wozu  auch  luammt  n.  be- 
stimmtes Quantum,  dagegen  ökuannt  n.  eine  Krankheit  (s.  T.  346  b 
und  Id.  I\'747);  fjrtsivant  {<^-nt)  verstärkendes  , sehr'  (T.  191a); 
cUpfrents  (zu  ahd.  frenhisc)  altvaterisch;  spr-  >-  str-  in  strötsd 
spritzen  und  vielleicht  auch  in  strümmwts  (<C  spriwmvts;  vgl. 
§  164)  stoßweise  (nach  T.  416  b  in  K);  so  erklärt  sich  wohl  durch 
den  Übergang  von  sJir  >>  str  auch  die  alte  Doppelheit  in  strübj 
Schraube  und  in  ströd  (s.  §  173;  zu  mhd.  schrät,  wie  mhd.  strcejen 
neben  schrcejen). 

Nachzutragen  wäre  noch  zu  §27c:  affdl  neben  afäl  {<Casfdl)  ,als  viel', 
d.  h.  so  viel ;  —  zu  §  30,  2  b :  I  trättrokxs  («<  träg-tr.)  ,Kiste  mit  zwei  Stangen 
zum  Austragen  von  Mist  in  den  Alpen',  brottstlg  (<  brok-ts.)  vom  Lager  (brok; 
vgl.  Id.  rV  542  0.)  des  Kleinviehs  weggenommene  Streue  (die  man  nachher  den 
Kühen  nochmals  unterlegt);  nach  T.  127a  auch  tätsatsig  neben  täpsatsig 
(<C  täg-s.)  ,Tagsatzung':  —  zu  §  30,  5 :  botvell  (<C  bdum-^c.)  n.  abgerundete  Kante 
eines  Balkens  (vgl.  T.  72;  Id.  IV  1945). 

Hier  seien  auch  einige  Fälle  von  Erleichterung  von  Kon- 
sonantengruppen angeschlossen :  süssl  (in  H)  neben  süstl  Schweine- 
stall ;  tissb  (in  I)  neben  tistld  Distel ;  auch  sts  >►  ss  §  29,  3 ;  melstdr 
bezw.  möUtar  {<imelxstar)  Melkhütte  (vgl.  Id.  IV  210);  häufig  öhar- 
naxst  neben  öharnaxtst  ,übernachtest';  hetsdt  ,Bettstatt'  (auch  Dis- 


—     188     — 

sim.);  wolil  auch  ivÜ9sänd  (-<  ivüdstnd?)  refl.,  sich  beschädigen  (nach 
T.  452  a  in  K);  ferner  örm)  ordnen,  3rm(g)  Ordnung.  —  xts^xs 
s.  §  137,  auch  in  Jiöxsi  Hochzeit  (vgl.  §  177).  —  Us^ls  in  bols 
(I  und  H  teilw.)  gegenüber  sonstigem  holts  Bolzen;  höls  (I),  bels 
(H  teilw.)  gegenüber  sonstigem  helts  ,Pelz'  (auf  der  Milch);  sne- 
ivalsdr  m.,  sneivälsara,  -ivelsdh  (neben  -weltsjh)  durch  , Wälzen' 
hergestellte  Schneewalze,  auch  walsdr  m.  Walzertanz.  —  nts  >>  ns 
in  xräsj  (s.  §  96,  das  xransd  <C  xrantso  voraussetzt),  fräsisä  (mhd. 
fransisch',  s.  §  96),  und  in  ons,  hisons  (mhd.  tinz)  ,bis'  (heute  außer- 
halb I  veraltet);  s.  auch  §  188,  2  Anm. 

b)  Fernassimilation  zeigen  mesniDr  {mhdi.  ynesnwre)  Sigrist; 
gägor  (nach  T.  211  a)  in  H  neben  gachr  (s.  §  73);  wahd  (nach 
T.  437a)  neben  ivadd  Wade;  vielleicht  auch  tnorps  {<Cmorts)  Adv. 
gänzlich  (vgl.  T.  322  b;  Id.  IV  433). 

§  176.  Dissimilation  liegt  vor  a)  zwischen  l  und  r  in 
liärtdl  neben  hältdl  (s.  S.  28u.),  härth  halbieren;  lierMeltdr  (Mi) 
neben  lierMeittdr,  in  H  kerkkciiQr  (s.  S.  87  u.);  lidstdrd  neben  ridstdr 
(vgl.  Id.  VI  1519)  s.  §  85;  mit  Schwund  des  einen  Kons,  in  ilgd 
«lUge)  Lilie  (vgl.  Id.  I  179/80);  ivowoll  «ivolhvoll)  s.  §  171,  1; 
Bäba,  moddrd  und  foddr(d)  s.  §  167.  , 

ß)  zwischen  n  und  l  in  xnohU  (mhd.  MoheloucJi,  auch  schon 
hl-)  Knoblauch;  xmimnidl  (s.  §  67 aa). 

Y)  Vereinzelte  Fälle:  sehdrt  (nach  T.  423b)  in  H  neben  seddrt 
, seither';  xäsl'ar  (<C  xäsxdr)  Käsenapf  (vgl.  Id.  IH  420);  näb9S 
{■<.neizwas)  s.  §  135,  3b ß. 

tsentir  ,Zentner'  ist  schon  mhd.  bezeugt  (Lexer  III  1059). 

§  177.  Umstellung  von  Konsonanten  zeigen  höxsü 
(<;  höxtsi)  Hochzeit  (vgl.  §  175);  hohspdr  und  höhspdr  neben 
hopskdr,  höpskdr  Frosch  (vgl.  Id.  II  1495);  siehe  auch  andirid^ 
amand  §  121  d  Anm.;  ferner  kts'^tsJc  §  137,  und  gn^vg^nv 
§  146  b. 


Zur  Gliederung  der  Mundart. 


§  178.  Keine  Lautgrenze  folgt  genau  der  Kantonsgrenze 
in  ihrem  ganzen  Verlaufe,  d.  h.  keine  Erscheinung  ist  dem  ganzen 
Gebiete  eigentümlich  zum  Unterschied  von  allen  angrenzenden 
st.  ffallischen  Mundarten.  Am  ehesten  trifft  dies  zu  für  das  offene  d 
(<;  u)  vor  Nasalverbindung  (s.  §  68  b),  das  sich  auf  dem  ganzen 
Gebiete  findet  und  nur  nördlich  ein  wenig  über  die  Kantonsgrenze 
hinausgreift  nach  st.  gallisch  Grub  und  Eggersriet,  während  die 
übrigen  Nachbarmundarten  dafür  geschlossenes  o  oder  a  (bezw.  u) 
haben.  Dagegen  gilt  das  breite  a  (<C  ei)  «nicht  im  ganzen  Kanton 
(s.  §  80)  und  findet  sich  auch  außerhalb  desselben  (s.  die  Anm. 
S.  79  u.). 

Wie  zahlreich  die  mundartlichen  Unterschiede  innerhalb  des 
Gebietes  sind,  erhellt  bei  einem  Blicke  auf  die  synoptische  Karte 
(s.  Karte  II),  auf  der  uns  sechs  Gebiete  (Hi,  H2,  I,  Mi,  M2  Vi,  K) 
entgegentreten,  die,  in  sich  verhältnismäßig  einheitlich,  durch  eine 
große  Zahl  von  Lautgrenzen  von  einander  getrennt  sind  (vgl. 
dazu  das  in  §  4  Bemerkte).  Suchen  \dx  zunächst  eine  Übersicht 
zu  gewinnen  über  die  Eigentümlichkeiten  dieser  Teilgebiete: 

Nicht  nur  nach  der  Zahl  der  Grenzlinien,  sondern  auch  nach 
deren  Bedeutung  sondert  sich  K  am  stärksten  vom  ganzen  übrigen 
Gebiete  ab  (vgl.  dazu  das  §  7  über  die  Artikulationsbasis  Bemerkte). 
Die  auffallendsten  Erscheinungen  (für  ganz  K  oder  doch  den  größern 
Teil;  Näheres,  auch  über  den  Verlauf  der  Grenze,  s.  unter  den  bei- 
gefügten Paragraphen)  sind  beim  Vokalismus:  Bewahrung  von 
h  u,  ii  (§§  6--  68.  70)  —  ei  >  «  (§  80)  —  ei,  ou,  öü  mit  geschlos- 
senem ersten  Komponenten,  teilweise  ö,  0  (§§  81.  82.  83.  88)  — 
id,  iid,  iid  vor  Nasal  >>  e,  3,  3  (§§  85.  86.  87)  —  si  usw.  (§  75,  2)  — 
i  und   e,    u  und   0,    ü   vor   r  {-\-  Kons.)  >-  id,  ua,  ü9  (§  94  b)   — 


—     190     — 

f,  /,  n  vor  X  (-{-  Kons.)  >►  ia,  id,  üd  (§  92)  —  vorwiegende  Be- 
wahrung der  Kürze  von  e,  o  vor  r- Verbindung  (§  104)  —  häufige 
Bewahrung  der  Länge  (§  108)  —  Nachsilbe  -il  (§  115  bj3);  beim 
Konsonantismus:  Jcx  im  Anlaut  (§  149)  —  palatales  ^,  auch 
nach  t,  ü  Fortis  ^^  (§  150)  —  Bewahrung  von  urd.  h  (§  154  b)  — 
xs  <C  ^'•5  (§  154a).  Erscheinungen,  welche  nur  in  einzelnen  oder 
wenigen  Wörtern  gelten,  siehe  unter  göh,  hröh  (§  89,  2),  nod 
(§79),  wüss  usw.  (§  96  a),  re^md  (§  91b),  lamm,  tsamm  (§34), 
ret>v9  (§  146  b),  nimm  usw.  (§  164). 

Nur  für  einen  kleinern  Teil  von  K  gelten:  u  vor  7np,  mpf 
(§  67  bß)  —  brüst  usw.  (§  96  a)  —  13  vor  r- Verbindung  nach  u' 
>  «3  (§  91  ä)  —  e,e  für  ä,  a  (§§  47.  73). 

Noch  in  das  Gebiet  von  Vi  hinüber  reichen:  ei  (bezw.  ei) 
<i  agi  (§  81)  —  öpfdl  (§  91  a)  —  Fälle  mit  lautgesetzlicher  Bewah- 
rung von  ?,  ü  oder  ü  im  Auslaut  (§  88)  —  analogische  e-Plurale 
(§51c). 

Mit  Grub,  ferner  dem  größern  Teile  von  Hi  fehlt  K  der 
Wandel  er  ">  eir  (§  89  a). 

Die  M  durchziehenden  Linien  betreffen  zum  größern  Teile 
Unterschiede  zwischen  dem  ganzen  östlichen  Gebiete  (Ma  V)  und 
dem  ganzen  westlichen  (Mi  I  H).  Auf  die  verschiedene  Artikulation 
des  l  (s.  §  18)  gehen  zurück  e,  0  gegenüber  e,  0  vor  l  -\-  Kons. 
(§  93)  —  auf  den  Einfluß  der  Nasale  5,  0:0,0  vor  Nasal  (§  95,  8), 
e  .-  t  vor  Nasal  (§  95,  3.  4.  5),  hennd  usw.  :  hömid  (§  91  b),  ferner 
ents,  Snts,  önt,  ävhx,  enkx :  ents  usw.  mit  Kürze  (§  101).  —  Außer- 
dem hlöuiv,  grouiv  usw.  :  hloh,  grob  (§  72)  —  flöüxd,  tsöüx3  :  -0-  (§  77) 
—  hebd  :  häbd  (§  49  e)  —  foJd  :  foU  (§  65)  —  i  :  ig  (§  146  cy). 

M2  geht  auch  noch  mit  dem  westlichen  Gebiete  (H  I  Mi) 
gegenüber  ganz  V  zusammen  in  xrants(d)  (bezw.  -ä-)  :  xräs(d) 
(§  96  a)  und  fönch^  bondd  usw.  :  fendo  usw.  (§  91b).  Dem  Gebiete 
von  M2  eigentümlich  ist  einzig  germ.  e  >»  e  vor  l  (gegenüber  e 
auf  dem  ganzen  übrigen  Gebiete  (§  93  b). 

Ml  hat  keine  ihm  allein  zukommende  Erscheinung.  Es  schließt 
sich  noch  ans  östliche  Gebiet  (M2  V)  gegenüber  I  H  an  durch  die 
ausnahmslose  Geminierung  des  m  (§  156,  2  a)  und  durch  bäijd, 
blihjd  usw.  (doch  teilweise  auch  in  Hi)  gegenüber  bä,i,  bim  usw. 
(§§  73,  1  Anm,  87),  nur  Bühl,  und  Gais  auch  durch  färb  usw. 
(doch  auch  in  Her.)   gegenüber  färb  usw.  mit  Kürze  (doch  auch 


—     191     — 

m  K)  (S.  115  o.),  nur  Gais  durch  ä,  ä  gegenüber  e,  e  (bezw.  e,  e)  vor 
und  nach  Nasalverbindung  (§  95,  2).  —  Mit  I  hat  es  gemeinsam  söüw 
und  gleij  (§  88);  nur  Gais  und  I  haben  -dd,  -dda  gegenüber  -at, 
-dtd  auf  dem  übrigen  Gebiete  (§  133  b  y),  ferner  ähdsd  (§  156,  2  a). 
Mit  I  H2  geht  es  in  oul,  öül  <  ol,  öl  (§  89,  2).  —  Mit  H  (gegen- 
über I  M2  V)  zeigt  es  e  (<C  e)  vor  r- Verbindung  (§  94  a)  und  Be- 
wahrung der  Kürze  in  einigen  Fällen  vor  n  -f-  Kons.  (§  101)  und 
vor  m  -\-  Kons.  (§  102). 

Die  meisten  Eigentümlichkeiten  von  I  bestehen  in  der  Aus- 
sprache der  Sonorlaute  und  deren  Einwirkung  auf  umgebende 
Vokale,  so  des  l  (s.  §  18) :  i,  e  >►  il,  ö  vor  Z- Verbindung  (§  91  e)  — 
des  r,  das  vor  Kons,  schwindet  (§§  94.  167)  —  und  ganz  be- 
sonders der  Nasale  (vgl.  §  95),  die  vor  Kons,  schwinden  (§  96, 
S.  108):  «,  ä  ^  e,  e  vor  und  nach  Nasal  (§  95,  2),  ern  >>  enn 
(§  95,  3  c),  e  >*  e  nach  Nasal  (§  95,  3d),  0,  ö,  ö,  8  (bezw.  o,  ö,  5,  S) 
nach  Nasal  (§  95,  7  und  8).  —  Aus  dem  Konsonantismus  sind  zu 
erwähnen  die  vorwiegende  Auslautschwächung  (§  173),  die  Lenis  x 
gegenüber  xx  außerhalb  I  (§  150  aa)  und  die  veraltende  Lenis  d  im 
Anlaut  (§§  132  Anm.  138aAnm.).  —  Die  übrigen  Erscheinungen 
betreffen  mehr  vereinzelte  Fälle,  so  es  (bezw.  eis)  (§  89,  1  b),  sneij 
(§  89, 1  c  Anm.  2),  gDÜfti  (§  89,  3),  iüu9U  (§  65,  4),  töfdl  (§  79,  S.  78), 
Länge  in  den  Vorsilben  ab-,  üf-  (§§  99.  109,  S.  120  o.),  Assimi- 
lation des  nn  in  tülü  usw.  (§  163  a). 

Mit  Ml  und  H2  hat  I  gemeinsam  dkI,  öül  <^  ol,  öl  (§  89,  2)  — 
mit  Ml  allein  söüw,  gleij  (§  88),  nur  mit  Gais  -dd,  -dds  (§  133  by), 
ähdSD  (§  156,2  a)  —  mit  H2  allein  sönidr  (§  100).  —  Mit  Mi  V 
(gegenüber  Mi  und  H)  zeigt  es  e  vor  (geschwundenem)  r  -\-  Kons. 
(§  94  a)  und  Dehnung  vor  (geschwundenem)  n,  m  in  einigen  Fällen 
(§§  101.  102).  —  Nur  vereinzelt  bei  alten  Leuten  finden  sich 
heute  auch  außerhall)  I  noch  nesd  (§  171,  1),  ets3  (§  171,  1),  ommd 
(§  125  dß),  nemiD  (§  139  d). 

Das  ganze  Gebiet  von  H  unterscheidet  sich  vom  übrigen 
Gebiete  durch  eine  wichtige  Erscheinung,  nämlich  durch  das 
Fehlen  der  Hiatusdiphthongierung  (§  88;  vgl.  die  Anm.  2  S.  87). 
Dazu  kommt  (teilweise  gemeinsam  mit  Mi)  Bewahrung  der  Kürze 
vor  l-  und  Nasalverbindung  (§§  101.  102.  103),  gemeinsam  mit 
Ml  e  (<C  e)  vor  r- Verbindung  (§  94  a);  außerdem  einige  Einzel- 
heiten,  so  Kürze  in  romm,  gomma  usw.  (§  82,  2),  der  Diphthong 


—     192     — 

in  tseij  (außer  Stein)  (§  89,  1  b)  und  in  feistdr  (§  96),  a  >►  ö  in 
tsöm  (§  71),  ferner  die  Nachsilbe  -bx  in  vielen  Fällen  (§  114  a). 
Hl  unterscheidet  sich  von  H2  und  dem  ganzen  übrigen  Ge- 
biete besonders  durch  das  Fehlen  der  Geminaten  tmn,  nn,  II  außer 
vor  ableitendem  -9r, -d  (§§  156,2a.  157.  159a.  163.  166),  dann 
durch  die  Öffnung  von  e,  0  "^  e,  o  vor  einfachem  /  (§  93  a),  durch 
die  Bewahrung  der  Kürze  auch  in  falts  usw.  (§  103),  endlich  durch 
die  Endung  -od  gegenüber  -id  auf  dem  übrigen  Gebiete  (§  118  a). 

§  179.  Was  läßt  sich  nun  zur  Erklärung  dieser  uns  heute 
entgegentretenden  mundartlichen  Gruppierung  anführen?  Was  für 
Verhältnisse  haben  die  Verkehrsgemeinschaften  hervorgerufen, 
welche  den  heutigen  Mundartgebieten  zugrunde  liegen,  und  wie 
alt  sind  diese  Verkehrsgemeinschaften? 

Die  heutigen  geographischen  Verhältnisse  (vgl.  Karte  I) 
weisen  nur  im  Süden  gegen  das  Toggenburg  und  gegen  das  Rhein- 
tal von  Gams  bis  Rüti  eine  fast  absolute  Verkehrsgrenze  auf, 
nämlich  den  Säntisstock  mit  seinen  Ausläufern.  Innerhalb  des 
Gebietes  können  wir  heute  nicht  einmal  von  größern  Verkehrs- 
hindernissen sprechen;  am  ehesten  könnte  als  solches  noch  ge- 
nannt werden  das  Urnäschtobel  zwischen  Her.  und  Stein.  Keinem 
unserer  Linienbündel  liegt  also  heute  eine  natürliche  Grenze  zu- 
grunde. 

Inwieweit  früher  solche  Verkehrsgrenzen  bestanden  haben  zu  einer  Zeit, 
wo  die  Flüsse  Urnäsch,  Sitter,  Rotbach  und  Goldach  noch  nicht  oder  nur 
spärlich  überbrückt  waren  und  noch  unwegsame  Wälder  sich  ausdehnten,  läßt 
sich  allerdings  nicht  ausmachen. 

Wenn  wir  die  heutige  politisch-kirchliche  Einteilung 
auf  Karte  I  (vgl.  dazu  §  1)  mit  der  synoptischen  Karte  vergleichen, 
so  ergibt  sich:  1)  daß  der  politischen  und  kirchlichen  Trennung 
zvdschen  I  und  A  auch  starke  mundartliche  Unterschiede  ent- 
sprechen —  2)  daß  die  rein  politische  Einteilung  von  A  in  die 
drei  Bezirke  H,  M  und  V  mit  der  mundartlichen  Gliederung  nichts 
zu  tun  hat  —  3)  daß  in  A  die  Linienbündel  überall  mit  heutigen 
Gemeindegrenzen  zusammenfallen,  daß  aber  immer  eine  Zahl  Ge- 
meinden ein  verhältnismäßig  einheitliches  Mundartgebiet  bilden. 

Das  Gebiet  von  I  wurde  schon  im  Jahre  1597  durch  die 
sog.  Landesteilung  nach  langen  Kämpfen  zwischen  Reformierten 
und  Katholiken  politisch  und  kirchlich  vollständig  von  A  getrennt. 
Der  konfessionelle  Gegensatz,  I  katholisch,  A  reformiert,  hob  fast 


—     193     — 

jeden  Verkehr  zwischen  den  BeM^ohnern  auf;  Handel  und  Wandel 
zwischen  den  beiden  Landesteilen  waren  durch  Gesetze  verboten 
oder  doch  sehr  beschränkt.  Gegenseitige  Heiraten  waren  voll- 
ständig ausgeschlossen;  wer  sein  Bekenntnis  änderte,  mußte  sofort 
in  den  andern  Landesteil  übersiedeln.  Erst  die  neue  Bundes- 
verfassung von  1848  führte  auch  in  I  gewaltsam  -wieder  freiere  Zu- 
stände ein.  Während  in  A  sich  schon  früh  eine  blühende  Industrie 
und  reger  Handel  vor  allem  mit  der  Stadt  St.  Gallen  entwickelte, 
blieb  I  durch  seine  Lage  auf  sich  selbst  angewiesen ;  auch  in  der 
Schulbildung  stand  es  bis  in  die  neueste  Zeit  hinter  A  zurück. 
Dies^  dreihundertjährige  Abgeschlossenheit  genügt  wohl  voll- 
kommen, die  heutige  sprachliche  Sonderstellung  von  I  zu  er- 
klären; mundartliche  Eigentümlichkeiten  und  Ansätze  zu  lautlichen 
Verschiebungen,  die  zur  Zeit  der  Trennung  vorhanden  waren, 
konnten  sich  in  I  ungestört  erhalten  und  weiter  entwickeln,  viel 
eher  als  in  A,  das  fremdem  Einflüsse  und  Zuzüge  offen  stand. 

Aber  schon  lange  vor  der  Landesteilung  hatten  die  ,inneren  Roden', 
wozu  damals  auch  noch  ein  großer  Teil  von  Gais  gehörte,  in  der  im  11.  Jahr- 
hundert unter  dem  st.  gallischen  Abte  Nortpert  gegründeten  Kirche  zu  Appen- 
zell (der  „Abbatis  cella")  ein  Zentrum;  unter  der  Herrschaft  des  Klosters 
St.  Gallen  im  12.  bis  14.  Jahrhundert  bildete  das  um  die  Kirche  erstandene 
Dorf  Appenzell  den  Mittelpunkt  der  äbtischen  Verwaltung,  und  nach  dem 
Befreiungskriege  im  Anfang  des  15.  Jahrhunderts  wurde  es  zum  Hauptort  des 
ganzen  Landes.  Für  das  Nähere  verweise  ich  auf  J.  C.  Zellweger,  Geschichte 
des  Appenzellischen  Volkes,  3  Bde.     Trogen  1830/40. 

Von  den  Rätoromanen,  welche  I  vor  der  Besiedlung  durch  die  Alemannen 
bewohnten  (vgl.  dazu  Anzeiger  für  Schweiz.  Geschichte  1871,  Nr.  2;  Appenz. 
Jahrb.  1906,  226  ff.)  finden  sich  in  der  Lautgebung  der  Mundart  keine  Spuren. 
Auch  für  urd.  k  in  den  Verbindungen  nk  und  kk  gilt  nicht  die  reine  Fortis, 
wie  auf  dem  größten  Teil  des  ehemals  rätischen  Gebietes,  sondern  die  Affri- 
kata  kx;  s.  dazu  A.  Bachmann  im  Geograph.  Lexikon  der  Schweiz,  Bd.  V  61/2. 

Verfolgen  wir  die  Geschichte  der  einzelnen  Gemeinden  von  A, 
so  sehen  wir,  daß  die  engere  Verbindung  zu  einer  selbständigen 
politischen  Gemeinde  meistens  erst  eintrat  mit  dem  Bau  einer 
eigenen  Kirche,  worauf  die  Ablösung  von  der  nächsten  Kirch- 
gemeinde, zu  der  das  Gebiet  bisher  meist  auch  politisch  gehörte, 
und  die  feste  Abgrenzung  der  heutigen  Ausdehnung  erfolgte.  Die 
HL  der  beigegebenen  Karten  gibt  eine  Übersicht  über  die  Gliederung 
unseres  Gebietes  nach  der  kirchlichen  Zugehörigkeit  im  XIV.  Jahr- 
hundert  und   die   allmähliche  Ablösung   der  einzelnen  Gemeinden 

Vetsch,  Appenzeller  Mundarten.  13 


—     194     — 

bis  ins  XVIII.  Jahrhundert  (vgl.  die  beigefügte  Erklärung).  Diese 
Verhältnisse  stimmen  in  auffallender  Weise  überein  mit  der  Glie- 
derung der  heutigen  Mundart,  die  uns  die  synoptische  Karte  zeigt: 

Auf  dem  Gebiete  von  H  begreift  sich  leicht  das  Zusammen- 
gehen von  Her.,  Schwellbr.  und  Waldst.  (zu  Schön,  vgl.  §  3) 
und  ebenso  von  Hundw.  und  Stein,  dann  auf  dem  Gebiete  von  M, 
das  bis  tief  in  die  zweite  Hälfte  das  XV.  Jahrhunderts  ganz  nach 
St.  Laurenzen  in  ^^r^allen  pfarrgenössig  war,  die  Übereinstimmung 
von  Teuf.  Bühl.  Gais  einer-  und  Speich.  Trog,  anderseits.  Das 
ganze  Gebiet  von  K  gehörte  bis  tief  ins  XVII.  Jahrhundert  hin- 
ein kirchlich  nach  dem  Rheintal  hinunter;  die  Gemeinde  Lutz, 
ist  heute  noch  mit  Thal  vereinigt.  Politisch  hatte  sich  das  Gebiet 
im  Laufe  des  XV.  Jahrhunderts  nach  den  Appenzeller  Freiheits- 
kriegen allmählich  dem  Lande  Appenzell  angeschlossen.  Der  durch 
die  Lage  gegebene  Verkehr  mit  dem  Rheintal  blieb  jedoch  nach 
wie  vor  sehr  rege  und  ist  es  heute  noch. 

Besiedlungsgeschichtliche  Momente  zur  Erklärung  der  heutigen  Mundart- 
grenzen geltend  zu  machen,  geht  nicht  an.  Es  bleibt  aber  die  Möglichkeit, 
daß  sich  in  der  starken  Sprachgrenze  zwischen  K  und  dem  übrigen  Gebiete 
.  gestützt  durch  die  bis  heute  unveränderten  Verkehrsverhältnisse,  eine  alte  Gau- 
und  Stammesgrenze  erhalten  habe,  indem  das  Gebiet  von  K  im  IX.  Jahrhundert 
zum  Rheingau  gehörte,  der  Arbonerforst  dagegen,  der  sich  über  Vi,  M  und 
den  nördlichen  Teil  von  I  erstreckte,  zum  Thurgau.  Die  Zeit  der  Besiedlung 
unseres  Landes  durch  die  Alemannen  steht  nicht  fest.  H.  Wartmann  nimmt 
(Appenz.  Jahrb.  1890,  51  ff.)  an,  daß  zu  Beginn  des  VII.  Jahrhunderts  in  dem 
Gebiete  des  Arbonerforstes  am  Oberlaufe  der  Steinach,  der  Goldach  und  (Jer 
Sitter  sich  noch  keine  alemannischen  Niederlassungen  befanden,  wohl  aber 
hinter  der  Sitter  im  Gebiete  der  Glatt.  Aus  dieser  Gegend  sind  nämlich  schon 
in  der  ersten  Hälfte  des  IX.  Jahrhunderts  in  Schenkungsurkunden  an  das 
Kloster  St.  Gallen  mehrere  Orte  erwähnt;  das  Gebiet  gehörte  damals  zur 
Goßauer  Mark.  Im  Jahre  921  erscheint  Hundwil  urkundlich  als  Niederlassung, 
und  im  XL  Jahrhundert  hören  wir  von  der  oben  erwähnten  Kirchengründung 
in  Appenzell.  Erst  im  XIII.  Jahrhundert  treten  in  den  Einkünfterödeln  des 
Klosters  St.  Gallen  auch  die  Höfe  Trogen,  Urnäsch,  Teufen  und  Gais  auf. 
Im  XIV.  Jahrhundert  gehörte  das  ganze  Gebiet  von  H  I  M  zum  Kloster 
St.  Gallen, 

Zu  den  allgemeinern  Fragen  der  Sprachgeogi-aphie  läßt  sich  von  unserm 
beschränkten  Gebiete  aus  unter  den  vorliegenden  geschichtlichen  Verhältnissen 
nichts  Sicheres  bemerken;  es  wird  dies  erst  möglich  sein,  wenn  einmal  das 
ganze  umliegende  Gebiet  des  Kantons  St.  Gallen  in  die  Betrachtung  einbezogen 
werden  kann. 


Beigaben. 


I.  Die  Fremdwörter. 

Das  Folgende  will  keine  Abhandlung  über  den  Gegenstand  sein,  sondern 
lediglich  feststellen,  wie  die  Fremdwörter  mit  Bezug  auf  Akzent  und  Laut- 
körper in  der  Mundart  erscheinen.  Für  das  Allgemeine  verweise  ich  auf 
W.  Wackernagel  ,Die  ümdeutschung  fremder  Wörter'  (Kleinere  Schriften  III 
252  ff.),  L.  Tobler  ,Die  fremden  Wörter  in  der  deutschen  Sprache'  (Kleine 
Schriften  241  ff.)  und  R.  Brandstetter  ,ürei  Abhandlungen  über  das  Lehn- 
wort' (Luzern  1900). 

Nach  dem  Vorgang  von  L.  Tobler  (aaO.)  bezeichne  ich  als  ,Fremdwörter' 
nur  diejenigen  entlehnten  Wörter,  die  noch  als  fremd  empfunden  werden,  weil  sie 
erst  seit  kürzerer  Zeit  in  Gebrauch  gekommen  sind  und  darum  ihr  fremdes 
Gepräge  noch  mehr  oder  weniger  beibehalten  haben,  im  Gegensatz  zu  den  ,Lehn- 
wörtern',  die  schon  früh  in  die  Sprache  eingedrungen  sind  und  ihren  fremden 
Charakter  ganz  preisgegeben  haben,  so  daß  sie  durchaus  als  einheimisches  Gut 
gelten.  Letztere  sind  daher,  soweit  eine  Bemerkung  nötig  war,  bereits  oben  mit 
dem  germanischen  Sprachgut  zusammen  behandelt  worden.  (Vereinzelt  wurde 
auch  etwa  ein  Fremdwort  schon  oben  als  Beleg  für  eine  Erscheinung  angeführt.) 
Daß  eine  scharfe  Grenze  zwischen  Lehn-  und  Fremdwörtern  nicht  zu  ziehen 
ist,  darauf  hat  auch  schon  L.  Tobler  hingewiesen. 

Wörter,  welche  nur  bei  gesucht  fremd  sprechenden  Personen  oder  Familien 
im  Gebrauch  sind  und  die  fremdsprachliche  Form  genau  beibehalten  haben, 
sind  im  Folgenden  nicht  berücksichtigt;  ebensowenig  ganz  individuelle,  nur 
auf  LTnkenntnis  des  richtigen  Lautbildes  beruhende  Entstellungen,  wie  zB. 
kxamalitä't  für  Kalamität,  icamph  für  Lampe,  resoär  für  Reservoir.  Das  Fol- 
gende gibt  also  ein  Bild  von  dem  Fremdwörterbestand  einer  Mundart. 

Mit  der  beigesetzten  Ursprungsform  soll  nicht  immer  gesagt  sein,  daß 
die  Mundart  das  Wort  direkt  dorther  bezogen  hat. 

Der  Akzeut. 

§  180.  In  den  meisten  Fällen  liegt  der  Hauptton  nicht 
auf  der  ersten  Silbe. 

Ich  führe  die  Beispiele  in  alphabetischer  Reihenfolge  an  (jp  unter  b)  und 
versehe  sie  fortlaufend  mit  Zahlen,  um  in  den  folgenden  Paragraphen  statt 
einer  Wiederholung  der  Definition  nur  die  betreffende  Zahl  setzen  zu  können. 


—     196     — 

^  adrcssj  f.,  in  I  ätressd  u.  Adresse:  frz.  adresse,  —  ^  af(f)d- 
rdxtiss  m.  Tadel,  Verweis:  frz.  affront,  gekreuzt  mit  hxaffdldntiss^^. 
« —  ^  aldiuij  f.  Altan :  ital.  altana.  —  *  aU  f.  Allee :  frz.  allee.  — 
^ altärm.  Altar:  lat.  altäre.  —  ^ appärti(g)  sehr,  ausnehmend  (schön, 
usw.):  lat.  a  parte  (vgl.  Id.  I  361).  —  ''"  app9ttek  f.  Apotheke.  — 
'*'  äppetse  n.  Alphabet.  —  ^  assil  Asil,  Krankenhaus.  —  ^  hadmsxtli 
n.  Gartenprimel  (s.  T.  33  a):  lat.  betonica  (vgl.  Id.  IV  1805/6).  — 
^°  badigjJi  n.  kleines  Fäßchen  (s.  Id.  IV  1017):  zu  ital.  bottiglia.  — 
^'  hagäsi  n.  Gepäck,  Plunder  (vgl.  T.  34a;  Id.  IV  1052):  frz.  ba- 
gage.  —  *^  bantoffd  m.  Pantoffel  (vgl.  Kluge  290).  —  '^  bapptr  n. 
Papier.  —  ^^ parädi  Schaustellung  (vgl.  Id.  IV  1436):  frz.  parade. 

—  ^'^ parjdis  Paradies.  —  ^^ parokl^  f.  Perücke:  frz.  perruque  (vgl. 
Id.  IV  1446).  —  ^"^ partil,  pertu,  perda  durchaus  (vgl.  Id.  IV  1626): 
frz.  par  tout.  —  ^^  hasdlist  m.  Ungeheuer  (vgl.  T.  37  b):  Basilisk.  — 
^^  häsilgd  f.  Basilienkraut  (vgl.  Id.  IV  1663).  —  ^"  hinäts  m.  Spinat: 
dial.  franz.  epinache,  ital.  spinaci  (vgl.  Id.  IV  1308).  —  ^^  histÖld  f. 
Pistole.  —  ^^  holitsist  m.  Polizist.  —  ^^  homadd  f.  Pomade:  frz.  pom- 
made.  —  ^^  homdräntso  f.  Pomeranze:  ital.  pomarancia,  mlat.  pomar- 
ancia.  —  '^'^ pompdlnsDr  m.  Spottname,  ponipdlusiss  seltsam,  kauder- 
welsch (T.  68):  rätorom.  ponn  palüs  oder  paun  palüs  (vgl.  Id.  IV 
1262/3).  —  '^^ po(r)fo§(t),  auch  fofost,  in  I  pdfost  mit  Gewalt, 
durchaus:  frz.  par  force.   —  -"^  hotisda  Porzellan:  ital.  porcellana. 

—  ^^ pjttdnoMor  m.  Rosenkranz:  lat.  paternoster.  —  ^^  hrisilld  Bra- 
sihenholz  zum  Eierfärben:  mlat.  brisillum  (vgl.  Id.  V  798/9).  — 
^^  brodikxöl  n.  Protokoll:  frz.  protocole.  —  ^^ prokxdrättdr  m.  Ad- 
vokat (T.  78  b):  lat.  procurator.  —  ^^  brots/ss  Prozeß:  lat.  Pro- 
cessus. —  ^^  xappilläri  f.  Frauenhaarzuckersaft:  frz.  capillaire  (vgl. 
Id.  III  399).  —  ■'*  eksähxt  exakt.  ^—  ^^  eksäm(m)d  n.  Examen.  — 
^^  el'sl'iiSL  excusez!  —  ^"^  elifänt  m.  Elefant.  —  ^^familii.  Familie. 

—  ^^  fabrikx  {.  Fabrik.  —  ^'^  famos  famos.  —  ^^fattal  fatal.  — 
*^  fidel  lustig:  lat.  fidelis.  —  ^-^  fideli  PI.  Fadennudeln:  dial.  ital.  fidelli. 

—  *^  fisJcdriss  in  I  in  der  Redensart :  t  saxx  isp  (oder  das  ist  idts) 
/".,  die  Sache  ist  nicht  so  herausgekommen,  wie  man  gemeint  hat, 
sie  ist  verloren:  wohl  aus  fiskalisch  (dem  Fiskus  verfallen?)  — 
^^foflibdrm.  Fünffrankenstück:  zu  frz.  Hvre.  —  ^^frantsös  Franzose, 
frantsosisS  französisch.  —  *'^  galänddr  m.  Walze  zum  Appretieren 
des  Tuches,  Vb.  galändorj  (nach  T.  211  a  in  H):  frz.  calau^re, 
calandrer.  —  *^ gaUp  m.  Galopp:  frz.  galop.  —  *^ grandios,  auch 


—     197     — 

-los  großartig:  frz.  grandiose.  —  ^^ granium  (auch  kurz  -a-)  Ge- 
ranium:  lat.  geranium.  —  ^' grimässj  f.,  meist  PL,  Grimasse:  frz. 
grimace.  —  ^'' kragol  n.  Krakel,  Lärm,  kragoh  lärmen  (seltenei* 
gr-),  aus  dem  Niederländ.  —  ^^  krampöl  n.  Gepolter,  Lärm, 
krani2)dh  poltern:  frz.  carambole  (vgl.  Id.  II  739).  —  '^^  Jiistöri  selt- 
samer Vorfall  (T.  268a):  lat.  historia.  —  ^^  idc  f.  Idee:  frz.  idee.  — 
^^hxahüt  Adj.  zerschlagen,  verdorben:  frz.  capot  (vgl.  Id.  III  402). 
—  ^'^kxabütm.  Soldatenmantel:  frz.  capot.  —  ^^ /i'a;a&H^Sc>  f.  Winter- 
kopfbedeckung für  Mädchen,  nach  T.  91  a  kxappotsU  nur  bis  zur 
Herzgrube  reichendes  Weiberhemd:  ital.  capuccio.  —  ^^kxappdtstnnsr 
Kapuziner.  —  ^"  kxaffjJäntiss  m.  =  affdräntiss  ^ :  Ptc.  von  lat.  cavil- 
lari  (vgl.  Id.  III  158).  —  ^^  kxalmddrm.  Kalender:  lat.  calendarium 
(vgl.  Kluge  190).  —  ^-  kxalfäkxfdr  m.  verschmitzter  Schmeichler 
(vgl.  T.  93  b) :  lat.  calefactor.  Dazu  kxalfdkxtjrd,  kxalfdkxld 
schmeicheln.  —  ^^  kxamSl  iw  Kamel:  lat.  camelus.  —  ^^kxa(r)milh 
neben  gramilld  Kamillenblüten :  mlat.  camomilla.  —  ^^  kxanond 
Kanone.  —  ^^^  kxappiftol  Kapitel,  kxappHJa  mit  Dat.  F.  tadeln.  — 
^^^  kxappittäl  Kapital.  —  ^'  kxanärifogdl,  auch  kxardinalfogdl  Ka- 
narienvogel. —  ^^  kxarfYwkxd  m.  Geschwür:  lat.  carbunculus  (vgl. 
Kluge  196).  —  ®*  kxattöliss  katholisch,  kxattolikx  Katholik.'  — 
''^kxomedi  f.  Aufsehen  erregender  Lärm,  Auftritt:  lat.  comoedia  (vgl. 
Id.  III  291/2).  —  '^^  kxomfekxt  IS^onieki.  —  '^'- kxmnöd  he({Vi&m\  frz. 
commode.  —  "'^  kxümmh  i.^ovLVCL\odie:  frz.  commode. —  '^^kxurios 
sonderbar:  lat.  curiosus.  —  ^^latternd  Laterne:  lat.  laterna.  — 
"^^latwän  f.  Latwerge:  spätlat.  electuarium  (vgl.  Kluge  238).  — 
'^'^  leher  Scherzreim  auf  die  Frage  wer?:  frz.  Je  pere.  —  "^^lefiüj,  in 
emm  tl.  lesa  eine  Strafpredigt  halten:  Leviten  (vgl.  Id.  1111150).  — 
"^ ^  lokxdmottif  L  Lokomoti\e.  ■ —  ^*^  ma<:?rd/s9  f.  Matratze :  mlat.  ma- 
tracium.  —  ^'  makxrond  PL  Nudeln:  ital.  maccheroni.  —  ^-  maläss, 
malässar  unwohl,  schwach  (T.  310b):  wohl  frz.  malaise  (vgl.  Id. 
IV  166).  —  ^^  fdnnahdlH  (zB.  so,  gross)  sehr:  Ptc.  von  mhd. 
maledien  maledicere.  —  ^*  mahfits  begrififsverstärkend,  zB.  dm  m. 
kxärlt,  m.  so:  lat.  maleficium  (vgl.  Id.  IV 167).  —  ^'°  wand utn.  Mandat 
(T.  310/1):  lat.  mandatum.  —  ^"^  ?H«ros  eigensinnig  (T.  312  a):  lat. 
morosus?  —  ^'^  marttnt  Martinstag  (als  Termin):  lat.  Martini.  — 
^^  masstnd  f.  Maschine:  frz.  machine.  —  ^^  matten  f.  Eiter  (vgl. 
Id.  IV  552/3):  lat.  materia.  —  ^^  mexxanikx  Mechanik,  mexxänikxdv 
Mechaniker.  —  ^^  milittär  n.  Militär:  frz.  militaire.  —  ^^  moUst  f. 


—     198     — 

Beschwerde:  ital.  molestia.  —  ^^  ordlnan  n.  das  Gewöhnliche  (vgl. 
Id.  1442):  frz.  ordinaire.  —  ^^  rahdrhjr(d)  Rhabarber:  ital.  rabar- 
baro  (vgl.  Kluge  317).  —  ^^  rabät  Rabatt:  ital.  rabbatto.  — ^  ''^  rattt  f. 
schwarzer  Wollstoff :  frz.  ratine.  —  ^'^  reg(9)rütKQkr\xi:  ital.  recruta. 

—  ^^  regilattor  m.  Regulator(uhr) :  frz.  regulateur.  —  ^"  registdr  Ver- 
zeichnis, registdra  zanken  (von  Kindern).  —  '""  rösamari  (-cij) 
Rosmarin:  mlat.  rosmarinus  (vgl.  Id.  VI  1444/5).  —  ^°^  rosin(d)h  n, 
Rosine:  frz.  raisin  (vgl.  Id.  VI  1443).  —  ^"^  rosöh  n.  ein  Likör  (vgl. 
Id.  VI  1445/6):  ital.  rosolio.  —  ^'^^  rumor d  rumoren,  lärmen,  dazu 
rammors  mürrisch  (T.  358  b)  <C  ,rumorisch'  (vgl.  Id.  VI  929/30.  — 
^^^  silftstar  m.  Silvestertag.  —  ^^^  spaniol  m.  Spanier:  frz.  Espagnol, 
ital.  Spagnuolo.  —  ^^^  spettäkxal  m.  Spektakel.  —  ^^"^^spiöfn)  Spion, 
spiond  spionieren.  —  ^°^''  spiftol  Spital.  —  ^^^  stadiiUd  Statuten.  — 
^^^ strabätsd  PI.  Strapazen:  it.  strapazzo.  —  ^^'^suppcrt  neben  süpperh 
prächtig  (T.  4.27b):  frz.  süperbe.  --  ^^^  taf(f)crd  f.  Wirtshausschild: 
frz.  taverne.  —  ^^^  thcättjr  n.  Theater.  —  ^ ^^  tiskxänt  Diska,nt.  — 
^^^tom(nOol,  tomor  n.  Tumult,  Lärm  (T.  145b):  frz.  tumulte?  (vgl.  ^*^). 

—  ^^^  tD(r)nistdr  m.  (Schul-)Tornister.  —  ^^^  (apJtresäJckd  kuranzen: 
ital.  giocare  i  tre  sciacchi  (vgl.  Grimm  Wß.  II 1420).  —  ^^'^  tribimcd 
n.  richterliche  Behörde  (T.  152  b),  heute  m.  ,lärmendes  Treiben': 
frz.  tribunal.  —  ^^^tiimm'  m.  Aufwallung,  Entrüstung:  lat.  tumor. 

—  ^^^  iventüssd  f.  Schröpfkopf:  frz.  ventouse. 

*         Folgende  Ausgänge  tragen  immer  den  Hauptton: 

-ähdl  in  ^^^  nüsarähd  miserabel.  —  ^^^ passähal  passabel.  — 
^^^  rcntcihd  rentabel. 

-ant,  -and  in  ^'^^  fabrikxant  Fabrikant.  —  ^~^  ßgalant  lebhaft, 
gewandt:  lat.  vigilans, -tis.  —  ^^^  Int ressant  interessant.  —  ^^^kxjm- 
/s»»m«f?  Konfirmand.  —  ^-^  kxomidcott  Komma,ndant.  —  ^-^  miisi- 
kxant  Musikant.  —  ^^^ prcppdrandFräparand.  —  ^^^ pressant  pressant. 

-cnt  in  ^^*  hadcnt  n.  Patent.  —  ■'^^  president  Präsident.  — 
^^^  Student  Student.  —  ^^*  retsent  frisch,  pikant  (im  Geschmack): 
lat.  recens,  -tis  (vgl.  Id.  VI  1921/2). 

-incnt  in  ^^^  faliment  n.  Bankerott.  —  ^^^  fonddment  n.  Fun- 
dament. —  ^^^ /c^r^m^Zimen^  n.  Kompliment.  —  ^^^  justdnient  Adv., 
gerade,  richtig:  frz.  justement.  —  ^^^Uhsramcnt  Adv.  ganz  und  gar, 
durchaus:  frz.  librement.  —  ^^^losamcnt  Belustigung,  Gelage  (T. 
306  b) :   frz.  logement   (vgl.  Id.  III  1449/50   und   Grimm   Wb.  VI 


—     199     — 

1175),  —  ^^^  sakxdrdment  Sakrament  (als  Fluch).  —  ^^^  testdment 
Testament. 

-ät  (bezw.  -öt),  -äd  in  ^*^  appdrät  Apparat.  —  ^**  apfokxät  (auch 
afß-)  Advokat.  —  ^^^ paräd  bereit:  lat.  paratus.  —  ^^^ prifät  privat. 

—  '^"^  rabiat  rabiat.  —  ^^^  salöt  (-öd)  Salat  (vgl.  Kluge  326).  — 
^^^  Soldat  Soldat.  —  ^^^  spinät  Spinat  (jünger  für  hinäts^^).  —  in 
der  verbalen  Ableitung  -ättd  in  ^^^ prälättd  mit  den  Entstellungen 
prälakhd,  prelihxd,  pr6d(e)lckxd  viele  Worte  machen,  prahlerisch 
reden:  zu  , Prälat'. 

-ats  (<C  lat.  -atio)  in  ^^-feksats  m.  Spaß,  Scherz:  lat. 'vexatio.  — 
^^'^ purgats  f.  (neben  piirghng)  Abführmittel. 

-eil,  -elld  (in  M2  -ell(d))  in  ^^^  haMdttell  m.  Kleinigkeit:  frz. 
bagatelle.  —  ^^^ flanell  m.  Flanell:  frz.  flanelle.  —  ^""^hottell  n. 
Hotel.  —  ^^'^  biidelh  f.  Flasche:  frz.  bouteille.  —  ^^^  rondelb  f.  von 
Bäumen  umgebener,  runder  Platz  (vgl.  Id.  VI  1043  ff.);  frz.  rondelle. 

—  ^^^  stahelld  f.  Stuhl  mit  Lehne:  lat.  scabella.  —  ^'^^  tromelld  f. 
Trichter  in  einer  Mühle,   zu  lat.  tremodium  (vgl.  ital.  tramoggia). 

-et  in  ^^^  heijdnet  (in  I,  sonst  -et  oder  -et)  n.  Bajonett.  — 
^^^hageppodd  Parkettboden:  frz.  parquet.  —  ^^^pJiakxet  n.  Paket: 
frz.  paquet.  —  ^^^ prifet  n.  Abort:  afrz.  prive(i)t  (vgl.  Id.  V  433/4). 

—  ^^^  dreijet  f.  , gewürzhafte  Tragee'  (T.  151  a) :  aus  einem  grch. 
xpaYVjta  (statt  Tpayrjp.aTa) ?  —  ^^^ fatsdnetli  Nastuch:  ital.  fazzo-^ 
letto  (vgl.  Id.  I  1144  ff.)  —  ^^"^  sekxret  n.  Abtritt:  lat.  secretum.  — 
^^^tabetn.,  in  der  Redensart  offst.brlüüd,  vrie  nhd.  (vgl.  Kluge 
389).  — •  in  der  verbalen  Ableitung  ^^^  apTiXonidfetta,  in  I  äpkxjuta- 
feijd  abmalen,  abzeichnen:  zu  frz.  contrefeit  (vgl.  Id.  III  375/6). 

-ettd  in  ^'^^bastettd  Pastete.  —  '^'^^  boletio  f.  schriftHche  An- 
vreisung,  Schein  (nach, T.  67  a):  mlat.  bolleta,  ital.  bolletta  (vgl. 
Id.  IV  1182).  —  ^'"^  ragetti)  f.  Rakete:  ital.  racchetta.  —  ^'^  tabettd  f. 
Tapete:  mlat.  tapeta. 

-i  (bezw.  außerhalb  H  -eij)  in  ^'**  bolitsl  {-eij)  Polizei.  — 
^^*''  fottsgrafl  Photographie.  —  ^'^  kxompdm  (in  I  auch  -eij)  Kom- 
pagnie. —  ^'^^  kxopisribdr  (in  M  -ei-)  Gemeindeschreiber  (T.  113a). 

—  ^"  kxantsU  {-eij)  Kanzlei.  —  ^'^  htton  Lotterie.  —  ^"^^  menassdrl 
Menagerie.  —  ^^'^ parti:  Partie  und  Partei  (nur  in  letzter  Bedeutung 
außerhalb  H  -eij).  —  ^^^  spetsdrUada  {-ei-)  Spezereiladen.  —  Auch 
an  deutsche  Stämme  angefügt,  zB.  ^^^  spinnort  {-eij)  Spinnerei.  — 


—     200     — 

^^"^weharl  (-eij)  Weberei.  —  ^^^  k§ert  (-eij)  n.  viel  Wesens,  Auf- 
hebens. 

-U  (neben  -if)  in  ^^^  apjidttU  m.  Appetit.  —  ^^^  profit  m.  Profit. 
—  ^^'  hxreäit  Kredit. 

-5  (bezw.  -ö  H I  Ml)  in  ^^^  faso  Art,  Form :  frz.  fa9on.  — 
^^'■^  Iwanto  Kanton:  frz.  canton.  —  ^^'hnas9r5  m.  Majoran:  rätorom. 
masaron  (vgl.  Id.  IV  446).  —  ^^'^ pherso  f.  Person.  —  ^^"^  priso  f. 
Gefängnis:  frz.  piison. 

-iö  (bezw.  -iö)  in  ^^^ aprentsio  f.  Abneigung  (nach  T.  IIb  selten 
in  IM):  lat.  apprehensio,  frz.  apprehension.  In  I  SLUch.  appdrents  m., 
zB.  i  han  snn  a.  doß(r)!,  ferner  als  Adj.:  dnn  apporentsd  mä  ein 
unangenehmer  SonderUng.  —  ^^*  kxam(m)issio  f.  Kommission.  — 
^^^  miliö  f.  Million.  —  ^^^ portsiö  f.  Portion.  —  ^^"^  hxivestions  PL 
Schwierigkeiten,  Beschwerden  (vgl.  Id.  V  1312).  —  ^^^  rehgiö  f. 
Religion. 

-nr  in  ^^^  frisür  f.  Frisur.  —  -^^  garnittür  Besatz,  zB.  an  einem 
Rocke.  —  ^"^^  mondür  Montur,  Uniform.  —  -°^  nattnr  Natur,  hiattürt 
von  Natur  begabt  (T.  228  a).  —  ^°^ iJ?6;5Si*r  Verwundung. 

-hr  in  ^^^  halior  m.  Vorarbeiter  (vgl.  Id.  IV  1155):  frz.  parher. 

—  ^^^ plessidr  f.  Vergnügen:  frz.  plaisir.  —  -^^  fisidr  n.  Visier:  ital. 
visiere,  frz.  visiere.  —  ^°^  Jiassidr  m.  Polizist:  ital.  arciero,  frz.  archer 
(vgl.  Id.  I  470).  —  -^^Tixlafidr  Klavier:  frz.  clavier.  —  ^^^  manidr  f. 
Manier:  frz.  maniere.  —  ^^^  offifshr  m.  Offizier:  frz.  officier.  — 
2^*  kxwaffidr  n.  Quartier:  frz.  quartier.  —  ^^^refisru.  Revier,  Gegend: 
frz.  riviere.   —  ^^^  sa(r)nidr  n.  Scharnier:  frz.  charniere. 

-iard  in  ^^^  aprdtidrd  (Stoffe)  walken.  —  -^^  eksistidrd  existieren. 

—  ^^^  eksitsidvd  exerzieren.  —  ^^'^  es/j^/^-s/^ra  explizieren.  —  ^^^  esti- 
m'idrd  estimieren.  —  '^^^  fahr/tshro  fabrizieren.  —  -"^^  (onimd)fagidrd 
herumvagieren.  —  '^-^  faliQrcf  fallieren.  —  ^^'^  fdrekskusidra  ent- 
schuldigen. —  -^^ /'.jr/a&oW^ra  verschwenden,  vergeuden. —  ^-*  fdr- 
tusäbrd  verlästern,  verleumden.  —  ^^^  flattidrj  flattieren.  —  ^^^fottd- 
grafi^rd  photographieren.  —  ^^^  frisidra  frisieren.  —  ^^^  gahpphrd 
galoppieren.  —  '-^^  garnidra  garnieren.  —  ^^^hantidrd  hantieren.  — 
^^^  Jcxarisidrd  karessieren.  —  ^^^  hxomfdnidrd  konvenieren,  passen.  — 
^^^hxomidiord  kommandieren.  —  ^'^^Tixuriars  kurieren.  —  ^^^lahxidvd 
lackieren.  —  ^^^  Jaksidrd  laxieren.  —  ^^'^  lanuntidrs  lamentieren.  — 
^^^  Zaw&wra»  plombieren  (s.  T.  304  b).  —  '^^^  losdmentidr9  sichs  wohl 


—     201     — 

sein  lassen  (T.  306  b).  —  ^*°  waw^isra  >mangeln  (zu  frz.  manquer; 
vgl.  Id.  IV  330).  —  ^*^  ma(r)ssidrd  marschieren.  —  ^^^''  mattdridrd 
eitern.  —  '^^^^' monährd  montieren  (eine  Maschine).  —  ^^'^  jjaridrd 
gehorchen,  sich  fügen;  aushalten  (vgl.  Id.  IV  1444).  —  ^^* pJanidra 
planen.  —  ^^^ polidrd  polieren,  glätten.  —  ^^^ preppdridrd  präpa- 
rieren. —  ^^"^ presshrd  pressieren.  —  -*^ presthrd  aushalten  (vgl. 
Id.  V  835).  —  ^^^^ro&/c?;-a  probieren.  —  -^'^  profittiard  profitieren.  — 
^^^  protsessidvd  prozessieren.  —  ^'^^ purgidrd  abführen.  —  "-^^  (tsemmd-) 
ramisidrd  zusammenrafi'en  (vgl.  Id.  VI  895  6).  —  ^^^  ransi^rj  meistern. 

—  ^^^  rasiarj  rasieren.  —  ^^'°  regidra  regieren.  —  ^^^  reglidrd  regu- 
lieren (zB.  eine  Uhr).  —  -'"^  rendiard  rentieren.  —  ^^^  reppittidrd 
repetieren.  —  -*'°  resaniara  räsonnieren.  —  ^^^  riskiara  riskieren.  — 
^^'^  ruiniara,  auch  fanmiara  ruinieren.  —  ^^'^  seniara  genieren.  — 
^^*  silikanhrd  schikanieren.  —  ^^^  spatsiara  spazieren.  —  ^^^  spekxa- 
liara  spekulieren.  —  ^^'  (üs)staffiara  ausstaffieren.  —  -^^  straha- 
tsiara,  außerhalb  I  auch  strablitsiara  Strapazen  durchmachen.  — 
^^^''sfndiara  studieren.  —  ^**^'' föti?#sw>-9  tapezieren.  —  ^''^  tiskariara 
plaudern,  diskutieren  über  etwas:  frz.  discourir.  —  ^'^^  toniara 
schimpfen  und  fluchen:  frz.  tonner.  —  ^^'^  traJcxtiara  traktieren.  — 
^^^  ^re55/c»*a  dressieren.  —  ^"^^  tr'thuliara  lästig  drängen,  nötigen:  lat. 
tribulare,  frz.  tribouler.  —  -"^'^ tromphrd  sich  täuschen.  —  -"^^tsentiard 
zanken,  (mit  Worten)  streiten:  lat.  certare.  —  ^^^  tsittiara  zitieren. 

—  An  deutsche  Stämme  angefügt  in  ^'^  husiara  hausieren.  — 
^^^  hasaliara  schimpfen  (vgl.  Id.  II  1674).  —  ^^^  giiMidiara  Versteck 
spielen  (T.  246  b).  —  Nur  im  Ptc.  kommen  vor  ^^^  JcxompUtsiart.  — 
^^'H'Hras(s)ia)i.  —  '^^^ padentiart  patentiert.  —  ^^^  refd(r)miart  re- 
formiert (im  kirchlichen  Sinne).  —  Nur  als  Adj.  ^^'^  affrantiariig 
schimpflich  (vgl.  -). 

Wie  in  der  Schriftsprache  werden  betont  ^^®  okxtobar,  -^'^  sep- 
temhar,  ^"^  nofembar,  ^^^  detsenibar. 

In  balan  m.  , Einfaltspinsel*  (vgl.  Id.  lY  1145),  standä'ri  (in  der  Redensart 
st.  hältd  (T.  406  b)  , Stand  halten',  und  latson  (nach  T.  295  a  in  H  auch  lalsorc  m.) 
,Tagedieb'  liegen  wohl  deutsche  Stämme  mit  fremdklingender  und  darum  be- 
tonter Ableitungssilbe  vor.  In  galö'n  m.  , Dummkopf  ist  der  zweite  Teil  wohl 
-(5r<  (vgl.  Id.  III  1375.  1417);  sicher  ist  lamasi  (seltener  läm(m)äsi)  ,langsamer 
Kerl'  eine  Zusammensetzung  von  läm  ,lahm'  und  ärs  podex  (s.  Id.  I  467). 


«  -     202     - 

§  181.  Seltener  gilt  die  deutsche  Betonung  mit  dem  Akzent 
auf  der  ersten  Silbe.     Die  Beispiele  sind: 

'^^^  dg  raff j  f.  Agraffe:  frz.  agraffe.  —  ^^^  älbord  f.  Weißpappel: 
ital.  albero,  lat.  alberus.  —  ^^^  ämmdUmel  Stärkemehl  (T.  24  a):  lat. 
amylum.  —  ^^^  äppah  ein  gewisses  Kartenspiel  machen,  äppdli  m. 
eine  bestimmte  Kartenkombination  in  diesem  Spiel  (s.  T.  9  a):  viel- 
leicht frz.  appeller,  appell.  —  ^^*  äppdlomss  verschmitzt  (vgl.  Id.  I 
362).  —  ^^^baltö  m.  Paletot.  —  ^^^bännor  f.  Banner:  frz.  banniere.  — 
^^"^  pdndnr  Name  eines  Kartenspiels  (vgl.  Id.  IV  1341).  —  ^^^  päntU 
m.  dicker  Kerl  (s.  T.  34  b):  Pantaleon  (vgl.  Id.  IV  1397/8).  — 
^^^bän(t)sdr  m.  weiße  Jacke  von  Wollstoff:  ital.  panciera.  —  ^^^pdrh 
scherzh.  für  , reden':  frz.  j)arler.  —  ^^^pdstdr  m.  Bastard  (von  Tieren). 

—  3o2  Jjfyla^jijg  ein  gewisses  Kartenspiel  machen :  afrz.  berlenc,  brelenc 
(vgl.  Id.  IV  1592).  —  ^^^pcsh  m.  Bestie,  von  Menschen  (s.  Id.  IV 
1792/3).-  lat.  bestia.  —  ^^^  bätddiV eiersiMe:  lat.  petroselinum.  — 
^^^buffdrtm.  Büffet  (s;  T.  65):  frz.  buffet.  —  ^'"' bombö  Bonbon: 
frz.  bonbon.  —  ^'^'' böttind  Bottine:  frz.  bottine.  —  ^^^brddi(g)  Ka- 
lender: mlat.  practica,  frz.  pratique  (vgl.  Id.  V  570/3).  —  ^°^  büdikx 
Werkstatt:  frz.  boutique.  —  ^^^  bdl^M  w.  Bouquet.  —  '^^^büro  n. 
Bureau.  —  ^^-  d{xxd(r)t  Dechant  (s.  T.  132  b).  —  ^^'  dreijavvdl  drei- 
eckiger Riß :   lat.  triangulum   (vgl.  Id.  I  329).  —  ^^*  ekstdrd  extra. 

—  ^^^etti(g)  m.  krankhafte  Eßlust  (s.  T.  162a;  Id.  I  599 ff.):  lat. 
hectica.  —  ^^^fiöli,  fiCgph  Veilchen:  lat.  viola.  —  ^^'^  füsi  n.  Gewehr 
(T.  208  b):  frz.  fusil.  —  ^^^  gemnidli  (I),  gemmdrU  in  Stein,  ,kleine 
Alphütte'  (vgl.  T  218  a):  zu  rätorom.  camonna  (vgl.  Id.  II  299).  — 
^^^ ghidre,  in  der  Verbindung  dör  s  g.  im  Durchschnitt:  lat.  genere 
(vgl.  Id.  II  327).  —  ^^°  gölbr  n.  Hemdkragen :  frz.  coUier.  —  ^^^  gitk- 
Icummdrd  f.  Gurke:  ital.  cocomero.  —  ^^^^ gnmpis  Eingemachtes 
(s.  T.  246  b;  Id.  II  317/8):  lat.  compositum,  ital.  composto.  — 
^""  giisind  f.  Base:  frz.  cousine.  —  ^^^  gimer  n.  Briefumschlag:  frz. 
couvert,  —  ^'^^  hdliwk  m.  Halunke:  böhmisch  holomek  (vgl.  Kluge 
160).  —  ^-^jokxobe  Pflanzenname  (s.  T.  286  a):  lat.  jacobaea  (vgl. 
Id.  III 33).  —  ^^^lixdfi  n.  und  m.  Kaffee.  —  ^^'^  lixanappe  n.  Kanapee: 
fi'z.canape.  —  ^'^^llMorlAkör.  —  ^^^  I6mmdr9,  in  I  auch  nur  hmmi. 
Messerklinge:  frz.  lamelle,  lame  (vgl.  Id.  III  1266).  —  ^-^^luttd- 
nand  m.  Lieutenant.  —  ^^^  mdrj  f.  die  größere  eßbare  Kastanie  (vgl. 

Id.  IV  353) :  zu  ital.  marrone.  —  ^^^  mdriäsd  ein  gewisses  Karten- 
spiel machen  (s.  T.  312a):  zu  frz.  mariage.  —  ^^'^  mässdr  m.  Milch- 


—     203     — 

keller:  rätorom.  masser  (vgl.  Id.  IV  446).  —  ^^^  mäsksrj  f.  Maske: 
ital.  maschera  (vgl.  Id.  IV  508).  —  ^^^  mössi,  mössiö  verächtlich, 
bequemer  Herr:  frz.  monsieur.  —  ^'^^ möskdtnoss  Muskatnuß.  — 
^^"^  miisiCg)  Musik.  —  ^^^ninsslt  Mousseline.  —  ^^^nöttdheni  wohlver- 
standen (vgl.  Id.  IV  366):  lat.  notabene.  —  ^^^nihnmdrd  f.  Nummer. 

—  341  yQ^f)ig^  ein  gewisses  Kartenspiel  machen,  rams  Spielausdruck 
(s.  Id.  IV  954):  frz.  ramasser,  ramas.  —  ^^^  remisd  n.  Remise.  — 
^^^  rettür  retour.  —  ^^^  ridiMill  m.  Arbeitsbeutel:  frz.  reticule,  ridi- 
cule  (vgl.  Id.  VI  589).  —  ^^^  rnlo  Rouleau.  —  ^^^  sdh9(r)t  m.  Kinder- 
rock: zu  frz.  chaperon  (vgl.  Grimm,  Wb.  VIII  2170).  —  ^^"^  säffdrdt 
Safran.  —  ^^^  sämnidt  Samt  (vgl.  Kluge  327).  —  ^*^  sämixhus 
St.  Nikiaus  (vgl.  Id.  in  687  ff.).  —  ^^^  säntim  m.  Rappen:  frz. 
Centime.  —  ^^'  sdntimettdt\  Centimeter.  —  ^'°^  sdppjl  Brautkranz 
(s,  T.  382  a):  afrz.  chapel.  —  ^^^  schx(d)rittär  m.  Kasten  mit  Schreib- 
tisch: frz.  secretaire.  —  ^^*  sirup  Sirup.  —  ^^^^  sökhdlädd  f.  Schoko- 
lade. —  ^^^^  tälhr  Teller  (vgl.  Kluge  392).  —  ^^^  tämhür  m.  Tam- 
bour. —  ^^^  tdkxtdr  m.  Doktor,  —  ^^^  treijoks  ,Triaks',  Theriak- 
latwerge  (T.  151a).  —  '^^^trottoär  n.  Trottoir.  —  '"^^^  tsdlldpßdbor 
Scharlach(iieber):  mlat.  scarlatum.  —  ^^^  tselhrs  f.  Sellerie:  frz. 
celerie,  ital.  selleri.  —  -^"^  tsigärd  Zigarre.  —  ^^^  tsilenddr  Zylinder. 

—  ^^^  tülippänd  Tulipane.    —    ^^^  tussür  immer:  frz.  toujours. 

Ferner  alle  Beispiele  auf -e^^a :  ^''^  ämalettd  f.  Eierkuchen:  frz. 
Omelette.  —  ^^'^  kx6(r)nett9  f.  Weiberhaube  (vgl.  T.  115  b):  frz. 
cornette.  —  ^*^^  rösettd  f.  Rosette.  —  ^^^  strwiett3  f.  Serviette.  — 
^""^smisettd  f.  Krause  am  Hemde.  —  ^'^  tösettd,  in  K  ttisettd  f.  Weiber- 
haube (s.  T.  148):  lomb.  tosetta,  tosa  ,Mädchen'? 

§  182.  In  manchen  Fällen  schwankt  die  Betonung  oder 
stehen  zwei  auf  verschiedene  Betonung  zurückgehende  Foraien 
nebeneinander : 

^'^  ädid  (in  der  Kindersprache  ädd)  neben  (mehr  scherzhaftem) 
adis  adieu:  frz.  ä  dieu.  —  ^'^^  dldfants  m.  mutwilliger,  auch  wunder- 
licher, hinterlistiger  Kerl,  dhfäntsig  Adj.,  neben  fants,  fänfsig 
(vgl.  §  186):  ital.  all'  avanzo  (vgl.  Id.  I  171/2.  877).  —  ^''^  äm(9r)U 
Sauerkirsche  (s.  T.  24  a)  neben  anidrüld,  marilh  Art  kleiner  Apri- 
kosen: frz.  amarelle,  -ille  (vgl.  Id.  I  214/5).  —  ^"^^  ahrill  m.  April, 
nur  in  I  abröll.  —  ^'^^  dproppö  ä  propos,  auch  m.  ein  Häklein  (zB. 
s  ist  halt  dnn  a.  ddhenddr),  daneben  mit  Entstellung  appolippö.  — 


—     204     — 

^"  äpsdlüt  absolut,  durchaus,  neben  aps.i^Jtd.  —  ^^^  dssür  ä  jour, 
neben  assih-  (zB.  dö  war  l  nnd  a.).  —  ^'^^ pärU  m.  Barometer  (selten 
in  M;  T.  36  a),  sonst  hancttdr  (bezw.  -m-)  m.  und  n,  —  ^^'^ pfUh- 
mattiäs  phlegmatisch,  neben  pflebmättiss.  —  ^^'  bUet  n.  Billet,  neben 
bilet.  —  ■'**^  brassdJHU  n.  Armband,  neben  brdssdrU  n.,  brässh  f. 
(s.  T.  75a):  frz.  bracelet.  —  "^^^  eMsio  Enzianlikör  (vgl.  T.  169b), 
neben  intsiö.  —  ^^*  grawäffj  f.  Krawatte,  neben  gräivattd.  — 
^^^  guräsi  n.  Mut,  neben  güräs:  frz.  courage.  —  '^^^ Tixäf(f)ittidrd  f. 
(in  K  nach  T.  138a  lixäfittidr  n.)  Kaffeekanne,  neben  tidrd:  frz. 
cafetiere.  —  ^^'^  mälädor  müde,  abgespannt,  neben  maladdr  (bezw. 
-öddr):  frz.  malade  (vgl.  Id.  IV  166).  —  '^^^ refoJfdr  Revolver,  neben 
refolfdr.  —  Aus  der  Schriftsprache  ist  ^^^  lixappcll  , Kapelle'  ein- 
gedrungen für  älteres  xdppjh,  das  noch  als  Bezeichnung  bestimmter 
Kapellen  vorkommt;  ebenso  nimmt  jetzt  der  Monatsname  ^^^  ougüst 
überhand  gegenüber  echt  mundartlichem  oulistd. 

Die  Beispiele  auf -e^  verhalten  sich  nicht  gleich:  Der  Akzent 
liegt  auf  -et  in  ^^^  plant sct  n.  Blankscheit  (vgl.  T.  56a):  frz.  plan- 
chette,  und  ^^^  hxadit  m.  Kadett,  außerhalb  I  auch  in  '^^^  bo(r)- 
t(d)r('t  n.  Porträt,  in  I  dagegen  bottdre.  Dagegen  ist  durchaus  die 
erste  Silbe  betont  in  '■^^^  gorset  n.  Korsett,  und  -^^^  säkket  n.  Jackett. 

Beide  Silben  sind  ungefä,hr  gleich  stark  betont  (vgl.  §  40) 
in  den  begriffsverstärkenden  Wörtern  ^^^  nmU!)  {so,  usw.)  ungemein 
(schön,  usw.):  frz.  million  (vgl,  §  183)  und  gleichbedeutendem  ^^"^ifam 
(so,  usw.):  frz.  infame. 

Unbekannt  ist  mir  die  Betonung  in  den  von  T.  angeführten 
Beispielen  ^^^  Ixxonstäbhr  ,wer  alles  verstehen  will  und  sich  in 
alles  einläßt'  (Walz.):  lat.  comes  stabuli  (s.  Id.  III  366/7),  und 
^^^meijör  n.  Mehrheit  (selten  in  K;  s.  T.  314  a). 

Die  einzelnen  Laute. 

§  183.  Über  die  kurzen  Vokale  ist  folgendes  zu  be- 
merken : 

1.  a,  dessen  Artikulation  der  Ruhelage  am  nächsten  liegt, 
erscheint  öfter  in  erster  vortoniger  Silbe  für  andere  Vokale  höherer 
Zungenstellung:  badendxth  ^,  badigdli  ^",  lafidr,  in  der  Redensart 
np  tjr  J.  xö  aus  dem  Geleise  kommen  (T.  290  a)  <C  refijr'^^^  (vgl. 
Id.  III  1110.  VI  649/50),  rammörs  ^^^,  —  und,  wenn  auch  heute 
die  betreffende  Silbe  betont  -wird,  in  maJio  ^^^  und  amdUttD  ^'''^. 


—    205     — 

In  I  friüiöU  gegenüber  sonstigem  flanell  ^^^  liat  sich  vortoniges 
a  zu  u  entwickelt. 

2.  ä  erscheint  für  roman.  a  in  Jäfs  Schleife  (s.  T.  289  b)  < 
ital.  laccio  (s.  Id.  III  1531)  und  in  hinäts  ^°,  wohl  durch  Laut- 
substitution für  das  helle  roman.  a  (vgl.  dazu  Hörn,  Beiträge  zur 
deutschen  Lautlehre  S.  15  if.).  —  In  häsilgj  ^^  liegt  wohl  Ein- 
wirkung des  folgenden  /  vor.  —  äninurh,  bezw.  amh  und  nach 
§  95  em(a)li  ^^*,  sowie  gemmdli  ^'^  (mit  e  <C  ä  vor  Nasal),  auch  xätsL 
(s.  §  49  b),  zeigen  den  Umlaut  des  Diminutivs.  —  T.  gibt  neben 
molest  ^^  auch  moläst  an. 

3.  e  erscheint  in  den  Ausgängen  -ell(9)  i^i-'^o  und  -ef(fj)  ^«ö-'i^ 
39i-9o^  ferner  in  haupttoniger  Silbe  in:  aäressa^,  berlannj'^^^, 
pesti  ^^^,  hrofsess  ■^^,  dexxart  ^''^  ekstard  ^'*,  fest  n.  Fest,  hxomfekxt  ", 
molest  ^^,  nell  Trumpfneun  (ndl.  nel;  vgl.  Id.  IV  715),  restj  m.  Rest, 
silfestdr^^*,  suppert^^'^,  thekstText,  tselldra^^^,  tsic€(t)s]c3  Zwetschge, 
ivests  f.  Brusttuch  (frz.  veste). 

In  nebentoniger  Silbe  in:  perdü  ^',  plessiar  ^°^,"  ^^Ze^sro*  ^°^, 
pressant  *^°,  eksal-xt  ^■*,  elsämma  ^^,  eJcsistbra  -^^,  eJcsitsiara  -^*',  eJcs- 
Jciist^*^,  esplitshra^^'^,  feksats^^-,  intressant^^^,  Jcxivestiönj  ^^"^ ,  tres- 
siara  ^'^. 

4.  e  (vor  Nasal  in  H  IMi  e:  s.  §  95,  4)  findet  sich  in  haupt- 
toniger Silbe  in  den  Ausgängen  -eut  "^^^'^^^  und  -mcut^^'^^^^, 
ferner  in  badenaxth^,  detsembar^^^,  entsiö^^^,  €tti(g)^^^,  genare^^^, 
Ixxalendar^^,  Jcxomedi'^^,  nofemhar^^'^,  refolfar^^^,  remisa'^^'^,  rettür^^^, 
sckxarlttär  ^^^,  sent  Centime  (in  der  Redensart  kxenn  sent),  trenta 
eine  Art  Kartenspiel  machen:  zu  frz.  trente. 

In  nebentoniger  Silbe  in  aprentsiö  '^^,  elifant  ^^,  esti- 
miara  ^*^,  kxredU  ^^',  lefttta  "^,  mexxänikx  ^°,  menassan  ^'^,  prep- 
parand  ^^^,  president  ^^\  refiar  ^^^,  regilattör  (in  K  auch  rig-)  ^\ 
regiara  ^^^,  registar  ^®,  regliara  -^',  regrüt  ^^,  rendiara  "^^,  reppit- 
tiara  ^^^,  resaniara  -'^^,  retsent  ^^"*,  sekxret  ^^'',  seniara  -'^^,  spekxa- 
liara  ^^^,  spetsareilada  ^^\  spettakxal  '"",  testament  ^^-. 

5.  i  ist  nur  in  einem  einzigen  Falle  (in  nebentoniger  Silbe 
vor  ?i- Verbindung)  zu  e  gesenkt  (vgl.  §§  61/2):  tsilendar^^^. 

6.  In  haupttoniger  Silbe  erscheint  o  (ö)  in  bottma  ^''^,  gofara 
(frz.  coffi*e)  Koffer,  göUar  ^-°  (mit  /-Umlaut),  liiston  ^^,  kxotfohss  (in 
M2  V,  sonst  -0-)  *^,  mossi(Ö)  ^^'^  —  gegenüber  d  in  bantoffal '-,  gahp  ■^*, 


—     206     — 
moddl  Model,  j^^^t  f-  Post,  postd  m.  Posten,  pdrfo(r)st  ^*,  roddl  Rodel, 

In  nebentoniger  Silbe  o  in  molest^^,  okxtöhdr^^^,  pro- 
hxarättdr  '^^  hrotsess  ^^  —  gegenüber  o  in  httsri  "^,  b3(r)tret  ^®^, 
portsiö  ^^*',  oräinän  ^^. 

Schwanken  zwischen  o  und  3  besteht  in  foUdgraf'l^'^'^^,  gorset^^^, 
lökxdmottif  (bezw.  hkx-)  '^  und  in  den  Fällen  vor  Nasal,  zB.  hxo- 
medi  '^°,  kxoniididrd  ^^^,  Jcxomissiö  ^^*,  kxmnöd  ^-,  kxomödd  '^^,  Jcxoni- 
fdnidrd  ^^^,  Jcxomplitsidrt  ^^',  apkxontdfettd  ^''^,  mondür  -^'^,  pmnpd- 
lüsdr  ^',  ^(W>?(5Z  ^^^,  tonidrd  ^''^ 

Erhöhung  des  o  >•  if  zeigen  gumpis  ^"^"^'\  nur  in  K  pruppdr 
wacker,  sauber  (frz.  propre)  gegenüber  sonstigem  j^^'oppdv,  ferner 
lusament  ^*°  gegenüber  los-  außerhalb  K,  und  vielleicht  tusettd  ^^^. 
Auch  in  tusrtd  Torte,  tuarhd  Torf  in  K,  törtd,  törhd  auf  dem  übrigen 
Gebiete  ist  wahrscheinlich  ii  (von  frz.  tourte,  tourbe)  zu  Grunde 
zu  legen  (vgl.  §§  68.  94). 

7.  u  (ii)  ist  (außerhalb  K;  vgl.  §§  67  f.)  in  weiterm  Umfange 
^o(ö)  gesenkt,  als  i>»e;  so  in  haupttoniger  Silbe  in  hoffd(r)t^^^, 
holfdr  Pulver,  hol(t)s  Puls,  goUdr  (afrz.  coultre)  Bettdecke  (s.  T.  232  a; 
Id.  II  285),  gross  Kleie  (vgl.  Id.  II  817),  jo2)p3  (ital.  giuppa)  Frauen- 
rock (vgl.  Id.  III  53/5),  moskdtnoss  ^^*',  mosi  (in  Vi  und  H  teil- 
weise) ^^',  parökka  ^^,  tohld  f.  Doublone  T.  91  a  gibt  auch  an  kxap- 
pötsli,  gegenüber  kxahutsd}^  —  In  nebentoniger  Silbe  in  hodölh  in 
I,  sonst  i?<^e??a '^',  kxdlidrd  m  I  (sonst  kxuridrd^^*),  kxoriös  (neben 

Vor  Nasal  -|-  Kons,  geht  die  Senkung  bis  zu  o  (vgl.  §  68): 
hontj  (lat.  puncta)  Faßspund  (vgl.  Id.  IV  1399),  fonddment  ^^^,  rond 
rund. 

§  184.     Die  Längen  (Dehnung  und  Kürzung). 

1.  ä  erscheint  in  den  Ausgängen  -äbdl  120-122^  _^^  ua-isi^ 
ferner  in  aldänd  ^,  pär  n.  Paar,  parädi  ^*,  bomädd  ^^,  hortsdlä  ^', 
hräf  brav,  prokxdrättdr  ^\  dam  Dame,  eksämnid  ^^,  fattäl  *^  fis- 
käriäS  **,  gräno  (lat.  granum)  Grad  (vgl.  Id.  II  741),  giiräsi  ^®^, 
hxappittal  ®^'',  kxanärifogdl  ^^,  niariäsd  ^^^,  mexxänikx(dr)  ^°,  sokkd- 
lädd  ^^^'',  äpätsi(g)  f.  Raum  (lat.  spatium),  städ  Staat,  Pracht,  stra- 
bätsd^^^,  Mrätsa  f.  Entwurf,  Brouillon  (T.  413):  ital.  straccio,  the- 
nttdr  ^^^,  (ap)tre§äkkd  ^^*^,  tribunäl  ^^'',  tsigärd  •''^^,  tidippänd  ^^*. 


—     207     — 

Neben  der  Länge  kommt  auch  Kürze  vor  in  äbröll  in  I  gegen- 
über sonstigem  abrill  ^^^,  ütre'ssd  in  I,  sonst  adressd  \  häl  neben  haU 
Ball  (Tanz),  gränium  ^°,  mässa  f.  Masse  in  I  gegenüber  sonstigem 
massd,  säl  neben  soll  Shawl. 

In  einer  Anzahl  A^on  Fällen  ist  der  Wandel  >»  5  eingetreten 
(vgl.  §  71):  altjr,  veraltet,  heute  -är^,  pottdnostdr'^^,  pöpst  Pabst, 
entsio  ^^^,  maloddr  ^*^  und  -o-  mit  Kürze  (neben  -ä-),  mandöt  (ver- 
altet) ®^,  salöd  ^*^,  spittöl  ^^'^j  mit  nachheriger  Kürzung  in  hofdmeijd 
Feierabend  {<i  ave  Maria;   vgl.  Id.  IV  356),  jolxxohe^-^. 

2.  ä  findet  sich  in  ämli  ^^*,  fcüd  fehlen,  gurasi  veraltet  neben 
guräsi  ^^^,  xappillän  ^^,  lärmd  Lärm,  müittär  ^S  ordinän  ^^,  selcxd- 
rittär  ^^^,  Jativari  ^^,  daneben  mit  Kürze  lativän  und  latwen. 

3.  e  ist  immer  Dehnung  aus  e:  güiver  (neben  giiicert)^-^, 
latternd  '^,  leher  ^^,  nerfs  m.  Nerv,  serp9  (frz.  echai-pe)  Schleife, 
taf(f)er9  ^^^  «er&a  PL  Spässe,  Schwanke  (lat.  verba). 

4.  e  tritt  auf  in  den  Ausgängen  -et,  -etta  ^^i-^^^.  3S2^  ferner  in 
ale^,  appdtteh  ^■',  äppetse^^',  banettdr^^^,  het(l)d  eine  Art  Karteuspiel 
machen  (frz.  bete;  vgl.  Id. IV  1809),  hettdrli  ^^^  hottare  (I)  ^''\  pre  n. 
das  Erste  (lat.  prse;  s.  T.  75a;  Id.  V  301),  huUe^'\  fidel ^\  fideh^^ 
ide^^,  jokxobe^-^,  lixamel^^,  Jcxanappe  ^'^^ ,  mettdr  Meter,  sesd  Chaise, 
the  Tee. 

Die  Kürze  kommt  neben  der  Länge  vor  in  beijdnet  ^^^  in  I, 
sonst  -et  oder  -et  —  TxXDm(m)edi '°  in  I,  sonst  -edi  —  matten  ^^, 
daneben  -eri,  vereinzelt  auch  en  —  nöttdhem  ^^^. 

5.  1.  erscheint,  im  Ausgang  -i  i74a-is4^  ferner  in  asstP,  parddts^^, 
hlpli  Zäpfchen  am  Butterfaß  (nach  T.  51a  in  Walz.;  rom.  pipe), 
hottlnd  ^'^'^,  hriS3  Prise  (frz.  prise),  foflihar  ^^,  giisind  ^"^\  Txxappd- 
tsmndr  ^^,  lokxdmottlf  '^^,  tnartmi  ^^,  miissli  ^^*,  riffivi  Wein  von  La 
Vaux  (frz.  rive;  vgl.  Id.  VI  660),  rosi(nd)h  ^^'^. 

Die  Kürze  findet  sich  (mehr  bei  den  Jüngern)  neben  der 
Länge  im  Ausgang  -U  '^^i^?^  ferner  in  Uhdrdment  ^^^,  Und  (älter 
Uvold)  Linie,  Izttdr  in  I  und  K,  sonst  littar  Liter,  masslnd  ^^. 

6.  5  (3)  findet  sich  auf  dem  ganzen  Gebiete  in  den  oben 
unter  1  angeführten  Beispielen  für  5  <C  «.  nur  in  M2  V  (vgl. 
§  95,  8)  auch  in  den  Ausgängen  -5,  -iö  i^a-iss.  sss.  396^  ^jj^j  jjj  a2)pd- 
Wniss^^^,  l-xan3n3^'^,  mal~xr5na^^.  —  In  Mi  I  H  gilt  in  diesen  Fällen 
ö,  welches  auf  dem  ganzen  Gebiete  erscheint  in  baltö  ^^^,  bröb  Probe, 
famös^^,   frantsös*^,  Jcrampöl^^,   T^xomöd"'^,  kxomödd'^^,  Jcxuriös'^^, 


—     208     — 

nöUdbSni^^^,  ohxtöbdr^^^,  röd  Rode  (zu  lat.  rota;  s.  Id.  VI  597),  rösd 
Rose,  rosöh^^^,  rumöra^^^,  spamöl^^^,  tumör^^^. 

Die  Kürze  kommt  neben  der  Länge  vor  in  hrodihxöl  (-oll)  ^", 
möris(s),  in  der  Redensart  m.  ler,^  zur  Ordnung  weisen  (vgl.  Id. 
IV  380/1). 

Ö  kommt  vor  in  floh  ■^'*',  glör  (lat.  löra)  Obstmost  vom  Nach- 
druck (vgl.  Id.  III  1375),  kragöl  ^'^,  likhor  ^^^,  maros  ^^  rammors  ^''", 
regilattor^^,  tomöl,  -Ör^^^.  —  Neben  grandios  ^^  findet  sich  auch 
grandios. 

7.  II  erscheint  im  Ausgang  -fir  ^"'■'-^os^  g^  auch  in  pandur  ^®^, 
gii  Geschmack  (frz.  goüt),  gütsa  Kutsche,  Jcxür  Kur,  rettür  ^'^^,  tam- 
bür^"^,  tür  Tour,  wentüssj  ^'^. 

Die  Quantität  schwankt  (die  Kürze  ist  jünger)  in  apsdlüt  ^'', 
reg(9)rüt  ^',  stadiittd  ^°*. 

ü  kommt  vor  in  hri'iss  Adj.  ,von  Plüsch'  (s.  T.  82  a),  zu  frz. 
peluche  (vgl.  Id.  V  830)  —  hrüssU  f.  (nach  T.  82  a  in  K)  eine  Art 
Pflaumen,  aus  *hrilnessle  (vgl.  Prünessli  Id.  V  652/3)  —  ffist  ^^^  — 
neben  jüngerer  Kürze  in  lüttanand  ■^■^°. 

§  185.  Von  den  Diphthongen  verlangen  besondere  Erwäh- 
nung : 

1.  ei  in  gureisi^^^  und  (öp)hxontdfeiJ9^^^  in  I,  laüveijdr"'^  in 
K;  ferner  in  meilenddrksijr  unechtes  Porzellan  (Mailändergeschirr), 
wofür  in  K  (vgl.  §  80)  malandor-. 

Als  Diphthongierungsprodukt  aus  l  erscheint  ei  im  Ausgang 
-ey  ^'*'"'^*,  ferner  in  einigen  schon  §88  angeführten  Beispielen; 
außerdem  in  fdrmalddeit  ^'^  treijohs  ^^^.  —  In  dreijannal  ■^''  liegt 
zugleich  Anlehnung  an  dreij  ,drei'  vor. 

2.  19  in  adio  '^ '-,  hidssli  (frz.  piece)  Sechskreuzerstück  (veraltet), 
kxaßttidrd'^^^  und  den  Ausgängen  -idr^^^'-^^  und  -iard  2i4-2s5_  ]N^eben 
der  gewöhnlichen  Form  trüdgh  f.  (zu  lat.  trochlea,  frz.  trueille) 
, keilförmiges  Holzstück  zum  Festmachen  des  Heuseils'  gibt  T.  157  a 
für  H  an  triägh. 

§  186.     1.  Aphärese: 

a)  vokalisch  anlautender  Silben  in  fants,  fäntsig  ■^^•',  gänt  Gant 
(frz.  encant),  lärm9  (frz.  alarme)  Lärm,  latwän  ^**,  mariUd(U)  ^'*, 
§erp9  (frz.  echarpe)  Schleife. 


—     209     — 

b)  konsonantisch  anlautender  Silben  und  Wortteile  in  hahx 
Tabak  (vgl.  Kluge  388)  —  Ixist  (nach  T.  105  a  in  Wolfh.),  sonst 
selten  Tixattexismuss,  -a^isw»  Katecbismus  —  l'xäntU  (nach  T.  94  b 
in  K)  Konfirmand  (<;  Kommunikant)  —  ment  in  hots  ment  usw. 
für  ,Sakrament'  —  nostjr  neben  pottdnostdr  ^^  (vgl.  Id.  TV  845/6) 
—  terhrj  neben  mattariarj  eitern  (vgl.  Id.  IV  553)  —  tidr(d)  ^^^  — 
tüsd  (nach  T.  159  b  selten  in  M)  für  icetitüssd  ^^^. 

Ausnahmsweise  mögen  hier  auch  eine  Anzahl  Taufnamen,  bei  denen  sich 
die  Erscheinung  besonders  häufig  findet,  angeführt  werden:  DU  Judith;  Ents 
Lorenz;  Fjnsdh  (nach  T.  199  a  in  Gais)  appell.,  schlimmes  Bürschchen,  eig.  der 
Name  Alfons  (vgl.  Id.  I  871);  Gnätsi  oder  Gnätsc  Ignatius;  GreUln  Margareta; 
Hann  Johanna;  Xhiis  Nikiaus;  Leh  Magdalena;  Toni  oder  Tum  Antonius;  Tri 
Katharina. 

2.  Reduktion  des  zweiten  Wortteils  infolge  Zurückziehung 
des  Akzentes  liegt  vor  in  miU  ^"*,  hanndr  ^^^,  han(t)sdr  ^^^,  parli  ^'^, 
pastdr  '"^  hrassld  ^**2,  gölldr  ^^°,  mossi  ^^^,  tälhr  ^^^^. 

3.  Die  schwachbetonten  Vokale  im  Wortiunern  sind  meist 
reduziert,  entweder  zu  j,  so  zB.  in  ahfants  ^'^,  appdloniss  ^^^^ 
appdttch  ^*,  apsdlüt  ^^'i  prepjjdriara  ^^^,  prokxdrättsr  ^^  fHgP^i'  ^^^i 
foUdgrafi  ^''*^,  hxaffdlantLSS  ^",  kxomfdmand  ^^^,  lokxdtnottlf  '^,  nöttd- 
bem  ^^^  refdmidrt  ^^*,  sikkdnidrd  ^^*,  spekxdlidrs  ^^^  tisJcdridrd  ^'"j 

oder  zu  l  (bezw.  i),  so  zB.  in  affikxät  ^**,  eksüsiord  ^^^,  hxari- 
sidrd  ^^^,  ranüshrd  ^^*.  —  Oft  besteht  Schwanken  zwischen  i  und 
d,  so  in  hrodikxöl  ^^,  elifant  ^^,  estimidrd  -^*,  faliment  ^^^,  kxomi- 
didrd  ^^^,  kxomidant  ^^',  regilattör  ^^,  religio  ^^^,  reppittidrd  -^^,  resi- 
»^^^r9  ^^°,  strahlitsijrd  neben  (in  I)  strabdtsidra  ^^^. 

Synkope  trat  ein  zB.  in  ^aw^Zi  ^^^  &r^??c?  Brille  (griech.-lat. 
beryllus),  gränium  ^",  kxalfakxtdr  ^^,  kxamilld  ^*,  oukstd  ^^°,  ajraZ?^ 
Koralle,  Perle,  rams,  ramsd  ^^^  rf??5  in  V  für  reldgiö  ^^^. 

4.  Der  Svarabhaktivokal  a  erscheint  häufig  zwischen  Kons. 
+  r,  zB.  aff(d)rantiss'^,  hort(3)ret'^^^,  ekstara^^*,  fah(d)rikx  '^^, gofard  i. 
Koffer  (frz.  cofiPi-e),  libdroment  ^'^^,  mad(d)rats9  ^°,  reg(d)rüt "',  saf~ 
fdrot  ^*',  sakx(d)rdnient  ^*^,  sekx(d)ritta,r  '^^'^. 

5.  Das  Endungs-e  der  französischen  Wörter  erscheint  meist 
als  d,    zB.  grawattd  ^^*,  bistoh  ^^,  remisd  ^*^,  massa  Masse. 

6.  In  manchen  Fällen  ist  Erhöhung  von  e  zu  -i  eingetreten, 
so  in  bagäsi  ^\  parädi^  *,  giiräsi  ^^^,  kxaf(fjt,  ^'^^,  ferner  in  eksküsi  ^*, 

Vetsch,"  Appenzeller  Mundarten. .  l"i 


—     210     — 

appartt  ^,  nöttdheni  ^^^,   auch  ßtsi(-hopmd  usw.)  Vize  (-Hauptmann 
usw.)  (vgl.  Kluge  408). 

-es  >  IS  zeigen  lixaffdantiss  ^^  und  möns(s)  (s.  §  184,  6). 

Konsonantisches. 

§  187.     Die  Labiale. 

1.  b  :  p.  a)  Anlautendes  ?;  ist  bewahrt  in  pajdd  Pappel, 
pantU  ^^^,  pär  n.  Paar  und  unbestimmtes  Zahlwort,  pexx  Pech,  pre 
(s.  §  184,  4),  presthrd  '^*^  —  außerhalb  I  (wo  häufiger  h)  auch  in 
panclür  ^^',  paräd  ^*^,  parädi  '*,  pardcUs  ^^,  paridrd  ^*'*,  ^^-^r/a  ^^''j 
parökhd  ^^,  j?ar^e  ^^*^,  par^it  ^'',  pikkd  heimlicher  Groll  (ital.  picea, 
frz.  pique),  planidrd  ^'^*,  plessidr  ^°^,  poliard  ^*^,  pompdlüsdr  ^^,  pD(r)- 
forst  -'^,  portsiö  ^^^,  pas^  Post,  ^as^a  Posten,  poUdnostar  -*,  präläUd  ^^\ 
preppdrand^^^,  preppdriorQ  ^^'^,  pressant  "^^^^  pressidrd  ^^"^ ,  prifäf-^^, 
prif&t  ^**,  ^m5  ^"^j  prohidfd^^^ ,  profit^^^,  profiUbrd^^^,proJcx9rättdr^^, 
proppdr  (s.  §  183,  6),  2^urgats  ^^^,  purgidrj  -^^. 

Schwanken  zwischen  j;  und  ö  zeigen  auf  dem  ganzen  Gebiete 
(in  I  fast  nur  h-):  hadent  ^^\  bageppodd^^^,  ha(x)stett9^'^°,  bantoffdP^^, 
ban(t)s9r  ^ö»,  bappfr  ^^  bettddi  ^"^  biossli  (s.  §  185,2),  Ustoh^\  blats 
Platz,  bol(t)s  Puls,  bomädd  ^•',  boniorardsd  ^*,  fow^9  (s.  §  183,  7, 
bortret  *^^,  bortsdlä  ^',  breijo,  jünger  breddgo  predigen,  bresidcnt  ^^^, 
^röft  Probe,  brodikxöl  ^°,  brotsess  ^^,  und  auf  dem  ganzen  Gebiete 
vorwiegend  oder  nur  mit  b  kommen  vor:  halidr'^^^,  baltö^^^,  ba- 
nettdr  ^'^,  belts  Pelz,  binäts  -°,  besd  usw.  (s.  S.  107  o.),  blog  Plage, 
bolfdr  Pulver,  bdlitsist  ^^,  bns  Preis,  6r«Sc?  Prise. 

Inlautend  p  wurde  geschwächt  in  sabdH  ^*®. 

b)  Anlautendes  b  erscheint  meist  als  Lenis,  zB.  badenaxtli  ^, 
badigdU^^,  bagäsi,^^,  bid'ke^^^,  brassjletU^^'^,  bäsilg»^^,  betß)d  (s. 
§  184,4),  boff3(r)f^''\  bilBt^^\  bottmd '^"^^ .  —  Verschärfung  zu 
p  weisen  auf  imnnsr  -^'^  neben  b-,  pass  Baßstimme  (ital.  basso), 
parh^'^^,  pastdr '^^^  neben  b-,  pesti^^^,  plessUr-^^',  in  I  kommen 
auch  vor  pdkkddöll  ^^*  und  peijdnct  ^*^ 

Nach  m  ist  b  verschärft  in  hrampöl  ^^,  tampür  ^^^  neben  -mh-. 
Nur  in  I  gelten  auch  septempjr,  nofempdr,  detsempdr.  Erwähnt 
sei  hier  auch  äppetse  "''. 

2.  Lat.-rom.  /'  und  v  erscheinen  meist  als  /'. 


—     211     — 

Verschärfung  zu  ff  zeigen  lärff9  Larve,  taffero  ^^^  (nach  T.  128  b 
neben  -/"")>  Jcxaffslantis  ^"  (doch  vielleicht  durch  Einfluß  von  affj- 
rantis).  nffict  (s.  §  184,  5)  beruht  auf  Anlehnung  an  rlff'  reif. 
In  I  kommt  vor  hofdd  gegenüber  sonstigem  hoff9(r)t  ^°'^,  und  im 
östlichen  Gebiete  (M  V)  gilt  liafi  ^^'^  und  Mfdh  Kafife  trinken, 
gegenüber  Jixaffi,,  hxüffdld  in  I H  und  M  teilweise. 

In  hröh  Probe  (ital.  prova ;  vgl.  Kluge  304)  und  fofltbdr  ^'' 
erscheint'  dagegen  h. 

§  188.     Die  Dentale. 

1.  d:t.  a)  Im  Anlaut  erscheint  d  einzig  in  c^äm  Dame  und 
dexxdrt  '^^~.  —  In  allen  andern  Beispielen  gilt  durchaus  t,  so 
auch  in  neuesten  Entlehnungen  aus  der  Schriftsprache,  wie  zB. 
tialeJixt  m.  Dialekt,  tiskänt  Diskant,  tisshüss  Diskurs. 

b)  Schwächung  von  t^  d  liegt  vor  im  Auslaut  nach  langem 
Vokal  in  appdttid  ^^^  teilweise  in  I,  paräd  **'^,  salod  ^*^,  städ  Staat, 
Pracht  —  nach  n  in  lüttjnand  ^^"  (neben  -t),  prepparand  ^-^  (in 
K  teilweise  -t),  hxomfsmand  ^-". 

Schwächung  im  Inlaut  zeigen  haldö  teilweise  in  H  gegenüber 
sonstigem  haltö  ^*^,  fats9nedli  in  I  für  sonstiges  -etU  ^^^,  seJcxjri- 
där  ^^^  in  I  (sonst  -t-). 

In  dreijamjdl  ^'*  und  dreijet  *^*  liegt  Anlehnung  an  das  Zahlwort  dreij  vor. 

c)  Vereinzelte  Verschärfung  von  d^t  im  Inlaut  findet  sich 
in  I  ätressj  ^. 

d)  Angetreten  ist  t  außer  in  den  schon  §  134  aa  angeführten 
Beispielen  in  porfost  ^*^,  dexxdrt  ^^^,  sabdrt  ^*^,  saffdrdt  ^*'. 

e)  Auf  et  beruht  t  (zum  Teil  schon  romanisch)  in  hontj  (s. 
§  183,  7),  hnüti(g)  ■^o^  neben  -d-,  etü(g)  '^^^,  latwän  ^^  märt  Markt, 
mudltd  Backmulde  (vgl.  Kluge  275),  t'mtd  Tinte,  spettaJcxdl  ^°^. 

2.  Beispiele  mit  ts,  die  dem  Nhd.  fehlen,  sind:  dhfcmts^'^^, 
fats9netU^^\  fexats^^^  lats  Stück  Tuch  zum  Überlegen  (s.  T.290a; 
Id.  III  1546/7,  wohl  afrz.  laz),  malafits  ^*,  retsent  ^'^^,  spätst,  (s.  § 
184,  1),  strätsd  (s.  §  184,  1),  tsentiard  ^'^^  —  mit  ts:  hinäts  -^,  läts 
(s.  §  183,  2),  mats  im  Spiel  (ital.  marcio;  vgl.  Id.  IV  597),  tsinha 
Spottname  der  Italiener  (von  cinque). 

In  tselhvd  (tsölhli  I)  ^**  und  tsalhpfidbar  '^^  ist  der  Feminin-  bezw.  Plural- 
ärtikel  t  angeschmolzen  (vgl.  §  135,2  a).  Zu  bolts  Puls  s.  §  174f.  Neben  ban- 
tgQf299  gjj^  namentlich  in  I  auch  hansdr]  s.  auch  §  175. 


—     212     — 

3.  a)  s  ist  a)  verschärft  zu  ss  in  assU  **,  plessidr  ^^^,  wen- 
füssc)^^^^  —  ß)  in  ^  übergegangen  in  den  Verbindungen  slc^sh: 
ßsJiäriss**,  mashrr»'^'^^,  moshdtnoss '^^^ ,  tiskorbro '^''^  —  stt>st: 
ekätdrd  neben  eJcst9rj  ^^^,  tehst  Text  —  sp  >•  sp:  esplitshrd  -*'  — 
rs  >«  rs:  (vgl.  §  29,  4):  f3rs(a)  <.  fors(j)  Stärke  (frz.  force)  —  auch 
sl  >-  sl  in  slips  m.  Halsbinde  (engl,  slips). 

b)  Schwächung  zu  s  findet  sich  in  hidsli  nach  T.  52  a  in  K  für 
hidssli  (s.  §  185,  2)  und  in  masjr  nach  T.  312  b  in  H  für  massdr  ^^^ 
—  ferner  stets  im  Anlaut:  santim''^^^  —  santimettdr  ^^^. 

4.  a)  s  erscheint  zB.  in  hagäsi  ^^,  guräsi  ^^^,  mariäsd  '^■^^,  ran- 
^hro^^*,  senidTd^^'^,  saMcet^^^,  säl(l)  m.  Shawl;  vereinzelt  ist  der 
Übergang  in  s  in  losdment  ^*°. 

Verschärfung  trat  ein  in  menassdri^"'^,  assür'^'^^,  tussür^^^. 
b)  s§  zeigen  zB.  liasshr  ^*'',  masstnd  ^^,  ma(r)ssi9rd  ^*^. 
Schwächung   zu   s   trat   stets   im  Anlaut   ein,   zB.  sappol  ^^', 
sarniar  ^^"^  sesd  Chaise,  smisettd  ^'^,  sokhdlädd  ^^^''. 

§  189.     Die  Gutturale. 

1.  (j  erscheint  a)  für  rom.  //. 

b)  für  rom.  h:  anlautend  in  galanddr  ^"^ \,  gänt  (s,  §  186,1), 
gemmdli  •*^*^,  gamfbr  Kampfer  (frz.  camphre),  gofdrd  (s.  §  183,  6), 
gölhr  ^^",  goltjr  (s.  §  183,  7),  gorset  ^"*^,  gramilh  ***,  graimttd  ^^*, 
gross  (s.  §  183,  7),  giilikummdrd  ^^',  gumpis  ^^""j  gusmd  ^^^^,  güts9 
Kutsche  (vgl.  Id.  II  565),  guiver  '^^'^  —  inlautend  in  hadigdU  ^^  — 
auslautend  in  hra(h(g)  ^°'*,  etti(g)  ^^^,  musi(g)  '^'^'^. 

c)  für  j  in  häsilgo  ^'\  fujdi  '^^^  (in  V).    S.  noch  §  170. 

d)  in  trüdglo   (s.  §  185,  2).  < 

2.  h  erscheint  im  Anlaut  in  Jcragöl  ^^,  hrampöl  '^^  —  im  In- 
und  Auslaut  in  appditeh"'^,  parökJcj^^,  piMd  (s.  §  187, 1  a),  hulike'^^^, 
ghJcJc9  Glocke,  gukkummoro  ^^^,  halimh  ^^*,  lil^Mr  ^^**,  ridiJchül  ^**, 
saJcJcet  ^®^,  SiMdni9r9  ^***,  sokhaläd,)  ^^^'',  förka  , Türken',  Mais,  (op)- 
treMkkd  ^^",  tsivkd  (s.  §  188,  2),  nach  s,  s  (vgl.  §  21)  in  eksküsi  ^'' 
(in  I  auch  ekskxüsi),  fiskänss  ^*,  maskdra  ^^^*,  moskdtnoss  ^■^^,  ris- 
kidrd  ^"^ 

Aus  g  verschärft  in  I  pakkadöU  ^^^. 

3.  kx  erscheint  a)  anlautend  in  kxahut  ^^""'^  ^\  kxahutsd^^^ 
kxappetslnndr  ^^,  kxadet  ^^^,  kxaffjlantiss  ^°,  kxaf(f)i  ^^^,  kxafittiaro  ^^*, 


—     213     — 

kxalenddr  *^,  kxalfal^xtdr  ^^,  hxamel  **,  kxamilh  ^*,  Jcxanappe  ^^', 
kxanöna  ^^,  kxantö  ^^^,  kxäntU  (s.  §  186,  1  b),  kxappell  ^^^,  Ä-a;aj?- 
^i^^c^^  ^^%  hxappittäl  ^^^,  Txxanärifogal  ^',  kxrofuüJcxjl  "**,  kxarishrd  ^^*, 
kxassd  Kasse,  kxattoliss^^,  kxauss  rein,  frisch,  von  Speisen  (jüdisch; 
vgl.  Id.  III  531/2),  kxisi  (s.  §  186,  Ib),  kxlafiar'^^^,  kxlass  Klasse, 
kxomedi  '°.  kxomfekxt  '\  kxomfdmand  ^^*^,  kxomßnbra  ^^^,  kxomi- 
dant^^"',  kxomididrd-'^^,  kxomöd'-,  kxomödd  '^^,  kxompUment^^'^ ,  kxon- 
stähhr'^^^,  apkxontdfetta^^^,  kxoppeisnbdr^''^,  kxo(r)nettd^^'^ ,  kxredU^'^'', 
kxür  f.  Kur,  kxurhrd  -^*",  kxuriös  '^,  kxtirss  Kurs,  kxwatthr  ^^'. 

So  auch  in  deutschen  Wörtern,  die  aus  der  Schriftsprache  eingedrungen 
sind:  kxleid  (neben  a?-)  Kleid  (mundartlich  Icivand,  hdss);  kxreis  (auch  x-)  Kreis; 
kxeisdr  Kaiser  (vgl.  S.  79o.);  kxarfrlttitg)  (auch  x-)  Karfreitag;  kxunst  Kunst 
(veraltet  xöst;  vgl.  §  96);  kxönig  König  (veraltet  xövg-,  vgl.  S.  72  u.);  kxlär  klar; 
willkxomm  willkommen  (ganz  veraltet  tvillxa);  kxwelb  bezw.  kmveh  (s.  S.  111  o.) 
quälen;  kxwell  Quelle. 

b)  im  In-  und  Auslaut  in  apfokxät  ^**,  hudikx  ^*'*,  eksakxt  ^*, 
fahnkx  ^^,  jokxohe  ^^^,  lakx  Lack,  lakxidrd  ^^^,  lokxamotttf  ''^,  niärkxd 
Marke,  makxnnd  ^\  phakxet  ^*^,  phiwkxt  Punkt,  prokxdrättdr  ^S 
sakxdrament  ^^^,  sekxret  ^^'',  sekxdrittär  ^^^,  tokxtor  ^^'^. 

4.  a;  erscheint  außerhalb  K  (vgl,  §  149)  im  Anlaut  in  xappil- 
läri  ^■^,  xapp.Ai  ^^^,  xütsi  (s.  §  49  b),  xärta  Karte  (frz.  carte),  xommdt 
(auch  kx-)  m.  Kummet  (vgl.  Kluge  231),  xrallo  (s.  §  186,  3),  (sami-) 
xlous  ^*^. 

5.  Prothetisches  h  s.  §  153. 

§  190.     Zu  den  Sonoren  ist  wenig  zu  bemerken. 

a)  n  ist  geschwunden  in  den  Ausgängen  -5^^^^^^und-/5^^'^~^^^, 
ferner  zB.  in  homhö  '^^^,  mussll  ^^^,  rattl  ■**^  —  auch  in  ifäni  ^^^,  roslli 
neben  rosm(d)U  ^"^  und  tn  fräsiss  (s.  §§  96.  175). 

Eingeschoben  ist  w  nach  langem  Vokal  in  pöntdnostdr  (nach 
T.  69  a  in  M)  für  pöttmosür  ^\ 

Für  linnh  Linie  (frz.  ligne)  kommt  jetzt  Und  (bezw.  -i-)  auf; 
dagegen  gilt  noch  livnhr  neben  lineal  Lineal. 

n  >>  ni  s.  §  159,  Iby- 

b)  l  wurde  vertauscht  mit  r  in  hrüss  (s.  §  184, 7)  neben 
plüss,  morest  (nach  T.  323  a)  neben  molest  ^^,  ßskäriss  **. 

Ein  seh  üb  von  7  zeigen  strablitsiard  ^^^  (wohl  in  Anlehnung 
an  strabh  strampeln)  gegenüber  (I)  strahdtsisrd,  und  tahJitsidrd 
neben  tahitsiord  ^^^^. 


—     214     — 

c)  r  ist  geschwunden  (wohl  meist  dissimilatorisch ;  vgl. 
§  193,2)  in  hacjpppoch  i«^,  halior^'^^  bDtret'^''\  po(r)fost  2«,  hassidr  ^^', 
apl'xontjfrtt,)^*^^,  lixonettd'^^'^ ,  mats  (s.  §  188,  2),  masährd^^^,  kxwat- 
tidr  ^",  §ab9(r)t  **®,  äaniar  '^^^.  Ualhxtfidhdr  ^^", 

eingeschoben  m  port.inost,))'  (nach  T,  69a  in  K)  neben  ^'S^^^- 
noMdr  ^^,  kxa(r)milb  ***  (mit  Umstellung  gramilh).  S.  auch  §  168  b. 
In  tsentidrd^'^^  (in  andern  Mundarten  wirklich  tse(r)tidr9)  erscheint 
auffälliges  n  für  r. 

d)  j  erscheint  für  g  in  Jemf  Genf  (T.  284  a).    Vgl.  auch  §  170. 

e)  IV  erscheint  in  icerb,)  (s.  §  184,  3),  iventüssa  ^'^,  westd  (s. 
§  183,  3),  f/uiver  •^^*,  grawattd  •^^*,  serwietta  ''^^^. 

§  191.  Aspirierte  Aussprache  der  Konsonanten  zeigen 
durchaus  the  Tee,  pJialcxd  packen,  phakx  und  phakxet  Paket,  phettdr 
Peter,  phoul  Paul,  phousd  Pause,  phuvkxt  Punkt,  vorwiegend  auch 
theättar  Theater,  pher  per,  pherh  Perle,  phersö  Person. 

§  192.  Konsonantenschwächung  beim  Übergang  von  un- 
betonter zu  betonte]'  Silbe  liegt  vor  in  ahrill  '^^^,  aldänd  ^,  als  *, 
appddet  in  I  bei  altern  Leuten  (für  sonstiges  apxjdttek  '°^),  appadU  ^^^ 
(bei  altern  Leuten),  hadendxtli^,  hadent^^^,  badigdh^^,  bageppodd  ^^'^ , 
jKikkodjii^^^  (inl), perdn^'^,  bihUodekx  Bibliothek  (vereinzelt),  bilei^^^, 
bolettj  ^'\  proftdiard  ^^°  (doch  meist  -^-),  budelh  ^^",  fcdhrd  -^\  fali- 
ment  ^'^^  faso  ^^^,  kxabut  öß""^57^  kxabutso^^  (seltener  -p-),  kxanabe^^'^ 
(häufiger  -p-),  kxarisidrd  ^^^,  kxomöd  '^  und  kxomöda  '^  (neben  -mm-), 
Über  ",  hkxdmodlf '"  in  I  (vereinzelt),  madratsd  ^^,  tnanghrd  -^°, 
milidär  ^^  {neben -t-),  miliö^'-^^,  mondhra^^^^',  mondür^'^^,  ragettd^"'-, 
ramisidrd  ^^^,  regrid  ",  rendidrd  ^^^  (neben  -t-),  resdnidrd  ^""j  sta- 
düttd  l''^  strabätsd  i"»,  tabf-t  l«^  tabettd  ^''\  tahitswrd  2«»^  tsidiara  2" 
(selten,  gew.  -t-).  In  budikx  *^^  und  bradtg  -^"^  (vgl.  §  188,  1  e)  trat 
später  Verschiebung  des  Akzentes  auf  die  erste  Silbe  ein. 

In  abottek  "^  (selten)  und  brodikxöl  ^^  liegt  der  geschwächte 
Konsonant  nicht  unmittelbar  vor  der  betonten  Silbe. 

§193.  1.  Die  §  26  ff,  erwähnten  Fälle  von  Assimilation 
gelten  auch  für  die  Fremdwörter ;  besondere  Erwähnung  verdienen 
(ff(f)ikxät  neben  apfokxät^**,  sOmubulj  f.  für  Somnambule,  sk  >  st 
zeigen  stabelh  ^'^^  und  basdliät  ^^. 


-     215     — 

Fernassimilation:  apjyodef,  appadettdr  {■<,  appddek '^'')  in  I 
bei  altern  Leuten  —  pulippänd  (nach  T.  87  b)  selten  für  tulippänd  '^^^ 

—  fatsdnetsli  in  I  neben  fatsdnedli  ^^^  —  fo(r)fo(r)st  ^^  —  latwali  in 
H  teilweise,  -<  laticän  ''^  —  UkkÖl,  älter  lUtkoül  (in  I)  <C  UkkÖr  ^^^ 
(doch  vgl.  §  194). 

2.  Dissimilation:  appdttlk  neben  appdttit^^^  —  halhidrdr 
neben  barbidror  Barbier  — -  fatsdnetU  ^^^  <C  ital.fa^^oleUo  —  frunöii 
in  I  für  flanell  ^^^  —  kxoUara  in  I  für  kxoridrd  ^^*  —  kxoligidrd 
in  I  für  kxorigidrd  korrigieren  —  lafidr  <C  refidr  (s.  §  183,  1)  — 
lomHdrd  plombieren  (s.  T.  304  b)  —  reppdrand  <C  prepporand '^'^^  in 
K  teilweise  —  suppert  ^^°  <C  supperh  —  tiskdlidrd  in  K  teilweise 
für  Uskdridro '^'^^ .     Vgl.  auch  §  190  c. 

§  194.     Volksetymologische  Entstellungen. 
baxstettd  neben  hastetta  ^"°  mit  Anlehnung  an  baxxd  backen  — 
bettdrli'^'^^  durch  Anlehnung  an  den  Namen  Peter  (vgl.  Id. IV 1842/3) 

—  fUsUtsä  Zahnfistel  (T.  193b;  vgl.  fisth  <  lat.  fistula  Id.  I  1123) 

—  xappdxlän  (nach  T.  91  a)  selten  für  xappillärt  ^^  mit  Anlehnung 
an  xappd  Kappe  und  xlän  Wäschestärke  —  kxafittiar  n.  (nach 
T.  138  a  in  K)  für  kxafittijra  ^^^',  mit  scherzhafter  Anlehnung  an 
tidr  Tier  —  kxarfimkxdl  ^^  <C  kxarb-  durch  Anlehnung  an  ,Funke' 

—  kxardinälfogdl  *^'  mit  Anlehnung  an  Kardinal  —  likköiil  in  I 
neben  UkkÖl  ^'^^  (vgl.  §  193,  1)  mit  Anlehnung  an  öiil  Öl  —  num- 
mdr^  in  V  für  lomnidrd  '^'^^,  wohl  etwa  in  der  Redensart  an  älü  l. 
an  nimimara  ,Nummer'  angelehnt  — ■  rebolfar  in  I  für  refolfar  ^^^, 
wohl  mit  Anlehnung  an  holfar  Pulver  (doch  vgl.  reboldar  Id.  VI  48) 

—  rösamareij  neben  rösaniarl  ^°°,  mit  Anlehnung  an  rosa  ,Rose' 
und  mareij  Marie. 


II.  Mundartproben. 


S.  auch  S.  44  ff.  (für  I).  —  Die  Nasalierung  der  Vokale  bleibt  hier  un- 
bezeichnet;  vgl.  dazu  §  95.  Zur  Aussprache  des  r,  das  hier  als  Kons,  ge- 
schrieben ist,  vgl.  §  167. 

§  195.     Wi9  i  ha  mösd  höhst  hä. 

Wie  ich  habe  müssen  Hochzeit  haben. 
(Mundart  von  Wolfhalden  in  K.) 

fo  hämm  üs  pin  i  ridxii  dnn  ärnid  pudsk  ksl:  i  ha  9 an  hxranJcxnd 

Von      heim      ans    bin  ich  richtig      ein      armer  Barsche  gewesen:  ich  habe  einen       kranken 

elendd  hrüdddr  kxä,  ond  hed  nidmmdrt  nümp  fddisndt  as  t  mit  dm 

elenden       Brnder       gehabt,      nnd  [es]  hat     niemand  nichts        verdient       als  ich     mit     dem 

bouivdlwebd.    dö   han  i  fast   ts   tob  mösd   tvebd,   bimwidr  no   havJc 

Banmwollweben.         Da      habe    ich     fast      za     Tode     müssen     weben,         bis  wir       nnr      haben 

Tcxönon  esss.    dia  mäth  sömnur  halt  ö  ok^h  liib  wördd;    üsar   drei 

können       essen.       Die    Mädchen      sind  mir       halt  auch  ein  wenig  lieb    geworden ;       unser      drei 

sönd  a   s   MidX   ort   herd  tsor  spmi  tso  drei  sivöstdrd.     uff  ämol 

sind      an  das    gleiche      Ort       hin       znm    Eiltbesnch    za       drei       Schwestern.         Inf      einmal 

hässt  s,   dd  Bärtlime  mos  höhst  hä.     dö  han  i  kseid:  ds  nep  m,i 

heiBt     es,    der     Bartholomäus     müsse    Hochzeit  haben.       Da      habe  ich  gesagt:       es     nimmt  mich 

gad  ivondjr,  uHd-r-d  s  pmaxt  heij,  i  ha  all  pmänt,  mo  seijib  mitt- 

nnr       wunder,        wie    er    es    gemacht     habe,    ich  habe  immer  gemeint,       wir       seien       mit- 

dnand  hä.    do  liant  s  kseid,  ms  wdik  kad  alt  drü  park  mittdnand 

einander    heim.      Da      haben    sie    gesagt,      wir     wollen    gerade   alle      drei  Pärchen     miteinander 

höhst  hä.    dö  han  i  halk  kseid:  j5,  wia  tvet  idts  i  kxönd  höksi  hä, 

Hochzeit  haben.     Da     habe  ich     halt       gesagt:     Ja,     wie    wollte  jetzt  ich    können     Hochzeit  haben, 

ive7i  i  kxa  geld  lia?   no,  sil  hand  halt  all  pmibdjt,  bis  i  kseid  ha, 

wenn  ich  kein    Geld      habe.      Nun,    sie      haben       halt    immer    angehalten,      bis    ich    gesagt    habe, 

i  ivell  lujgd,  ivw  i  s  kxö  maxxd. 

ich  wolle     sehen,      wie  ich  es  könne   machen. 

i  ha  grät  tsivä  stükxlt  fidrti  hxä;  dö  hxomm  i  fom  fabrikxantd 

Ich  habe  gerade  zwei       Stücklein     fertig    gehabt;    da     bekomme    ich  vom        Fabrikanten 

tsehd   frankxdn    übdr    omp   fof  fravkxdn   i   t   hüsstür;   dö  han   i 

zehn  Franken  and       fünf         Franken         in  die     Aussteuer;        da      habe   ich 


—     217     — 

pmänt,  i  sei  ridx  Jcnudg.     dö  gön   i  mit  dm  gärn  ond  ividpfj  im 

gemeint,     ich    sei      reich       genug.  Da    gehe    ich    mit     dem       Garn       und      Wirpfen       im 

slössakx  innd  tsomm  pfardr  ond  ha  ehd  s  höksi  äkke  ond  ha  hseid 

Schlafsack       drin         zum         Pfarrer      nnd      habe    eben  die  Hochzeit  angegeben  ond  habe    gesagt 

tso-n-dmm,    l   kxön   omm   o   gots   namnid  niwk  he.      er  heb  mo  dö 

zn  ihm,  ich    könne         ihm      in    Gottes       Namen        nichts   geben.       Er     hat      mir       da 

glühx  ont  sega  hwüsst  fast  ts  töd.     dö  hin  i  fo  döt  oiveg  i  hopmd 

Glück       nnd     Segen    gewünscht     fast     za     Tode.       Da      bin  ich  von   dort      weg     zu  Hanptmann 

Tobias  ai  gi  hosa,  hrusttuax  ond  hemp  tinios  hxouffa;   dö   heb   ma 

Toblers    hinanter       Ilosen,        Brnsttnch        nnd       Hemd     anf  Kredit      kaufen;       da        hat       mir 

s  ta  snida   Luis  ptnaxt,  eban  o  divvs.        da  frakx  han  l  fo  amm 

sie  der  Schneider     Lutz      gemacht,       eben  auch  auf  Kredit.        Den      Frack      habe  ich  von    einem 

fatlilia  onip  foman  andara  da  k^iara^^^ahuat. 

entlehnt       nnd     von  einem      andern      den  Kirchenhut. 

dö  sömmar   eban  all  drü  pärli  mittanand  i  h  ^Xidra^^^a.     fo 

Da       sind  wir        eben      alle     drei      Pärchen      miteinander       in  die         Kirche.  Von 

döt   aiveg  sömmar  gi   tsmittag   essa  i  tokxta  Hölas,  ont  t  hera  sönt 

dort       weg         sind  wir    ,gen'       Zumittag        essen    zu     Doktor        Hohls       nnd  die  Herren      sind 

tö  0  mit  ond  hand  als  tsallt.     danö   sömmar  i  s  sönabUallar  bad 

da  anch    mit     nnd       haben     aUes     bezahlt.      Darnach      sind  wir      in  das     Schönenbühler       Bad 

iisi  ont  tüatta  han  l  tsice  frankxa  fü9  s  essa  mösa  tsala   ont  ta   wt 

hinaus  und      dort       habe   ich    zwei       Franken       für  das   Essen    müssen  bezahlen    nnd     der  Wein 

heb  mi  nüvk  kxost;  srnnit  han  i  mit  tswe  frawkxa  höhst  kxä.  — 

hat    mich    nichts      gekostet;      somit       habe  ich     mit      zwei       Franken        Hochzeit    gehabt.      — 

i  ha  dö  no  kxöna  ann  läp  prök   kxouffa   omb   niel   ont   smälts   ont 

ich  habe  da   noch     können     einen    Laib       Brot         kaufen  und       Mehl      und      Schmalz       und 

ta  srlnna  Bäntsaga  heb  ma  mösa  a  k/u/xikxästli  maxxa,   o  dlnns 

der  Schreiner        Bänziger         hat      mir     müssen   ein       Küchenkästchen         machen,    auch  auf  Kredit 

ri^xti. 
richtig. 

§  196.  Zum  Vergleich  gebe  ich  die  Sage  von  der  Vertreibung  des 
Burgvogts  in  der  Schwendi,  wie  sie  T.  (XXIX  ff.)  in  vier  Mundai-ten  anführt, 
in  genauer  Transskription  wieder. 

a)  Mundart  von  K  (Walz.). 

i  äivendi,   a   Mond  hendar  Äppatsell,   ist  amöl  a  sloss  ond  im 

In    Schwende,    eine   Stunde        hinter  ÄppenzeU,         ist      einmal   ein   Schlofi     nnd       im 

sloss  ann  eddmä  ksi.    der  ist  tenn  allpop  fua  sinn  tudnn  am  ksessa. 

SchloS     ein     Edelmann  gewesen.    Der      ist     denn  häufig  (allpot)  vor  seinen       Turm     hin       gesessen. 

am  budb  ist  tö  ftl  fobikkanaa  i  p  perk  kt  sotta  hola.     da  budb  het 

Ein     Bube      ist      da   viel     vorbeigegangen     in  die    Berge  (gen)  Schotten  holen.       Der     Bube      hat 


—     218     — 
sibj  Mwüstdrni  l~xä  ond  isk  l:ad  »  hröJcxU  mp  fom  shss  fdhämmd 

sieben      Geschwister      gehabt     and      ist       nur    ein    Bröcklein     weit      vom     Schloß         daheim 

ksi,  im  Raxxdtohd  hässt  s ;  dd  fattor  het  top  pmahn  omp  paxx».  — 

gewesenem      Rachentobel         heiBt      es;    der     Vater      hat     dort      gemahlen      nnd     ijebacken.      — 

idts   i§t  juiol   dd   huah  am  shss  fohlkkaons  ont  tdr  eddmä  hed  dn 

Jetzt      ist     einmal     der      Bnbe      am      iSchloB      vorbeigegangen       nnd     der      Edelmann      hat      ihn 

äkret,    was  td  fattdr   omp  p   mudttd   tüdid.     ds   hugb  hed  dm   tsdr 

angeredet,    was     der      Vater         nnd      die      Mntter  tun.  Der     Bnbe       hat       ihm       znr 

antworh  l^e:  „dd  fattd  haxt  ckkessds  pröd  omp  p  mudttd  maxp  pös 

Antwort    gegeben:  „Der   Vater      backt     ehgegessenes     Brot       und     die     Mntter        macht       Bös 

uff'  pös."    dor  eddmä  hed  o  ivolo  wisso,  ivas  t  red  i  si  heij,  ont  tö 

auf       Bös."         Der    Edelmann      bat    auch  wollen  wissen,       was  die  Rede   in  sich    habe,     und     da 

ist  dr  imid  tvördo,  das  tdr  alt  tas  mel,  ivo-nn-o  fohaxxi,  not  tsallt 

ist      er      inne       worden,       daß      der     Alte    das     Mehl,     wo  er      verbacke,      nicht     bezahlt 

heij  ont  ti  älp  plets  in  o  fosrentsts  piJcxli  häss  püotsi.    ivis  dö  dsr 

habe     nnd    die    Alte    Lappen    in    ein     zerrissenes        Stück      Gewand      nähe.  Wie     da      der 

eddmä  Jcfrögot  hed,  us  wosso  gront  si  das  tüoid,  het  to  hudp  Jcseid: 

Edelmann       gefragt        hat,      aus    wessen      Grund     sie   das       tun,         hat    der     Bnbe      gesagt: 

„ehd  doromm,  das  t  üs  als  keld  nest!"    dor  eddmä  hed  om  dö  tröüt, 

„Eben        darum,         daS    du  uns  alles   Geld     nimmst.''       Der      Edelmann     hat      ihm    da     gedroht 

d  icöll  t  hönd  an  d   rätsd.  —  dd  hudp  höd  he  omp  fotselU  tö  als 

er  wolle  die   Hunde      an     ihn    reizen.       —     Der     Bube      geht     hin      nnd         erzählt       da     alles 

mittdnand.    no,  simm  fattd  gid  omm  d  rotlt  ä,  d  soll  gad  dn  andds 

miteinander.        >iun,       sein       Vater    gibt       ihm    einen  Rat      an,   er   solle     nur      ein    anderes 

möl  t  täsd  onddsühdsi  trägd  ond  o  hxats  trltö.    dd  hudb  niaxt  s  asd 

Mal  die  Tanse  verkehrt  (nnterübersich)  tragen  nnd  eine    Katze  dareintun.    Der     Bube      macht     es     so 

onli  kot  tö  end  iveg  om  shss  tsuo.    dor  eddmä  stellt  d    widd   ts  red: 

und     geht    da  so  jenen  Weg    dem    Schloß       zu.         Der     Edelmann     stellt    ihn    wieder     zur     Rede : 

,yno,  du  witsnasd,  seh  kxäsp  md  sägo  ivedds,  hant  t  agdstd  me  wiss 

„Nnn,      da        Witznase,  kannst       mir    sagen    (weders),     haben  die    Elstern    mehr    weiße 

odd   swarts  fedord?"      dd   hudb   seid:    „me   swarts."      „ivoromm?" 

oder      schwarze        Federn?"  Der      Bube       sagt:      „Mehr      schwarze."  „Warum?" 

„will  halt  t  tiifd  mit  td  tsivinnherd  nie   ts  saffid  hand  as  t  enud." 

„Weil      halt    die  Teufel     mit     den       Zwingherren       mehr    za   schaffen     haben     als  die     Engel." 

dö   löt   tdr   eddmä   t   hönd   ab.     dd   budh  lök   k  kxats  nsd;  t   hont 

Da     läßt     der      Edelmann    die    Hunde       ab.       Der     Bube      läßt    die     Katze     heraus;  die    Hunde 

äprivnit   td  kxats  nö,  ont  td  hudb  Jied  amig  o  mögo  laxxd;   abdr  o 

springen       der    Katze      nach,    und    der    Bube       hat  auch  mögen     lachen;         aber    er 

het  SI   dd   knöttd   ivek  s  tohd  ahi  pmaxt.     ddr  eddmä,  nöp  ffd,  ist 

hat     sich  dann  schnell  das   Tobel  hinunter  gemacht.         Der      Edelmann,     nicht     faul,     ist 

dm  mit  dm   spidss  not,   hed  d   donno  ühokxö  ont  tö  ts  tök  kstoxxd. 

ihm      mit      dem       Spieß       nach,      hat    ihn      unten       bekommen    und     da    zu    Tode     gestochen. 


—     219     — 

ma  kxa  si,  s  teüJcxd,  dd  fatta  fom  hudbd  het  tö  fo  rox  fölli  Jcirdt 

Man    kann     sich's      denken,       der      Vater      vom      Bnben      hat     da    vor    Rache  völlig  geknirscht 

ont  ü  gänts  pürsami  tsämnidtö.    ds  sönt  tom  eddmä  dö  füdss  pmaxt 

nnd    die     ganze      Banernsame   zasammengatan.     Es     sind     dem     Edelmann     da       FäSe       gemacht 

wördd,   Diid  d  lied  nöb  mögo  uff  td  Fännardspits  ul  l'xo,  so  hed  d 

worden,       nnd     er     hat      nicht     mögen     anf    den         Fähnernspitz       hinauf  kommen,  so     hat    er 

SO  kseJid  s  für  fsuam  shss  üs  flakxd. 

schon  gesehen  das  Fener      znm       Schlofi      ansflackern. 

b)  Mundart  von  Mi   (Teuf.). 

l  sivendt,  a  stond  liönddr  Äppdtsell,  ist  dniöl  9  shss  ond  im 
shss  dnn  edlmä  lese,  der  ist  tenn  allpop  for  sinn  törn  ana  Isessa. 
am  hiidh  isp  fil  dö  förkavaa  i  p  perk  ka  sotta  hola.  da  hudb  het 
siba  kswüstarik  kxä  ond  isk  kad  a  brökxli  wJp  fom  shss  dahemma 
kse,  im  Baxxatobal  liasst  s;  da  fatta  het  tei  pmalan  omp  paxxa.  — 
iats  ist  amöl  da  budp  pim  shss  daför  dörakahva  ont  tar  edlmä  hed  an 
äkret,  was  ta  fattar  omp  p  inuatta  tiiagid.  da  busb  hed  am  tsor 
antwork  ke:  „da  fatta  baxt  ekkessas  pröd  omp  p  niuatta  maxp  pös 
off  pös."  dar  edlmä  hed  ou  tvöh  ivössa,  was  t  red  i  si  heij,  ont  tö 
ist  ar  inna  tvördo,  das  tar  ölt  tas  mel,  ivo-nn-a  fabaxxa  tüa,  nilt  tsallt 
heij  ont  ti  älp  plets  in  a  fasrentsts  pikxü  häss  püatsi.  ivid  dö  dar 
edlmä  kfrögat  hed,  os  ivess  krönt  si  das  tüagid,  het  ta  budP  ksäd: 
„eba  deiromm,  das  t  Ös  alls  keld  nest."  dar  edlmä  hed  am  dö  tröüt, 
d  wöll  t  hönd  an  a  äratsa.  das  tivn  isk  kuad,  da  buap  köd  he  omp 
fatsellt  tö  alls  mettonand.  no,  simm  fatta  ged  amm  a  rotli  ä,  a  soll  gad 
an  andas  möl  t  täsa  ondasöbasi  träga  ond  a  xats  tretua.  da  budb  maxt  s 
asa  onk  köt  tenaweg  am  shss  tsua.  dar  edlmä  stellt  a  ivida  ts  red: 
„no,  du  ivitsnasa,  sena  xäsp  ma  säga  tvedas,  hent  t  ägasta  me  wtss 
oda  swarts  fedara?"  da  budp  säd:  „me  swarts."  „woromm?" 
„will  halt  t  tüfal  me  m,et  ta  tswiwvhera  ts  saffa  hend,  as  t  ennal." 
dö  löt  tar  edlmä  t  hönd  ab.  da  budb  lök  k  xats  usa;  t  hont 
sprivvid  ta  xats  noha,  ont  ta  budb  hed  enast  ou  möga  laxxa;  ahar  a 
het  si  da  knötta  ivek  s  tobal  äp  pmaxt.  dar  edlmä,  nüp  fid,  ist 
am  met  ama  spiass  noha,  hed  a  donnan  öbaxö  ont  tö  ts  tök  kstoxxa. 
ma  xa  sc  s  tevkxa,  da  fatta  fom  budba  hep  fo  röx  tö  fölUk  kirat 
ont  ti  gants  pürsami  tsemmatua.  as  sönd  am  edlmä  dö  fudSS  pmaxt 
wörda,  ond  a  hed  nüb  möga  off  ta  Fennaraspets  una  kxö,  so  hed  a 
SO  kseha  s  für  tsoni  shss  üs  flakxa. 


—     220     — 

c)  Mundart  von  I. 

i  äwendi,  o  Mond  hönddr  Äppdsöii,  ist  dmöi  9  sioss  ond.  im 
§hss  onn  edhnä  kse.  der  ist  tenn  ailpop  fb  sinn  tön  am  ksessd. 
dm  hudb  i§t  dö  füll  fökavnd  i  j^  P^k  ho  sottd  lioh.  dd  hudh  het 
sibd  ksivüstdrik  hxä  ond  isk  Jcad  j  hrökxh  wip  fom  sloss  ddhemd 
kse,  im  Raxxdtohl  hässt  s.  do  fattd  het  tep  pmahn  omp  paxxd.  — 
idts  ist  dmöl  dd  budp  pim  sloss  ddfö  dördkanna,  ont  tor  edhnä  hed 
9n  äkret,  tvas  td  fattdr  omp  p  muattd  tüdid.  dd  huab  hed  dm  ts 
antwok  ke:  „dd  fattd  haxp  fökkessds  pröd  omp  p  mudttd  maxp  pös 
off  pos."  dar  edlmä  hed  oii  wöld  ivessd,  ivas  t  red  i  si  heij,  ont  tö 
ist  dr  Inno  tvödd,  das  tdr  äU  s  mel,  wo-nn-d  fdhaxxi,  nüt  tsaltt 
heij,  ont  ti  älp  plets  in  d  fdsretsts  pikxli  häss  püdtst.  ivid  dö  ddr 
edhnä  kfrSgdd  hed,  os  was  krönt  st  das  tüdtd,  het  td  hudp  ksäd: 
„ebd  doromm,  das  t  Ös  s  köld  alls  nest."  ddr  edlmä  hed  am  dö  met 
td  höndd  tröiit,  d  ivöl-dm  s  ärätsa.  dd  budp  köd  he  omp  fdtsöllt  tö  alls 
mettdnand.  no,  simm  fattd  ged  dmm  d  rotli  ä,  9  soll  dn  anddä 
mal  t  täsd  onddsöbdsi  trägd  ond  d  xats  tretud.  dd  buab  maxt  s  asd 
onk  köt  teiveg  om  sloss  tsiid.  ddr  edlmä  stölU  d  widd  ts  red: 
„no,  du  witsnasd,  seh  xäsp  mo  sägd  tvedds,  het  t  agostd  me  wtss 
abd  me  swats  feddrd?"  dd  budp  sad:  „me  sivats."  „ivoromm?" 
„wüll  halt  t  tofl  me  met  td  tswivvherd  ts  saffid  hed,  as  t  evvl." 
dö  lot  tdr  edlmä  t  hönd  ab.  dd  budb  lök  k  xats  iisd;  t  hönd 
spritJDit  td  xats  nohd,  ont  td  budb  hed  est  ou  mögd  laxxd;  abdr  d 
het  si  dö  dd  knötto  ivek  s  tobl  äp  pmaxt.  ddr  edlmä,  niip  fiil,  ist 
dm  met  omd  spidss  nohd,  hed  d  donno  öboxö  ont  tö  ts  tök  kstoxxd. 
md  xa  si  s  tenkxd,  dd  fattd  fom  budbd  het  tö  fo  röx  fölhk  kirod 
ont  ti  gq,ts  piirsami  tsemotud.  ds  sönt  tom  edlmä  dö  füdss  pmaxt 
wödd,  ond  d  hed  nüb  mögd  off  td  Fenndrospets  um  kxö,  so  hed  d 
so  ksehd  s  für  fom  sloss  üfflakxd. 

d)  Mundart  von  Hi  (Her.). 

i  swendi,  o  stond  hönddr  Appdtsell,  ist  dmöl  d  sloss  ond  im 
Moss  dnn  eddlmä  kse.  der  i§t  tenn  ailpop  for  sinn  törn  and  ksessd. 
dm  budb  isp  fll  dö  förkanidd  i  p  perk  ko  äotto  hold,  dd  buab  het 
sibd  ksivüstdrik  khä  ond  isk  kad  d  brökxli  unp  fom  sloss  ddhemo 
kse,  im  Baxxdtobdl  hässt  s;  dd  fattd  het  tei  pmähn  omp  paxxd.  — 
iats  ist  dmöl  dd  busp  pim  äloss  ddför  dördkavvd  ont  tdr  eddlmä  het 


—     221     — 

dn  äkrdt,  was  td  fattdr  omp  p  mudtto  tüdgdd.  dd  hudb  het  9m  tsuar 
antworh  ke:  „dd  fattd  haxp  förhessds  pröd  omp  p  muattd  maxp  pös 
offpös."  ddr  edalmä  het  ou  iveh  ivössa,  was  t  red  i  si  heij,  ont  tö 
ist  dr  ind  wördd,  das  tdr  alt  tas  mel,  ivo-n-9  fdhaxxi,  nüt  tsallt 
heij  ont  ti  alp  plets  in  d  fdsrentsfs  pikxU  hass  püdtsi.  ivis  dö  ddr 
eddlmä  hfrögdt  het,  os  ivas  krönt  si  das  tüdgdd,  het  td  buap  ksät: 
„ebd  doromm,  dass  t  üs  s  keld  alls  nennst."  ddr  eddlmä  het  dm  dö 
met  td  höndd  tröüt,  d  wel  dm.  s  ärätsd.  dd  hudp  kot  he  ont  tudt  tö  alls 
mettdnand  fdtseld.  no,  simm  fattd  get  dm  d  r'dtli  ä,  d  sei  dn  andds 
möl  t  täsd  onddsöhdsi  trago  ond  d  xats  tretud.  dd  hudh  maxt  s  asd 
onk  köt  teweg  m  sloss  tsud.  ddr  eddlmä  tudt  d  widd  ts  ret  steh: 
„no,  du  ivitsnasd,  send  xasp  md  sägd  wedds,  hent  t  ägdrstd  me  wtss 
odd  me  swarts  feddro?"  dd  hiiop  sat:  „me  swarts."  „woromm?" 
„will  halt  t  tüfdl  me  met  te  tsw'woherd  ts  saffd  hend,  as  t  envdl." 
dö  löt  tdr  eddlmä  t  hönd  ab.  dd  budb  lök  k  xats  usd ;  t  hont 
spriwdt  td  xats  nohd,  ont  td  budb  het  endst  on  mögo  laxxd;  abdr  o 
het  st  dd  knöttd  wek  s  tobdl  äp  pmaxt.  ddr  eddlmä,  niip  fiä,  ist 
dm  met  dmd  spidss  nohd,  het  d  dond  öbdxö  ont  tö  ts  tök  kstoxxd. 
md  xa  si  s  tenkxd,  dd  fattd  fom  budbd  het  tö  fo  röx  folik  kirot 
ont  ti  gants  pürsami  tsemotud.  ds  sönt  tom  eddlmä  dö  füdss  pmaxt 
wördd  ond  d  het  nüb  mögo  off  td  Fendrdspets  ufd  kxö,  so  het  d 
so  ksehd  s  für  fom  sloss  ufflakxd. 


Wörterverzeichnis. 


Vorbemerkung.  Aufgenommen  sind  sämtliche  in  der  Arbeit  vor- 
kommenden mundartlichen  Beispiele  und  zwar  soweit  möglich  in  schriftsprach- 
licher Form.  Wörter,  die  in  der  Schriftsprache  keine  Entsprechung  haben, 
sind  in  der  mundartlichen  Form  angeführt,  doch  mit  der  Modifikation,  daß 
mundartliches  o  (<  «),  e  {<ii),  ä  oder  ä  {<^ei)  durch  m,  bezw.  i,  ei  ersetzt  ist. 

Durchsichtige  Ableitungen,  so  auch  das  Dim.,  sind  unter  dem  Grund- 
wort aufgeführt. 

Die  Zahlen  beziehen  sich  auf  die  Paragraphen. 


ä(ä)  24 

a-ba  (-pa)  24 

ab  125 

ab-  99 

abasten  158 

Abdörrung  89 

Abece  180.  184.187 

Abend  73.  115.  139.  159;  -äberig  90,  5 

aber  24 

aber  Adj.  71 

Aberwillen  38 

abfertigen  28 

abgeben  33 

abher,  -hin  25.  125.  153 

abkontefeten  180.  183.  185.  189.  190 

abmachen  33 

abrahmen  82 

abscheulich  90,  5 

abschneiden  38 

absolut  182.  184.  186 

abtreschaggen  180 

Abtritt  99 

abwaschen  30 

Abwaschlumpen  30 

Abweichen  150 

Achsel  22.  33.  154 

achsen  96.  137.  154 

Ack  s.  Nack 

Acker  53 

Ackerfluh  154 


Adam  90,  2 

ade  s.  alitag 

Ader  71.73 

adieu  182.  185 

Adresse  180.  183. 184.  188 

Advokat  180.  186.  189.  193 

afel  s.  alsviel 

Afferantiß  180.  186 

afl'rantierlich  180 

Ägeste  s.  Elster 

Agle  159 

Agrafi'e  181 

ähnlich  174 

Ähre  49.  154;  äheren  49 

ajour  182.  188 

Albere  181 

alder  140 

Alefanz   182.  186.  188;   alefänzig  182. 

Alfons  90,  2.  186  [186 

Ali  90  2 

all(e)  37.  49.  98.  103.  156.  159.  166 

Allee  180.  184.  192 

allein  113 

allenthalben  134 

allmächtig  39 

allpott  124 

alitag  159.  166.  168 

all  weg  171 

all  weil  33.  166 

als  122.  165 


—     223 


also  113.  165 

alsviel  109. 175 

alt  56.91.93.  103.116.173 

Altane  180.  184.  192 

Altar  180.  184 

altfränkisch  48.  90,  5.  175 

am  112 

Amarille  182.  183.  184.  186 

Ambos  76.  173 

Ameise  49.  109.  114.  135. 156 

amig  s.  allweg 

Ämli  s.  Amarille 

Ammelimehl  181 

Ampfer  153 

A  TV)  Cpi       ''J  *-^ 

an  112.  121.  157.  159.  160.  161 

an-  99.  160 

ander  29 

anderhalb  134 

anders  134 

Angewägt  134 

Angst  115 

anheimeln  156 

anher,  -hin  161 

Äni  49.  100 

Anis  48.  141.  170 

Anmal  27.  38.  53.  109 

Anna  22.  90,  2 

anseifen  168 

Anstoß  173 

Anton  90,  2.  186 

Antonia  90,  2 

Antrauf  82 

anzeichnen  80 

aparte  180. 186 

Apfel  50.  91 

Apotheke  180.  184.  186.  189.  192.  193 

Apparat  180 

appelen  181 ;  Appell  181 

appelönisch  181.  184.  186 

Appenzell  91 

Appetit  180.  188.  192 

appretieren  180 

Aprention  180.183;  Apperenz  180 

April  182.  184.  192 

apropo  182 

Arbeit  49.  104.  109.  114.  116.  133 

ardlich  56.  90,  5.  104 

aren  s.  eren 

Arfel  s.  Armvoll 

arg  56 

Ärger  56. 104 

arm  56.  104 

Arm  104.  167 

Ärmel  48.  94.  104 

Armvoll  30.  90,  6.  109;  arflen  90,  6 

Arsbacken  29 


Art  104 

Asche  22.  46 

Äscherich  151 

ase  s.  also 

Äser  71 

Asil  180.  184.  188 

as(l)ig  49 

assen  s.  achsen 

ässig  90,  5 

Ast  50.  158 

asten  158 

Atem  156 

atemlos  168 

Ätti  49 

ätzen  48 

Au  82 

auch  82. 122.  151 

auf  122.  173 

auf-  109 

aufbäumen  83 

Auffahrt  38.  109 

auf  her,  -hin  25.  128.161 

aufmachen  38 

aufnehmen  33 

aufschlagen  33 

auf  tun  33 

Auge  33.82.90,2.158;  äugen  83 

Augenbraue  72 

August  82.  182.  186 

aus  112.  173 

aus-  109 

auslassen  33 

außen  90,4.116. 

außerhalb  134 

ausstaffieren  180 

ausstehen  29 

auswendig  38 

Avemaria  88.  153.  184 

Axt  52.  134 

äzen  73. 136 


b-  s.  auch  p- 

Babe  s.  Barbara 

Bach  50.54 

Back  90,  6.  186;  bäcklen  90,  6 

Backen  148 

Bad  51;  baden  33.114 

Badenechtli  s.  Betonika 

Badigeli  180.  183.  187.  189.  192 

Bagage  180.  186. 187. 188 

Bagatell  180.  187. 189. 192 

bäggen  148 

bähen  73 

Bajonett  180. 184.  187 

Balari  180 

bald  27.  103 


—     224     — 


Balg  52 

Balicr  s.  Parlier 

Balken  150.  152 

Ball  184 

Balle  31;  bälleleu  90,6 

Ballon  16G 

ballig  57 

Balmen  s.  Walmen 

Bändel  48.  133 

bang  111 

Bank  50.  95.  101 

Bann  98;  Bannwart  98.163 

Banner  181.  186.  187 

bar  97 

Barbara  31.90,2.  167.  176 

Barbierer  193 

Barchent  104.  133.  150.  159 

barmherzig  39 

Barn  104.  123 

Barometer  182.  184.  186.  187 

Bart  104.  133.  173;  harten  173;  Bartli 

Bartholomäus  90,  2  [90,  2 

bas  90,3,4.98;  Basi  90,3 

bäschelen  123 

Base  49.116 

Bäsilge  180.  183.  187.  189 

Basilisk  180.  193 

Baß  186 

Bastard  181.  186.  187 

Bätterich  151 

Batzen  90,2;  batzig  90,5 

Bau  88;  bauen  80.  171 

Bauchnabel  109 

Bauel  s.  Baumwolle 

Bauer  78.  90,  2.  124 

bauernmäßig  29 

Bäugge  89 

bäuggen  89.  148 

Bauherr  88 

baulos  88 

Baum   33.  34.  82.  90,1;   bäumen  82; 

bäumig  90,  5 
Baumeister  88.  109 
Baumgarten  32.  109 
Baumwell  175 

Baumwolle  30.  109;  baumwollen  90,  5 
bäurisch  90,5.119.  173 
be(be)  171 
Beck  48.  152 
Becki  31.48.116 
bedeuten  111 
Beecher  96.  109 
beelenden  111 
Beere  48.  89 ;  beeren  48.  89 
befehlen  60.  111.154 
Befig  s.  Bifang 
begreifen  31.62.111 


behab  56.  89 

behalten  103 

behangen  111 

behaupten  82.  175 

Behebi  89 

behend  31.  48.  153 

Behenk  134 

Behick  31 

behüten  27.31.  122.  153 

bei  25.  27.  88.  106.  112.  121.  159.  161 

beid  80 

beielen  88 

Beige  75 ;  beigen  62 

Beil  108. 154.  165 

Bein  95 

Beisäß  88 

Beispiel  88 

beißen  29.62.  119 

beizen  136 

bekannt  111 

Belang  111 

belegen  111.148;  Belegi  148 

Bell  171 

bellen  93 

bend  s.  behend 

Bengel  48 

beraten  111 

beräuche(r)n  124.  150 

Bere  100 

beren  100 

Berg  104 

Bergbirne  30 

berlangen  181.  183 

Beruf  111;  berufen  111 

besaufen  115 

Bescheid  111 

bescheißen  62 

Beschiß  62 

beschlagen  124 

beschließen  79 

beschoppen  90,  2 

beschußlich  90,  5 

Besen  115.116.  156 

besetzen  124;  Besetzi  48 

besinnen  163 

besonderig  90,  5. 111 

besser  56 

best  29.  56.  116 

Bestie  181.  183 

Bestück  134 

Besuch  90, 1. 150 

Betbuch  27 

Betglocke  28 

bet(l)en  184. 187 

Betonika  180.  183.  187.  192 

Bett  48.  133 

betteln  22 


—     225     — 


Bettstatt  109. 175 

betzen  137;  Betzel  137 

betzgen  137;  Betzger  137 

Beule  79 

beurteilen  111 

bevogten  111 

beweisen  111 

bewerben  111 

bi  64 

Bibel  64 

Bibeli  64 

biberen  64 

Bibliothek  192 

Biene  88 

Bier  85.  123 

Bießli  185.187.188 

Biest  85.  107.  123. 159 

bieten  79 

Bifang  164 

Bild  63.91 

Billet  182.  187.  192 

Binätsch  180.  183.  187.  188 

binden  33.  61.  68.  91.  133 

binggelen  148 

Binse  96.  141 

Bipli  184 

Birke  63.  116.  117.  150.  167 

Birne  62.  94.  100 

bis  27.  64. 135 

Bisam  62.  134 

bisons  175 

Biß  62.  98. 135;   Bißchen  62.  116. 135 

Bisse  124;  bissen  124 

bitten  64 

bitter  62. 134 

Bitzgi  64.  137 

Blacke  115.175 

Blähe  154 

Bläling  90,  7 

blan  90,  4,  7 

Blankscheit  s.  Plantschet 

Blase  116;  blasen  119.123.160;  blä- 

Blaß  123  [seien  73 

Blasse  46 

Blaßkopf  46 

Blast  71 

Blätsch  49 

Blatt  50.  54 

Blatter  115 

blau   72.  119.  171;    blauen    72.  171; 

Bläueli  72.  116 
bleggen  148 
Blei  88. 171 
bleiben  62.  124 
bleich  150;  Bleiche  150 
Bleiweiß  109.  171. 173 
blenden  48 

Vetsoh,  Appenzeller  Mundarten. 


bleren  74 

Blesfeuer,  -holz  46 

bleuen  88.  172;  Bleuer  88;  Bleuli  88. 

Blick  64;  blicken  64  [123 

blind  119.  160 

blindenmüslen  39 

Blindschleiche  150 

Blitz  64.137;  blitzen  64.137 

blob  usw.  s.  blau 

Bloch  123 

blöde  77 

bloß  76.  173 

blühen  87.170;  Blühet  114 

Blume  86.  156 

Blut  86.  109.  173;  bluten  87 

blutrösch  s.  -rünstig 

blutt  68.  140 

Blutter  173 

Blütt(er)ling  90,7 

Blutwurst  109 

Blutzger  137 

Boberli  90,  2 

Bocher  90,  2 

Boden  65. 115. 116.  123. 156.  166 

Bogen  23.  65.  90,  1 ;  böglen  66 

Bohne  90,  6.  95. 116;  böhnelen  90,  6 

Bohnenfeieli  88 

bohren  65.  100;  Bohrer  90,2 

Boldere  174 

Bolete  180. 192 

Bollaugen  33. 109.  166 

Bollen  93.  116.  166 

Bolzen  123.  135.  175;  bolzgrad  123 

Bommert  s.  Baumgarten 

Bonbon  181.  190 

Bö(n)gge  89.  159 

bopperen  90,  6 ;  böpperlen  90,  6 

Bord  104.  123 

Borste  104 

borzen  104 

bös  29.  77.  116. 119;  Bösewicht  76 

Böser  82.  90,  2 

Bote  65.  123 

Bottine  181.  183.  184.  187 

Bouquet  181.  184.  187.  189 

Bowell  s.  Baumwell 

Brächet  150 

Brachmonat  71 

brämeu  124;  Brämer  124 

bränselen  96.  141 

branzen  137 

Brasselet  182.  186.  187 

Bratens  s.  Gebr- 

Brätsche  49;  brätschen  49.123 

Brattig  s.  Praktik 

Bratwurst  109.  133 

Brauch  150;  brauchen  31.  150 

15 


—     226 


Bräuggerin  89.  148 

bräulen  s.  Brölen 

braun  78.159.160.161 

Braut  109.173;  bräutelen  90,6 

Brautfuder  27 

Brautwagen  109.133 

brav  184 

brechen  65 

breit   80.  89.  90,  8.  173;    breiten   27; 

Breite  89 
Breitaxt  33.  109.  123.  133 
Brera(s)e  94.  100 
brennen  48.  95.  163 
Brennessel  48 
Brente  94. 101.  116 
bresten  60 
Brief  85 
brieggen  148 
Briest  134 
briggelen  64. 148 
Brille  186 
bringen  73.  107 
brisen  62 
Brisille  180 

Brocken  90,  6.  116;  -bröcklen  90,6 
brölen  89 
Brombeere  109 

Brosame  33.65.90,6. 115.116.141.156; 
brösmelen  90,  6 

Brösle  156;  bröselen  156 

Brosli  65 

Brot  76.  90,  2.  173 

Bruch  150 

Brücke  22.  69. 148 

Bruder  90, 1.  116 

Bruggzeug  175 

Brügi  70 

Brühe  87.  170;  brühen  87 

brummlen  90,  6 

Brunnen  68.  90,  1. 116.  123.  163 

Brunst  96;  brünstig  96 

brunzen  68. 101. 137 

brüsch  s.  Plüsch 

Brüßle  184 

brütig  90,  5 

Bube  33.  90,2.  108. 120.  125;    bübelen 
90,6;  bübisch  108 

Bubeli  90,2 

Buber  90,  2 

Buch  109.  150 

Buche  150;  buchig  90,5 

buchen  150 

Büchse  154 

Buchstabe  109  [90,6 

Buckel  68.90,2,6.123.148;  buckelen 

Buder  90,  2;  budern  37;  buderig  90, 5 

budlen  67   . 


Bueti  90,2 

büezen  29.  87.  136 

Büffet  168.  181. 183.  187 

bügeln  33 

Bühel  154 

Bühne  70 

Bündel  37.  70.  124. 133 

Bunten  101.  183.  187.  188 

Bürde  69.  94.  104.  139 

Bureau  181 

Bürge  104 

Bursche  134.167 

Bürste  94.104.116 

bus  67;  Bus  67.90,2 

Busch  68;  Buschen  123 

Büschel  70.  90,6. 123;  büschelen  90,6 

buslen  68 

Busen  156 

busper  68.142;  busperig  90,5 

Buße  108.123.173;  büßen  123 

Buteille  180.183.192 

Butike  181. 189. 192 

Butte  69.90,6;  buttelen  90,6 

Bütterich  151 

buttern  s.  budern 


c-  s.  auch  g-  und  k- 
Cent  183 
Centime  181.188 
Centimeter  181. 188 
ch-  s.  auch  k- 
Chaise  184.188 
Cholera  174 
Christ  62 

christenmöglich  62 
chutz  67 

Courage   182.184.185.186.188;    cou- 
ragiert 180 
Cousine  181.  184. 189 
Couvert  181.  184. 189.  190 


d-  s.  auch  t- 

da  122. 138. 167.  170 

dabei  88.113 

Dach  51.  138.  150 

dadurch  113. 138 

dagegen  113 

daheim  34. 113. 156 

daher  113 

dahinten  113 

Dame  184.188;  dämlen  90,6 

Dämmen  138;  dämmen  138 

Dampf  102.  128 

Daniel  90,2 

Dank  138;  danken  101.138 


—     227 


dann  s.  denn 

daran  138 

darauf  113 

darin  61.91.113.  138 

Darm  51.  104.  138 

darnach  154 

darum  113.  138 

darunter  113 

das  29.  98.  121.  135.  138 

daß  135. 138 

Dätta  138 

Daumen  78.  90,6.  108. 146 

David  90,2 

davorn  138 

Dechant  168. 181.  183. 188 

Deckel  48.  116.166 

decken  48;  Decker  48 

dei  25.  138.  170 

Deichsel  33.  92.  138 

dein  121.  138.  159.  160 

deinetwegen  134 

dem  34.  95.  121.  138.  156 

den  95.  106.  121.  138.  168 

dene  113.  138 

denen  95.  121 

dengeln  90,  6. 152 

denken  48. 101. 138.  152 

denn  48. 138 

der  106.  121.138.  168 

derig  138 

derselbe  165.  170 

des  121 

desto  60 

deutsch  79.  108.  137 

Dezember  180.  183.  187 

Dialekt  188 

dich  64.  121.  138.  151 

dick  64.  116.  119.  138.152 

Dideli  64. 138 

die  21.31.121.  138 

Dieb  138 

Diele  63.  138.  165 

dienen   31.  85.  108.  138.  159;    Dienst 

85.  107.  108.  114.  138 
Dienstag  75.  109.  142 
Dientel  138 

Ding  63.  138;   dingen  138;  dings  138 
dinne  113.  138. 163 
dir  62.  121.  167 
Diskant  180.  188 

diskurieren  180.  186.  188.193;  Diskurs 
Distel  64.  115. 175  [188 

do  122.138 
dobe  118. 138 
doch  138. 154 
Dodeli  90,2.  138 
doderen  138 


dodlen  138 

Doktor  181.  183.  189 

Donner  138.174;  donnern  138.174 

Donnerstag   138.  142,  167;  dönnsteri 

90,5.138 
doppelt  65 
döre  s.  durchher 
Dorf  104.  128.  138 
Dorn  104 

dörren  48.  89.  104. 138 
dort  138 
Draht  173 
dräuen  83 

Dreck  60.138;  -drecken  138 
drehen  73 

drei  88.  138;  Dreier  88 
Dreiangel  181. 185.  188 
Dreiet  180.  188. 
drein  75 

dreißig  88.  107. 138 
dreizehn  88.  109 
dreschen  60.91.  138 
dressieren  180.  183 
dritt  62;  Drittel  62 
dro  138 

Drohne  s.  Trenne 
Drossel  76.  174 
drücken  21.69.138;    drückerig  90,5; 

Drückete  133 
Drüse  s.  Truesse 
du  31.106.  121.138 
ducken  132 
dulden  138 
dumm  68.  125.  132 
düngen  67.  157.164;   Dungi  67.  90,3. 

132. 157.  164 
dunkel  67.  101.  115. 116.  132.  150.  164 
dunkelmüslen  39 
dünken  69.  138 

dünn  70.138.163;  dünnern  163 
dünne  113. 138 
Dunst  96.  132;  dunstig  96 
durch  112.  138.  154 
durchher,  -hin  138.  154 
Durchschlacht  38. 138.  154.  174 
Durchzug  38 
dürfen  66.  138 
dürr  94. 138 

Durst  104.138.142;  dürsten  116.119 
dusse  113 
Dutzend  134 


eben  60 

Echarpe  s.  Scherpe 
Ecke  46. 148 
edel  48 


—     228     — 


Edelweiß  173;  edelweißen  173 

efange  112 

Ehe  74 

eher  74.  167.  174 

ehrbar  109.  167 

Ehre  74 

Ei  SO.  170 

Eibentanne  75. 171 

Eichhörnchen  33.  153. 174 

Eid  139 

Eidechse  81. 153 

eigen  80. 145 

Eile  s.  Erle 

Eimer  95.  125.  157 

ein(er),  -e,  -es  34.  121.  135.  159.  160. 

161.  162;  Einer  159 
einäugig  83 
einest  134.  159 
einfach  134 
einfältig  57.  109 
einmal  157 
einnehmen  38 
einseitig  109 
einundachzig  159 
einweichen  88.  108.  150.  154 
Eisen  108.  116 
eitel  75 

Elefant  180.  183.  186 
elend  48.  166 
elf  24.  80.  107.  130 
Elfenbein  153 
Elias  88 
Elle  48 
Elm  171 
Elster  49 

Emd  95.  114.  139;  emden  139 
Emdbuggle  27.  148 
Emmel  s.  Anmal 
Ende  48.133;  endlich  133 
ender  174 
ene  s.  jener 

enen(t)  95.  159.  168. 170 
Enesli  s.  Anis 
eng  48 
Engel  48 
ennen  s.  nidnen 
ent-  159 

Ente  21.  50. 133.  159 
Entenbeere  s.  Himbeere 
entnucken  111 
entschütten  111 
entweder  139 
entwerfen  111 
entwöhnen  163 
Enzian  182.  183.  184 
er  106. 121 
er-  167;  s.  auch  ver- 


erbärmlich 90,  5 

Erbe  m.  und  n.  48. 104 ;  erben  48.  94. 

104;  erblich  114.125 
erb  er  s.  ehrbar 
Erbse  49.  116.  135.171 
Erbsstiegel  29 
Erdbeere  167 
Erde  104 
eren  48.  89 
erflohen  154 
erlauben  82 
Erle  89 
Ernst  104.  115 
erst  74.  167 
ertnäpfen  111 
E(r)trock  s.  Itruck 
erwellen  48 
es  29.  121.  135 
Esche  46.  89.  98.  173 
Esel  48 
eso  s.  also 
essen  29.  73 
Essig  48 

estimieren  180. 183. 186   ' 
Estrich  48.  150 
etlich  60 

etsche  91.  142. 171 
Ettich  181.  183.  188.  189 
etwa  60.91.171;  etwas  135;  etwer  60 
etwedere  158 
euch  88.  121 
Eulenspiegel  153.  165 
Euter  78.  90, 1,  2 
ewel  s.  neißwel 
ewig  74.  171 
exakt  180.  183.  189 
Examen  180.  183.  184 
exerzieren  180.  183.  186 
existieren  180.  183 
exküsi  180.  183.  186.  189 
explizieren  180.  183.  188 
extra  181.  183.  186.  188 


f-  s.  auch  pf- 

Fabrik  180.186.189;  Fabrikant  180; 

fabrizieren  180 
Fach  51 

Facht  126;  fachten  49 
Faden  51.  54.  116.  156;  fädlen  90,6 
Fahne  100.116.  159.174 
fahren  100;  Fahrt  104 
Fall  98.  166;  Falle  116;  fallen  21. 103. 

147.166;  fällig  90,3 
fallieren  180.  192;  Falliment  180.  186. 
falsch  46.  103.  142.  174  [192 

falten  21;  fältlen  103 


229     — 


Familie  180 

famos  180.184 

fangen  108.154;  Fangens  115.159 

Fanz,  fänzig  s.  Alefanz,  -fänzig 

Farbe  33.  104.  171 ;  färben  49. 104. 171 

Färli  s.  Ferkel 

Fasnacht  109. 135.  142.  154 

Fason  180.  192 

Faß  51 

fast  120 

fatal  180.  184 

Fatzenetli  180. 188.  193 

faul  78.  90,6.  109.  165;  Fäule  90,3; 
faulenzen  33.  109.  137;  fäulelen 
90,6;  Fauler  165;  Faulheit  31 

Faust  142 

Fecke  175 

Feder  60;  Federlesens  115 

fehlen  27.  184;  Fehler  165 

Fehr  48 

Feierabend  109 

feiern  75 

Feiertag  109. 146 

feil  80. 130 

Feile  108.154;  Feilete  133 

Feind  107 

feißt  89;  feißten  133;  Feißte  89 

Fell  98.  99.  166 

Felsen  60.93 

Fenster  89.  96 

Ferkel  60.  104.  154 

fern  60. 160;  fernen  60;  fernerig  174 

Ferse  29.  60. 104 

fertig  57.  94.  104.  146;  fertigen  94. 104 

feslen  96 

fest  48 

Fest  60.  183 

feucht  92;  feuchtlächt  115. 154 

Feuer  79;  Feuerschau  82 

Feutsch  137 

Fexaz  180.  183.  188 

fidel  180. 184 

Fideli  180. 184 

Fieber  85 

figelant  180 

figgen  62.  148 

finden  61.91.95.  160 

Finger  63 

Fink  63 

finnig  63.  130.  163 

finster  164;  finsterwäldlen  39.  164 

Fiöli  s.  Viola 

First  62.  91.  94.  104 

Fisch  64.98 

Fischlizahn  194 

Fisel  64;  fislen  64 

fiskalisch  180. 184. 188.  189. 190 


fisperen  64. 142 
Fitz  64;  fitzen  64 
Fitze-  186 
Fladen  51 
fladeren  131. 139 
Flanell  180. 183.  193 
Flare  104 

Flartsche,  Flarze  137 
Flasche  46 
Flaschenzug  46 
Fiat  173 

Flätsch  49. 131 ;  flätschen  49 
Platteren  131;  Flätterlig  131 
flattern  139.  175 
flattieren  180 
fläuchen  77 
flauderig  90,  5.  139 
fläuderleu  139 
Flaum  108 
Flautre  139 
Flecke  175 
Flecken  130 
Fledermaus  60.  139 
Fleisch  80.  173 
Fleiß  173:  fleißen  62 
flennen  49.  131 
Fletsche  49 
Fletschlig  49 
Flettache  60.  175 
flettern  139 
flicken  64 

Fliege  79;  fliegen  79 
fliehen  65.  79.  108.  154 
fließen  79 
flink  34 
Flipper  126 
Flitsch  167 
flöchen  77. 155 
Floh  76.  154 

Floß  136.168;  flößen  136.168 
Fluch  150;  fluchen  86.  150 
flud-  s.  flutt- 
Flügel  70 
Fluh  154 
Flutsch  131.137 

Flutter  139;  flutterig  90,  5.  139;  Flut- 
terwetter 139 
Födle  s.  Fudloch 
Föhn  131. 163 

Föhre  65.  104.  154;  föhren  90,  5 
folgen  31.  118.  145 
Fonseli  s.  Alfons 
Force  188 
Förderlig  90,  7 
fordern  167.  176 
Forelle  37.  154 
Form  65.  94.  104 


—     230      — 


fort  65.94.104.  137 

fose(r)len  90,6;  Fose(r)li  90,6 

fragen  30.  90,6.  111.  114;  fräglen  90,6 

Franken  101 

Fransle  96;  franslen  96 

franzisch  90,  5.  96.  175.  190 

Franzose  180. 184;  französisch  180 

frasisch  s.  franzisch 

fräßig  90,  5 

frattig  90,  5 

Frau  25.82.  172 

frech  150 

frei  88;  freiem  88 

freilich  44.  75.  88 

Freitag  75 

fremd  48.91.115.139;  fremden  139 

fressen  135 

Freude  83 

freuen  22.  83 

Freund  70.  79.  107 

freundlich  22.  37.  131 

frevel  49.' 125 

Frieden  62 

Friedhof  62.  133.  153 

frieren  79.  130 

frisch  64.  116.  119.  144 

frisieren  180;  Frisur  180 

froh  76.  171 

fröhlich  77.90,5 

fromm  34 

Frosch  66 

fröstelen  60.90,6 

fruetig  86.  90,  5 

früh  25.  87.  159.  161. 170;  Frühe  161. 

Fuchs  68  [170 

Fuder  86 

Fudloch  109.151 

fueren  86.90,5;  fuerig  90,5 

Fug  86 

Fuhre  109 

Fuhrmann  109 

fuhrwerken  109 

Füllen  70 

Fundament  180.  183 

fünf  96;  fünft  107;  fünfzehn  109;  fünf- 
zig 107 

Fünfliber  180.  184.  187 

für  29.112 

fürben  104.  130 

Furche  68.  104.  154 

Furcht  65.  104;  fürchten  104. 116. 119. 
135.  154 

Furggle  104 

fürher-,  hin  153 

furzen  104 

Füsil  181.  184 

Fuß  90,  1.  108.  173;  Fußete  133 


Fußwasser  51 

futsch  130.  137 

Futter   108;    füttern   90,6.  116.  131; 

fütterlen  90,  6. 
Futz  131 


gahlen  90,2;  Gabli  90,2 

gäch  73.  89.  108.  145.  154;   Gächi  89. 

gächschützig  90,  5  [154 

gad  s.  gerad 

Gaden  116.  156 

Gäder  73.  147.  175 

Gäggeliwar  148 

gäggelen  148;  Gäggi  148 

gäggen  148 

Galander  180.189;  galanderen  180 

gallig  57 

Galopp  180.183;  galoppieren  180 

Galöri  180 

galt  103.  173;  Galtlig  90,2,7.  103.  115. 

Gampiroß  126  [164.  173 

Gang  50 

gänig  90,  5 

Gant  101. 159. 186;  ganten  22. 101. 159 

ganz  35.  96 

gar  49.  171 

Garn  104. 160 

garnieren  180;  Garnitur  180 

Garten  53. 104. 

Gasse  116 

Gast  50 

gätsch  49 

Gäu  83 

Gauch  82 

Gäuggel  83.  148 

gaul-  s.  gol- 

gaumen  82.95.  116.157 

gaup-  s.  gop- 

ge,  gi  s.  gegen 

Gebell  124 

geben  27.  29.  30.  95.  97.  119.  120.  125. 

Gebet  111  [160. 173 

Gebiet  31 

Gebiß  98.  124.  135 

Gebier  124 

Geblüt  111 

geboren  111 

Gebot  124 

Gebrannts  124.  135.  159 

Gebratens  115 

gebuckelt  31 

Geburt  111 

Gedächtnis  111 

Gedanke  111 

gediegen  31.  62  '^ 

Geduld  111.  133    ^ 


—     231 


geecket  147 
gefährlich  90,  5 
Gefährt  48.  104 
gefallen  27 
Gefängnis  49 
Gefell  48;  gefellig  57 
Gefieder  64 
geflatschet  137 
gefölgig  90,  5 
gefötsch  90,  5.  137 
Gefräß  90,8.134.  173 
gefräßig  73 
gefrieren  100 
Gefrörlig  90,7.  115 
gegen,  gen  28.  48.  112.  122.  146 
Gegend  48 
Gehäck  134 

gehalten  31 ;  gehältig  90,  5 
gehand  31 
gehaß  134 

Gehei  88;  geheien  80;  geheiig  88.  168 
gehen  27. 31. 90, 5. 95. 120. 133. 161. 173 
Gehirn  64 
gehörig  90,  5 
Gehorsame  90,  3 
gehuftig  90,  5 
Geifer  80 

Geiß  80. 173;  Geißmilch  33. 109.  135 
Geißel  80. 141 
Geist  80 

Geiz  168;  geizig  75.  168 
Geknötter  90,  8 
Geköch  134 
gelächerig  90,  5 
gelatschet  137 

Geläuf90,8.  134;  geläufig  83 
gelb  93.  165.  171 
Geld  91.  93.  133 
Geleise  134 
gelieben  85 
Geliger  64 
Gelinde  63 
gelingen  67 
gell  133 

Gelte  48.  91.93.  116 
gelten  93. 119.  133 
Gelüeg  90,  8 
gelüsten  69 
Gemächt  49.  134 
Gemälde  73 
gemein  31.  160 

Gemeinde  31.95.107,139;  Gemeinde- 
Gemeinmark  134.  152  [rat  109 
gemeinsam  109 
Gemeß  134 
Gemmeli  181. 183. 189 
gemoset  31. 133 


Gemse  135 

Gemüse  87 

Genannt  175 

genatürt  180 

genau  72 

Genere  181. 183 

Genf  190 

geng  48 

genieren  180.  183.  188 

genießen  79 

genot  76 

genug  30;  genüegelen  90,  6 

Geprächt  134 

gepudelt  67 

gerad  25. 35. 56. 89. 99. 147. 167 ;  greden 

48.89;  Gredi  55.89.99 
Geranium  180. 184.  186 
gerben  49.  104. 171;  Gerbi  90,  3 
geren  100 
Gericht  64.  111 
gerieselt  64 
gerinnen  115 
gern  95.  104. 160 
Gerste  104 
Gerte  48 
Gertel  104 
Gerufe  134 
Gerumpel  70. 126 
Geschäft  134 
gescheckt  60.  148 
geschehen  120.  154 
gescheit  116. 137 
Geschenk  48.  134 
Geschichte  64 

Geschirr  94;  -geschirren  94 
geschlacht  46 
Geschlecht  49. 134 
Geschmack  134 
Geschmeiß  91.  134 
Geschwei  88 
geschwind  63.  111.  164 
geschwinden  91 
Geschwister  91 
Gesell  48.  166 
Gesetz  48 
Gesicht  64.  92.  154 
gespässig  90,  5 
Gespenst  48.91.91.  164 
gesprächig  73 
gesprügelet  70 
gestabig  90,  5 
Gestäch  134 

Gestalt  173;  Gestaltsame  90,3. 
Gestank  150 
Gestell  48.  116 
gestern  33.  60 
gestift  134 


232 


gestrub  108 

Gewächs  49.  134.  141 

gewägig  90,  5 

Gewägt  134  , 

gewahren  100 

Gewalt  103.  173 

Gewand  80 

Gewehr  89.  97 

Gewell  31.  98.  166 

Gewett  48 

Gewicht  64 

gewieset  62 

Gewinde  133 

Gewinn  163;  gewinnen  61.  68.  91.  111. 

gewiß  91.98;  Gewissen  91  [115 

Gewitter  64 

gewöhnen  159;  s.  auch  wennen 

Gewohnheit  46.  109.  153.  154 

gewöhnlich  90,  5.  160.  174 

gewohnt  46.  56.  59.  147.  160 

Gewölbe  48.  103.  125.  126 

Gewölk  165 

Gicht  64 

gießen  79 

Gift  64.  135;  giften  33 

gigampfen  102.  128 

gigi  64;  gigs  64 

Gilbli  171 

Gimpesbein  126 

gimpfen  63 

Gipfel  64 

Gispel  64 

Gitter  64 

Gitzi  149 

Gitzschudli  90,2 

Glanz  101;  glänzen  48.101 

glaren  104;  glarig  90,5 

Glas  51.54.97;  gläsern  57 

Glätte  55;  glätten  48 

glauben  21.  29.  82.  126.  147;  Glauben 
82.  90,  1 ;  gläubig  90,  5 

Gleich  80.  134.  147 

gleich  88.  92.  122.  147.  150.  151;  glei- 
chen 150;  gleichlig  88 

gleichgültig  88 

gleitig  80 

Glesti  48 

Glied  62.  147 

Glimpf  63.  147 

glinzeln  63 

glitzen  64 

Glocke  189 

Glör  147.  184 

Glück  134.  147 

Glucker(in)  148 

Glufe  68.  116.  130.145 

glühen  87 


Glunse  95.96 

gnagen  147;  Gnägi  49.  147 

gnappen  126.  147 

gnendig  57 

Gnipe  126 

Gofen  31 

Gold  68;  golden  68.69 

Goldblümchen  27 

golig  89.  90,  5 

Göller  181.  183.  186.  189 

Gompeß  s.  Guntbiß 

gönnen  147. 163 

gopen  89.  126;  göpisch  89.  90,  5 

goppel  171 

görpsen  66.  104 

Gotte  31 

Götti  66.  89.  145 

gottlob  39 

gottserbärmlich  40 

gottwell  s.  goppel 

Gout  184 

Grab  50.  99 ;  graben  99 

Graben  51.99.116 

Gragöl  180.184.189;  gragölen  180 

Gramille  s.  Kamille 

Grampol  180.  184.187.189;  grampolen 

grandig  90,  5  [180 

grandios  180.  184 

Grane  184 

grapen  71.  126;  grapelen  126 

Gras  46.  51.  97.  141 

grasgrün  40 

Grat  173 

grau  72. 171 ;  grauen  72.  171 :  gräuelen 

grausen  78.  141;  grausig  79  [72 

grech  97.  147.  154 

greifen  62 

Grempel  48;  Grempler  96.  102.  126 

Grenze  101 

Griebe  79 

Gries  85.  173 

Griff  62.  128 

Griffel  62 

Grimasse  180 

Grind  61 

gritzen  62.  137;  gritzgen  137 

gi-ob  65.97.  116;  Gröblig  66 

grochsen  137 

Grop  126;  groppen  126 

groß  29.  115.  116.  119. 167. 173;  Größe 

Großmutter  33.  88.  109.  135  [114 

Großvater  27.  109 

Grübe  s.  Griebe 

grübeln  90,  6 

grün  25.  87.  145.  159.  160.  161;  grünen 

86.  159 
Grund  133 


—     233     — 


Grungger  148 

Grunholz  160 

grünsäcklen  90,  6 

Grüpft  134 

Grüsch  70.  183.  189 

Gruß  86.  135;  gi-üßen  135.  136 

grüßgott  122 

Gscherie  180 

gucken  67;  Gucker  67.90,2 

Güdel  70 

Guentig  109 

Guge  116 

Gugel  67;  Gügeler  70 

guggägglen  67 

Guggere  67 

guggulieren  180 

Guggummere  181.  189 

gugs  67 

Gülle  70 

Gulter  90,  2.  183.  189 

gumpen  67.  126;  gumpig  90,5 

Gumpis  181. 183. 189 

Guntbiß  27 

Gunte  101 

gurgeln  68.  145 

Gurt  104.  133 

Guß  135 

gut  108.  122.  173;  Guteli  90,  2 

Gütsch  137 

gwiggen  147.  148 


ha-a  24 

Haar  71 ;  haarig  73 

Haarnadel  109 

haben  27.  29.  31.  49.  119.  120.  121.  125. 
133.  153.  161 

Habicht  49.  126.  150 

Hafen  33.51.  116.  130 

Hag  51.  54 

Hahn  53.  100.  116.  159 

Haken  22. 71.  73. 90, 1. 116. 148 ;  häklen 
73.  148 

häl  73 

halb  46.125;  Halbdutzend  39;  Haib- 
ell 39 ;  Halbjahr  39 ;  Halbstund  39 

Halbteil  30.  109.  176;  hartlen  176 

Halde  33.103.116.139;  halden  103; 
haldig  90,  5 

Halm  53.  156 

Hals  34.  53 

Haischab  125 

Hälsig  37.49.115.146.164 

halsstark  29 

halten  133 

Halunke  181.  189 

Hammer  22.  53.  156 


Hampfle  s.  Handvoll 

Hand  46.  50.  90,  2.  95.  133;  Handbube 
27 ;  Handschuh  53.  96. 101. 109. 137 ; 
Handvoll  27.  34.  102 

handeln  90,  6 

handlich  90,  5.  101.  133 

handum  40 

Hanf  96.  174;  häufig  90,  5.  96 

hangen  146 

Hans  90,2.96 

Hanteli  90,  2.  101.  133 

hantieren  180 

Happech  s.  Habicht 

Häre  49 

hart  48.  60.  94.  104.  116.  133;  Härte  55 

Hartel  s.  Halbteil 

Harz  94.  104.  135;  harzig  90,5 

Haschier  153.  180. 188.  190 

Hase  97. 120 

Häselbeer  s.  Heis- 

haselieren  180 

Haspel  142;  hasplig  90,5 

Haß  73.  80.  109.  173 

Häßlaus  109. 135 

Haube  116 

Hauch  150;  hauchen  78.  155 

Haue  90,6.  116 

hauen  22.82.172;  hauig  90,5;  häue- 
len  90,  6 

Haufen  108 

Haupt  82.  115.  173.  175 

Haupteten  82.  133.  175 

Hauptmann  27.  109;  höpmelen  90,6 

Haus  119;  haushäblich  90,5;  Haus- 
hälterin 103;  haushoch  33.  109; 
hauslich  90,  5;.Hausrat  109;  Haus- 
türe 38.  109 

hausieren  180 

Haut  79.  90,  1.  173 

he  141 

He  s.  Hien 

He-ja  25 

Hebamme  163 

Hebel  48 

heben  49.  116 

Hecht  48.49.  105.  115 

hecken  48 

Heer  48 

Heft  48;  heften  48 

Hegel  48 

hehr  74 

Heidampf  109 ;  heidampfig  90,  5 

Heie  80;  heien  80 

heikel  80 

heilen  166 

heilig  SO.  108 

heillos  109 


—     234     — 


heim  80.  95.  156 

Heimat  109.  114. 116. 133. 156 

heimschen  142 

Heimweh  38 

heiraten  109 

heischen  80.  91. 153 

Heischi  s.  Herschi 

Heiselbeere  108 

heiser  153 

heiß  89.  173 

heißen  29 

Hektik  s.  Ettich 

Helbe  171 

Held  48.  115 

helden  48.  103 

hele  141 

helfen  22.  31,  34.  91.  93.  128 

hell  91.93 

Heller  49. 103 

Helme  171 

Hemd  21.  22.  48.  95.  115.  139.  175 

Hengst  48.  115 

henken  48.95.  101.  116.152 

Henne  48.  116.  153.  163 

-her  153.  167 

Herbst  48.  94,  104.  115.  125.  142 

Herd  139 

Herdapfel  167 

Herdgertel  87.  176 

Herr  94 

Herrgott  21.  109 

Herschi  89.96 

Herz  104 

Herzeschaberli  90,  2 

Heu  84;  heuen  31.  83;  Heuet  114.  133 

Heublumen  86 

heuer  79 

heute  79.  108.  153 

Hexe  49 

Hien  85 

hier  85.  167 

Hierig  85 

hiest  141 

Himbeer  91.  153 

Himmel  21.63.100.  115.156 

hin  61.97.160;  hin-  99;  -hin  153 

hinecht  109.  154.  159 

hinne  113 

hinten  61.91.133.163 

hinter  29.61.91.116.  133 

hinterlegen  37 

hinweg  99.  112 

Hipp  64.  126 

Hippe  126 

hirnwütig  90,  5.  171 

Hirsch  64.  135 

Hirt  64 


hischt  64 

Historie  180.  183 

Hitze  64. 136 

hitzgen  64.  137 

hm  24 

ho  141 

höbe  113 

Hobel  65;  hobeln  90,6 

Hobeten  s.  Haupteten 

hoch  77.  116.  154 

hochauf  40 

Hochdonnerstag  39 

Hochmut  109 

Hochzeit  30.  90,  1.  109.  142.  154.  168. 

175.  177 
hocken  90,6;  höckelen  90,6;  Hocker 
Hof  97.  130.  153  [90,  2 

Hofemeie  s.  Avemaria 
Hoffart  30.  109 
hoffen  65 
höflich  90,  5 
Hofstatt  30.  109.  130 
Höhe  108.  114.  154.  161 
hohl  89.97;  Höhle  89 
höhn  95.  160 
hoi,  hois  84 

holen  31.34.93,100.  116.  133 
Hölle  48.91.93 
holperig  90,  5.  126 
Holunder  37 

Holz  37.93.  116;  hölzern  90,5 
Holzschuh  29 

Honig  65.  115.  146;  hungen  146 
Höntelibeer  s.  Himbeer 
Honzen  80 
hoppen  126;  Hopper  126;  Hoppelipo, 

Hopperio  126 
Höpsger  175,  177 
hören  31.  116 
Hörn  65.  104;  hörnlen  174 
Horner  90,  6.  104;  hornelen  90,  6 
hosam  109.  115,  130 
Hosen  65.  141 ;  Hösi  66.  90,  2 
hot  65;  hotten  65;  Hottoli  90,2 
Hotel  180 
hötschelen  137 
Hötzber  s.  Höpsger 
hü,  huscht  70;  huschten  70 
hübsch  90,  5.  125 
Huechen  150 
Huff  134 
Huheler  67 
Huhn  87.  160 

hui,  huien,  Huihu  84 ;  Huier  90,  2 
hülpen  70.90,2.126;  Hülpi  90,2 
Hülse  70.  142.  174 
Hummel  156 


235 


Hundert  167 

Hundshoden  153 

Hunger  67.  157.  164;  hungrig  90,  5 

hunne  113 

hupen  126 

Hürespiegel  s.  Eulenspiegel 

Hurlia  67 

huß  67 

husse  113 

Husten  107;  Husteten  133 

Hut  108 

hüten  108 

hutschelen  67.  90,  6.  137 


ja  21.  24.  35.  44.  71.  106 

Jackett  182.  188.  189 

jagen  116. 170;  Jäger  48.  170;  Jägeriis 

Jägg  148  [115 

Jahrhundert  39 

Jakob  90,2 

Jakobäa  181.  184. 189 

Jammer  170;  jammern  156 

Januar  48. 163 

jäten  170 

jauchen  77.  83. 150 

jauchzen  78.  137 

Iberich  151 

ich  106.  121.  150.  151 

Idee  180. 184 

je  122 

jeder,  -e,  -es  156.  158.  170 

jener,  -e,  -es  170 

Jeremias  88 

jesen  60.  141. 170 

jetzt  134.  170 

Igel  64 

Ignatius  186 

ihm  34.  61.  156 

ihn  61.  112.  119.  121.  160 

ihnen  61.  121 

ihr  62.  121. 

Ilge  s.  Lilie 

im  112 

Imb  63.  102.  125.  157 

impfen  63 

in  63.  121.  157.  160.  161 

infam  182. 190 

ingründig  90,  5 

Ingwer  30.  63.  171 

inher,  -hin  33.  153.  161 

innen  63 

inner  174;  innerhalb  134 

interessant  180.  183 

inwendig  38 

Joachim  90,  2 

Johanna  186 


jopp  24 

Itruck  158.  168 

Juchart  109 

jucken  69.  116 

Jude  97 

Judith  186 

Jugend  115. 139 

jung  67.  170;  jünglen  70.  90,  6 

Jungfrau  30.  67.  109;  jümpferlen  90,  6 

Juppe  183 

justement  180 

k  (ch) 

Kab  s.  Kamm 

käbislen  90,6 

Kachel  115.  125. 150 

Kadet  182.189 

Käfer  60 

Kaffee  31.181.187.189;  käffelen  187 

Kaffetiere  182.  185.  186.  189.  194 

Kaffelantis  180.  186.  187.  189 

Käfig  48 

kaflen  90,  6.  130 

Kaiser  80.  189 

Kalb  21.  52.  90,2,6;  kälblen  90,6 

Kalch  150 

kalen  149.  165;  kaiig  90,5 

Kalender  180.  183. 189 

Kalfakter  180. 186. 189;  kalfaktern  180; 

kalfäcklen  180 
kalt  31.  103.  173;  kälten  22.  48;  Kälte 
Kamel  180.  184.  189  [55 

Kamille  180.  186.  189.  190 
Kamin  48.  70.  95.  156 
Kamm  125.  156 
Kammer  115.  156 
Kampel  125.  126 
Kampfer  189 

Kanapee  181.  184.  189.  192 
Kanarienvogel  180.  184.  189.  192 
kand  s.  gehand 
Kaninchen  70.  146 
Känner  159 

kanntlich  90,  5.  133.  149 
Kanone  180. 184.  189 
Kante  101 

Käntli  s.  Kommunikant 
Kanton  180. 189 
Kanzel  101 
Kanzlei  180 
Kapelle  182.  189 
Kapital  180.  184.  189 
Kapitel  180.189;  kapiteln  180 
Kappe  22 

Kappiläri  180.  184. 189.  194 
kaput  180. 189.  192 


—     236     — 


Kaput  180.  189.  192 
Kaputze  180.  188.  189.  192 
Kaputziner  180.  184.  189 
karcssieren  180.  186.  189.  192 
Karfreitag  39.  189 
Karfiuikel  180.  189.  194 
Karl  104 
Karren  104.  1  IG 
Karst  104 

Karte  104.189;  kärtlen  90,6 
Käse  73 
Kiisger  109.  176 
Kasse   189 

Katecliismus  186.  189 
Katharina  186 

Katholik    180;   katholisch   90,5.  115. 
180.  183.  189;   kathölischlen  90,6 
Katze  136.  149 
Kätzi  49.  183.  189 
kauen  88.  172 
kaufen  22.82;  Käufer  83 
kaum  108 
kausch  189 
keck  60 
Kefen  130 
Kegel  48 
kehren  74 

Kelch  150;  keichen  150 
keien  s.  geheien 
keien  88.  139 

Keim  156;  keimen  75.  157 
kein(er),  -e,  -es  31.  34.  121.  159.  160 
keintweder  29 
Kelch  48.  150 
Kelle  48.91.  116.  149.  166 
Keller  91.  93.  166 
kennen  48.  149.  163 
Kerl  49.  104 
Kern  104.  116.  159 
Kerngert  89 
Kerze  48.  94.  104 
Kessel  48 
Kessi  48 
Kett  48 
Kette  48.  159 
Ketzer  49 
keuchen  92 
Keul  167 
kiben  75 
kiden  75.  139 
Kiefer  s.  Kifel 
Kienholz  85 
Kies  62 

Kifel  64.91.  125;  kiflen  125 
Kilbi  s.  Kirchweih 
Kind  31.  61.  62.  95.  114.  134.  161 
Kindbett  27 


Kinn  91.  164 

Kirche  62.  104.  116.  117.  150.  167 
Kirchweih  34.  109.  114.  171 
Kirsche  85.  116 
Kissen  70 
Kiste  64.  149 
Kitt  70 
Kittel  28.  64 
kitzeln  70.  90,  6 
Kitzi  64.  136.  149 
Klafter  71 

klagen  116;  kläglen  58;  Kläger  48 
Klammer  156 
Klape  126;  klapen  126 
klappern  126 

klar  73.  189;  klären  73;  Kläre  73 
Klasse  189 
Klaue  171 

Klaus  82;  klausen  82 
Klavier  180.  189 
Kleb  97;  kleben  60.149 
Klee  74.  171 
Klegte  48. 115 
kleiben  126 
Kleid  80.  189 

klein  108.  119.  159.  160.  161;   kleinen 
klepfen  48  [108.  159 

klippern  64. 126 
Kloben  65 
'  klocken  90,6;  klöcklen  66.90,6 
klopfen  65.  114 
klüben  65.  79 

Klüngel  67.  69.  90,  7.  157.  164. 176 
klüpfig  90,  5 

Klupp  126;  kluppen  67.  126;  Klupper 
knätschen  49  [67. 126 

Knebel  48 
Knecht  95 
kneten  95.  133 
Knie   88.  149.  171;    knieen   88.  171; 

knielen  88;  knieig  88 
knittern  64 

Knoblauch  65. 109.  151.  176 
Knöchel  139 
Knoden  95 
Knollen  166 
Knopf  68 
knotteren  90,  8 
Knummel  s.  Klüngel 
Knüpf  68;  knüpfen  70 
Knüppel  68 
Knüsi  90,2 
knüsten  70 

kochen  37.65;  köcheln  90,6;  Köchin 
Koffer  183.  186.  189  [114 

kögelen  90,  6 
Kohl  77 


—     237     — 


Kohle  89. 100;  Kohlbrenner  89;  kohl- 
schwarz 89 

koldern  174 

Koli  90,  2 

Kollerli  90,2.165.  174 

kölsch  89.  174 

Kommandant  180.  186.  189;  komman- 
dieren 180.  183.  186.  189 

kommen  27.  29.  31.  34.  119.  120.  156. 
160.  173 

Kommission  180.  183 

kommlich  90,  5 

kommod  180.  183.  184.  189.  192 

Kommode  180.  183.  184.  189.  192 

Kommunikant  186.  189 

Komödie  180.  183.  184.  189 

Kompagnie  180 

Kompliment  180.  189 

kompliziert  180.  183 

Kompost  s.  Gumpis 

Konfekt  180.  183.  189 

Konfirmand  180.  186.  188.  189 

König  70.  115.  146.  189 

können  27. 133. 149.  159.  163 

Konrad  90,  2.  160 

Konstäbler  182.  189 

konvenieren  180.  183.  189 

Kopf  65 ;  köpfig  90,  5 

Kopieschreiber  180.  189 

Kopper  126 

Korb  94.104.117.125 

Korn  104 

Kornette  181.  189.  190 

korrigieren  193 

Korsett  182.  183.  189 

kosten  65.116.149;  köstlich  90,5 

Kostgänger  48 

Kot  173 

kotzen  65 

Kraft  50;  kräftig  57 

Kragen  51 

krähen  73 

Kralle  186.  189 

Kram  90,  6.  95;  kramen  156;  krämlen 
90,  6;  Krämer  156 

Krampf  102.  128 

krank  56.  101 ;  kränklich  57 ;  Krank- 
heit 109.  133.  153 

Kranz  96.  101.  135;  kränzen  96.  101. 

kraplen  126  [175 

Kratten  51 

Kratz  50;  kratzen  22 

kraus-  s.  krus- 

Kraut  78.  173;  krautig  90,5 

Krawatte  182.  186.  189.  190 

Kräze  73.  159 

Krebs  60.  125 


Kredit  180.  183.  189 

Kreide  108 

Kreis  80.  189 

Kres  60 

kretzen  48 

Ki-eul  83. 167.  171;  kreulen  83 

Kreuz  79 

kriechen  79.  150 

Krieg  85 

Krippe  62.  126 

Kröl  s.  Kreul 

Kropf  128;  Kropfli  90,2 

Krös  77 

kros(l)en  90,  6 

Kröspel  142 

Ki-öte  149 ;  krötig  90,  5 

Krücke  69 

Krugel  90,6;  krugelen  90,6 

krumm  116.  125.  157;    krümmen  125. 

Ki-üppel  126  [157 

Krusle  108 

Kruslen  91,2.  108;  Krusli  90,  2;  Krus- 
haarli  90,2 

Kübel  70 

Kuch  150;  kuchen  78. 150 

Küche  f.  116.  155 

Küche  69;  Küchenkasten  38 

Kuchen  90,  6.  116.  150;  kücheln  90,  6 

Kugel  67.  90,  6.  116.  145;  kugeln  90,6 

Kuh  86.  90,1.  109.  116. 161. 170;  Kuh- 
reihen 80;  Kuhstall  109;  kuhwarm 

kühl  87.  165;  kühlen  86.  165         [109 

Kühni  90,2 

Kümmel  70.  156 

Kummer  68.  125.  157 

Kummet  156.  189 

Kunkel  96  [96 

Kunst  96.189;  künsteln  96;  Künstler 

Kupfer  68.  128;  küpfern  90,5 

Kur  184.189;  kurieren  180.183.189. 

Kürbis  104  [193 

kurios  180.  183.  189 

Kurs  189 

kurz  29.68.94.104.  116.  119 

küssen  116.  143 

kutig  90,  5 

Kutsche  184.  189 

Kutteln  68.  149 

Kutzimuserli  67.90,2 


lachen  37. 114. 133. 153. 155;  Lacheten 

37.  114 
Lack  189;  lackieren  ,180.  189 
laden  119 
Laden  51 
Lafier  s.  Revier 


—     238     — 


Lägele  49. 159 

lahm  34.  156 

Lalle  49;  lallen  49 

Lamarschi  167 

lamentieren  180 

Lampe  96.  102 

lampen  102.  126;  lampig  90,5 

Land  46.  51 ;  Landammann  27.  33.  38; 

Landsfähnrich  174 
lang  56;  Länge  55 
langsam   38.56.90,4.115;   Langsame 

55.  90,  3 
langw'eilig  38;    Langweile  39;   Lang- 

wilegi  55 
läppen  126;  Lappi  126 
larchen  168 
Lärm  184.  186 
1  arischen  137 
Larve  104. 187 

lassen  27.  29.  120.  135.  160. 161.  173 
lästlich  90,5 
Laterne  180.  184 
Latsch  137 
Latsch  183.  188 
Latschi  49 ;  latschig  49.  90,  5 
Latte  46.  140;  -lättig  90,5 
Latwerge  180.  184.  185.  186.  188.  193 
Latz  188 
Latzori  180 
lau  72.  171 
Laub  82;  Läubli  83 
laufen  65.82.128;  läufig  90,5 
Lauge  82 
Laune  78 
Laus  78.  90, 1 
laut  173 

läuten  79.116.  119 
Läutschi  137 
Läutschibirne  137 
Lawine  83,  159 
laxieren  180 
leben  116 
lebendig  21.37 
ledig  60.  146 
leer  73 

legen  48.  81.  148 
Legiloch  145 
Lehne  159;  lehnen  159 
Lehrer  74 
Lei  80;  leiig  80 
Leibding  164 
leiben  126 
leibhaftig  40 
Leiche  92. 150 
leicht  92 
leid  80 
Leid  80;  leiden  62 


leidwerken  109 
Leim  156;  leimig  156 
leimen  75.  157;  Leime  157 
leinen  75 

Leinlachen  109.  116.  160 
Leinsaat  109.  160 
Leintuch  34.  109.  160 
Leinwand  109.  114.  160 
leise  33 
Leiter  80.  90,  8 
Lempe  102.  126 
Leper  180.  184.  192 
lernen  95 
les  159 

lesen  29.33.  118.  119.142 
letz  60 
Letzi  48 
letzt  29.56.  116 
Leute  79.  173 
Leviten  180. 183 
liberement  180.  184.  186 
Libet  s.  Leinwand 
Licht  85.  154 
Lid  n,  und  m.  62 
Lidlohn  62 
lidweich  62.  150 

lieb  79.85.108;  Liebe  85;  lieblich  108. 
Lied  85  [125 

liegen  64. 148 
Liegplatz  30 
Liestere  s.  Riester 
Lieutenant  159.  181. 184.  188 
Likör  181.  184.  189.  193.  194 
Lilie  170. 176 
limpfig  63 
lind  63 
Linde  61 
Lineal  190 
Linie  184. 190 
link  148 

Liptig  s.  Leibding 
lismen  64.  116.  118 
List  64 
Liter  184 
Lobe  90,2 
Loch  90,  1.  150 
locken  65 
Löffel  48.  91 
Logement  s.  Los- 
Lokomotive 180.  183.  184. 186. 189. 192 
lombieren  s.  plomb- 
Lomm(ere)  181.  194 
Lorenz  90,  2.  186 
Los  76.  173 
losam  109.  115 

löschen  60.91.119  [180 

Losement  180.  183.  188;  losementieren 


239     - 


losen  65 

lösen  77 

löten  77 

Lotterie  180.183 

lotterig  90,  5 

Löwe  83 

lüchen  150 

Lücke  69 

Ludwig  90,  2 

luegen  21.  30.  86.  90,6.  106.  146;   lüe- 

gelen  90,6;  Lueger  90,2 
Luft  68.130;  lüften  70;  luftig  90,5 
Lüge  21.  68.  90, 1 ;  lügen  65.  79.  147 
lugg  69.  148 
Luggmilch  30 
lullen  70 

Lumpen  34.  67.  68.  126 
Lun  68.  134.  160 
Lunge  148 
Lunggere  148 
Lünse  s.  Lun 

Lupf  68;  lupfen  27.69;  lüpfig  90,5 
lurggen  148;  lurggig  90,5 
Lust  68.  135;  lustig  37.  90,5.  114.  116. 

[146 

machen   116.118.150.159;    mächelen 

mächtig  57.  60  [90,  6 

Mad  58;  mädlen  58 

Mädchen  s.  Meitel 

Magd  52.  115.  175 

Magdalena  186 

Magen  51 

magern  116.118;  Megeri  55 

mäggelen  148 

mähen  73.  95.  170 

mahlen  100. 165 

mahnen  159 

Mähre  49.  104.  154 

Mai  80 

Mailändergeschirr  185 

Makrone  180.  184.  189 

malader  183.  184 

malaß(er)  180 

malefitz  180. 188 

malen  31.  73.  95. 165;  Maler  167;  Mali 

Malion  s.  Million  [90,  3 

Mammeli  90,  2 

Mämmi  90,  2 

man  27.  122.  156.  168 

mancher  22.  48.  146 

manchmal  48 

Mandat  180.  184 

mangeln  90,  6;  -manglig  90,  5 

mänggelen  148 

mangieren  180.  192 

Manier  180 


Mann  46.90,2.98.  163.  174 

Mantel  96. 101 

mar  171 

March  104.  145.  150;  marchen  150 

Mare  181 

Margareta  186 

mariaschen  181.  184. 188 

Marie  88 

Marille  s.  Amarille 

Mark  104.  145 

Marke  104.  189 

Markt  104.  188 

marösch  180.  184 

marschieren  180. 188. 190 

Martha  90,2 

Martin  90,  2 

Martini  180.184 

Martinssommer  90,  2 

März  48.  104 

Märzensprügeli  70 

Masche  46 

Maschine  180.  184. 188 

Mase  s.  Mosen 

Maser  46 

Maseran  180 

Maske  181.188.189 

Maß  95;  -mäßig  90,5 

Masse  184.  186 

Masser  181.188 

maßleidig  109.  135 

Maßstab  29 

mästen  31.48;  mastig  90,5 

Materie  180.  184;  materieren  180. 186 

Matratze  180.  186. 192 

matsch  188.  190 

Matthias  88 

mäuggen  148 

Maul  109. 166;  Maulharfe  104;  Maul- 
orgel 109 

Maus  90,1;  mausen  135;  Mauserin 
37;  maustot  40 

mausen  135 

measebe  122 

Mechanik(er)  180.  183.  184 

Meer  48 

Megen  51;  megen  51 

Mehl  97.  99.  171 ;  mehlig  99 

mehr  74.  122.  167 

Meijor  182 

mein  37.  121.  159.  160 

meinen  31.  80.  108.  159. 174;  Meinung 
37.80.  108.  115.146.  159.164 

meinetwegen  134.  159 

Meiße  80 

meist  167 

Meister  80;  meistern  80;  meisterlos  80 

Meitel  81.90,1.95 


240 


Meitlepfützler  131 

Mel(ch)ter  175 

melken  91.93.  117.150 

Menagerie  180.  183.  188 

menge  s.  mancher 

Menner  48;  Menni  48 

Mensch  48.  115.  174 

merken  48.  104.  152;  merkig  57 

Mesner  48.  175 

messen  95 

Messer  60 

Messing  s.  Mösch 

Meter  184 

Metzger  48.  170 

mhm  24 

mich  64.  121.  151.  156.  157 

Mieder  85 

Mies  85. 141 

Miet  85 

Milch  63.91.117.150 

Militär  180.  184.  192 

Million  180.  182.  183.  192 

Milz  63 

minder  21.61.91.  174;  mindest  174 

mir  27.  62.  97.  121.  156.  157.  167 

mischein  64 

miserabel  180 

Mist  62 

mit  62 

mitfahren  38 

Mittag  39.  62. 109;  -mittägerig  90,  5 

Mitte  62.  133 

Mittel  62 

mittler  62 

Mittwoch  28.  62 

Model  183 

mögen  33.  66 

möglich  90,  5.  114 

Molch  89 

Molest  180.  183.  190 

Molke  150 

Monat  109.  114.  133 

Mönch  70 

Mond  95.  134.  169 

mönig  90,  5 

Monsieur  181.  183.  186 

Monster  96 

Montag  95.  109 

montieren  180.192;  Montur  180.183. 

Moiiperhiindchen  126  [192 

Möppi  90,  2.  126 

Morchel  117  [167.176 

Mord  104;  morden  139;  mörderen  104. 

Morgen  33.95.104.117;  -mörgerig  90, 5 

Moris  184.  186 

morn  104. 146. 160;  mörndrig  90,5.  174 

morps  175 


Mörser  29.  104 

Mösch  48.  91.  143 

Mosen  108 

Most  90,6.95.142;  möstelen  90,6 

motten  95 

Mousseline  181.  184.  190 

Mücke  69. 148 

müde  87 

muderig  90,  5 

müechtelen  156 

Mues86;  Mueser90,  2;  Muesueli90,2 

Mühe  70 

Mühle  70.  114 

Mulde  107.  133.  188 

Müller  70 

Mumpfel  109 

munkeln  148 

munter  68.  90,  4.  101.  133 

Münze  101 

munzig  90,  5.  171 

murb  69.  171 

murren  104 

Musik  181.  183. 189;  Musikant  180 

Muskatnuß  168.  181.  183. 188.  189 

müssen  27.  29.  87.  122.  135 

Mutsch  137 

Mutte  90,  2 

Mutter  22. 29. 108. 133;  mütterlich  90, 5 


na-a  24 

nähe,  -ert,  -es  80.  109.  134.  135.  166. 

167.  171.  176 
nach  121.  122.  154.  161 
Nachbar  109.  154 
nacheinander  29 
nachher,  -hin  153.  154 
Nachkirch  weih  154 
nachsüchig  90,  5 
Nacht  52 

nacht  49.  60.  95.  154 
nachtig  s.  narrchtig 
Nachtwächter  49 
Nack  158;  näckelen  158 
nackig  90, 5 
Nadel  33.95.116 
Nädlig  90,7.95.  146.164 
Nagel  50.54.145;  nageln  90,6 
nagen  30 
näggelen  148 

nahe  73.  89.  154;  Nähe  89.  154 
nähen  73 
Naht  21.  95 
Name  53.  100.  156 
Namenstag  38 
Napf  153 
Näpper  32.  49.  95.  109 


241 


Narbe  104.  171 

narrchtig  90,  5.  167 

närrisch  90,  5 

Nase  116;  näseln  90,6 

naß   46.  135;    Nässe   55;    nässen   48; 

naßlächt  115 
Natur  180 
nätzgen  49.  137 
neben  95.  134.  159 
nehmen  27.  29.  30. 34. 95. 118. 119. 120. 

156.  160 
nein  21.  25.  44.  80.  95.  160 
neißwann  s.  näbe,  nese 
neißwelch  s.  newell 
Neil  183 
nennen  s.  nidnen 
Nerv  104.  184 
nese  135.  171 
Nest  60 
Nestel  48 
Netz  48 

neu  88.  172;  Neu  88;  neuen  88 
neubacken  88 
Neujahr  39.  88 
neun  79.  160;  Neimer  161;  neunt  107. 

133;  neunzehn  109 
neuwaschen  88 
newell  158 
Nibel  64 

nicht  27.  79.  135.  154 
nichts  107.  108.  119.  135.  154.  158.  159 
nichtsnutzig  90,  5 
nidnen  139 
nidsich  62 
nie  25.  85.  161 
nieder  62 

niemand  85.  134.  156.  168 
niene  85.  167 
nieten  85 
Niff  64;  niffen  64 
niggelen  64.  148 
Nikiaus  82.  186.  189 
Niß  64;  nißlen  64 
nobes  109.  135. 154 
noch  65.  154 
Nöggi  148 
None  160 
nören  83.  171 
Not  173;  nötig  77.90,5;  notlich  90,5; 

notwendig  40 
notabene  181.  184.  186 
November  180.  183.  187 
nüchtern  87.  156 
Nuck  90,2;  Nucker  90,2 
ntiechtelen  s.  müecht- 
nuefer  125;  nuefern  125 
numme  68.  167 


Nummer  156.  181 

nun  68 

nunforthin  158 

nur  68 

nürrisch  90,  5 

Nuß  68 ;  nüßlen  90,  6 

nütze  69;  nützen  70 


ob  120.  125 

oben  65.  125 

oberhalb  134 

obsich  29 

Obst  65.  125.  134 

Ochs  65 

öde  77 

oder  65.  140 

Ofen  65.  116.  130;  Ofenbank  38 

offen  65 

öffentlich  90,  5 

offerthe  s.  nunforthia 

Offizier  180 

oggen  148 

oha  24 

ohne  71 

oho  24 

Ohrenglüngger  148 

Ohrenniggel,  -nöggel  148 

Oktober  180.  183.  184 

Öl  89.  97.  99.  165;  ölen  99;  ölelen  165 

Öllichtlein  89 

Omelette  181.  183 

omme  s.  oben 

ons  s.  unz 

öppe,  -es,  -er  s.  etwa,  -was,  -wer 

ordentlich  90,  5 

ordinäre  180.  183.  184 

ordnen  175;  Ordnung  104.  175 

Orgel  104 

Orstlete  s.  Diu-chschlacht 

0(r)stlig  s.  Uuschlitt 

Ostermontag  39 

Österreich  92 

oterlos  s.  atemlos 

Otmer  27 


p-  s.  auch  b- 
Paar  51.  184.  187 
Pack  51.  191;  packen  191 
Paket  180.  189.  191 
Paletot  181.  184.  187.  188 
Pampelewasser  123 
paudern  112 
Pandur  181.  184.  187 
Pantaleon  101.  181.  186.  187 
Pantoffel  180.  183.  187 


Vetsch,  Appenzeller  Mundarten. 


16 


—     242 


pantsch(l)en  123.  137 

Panzer  181.  186.  187.  188 

Papier  88.  180.  187 

Pappel  187 

pappelen  90,  6.  123 

Papst  184 

Parade  180.  184.  186.  187 

Paradies  180.  184.  187 

parat  180.  187.  188 

parforce  180.  183.  187.  188.  190.  193 

parieren  180.  187 

Parkettboden  180.  187.  190.  192 

parlen  181.  187 

Parlier  180.  187.  190 

Partei  180  187 

Partie  180.  187 

partout  180.  183.  187.  192 

päschelen  46 

pascligen  124.  175 

passabel  180 

Pastete  180.  187. 194 

Patent  180.187.192;  patentiert  180 

Päterli  90,2 

Paternoster  180.  184.  186.  187.  190 

patsch   49.  123;   Patsch  49;    patschen 

49.  116.  123;  Patschi  49.  123 
Päugge  89 
Paul  191 
Pause  191 

pautsch(l)en  123.  137 
Pech  187 

Pelz  60.91.93.  175.  187 
per  191 

perdu  s.  partout 
Perle  191 
Person  180.  191 
Perücke  180.  183. 187.  189 
Peter  191 

Petersilie  181.  184.  187.  194 
pf-  s.  auch  f- 
Pfaff  128 
Pfahl  73 

Pfanne  116.  127.  163.174 
Pfätte(ne)  49.  127.  159 
Pfau  72.  171 
pfaufen  127 
pfausen  127 
Pfeffer  60 

Pfeife  31.  116.  128;  pfeifen  62.  127 
Pfeil  75 
Pfennig  48.  115 
Pfiff  62 
Pfiffi  64.  128 
pfingsten  127 
Pfingstmontag  39 
Pfi(p)folder  131 
Ptisterei  64 


Pflanze  101.  135 

Pflaume  108.  127.  156.  167 

pflemmen   131 

Pflittere  64.  127 

Pflug  127 

Pflungg  131. 148 

Pfnächs  127:  pfnächsen  127.137 

Pfnäst  127;  pfnästen  127 

pfnausen  127 

pfnittern  64.  127 

pfnuchsen  127 

Pfnüsel  127 

pfnuttern  127 

pfoch  127 

pfrangsten  127 

Pfriem  156 

Pf  rund  133 

Pfude  131 

Pfulwen  68.  171 

Pfund  127 

pfützen  127 

phlegmatisch  182 

Photographie    180.  183.  186;     photo- 

graphieren  180 
Pick  s.  Behick 
Pick  64;  picken  64 
Pickel  64 

Pilgern  63.  123.  174 
Pinsel  91.  96.  159. 187 
Pique  187.  189 
Pistole  180.  186.  187 
Pläder  123;  pläderen  123 
Plage  187;  plagen  23.71.166 
plampen   102.  123.  126;   plämplen   58. 

102.    123.   126;    -plämperlen    102; 

Plampi  102.  123 
plangen  124;  plangeren  46 
planieren  180.  187 
Plantschett  182 

plappen  123.  126;  plappig  90,5 
plappern  123.  126 
Plaß  46 
Pläß  46.  123 
platsch  123;  Platsch  49.  123;  platschen 

49.  123;  plätschlig  49.123 
platz,  platzig  123 
Platz  187 

Plessier  180.  183.  187.  188 
Plessur  180.  183.  187 
plombieren  180.  193 
Pludermilch  123 
Plumphosen  123 
Plunder  123 
Plüsch  184.  190 
pochen  123;  Pochgrind  123 
Poldere  123 
polieren  180.  187 


243     — 


Polizei  180;  Polizist  180.  187 

poltern  123.  174 

Pomade  180.  184.  187 

Pomeranze  180.  187 

Pompeluser  180.183.187;  pompelusisch 

180 
Popper   123.  126;    poppern   123.  126; 

pöpperlen  123 
Poppern  90,  2.  123.  126 
po(r)fo(r)st  s.  parforce 
Portion  180.  183.  187 
Porträt  182.  183.  184.  186.  187.  190 
Porzellan  180.  184.  187 
Poß  90,2.  123;  pößlen  123 
Pößli  123 
Post  183.  187 
Posten  183.  187 
potz  123:  potz  Tausend  21 
Pracht  49;  prächten  49.124 
prächtig  57 

prahlen  166:  Prahler  166 
Praktik  181.' 187.  188.  189 
prälaten,  -laggen,  -lecken  180. 187 
prantschen  123 

Präparand  180.  183.  188.  187. 193 
präparieren  180.  186. 187 
prasch(t)len  123 
Präsident  180.  183.  187 
Pre  184.  187 
predigen  139. 187 
Preis  187 
pre(me)voll  156 
pressant  180.  183.  187 
pressieren  180.  187 
Presten  124 
prestieren  180.  187 
Prifet  180.  187 
priffen  s.  begreifen 
Prise  184.  187 
Prison  180.  187 
privat  180.  187 

Probe  184.187;  probieren  180.187 
Profit   180.  187;   profitieren   180.  187. 

192 
Prokurator  180.  183.  184.  186.  187.  189 
propper  183. 187 
Protokoll  180.  184.  186.  187.  192 
Prozeß  180.  183.  187;  prozessieren  180 
Prügel  123 
Pudel  67 

Puls  68.  174.  183.  187 
Pulver  33.  183.  187 
pumpen  67.  123.  126 
Pumpis  115.  123.  126 
Punkt  189.  191 
pupen  123. 126 
Pupperli  67.90,2.123.  126 


Purgatz  180.  187;  purgieren  180.  187; 

Purgierig  180 
Pürli  90,  2  ^ 
purzeln  90,  6.  104.  123 
Putsch  123.137;  putschen  123.137 
putzen  29.  69.  90,6.  116.  119. 123; 

pützein  90,6 


quaken  147. 148 
quälen  100.  166.  189 
Quartier  180.  189.  190 
Quel  s.  Gewell 
Quelle  189 
Questionen  180.  183 
quiken  147.  148 
Quintlein  63 


Rabatt  180 
Rabe  126 
Rabe  73.  126 
rabiat  180 

räch  154:  rächelen  73.  154 
Rad  50.54.97.99.116 
Radschuh  99 
ragig  90,5 

Rahm  82.  95 ;  Rahmzunne  30 
Rahmen  100.  156 
Rakete  180.  192 
ramisieren  180.  186.  192 
rammeln  90,  6 
rammörsch  s.  rumorisch 
rams,  ramsen  181.  186 
rauggen  101;  Ranggete  101 
Rank  101:  ranken"  101 
ranschieren  180.  188 
ränzelen  58.  137 
Rappen  90,  2 ;  räppig  90,  5 
rappen  126 
rasieren  180 

räsonnieren  180.  183.  186.  192 
räß  56.  73.  89.  173;  Räße  89 
Rat  73.173;  raten  73.147.173;  rätig  73 
Rathaus  109.  133 
Rätich  150 
Ratine  180.  190 
Ratsch  49 ;  ratschen  49 
Rätsel  73 

Rauch  82.150;  rauchen  79.150;  rau- 
chen 83;  räuchelen  90,6 
räudig  90,  5 
rauh  82 
rauhenisch  171 
räumen  78.  108.  116.  157 
Rausch  173 


244 


rauschen  78.  144 

licchen  116 

rechnen  116.150.159;  Rechneten  114; 

Rechnung  115.  146.  164 
rechts  119 
ReckhoUler  60.  15B 
Rede  48.97;  reden  116 
redlich  114.116.  151 
Reff  60.  98 
reformiert  180.  186 
Regen  115.  116.146;  regnen  95.  115. 

146;  reg(n)elen  146 
regieren  180.  183 

Register  180;  183;  registeren  180 
Reguhitor  180.  183.  184.  186 
regulieren  180.  183 
Reh  154 
Rehetobel  154 
reiben  62.  125 
reich  92.  150 
Reichskammer  30 
reif  173 

Reif  90,  8. 173;  reiflen  90,  8.  173 
Reif  173;  reifen  173 
Reihe  80 
rein  160 

Reise  80;  reisen  80;  Reissack  80 
reißen  62.  135 
Reiste  75 

reiten  22.62.119.  133 
reizen  80.  136 

Rekrut  180.  183.  184.  186.  192 
Religion  180.  186 
Relle  s.  Rennle 
Remise  181.  183.  186 
-renken  101 
rennen  48 
Rennle  163 
Rennschlitten  174 
rentabel  180 
rentieren  180.  183.  192 
repetieren  180.  183.  186 
Res  s.  Riß 
resten  48 
Resten  183 
retour  181.183.  184 
retzgen  137 
reuen  88.  172 
Revier  180.  183.  193 
Revolver  182.  183.  194 
rezent  180.  183.  188 
Rhabarber  180 
Rheintal(er)  164 
Ribel  64 

richten  64.  154;  richtig  92 
Rick  64;  ricken  64 
Ridikül  181.  189 


Riegel  64 

Riemen  85.  156 

Riese  62 

Riesel  64 

Riester  85. 176 

Riet  85.  173 

Rifwein  184.  187 

Rihen  108. 154 

rimsen-ramsen  63 

Rind  61 

Rinde  61 

Ring  33.63.80.  146 

ring  63 

Ringgen  63.  101.  148 

rinnen  61.  91.  163 

Rippe  64.  126;  rippsüchtig  90,  5 

ripsen  142 

risen  75 

riskieren  180.  189 

Rispel  64;  rispeln  64 

Riß  62.  173 

Ritere  75.  108 

Ritt  62 

robenisch  s.  rauh- 

Robert  90,  2 

Rock  65.  90, 1 ;  Rockli  90,  2 

Rod  184 

Rodel  65.  183 

Röhre  77 

Rolle  116;  rollen  22 

Rosa  90,2 

rösch  66 

Rose  184 

Rosette  181 

Rosine  180.  184.  190 

Rosmarin  180.  194 

Rosoli  180.  184 

Roß   65.90,6.143.173;    rößlen  90,6; 

rössig  90,  5 
rösten  77 

rot  21.  37.  119.  173;  rötsch  90,5 
Rouleau  181 
rözen  77. 136 
Rübe  126 
Rübis  108.115 

ruch  108.154;  ruchen  108.154 
Ruck  68 :  rücken  69 
Rücken  22.  69.  148 
Rufe  68.  130 
rufen  87.  129 

Rugel  67;  rugeleh  67.90,6 
ruggußen  148;  Ruggußer  148 
Ruhe   171:    ruhen   33.86.171;    ruhig 

87.90,5.  171 
rühmen  87.  157 
rühren  87 
ruhsam  42 


—     245 


ruinieren  180 

rumoren  180.  184:  rumorisch  180.  183. 

rumpeln  67.  126  [184 

rümpfen  67 

rund  188 

Rundelle  18U 

Rung  164 

-rünstis  (blut-)  96 

rupfen  V39.  116.  128 

rußen  00,  5 :  rußig  90, 5 

rüsten  153 

Rute  108 

rutschen  69.  119.  137 


Sack  50 

säen  73. 170 

Safran  181.  186.  188 

Saft  134 

Säge  116;  sägen  60 

sagen  27.  30.  49.  81.  116.  173 

Sägmehl  30 

Sakrament  180.  186.  189 

Salat  180.  184.  188 

Salbe  90,  3 

Sälfli  49 

Salz  103.135;  salzig  90,5 

Same  95.  156 

sammeln  174 

Samstag  142;  samstägerig  90,5 

samt  156;  samthaft  134.  156 

Samt  156. 181 

Samuel  90,2 

Sänger  4<s 

Sanktjohannesbeere  135 

Sanktniklaus  82.  181 

Säntis  156 

Sarg  m.  104 

Sarg  f.  s.  Zarg 

Sau  21.  88.  106.  171;  versauen  88 

sauber  29.  78.  115.  116;    säubern   79. 

sauer  78.  141  [115 

saufen  65.  78.  128 

Säufern  135 

saugen  90,  6.  108 ;  säugelen  90,  6 

säugen  82.  83 

Säule  78 

Saum  82;  säumen  82.  116;  säumlen82 

Saum  82 

säumen  78.  108.  116.  157 

sausen  135 

Saustall  109.  168.  175 

Schabert  181.  187.  188.  190 

schäch  154;  schächen  73. 154 

schaden  116 

schadhaft  33 

Schaf  73.  173 


schäffelen  90,  6 
Schafreite  80 
schaggelen  90,  6 
Schale  100;  schälen  48 
Scham  34;  schämen  49.95.116.156 
schänzelen  58 
Schappel  181.  188 
scharf  56.  94.  104.  129 
Scharlachlieber  181.  188.  190 
Scharnier  180.  188.  190 
scharren  104 
Schatthut  109.  133 
schattig  90,5 

Schatz  90,2;  schätzen  49.  116 
Schaufel  33.  108.  125 
Schaum  34. 108;  schäumen  78. 108. 116. 
Scheck  148  [157 

sched-  s.  schett- 
Scheibe  144 
scheiden  139 
Scheie  88 

Schein  75;  scheinen  108.  159;  schein- 
bar 109;  scheinbarlich  90,5 
Scheit  108;  scheiten  108 
schelb   171 
Schelfere  48.  130 
Schelle  116.  166 

Schelm  48.  138 

Schemel  49 

schenken  101 

Scher  97 

Scherbe  104 

Schere  48 

Schere  73 

scheren  100 

Scherpe  184.  186 

Schetter  60.139;  schetteren  139; 
schetteris  139 

scheu  108.154;  scheuen  108.154 

Scheune  79 

Schick  64;  schicken  64 

schieben  65.  79;  Schieber  85 

schieggen  85.  148 

schielen  63.  154;  Schieler  91 

Schielen  85 

Schiene  61.  159 

schier  85 

Schiere  85 

schießen  29.  79.  135 

Schiff  62 

schikanieren  180.  186.  189 

Schild  63.  133 

Schilling  63.115 

Schimmel  63.91.125.157;   schimmeln 

schimpfen  22.  63  [91 

Schindel  61 

Schindkog  28 


246 


Schirm  G2.  104 

Schlaf  128.173;  schlafen  22;  sdiläfeln 

73.  90,  (5;  schläferig  73.  90,  5 
Schlafsack  30 
Schlag   50.  99;   schlagen   27.  95.  120. 

154.  160.  161 
schlampen  102.126;   schlampig  90,5; 

Schlampi  102 
Schlange  146 
Schlanggen  148 
Schlappe  12(5 :  schlappen  126 
schlarpen  104.  126 
schlan  72 
Schlauch  150 
Schlaufe  82 
Schlaz  s.  Schleiz 
schlecht  116.  135 
Schlegel  48 
Schlehe  108.  154 
schleichen  62.  150 
schleifen  62 
schleiken  80 
schleipfen  129 
schleißen  96 
Schleiz 96. 136;  -schleizen  136;  schlei- 

zig  136 
Schlamms  61 
Schlemper  102.  126 
Schienggen  148 
Schlengger  148 
schlerpen  104.  126 
Schlich  62 
schlichten  64 
schliefen  65.  79 
schliferen  64.  130 
schlinggen  148 
Schlipf  64:  schlipfen  64 
Schlips  188 
Schlitten  62 
Schlitz  64;  schlitzen  64 
schlopferig  90,  5 
Schloß  135 
Schlötterlig  90,7 
schlucken  69.  152 
schluferig  90, 5 
schlüftig  90,  5 
Schlunggi  148 

schmal  97.99:  Schmeli  55.99 
Schmalz  103.  135 
Schmätterkäse  139 
schmecken   142 
schmeicheln  <sO 
schmeißen  62.  80.  91.  135 
schmelzen  48.  60 
Schmerz  104.  135 
Schmied   62.97.140;    schmieden   62; 

Schmiede  62 


schmieren  91.  94.  104.  171 

Schmisette  181.  188 

Schmuder  90,5.  139,  schmüderig  90,5 

Schmutterkäse  139 

Schmutz  68;  schmutzig  90,5 

Schnabel  53.  142 

schnäderen  139 

Schnake  148 

schnappen  126 

schnarchein  90,6.  104.  150 

schnattern  189 

schnatzgen  137 

schnätzgen  49 

schnaufen  130 

schnäuggen  148 

Schnecke  95. 148 

Schnee  74. 89. 171 ;  Schneeschlitten  89 ; 
Schneewalzer,  -wälzere  175;  schnee- 
weiß 34 

schneiden  62.  119 

schneien  22.  88.  170.  171 

schnetzeln  136 

schneuzen  79. 136 

Schnifel  64 

Schnitt  62 

Schnitte  62 

Schnittlauch  62.  109.  133.  151 

Schnitz  64;  schnitzen  64;  schnitzig  64 

Schnorre  65.  104 

schnotzgen  137 

Schnudernasli  90,  2 

schnürpfen  129  [90,2 

schnus(l)en  67;  Schnus(l)i  67;  Schnüsi 

Schochen  144.  150;  schöcheln  66 

schodlen  65.  90, 6 

Schokolade  181.184.188.189 

schon  120.  122.  160.  161 

schön  108.  116.  159.  160.  161.  174; 
schöneren  108.  159.  161 

schonen  108.  159 

Schopen  126 

schöpfen  22.  48.  91.  129 

Schoppen  65. 126;  Schopper  90,2 

Schoppen  126 

schoren  100 

Schörpelen  126 

Schoß  173 

Schragsäge  30 

Schranz  101.  135 

Schraube  130.175;  schrauben  130 

-schrecklich  90,  5 

Schrei  90,  8.  144 

schreiben  28.  33.  62.  125 

schrenzen  48.  101 

Schrift  62 

Schritt  62 

Schrofe  65 


—     247     — 


schröpfen  60 

schroten  76 

Schrunde  116 

Schudel  67 

schuderen  67 

Schuh  25.  109. 154. 161;  -schuhen  161; 
schühig  90,5;  Schuhmacher  109: 
Schuhsohle  109 

Schuld  68.93;  schuldig  69 

Schule  109;  Schüler  165;  Schullehrer 

schulich  90,5  [109 

schupfen  69 

Schuppel  67.  126.  144;  schupplen  67. 

Schuppen  67.  126.  144  [126 

Schürf  129;  schürfen  129 

Schuß  135 

Schüssel  70.  116.  166 

schüssig  90,  5 

schütteln  90,  6 

schutzig  90,  5 

schuzlich  90,  5 

schwäbisch  90,  5 

schwächen  48;  Schwäche  55;  schwäch- 
lich 57 

Schwager  73;  Schwägerin  73 

Schwalbe  33.  103.  171 

Schwanz  101;  schwänzen  137 

schwärmen  104 

schwarz  46. 56. 91. 94. 104. 167 ;  schwär- 
zen 48;  Schwärze  55.  104 

schwatzen  49.  116 

Schwebelpfeife  145 

Schwefel  125 

Seh  weher  154 

schweigen  108 

Schweineschmalz  109 

schweipfen  129 

Schweiß  173;  schweiße(le)n  90,8.  173 

Schweiz  108 

Schwelle  48 

schwemmen  48.  102.  157 

Schwenkel  48;  schwenken  101 

schwer  56.  73.  89.  142;  SchAvere  89 

schwerhaft  115 

Schwester  60.  91 

Schwibel  64 

Schwick  64;  schwicken  64 

schwimmen  22.  63.  68.  102.  157 

Schwindel  63;  schwindeln  63 

schwinen  75.  159 

Schwirbel  64 

schwitzen  64 

schwören  48.  89 

Schwumm  98.  157 

se  106.  141 

sechs  60.  154;  sechzig  105 

Secht  74;  sechten  74 


Seckel  48 

See  74. 171 

Seele  74 

Sefi  48 

sehen  27.  73.  120.  141.  154.  173 

Seide  108 

seien  88.  135 

Seife  80. 128 

Seihe  88.  108;  seihen  88. 154 

sein  27.  29.  64.  73.  75.  88.  142.  160.  161 

170.  171 
sein  (Pron.)  121.  159.  160 
seinetwegen  134 
seit  122;  seither  134.  176 
Seite  108 

Seki-et  180. 183. 189 
Sekretär  181.  183.  184.  186.  188.  189 
selb  (der-)  26.  29.  30.  121.  165;  selber 
sele  141  [33.93 

selig  108 

Sellerie  181.  183.  188 
selten  93.103.  119 
seltsam  (selzen)  103.  109.  135 
sene  159 
Senkel  48.  101 
Senn  48.141;  Senntum  109 
Sense  115.  141.  159 
Sent  183 

September  180.  187 
ser  74 
Serben  171 
Serviette  181.  190 
Sessel  60 

setzen  48;  setzig  57 
seufzen  79.  137 
Shawl  184.  188 
sich  29.  121.  151 
Sichel  64.  92.  115.  150 
sicher  64.  92.  150 
sider  s.  seither 

sie  (f.  und  PI.)  29.  88.  106.  121 
sieben  64;  siebent  133 
Siebensprächler  41 
Siech  85 
sieden  65.  79 
Siegel  64 
Silbe  63 
Silber  63.91 
Silvester  180.  183 
Sims  63.  135 
singen  37.  63.  67.  133 
Sinn  63.98.134.163;  sinnen  63 
Sirup  181 
Snugel  142 

so  35.44.  121.122.  141.161 
sofel  109 
Sohle  93.  141. 165 


-     248     — 


Soldat  180 
Solentaler  i:32 
Soll  89 

sollen  34.  121.  165 

Sommer  68. 100. 115. 1.56:  sommern  115 
Somnambule  19o 
Sonderwind  61 

Sonne  68;    sonnenhalb  134.  159;   son- 
nig 90,  5 
Sonntag  101. 109. 146;  sonntägerig 90,5 
Sorge  104;  sorgen  104 
spältig  90,  5 
Span  163 
Spanferkel  160 
Spaniole  180.  184.  186 
spannen  163;  -spännig  163 
sparen  29.49.  100.116 
Sparren  104 

spät  71.  73.  89.  142.  173;  Späte  89 
spazieren  180 
Spazig  184.188 
Speicher  150 
speisen  62 

Spektakel  180.  183.  188 
spekulieren  180.  183.  186 
Spenggen  101.  148 

sperren  48.  89.  104 ;  sperrig  57 

Sperrung  89 

sperr  offen  40 

Spezereiladen  180.  183 

spicken  64 

Spideren  64 

Spiegel  85 

Spiel   63.  99;   spielen   34.  63.  91.  100. 
116:  Spieler  165 

Spiere  108 

Spille  s.  Spinnle 

Spinat  180;  s.  auch  Binätsch 

Spini  100.  163 

Spinne  63 

spinnen  63.100.163:  Spinnerei  180 

Spinnle  163 

Spinnmücke  163.  171 

Spion  ISO;  Spionen  180 

Spiß  62.98.  173 

Spital  180.  184 

Spitz  62:  spitzen  62;  spitzlen  62 

spötteln  66.  116.  118 

Sprache  150 

spreiten  116 

Spreuer  88 

Sprienz  85 

springen  63.  146 

Sprotzen  65 

Spruch  68. 150 

Sprung  67:  sprUngweis  164.  175 

Sprünzel  159;  Sprünzelkern  159 


spulen  86 

spülen  87 

Spund  68.  101 

Spur  94;  spüren  94 

Staat  173.184.188;  stadisch  90,5 

Stab  51 

Stabelle  180.  193 

Stachel  150;  Stachelbeere  150 

Stadel  142 

Stadt  50 

Stafel  168 

Staffel  52 

Stäggele  148 

staggelen  90,6.  116.  118.  148 

Stamm  102;  stammweise  102 

stampfen  96.  102.  128;  Stampfe  90,3 

Stand  50 

Standari  180 

Stande  116 

stark   94.  104.  150:    stärken   48.  152; 

Stärke  55.  104 
stärrig  57.  104 
stät  73 

Statthalter  109.  133 
Statuten  ISO.  184.  192 
statzgen  49.  137 
staubig  90,  5 

Staude  78. 116 

stechen  150 

Stefz(g)e  137 

Stege  116 

stehen  27.  95.  120.  133.  160.  161.  173 

stehlen  93..  100.  115 

steif  75 

Steig  75 

steigen  62 

Stein   90,8.  135.  160:    Steinbock   33; 
Steinhauer  109;  Steinplatte  109 

stellen  48.93.  116.  166 

Stempfei  48 

Stengel  48 

sterben  94.104.167;  Sterbend  133 

Stern  60.95.104.  116 

stettig  57 

Steuer  79 

Stich  64.  92.  150 

Stickel  64 

sticken  64 

stieben  79 

Stiefel  62.91 

Stiefmutter  109 

Stiel  97. 165 

Stier  85 

still  63.91 

Stimme  63.98.  157:  stimmen  21.  102. 

Stock  152  [157 

stockdick  40 


—     249 


Stoff  65 

Stoffel  65 

stolpern  126 

stopfen  129 

Storch  65.  104.  150 

stören  100 

stören  77 

Störgeli  148 

Storzen  104 

Stoß    135.  173;    stoßen   76.  109.  135; 

stößig  90,5;  Stößel  77.135 
Stoßwagen  109.  135 
Stotzen  65 
Strafe  173 

Strahl  71;  strahlig  90,5 
Strapazen  180.  184.  192;    strapazieren 

180.  186.  192 
Straßburgerli,  Straßerli  90,  2 
Straße  73.  116.  173 
Strat  173.  175 
straucheln  150 
Strauß  78 
Straze  184.  188 
strecken  152 

Streich  80.  150;  streichen  62.  150 
streifen  80.  129 
Streit  173;  streiten  62.119 
streng  48.  56.  95 
streuen  83;  Streue  83 
Strich  62.  150;  strichweise  150 
Strick  64 
strielen  85 

strodlen  90,6:  strödelen  90,6 
Stroh  82 
Strolch  150 
strub  108 
Strudel  68 

struflen  90, 5 ;  struflig  90,  5 
strümmwis  s.  sprüng- 
Strumpf  128 
strupfen  69 
strützen  175 
Stube  68;  Stubete  168 
Stübis  108.  115 
Stuche  78.  150 
Stück  69. 118 

Student  180:  studieren  180 
Stuhl  90,1.116.165.  166 
Stumm  125 
Stumpen  67.  68.  126 
Stunde  68 

Stupf  129;  Stupfen  69.  129 
Sturm  68.  104 

Sturz  104.  135;  stürzig  90,5.  104 
stutzen  137 

suchen  22.86.  116.  118.  150 
Sucht  68 


sudeln  68 

Suff  68 

suggen  148 

Sulz  68.  69    . 

summen  135 

Sünde  70.  133 

süperb  180.  183.  193 

Suppe  68.116;  süppisch  90,5 

Surpf  129;  sürpfen  129 

surren  104 

sus  134 

süß  87.  116.135 

Süttere,  Südere  139 


t-  s.  auch  d- 

Tabak  s.  Back 

Tafel  33 

Tafere  180.  184.  187 

Tag  52.119;  täglich  57;  tags  119 

täggelen  148 

Taglohn  99 

Tagsatzung  175 

Tagwan  30.32.  157.  171 

Tal  51.  99 

talgget  148 

talpen  126 

Tambur  181.  184.  187 

Tamme  s.  Tagwan 

Tanne  116.163.174;  tannen  57;  Tan- 
ner 132 

Tanse  96.116.  132:  Tänslig  96 

Tanz  101 ;  tanzen  96. 101 

Tape  126;  Tapi  90,2 

Tapet  180.  192  [192 

Tapete  180.192:   tapezieren  180.190. 

tappen  126;  Tappi  90,  2.  126;  täppisch 

Tasch  s.  Teisch  [90,5 

Täsch  46 

Tasche  46 

Tasse  188;  Tassenblättli  116 

Tatsch  49;  tätscheu  49.116 

taub  82.  90,6.  124.  132;  täubsch  90,5; 
täubelen  90,6;  Täublig  90,7 

Taubenhabicht  175 

tauen  83 

taufen  82.  129 

tausend  138 

Tee  184.  191 

Teig  80.145;  Teighüfli  109 

teilen  80.  116.  166;  Teiler  132.  165 

Teisch  134;  teisten  134 

Teller  181.  186 

tengg  148;  tenggen  148 

Tenne  27.  48.  132 

Teppich  48 

Testament  180.  183 


250     — 


teuer  79.  116.  132 

Teufel  7^.96.159 

Text  183.  188 

Theater  180.  184.  191 

Tich  62;  tiohen  62.  150 

tief  79 

Tier  85 

tifig  63.  64.  130 

Till  34.  63.  165 

Tinte  188 

Tisch  64 

Tobel  65.66.90,1.132;  Tobler  132 

Tobias  88 

Tochter  90,1 

toggeu  148 

Tole  165 

Tolken  148 

toll  34 

Tollpatsch  49.  123 

Tomöl,  -ör  180.  183.  184 

tonieren  180.  183 

Tor  97 

Torkel  104.  148 

Tornister  180 

törsch  90,5 

Torte  183 

tosen  76 

Toser  90,  2 

Tosette  181.  183 

tot  173;  töten  77 

totteren  138;  tötterlen  138 

toujours  181. 188 

Tour  184 

träbig  90,5.126 

Trachter  90,2 

trächtig  57 

tragen  30.  49.  81.116.  173 

Trägtrucke  175 

traktieren  180 

Tram  90,1.  150 

trämperlen  126 

tränken  48 

Trap  126 

träppig  s.  träb- 

Trapple  126 

Trast  134 

tratzen  90,6;  trätzlen  90,6 

trauen  88.  135 

träuferen  83 

Traum  82;  träumen  82.  116.  157 

traurig  90,5.  114 

Treff  91;  treffen  65.  91.  128 

treiben  31.  62 

Treioks  181.  185 

Trenne  95.  159 

trennen  163 

trenten  183 


treschaggen  180.  184.  189 

treßen  96.  141 

Trester  50 

treu  88.  172 

treulich  31.88 

Triaks  s.  Treioks 

Triangel  s.  Dreiangel 

tribulieren  180 

Tribunal  180.  184 

Trieb  62 

trinken  21.63.67.  101.150 

Tritt  62 

trocken  68.115.116;  trocknen  70.92. 

115.  118.  150;  Trockne  92 
Trod(l)erli  90,2 
Trog  90, 1 ;  97.  99 
trogelig  90,5 
Tromelle  180 
Trommel  68.  125 
trompieren  180 
Tropfen  65 
troren  76 

trösten  77;  trostlich  90,5 
Trottoar  181 
trüb  87.  132 
Trucke  21 
Trüegle  185.  189 

trüejen  87.  109.  170;  trüehaft  109 
Trüeße  86 
trügen  79 

trüllen  166;  Trüller  166 
Trümmel  70;  trümmlen  70 
Trumpf  67.  68.  174 
tsch-  s.  auch  sch- 
Tschingge  188.  189 
Tschupper  67 
Tuble   183 

Tuch  150;  tüchig  90,5 
Tugend  115.  139 
tuggelen  90,6.  148 
Tulipane  181.  184.  193 
tun  27.  73.  86.  120.  122.  159.  160.  161. 
tummen  s.  düj|^en  [170 

Tumor  180.  184 
tunken  67;  Tünkli  70 
Tüntel  133;  tüntlen  133 
Tupf  68 
Turbe  183 

Türe  70.94.97.99.167 
Türken  104.  189 
Turm  68.  94.  104.  156 
tusam  90,  4 

tüslen  90,5;  tüslig,  tußlig  90,5 
tussig  90,5 

Tutsch  137;  tütschen  137 
Tutte  68 
twalest  138 


—     251 


üben  87 

über  29 

überall  38.98 

überblieb  124 

Ubergeschüh  90,8 

überhaupt  37 

überlaufen  37 

übernachten  175 

Übername  38 

üblich  125 

um  68.  69 

Umgang  38 

umgeheien  31 

umgehen  37 

umher,  -hin  125.  153.  157 

umschlagen  38 

unäßig  161 

Unblätsch  40 

und  29.  122.  159 

une  s.  aufher 

Unehre  161 

Unfall  98 

Unflat  71.  173;  unflätig  73 

ungefähr  160 

Ungenannt  175 

ungerechnet  40 

ungern  28.  38.  67 

ungesinnt  40 

ungewährlich  49 

ungewohnt  67.  160 

ungleich  67. 147 

Unglück  38 

ungut  28 

unig  158 

unleiig  68 

unmächtig  40 

unmanzig  90,5 

unringsam  90,4 

uns  68.  96.  121 ;  unser  29.  121 :  unsert- 
wegen 134 

unsauber  68 

TJnschlitt  96.  109.  151.  168.  174 

iinteEm8.  133.  16'5       , 

unter  29.  116.  133;  unterhalb  134; 
Unterst  90,4 

untersübersich  116 

Unverdacht  138 

unverschämt  156 

unz  175 

urchig  104. 150. 158 

Ursula  90,2 

Ürte  70.  104 

Urteil  38.  109 


vagieren  180 
Vater  37.  119.167 


Veilchen  s.  Viola 

ver-  167;  s.  auch  unter  dem  Anlaut 
des  Stammes 

verbarmen  104;  Verbannst  49. 104. 134 

verbösgen  142 

verbröcklen  90,  6 

verbrösmelen  90,6 

verbungglen  148 

verderben  48.  104.  138 

verdrecken  138 

verdrießen  1,38;  Verdruß  138;  ver- 
drüssig  138 

verexküsieren  180 

vergebens  115.  141 

Vergnügen  30 

vergrämen  48.  157 

Vergunst  96.  168;  vergünstig  90,  5.  95. 

verhäfelen  58  [96 

verirren  94.  167 

verkünden  70 

verlaborieren  180 

verlaferet  125 

Verlaub  134 

verlieren  79.  100 

vermaledeit  180. 185 

vermären  73 

vermäseren  46 

vernarrchten  167 

vernemmen  175 

Vernunft  96.  174;  vernünftig  96 

verraten  169 

verrühren  169 

Vers  104 

versäumen  29 

verschuhen  154 

verstäten  73 

Versteckens  115.  159 

vert-  s.  auch  ent- 

vertas(el)et  96 

vertäuben  83 

vertschweren  100 

vertuschieren  180 

verzauslen  78 

verzeihen  88.  108.  154 

verzipperen  64 

verzwan(g)t  175 

Vesper  60 

Vetter  48 

Vieh  60.  154 

viel  34.  63.  165;  vielbräuchig  79;  viel- 
ewig 40 

vielleicht  109.  166  [107 

vier  85 ;  viert  107 ;  vierzehn  109 ;  vierzig 

Viertel  133;  Vierteljahr  39;  Viertel- 
stund 39 

Viola  181. 184. 186. 189 

Visier  180 


252 


Vogel  65.66.90,1.115.116 

Vogt  65.  115.  175 

Volk  117.150;  Volkwerk  150 

voll  93.  166 

vollkommen  39 

von  131.  157.  161 

vorausliiu  113 

voraußen  113 

vorbei  88. 113 

vorder  167.  176;  vorderst  90,4 

vorlesen  38 

vorlieb  112 

vorn  104 

Vorteil  38.  109.  114 


wach  73.  154 

wachsen   21.29.33.142.154;    wächsig 

wachsen  49  [57 

wackeln  90,6.  147.  148 

wacker  152 

Wade  175 

Wage  145;  wägen  145 

Wagen  51. 115.  116.  159.  166;  Wagner 
115;  wägelen  58 

Wahl  138;  wählen  100.  166 

wahr  71.  167;  Wahrheit  153.  154; 
wahrlich  73.  90,5;  wahrscheinlich 
40.  174 

währen  60.  100;  während  133.  159 

Wald  103.  139 

Wali  90,2 

Walmen  103.  171 

wälpelen  126 

Walter  90,2 

wälzen  48 

Walzer  175 

Wand  29.  50.  133 

wann  s.  wenn 

wannen  163 

Wäntele  49.  95.  101.  133 

warm  33.  90,2.  94.  104.  156.  171;  war- 
men 167;  wärmen  48.91:  Wäi-me 
55.  91 

warnen  104.  159 

warten  22.  104.  133.  167 

Warze  22.  104.  135 

was  21.  44.  98.  135.  159.  161 

waschen  46.144;  Wäsche  48.91; 
Wäscherin  114.  115 

Wasen  46 

Wasser  90, 2 ;  wässerig  90, 5 ;  wässerlen 

Wässer  46  [58 

Watsch  49.  137 

watschien  49 

Watz  137 

weben  65;  Weberei  180 


weheren  s.  wehweren 

wecken  48 

Wecken  48.  148 

Wefel  60.  125 

Weg  99;  Wegweiser  99 

weh  161.168;  Weh  171;  wehweren  171 

wehen  73;  Wehe  73 

wehren  48.  89.  100 

Weib  75.  125 

Weichsel  92 

weidlich  33.63.90,8.108 

Weiher  88 

Weihnacht  109.  154.  159 

weil  122 

Weile  116.  165 

Wein  160;  weinelen  159;  161 

weisen  33.  62 

weiß  153.173;  Weißbrot  109;  Weiß- 
horn  109;  Weißmues  109;  Weiß- 
nase 109;  Weißnäherin  109.  135; 
Weißruck  109;  weißseiden  126 

weit  115.116.  133.  173 

welcher,  -e,  -es  60.  93.  135.  151 

welsch  49.90,5.103.  174 

Welt  91.  133 

wem  34.95 

wen  95 

wenn  27.  48.  163. 174 

wennen  48 

Wentusse  180.  184.  186.  188.  190 

wer  44.  67 

Werben  184.  190 

werden  91.  104.  139 

werfen  60.  91.  94.  104.  128 

Werg  104.  150 

werken  104.150;  Werktag  109 

Wer(l)e  48.  89 

Wermut  109.  114 

Werpfe  91.  104.  128 

Wert  104.139;  wert  104.139 

Wespe  33.49 

Weste  183.190 

wetterleichen  150 

wetzen  136 

wichsen  154 

wichtig  64 

wie  85.122.161;  wieviel  109 

wi(e)der  62 

Wiege  85 

wieggen  148 

Wiese  62.97 

Wiesel  62.116 

wiflen  64.  125 

wild  63. 116;  Wildkirchlein  91:  Wild- 
nis 115 

Wille  63.  166 

Willkomm  39.  91.  189 


—     253 


willwankig  90,5 

wimmeln  33.  63 

wimmen  61:  Wimmet  61 

wimslen  63 

Wind  61;  windbläsisch  173:  Winds- 
braut 61 

Windel  61.  91.  133 

winden  61.91.  133 

winggen  148 

Winkel  63 

winken  63 

Winter  61.  96. 101.  135.  167 

wintsch  63 

winzig  171 

wir  121.  171 

Wirbel  64 

wirken  152 

wirklich  152 

wirser  168 

Wirt  62.91.94.104;  wirten  91.104: 
Wirtin  114;  Wirtschaft  38 

Wirten  62.  104 

Wisch  91:  wischen  91 

wischt  64 

wissen  29.62.91 

AVitfrau  27.  62 

Witwer  62 

Witz  64 

wo  106.  161.  167 

Woche  65.  150 

wohl  34.  65.  89.  120.  165.  171.  176 

wohlfeil  34.90,4.  109.114 

wohlgemeint  31.  89 

Wolchen  150 

Wolf  90, 1 

AVolke  117.  150.  1.52.  165 

AVolle  67.  116.  166:  wollen  67.  69.  166 

wollen  27.  29.  65.  120.  121.  165.  171 

Worb  104 

worg(l)en  65.90,6 

Wort  104.133:  wörteln  104 

wüeschnen  175 

wühlen  166 

Wuhr  8(1 

Wunder  68 

AVuusch  96.  174:    wünschen  96.  122. 

AVurf  68.  90, 1.  94.  104  [174 

AA^ürfel  104 

würgen  68.  94.  104 

AA^urm  90,1.94.  104.156 

AVurmet  s.  AA^ermut 

AA'urst  68.94.104:  wurst(l)en  90,6 

AVurzel  104.  115.  135 

wüst  87.  107.  116 


z-  s.  auch  s- 

zähe  73.89.108.154;  Zähi  89 
Zahl  97.99;  zählen  48.91.166:  Zäh- 
ler 166 
zahlen  100;  zahlig  90,5 
zahm  34.  71 

Zahn  50.  89.  97.  160;  zalmen  161 
zäunen  49.  163;   Zänne  49 
Zapfen  51 
Zapfen  49 

zappeln  90,6.  125.  135 
Zarg  135 
zäuchen  77 
Zäuggli  83.  148 
zausen  77 

Zehe  108.  154;  zehelen  154  [133 

zehn  60.154;  Zehner  154.159;   zehnt 
Zeichen  80.116.150;  zeichnen  80. 150 
zeien  s.  seien 
Zeine  95.  135.  159.  160 
Zeislein  75.  141 
Zeit  108.  173 
Zeitung  37.  108 
Zeig  148 
Zelte  103 

zentieren  180.  188.  190 
Zentner  95.  101.176 
zentum  133 
zerren  48.  89.  104.  135 
Zeug  79 
Zeugnis  37.  115 
zi  64 

ziboldern  174 
Zick  64 
Ziegel  85. 135 
Zieger  64 

ziehen  65.79.108.154:  Ziehe  116 
Ziel  63.99:  zielen  63.99 
ziemlich  34 
ZiÖeu   173 
Zigarre  181.  184 
zigen  64;  zigi  64 

Zimmer  61;    zimmern  61.  91.  125.  157 
Zimmet  61 
zimpfer  63.  1-8 
Zinken  63.  148 
Zins  96;  zinsen  96 
zi-o  25 
Zipfel  64 

-zipperlen  126:  Zipperli  126;  Zippi  126 
zitieren  180.  192 
zittern  62.  135 
Zizeli  64 
zöchen  77. 155 
Zoll  89:  Zollstab  89 
Zollen  116.  166 
Zollstätte  50 


254 


zöpperlen  126 

zöslen  s.  zünslen 

Zottel  65 

zu  29.112.121.  161;  zu-  109 

zucken  69 

Zucker  98 

Zug  97;  zügig  90,5 

zuher,  -hin  153 

zummern  68.  125 

züraperlen  126 

Zundel  133 

zünden  70 

Zunge  37.  67.  118 

Zunne  116.  163.174 

Zunnmehl  27 

zünslen  96 

zupplen  67.  126;  Zupplerli  67 

zürnen  70 

zurück  69.  112.  148 

zusammen  49.  91.  112.  156 

zuschlägig  57 


zwahen  138.  154;  Zwäheli  49.  138.  1.54 

zwanzig  107 

zwatzlen  137 

zwei  80. 170;  Zweier  80;  zweierlei  80; 

zweifach  109.134;  zweispännig  109. 

163;  zweit  80 
Zwei  88;  zweien  88 
Zwerch  60.  104.  138.  154 
Zwerg  104.  132 
Zwetschge  183 
zwicken  64 
Zwilch  63.  117 
zwingen  63.  138 
zwirig  62.  100 
zwirnen  62.91.94.  104 
zwischen  91.  118.  134.  159 
Zwisel  64;  zwislen  64 
zwitzlen  137 
zwölf  91 
Zylinder  181.  183 


Berichtigungen. 


S.  1,  Z.  12:  419,6  statt  439,6. 

S.  16,  Z.  9  von  unten:  Fremdwörtern  statt  Lehnwörtern. 
S.  28,  Z.  8:  uo  s  statt  wo  s. 
S.  45,  Z.  3:  sä-gtt  s  statt  sä-gdt  s. 
S.  49,  Z.  16:  §  89,  Ib  statt  §  89,  la. 
S.  51,  Z.  3  von  unten:  pmäxt  statt  hmxt. 
S.  65,  Z.  19:  §  100  statt  102. 
S.  81,  Z.  14:  sytnrtid  statt  sörnmd. 
S.  105,  Z.  6  von  unten:  p  statt  ^. 
S.  111,  Z.  7  von  unten  und  S.  112,  Z.  11  von  unten: 
M2V  statt  MV. 


^.CVWiXVQM/VAAayCA.    ZA 


arter 
dumen 


(einfach  schraffiert)  ^      C^  (doppelt  schrafft 


oßftelt  schraffiert) 
nfach  II        ) 


eure 


M/     itl  oMi 


Jnnenflächen  der  Schneidezahne 


^JXAAWWAVVAACi^l.     tul%  9-19. 


rechter  Eckzahn 


ä  (ßie  Berührungsfleche 
~  der  Zunge  am  Oeumen 
ist  schraffierl) 


I,  UM  IMTOM  APPIlIEtlL 

mit  der  heutigen   politisch- kirchlichen  Einteilung 


Jle/>ntifaA-/ian    i<orli,Ji,ill,n  l ',i>e';OiI,*  ISU7 


Sretiltn 


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